Einzelbild herunterladen
 

M

k-W

Wtz,-

I

M»

MM k

-vyi

L I

4M

I.M-X-, Ä

- ■

L

K?1 .Wil

fi'A

M

‘.V 1

S>,i^ M Ef M,

BÄ

k

;MW

1

'U^W

Donnerstag, 3< Sept 1925,

fir. 202

Peter Spahn gestorben

Peter Spahn stand an der Spitze des R e i ch s» wahlvorfchlages der Zentrumspartei. Sein Nachfolger im Reichstage ist der Geschäftsführer der Deutschen Windthorstbunde, Studienassessor a. D. Dr. Kröhne.

Die italienische Presse bespricht den Artikel des „Osseroatore zust'nnmend und erinnert die Prager Regierungsleute -an den nicht gerade erbaulichen

Gründen für die Beibehaltung derselben war. Die Neuerung habe danm nachgegeben, dafür aber ohne Rücksprache mit dern Vatikan und der Nuntiatur andere öffentliche Feste aufgehoben, darunter ^-yristi Himmelfahrt: und das Fest des böhmischen ^iationalheiligen Stt Johannes von Nepomuk.

Andererseits Habs sie trotz des Einspruches des Herligen Stuhles den Nationalfeiertag für Huß eingesetzt und durch Beförderung der sogenannten Nationalkirche das Hussitentum wieder aufleben lassen wollen.

. r5'Ven Hussitenfahnen vor den Augen des päpstlichen Vertreters in Prag ist noch zu be- Eannt, um diese Verhöhnung des Heiligen Stuhles ln Gestalt seines Vertreters in Prag nochmals zu erwähnen.

Spahn ist ein ehrlicher und getreuer Hüter der alten Zentrumstradition stets und alle­zeit gewesen. Er ist aber auch der Verfechter der Grundsätze der Partei und ihr praktischer Wegbereiter gewesen, auch nachdem Volk und Vaterland in einem neuen Leben sich befanden, nachdem das Geschick uns aus den alten Gleisen der Politik und der Wirtschaft hinausgeworfen hatte und wir unter Schutt und Trümmern unsere Bahn von neuem suchen und finden mußten.

Spahn war immer auch stets der getreue Mentor der Zentrumspartei. Man muß es erlebt haben, wie sein Rat und seine Mahnungen in den vielen oft recht schwierigen Beratungen der verschiedensten Parteiinstanzen wirkten und welche Aufnahme sie dort fanden. Spahn mar kein Vielredner. Nur sehr selten mischte er sich ein. Oft erst am Schlüsse von mehrtätigen Beratungen nahm er das Wort und atemlos hörte man ihm zu. Und es waren oft nur ganz wenige Sätze, die er sprach, in denen er aber nicht nur mit der Autorität seines Alters, sondern auch mit der überzeugenden Kraft seiner Gründe seine Auffassungen darlegte, denen dann stets die ganze Partei folgte. So ist es 'hm oft mit ein< m Wort gelungen, einen recht heftigen Redekampf, ja oft schwere Eewissensbedenken, die in ehrlichem mieten Ringen zum Ausdruck ge­bracht wurden, zu überwinden und der Partei und ihren Kämpfern und Anhängern wieder dis rechte Lin'e zu zeigen.

Mit Spahn mrlierf das Zentrum viel, un­geheuer viel. In dem geistigen Ringen und Stre­ben unserer Zeit werden wir dessen vielleicht im Augenblick gar nicht so sehr bewußt werden, da uns bittere Not und Sorge bedrängt und wir immer noch mit unseres Lebens Notdurft und um die Sicherung unserer nationalen und politi­schen Eristenz zu kämpfen haben. Aber die Lücke, die der Tod in die Reihen des Zentrums und insbesondere der Reichstagsfraktion des Zentrums gerissen hat, wird doch ungemein schwer empfun- den. Wieder ist einer von der „alten Gards", ein Führer in des Wortes wahrster Bedeutung, uns weggenommen worden.

Das Andenken dieses Toten wird bei un-s unvergeßlich bleiben.

Der Herr Reichspräsident hat anläßlich des Ablebens des Reichstagsabgeordneten Dr. Spahn dem Sohne des Entschlafenen Prof. Dr. Spahn telegraphisch seine Teilnahme ausge­sprochen.

Reichskanzler Dr. Luther hat aus feinem Fe- rienaufenthalt aus Anlaß des Todes des Reichs­tagsabgeordneten Dr. Peter Spahn an den Sohn des Entschlafenen Prof. Dr. Martin Spahn ein in warmen Worten gehaltenes Beileidstele­gramm gerichtet.

Auch an den Vorsitzenden der Reichstagsfrak­tion des Zentrums Reichskanzler a. D. F e h r e n- b a ch richtete der Reichskanzler ein Beileidstele­gramm.

Die Vorstände der Deutschen Zentrumspartek und der Reichstagsfraktion des Zentrums veröf­fentlichen zum Tode Spahns folgenden Nachruf:

„Ein arbeitsreiches Leben hat feinen Abschluß gefunden. Des Verstorbenen Wirken galt fein Le­ben lang dem deutfchenVolke und dem d e ut- fchenVaterlande. Ueber 40 Jahre hat er im Reichstage für das öffentliche Wohl gewirkt. Des Vaterlandes Glück und Unglück hat er geschaut; auch im Unglück hat er an die K r a s t des deutschen Volkes geglaubt und umso unermüdlicher an sei­nem Wiederaufstieg gearbeitet. Die Kraft zu sei­nem Handeln schöpfte er auf tiefem k a t h o l i s ch en Glauben. Die Grundfätze des Christentums waren ihm Leitstern für fein politisches Handeln. Peter Spahn verkörperte die Tradition Windt- horsts, mit dem er noch viele Jahre zusammen ge­arbeitet hat. Er hat uns Windthorst als Vorbild lebendig erhalten. An seinem Grabe fühlen wir uns mit dem ErbenWindthorstsengver- Kunden. In den letzten schweren Jahren hat uns der kluge, weitschauende Rat Peter Spahns geleitet. Sein Geist wird auch in Zukunft uns beseelen. Wir danken dem teuren Toten für fein mühevolles Wirken und beten zu Gott, daß er ihm reichen Lohn geben möge."

China.

wbt Paris, 2. Sept. (Tel.) Harms meldet ans Peking: General Wn-Pei-F« hat durch einen Erlaß die feiner Autorität unterstehenden Provinzen für unabhängig erklärt.

Anreigen-Prelsc Meinsede (Colonel) lokal 0.15 üioldmarl

Der heilige Stuhl und Böhmen.

Aus Rom schreibt unser Korrespondent:

Der „Osservatore" bringt einen offiziellen Artikel, welcher sich mit den böhmischen Verhält­nissen befaßt und die Behauptungen von B e n e s ch in einem Prager Parteiblart richtig stellt.

Aus den Ausführungen geht hervor, daß die Behauptungen des Erfinders der kleinen Entente haltlos sind, daß Benesch nie im Vatikan zu Ver­handlungen anläßlich seines Rornaufenthaltes ge­wesen ist, und daß das ganze Verhalten dieses Staatsmannes ein denkbar unkorrektes war.

Benesch hat wohl den Kardinalstaatssekretär um eine Unterredung ersucht, habe aber unterlassen, dem Papste vorher einen Höflichkeitsbesuch zu ma­chen, wie es alle Außenminister zu tun pflegen, obgleich ihm Kardinal Gasparri in taktvoller Weiss dieses zu verstehen gab.

Darauf habe sich Unterstaatssekretär Borgon- cini zur böhmischen Gesandtschaft beim Helligen Stuhle begeben und mit Benesch gesprochen, um die Lage der Kirche in Böhmen nicht dadurch zu ver- fchlimmern.

Der Streit habe sich anfangs um die Abschaffung der sogenanten Feiertage der hohen Feste gedreht, welche die böhmische Regierung abgeschafft wissen hnr 8Wif an allda flita fAaiiifow 1

Vie Varimzahlmgen.

Wie das „Journal of Commerce" vom nord- amerikanischen Schatzamt erfährt, erhielten die Ver­einigten Staaten in dem nunmehr abgelaufenen Geschäftsjahr des Dawesplanes über 58 Millionen Dollar. Zur Abzahlung der amerikanischen Be- satzungskosten in Höhe von 245 Millionen Dollar wurden 14 725154 Dollars geleistet. Dem Trans­ferkomitee wurden, wie das Schatzamt mitteilt, etwa 3% Millionen Dollars zur Deckung der pri­vaten amerikanischen Ersatzansprüche überwiesen. In amtlichen Kreisen wird das Arbeiten des Da­wesplanes günstig beurteilt. Man hegt die Zu­versicht, daß es mit Hilfe des Planes gelingen wird, der finanziell en Schwierigkeiten Europas im wesentlichen Herrzuwerden.

Auslaut.

* Mussolini auch Minister für Luftschiffahrt. Mussolini hat das neugeschaffene Ministerium für Luftschiffahrt übernommen. Außer der Minister- Präsidentenschaft versieht Mussolini jetzt das Ministe­rium des Aeußrrn, das Kriegsministerium, dasjenige der Marine und jetzt auch das für Lustschiffahrt.

* Die deutsche Sprache in Istrien. „Popolo d'Jtalia" druckt einen Artikel des Trieftiner „Piccolo" gegen die Vorherrschaft verdeutschen und slawischen Sprache in Triest und ganz Istrien nach. Ganz besonders die bessere Gesellschaft Pflege, wenn sie sich nicht des heimischen Dialektes bediene, sich mit Vorliebe in deutscher Sprache auszudrücken und zwar sogar bei Feiern mit nationalitalienischem Charakter. In den Restaurants sprächen die Kellner und Gäste deutsch oder slawisch. Der „Popolo d'Jtalia" meint, daß dieses von dem Triestiner Blatt angeschnittene Problem die ernsteste Aufmerksamkeit der italienischen Behörden erheische.

* Neue spanische Banknoten. Wie Havas aus Madrid meldet, kündigt die Zeitung „Liberal" an, daß im Oktober neue Banknoten im Werte von 1000, 500 und 100 Peseten herausgegeben werden würden. Sie werden das Datum vom 15. Juli tragen.

* Selbstverwaltung für die südafrikanischen Ein­geborenen. Aus Kapstadt wird gemeldet: Pre­mierminister Hertzog teilte mit, daß beabsichtigt ist, der eingeborenen Bevölkerung in gewissem Um­fange Selbstverwaltung zu gewähren.

die Festversammlung bilden, bei der Erziehungsbeirat Wohlrabe, Chemnitz, Mtglied des amtlichen Ausschusses iimr.atotoen tÄÄ» «KSK 1 KÄä“' WWW «°n 8».

Roggen Weizen und Ss Gerste Hafer Malz Mehl Hafermehl Rindvieh Schafe Schweine Frisches Fleisch Schweinefleisch Zucker

Die jehiaen Zollsätze sind Nebergangs-Maß- nahmen. Sie sind deshalb niedrig gestaltet, um eine gewisse Spanne, namentlich auch für die Handels- vertragsverbandliingen mit dem Ausland, zu schaffen. Bis zum 1. August nächsten Jahres hofft die Reichs­regierung die Handelsvertragsverhandlungen im großen und ganzen abgeschlossen zu haben, sodaß die endgültigen Sätze feststehen. Würde das nicht der Fall sein, so würden die oben angegebenen erhöh­ten Sätze in Kraft treten. Das ganze jetzige Gesetz ist überdies provisorisch und nur bis zum 1. August 1927 in Kraft. Bis dahin muß dann der endgültige Zolltarif, der bis in alle Einzelheiten hinein spezialisiert und mindestens 4000 bis 5000 Positionen — gegenüber „nur* etwa 1000 des gegen­wärtigen Uebergangstarifs enthalten wird — ge­schaffen sein.

Für die Vorberatungen dieses Tarifs wird mcm aber eine viel l änger e Z eitdauer in Anrechnung bringen müssen, als das gegenüber dem jetzigen Tarßf mit bem abgekürzten parlamentarischen Verfahrest der Fall war. Es wird erwartet, daß der neust Entwurf bereits mit dem Etat für das Jahr 1926, also int Frühjahr des nächsten Jahres schon, an den Reichstag gelangen wird.

Die ^anöelsverträge.

Am 15. September treffen sich die deutschen und die französischen Vertreter in Paris zur Fortsetzung der seinerzeit abgebrochenen Handelsvertragsverhand­lungen. Am 16. Oktober läuft das Handelsvertrags- Provisorium mit Spanien ab. In den beiden Brennpunkten: Paris und Madrid werden sich die handelspolitffchen Auseinandersetzungen der nächsten Zeit ganz besonders widerspiegeln. Mit einer ganzen Reihe anderer Länder stehen wir in günstig fortschreitenden Verhandlungen, wie beispiels­weise mit Italien schon vor dem Abschluß solcher Erörterungen. Indessen wird mll den letzten For­malitäten gezögert, bis einerseits die Auswirkungen des zolltariflichen Instruments, das jetzt der deutsche Reichstag der Reichsregierung zur Wahrung der handelspolitischen Interessen des Reiches gegeben hat, einigermaßen zu übersehen sind und zum an­deren bis man erkennt, ob die für den Fortgang aller Handelsvertragsverhandlungen geradezu entschei­denden Auseinandersetzungen zwischen Deutsch­land und Frankreich zu einem günstigen End­ergebnis geführt werden können.

‘ * Tas Schicksal Memels. Wie in Rom bekannt wird, soll bei den demnächstigen Verhandlungen zwischen Polen und Litauen auch die Memel­frage angeschnitten werden. Bekanntlich besteht das Projekt, zwischen beiden Staaten einen Tausch vorzunehmen, wodurch Memel an Polen und Wilna an Litauen käme, sodaß so Polen einen direkten Zugang an die Ostsee bekäme und die unhalt­baren Zustände des Korridors und Danzigs dadurch geändert werden könnten.

Wie der Generalgent für die Reparationszah­lungen mitteilt, hat die D e u t s ck e Reichsbahn­gesellschaft am 31. August die am 1. Sep­tember noch fälligen Zinsen ihrer Reparations- Obligationen bezahlt. Damit sind von Deutsch­land im ersten, am 1. September v. I. begonnenen Geschäftsjahr des Sachverstöndigenplanes die zu leistenden Zahlungen vollständig bewirkt.

Deutschland und Völkerbund.

Geht Dr. Sfrefemann zur Fühlungnahme nach Genf? — Die Vorarbeit für die Sicher heikspakl- Konferenz.

Die jetzt in Genf wieder zusammentretende Lagung des Völkerbundsrats gewinnt nicht ihre Bedeutung durch die auf der Tagesordnung stehen­den Fragen, die einerseits Oesterreich und Danzi g, anderseits Mosful und Afrika be­treffen, sondern durch die hinter den Kulissen stehen- de aber immer brennender und in den Vordergrund sich drängende Frage, ob Deutschland dem Völkerbund bei treten wird. Darüber ift man sich allerdings in diplomatischen und an­deren politischen Kreisen durchaus klar, daß ein Gesuch Deutschlands zur Aufnahme in den Völker- dund in der jetzigen Septembertagung des Völkerbundes nicht zu erwarten ist. Immerhin ist man sich ebenso einig darüber, daß gerade die 'gegenwärtige Tagung den dort versammelten Dele­gierten erwünschte Gelegenheit geben wird, um Anter den Kulissen diese Grund- und Kernfrage der gesamten außenpolitischen Gestaltung zu disku- tieren und ihre Regskung vorzubereiten.

Im übrigen erwartet man auch in Genf das alsbaldige Erscheinen Strefemanns, zwar nicht als Teilnehmer an der Dölkerbundstagung, wozu ja Strefemann als deutscher Außenminister vorläufig noch garnicht in der Lage wäre wohl aber um in einer Konferenz der in Genf versammel­ten Außenminister die wichtigste Frage des Tages, nämlich den Eintritt Deutschlands in den Völker- Ed zu beraten. Die Genfer Tagung ist auch deshalb von fo großer Bedeutung, weil auf ihr tfenos die Vorbereitungen für die kommende toer?enr^eitSPOft'ÄOnferen5 grossen

Eintreffen der Delegationen.

Im Laufe des Dienstag sind die englische Delegation fast vollzählig e W^offen. Mit der englischen Delegation kamen außer Chamberlain auch Sir Robert Cecil und ~?r Graham an. Briand war von Loucheur und Claudel, dem Leiter der Völkerbundsabteilung am sjuat d Oriay, begleitet. Chamberlain und Briand nahmen entgegen früheren Dispositionen ihre Be­sprechungen bereits am Dienskag abend auf.

Tschitscherin will nach Genf kommen?

- ,®a8 '3°untaI ®enebe' verzeichnet eine Mel­dung aus Riga, wonach Tschitscherin inkognito den S VF Volkerbundsverfammlung beiwohnen ? J bemerkt, daß eine Bestätigung

dieser Nachricht btS jetzt nicht zu erhalten ist. “ 9

* Aushebung des Unisormverbots. Durch eine Verordnung des Reichspräsidenten, die vom Reichs- wehrminister Geßler gegengezeichnet wurde, wird auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung mit sofortiger Wirkung die Verordnung des Reichspräsi- deuten vom 30. August 1921, betreffend das Verbot des Tragens der Militärunisorm, aufgehoben.

In Bad W i l d u n g e n, wo er feit einigen Wochen zur Erholung weifte, ist am 1. September der Reichstagsabgeordnete Peter Spahn, der hochangesehene langjährige Zentrurnssührer, gestor­ben. Er wird in Lichterfelde bei Berlin beigesetzt werden.

Peter Spahn wurde am 22. Mai 1846 in Winkel am Rhein als Sohn einfacher Eltern geboren. Sein Bildungsgang war der für Juristen Übliche. Von 1857 bis 1866 besuchte er das Gymnasium in Hadamar und studierte dann bis 1869 in Würzburg, Tübingen, Berlin und Marburg. Er gehörte dem Verband kath. Studen- tenoereine (K. 53.) an. Im Jahre 1869 wurde er Re­ferendar am Ävellationsgericht zu Wiesbaden, 1873 Asses­sor und 1874 Kreisrichter in Marienburg. In Marien­burg blieb Spahn bis 1887, wo er Landgerichtsrat wurde. Von 1896 bis 1898 war Spahn Kammergerichts­rat in Berlin, von 1898 bis 1905 Reichsgerichtsrat in Leipzig. Im Jahre 1905 kam Spahn als Präsident an das Oberlandesgericht in Kiel und von da nach l Frankfurt a. M. Im Jahre 1917 wurde er Justiz­minister in Preußen. Er galt als hervorragender Ju­rist, der eine reiche literarische Tätigkeit in juristischen Fragen entfaltete und wesentlichen Einfluß auf die staltüng des 1900 in Kraft getretenen Bürgerlichen Ge­setzbuches ausgeübt hat. Im Jahre 1882 trat Spahn in das preußische Abgeordnetenhaus, 1884 in den Deutschen Reichstag ein. Von 1895—1898 war er zweiter Präsident, 1900—1911 erster Vizepräsident des Reichstages.

Wieder ift einer von der „alten Garde" dahin - gegangen, wieder hat der Herr über Leben und Tod einen »unserer besten und edelsten Führer — diese Bezeichnung in des Wortes tiefster Bedeu­tung! — zu sich genommen.

Die Reichzftagsfraktion des Zentrums, wie über­haupt die gany? Zentrumsanhängerschaft im ganzen Lande, steht trauernd an der Bahre von Exzellenz Spahn. Körperlicher Verfall zwang diesen geistig noch schier bis in die Sterbestunde hinein rastlos tätigen Mann zu Boden.

Fast 8 Jahrzehnte umspannen Leben und Arbeit dieser einzigartigen Persönlichkeit. Ausge­zeichnet mit hohen Geistesgaben, die ihn auch schon zu einer Zeit, im der Katholiken und Zentrums­leute recht schwer im Staate vorwärts kamen, tn hohe und höchste Aemter brachten, hat Spahn fein Geben lang unermüdlich gewirkt und geschafft, nicht nur zur Ehre und Zierde seines hohen Amte«, sondern auch zur SierteiSigung der Interessen der deutschen Katholiken«, wie überhaupt zur Wohl­fahrt des ganzen deutschen Volkes.

Jahrzehntelang wirkte Spahn im Deutschen Reichstag. Schon Mr kaiserl'chen Zeit Hai sich Spahn als Parlamen'tarier eine Position errun­gen, mit der die Regierungen von bamafs’ ernstlich rechnen mußten und rechneten. Trotzdem dem Reichstag von ehedem isie Bedeutung des heutigen Parlaments bei weitem nicht innewohnte, hat die Reichsregierung und hab en die damals amtierenden Reichskanzler es oft für notwendig gehalten, die Vermittlung Spahns in mächtigen und kritischen Si­tuationen anzurufen und .damit nicht nur der Per- sönlichkeit Spahns, sondern auch der Bedeutung der Zentrumspartei Achtung und Respekt zu zollen. Wie oft ist damals über den „Zylinder" des Ab­geordneten Spahn gespöttelt worden, dann, wenn Spahn den Weg zu einem hohen Reichsamte an» trat, und es war für die deutsche Oeffentlichkeit damals stets eine ausgemachte Sache, daß in diesem Augenblick eine wichtige polittsche Entscheidung getroffen war. So war es auch jeweils in der Tat. Spahns Mission hat immer in der Herbei­führung eines edlen Ausgleichs bestanden.

Als das alte Reich zusanmnenbrach und als Spahn dann, weil man ihn allgemein für un­entbehrlich hielt, in der Nationalver­sammlung wieder erschien, da war es dieser edle und treue Knappe, welcher dem Zentrum mit feinem sachlichen, klugen Rat zur Seite stand und der Partei und ihrer Politik die neuen Wege wies. 2Benn das Zentrum um dieses Weges willen so oft Anfeindungen erfuhr, so braucht man wirklich nur darauf hinzuweisen, daß ein Munn wie Spahn die Situation klar durchschaut und erkannt hat und daraus diejenigen Folgerungen zog, denen sich in ihrer gesamtpolitffchen Tätigkeit die Zentrums- Partei immer anschloß. Der Hinweis auf diese Wirksamkeit der alten Exzellenz, eines Mannes, der sein ganzes Leben lang ehrlich unb treu den Monarchen und der Monarchie gedient hatte, der aber in der Stunde der Not das Volk nicht ver­ließ und im hohen Aller noch alle Kraft daran fetzte, um dem Volk und dem Daterlande die Grundlagen für b$e Wiedergesundung und den Wiederaufstieg zu verschaffen, dieser Hinweis allein mußte schon genügen, um die Zweifler von der Richtigkeit unserer Politik zu überzeugen.

nämlich an die Provokation Herriots, die fran­zösische Gesandtschaft beim Heiligen Stuhle aufzu- heben, die auch mit einem Triumphe des Kardinal­staatssekretärs Gasparri geendet hat.

— lkurzschriftliche Mitteilung. Vorn 12.—14. Sept, tritt in Weimar die größte deutsche Kurzschriftgemein­schaft, der Reichsbund für Nationalstenogra­phie zum 27. Bundestag zusammen. Die Haltung der nationalstenographikchen Schule zur Frage der Reichs- kurzschrift ist bekannt; sie ist die Schule, die die Forde­rung nach praktischer Erprobung der verschiedenen Schriftungen in vergleichenden Lehrgängen auf­stellte. Dieser Forderung haben sich inzwischen fast alle Kurzschriftschulen angeschloffen. Der Bundestag wird wichtige Beschlüsse über die weitere Haltung der Schule zu fassen haben. Beim Wettschreiben wird in deutscher, englischer, französischer, spanischer Sprache und in Espe­ranto geschrieben. Den Höhepunkt der Tagung wird

Die neuen Zölle.

Am 1. September sind von den neuen Zöllen bestimmte Sätze bereits in Kraft getreten und zwar die Zölle für Getreide, Mehl, Vieh, frisches Fleisch, Malz unb" Zucker. Die Sätze, die von nun ab für die einzelnen Produkte gelten,sind folgende:

Verantwortlich iür die SchrMeitungi Dr. Johannes Kramer- Anreiaeu: I. P atieller, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der

Fuldacr 8 difttrvßetef in Fulda. Fernivrecher Nr- 9.

Monatlicher BeniaSvrelS: 1.50 W!.

1-----------nm iiBTrmr-——

auswLrts 0.20 Bold mark: Reklamereile lokal 0.60 Goldmark tö Tn hm

auswärts 0.80 Goldmark. :: vjfct. JU1J l Lj

Bei Miederboliinaen Rabatt- BoiUcheckkonto Frankfurt a. M- 4051.

Mark pro Doppelzentner

bis 31. Juli 1926

ab 1. August 1926

3

7

lz 3.50

7.50

3

7

3

, 7

6.80 ’ i

12.75

8

18.75

10

18.75

13

18

13

13

14.50

18

24

45

21

45

10

10

Anzeiger für die S'kadk und den kreis Fulda. Amtliches kreisblakl.

WMttNM W w rimr Wfr. 1' W.;