Einzelbild herunterladen
 

lMMslr.MWl5W.)

Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

nr. 194.

Dienstag, 25. Kugust 1925.

Verantwortlich !ür die Schrirtlsitnng: Tr. JoLanneS Kramer- Anzeigenr I. B arzeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldocr Skliendrockerei in Fulda. Frrnldrecher Nr. S.

_________Monatlicher Bezugspreis: 1.50 Mk.

Anzeigen-Preise Kleinzeile lColonel) lokal 0,15 Goldmari

-uswLers 0.20 Goldmark: Reklamezeile lokal 0,60 Goldmark KQ auswärts 0Z0 Goldmark.; jUIJ l y

Sei Wiederholungen Rabatt. Bolticheckkonto Frankfurt a. M. 4061.

Die französische Antwortnote

nisationen erfüllten die frische Morgenluft. Auch diesmal meint es der Himmel wieder gut mit der öffentlichen Kundgebung, die jetzt die Katholikentagung einleiten soll. Ohne daß tropi­scher Brand niederstrahlt, hüllt doch festlicher Son­nenglanz alles ein. Bald wimmelt es von Fahnen und von Menschen. Aus allen Richtungen der weitläufigen Stadt ziehen in musterhafter Ordnung, von Musik begleitet, die einzelnen Gruppen zum Hofe der früheren großen Jnfanteriekaserne im Mit­telpunkt, der Stadt. Ein herrliches und gewaltiges Schauspiel bietet sich dort: der feierliche Got­tes dienst im Freien. Den gewaltigen Hof um­rahmen die fensterreichen Gebäude, viele in fest- lichem, Blumen- und Fahnenschmuck. Bor dem rückwärtigen Gebäude ist erhöht unter kostbarem Baldachin der Hochaltar und die Kanzel aufgebaut. Als der päpstliche Gesandte, Nuntius Pacelli, die Empore betritt, füllten den Hof Tausende und aber Tausende. Ein wahrer Fabnenwald baut sich auf. Studenten, Arbeiter, Gesellen, Kaufleute, Jüng­linge, die weiblichen Standesvereine, alle sind sie da in unerreichter Zahl. Zuerst hält der Jubel­bischof der Heimatdiözese, Bischof v. K e p pl e r, die Festpredigt. Vom Dache des Hauses tragen zwei Lautsprecher erstmals auf einem Katholikentag jedes Wort des Predigers mit ungeminderter Deut­lichkeit zu den fernsten Ecken.Ehre sei dem Va­ter und dem Sohne und dem Heiligen Geiste", das ist das Leitmotiv der Predigt, die die Einigkeit der Kirche und der Katholiken in diesem Glaubenssatze verherrlicht: Kirche und Katholiken: eins wie die drei göttlichen Personen, eins mit auch ihnen, darum eins untereinander. Eins die 800 000 Ka­tholiken der Diözese, eins die 20 Millionen Katho­liken in Deutschland, eins die 800 Millionen Ka-

und Europa und weist darauf hin, daß die Sympa­thien der Alliierten für die Vereinigten Staaten im Schwinden begriffen sind, und daß infolge der Haltung Amerikas gegenüber Groß­britannien die britische Regierung gezwungen sei, die Rückzahlung ihrer Anleihen von den Alliierten zu verlangen. Garvin erklärte weiter; er glaube nicht, daß sich die Regelung der Schulden glatt und programmäßia bis 1980 oder 1990 abwickeln werde. Er glaube vielleicht, daß die künftigen Staatsmänner

Garvin schließt, der Zwang, an Amerika Rück­zahlungen leisten zu müssen, werde mehr als der Völkerbund dazu beitragen, die Einigkeit, die Macht, und den Reichtum Europas zu fördern.

Garvin befaßt sich weiterhin mit der sechzig­jährigen Liquidation zwischen den Vereinigten Staaten

England und Frankreichs Kriegs» schulden.

Der sranzösische Finanzminister in London. Schwierige Verhandlungen.Verstimmung gegen den amerikanischen Gläubiger.

Neben der Erörterung über die Sicherheits­paktfrage stehen in dieser Woche die Verhandlungen über die Regelung der französischen Schulden an England im Vordergrund der europäischen Außen­politik., Schon vor einem Monat wurden Besprechungen über diese Frage ausgenommen, die aber zu keinem Ergebnis führien, da zwischen der englischen Forderung und dem französischen Angebot allzugroß? Unterschiede bestanden.

Jetzt hat sich der französische Finanzminister Caillaux nach London begeben, um im britischen Schatzamt den Weg für eine Lösung zu suchen.

Die gesamte britische Presse erörtert bereits mit lebhaftestem Interesse Caillaux' Besuch im britischen Schatzamt. Die Blätter beben hervor, daß die Ver­handlungen über die Regelung der französischen Kriegsschulden an Großbritannien angesichts der von beiden Regierungen vertretenen Ansichten seh» schwierig sein werden.

Der Pariser Berichterstatter desObserver" schreibt unter anderem: bei den bevorstehenden Er­örterungen wird die augenblicklich in Deutschland vor­herrschende Jndustriekrise und ihr Einfluß auf alle Kriegsschulden nicht vollkommen unberücksichtigt bleiben dürfen.

Garvin schreibt in dem gleichen Blatte: Es ist höchst wünschenswert, daß die Verhandlungen Erfolg haben werden. Caillaux' Besuch ist der wichtigste, der seit Jahren englischen Boden betreten hat, daß Caillaux der Mann ist, der im Leben Frankreichs und Europas noch lange Jahre eine immer wichtiger werdende Rolle spielen wird. Caillaux wird zwar keineswegs ein leichter Unterhändler sein, aber er weiß wenigstens, daß eine Regelung der Schulden- frage zustande kommen muß.

sammlung in der Reithalle wurde zu einem beson­deren Erlebnis das Auftreten eines katholischen Deutsch-Schweizers, des Präsidenten des Katholi­schen Vokksvereins in der Schweiz. Sein Wunsch, daß der Rhein, der in der Heimat des Redners als freier Strom entspringt, auch in den reichsdeutschen Gauen bald wieder restlos frei sein möge, löste wuchtige vaterländische Kundgebungen aus.

Der katholische Bischof und das k a - tolische Volk, das war das Thema, über das der bekannte Studentenseslsorger aus Münster in Westfalen, Prof. Dr. D o n d e r s sprach. Eine packende Gliederung hatte seine Rede: Mit einem dreifachen Segen segnet der Bischof, so oft er den Se­gen erteilt. Mit einem dreifachen Segen segnet der katholische Bischof das katholische Volk, mit dem

, musikalischen Rahmen der Veranstaltung, bestritten von der Kapelle des Jnf.-Regts. 13 und //rt Stuttgarter kath. Männerchören

iChordlrektor Hoffmann) war erstklassig. U. a. sang der ungefähr 400 Mann starke Chor dieLand- erkennung, von Erieg die ja durch dieWinfri- $l°,,.CUCs gekannt ist, in geradezu über­

wältigender Schönheit und Kraft.

Der Sonnkag-vormikkag

ist über die Feststadt heraufgestiegen. Glockenklang, Choralmusik und die frischen Weisen der zum Fest- gottesdienst anmarschierenden Vereine und Orga-

Nach Stuttgart.

Hinter dem Leipzig-Baseler Schnellzug schlägt der Nachtschwarze Distelrasentunnel das Tor zu. Heber dem Brandenstein glüht Frührot auf. Im Kinzig­tale fd)reiten im Morgennebel schon Schnitter durch das tautriefende Gras,' das reif ist für die Grummet­ernte. Ueber Frankfurt gehts, das gerade zum arbeitsfrohen Leben erwacht, nach Darmstadt und zur Bergstraße, deren zartgeschwungene Höhen Nebel­schwaden umhüllen Nebel lagert auch zur Rechten, wo in der Ferne der Rheinstrom fließt. Nach Heidel­berg kommt bald Bruchsal. Im beschleunigte!: Per­sonenzug tönt von nun ab allenthalben der gemüt- liche Tonfall des Schwabenvölkchens. Hopfen wächst jetzt rechts und links, Wein, MaiS, Tabak und waS der südlichen Pflanzen mehr sind, die uns Söhnen der rauhen Rhön im Garten der Natur besonders ouffallen. Jetzt muffen wir bald am Ziel sein, denn der turmbewehrte Berg da vor uns ist der Hohe n- asperg, daher bekannt, daß einst die Herren des Württembergischen Landes da oben in dem Turm

Noch in den Vormittagsstunden des Sonntags trat, wie üblich, die erste geschlossene Ver­sammlung zusammen. Es war die Wahl des Prä­sidiums vorzunehmen. Als Erster Präsident wurde der bekannte bayerische Katholikenführer Baron v. Cramer-Klett gewählt, dem zwei Stellver­treter (Fabrikant Krauß-Witt vom KKV. und Ge- werkschaftsfekretär Wenauer-Augsburg) zur Seite stehen. Fürst L ö w e n st e i n sprach dann als Pra- sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken- tage. Anschließend legte Geheimrat Dr. Porsch, dem diese Aufgabe alljährlich zufällt, die unverrück­baren Forderungen der Katholiken bezüglich der weltlichen Rechte des Papstes dar.

Für die großen öffentlichen Versammlungen machte sich das Fehlen des einheitlichen Versamm­lungslokals sehr störend bemerkbar. Die große Masse der Versarnmlunasbefucher eilte zum zwei- tenmale zum Hofe der Jnfanteriekaserne, wo die besten Volksredner zündende Ansprachen hielten. Aber auch die Parallelversammlungen in der Lie- verhalle und im Reithaus wiesen stärksten Besuch auf. Die Versammlungen des Sonntags waren gestaltet zu Huldigungskundgebungen für den Ju­belbischof der Diözese Rottenburg, Wllhelm von K e p p l e r. Den Gefühlen der Katholiken Deutsch-

Segen der Autorität seines Amtes, mit dem Segen der Gnade des Reiches Gottes, mit dem Segen der Liebe des Guten Hirten. Er pries den Segen der von der bischöflichen Autorität für das Geistesleben unserer Zeit ausgeht. Er wieK nach, wie die Gnadenströme, die von der Spendunr der Sakramente durch den Bischof ausgehen, un­zählige Wohltaten wirken sik das Volk. Er feiert? schließlich die Liebe des guten Hirten, die dem Bi­schof zur Pflicht gemacht ist:nicht sich bedienen zr lasten, sondern zu dienen und das Leben hinzugeben für die Brüder zur Erlösung der Welt". Der ge- dankentiefe und rhetorisch glänzende Vortrag ent­fesselte Beifallsstürme.

Von besonderer Bedeutung war auch die Rede des Münchener Franziskaner-Paters Erhard Schlund. Seine Ausführungen verbreiteten sich über die christliche Liebe als Heilmittel der Schä­den unserer Zeit. Der Gesamteindruck des ganzen Tages war stark wie je auf einem deutschen Katho­likentag. Hochbefriedigt verließen am Abend mit zahlreichen Sonderzügen Tausende die württem- bergische Hauptstadt in neugestärktem Gefühl ka­tholischen GlaubensbewiMeins. D.J.K.

Töne anschlug. (In der Parallelversammlung sprach der deutschnationale württembergische Staatspräsident Bazille.) Aber auch der auf an- derem weltanschaulichem Boden stehende Sprecher der Stadt Stuttgart, der 2. Bürgermeister Dr. Siglock rief dem Katholikentag "ein herzliches Willkommen zu. Den Höhepunkt der Feier bildete die Ansprache des Präsidenten des Stuttgarter Lo- kalkomitees, des Verlegers und Schriftleiters Dr. Treiber. Zündende Begeisterung rief er dank feiner einzigartigen Beredsamkeit hervor, aber auch durch seine humorvolle Art Ausbrüche einer herz­erquickenden Heiterkeit. Dr. Treiber konnte be­kannt geben, daß der Heilige Vater Papst Pius XI. ben Deutschen Katholikentag durch ein persönliches Begrüßungsschreiben geehrt hat. Es hat folgenden Wortlaut:

Geliebte Söhne, Gruß und apostolischen Segen. Daß die 64. Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands in Bälde stattfinden soll, und zwar in Stuttgart, der größten Stadt der Diözese Rottenburg, haben Wir aus Eurem Schreiben mit Freude entnommen: wird ja dadurch nicht nur der edle Wunsch der Schwaben, den Katholikentag in ihrem Lande zu haben, in Erfüllung gehen, sondern auch Gelegenheit gegeben zu einer be­sonders würdigen öffentlichen Chrenkundgebung für den so umsichtigen und klugen Oberhirten der Diözese, Paul Wilhelm von Keppler, der in diesem Jahr das Gedächtnis seines 50jührigen Priestertums und seines 25jährigen bischöflichen Wirkens feiert, und der mit so viel Weisheit in Wort und Schrift sich das Wachstum des hl. Glau­bens unablässig hat angelegen fein lassen. Wir beglück- wünscken Euch lebhaft zu diesem eifrigen Bemühen um die Förderung der katholischen Sache in Deutschland. Was könnte auch erhebender sein für das Herz des ge­meinsamen Vaters als die Ergebenheit liebender Söhne, die sich in gegenseitiger Liebe vereinigen, um für das Seelenheil Schutz und für die öffentliche Ordnung eine feste Stütze in jenen Lehren zu suchen, die von dem Apostolischen Stuhle, dem Horte der Wahrheit, ihren Ausgang nehmen? Mit Recht schreibt Ihr, wie Wir es selbst des öfteren ausgesprochen haben, daß in unserer schlimmen Zeit ein wahrer Friede auf keine Weise mög­lich sei, wenn nicht wieder auf Erden jene göttliche Liebe Christi zur Herrschaft komme, die allein die Schäden der Völker zu heilen vermag. Lastet also nicht ab, das so heilige Werk, das Ihr begonnen habt, mit Eifer fortzu- setzen und vor allem den Geist der Liebe allüberallhin zu verbreiten. Ein weithin leuchtendes Vorbild steht ja längst vor Euren Augen, Petrus Canisius, den Wir dieses Jahr in die Schar der Heillaen einzureihen das Glück gehabt haben. Ein Streiter Christi von unbesieg- licher Kraft, der auch in Schwaben so viel für das Heil der Seelen gewirkt hat. wird er sicherlich Euch bei Eurer Tagung mit seiner Hilfe nahe fein, und Wir zwei­feln nicht, daß unter feinem Schutz und durch seine Für. bitte der Kongreß zu dem gewünschten, für die katholische Sache wie für das bürgerliche Leben so segensreichen Ziele geführt wird. Wir aber, die Eure ergebene Ge- sinnung mit Unserer väterlichen Liebe erwidern, erflehen inständig für Euch den Beistand göttlicher Weisheit: und so erteilen Wir Euch wie allen Teilnebmern des Katho­likentages zum Unterpfand der himmlischen Gaben, die Eure Arbeiten zum glücklichen Erfolge führen mögen, von ganzem Herzen den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom am 10. August 1925, im vierten Jahre Unseres Pontifikates.

Papst Pius XL

Brausende Hochrufe für den Heiligen Vater fetz­ten nach der Verlesung des Schreibens ein» Viele aufend Hände erhoben sich zum Treufchwur für den Papst. Eine gewaltige Kundgebung. Nicht minder begelftyt wurde aber auch das Hoch auf dasdeutfche Vaterland ausgenommen, das Dr. Treiber am Schluffe feiner Rede ausbrachte. Die Riefenverfammlung fang dann stehend das Deutschlandlied.

Der Reigen der Begrüßungsredner war an die- em Abend von ganz besonders bedeutenden Per- önlichkeiten gestellt. Mit wahren Begeisterungs­stürmen wurde als erster Redner der greife Reichs­tagsabgeordnete Oekonomierat Herold begrüßt, der die Grütze aus Westfalen überbrachte. Herold, in dem fchloßweißen Haar des mehr als 70jähri- gen, ist aber auch das Musterbild eines echt katho- lifchen Mannes. Er verläßt feinen Posten nicht. Wie er schon am Mittag bei den katholischen Presse­vertretern zündende Worte gesprochen, so redete er auch am Abend mit Nachdruck und Wärme. Gro- ßen Beifall fand auch der Vertreter der katholi­schen Deutschen in den im Osten an Polen abgetre­tenen Gebieten. Bedeutsam, eingestellt auf die Einigung der deutschen Katholiken, waren die Worte des Sprechers aus München. Der badische Staatsminister Dr. Trunk gedachte der verstorbe­nen württembergischen Katholikenführer in schwe­rer Zeit, Eröbers und Erzbergers. Es kam zu an­haltenden Ehrenbezeugungen der gewaltigen Ver- sammlung für diese Männer. Nach dem Sprecher der deutschen Katholiken in Rom ergriffen noch das Ert der Weihbischof von Rottenburg und schließ- Ker Erzbischof von Honduras in Mittelamerika, ein Deutscher aus dem Rheinland, Angehöriger des r^u. r >n Deutschland verbotenen Lazaristenordens. ~e!? JBetenntnis zum deutschen Vaterland löste Beifallsstürme aus.

diePreß-Sünder", die sich damals meist in poeti­scher Form, aber nicht gerade sanftmütig zu äußern pflegten, mürbe zu machen suchten. Doch daS sind verstaubte Historien. Schon ist rings um uns blühen­des Leben. Vorstädte von Stuttgart, reich an ge­waltigen Industrieanlagen, deren Erweiterung noch in vollem Gange ist. Die riesige Linoleumfabrik in Bietigheim springt ins Auge. Gefällige Wohn­kolonien, im Tal und auf den Hohen, reihen sich aneinander, bis der Zug in die gewaltige Bahnhofs­halle Stuttgarts hineinrollt, in diese einzigartige neue Bahnhofshalle in Holzkonstruktion, wie man sie sonst in Deutschland wohl nirgends kennt. Flaggen grüßen auf dem Bahnhofsplatz. Schon zieht ein Pater Franziskaner, den wir schon auf früheren Tagungen getroffen haben, mit wimpel­frohem Zuge in die Stadt hinein. Die Ausschüsse des Katholikentages haben ihre rührigen Vertreter zum Empfang in die Bahnhofshalle gesandt: wie tm Vorjahr Hannover, so ist diesmal Stuttgart, Pe Haupistadt Württembergs, die Stadt des Katholikentages.

Die Stadt der Generalversammlung.

Schnell hat man sich in dieser Stadt eingesühlt ttnd Fühlung genommen mit der Bevölkerung, die im tiefen Tal und auf ragenden Höhen die Straßen der Stadt gebaut hat, dazwischen Schlösser, Kirchen, Bankpaläste, Handelshäuser, Theater und all das, was zur Großstadt gehört. Großstädte gleichen ein­ander. Aber der Unterschied zwischen Hannover, der Tagungsstadt des Jahres 1924, und Stuttgart springt sofort ins Auge. Unvergeßlich schön war es in Hannover. Vornehme Höflichkeit, die niemals unangenehme Einpfindungen auskommen und Trü­bungen zurückläßt, daS war der Grundton in Hannover. Nur einmal hat in Hannover eigentlich der wärmste Ton des Herzen? durchgeschlagen, in Wienern unvergeßlichen Schlußakkord, als Tausende deutscher Katholiken in dem gewaltigen Kuppelsaal ote Bischöfe und den damaligen Reichskanzler Wilhelm Marx geschart zum Orgelklang in das Großer Gott wir loben Dich" einstimuiten. In Stuttgart empfängt uns sofort herzliche Freund­schaft, die alles Erleben von vornherein warm und packend gestaltet. Unter dem schwäbischen Himmel gedeihen Freude und Begeisterung, Faktoren, dte auf den Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands immer dir liebsten Gäste gewesen sind und blechen sollen.

Der Auftakt.

Der Augustinusverein zur Pflege Der kath. Presse eröffnete nach altem Her- kommen die Beratungen der Katholikentage. Auch diesmal waren die Männer, die in der Preffe das Wort für die katholische Sache fuhren, zusammen- gerufen. Es war eine glänzende Versammlung, die in dem Turm des Stuttgarter Bahnhofs tagte. Katholische Journalisten aus allen Teilen Deutsch- lands, aus der Reichshauptstadt, vom Rhein und aus Westfalen, aus dem fernen Osten und aus dem Süden waren in großer Zahl vereinigt um die führenden Männer, die der deutsche Katholizismus im öffentlichen Leben unserer Zeit stellt: die alten Veteranen Herold und Porsch, Marx und Stegerwald, Fürst Löwenstein und viele andere. Justizrat Karl Bachem, der Geschichts­schreiber der deutschen Zentrumspartei, nahm als Referent in weitschauender Weise zu den politischen Problemen Stellung. Die Aussprache brachte in vielen Fragen die erwünschte Klärung der Meinun­gen. Die Versammlung fand erst ihr Ende, als die Stunde schlug zur

Begrußungsversammlung.

Zwei große Festsäle waren notwendig, um die Gäste zu fassen, die schon am Vorabend der Ta­gung sich in Stuttgart eingefunden hatten. In herzlicher Freundschaft begrüßten sich Nord und Süd, Ost und West, einig und gleichgestimmt in den Fragen der Zeit und in den Wahrheiten der Ewigkeit: Katholikentag!

Auf den Begrüßungsabenden pflegen allerdings die Katholiken nicht ganz unter sich zu fein. Es ist die Gelegenheit, bei der die Vertreter der Behör­den ihre Grüße überbringen. Zu den vielen Tau­fenden, dis den Reichshallensaal füllten, war als. Vertreter der Württembergischen Staatsregierung Innenminister Dr. Bolz gekommen, der nun ja Qis treuer katholischer Manu voll und ganz zu der Versammlung gehörte und in seinen Begrüßungs­worten infolgedessen berzenswarme katholische

tholiken des Erdkreises, eins mit dem gemeinsamen Vater, dem Papst, der in dieser Stunde betend un­ser gedenkt und dessen erhabener Gesandter in un­serer Mitte weilt. An die Predigt schließt sich die Sonntagsmesse, die der Nuntius darbringt. Feierliche Musik verherrlicht das Opfer. Zum Schluß stimmt alles ergriffen ein in ein machtvolles Großer Gott, wir loben Dich". Und wieder ziehen die Tausende durch die Straßen Stuttgarts, im Bekenntnis ihres Glaubens, ohne Scheu, ach­tungfordernd auch von den Andersgläubigen. Und --_______...____________________________

diese Achtung wird ihnen nicht versagt, wenn auch I Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands da­vielfach Worte zu hören sind, die nicht gerade I nach streben müssen, zwischen diesen drei Ländern von Liebe zeugen. I Belgien und Italien nicht ausgeschlosien ein

Die Versammlungen am Sonnkag. «System wirtschaftlichen Zusammenwir-

~ kens zu schaffen, das sich mindestens bis in die

Sphäre ber afrikanischen Kolonien ausdehne. Dies würde ein Mittel sein, um das Problem der euro­päischen Versöhnung und Sicherheit zu lösen. Wann biese Bewegung einsetzen werbe, könne man ebenso wenig Voraussagen wie, ob sie von Callaux geführt sein werbe ober etwa von Lloyb George, wenn bieser wieberum an ber Spitze eines nationalen Ministeriums zur Macht komme, ober von irgenb einem anberen Führer.

S4.GenMlmrsilWlW her hüllWll KatWen

Eigenbericht derFuldaer Zeitung".

DerMontag" melbet, baß die Ucberreichung ber französischen Antwortnote an Reichsaußen­minister Dr. Stresemann um 5 Uhr nachmittags burch ben französischen Botschafter erfolgen werben Das Blatt nimmt an, baß die französische Re­gierung aus den Vorschlag der deutschen Regierung, die Note am Mittwoch zu veröffentlichen, eingehen werde, da für eine Verzögerung der Veröffentt

-... . «».rk 'r '; ~i-, . lichung bis Freitag kein verständlicher Grund vor-

^b auch der Präsident in | liege. Das Blatt teilt weiter mit, daß sich am

.^ddruck. Aber auch I Dienstag vormittag ein Ministerrat mit der Rote der päpstliche Gesandte, Nuntius Pacelli, von gewal- I beschäftigen werde.

ttgen Beifallsstürmen begrüßt, feierte in seiner Rede I _________ -

den Bischof in Worten höchster Anerkennung, als I * s . a <$.. -

einen Bischof nach dem Herzen Gottes, einen Va- I ^'^'^ung der Mörder

ter ferner Gläubigen, einen geistvollen Redner, als I am

einen weit über Deutschland hinaus bekannten I gerichtet. Ern zum Tode verurteilter achter Mörder Schriftsteller. Die Ausführungen des Herrn Nun- I wurde vom König zu lebenslänglicher Zwangsarbeit tius wurden in glänzender Rede und in fließen- I fein Gestanbnis cS ^nöglicht hatte,

dem Deutsch norgetragen, oft von stürmischem Bei- » & e u^r,Öen Tater dem Richter zuzufuhren.

fall unterbrochen. Unter brausenden Kundgebun­gen sprach, nachdem der Nuntius den päpstlichen Segen gespendet hatte, Bischof Paul Wilhelm von Keppler. Seine Mitteilung, daß ihn die Ful­daer Bischofskonferenz in der Vorwoche am Grabe des hl. Bonifatius beauftragt habe, dem Katholikentag die herzlichsten Segenswünsche zu übermitteln, wurde mit größtem Beifall entgegen­genommen. Auf die Exzellenzen brachte die Ver- fammhmg brausende Hochrufe aus. In der Ver-