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FuldaerZettung

Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. 171.

1"

Berantwortlick für die Schriftleituna: Dr. JobanneS Kramer- Anreigen: I. P arreIler, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fulderr ? rtiendri-ckerri in Nvldo. Fernivrecher Nr. 9.

Wonntlicfter Be'ugsvreis: 1.50 Mk.

Dienstag, 28. Zull 1925.

Anreigen-Preiko Kleimeile (Colonel) lokal 0,15 Boldmarl auito&rti 0,20 Gold mark: Reklame,eile lokal 0,60 Goldmark auswärts 0,80 Goldmark. .<

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52. Zahrg.

VergarbeitersLreiK an der Saar,

ihre

wer-

e Verwaltung

Auch die Metallarbeiter.

AuS Saarbrücken wird gemeldet:

Die Bergarbeiterorganisationen haben an Mitglieder folgenden Aufruf gerichtet:

darf erfolgen, wenn nach dem Ermessen der zu­ständigen Behörde

a) die wirtschaftliche Versorgung des weib­lichen Beamten gesichert erscheint und

b) das Ausscheiden aus dienstlichen Gründer erforderlich ist.

Der weibliche Beamte kann nicht kündigen, wenn sein Ausscheiden den dienstlichen Bedürf­nissen zuwiderläuft.

Den auf Grund dieser Bestimmungen ausschei­denden weiblichen Beamten kann sine Abfindungs-

An die organisierten Belegschaften der Saargruben!

Kameraden! Die unterzeichneten Organisationen haben beschlossen, mit dem heutigen Tage in den Streik zu treten. Es ist selbstverständlich, daß die Führung Les Streiks von den Organisationsleitungen übernom­men wurde. Pflicht der Streikkameraden ist es nun, Len Anweisungen der Organisationsleitungen Folge zu leisten, Disziplin zu üben und selbst für Buhe und Ord- «ung zu sorgen. Unverantwortliche Elemente sind euer- »sich zurückzuweisen. Die dringenden Mtstandsarbeiten Hind unbedingt auszuführen. Die Verhandlungen werden sheute im Arbeitsministerium in Paris fortae. -führt. Das Ergebnis derselben wird sobald als möglich Len zuständigen Revierkonferenzen unterbreitet. Wir 'ersuchen die organisierten Kameraden, die Beschlüsse der Konferenzen auf der ganzen Linie durchzuführssn und die Anweisungen der Organisationsleitungen strikte zu befolgen. Rur einige und geschlossene sowie gewerkschaft- kiche Disziplin sichern einen Erfolg.

Verband der Bergarbeiter Deutschlands, gez. Schwarz, gez.- stitterich.

(ssewerkverein Christlicher Bergarbeiter Deutschlands, gez. Kuhnen, gez. Kiefer.

Deutscher Metallarbeiterverband, gez. Bock.

Der Christliche Metassarbeiterverband hat folgende Anweisung an seine Mitglieder gerichtet: Nachdem die beiden grosien Bergarbeilerorganisationen den Streik für den 27. Juli beschlossen haben, tritt für die im Chriitlichen Metallarbeiterverband organi­sierten Grubenmetallarbeiter der Beschluß' der Delegiertenkonferenz vom 25. Juli in Kraft, Soli- i darltät zu üben.

Marschall P e t a t n wird, wie das Oeuvre berich­tet, wahrscheinlch in einigen Tagen aus Ma­rokko nach Frankreich zurückkehren.

Französische Hoffnungen?

wtb Paris, 27. Zull. (Tests Wie die ^Chi­cago Tribüne" aus Ain-Aisha erfährk, sollen ver­schiedene Stammes Häuptlinge im ost- lichen französischen Frontabschnitt Voten mit Friedensangeboten abgesandk haben, in denen sie sich bereitfinden, ihre Waffen zu über­geben und darum bitten, ihre Dörfer wieder in Besitz nehmen zu dürfen. Sie seien zu dem Auf­stand durch die Drohung «bd el firim's gezwun­gen worden, der geschworen habe, daß er sie als Feinde betrachten würde, wenn sie nicht seine Front verstärkten.

Die Stichwahlen in Frankreich.

vtd Paris, 27. Juli. (Tests Das Ergebnis der gestrigen Stichwahlen für die G e n e r a l r ä t e ist folgendes: die 198 zu vergebenden Sitze verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: Konser­vative 5, Republikaner oder republikanisch - demo­kratische Vereinigung 23, wilde Republikaner 18, Habitate (herriot) 85, sonstige Republikaner 10, Sozialisten 52 und Kommunisten 4.

Oeuvre- schreibt dazu: Der zweite Wahlgang habe in steigendem Maße ben (Erfolg besta - tigt, ben die linksstehenden Parteien in den letzten Wahlkämpfen bavongetragen hätten. Das sei bas sechste Mal, wo für die Munizipal­wahlen, für die Nachwahlen und für die Sankonal- wahlen die Volksabstimmung den gleichen Sieg ver­zeichne, wie bei den Wahlen am 6. Mai 1924. Der Wille des Volkes sei also bekannt.

England und der Suez-ttanal.

wth London, 27. Juli. (Tel.) Dem ,Daily- Expreß' züfolge, hat das Komitee zur Reichsver- teidignng seinen Bericht über die Verteidigung des Suez-Kanals ferliggestellt. Der Bericht besagt, daß zum Schuhe des Kanals die Beibehaltung einer angemessenen britischen Truppenmacht in Kairo nnentbehrlich sei. Das Kabinett habe den Bericht gutgeheitzen.

Kündigungsfrist von drei Monaten gekündigt den kann. Die Kündigung durch die Verwa

Aus New-Jork wird gemeldet:

William Jennings Bryan, der frühere Staats- sekretär und mehrmalige Präsidentschostskandidat, ist in Dayton (Tennessee) gestorben. Er wurde tot in seinem Belte aufgesunden, nachdem er sich nach einem Abendessen mit der Erklärung zur Ruhe be­geben hatte, daß er sich wohl fühle.

William Bryan war bei den verschiedenen Prä- sidentschaftsrvahlen der Kandidat der Demokraten. Er ist bekannt geworden durch sein Eintreten für die Silberwcihrung, die er im Interesse der silberbauenden amerikanischen Südstaaten an die Stelle der Goldwährung bringen wollte. Seine Amtstätigkeit als Staatssekretär des Auswärtigen fiel unter Wilsons Präsidentschaft. Er führte sein Amt iin Sinne der Vermeidung einer Beteiligung Amerikas am Kriege. Wegen dieser schroffen Hal­tung gegen Deutschland stand er mit dem Präsiden­ten im scharfen Widerspruch, was auch seinen Rück­tritt im Jahre 1915 veranlaßte. In den letzten Wochen ist Bryans Name in Amerika wieder viel genannt worden, im Zusammenhang mit dem Pro­zeß, der dort gegen einen Lehrer geführt wurde, der seinen Schülern an Stelle christlicher Auf­fassung Darwinsche Anschauungen vorgetragen hatte. Bryan trat in diesem Prozeß mit allem Nach­druck für den Standpunkt des bibelgläubigen Christentums ein.

Der Seemannsstreik in Australien.

wtb. Melbourne, 27. Juli. (Tel.) .Daily Expreß- meldet, der Streik der Seeleute hat allmä'hlig größeren Umfang angenommen. Gegen« würtig liegen 77 Schiffe in Australien fest, darunter 46 in Sidney und 22 in Melbourne. Tausende von Seeleuten und anderen Arbeitern sind beschäftigungslos. Biele Industrien beginnen die Wirkungen des Streiks zu verspüren.

Justiz in Persien.

wtb Paris, 27. Juli (Tests Havas meldet aus Teheran: 7 angesehene Bürger der Stadt Vujnurn in Khorassan find aufgehängt worden, weil sie an dem kürzlichen turkestanischen Aufstand teilgenommen haben.

Essen vor der Räumung.

W. T. B. meldet aus Essen: Die Räumung der Stadt Essen durch die Franzosen, die schon vor einiger Zeit begonnen hat. ist in vollem Gange. Das Iustizgebäude ist bereits freigegeben worden. Das Polizeipräsidium ist von den deut­schen Behörden bereits abgenommen worden, wenngleich sich noch Franzosen im Gebäude be- ! finden. Das Gebäude des Bergbaulichen Vereins ist bisher noch nicht geräumt worden. Größere Truppenteile mit Geschützen und sonstigem Gerät sind in den letzten Tagen aus der Stadt abgerückt. Ueber den Termin der endgültigen Räumung steht noch nichts fest.

Nurz und gut

drückt ein Mitarbeiter derKöln. Volkszeitung" das aus, was jeder denkende deutsche Staatsbürger sich beute im Hinblick auf die Außenpolitik sagen muß. Es heißt da:

Vor zweiJahren marschierte die Besetzung, heute marschiert die Räumung. Möchte dieser Marsch bald auch zum letzten Ziele führen.

Und noch etwas marschiert: Die Einsicht der rechtsgerichteten Elemente in die tatsächliche außen­politische Lage. Der süddeutsche Demokrat Dr. Haas hat schon recht, wenn er die Frage erbebt:Was wäre von den Parteien der Rechten geschehen, wenn eine Regierung Wirth-Rathenau dielen Verzicht auf Elsaß-Lothringen (der im Sicherbeitsvorschlag ent­halten ist) ausgesprochen hätte? Nack den früheren Erfahrungen muß man annehmen, daß tn einem solchen Falle die Hetze der Deutschnationalen so stark geworden wäre, daß kein Mann der Regierung seines Lebens sicher gewesen wäre."

Alles, was zu Zeiten Wirths und Rathenaus und Maix zur Entspannung der außenpolitischen Atmosphäre unternommen wurde, wurde als Verrat verschrien. Heute ist es national. Freuen wir uns über die Wendung. Der Zentrumsmann ver­zichtet auf Aeußerungen einer billigen Genugtuung;' er begnügt sich mit der Feststellung: so klug wie ihr heule seid, waren unsere Männer schon vor fünf Jahren.

Ausland.

* Arabischer Angriff auf eine persische Stabt I Aus Bagdad wird gemeldet: 400 Araber grif- I sen die in Persien gelegene Stadt Muhammerah P- S>e plünderten den Bazar, wurden aber I schueßltch von persischen Truppen vertrieben.

* Dor dem Ende des Streiks in China? Havos I s^Het aus Schanghai, daß die meisten chinesi­schen Hafenarbeiter die Arbeit wieder aufgenom- I men hoben. In zahlreichen Versammlungen habe I man 9c'3en die Schließung mehrerer Gewerkschafts- I büros protestiert, die auf Anordnung des Kvminan- I danten der Mandschutruppen im Gebiet von Schan- j Hai erfolgt ist. Eine Rednerin erklärte, wenn der I Mandschukommandant feine Anweisung nicht zu­rücknehme, dürften die Streikenden seihst vor einem Mord nicht zurückschrecken.

Der Emst der Wirtschaftslage.

Von parlamentarischer Seite wird uns geschrieben: In den Verhandlungen zwischen den Partei­bertretern mit den Vertretern der Reichsregierung hat sich ein überaus düsteres Bild über unsere gegenwärtige Wirtschaftslage entrollt. Wir stehen jetzt nahe an dem Termin, an denen die kurz- triftigen Kredite, die wir vom Ausland be­kommen haben, zurückbezahlt werden müssen. Die Schwierigkeiten in der Wirtschaft wachsen von Tag zu Tag, die Einnahmen des Reichs an aus­ländischen Valuten gehen mehr und mehr zurück. Das hängt wiederum zusammen mit der außer- ordentlichen Vergrößerung der Passivität der Handels­bilanz. Die jetzt für den Monat Juni bekannt werdenden Ziffern weisen, wie schon gemeldet wurde, eine weitere Erhöhung dieser Passivität um 58 Millionen Mark gegenüber dem Monat Mai auf. Wir haben jetzt schon eine Passivität der deutschen Handelsbilanz von mehr als 21/i Milliarden, denselben Betrag also, den der ganze Fehlbetrag des Jahres 1924 ausmachte.

Das alles schafft eine ganz außerordentlich bedenk- liche Lage, die noch durch die Schwierigkeiten imRuhrbergbau vermehrt werden. Dort liegen 12V» Millionen Tonnen Kohlen auf den Halden, deren Ueberführung nach dem Ausland allein schon einen Kredit von 2030 Millionen Mark bedingen würde. Wenn die Beschäftigung in den jetzt relativ gut stehenden landwirtschaftlichen und baugewerblichen Betrieben im Herbste nachläßt, wird die Arbeits­losigkeit peinliche Formen annehmen.

Aus alledem ergibt sich die Notwendigkeit der allerstrengsten Nachprüfung der gesamten ^lusgabewirtschaft in Reich, Ländern und Ge­meinden.

Die englische Vergbaukrise.

Aus London wird gemeldet: Die allgemeine Besorgnis wegen emes möglichen G e n e r a l st r e i k 8 der Bergleute spiegelt sich den Reden zahl- reicher Kabinettsmitglieder und Politiker, sowie in den Leitartikeln der Blätter wieder. Der .Observer^ bezeichnet die kommende Woche als eine'der kri- tischst en in der Geschichte der britischen Industrie.

Nach einer Bergarbeiterversammlung in Dur- Ham, in der der frühere Premierminister Macdonald sprach, wurde der anglikanische Diakon von Dur­ham, Bischof Wolldon, von der Menge tätlich ange­griffen, weil er sich früher in einer öffentlichen Rede gegen ben Streik ausgesprochen hatte. Der Bischof mußte von der Polizei in Sicherheit gebracht werden.

135 000 englische Textilarbeiter im Streik.

Dem ,Observer' zufolge ist bisher keine Regelung des Streites im Tertilgebiet von Iorkshire und Lancaster in Sicht. Insgesamt streiken in diesem Gebiet gegen 135 000 Textilarbeiter.

, Einstellung der Personalabbaues,

Von I. Groß, M. d. R.

I Der Reichstag hat am 24. Juli den Entwurf t I eines Gesetzes über die Einstellung des Personal- t I abbaues und Aenderung der Personalabbauver- i I ordnung (P. A. V.) angenommen. Danach wird ' I der Personalabbau in sämtlichen R ei ch s v e r - I tu al tun gen und bei den Versicherungsträgern I in der-bisherigen Form eingestellt. Ferner wird I die Bestimmung aufgehoben, daß jeder Reichsbe- I amte sich die Versetzung in ein anderes Amt der- I selben Laufbahn, auch in ein solches von geringem I Rang und planmäßigem Diensteinkommen, gefallen I lassen muß. Einer ausdrücklichen Erklärung der I Reichsregierung gemäß wird bei der Versetzung I in ein niedrigeres Amt dasbisherigehöhere I Diensteinkommen beibehalten. Der Reichsbeamte I kann nunmehr nur auf dem Verordnungswege I unter Wahrung feines Dienstranges und seines I planmäßigen Diensteinkommens in ein anderes I Amt von geringerem Rang versetzt werden. Eine I Reihe anderer Bestimmungen des Reichsbeamten- I gesetzes, die durch die P. A. V. außer Kraft ge- I setzt waren, sind wieder hergestellt worden.

I Zur Einstellung von Beamten und Beamten- I anwärtern in den Reichsdienst bedürfen die Reichs - I behörden auch fernerhin der Zustimmung des I Reichsfmanzrninisters. Bet Einstellungen find in I erster Linie die sogen. Versvrgungsanwärier, I Schwerbeschädigte sowie nach Möglichkeit leistungs- I fähig entlassene oder in den einstweiligen Ruhe- I stand versetzte oder in das Arbeitsoerhältnis über­führte Beamte heranzuziehen. In Reichsverwal­tungen, in denen in Zukunft eine Verringerung

I des Beamtenkörpers notwendig wird, dürfen zur I Erreichung dieses Zweckes für eine bestimmte Zelt I freiwerdende Planstellen nicht mehr besetzt werden.

Leider ist in der dritten Lesung die in der P. I A. V. vorgesehene Kürzung der Ruhegehaltsbezügs I in namentlicher Abstimmung mit 111 gegen 114 I Stimmen gefallen. Für die Aufhebung dieser I sozial gerecht wirkenden Bestimmung in der P. Ä. I V. stimmten die Deutschnationalen, die Deutschs I Volkspartei, die Bayerische Volkspartei, einschließ- I lief) der Demokraten und der Wirtschaftlichen Ber- I einigung, während der größte Teil des Zentrums, die Sozialdemokraten und Kommunisten geschlossen für die Beibehaltung stimmten. Eine Anzahl Ver­treter in den Regierungsparteien hatten sich bei Stimme enthalten. Die Pensionskürzung sollte eintreten in dem Zeitpunkt, wo der Ruhegehalts­empfänger aus Ruhegehalt und Privateinkommen das Doppelte von dem erreicht, was der Beamte in der Besoldungsgruppe X Anfangsstufe verdient, das sind rund 890 Mark pro Monat. Bei den Ministern und Staatssekretären sollte außerdem noch eine besondere Ausnahme zugelassen werden. Merkwürdigerweise trat auch die Regierung, ent­gegen ihrer sonstigen Sparsamkeit bei der Beam- I tenschaft, für die Aufhebung der Pensionskürzung ein. Eine solche Maßnahme wird man in den Kreisen der Ruhegehaltsempfänger in den unteren und mittleren Besoldungsgruppen und ganz be­sonders in Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kleinrentenempfänger nicht verstehen. Es kann also jetzt wieder, um ein Beispiel anzuführen, ein höherer Beamter neben seiner Pension noch er­hebliche Verdienste in der Industrie, bei einer Bank oder sonstwo verdienen, ohne daß ihm etwa an der Pension abgezogen werden darf. Und das im verarmten Deutschland! In letzter Zeit sind aus Kreisen der christlichen Arbeiterschaft wiederholt Anregungen ergangen, die Pensionen der hohen Offiziere herabzusetzen. Diese Herabsetzung kann aber nur erfolgen, wenn auch die Pensionen der hohen Beamten im Reichstag herabgesetzt werden. Dafür ist aber, wie obige Abstimmung im Reichs­tag zeigt, leider keine Mehrheit vorhanden.

Lebhafte Auseinandersetzungen hat der Artikel 14 der P. A. V. hervorgerufen. Derselbe be­stimmte, daß das Dienstverhältnis verheirateter w e i b l ich e r Beamten und Lehrpersonen im Dienste des Reiches, der Länder und Gemeinden ederzeit am ersten Werktage eines Monats gekün­digt werden kann, sofern nach dem Ermessen der zuständigen Dienstbehörde die wirtschaftliche Ver­sorgung des weiblichen Beamten gesichert erscheint. Es wurde vrn den Gegnern dieser Bestimmung behauptet, daß sie mit dem Artikel 128 der Reichs- verfassting nicht vereinbar fei, der die männlichen und weiblichen Beamten rechtlich gleichstellt. Die Verteidiger des Artikels 14, allen voran die Frau Abgeordnete T e u s ch (Zentrum) erklärten, daß die verheiratete Frau nicht Beamtin und Hausfrau zugleich fein kann. Außerdem fei es auch un­sozial, in einer Zeit in der der Arbeitsmarkt fo stark darniederliegt, wie gegenwärtig, verheiratete Frauen, deren wirtschaftliche Existenz ohnehin ge­sichert erscheint, im öffentlichen Dienst weiter zu beschäftigen. Schließlich hat die Mehrheit des Reichstages beschlossen, den strittigen Artikel 14 der P. A. D. dahingehend abzuändern, daß das Dienstverhältnis verheirateter weiblicher Beamten und Lehrpersonen tm Dienste des Reiches, der Länder und Gemeinden beiderseits jederzeit zum Schluffe eines Monats unter Einhaltung einer

Der deutsch-polnische Zwist.

Die Abschiebung der Optanten.

In diesen Tagen droht sich zwischen Deutschland und Polen, wenn auch nicht in den Ausmaßen, so doch in der Art, ein ähnlicher Vorgang abzuspie­len, wie er sich in den letzten Jahren bei dem B e- v ö l k e r u n g s a u s ta u sch zwischen Grie­chenland und der Türkei vollzogen hat. Tausende von Deutschen sollen aus Polen s zwangsweise nach Deutschland abge­schoben werden, als Gegenmaßnahme ist von deut­scher Seite die Ausweisung!» on!0000Po- len aus Deutschland geplant. Die Grundlage für die rigorosen Maßnahmen bildete das Wiener Abkommen vom 30. August 1924. Auf Grund eines Schiedsspruchs, der unter dem Vor­sitz des Professors Kaeckenbeck gefällt worden war, wurde darin vereinbart, daß diejenigen Deutschen in Polen, die für die deutsche Staatsangehörigkeit optiert haben, vom 1. August 1925 ab Polen ver­lassen müssen und entsprechend die Polen, die in Deutschland leben, aber polnische Staatsangehö­rige bleiben wollen, aus dem Deutschen Reich aus­gewiesen werden können.

Ä diesem Schiedsspruch und dem Aus- nin vom 1. August 1925 lag eine Spanne von 11 Monaten, in denen man zur Ver­meidung der Ausweisung Verständigung zwischen den beiden Staaten erwartete. Von amtlicher deut­scher Seite wird dazu erklärt, daß zwar gleich nach dem Wiener Schiedsspruch Verhandlungen mit Po­len darüber ein geleitet worden seien, wie man die Ausweisung inhibieren oder doch mildern könne, aber wesentliche Erfolge seien nicht erzielt toor- den. Die Polen hätten nur kleine Vergünstigun­gen für alte und gebrechliche Leute zugestanden und für solche Optanten, deren Angehörige für Polen entschieden haben.

Die Darstellung, die von polnischer Seite ge­geben wird, lautet wesentlich anders. Die Haupt­sache wäre wohl, daß noch im letzten Augenblick von den Ausweisungen Abstand genommen werden könnte, die neue tiefe Erbitterung auf beiden Sei­ten schaffen ro.tetk - - " -

3tn Reichstag wurde am Samstag die No­elle zum Wehrmachtversorgungsge- fe 6 in Zweiter und dritter Lesung verabschiedet. Die Vorlage über die alten Uniformen gab wieder den Völkischen und Sozialisten Gelegenheit zu histo- nlchen Reminiscenzen. Die Vorlage ging an den Rechtsausschuß. Schließlich wurde noch über die vozialversicherung im Saargebiet verhandelt. Am Montag beginnt die Beratung der Steuerg e » «4 tzK, *'

Abschluß der Marokko-Uoriferenz.

Havas berichtet aus Madrid, daß die fran­zösisch-spanischen Delegierten der Marokkokonferenz in einer Vollsitzung ein Abkommen betreffend die Grenzen der französischen und spanischen Einfluß- zone in Marokko und die Zusammenarbeit der fran­zösischen und spanischen Behörden u n t e r z e i chnet haben. Die Konferenz beendet damit ihre Arbeiten. Nach Abschluß der Konferenz seien Begrü- ßungstelegramme an den Präsidenten der französischen Republik, den französischen Minister- Präsidenten sowie an Marschall Petain und Mar­schall Lyautey gesandt worden.

General Jordana, der Vorsitzende der Kon­ferenz, hat, wie eine weitere Havasmeldung aus Madrid besagt, nach Beendigung der Sitzung der Presse ein Kommuniquee übermittelt, in dem es heißt: Die Konferenz ist zu Ende. Jetzt handelt es sich um die äußerst schwierige Aufgabe, die Be- schlüsse durchzuführen, bei der General Primo de Rivera sowie seine Mitarbeiter die Hauptrolle zu spielen haben. Sie werden im Ein- Verständnis mit dem französischen Oberkommissar die Abmachungen in die Praxis umzusetzen haben, die von den beiden Regierungen getroffen worden sind. Die Reise Marschall Petains nach Eeuta und Melilla ist der erste und wichtige Schrittt, der die Aufrichtigkeit der französisch-spanischen Zusammen­arbeit zeigt. Die Regierung wird bereitwillig alle getroffenen Abmachungen veröffentlichen. Das ist allerdings für den Augenblick unmöglich.