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FuldaerZertung

Anzeiger für die Sfaöf und den kreis Fulda. Amtliches kreisblall.

Nr. 177

Ber-vtwvttlj» jür die SlbrittlertmlS! Dr. Iobauner St tarnet- Kitseisen: I. P ar$e Iler, Fulds. Sotaiionesruct und Setlaa der Etttfcctt i rfiefbmr?erri hi Falta. Netnlvrerdet Str. 9- Monatlicher BrraakdreiS: 1JMJ Mk.

Dienstag, 4» Kuguft ?925.

Än»eigen»Dteiie Sieiir;eils (BoUmei) lokal 0,15 Do-dmati auSSjfetä 0,20 <9c3> start; Retlanrereile lokal 0.60 Golt mark auimärt? 0.80 Boldmar!. :r

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52. Zahrg.

3oB und Umsatzsteuer.

Eine neue Lage im Reichstag?

Nach einer Meldung der „Montagspost" haben die christlichen Gewerkschaften an die Zen- krumsfrak:ion des Reichstags ein Schreiben gerichtet, in dem sie dis kommende Zollbclaftung für dis arbeitende Bevölkerung nur dann für er­träglich halten, wenn die Lebensmittel künftig von der Umsatzsteuer befreit werden. Die Reichsregre- -rung, der das Schreiben übermittelt worden ist, ifoll dem genannten Matte zufolge die Absicht haben» eine allgemeine Ermäßigung der Um­satz steuer von 1% auf I14 Prozent zum 1. Ok­tober und eine solche auf 1 Prozent zum Januar 1926 vorzuschlagen. Die sofortige Erledigung der Steuervorlage hält das Matt wegen der nötig ge­wordenen Beratungen über die Frage der Umsatz- Heuer.für unmöglich.

3m Reichstag

ist es am Samstag wieder zu Tumulten ge- itommen. Anlaß war ein Beschluß des Aeltesten- rates bezüglich weiterer Beschränkung d e r R e d e f r e i h e i t bei den einzelnen Vorlagen. Wie der Kommunist Höllern sagte, ging die An­regung vom Staatssekretär Pöpitz aus, der den Regierungsparteien die Vorschläge schriftlich über­mittelt habe, den Kommunisten aber nicht. Sie hätten die Einladung zum Aeltestenrat verspätet erhalten und deshalb müßten sie verlangen, daß über die Redezeit noch einmal in ihrer Gegenwart verhandelt würde. Andernsalls müßten sie Konse- «suenzen ziehen, „die den Fortgang der Arbeit nicht Ordern würden".

An der Ablehnung eines dahingehenden An­trages beteiligten sich außer den Bürgerlichen auch Die sozialistischen Abgeordneten Müller-Franken, Hilferding und Ad. Braun. Und dann geht der Spektakel los. Ordnungsrufe frühsten nichts. Der Sozialdemokrat H e r tz, der über die Verkehrssteuer reden will, kommt überhaupt nicht zu Worte. Schließlich weist Graes, der Vizepräsident, den kommunistischen Abgeordneten Iadasch aus dem Saal. Der geht natürlich nicht und wird auf acht Tage ausgeschlossen. Auch das macht keinen Ein­druck. Jadasch bleibt und zieht sich damit einen 20- itiigigen AusschMß zu." Graes wird wild: „Wenn er fetzt nicht geht, wird er mit Brachialgewalt ent­fernt." Höllein tobt, wie nicht klug. Auch er soll hinaus und er widersetzt sich, wie sein Kollege. Dar­auf die gleichen Folgen: für 20 Tage ausgeschlossen. Die Kommunisten bilden einen Kordon um die be'- ben. Kriminalpolizei muß erst geholt werden. Höllein: „Ich weiche der Gewalt, aber nicht Ihnen (den Regierungsparteien) da drüben." Die Kommunisten, die im Saal bleiben, singen die Internationale.

Die Sitzung, die durch diese Vorgänge zeitweilig «nterdrvchen war, fand gegen 7 Uhr ihr Ende.

Frankreichs Schuld bei England.

Die »Sundah Times' in London erfährt:

Ter nächste Schritt in Sachen der Regelung der Kriegsschuld Frankreichs an England liegt bei Caillaux. Das von den französischen Sachver­ständigen in den letzten Wochen unterbreitete An­gebot lautete auf eine Jahreszahlung von sechs bis sieben Millionen Pfund. Dagegen lehnt das Schatzamt die Erwägung jeden Angebots ab. das Nicht eine Annuität von 20 Millionen Pfund Vorsicht, welche Summe zu zahlen nach Ansicht des Schatzamts Frankreich durchaus in der Lage sei. Außerdem waren die französischen Sachverständigen nicht in der Lage, den Transfer der deutschen Mark aus Franki eichs Anteil aus den Dawesauuitäten, die erneu Teil der französischen Zahlungen aus- machen sollen, zu garantieren. Die Vertreter des Kchatzmrttes lehnten es ab, diese Mark zu ihrem Mnnwert anzunehmen. Um sicher zu gehen, brrech- »eten sie sie zu 50 Prozent ihres Nennwertes.

Deutscher Reich.

* von einer Erhöhung der veamkengehalker wird wieder vielfach geredet. Die Gerüchte tniip» sen sich an einen am Freitag im Reichstag ange­nommenen Ausfchußbeschluß, der den Reichfinanz. -Minister ermächtigt, den Beamten einen Zuschlag zum Grundgehalt in Höhe von 12'/- bzw. 10 Pro­zent zu gewähren. Wie dazu von zuständiger Stelle erklärt wird, handelt es sich nicht etwa um eine neue Gehaltserhöhung, sondern um die Etatisierung *oies bereits feit Monaten gezahlten Zuschlags.

* Mutiger Garnisontag in Brandenburg. In Brandenburg wurde am Samstag und Sonntaa ein gemeinsamer Gedenktag aller früher in Brandenburg sin Garnison stehenden Regimenter gefriert. Zwischen 'Angehörigen des nationalsozialistischen „Frontbann" aus Potsdam und Berlin, die sich dem Festzug angeschloffen hatten, und Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei kam es vor dem Bolkshaus, dem sozialdemokratischen Parteilokal, zu Z u s a m m e n st ö ß e n, bei denen es aus beiden Seiten Verletzte gab. Das alarmierte Uebersallkommando -mußte die Straße mit der blanken Waffe räumen. Auch an anderen Stellen der Stadt entwickelten sich Schlägereien mit den Fronlbannleuten, die schließ­lich gezwungen wurden, die Stadl zu verlassen.

* Ein Reichswehrauto verunglückt. Aus der Ehauffee zwischen Kolberg und Plathe fuhr ein Kraftwagen der Reichswehr gegen einen Prellstein und überschlug sich. Em Feldwebel wurde ge t ö 1 et.

Zur Räumung von Essen.

AusAnlaß der Räumung Essens sandte R e i ch s- kanzler Dr. Luther nachstehendes wele- gramm an den Oberbürgermeister in Esse n:

In dieser Stunde der endgültigen Befreiung gehören alle meine Gedanken der Stadt Essen und ihrer Bürger­schaft, mit der ich durch Arbeit in schwerer Zeit und durch so viele mir erwiesene Hilfe und Freundlichkeit für immer aufs innigste verbunden bin. Am Borabend jenes unseligen 11. Januar hat Eilens Bevölkerung in Kund­gebungen voll Tiefe und Leidenschaft, die kein Miterleben­der ie vergessen wird, sich zu vaterländischer Festigreit verbunden. Im Geiste dieser Gelübde hat Essen mehr als zweieinhalb Jahre die Härten der Besatzung getra­gen. Auch jetzt noch drückt gerade Esten und den Ruhr­bezirk schwere wirtschaftliche Not, aber die endgültige Befreiung von fremdem Joch sei uns eine Verhemung für weiteres Doranfchreiten auf dem mühevollen ^vege zu Deutschlands Wiederaufstieg. Esten Glückauf!

Die Stadt Salzburg sandte an den Ober­bürgermeister von Essen folgenden Drohtgruß:

Namens der Stadt Salzburg beglückwünsche ich die Stadt und ihre Bevölkerung anläßlich der Räumung. Möge das Rheinland bald nachfolgen und dauernder Friede einkehren. Bürgermeisteramt Salzburg.

Polizeipräsident Dr. Melchers wurde am Samstag von der gesamten Beamtenschaft des Post- zeivräsidiums in den von den Franzosen verlasse­nen Räumen des Dienstaebäudes feierlich be­grüßt. Der Polizeivräsident dankte den Beamten der Hilfspolizei für die dem Daterlande erwiesenen Dienste und ermahnte die grüne und die blaue Polizei und alle Zweige der Polizei zu einträchti­ger Zusammenarbeit im Dienste des Vaterlandes.

Für die Räumung Kölns.

Aus London wird gemeldet: Manchester Guar­dian' weist in seinem Leitartikel auf die Leiden hin, die die jetzt beendete L'/rjährige Rnhrbesetzung der deutschen Bevölkerung dieser Gebiets verursachte und betont, daß im Schatten des Kölner Doms nochimmerbritischePostenmit aufgepflanztem Seitengewehr marschierten. Er tritt dafür ein, daß die bereits seit Monaten fällige Räumung der Kölner Zone im Jntereffe des internationalen Ein­vernehmens unverzüglich durchgeführt werde.

vom Megrschmrylatz in Mika.

wtb £ 0 n b 0 n. 3. Aua. (Tel.) „Dailn Telearayh" meldet aus Tanger: Die Rifkabvlen entfal­len eine l e b h af k e T 8 k i g k e i k; bic Jl e n g r tip- picrung ihrer Streitkräfte Hal sich v 0 llz 0 gen; sie üben auf beide Flanken der französischen Front einen Druck aus. 3n der Gegend von Onezan ha­ben sie den Posten von Ain bn Aiffa eingenommen, desgleichen den Berg Sarsar. im Dinkel zwischen den beiden Zonen südlich von Onezan. Hinter den französischen Linien wurde in einer für ganz sicher gehaltenen Gegend ein D i l l t 8 r t r u p p. der sich von Safari Araba in Richtung auf Fez begab, von Rifleuten angegriffen. An der französischen Ostfront wird die Anwesenheit von Rif-Kabvlen hinter den französischen Linien gemeldet; eine Rif­gruppe erreichte tatsächlich die Dahn zwischen Fez und Taza und zerstörte die Schienen. Die französi­schen Truppen leiden unter der großen Hitze. Stand der Zriedensyerhandlungen.

Wtb London, 3. Aug. (Tel.) Rach einer Mel­dung der „Times" aus Tanger sind die Abgesandten Abd et Keims aus Tekuan nach Tanger zurück- gekehrt, überzeugt, daß ein, wenn auch nur geringer Schritt, in der Richtung des Friedens unternom­men wurde. Einem Telegramm aus Rabat zufolge hak Abd el Krim eine Proklamation an die Rifstämme veröffentlicht, in der er verkündet, daß er über den Frieden nur unter der Bedin­gung der Zusicherung der Anabhän­gigkeit des Rifgebiries verhandeln werde.

Noch ein franzöfischerKolomalkrieg?

AnfftanSsgefahr in Syrien.

wtt London, 3. August. (Tel.) Ser Parfter Berichterstatter des »Daily Expreß" schreibt: Frank­reich kämpft anscheinend einen neuen geheimen Krieg und zwar diefes Mal in Syrien. Der augenblickliche Krieg in Marokko habe in der- selben Weife begonnen, wie die jetzigen Schwierig- kesten in Syrien. »Daily Herald' schreibt: Reben fernem kostspieligen Marokkofeldzng stehe Frank­reich jetzt einem Ausstand in Syrien gegen über.

katholische Welt.

r= Zum Bifchossiubiläum in Rottenburg. Anläßlich de- 50 jährigen Priester- und 2Sjährigen Bifchofsjubiiä- ums des Bischofs von Rottenburg, Dr. v. K e p p l er, rich­tete der ReichskauzlerDr. Luther nachstehendes Telegramm an Dr. v. Keppler: „Eurer bischöflichen Gnaden spreche ich mm seltenen Doppeljubiläum meine wärmsten und aufrichtigsten Glückwünsche aus. Sie gel­ten dem hervorragenden Kirchenfürsten, dem verdienten wissenschaftlichen Forscher, dem erfolgreichen Schriftsteller und dem feinsinnigen Kenner und Förderer der kirch­lichen Kunst. — Der P a p st hat an den Bischof Exzellenz Dr. Paul Wilhelm v. Keppler anläßlich dessen 50jährigen Pnesterjubiläums ein Glückwunschschreiben ge­richtet, in dem er ihm für seine für die katholische Sache geleisteten Dienste dankt und ihm als Zeichen seines be­sonderen Wohlwollens den apostolischen Segen erteilt.

* Das neue portugiesische Kabinett. Hadas be­richtet aus Lissabon: Das neu gewählte Kabinett wird sich am 25. August der Kammer vorstellew

llm Jahrestag der Mobilmachung.

In Mainz veranstaltete am Jahrestage der Mobilmachung das Friedenskartell eine Kundgebung für den Frieden. In seinen De- grüßungsworten gab der Stadtverordnete Trolle seinem Bedauern Ausdruck, daß zwei für die Kund­gebung geworbene Redner, der Generalsekretär der französischen Sozialfftischen Partei, Abg. Paul Saure, und der Zentrumsabgeordnete Dr. Fried­rich Dessauer, in letzter Stunde absagen mutz- , ten. Zur Tagesordnung sprach der Redakteur der Rhein-Mainischen Volkszeitung Dr. Thormann und der Vorsitzende des Bundes entschiedener Schulreformer, Paul Oe st erreich - Berlin. Thormann bezeichnete es als dringende Notwendig­keit, die deutsch-französischen Gegensätze zu über­brücken. Die weltpolitische Entwicklung würde zu zwei rivalisierenden Staatskomylexen führen, auf der einen Seite England und Amerika und auf der anderen Seite Rußland und Asien. Diesem gegen­über müßte der europäische Kontinent ein Gegen­gewicht bilden, indem er an die Stelle seiner Zer­rissenheit eine Einigung setze, die mit den Worten: „Vereinigte Staaten von Europa" ausgedrückt werde. Paul Oestreich verbreitete sich über den Pazifismus und feine Aufgaben und wendete sich gegen die verkehrte Jugenderziehung. In feinen Schlußworten forderte der Leiter der Versamm­lung zum Kampf für den Frieden und gegendon Krieg auf und gedachte der im letzten Kriege Ge­fallenen.

Ein Kriegerdenkmal auf der Lorettohöbe.

In Anwesenheit des französischen Ministerpräsi­denten Painleve ist bei Arras auf der Loret toböhe, wo Hunderttaufende von ge­fallenen Soldaten beigesetzt sind, ein Denkmal für die im Kriege Gefallenen eingeweiht worden, dem man dieFormeines Leuchtturms gegeben hat. Painleve hielt eine Rede, in der er sagte, die Freiheit bedeute nicht das Recht, daß man sich nach seinen Wünschen und nach seinen Launen gehen lassen könne. Sie fordere vielmehr Selbstzucht und Gerechtigkeitssinn, der durch eine fortgesetzte An­strengung sowohl zwischen den Bürgern der einzel­nen Länder als auch zwischen den Alliierten erzielt werden muffe. So grausam die Kriegswunde war, so heftig sich auch alle schlechten Kräfte gebärden, die unsere alte Welt beunruhigen, wir müssen uns doch bemühen, der Gerechtigkeit zwischen uns und denen, die fenseits der Feuerlinie sich im gro­ßen Kriege haben töten lasten, zum Siege zu ver- belfen, denn das heutige Eurova hängt davon ab. Die Gerechtigkeit ist nicht mit der Macht unverein­bar, die Großmut nicht unvereinbar mit dem klaren Blick. Der Bischofvon Arras hat auf diesen Leirchtturm die Worte setzen lassen: V ö l k e r s e i d eins! Menschen seid menschlich! Cs wäre zu schrecklich, wenn dieser ungeheure Friedhof den Appell zuneuenMasfakres bedeut-n würde. Dieser Leuchtturm muß nicht nur unvergeßlich über die Leichname dieser unendlich vielen funaen Leute, die nach so harten Kämpfen im Tode miteinander ausgesöhnt wurden, fein Licht hinaussenden, er muß auch als ein Lichtschimmer in die Nacht drin­gen, als ein Zeichen von Brüderschaft.

Die englische Kohlenkrise.

Bekanntlich ist der Ausbruch eines gewaltigen Lohnkampfes zwischen Grubenbesitzern und Berg­arbeitern nur deshalb noch vertagt worden, weil die englische Regierung sich bereit erklärt hat, über eine Unterstützungsmaßnahme des Bergbaus zu verhan­deln. Jetzt wird gemeldet:

wtb London, 3. Aug. (Tel.) „Daily Gra­phik" berichtet, daß die Regierung auf eine ernste Kritik gefaßt fein müsse, wenn die Bedingungen für die Regelung der englischen Sohlenkrife am nächsten Donnerstag im Parlament erörtert wür­den. 3n gut unterrichteten Kreisen wird die Ver­pflichtung der Regierung für eine finanzielle Bei­hilfe auf 2 0—2 5 Millionen Pfund Ster­ling geschützt. Es erscheine sehr sicher, daß bas ein Dubget-Defizitzn Ende dieses Jahres bebeu- ten werbe, nnb baß jede Hoffnung auf eine weitere Steuervermindernng dadurch zerstört werde.

wirtschaftliche Kampfbewemmaen.

— Die Beilegung des Bergarbeikerstreiks im Saar- gebiek. Haoas berichtet aus Paris: daß dem Minister für öffentliche Arbeiten die Mitteilung zugegangen ist, daß fein Vennittlungsvorfchlag im Bergarbeiterkonflikt des Saargebites von den Delegierten der Bergarbeiter angenommen worden ist. Die Gewerkschaften werden in einer Versammlung der Bergarbeiterdelegier­ten über die Unterredungen, die sie am Montag und Dienstag mit dem Minister für öffentliche Arbeiten hat­ten, Bericht erstatten. Durch die Annahme der Vor­schläge wird der seit acht Tagen im Saargebiet herr­schende Bergarbeiter streik beigelegt. Die Angestellten, die ebenfalls Forderungen erhoben haben, werden am kommenden Mittwoch, wenn der Minister für öffentliche Arbeiten aus Grennoble zurück fein wird, von ihm empfangen werden.

Ausland.

* Mohamedaner und Hindus. Aus Simla wirb gemeldet: In der Stadl Pampat in Punjab ereigneten sich Zusammenstöße zwischen Mobamedanern und hindustanischen Bauern gelegentlich der mohame- dänischen Feiertage. Etwa 1000 hindustauische Bauern versuchten mit Knüppeln die Mohame- dauer anzugreifen, aber die Polizei verhindekte ernst­liche Zusammenstöße. Mehr als 300 Angreifer wurden verkaftel.

Die ausgewieftnen Optanten.

Aus Schneidemühl schreibt man uns unter dem 1. August.

Wer heute unser Bahnhofsviertel oder den Stadd berg besuche, der weiß, daß die polnische Regierunj von ihrem aus der Wiener Konvention hergeleitetem Recht die deutschen Optanten zum 1. August auszuwei­sen, brutalsten Gebrauch gemacht hat: Der große Bahn- Hof mit seinem Dutzend Bahnsteigen, bte Bahnhofshalle, die Alte Bahnhofstraße, die Zeughausstraße, bte Posener­straße bis hinauf zum Stadtberge, alles eine große Flut von abgehetzten, müden deutschen Flüchtlingen, bte ihre letzte Habe, meist eiligst zusannnengeschnürte große Bündel, nicht aus dem Auge lassen. Ununterbrochen fah­ren Lastautos vom Bahnhofe zum Stadtberge, wo bte größte Anzahl der Optanten in den Albatroswerken (ehemalige Fliegerhallen) zunächst untergebracht werden» nur ein ganz geringfügiger Teil kann weitergeleitet wer­den, solche, die in der Kürze der Zeit sich selbst eine neue Arbeitsstelle in Deutschland beschossen konnten. Die Provinzialstelle des Roten Kreuzes am Bahnhof leistet wiederum fast Uebermenschliches: stellt den Weiterreisen­den Bescheinigungen aus, auf Grund deren die Eisen­bahnverwaltung die Optanten und deren Habe wester­befördert unter Stundung des Fahrgeldes; zahlt bte nötigsten Selber für Verpflegung aus, sorgt für bett ersten Imbiß, erteilt Auskunft unermüblich.

In den letzten Tagen des Juli waren täglich hier 500 bis 600 Flüchtlinge eingetroffen, am Donnerstag abend hatten wir ca. 4000 Verdrängte im Durchgangs- lager untergebracht — in leidlicher Ordnung. Dann kam die Nachricht, daß die polnische Gendarmerie sämt­liche noch in Polen befindlichen Optanten Donnerstag nacht nach dem Sammelpunkt Pila abtransportiert habe, so baß weitgehenbe Maßnahmen zum Empfang ber zu erwartenden 12 000 letzten Flüchtlinge getroffen wur­den; Maßnahmen, die natürlich nicht ausreichen können.

Die Stimmung unter den Vertriebenen ist gut: trotz aller Leiden, die solche Massenwanderung mit sich bringt und trotz ungewisser Zukunft sind innerlich alle froh, dem „oerb .... Polen", wie mir ein junger Landwirt sagt, „den Rücken kehren zu können, wo man sich tot» arbeiten könne, um dann doch als Bettler zu sterben". Da die Räumungsfrist nur drei Wochen betrug und tn seiner Gegend eine ganze Anzahl kleinerer Besitzer und Arbeiter ausgewiesen wurden, er lebendes Vieh der hohen Transportkosten halber nicht mitnehmen konnte, mußte er alles verschleudern: für jede Kuh 200 Zloty, I bei dem jetzigen Kursstand etwa 100 Mark, für 1 Dop- | pelzentner Roggen 8 Zloty (4 Mark) usw.

Eine besondere Härte bei ber Vertreibung aus ber Heimat liegt barin, daß dadurch vielfach die Familien zerrissen werden, denn die älteren Leute haben zum großen Teil nicht für Deutschand optiert, da die Liebe zur angestammten Scholle, auf der sie ein ganzes Men­schenleben „für ihre Kinder" gearbeitet hatten, zu groß und eine Trennung davon in alten Tagen zu schwer für sie schien.

Die deutsche Regierung hat einen namhaften Betrag nach hier zur Linderung der ersten Not überwiesen, doch weit größere Genugtuung löst die soeben eingehende Meldung aus, daß die Regierung an die Provinzial­behörden telegraphische Anweisung gab, die etwa 10 000 Optanten inDeutsckland sofort fristlos auszuweisen. Wenn das wahr ist. so wird der Empfang des preu­ßischen Innenministers Severing, der feinen Besuch ankündigte, um sich von den getroffenen Maßnahmen zu überzeugen, ein warmer fein, aber auch nur bann.

Die Zahlderdeutscken Optanten, die nunmehr bis zum 8. August ihre posensche und westpreußiscke Heimat verlaffen müssen, beträgt nach letzter Schätzung 30 000. Die Zahl der deut­schen Optanten, die zur Abwanderung Frist bis zum zum 1. November haben, weil sie in den Gebieten von Festungen und in den Grenzgebieten Grund- besitz haben, wird auf 2500 geschätzt. Der Rest der deutschen Optanten, die größeren Grundbesitz haben, müssen bis zum 1. Juli 1926 abwandern: ihre Zahl beträgt rund 4500. Es verbleiben dann in den ehemals deutschen Provinzen Posen-Westpreußen nur solche Deutschen, die weder für Polen noch für Deutschland optierten. Mit dieser Stimmenthal­tung retteten sie damals ihre Heimat für sich. Sie haben Bürgerrecht in Polen vorläufig. Ob die brutale Polonssierimg vor ihnen auf die Dauer Halt machen wird? Ihr Los wäre am tragischsten, da, wie verlautet, Deutschland sie nicht ausnehmen würde.

Ltresemarm und die Optantenfrage.

In einer Unterredung, die Reichsaußenminister Dr. Stresemann einem Vertreter der „Breslauer Neuesten Nachrichten" über die Optantenfrage ge­währte, erklärte der Minister u. a.:

Während deutscherseits seit Jahren der Stand­punkt vertreten worden ist, daß die beiderseitige» Optanten zwar das Recht, nicht aber die Pflicht haben, ihren Wohnsitz in den Staat zn verlegen, für den sie optiert haben, ist polnischerseits geltend ge­macht worden, daß die Optanten zur Abwanderung verpflichtet sind. Rach dem Wiener Abkommen vom 30. August 1924, das in Deutschland und Polen Gesetz geworben ist, ist der Optant zur Abwanderung nur dann verpflichtet, wenn er von der Regierung die Aufforderung dazu erhalten hat. Die polnisch« Regierung hat nun bereits Anfang dieses Jahres von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Daraufhin hat sich selbstverständlich auch die deutsche Regierung zu dem gleichen Schritt entschließen müssen. Verhandlungen sind ergebnislos verlaufen. Ich kann nur auf das Nachdrücklichste betonen, so schloß der Minister, daß die deutsche Regierung alles getan bat, um in der Optantenfrage zu einer den Grund­sätzen eines friedlichen Zusammenlebens zwischen bett Völkern entsprechenden Lösung zu kommen. Wenn trotzdem die Welt das traurige Schauspiel mittel­alterlicher Austreibung Tausender von Heim und Herd erleben muß, so liegt die Schuld daran wahr­haftig nicht bei uns.

* Großfeuer bei den Marconiwerken. AuS London wrrd gemeldet: Ein Brand in der Ver­suchsstation der Marconigesellschaft zu Chelmford hatte die völlige Zerstörung des Gebäudes unv des technischen Betriebsmaterials zur Folge. Das .ter ist wahrscheinlich durch Kur' '!nß entstauben. Der Schaden ist groß.