Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
Nr. 200.
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Dienstag, 1. September 1925.
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52. Zahrg.
Befremngrseier».
Große Kundgebungen in Düsseldorf und Duisburg.
In Düsseldorf sand am Sonntag unter Antell- nähme aller Schichten der Bevölkerung aus dem mit Fahnen und Tannengrün reich geschmückten Marktplatz eine öffentliche Kundgebung statt, um der Freude über den Abzug der französischen Truppen Ausdruck zu geben. Nach einleitenden Musik- stücken und (gefangsDorträgen nahm Oberbürgermeister Dr. Lehr das Wort. Er fprack vom Balkon des Rathauses zu all den vielen Tausenden, die sich auf dem Marktplatze und den anliegenden Straßen dicht drängten. Er rief nochmals die mit - der Besetzung Düsseldorfs verbundenen Lasten in die Erinnerung zurück, die sich als Volksnot in bisher nie gekanntem Maßstabe dargestellt hätten. Zur Zeit des passiven Widerstandes fei jeder vierte Düsseldorfer erwerbslos gewesen. In der Zeit der stärksten Besetzung Düsseldorfs sei auf je 10 Düsseldorf ein Franzose gefallen. Gerade in Düsseldorf habe man daher auch Verständnis dafür gehabt, daß die deutsche Regierung die schweren Lasten des Londoner Abkommens auf sich genommen habe. Wenn auch heute in Anbetracht der schweren Opfer Jubel nicht am Platze fei, so betrachte doch die ganze Bürgerschaft den Abzug der rechtsrheinischen Besatzungstruppen als die erste äußere Erleichterung, als Lichtstrahl auf dem dunklen Weg, den Deutschland noch zu gehen habe. Es gelte vor allem im Inneren die Reihen enger zu schließen und weiter zu arbeiten, um der ganzen Nation die ersehnte Freiheit zu bringen. Das zum Schlüsse von dem Redner ausgebrachte Hoch auf Deutschland fand einhellige Aufnahme. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes fand die Feier ihren Wschluß. Während der Feier kreuzten über dem Festplatz und der Stadt einige Flugzeuge, die von dem in Essen eröffneten Flugplätze herübergekommen waren.
Auch in Duisburg fand eine Befreiungsseier statt. Hier sprach Oberbüraermeister Dr. I a r r es. Bei der Stadtverwaltung der Stadt Duisburg ist aus Anlaß der Räumung der Stadt durch die Be- fatzungstruppen folgendes Gkückwunfchfchrei- ben des preußischen Ministers des Innern eingegangen:
Von den am 25. 8. übermittelten Anzeigen ober den Abzug der Befatzungstruppen habe ich nnt großer Freude und Genugtuung Kenntnis genommen. Der Herr Ministerpräsident hat der Stadt Duisburg die Glückwünsche der preußischen Staatsregierung bereUs telegraphisch übersandt. Die Anzeige von der nunmehr tatsächlich erfolgten Befreiung der Stadt Duisburg von mehr als 53 Monate währender Besetzung gibt mir indessen willkommene Veranlassung, auch meinerseits noch meiner besonderen Freude über das Ereignis Ausdruck zu geben. Zugleich benutze ich die Gelegen- check, um der Stadt Duisburg für ihr treus, zähes und besonnenes Ausharren in der vergangenen schweren Zeit meinen Dank und meine Änerken- nung auszusprechen.
Die Stadt Duisburg hat unter den Stürmen, die in den letzten Jahren über das Ruhrgebiet besonders schwer zu leiden gehabt. Politische und wirtschaftliche Wirren und El durchgeführte Ausweisungen,
W Freibeitsstrafen, ein sehr hartes Geiselsystem, forme endlich der beklagenswerte Verlust zahlreicher blühender Menschenleben zeichnen den Leidensweg der schwer geprüften Bevölkerung. Wenn sich die Stadt heute der berechtigten Freude über die wred«rgewonnene langersehnte Freiheit hingibt, so werden die Gedanken dennoch nicht frei von Sorgen fem. Unter dem Drucke der heutigen wirtschaftuchen und sozialen Sorgen möge es der Bevölkerung der Stadt Duisburg vergönnt sein, nach der nunmehr erfolgten Befreiung von jahrelangem Besatzungsdrucke recht bald zu neuer Blüte empor- zusteigen und sich ihren großen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben in alter Schaffensfreude unge- hemmt zu widmen. Mit diesem Wunsche rufe ich der Stadt Duisburg ein herzliches Glückauf zu
Der Drusenaufstarrd.
E Paris. 31. August. (Tel.). Wie die „Chicago Tribüne" aus Jerusalem vom 30. August Eldek, haben die Drusen am Sonntag die Festung S ueida. die feit 24 Tagen belagert wurde e i n- genommen. Die französische Besatzung' hatte sich bis zum letzten Augenblick gegen die Drusen, die in der llebermachl waren, tapfer verteidigt' Da es jedoch den Verteidigern an Munition und Wasser mangelte, waren sie nicht in der Lage, den khken heftigen Angriff der Drusen zurückzuschlagen. Die Besatzung der Garnison wurde gefangen genommen. Vor der Aebergabe zerstörten die Franzosen die Festungsgeschühe. Ein heftiger Angriff der Drusen bei dem El Chacal wurde von den Franzosen mit Unterstützung von Tanks abgeschlagen. Der Feind erlitt schwere Verluste. Di- französischen Truppen blieben weiter Herren der Eisenbahnlinie Daera-Damaskus. Wie cs in dem Bericht weiter heißt, war die französische Garnison von Sueida 700 Wann stark und bestand hauptsächlich aus algerischen und anderen Truppen. Wahrend der ganzen Belagerungszeit haben ftan- Zösische Flugzeuge die größten Anstrengungen un- fcsnommen, um die Garnison mit Wasser und E-nsMitteln versorgen. Der Bericht von der Dnnähme von Sueida ist offiziell »och nicht KMtigt. : > . » .
Dir Botschaft der Birchenkonferenz.
Die Weltkirchenkonferenz in Stockholm, an der bekanntlich alle Kirchen, die den Papst in Rom nicht anerkennen, teilgenommen haben, um die von ihnen verlorene Einheit wieder zu gewinnen, ist in feierlicher Weise geschlossen worden. Die Weltkirchenkonferenz hat einstimmig beschlossen, die B i l d u n g eines F o r t s e tz u n gs- ausschusses der Weltkirchenkonferenz von 67 Mitgliedern in die Wege zu leiten. Der Führer der deutschen Delegation erklärte, die Beschlüsse des Ausschusses dürsten nicht verbindlich sein. Oberkonsistorialrat Schulz beantragte, daß der Fortsetzungsausschuß die Verbindung mit der religiösen und der politischen Presse Herstellen solle. Professor Titius-Derlin beantragte die Einsetzung eines ständigen Ausschusses zum Studium der ökonomischen und charitativen Aufgaben in allen Ländern, ferner die Herausgabe einer Zeitschrift, die eine Uebersicht über die Aufgaben des christ- lichen Sozialismus bieten solle. Schließlich führte der Generalsekretär der europäischen Sektion, Lizentiat Stange-Leipzig aus: „Die Konferenz war die erste große Ausspräche sämtlicher (?) Kirchen der Welt. Ihre Fortsetzung muß in voller Offenheit und Freimütigkeit geschehen. Auf der Weltkonferenz haben diese manchmal gefehlt."
Das Hauptwerk der Konferenz war eine Bot- schaftandieChristenheit. In dieser Botschaft heißt es u. a.:
Der Evangelist Johannes sagt: Er hat sein Leben für ims gegeben. Wir müssen auch unser Leben für die Brüder geben. In gewissenhafter Befolgung dieses Programms sind wir uns über unsere dringenden Pflichten auf sozialem, politischem und internationalem Gebiete klar geworden.
Auf wirtschaftlichem Gebiet haben wir bis Seele als das Wertvollste von allem erklärt. Sie darf nicht als eine Maschine betrachtet und in den Besitz eingcgliedert werden. Ihr vornehmstes Recht ist das Recht auf Erlösung. Namens des Evangeliums haben wir erklärt, daß das ökonomische Regime sich nicht aasschließlich auf das Trachten nach persönlichem Vorteil, sondern auch auf Berücksichtigung des c -gemeinen Interesses gründen darf. Die Inhaber des Reichtums müssen sich als Verwalter Gottes und als verantwork- lich für die Macht betrachten, die ihnen anoertraut ist. Nur ein Regime der Zusammenarbeit zwischen Kapital und Arbeit wird den sozialen Staat ermöglichen, in dem die Arbeitgeber und Arbeiter in der Arbeit die Mittel finden, ihre weltlichen Aufgaben zu erfüllen.
Nach den ökonomischen Problemen haben wir die schwebenden moralischen und sozialen Fragen in Erwägung gezogen. Wenn die Umstände es verlangen, muß die Gesellschaft im Interesse des Allgemeinwohles dem irregeleiteten Individualismus einen Riegel vorschieben. Wir haben auch nicht die intimeren Fragen vernachlässigt, die auf dem Gebiete der Erziehung oder im Schoße der Familie oder bei der Berufsausübung durch die tiefgehende Achtung vor der moralischen Persönlichkeit der Frau, des Kindes und des Arbeiters heworgerufen worden sind. Die Kirche soll nicht für das Recht des Einzelnen als solchen, wohl aber für das Recht der moralischen Persönlichkeit eintreten, da alles was Mensch heißt, durch die vollständige Entwicklung jeder einzelnen Seele reicher wird.
Schließlich hat die Konferenz die Prinzipien des christlichen Internationalismus festgelegt, die sich von dem egoistischen Imperialimus ebenso fern halten, wie von dem indifferenten Kosmopolitismus. Wir haben den universalistischen Charakter der Kirche und ihre uralte Pflicht festgestellt die Bruderliebe zu predigen auszuüben. Wir haben nicht vor dem Pro- blem betreffend das Verhältnis zwischen dem individualen Gewissen und den Gesetzen des Staates zurück- geschreckt. Wir haben das Rassenproblem, das Schieds- gerichtoprinzip und die juristische Einrichtung untersucht, die ein friedliches Mittel bilden sollten, die Der- anlassung zum Kriege zu beseitigen: alles Fragen, die bei den tragischen Verhältnissen der heuti- gen Zeit unsere Herzen Und Gewissen sehr nahe berühren. Wir betrachten ee als die Pflicht der Kirche, zu- sammen mit uns dem Abscheu vor dem Kriege Ausdruck zu geben und zu erklären, daß der Krieg vollkommen unfähig ist, die internationalen Zwistigkeiten zu regeln. Wir fordern alle Kirchen auf, in Gebeten für die Erfüllung des Bibelspruches einzutreten, daß unter dem Zepter des Friedensfürsten „Güte und Treue einander begegnen und die Gerechtigkeit und der Friede sich küssen mögen".
Dieses Programm wird sicherlich in den deutschen protestantischen Kreisen, soweit sie kirchlich gesinnt sind, noch manche Erörterungen im Gefolge haben. Ob es sich auch in der praktischen Politik auf der deutschen Rechten auswirken wird? Bei der Schlußfeier in Upsala sprach der Patriarch von Alexandrien das uralte Glaubensbekenntnis der Christenheit „C r e d o N i c a e u m". Die F e st r e d e hielt derErzbischofvonUp. i a l a selbst Die Kirche muß lernen auf das zu lauschecks was Gott durch die Zeichen der Zeit
Wie haben wir uns gesehnt nach einem rechten Wort im rechten Augenblick, um der stummen Klage, dem stummen Schuldgefühl und dem stummen Gerechtigkeitssehnen Ausdruck zu geben
Welt. Das zweite was geschehen muß ist, daß die Christenheit in der Nachfolge des Meisters Einheit zeigt. > >
* Politische Personennachrichten. Der frühere Landtagsabgeordnete und Rittergutsbesitzer Karl Kaulen ist infolge eines Schlaganfalls im Alter von 74 Jahren m Köln gestorben. Kaulen war von 1921 bis 1924 Mitglied des preußischen Landtages und gehörte der Zentrumspartei an.
,™V?e9cIutt0 des russiich-polnischen Zwischenfalles. (Meldung der Telegraphen-Agentur Sowjet-Union). Die Delegierten der russisch-polnischen Kommission, die die Vorfälle, die sich jüngst an der Grenze abgespielt haben und in die polnische Truppenteile verwickelt waren, untersuchten, haben eine Vereinbarung getroffen, derzufolge Polen sich für die Vorfälle verantwortlich erklärt und sich verpflichtet, Schadenersatz in Höhe von 11450 Rubel zu und den verschiedenen Personen ihr geraubtes Eigentum wieder rurückzuertzatteu.
3um §all Wirth.
Aus Abgeordnetenkreisen wird uns geschrieben: Dieser Tage ist durch die Zeitungen bekannt geworden, daß der frühere Reichskanzler Dr. Wirth aus der Zentrumsfraktion des Reichstages ausgetreten ist. Leider haben sich die Zeitungsnachrichten bewahrheitet. Wir bedauern diesen Schritt von Dr. Wirth außerordentlich, weil er damit der Sache, der er mit seinem Austritte nutzen will, nicht dient, sondern sie vielmehr schädigt.
Das katholische Deutschland kann eine weitere Zersplitterung seiner politischen Vertretung n i ch t-ertragen.
Wir haben seinerzeit den Austritt der Bayerischen Dolkspartei aus dem Zentrum als ein Unglück betrachtet und wir können den Schritt von Dr. Wirth nicht anders beurteilen. Dazu kommt, daß Herr Dr. Wirth In der letzten Zeit an den Reichtagssitzungen überhaupt nicht teilgenommen hat und somit keine Kenntnis von den eingehend geführten Verhandlungen der Fraktionsleitung mit der Reichsregierung und den anderen die Regierung stützenden Parteien haben konnte. Wäre Herr Dr. Wirth in Berlin gewesen, so wäre es wohl kaum zu diesem Schritt gekommen.
Wir erkennen, daß ein Abgeordneter auf Grund seiner Gewissenspflicht zu einem solchen Schritt veranlaßt werden kann; trotzdem müssen wir betonen, daß vor dem Austritt eine persönliche Rücksprache mit der Fraktionsleitung notwendig gewesen wäre.
Wir hoffen daher immer noch, daß im Wege der Verhandlungen es in absehbarer Zeit zu einer Verständigung kommt.
Die Fraktionsleitung des Reichstages stand in den letzten Wochen vor so s ch w i e- rigen Problemen und Entscheidungen, daß nur derjenige ihre Haltung vollkommen verstehen und begreifen kann, der die Verhandlungen in der Fraktion mitgemacht hat. Der Reichstag mußte das Aufwertungsgesetz, die neuen Steuergesetze und die Verabschiedung des Zolltarifs zustande bringen. Wäre der Reichstag auseinandergegangen, ohne in diesen drei großen Fragen der inneren Politik zu einem Abschluß zu kommen, so wären die wirtschaftlichen Auswirkungen geradezu katastrophal gewesen. Diese Tatsachen wurden auch von der in der Opposition stehenden Sozialdemokratie anerkannt.
Der Streit ging nur darum, wie diese Probleme parlamentarisch gemeistert werden konnten. Die Beratung der Aufwertungs- und Steuergesetze im ^Plenum des Reichstages hat gezeigt, daß durch die wochenlangen Beratungen im Plenum des Reichstages irgend eine wesentliche Aenderung der Ausschutzbeschlüsse nicht hat herbeigeführt werden können. Bei der Beratung der Zollvorlage und deren Erledigung im Reichstag hat es sich nicht um einen Bruch der Geschäftsordnung des Reichstages gehandelt, vielmehr gestattet der § 42 der neuen Geschäftordnung ausdrücklich, eine ganze Dor- läge als Einheit im Plenum zu behandeln und darüber in einer Abstimmung abzustimmen. Die Opposition verlangte zum Teil bis zu 100 Stunden Redezeit zur Zollvorlage für jede Fraktion. Auf diese Forderung konnten sich die Regierungsparteien nicht einlassen, weil der übermüde und abgearbeitete Reichstag dann bis in den Herbst hinein hätte beisammen bleiben müssen. Im Zollkompromiß selbst wäre aber durch die lange Aussprache rein garnichts geändert worden, weil dieser nach den Ausschußbeschlüssen gemäß einer Vereinbarung der Mehrheitsparteien zu verabschieden war. Dabei handelt es sich nur um einen vorläufigen Zolltarif. Ohne die Verabschiedung der Zollvorlage wäre es unmöglich gewesen, die HandelsVertragsverhandlungen fortzuführen. Alle anderen Staaten haben Schutz- zollmauern um uns herum errichtet, und die Regierung braucht die Zollvorlage, um bei den Handelsvertragsverhandlungen mit gleichen Waffen kämpfen zu können. Kommen nicht alsbald die Handelsverträge, so wird unsere Wirtschaftsnot immer größer, die Ärbeitslosigkett würde zunehmen, und die Zeche hätte in erster Linie die deutsche Arbeiterschaft zu tragen.
Aus diesem Grunde heraus hat die Zentrumsfrar- tton sich für eine einheilliche Behandlung der Zoll- Vorlage im Reichstag ausgesprochen und diese mit anderen Parteien durchgesetzt. Die Zentrumsfraktion hat die taktische Haltung eingenommen, die notwendig war, am den parlamentarischen Erfolg sicherzustellen.
Im übrigen besteht die Demokratie in der deutschen Politik nicht darin, den Mehrheitswillen des Volkes, wie er nun einmal bei den Wahlen zum Ausdruck kam, nicht zu respektieren. Die Zentrumsfraktion kann mit der Demokratie und der Sozialdemokratte im gegenwärtigen Reichstag eine Mehrheitnicht zusammenbringen, und sie muß als Mittelpartei auf Grund der parlamentarischen Machtverhältnifle zur Zett mit der Rechten die gesetzgeberischen Arbeiten fördern und zum Abschluß bringen. In letzter Linie ist es daher das deutsche Volk selbst, das mit seiner Stimmen- abgabe diese politische Entwicklung eingeleitet hat. Dabei liegen die Verhältnisse praktisch so, daß nicht das Z e n t ru m der Rechten in den entscheidenden politischen Fragen entgegen gekommen ist, sondern die R e ch t e hat sich der p o l i t i s ch e n Auffass ungdesZentr um s in allen wesentlichen Punkten a n s ch l i e ß e n müssen.
In der Außenpolitik wird die alte Linie, die von Dr. Wirth und Marx fest gelegt worden ist, f o r t g e f ü h r t. In der Aufwertungs- frage haben die Deutschnationalen ihre ftühere Agi- tattonspolitik restlos aufgeben müssen. In der Steuerfrage wurden starke soziale Belange in die einzelnen Gesetze hineingearbettet. In der Zoll-
vr. tzWing von Lanzenauer t
wtb. Paderborn, 31. Aug. (Sei.) Weih bischof Dr. Hähling von Lanzenauer ist heut, vormittag infolge eines Schlaganfalle! plötzlich gestorben.
Weihbeschof H a e h l i n g von Lanzenauer, bei der Tod im 64. Lebensjahre so plötzlich abgerufei hat, war in Fulda kein unbekannter. Va Jahresfrist sprach er bekanntlich als Haupredner b« der Jubiläumsfeier des Bonifatiusvereins, dü unter Teilnahme fast des ganzen deutschen Episko pates im Stadffaal abgehalten wurde, über di Entwicklung des Bonifatiusvereins. Der Boni fatiusverein sah in ihm seinen unermüdlichen För derer, seit er im Jahre 1912 als Vizepräsiden diese für die katholische Diaspora Deutschland so wichtige Organisation leitete. Sei 1914 wa er au4 Präsident des Bonifatius-Sammelverein- Haehling von Lanzenauer war Rhaivländer vc» Geburt. Er war 1861 zu Koblenz geboren un- 1883 zum Priester geweiht. Er war lange in de Seelsorge tätig; von 1895 bis 1898 war er Dtrekto des theologischen Konvikts zu Paderborn; 19t wurde er Domdechant, Titularbifchof von Delcu und Weihbischof von Paderborn. Er beschäftigt sich neben feiner Arbeit als Vertreter des Bischof und seinem organisatorischen Wirken für den Boni fatiusverein auch literarisch mit den Fragen de Diasspora-Seelsorge. Gerade eine Woche vor seiner Tode, am Montag den 24. August, hat in der 5 geschlossenen Versammlung bei Katholikentages von Stuttgart Weihbischc von Haehling noch einmal in umfassender Weis über die Arbeit des Bonifatiusvereins in der letzte Zeit und über alle Diaspora-Fragen gesprocher Das Referat über die Diasporafragen war ihr auch in den letzten Jahren auf dem Katholiken tag immer auvertraut gewesen. War fein letzte Rede auch keine von den rednerische Großtaten der Stuttgarter Tagung, so haj ten doch bei jedem Hörer die an sachlich wertvolle Mitteilungen und Anregungen überaus reicher Darlegungen noch in bester Erinnerung. De Herr Weihbischof, dessen freundliche Liebenswüi digkeit ihm schnell alle Herzen gewann, hat d gewissermaßen kurz vor seinem Heimgang von d« Vorsehung Gelegenheit erhalten, das Fazit seine Lebensarbeit selbst zu ziehen. Das katholisch Deutschland aber wird die Trauerbotschaft va Paderborn mit innerster Erschütterung vernehme! und des heimgeangenen feeleneifrigen Mannes i frommem Gebete gedenken. Er ruhe in Frieden
Knschlußkundgebung in Wien.
Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand ar läßlich des Besuches des österreichisch-deutschen Volks bundes am Sonntag in Wien eine Kundgebun statt, die dem Anschlußwillen des überwiegende Teiles der Bevölkerung und der Gäste aus de« Reich machtvoll Ausdruck gab. In der bis at den letzten Platz gefüllten großen Volkshalle de Rathauses sprach zunächst Präsident Löbe übe die politischen Aufgaben, die zur Erreichung de angeftrebten Zieles zu lösen seien. Weitere reich- deutsche und österreichische Redner verschiedene Parteien ergänzten dann die Ausführungen de Vorredners, indem sie die gefchichlichen, kulturell« und wirtschaftlichen Fragen, die den Anschluß ei forderten, im einzelnen behandelten. Die wiri s ch a f t l i ch e n Gründe wurden besonders schai unterstrichen. Die in eindringlichen Wort« vorgetragenen Ansprachen fanden fortgesetzt bc geisterten Beifall. Da die Volkshalle die Menschen menge, die sich trotz des regnerischen Wetters ein gefunden hatte, nicht im entferntesten anfnehmmei konnte, wiederhotlen die deutschen und öfter reichischen Abgeordneten ihre Reden unter dem glsi chen Beifall von der Freitreppe des Rathauses ans Nach Schluß der über zwei Stunden während«! eindrucksvollen Anschlußkundgebung wurden di deutschen Gäste im Festsaal des Rathauses von der Vizebürgermeister Emmerling mit einer herzlich« Ansprache begrüßt, wobei er wieder die groß, Bedeutung des Besuches für den Gedanken ds Anschlusses hervorhob. Präsident Löbe erwidert unter dem Ausdruck des Dankes im gleichen Sinnt Hierauf waren die Teilnehmer an der Fahrt vm der Stadt Wien zu einem Essen im Kursalon ge laden. Die nächsten Tagen während des Wiens Besuches werden neben festlichen Veranstaltung« besonders der Besichtigung der sozialen Einrichtun gen der Wiener Gemeinde gewidmet sein. Außer dem finden in den nächsten Tagen zahlreich: Deutschland-Vorträge statt.
frage sind die Eetreidezölle von 5.— und 5.50 Mar gefallen, desgleichen wurde eine Reihe wesentliche: Verbesserungen bei den einzelnen Positionen bei Zolltarifs im Sinne der konsumierenden Bevök kerung durchgesetzt. Die Sozialpolitik wurde fort gesetzt. ZXe Verhältnisse liegen praktisch so, daß wenn die Sozialdemokratie Regierungspartei ge wesen wäre, die zustandegekommmenen Gesetzge bungswerke ohne wesenllichs Aenderungen auch voi ihr Hütten angenommen werden müssen. Wer diel: Gesamtverhältnisse objektiv prüft und berücksichtigt der kann den Schritt von Herrn Dr. Wirth nur auf richtig bedauern und zugleich der Hoffnung Aus druck geben, daß noch ein Weg der Lerständigun, gefunden wird.
Allen Parteiangehörigen sei daher empfohlen, bei beklagenswerten Vorgang ruhig zu beurteilen uni an bem Willen zu einer Verständigung unentroeg ststzuhalten. Die deutsche Zentrumspartei muf einig bleiben, bann ist sie stark unb in der Lage ihre große nationale Aufgabe, bis in ber Rettunx des Reiches unb Volkes besteht, zu lösen.