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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblalt.
Nr. 196.
Verantwortlich füt die Schriitleitung: Dr. JobauneS Kramer- Anzeigen- I- P arzeller, Iulda. Notmioniidriick und Verlag der Ctilhctr t riientrrckkr«- i« Ptilto. ^ririlrtttet Nr- S.
Monatlicher Se,.un8Br?!3: 1.50 ®tt.
Donnerstag, 27. Kugust 1925.
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52. Zahrg.
Die Preissenkungsmaßnahmen.
Die Ziele der Reichsregierung. — Entlastung öer Wirtschaft. — Lrzeuger- und Rleinhandelspreis.
64. GellecaloersallMlUU der AthMev Jeutschlllll-s
Der ktbschlutz der Tagung.
Am Dienstag abend wurden die Beratungen über die Preisbildungsfragen im Reichskabinett fortgesetzt. Sie werden voraussichtlich am Mittwoch nachmittag zu Ende geführt.
lieber die Absichten der Regierung zur Verhinderung einer weiteren Preissteigerung und der Herbeiführung einer Preissenkung kann nach Mitteilungen von zuständiger Seite folgendes gesagt werden: Die durch die Steuergesetzgebung erfolgte Entlastung der Wirtschaft, insbesondere die Herabsetzung der U m s a tz st e u e r, muß unbedingt zu einer Verbilligung der Waren führen, wenn auch die Wirkung nicht gleich am 1. Oktober einsetzen wird, da viele noch im Handel befindliche Waren noch mit den alten Steuern belastet sind. Ferner dürfen die neuen autonomen Zollsätze nicht zu einer etwa gleich hohen Preisverteuerung benutzt werden, da erst die in den Handelsvertraasver- handlungen zu vereinbarenden Zolle der Preisgestaltung zugrunde zu legen sind. Um dies zu erreichen, wird auf die beteiligten Wirtschaftsoroa- nisationen hingewirkt. Des weiteren wird die Regierung alle ihre Machtmittel anwenden, um eine ungerechtfertigte Preisverteuerung der Kartelle zu verhindern. Die Anrufung des Kartellgerichts bietet dazu die Maßnahmen. Durch den Reichswirtschastsminister können Beschlüsse von Kartellen aufgehoben werden. Aber auch einzelne Mitglieder können die Beschlüsse anfechten, und ferner kann das Kartellaericht Zwangsmittel der Kartelle gegen einzelne Mitglieder aufheben. Die Regierung wird solche Schritte unterstützen. Auch wird die Regierung von ihrem Rechte Gebrauch machen, die Richtigkeit eines Kartellbeschlusses durch
Düsseldorf frei!
Dienstag vormittag gegen 9 Uhr haben die letzten Truppen der französischen Besatzung, eine Abteilung Infamrie und ein Regiment Kavallerie, das rechtsrheinische Düffeldorf verlaffen, und damit ist der Brü ckenkopf Düsseldorf nach fast 4*/i iähriger Besetzung wieder frei geworden. Die Truppen zogen über die Rheinbrücke in daS linksrheinischbesetzte Gebiet ab. Zu irgendwelchen Kundgebungen ist es nicht gekommen.
Der Glückwunsch der preußischen Staatsregierung.
Anläßlich der nunmehr erfolgten Räumung der Städte Düsseldorf und Duisburg schickte der preußische Ministerpräsident Braun an den Oberbürgermeister der beiden Slädte Glückwunschtelegramme.
Das Telegramm an den Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf hat folgenden Wortlaut: „Die er- folgte Räumung der Stadt Düsseldorf gibt mir eine willkommene Gelegenheit, Ihnen namens der preußischen Staatsregierung den herzlichsten Dank zu übermitteln für die unverzagt treudeutsche Gesinnung, die Düsieldorffs Manner und Frauen in schwerer, mehr als vierjähriger Besatzungszeit in vorbildlicher Weise bewiesen haben. Ich gebe dem lebhaft empfundenen Wunsche Ausdruck, daß nunmehr das Wirtschaftsleben der Stadt Düffeldorf sich neu und ersprießlich entwickeln möge. Möge es auch dem zielbewußten Streben aller behördlichen und privaten Stellen vergönnt sein, die wirtschaftlichen Nöte und Sorgen, von denen große Teile der Bevölkerung bedrängt sind, zu lindern.
In diesem Sinne sende ich der gesamten Bevölkerung meine aufrichtigsten Grüße und Glückwünsche".
wtb Düsseldorf, 26. August (Sei.) Feier- liches Glockengeläut« von allen Kirchtürmen der Stadt gab de« Bürgern um Mitternacht bekannt, daß Düsseldorf von der Besatzung erlöst ist. In allen ösfentliche« Gaststätten erklangen vaterländische Lieder.
Die Londoner Verhandlungen.
Die Besprechungen der Finauzleute und Lach- verMadigen. — Laillaux's Ansicht über da«
Ergebnis.
Dienstag früh hatte Caillaux eine längere Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von England, Montagne Norman. Wie Reuter erfährt, war der Hauptgegenstand dieser Unterredung die von Frankreich übernommene Verpflichtung d e r R ü ck z a h l u n g der von der Bank von England an die französische Staatsbank gegebenen A n l e i h e n in jährlichen Raten. Nach Beendigung Lieser Unterredung hatte Caillaux eine kurze Besprechung mit Churchill. Im Laufe des Nachmittags folgten dann Verhandlungen zwischen Cail- loux und dem früheren Schatzkanzler und istz'gen Generaldirektor der Midland Bank, Mac Kenna und anschl'etzend Besprechungen der beide; fettigen Sachverständigen. Dienstag abend fand auf Einladung Churschills zu Ehren Caillaux ein Festessen statt, an welchem außer dem Außenminister Chamberlain und einige andere Kabinettsmitglieder teilnahmen.
In einer Unterredung mit Journalisten erklärte Finanzminister Caillaux, er habe sich wiederum bemüht, eine Annäherung zwischen dem französischen und englischen Standpunkt herbeizuführen. Auf die Frage, ob er Hoffnung auf das Zustandekommen eines Abkommens habe, erir.iber'te er: „Ein Abkommen kommt nicht!« Betracht. 8ch werde mit neuen Vorschlägen nach Paris zu
Klage beim Kartellgericht feststellen zu lassen, wenn das Kartell durch seine Preispolitik die Allgemeinheit schädigt. Auch kann das zuständige Ministerium die Neubildung anderer Verbände mit dem gleichen Ziele wie das aufgehobene Kartell verhindern. Auch die Nichtigkeit von Kaufverträgen kann ausgesprochen werden, wenn die Vertragsklauseln das Gemeinwohl gefährden.
Die Regierung beabsichtigt ferner, rücksichtslos etwaige aus der Inflationszeit stammende Klauseln des gleitenden und freibleibenden Preises zu be« kämpfen, ebenso Kaufabschlüsse in fremder Valuta. Beim Nahrungsmittelhandel gestaltet sich die Einwirkung schwieriger, da eigentliche Kartelle dort nicht bestehen. Gleichwohl besteht aber gegenüber den Friedenspreisen im Lebensmittelhandel eine unerhört große Spanne zwischen Erzeuger- und Kleinhandelspreis. Beim Fleisch macht sie nicht weniger als 8 0 Pro z. aus und zwar hauptsächlich infolge der wesentlichen Vermehrung der Fleischverkäufer, trotz des geringeren Fleischwerbrauches gegen die Vorkriegszeit. Die Regierung hofft durch die Entfesselung einer rücksichtslosen Konkurrenz diesem Uebelstand abzuhelfen und rechnet dabei auf eine stärkere Preiskontrolle der Verbraucher. Gegebenenfalls soll das Kontingent der Einfuhr von G e f r i e r f le i sch, das jetzt 80 000 Tonnen im Jahre beträgt, erhöht werden, um eine preissenkende Wirkung auf das Fleisch zu erzielen. Don Regierungsseite wird schließlich vor Angstkäufen gewarnt, da eine allgemeine Erhöhung der Preise keineswegs zu befürchten sei und eine solche törichte Handlungsweise gerade preisfördernd wirken würde.
rückkehren und sie meinen Kollegen zur Begutachtung vorlegen. Das ist alles."
Finanzminister Caillaux fährt am Donnerstag nach Paris zurück.
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Eookidge und die Schnldenfrage.
Hinsichtlich der Behandlung derjenigen Staaten, die ihre Verpflichtungen gegenüber Amerika noch nicht gereglt haben, glaubt Coolidge, daß das Abkommen mit Belgien keinen Präzedenzfall für die Regelung der französischen und italienischen Schulden schafft. Coolidge ist der Ansicht, daß Belgien zum Kriege in einem anderen Verhältnis stand als feine Alliierten. Er geht davon aus, daß Belgien als neutraler Staat in einer Weife in den Konflikt verwickelt wurde, daß es auf die Anteilnahme von Regierung und Oeffentlichkeit in Amerika rechnen konnte, und daß demgemäß in den Vereinigten Staaten der Wunsch bestand, Begien bei der Konsolidierung feiner Schulden so weit als möglich ent- gegenzukommen.
Das Feilsche« um die Zahlungsfähigkeit.
wtb p a t i s, 26. Aug. (Tel.) Die der „Ittcr- fin“ mikzuleilen weiß, fei Churchill bei den gestrigen Verhandlungen mit Eaillaux aus eine Mindestsumme von jährlich 14 Millionen pfnnd Sterling sür Frankreich heruntergegangen, aber dieses Angebot, habe Eaillaux erklärt, nicht annehmen zu können; er sei bei dem HSchstangebok von 10 Millionen pfund Sterling geblieben, wie das „Journal“ aus London meldet, erklärte Eail- laux gestern abend Pressevertretern gegenüber, daß er morgen mit neuen Verhandlungen nach pari» zurückkehren werde, um diese dem Ministerrat zu unterbreiten.
Der Drusenaufstand.
Eine Schlacht bei Damaskus.
wtb parie, 26. Aug. (Tel.) Der „Chicago Tribüne“ wird aus Damaskus gemeldet, daß gestern vormittag dort eine panik ausgebrochen sei, als plötzlich in der Umgebung der Stadl eine wilde Reiterschar erschien, die Anstalten machte, von den umliegenden Bergen nach der Stadt herunkerzukom- men. Die Garnison von Damaskus sei schleunigst unter die Waffen gerufen worden; während französische Flugzeuge auffliegen, fei es zu einer Schlacht gekommen, in der auf die Aufständischen Mafchinengewehrseuer eröffnet worden sei. Diese hätten sich dann unter den Schuh des umliegenden Gebirges zurückgezogen. Man habe schließlich beobachtet, wie sie sich nach Djebel- Drus zurückzvgen, woher sie gekommen seien. Man nehme an, daß, nachdem dieser lleberfall gescheitert sei, die Drusen keine weiteren unternehmen würden, doch werde die Lage als ziemsich kritisch angesehen. Rach den Korrespondenten hat sich der Einwohnerschaft von Damaskus eine große - regung bemächtigt.
Ernste Besorgnis in paris.
wtb London, 26. Aug. (Tel.) Die „T.uvis berichtet aus Beirut, daß nach Mitteilungen aus Syrien im ganzen Lande, insbesondere in Damaskus, großeUnruhen herrschen. Es scheine die allgemeine Ansicht vorzuhrrrschen, daß größere Massen der Aufständischen eine umfassende Erhebung unter den unzufriedenen Elementen Hervorrufen könnten.
„Daily Mail“ berichtet aus T- ;« dort werde über die Lage in Syrien gto Besorgnis empfunden. * j
Nun ist bür letzte Tag der herrlichen, eindrucksreichen Stuttgarter Tagung angebrochen, Auch den Vorabend hatten wieder zahlreiche Sonderver- anftaltungcn ausgefüllt, darunter die Festkornmerfe des K. V. und des 11. SS., die ebenso wie der Festkommers des C. V. am Sonntag, von dem Jubilarbischof Paul Wilhelm v. Keppler, von dem Präsidenten des Katholikentages Baron von Cramer- Klett, von Vertretern der staatlichen und städtischen sowie den Behörden der Technischen Hochschule mit Ansprachen ausgezeichnet wurden. Auf dem K. V.- Kommers sprach auch, von stürmischen Kundgebungen begrüßt, Reichskanzler a. D. Dr. Marx. Die Fuldaer Leserschaft wird es interessieren, daß auf diesem Kommers ein Fuldaer, Herr cand. jur. Freiherr Hans v. Eagern, als derzeitiger Vororts- präsident, die sehr beifällig aufgenommene Dater- landsrede hielt.
Am Dienstag morgen wurde nach altem Herkommen das Pontifikalreguiem für die verstorbenen Mitglieder der Generalversammlung geholten. Es schloß sich die Generalversammlung des Volksvsreins für das falb. Deutschland an. Generaldirektor Dr. Hohn erstattete den Geschäftsbericht. Dr. Wilhelm Marx feierte das Gedächtnis an Adolf Gröber, den unvergeßlichen schwäbi-. fchen Katholikenführer. Gedankentiefe Darlegungen machte Prof. Dr. Dessauer aus Frankfurt a. M.
Die letzte geschlossene Versammlung nahm zuerst Neuwahlen zum Katholikentags-Ausschuß vor. Dann wurde der Ausschuß beauftragt, die Stadt des nächstiährigen Katholikentags endgültig zu bestimmen. Zahlreiche Städte haben um die Versammlung gebeten. In erster Linie kommt als Stadt des Ostens Breslau in Betracht, daneben auch Dortmund hn westfälischen Industriegebiet.
Der Hauptberatungsgegenstand dieser wiederum sehr gut besuchten Versammlung bildete die katholische Presse. Verlagsleiter Treiber- Stuttgart legte die Gesichtspunkte dar. wie die Ausbreitung der katholischen Preffe gefördert werden kann. Die katholische Preffe muß in erster Linie jede Spur von Rückständigkeit gegenüber der sonstigen Presse austilgen. Dann kann sie jeden Wettbewerb aushalten. Der Hebung der Preise muß der Verleger dienen, indem er entsprechende Aufwendungen für Schriftleitung und technische Ausgestaltung macht. Mit schlechtbezahlten, nicht voll gebildeten Scherenredakteuren ist keine hochwertige Zeitung zu machen. Zu großen katholischen Tagungen müffen die Redaktionsmitglieder gesandt werden, damit sie lebendige Füblung behalten mit den Fragen, die die katholische Bewegung beschäftigen. Die katholischen Vereine müssen sich ihrer Pflichten gegen die katholische Preffe bewußt fein. Verständnis für die wirtschaftlichen und sonstigen Voraussetzungen einer Zeitung muß in allen katholischen Kreisen verbreitet werden, damit nicht durch übertriebene Kritik Schaden angerichtet wird. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an.
Aus allen Studentenkommersen wurde bemerkenswerterweise in Stuttgart der Gedanke zum Ausdruck gebracht, daß zwischen den katholischen Studentenverbänden, namentlich zwischen C.V.K O. und U. 23. die engste Arbeitsgemeinschaft angestrebt werden müsse yim Schutze der gemeinsamen hohen Ideale.
Die öffentlichen Schlußversammlungen wiesen beispiellosen Massenandrang auf. Zuerst sprach in diesen Versammlungen der mürb, tembergische Justizminister 23 e g u l e. Der Segen- tand seiner Ausführungen, die sich von jeder Be- chönigung sozialer Notstände freihielten, war: G e - ekligkeit und Liebe, die Vorbedingungen des sozialen Friede ns. Der Redner lehnt von dienstlichen Grundsätzen aus den Ruf nach dem „freien Spiel der Kunst“ mit Entschiedenheit ab, ebenso die vom Sozialismus geforderte Reglementierung der Wirtschaft. Jedes Eigentum aber ist belastet mit der unablösbaren Verpflichtung, es zum Nutzen der Mitwelt zu gebrauchen. Die ganze öffentliche Gewalt muß eingestellt fein auf die a11gemeine Wohlfahrt. So muß es auch fein in der Steuergesetzgebung, in der Fürsorge für notleidende Volksgruppen, im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aller Art. Gerechtigkeit im öffentlichen Leben, die überall Richtlinie fein muß, fordert vor allem Schutz der Familie. Neben der Gerechtigkeit muß aber zur Lösung der sozialen Fragen die Liebe treten. Eine glänzende Apologie dieser Liebe, der liebenden Ehrfurcht vor der Persönlichkeit, die dem Arbeiter nicht weniger zu eigen ist wie Angehörigen anderer Stände, bildete der packende Abschluß der Ausführungen, die ein Alormruf zur sozialen Fried en sarbeit an das katholische Deutschland im Hinblick auf die kommende Wirtschaftskrise darstellten.
Nach einer temperamentvollen Begrüßungsansprache durch einen Deutschamerikaner, der sich in der deutschen Notzeit als Organisator amerikanischer Kinderhilse um Deutschland besonders verdient gemacht hat und entsprechend geehrt wurde, sprach mit stärkstem Eindruck der Präsident des Caritas- verbandes, Prälat Dr. Kreutz aus Freiburg i. B., über das Th<>mä: Das A u s l a n d s d e u t s ch - um, unsere brennende Sorge. Begei- . <nd wirkte seine Forderung, die Bande zwischen
* ?hmnb. Außenminister Driand. der zur Gr» ü.-'uöi' -ii- .- Tage in der Bretagne weilt, wird Mittwoch ab: ;iö oder Donnerstag früh wieder in Paris eintreffen, um an dem am Donnerstag statt- findenden Ministerrat teilzunehmen.
Inlanddeutfchen und Ausländsdeutschen immer enger- zu knüpfen. Aus einem deutschen Katholikentage im Jahre 1849, also schon vor 7 5 Jahren, ist das katholische deutsche Volk an die Pflege des Auslands-Deutschtums zum ersten Male herangetreten. Die Linie der Pflege des Auslands-Deutschtums ist seitdem niemals verlaffen worden, was der Redner zur Ehre nationaler Strbeit des deutschen katholischen Volkes unter brausendem Beifall der Versammlung im Einzelnen barlegte. Das Band der Herzen, beruhend auf religiöser lieber» zeugung, muß auch weiterhin erhalten bleiben. Der hl. Petrus Canisius wurde auf Grund historischer Tatsachen gefeiert als der erste Pionier des Grenz- land-Deutschtums. Er soll unser Vorbild fein auch auf diesem Arbeitsgebiet, auf dem der erste Präsident des Cariiasverbandes, Prälat Werthmann und der Münchener Weihbifchof Buchberg, aber auch der kath. Gesellenverein, schon so Großes geleistet haben. Die letzte Bifchofskonferenz in Fulda hat fetzt den Ausbau des Auslandsfekretariats für die statistische Bearbeitung der Fragen der katholischen Ausländsdeutschen beschlossen. Da Hunderte von Ausländsdeutschen auf der diesjährigen Katho- lifentagung weilten, an die sich Dr. Kreutz mit packender Mahnung zur Treue wandte, bildeten die rhetorisch meisterhaften Schlußworte des Redners ein geradezu überwältigender Höhepunkt der Tagung. Beifallsstürme durchbrausten minutenlang das Haus. Auf ewig katholisch und deutsch! Wie ein Schwur wurde dieser Schlußruf des Redners von den Taufenden aufgenommen.
Dann erschien unter minutenlangen Begrü- ßungskundgebungen der Versammlung am Rednerpult der frühere Bundeskanzler Deutschöfterreichs, Prälat Dr. Seipel. Katholische Liebe und Völkerfrieden, darüber sprach der erfolgreiche Staatsmann, dessen Name in der ganzen europäischen Welt besten Klang hat. In feinsinnigen Darlegungen setzte er sich auseinander mit der Friedensbewegung, die vor dem Weltkriege bestand, unzweifelhaft in Verbindung mit Richtungen, die der Kirche abhold sind. Die katholische Kirche ist in der Friedensbewegung früher und jetzt ihre eigenen Wege gegangen und wird sie weiter gehen. Ist der Erfolg auch ungewiß, der K am pf für den F ri e- den der Welt wird nicht erlahmen dürfen, ob nun neuer Krieg kommt ober nicht. Die Katholiken müssen und werden für den Friedensgedanken unentwegt arbeiten. Deshalb sind wir keine Phantasten, wie die Gegner spotten. Wenn unser Ideal nur gut und recht ist, was kümmert uns Hohn und Spott. Ist es den ersten Christen anders gegangen? Hielt man sie nicht auch für Phantasten in ihrem Glauben an Christus? Und newn uns des Friedensstrebens willen die nationalistischen Parteien über die Achsel ansehen, was kümmert uns das? Wir sind nicht so schwach, daß uns diese Mißachtung etwas anhaben könnte. Ueberspann- ter Patriotismus ist eine schlechte Vaterlandsliebe. Durch viele Reden über den Frieden wird dieser allerdings auch nicht herbei geführt. Arbeit für den Frieden ist notwendig. Dieje Arbeit muß sich richten nach den Weisungen der christlichen Grundlehren. Es heißt: sich zuerst selber zum Frieden zu bringen. Nicht nur der Krieg mit Gas und Kanonen ist dem Frieden abträgig. Es gilt auch den sozialen Frieden zu erkämpfen. Da? wichtigste ist es, im eigenen Volke den Frieden herbeizulühreu. Nicht Kirchhofssrieden, aber sachliche Diskussion, keine Rauferei. Sonst kommt, noch schlimmer als der Weltkrieg, der sozial» Krieg in der ganzen Welt. Das Problem des Friedens aber wird uns Katholiken geistig weiter beschäftigen und noch auf vielen Katholikentagnngen Gegenstand der Auseinandersetzung sei. Auf zur Arbeit für den Frieden! — Die geistvollen und wohl abgemessenenen Ausführungen des Prälaten Dr. Seipel sanden stürmischen Beifall.
Präsident Baron v. Cramer-Klett hielt dann die Schlußrede, in der er allen dankt, die an der glänzendenStuttgarterTagung mitgewirkt haben. Unter, stürmischem SSeifaff dankte v. Cramer-Klett, der weih* haarige bayerische Aristokrat von vornehmster Prägung: und Gesinnung dem grauhaarigen Jubelbischof Paul Wilhelm von Keppler, deffen Name wie ein leuchtender Stern über der ganzen Tagung gestanden hat. Ergreifend war der Hinweis auf kommende dunkle Zeit und auf den Trost, der uns gegeben ist: „Es steht das erlösende Kreuz, und wenn die Welt in Trümmer sinkt!"
Jubilarbischof Paul Wilhelm v. Keppler sprach vor dem Segen tiefergriffen noch einige Worte. Er bat, nach all den Ebrunaen, die ihm zuteil geworden seien, ihm auch ein Requiescat in pace zu spenden, wenn die Zeitungen eines TageS melden würden, daß der Bischof von Rottenburg gestorben sei. Nach dem bischöflichen Segen sang die Versammlung unter Orgelbegleitung das „Großer Gott wir loben Dich." Ein Zeitungsbericht kann die überwältigende Stimmung dieses Augenblickes einer katholischen Kundgebung nicht schildern. Unter brausenden Hochrufen auf den Bischof und auch auf Prälat Dr. Seibel ging die Versammlung auseinander. Die 64. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, bemerkenswert wie wenige vor ihr, war zu Ende.
Dr. I. K.
* Amerika auf der Pekinger Konferenz. Die amerikanische Regierung hat die Einladung Chinas zu der Zolltarifkonferenz, di" am 26. Oktober in Peking zusammentreten wnd, formell an. genommen