- Fuldaer Zeitung
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s. Blatt.
Druck der Fuldaer AcNendruckerel, Fulda.
Rund um die Woche
Wölkischen mit ihrer riesen Abneigung gegen alles j und in Berührung mit denen, die in der Sthiopi- Katholische üppig ins Kraut schießen. Wenn die | fä>cn Bewegung bis zum Tschad-See wühlen, eben- Behandlung der katholischen kirchlichen Interessen j f° wie in den englischen Kolonien an der Goldküste freundlicher, oder sagen mir lieber, einen Grad I und in Nigerien. Am schrecklichsten ist es vielleicht wohlwollender zu sein scheint, so ist das lediglich | 'N den Kapländern. Dort hatte einst der Vertre- eine Folge der Umwälzung und des daraus ent- | *cr Englands, Lord Buxton, seine Brandreden wi- springenden parlamentarischen Systems, in dem £er die Deutschen gehalten und allen Schwarzen, des Zentrum einen M a chtfa kto r darstellt,, mit T uniform onzoqen, die gleichen Rechte verspro- dem man eben rechnen muß. Insbesondere in der | 9cn. mnr/?e'^-en’ t^uf Boden für Meu- sFrage der Abteikirche von Maria Laach, die die Aeiimd Bolschewismus, da man nach vollbrachter Wölkischen erregt, weil beute die herrliche roma- 2fehfFe ^^chungennichtelnzulosen vermochte mische Kirche Eigentum der dortigen Benediktiner m^aebraM mted-? nach SZ'
i'st, natürliä) mit allen Rechten und Pflichten eines I Jhnf 5 SiX
Eigentümers, wissen die beteiligten Kreise ganz ge- fenLÄ bort' bettfdSn
Un5 °-k"v gerade eine L°hnverhLsi7°gründlich auszunüßen So ar" im hte« Ä l'ch bemühten beitet der Drache. Er wird dem Riesen begegnen,
, o;n,M4f:A9fPrhih1AUrlt”nMe^,rtn9en' I roo immer Menschen sich von seinem Fuße bedroht
Z* h!tenMr? mAr' T5 burd).f,d)h' sehen. Er wird die Tränen der Enterbten in den
“ ten Staate nun einmal Stoff der Giftdrüsen unter seinen Zähnen ver- n war. wandeln. Er wird unter den Windungen der
Mo, wir rufen den Völkischen em weiteres: j Peitsche, die fortgesetzt auf ihn niedersaust, seine m mi)9?n uch beruhigen, das Rad der I Ringe nur fester und fester um den Leib des Rie-
Geschiaste^ist nun einmal nicht mehr rückwärts zu I fen schnüren: Ein gigantiscber Kampf, der Inhalt drehen. 1 des nächsten Blattes der Weltgeschichte. Wollte
Gott, es wäre erst so weit, daß wir die Sache als gruselnde Zuschauer im sprechenden farbigen Film betrachten können.
Gegen solche ungeheuren Ereignisse treten unsere europäischen Sorgen zurück. Was in diesem Mordlied gegenüber der tragische Gesang der Auf- gewerteten, wie ihn ein deutscher Dichter von heute einleitete:
„Nun sind wir aufgewertet an Erfahrung
Und aufgewertet ist der Preis der Nahrung - Und aufgewertet sind die Wohnungsmieten . . . Der Retter ward uns nicht umsonst beschieden!" Was sind die Sorgen der gelehrten Welt da- gegen, die beinahe für ihre staubigen Scharteken noch hätten Erwerbssteuer bezahlen müssen, wenn nicht im entscheidenden Moment noch der Abgeordnete Dr. Schreiber mit einer glänzenden Kulturrede dem steuerhungrigen Reichstag in den Rachen gefahren wäre! Was macht es aus, wenn nun wieder Zehntausende von Deutschen von ihrem heimischen Herde im heutigen Polen vertrieben werden sollen! Was bedeutet selbst dagegen die immer bedrohlicher werdende Arbeitslogkeit im Ruhrgebiet! Was die Gefahr eines englischen Riesenstreiks! Was der traurige Umstand, daß Amund- sen den Nordpol noch immer nicht erreicht hat! In diesen Dingen schlummern Tragödien, wohl schlimmer als vieles, was früher an Not und Unglück wochenlang die Zeitungen schrieben. Die Menschheit ist heute empfindungslos dagegen. Selbst die großen Reden des kommunistischen Parteitags versinken vor den Interessantheiten der Oberfläche.
Ist es nicht viel lieblicher, Schoko-Eis zu essen? Was ist Schoko-Eis? Nun, Eis in Schokolade. Es gibt bereits Spielarten: „No-Po-Eis — Nordpoleis". O Bolle, edler Milchhändler, wie blüht dein Eisberg im sommerlichen Berlin! Das ganze ist amerikanischer Import. Es kam zugleich herüber mit einigen anderen hübschen amerikanischen Dingen. Ein kluger Stuttgarter hat sie uns aufge- zähll: nämlich den Sporttyp, den Sensationstyp und den Shimmytyp, die wir bis da samt und sonders im deutschen Kulturbild schmerzlich vermißten. Sie passen auch so ganz zum deutschen Wesen. Wir haben ja immer den Sport geliebt. Nur den Umstand, daß nun Philosophie, Dichtung und Religion mitsamt den dazugehörenden Kulturwerten sich in Sport umsetzen, und wie mein Stuttgarter Gewährsmann sagt, einen Zustand „primitiver Intätigkeitssetzung der rein motorischen Kräfte, die in der Rekordsucht und in der blinden Verherrlichung geistlosen Kraftmenschentums kulminieren, das sich oft qualitativ und ästhetisch durch nichts von denen im nördlichen Europa vielge- , schmähten Stierkämpfen unterscheidet", das verdanken wir sicher nicht dem Geiste Goethes, Schillers und Beethovens. Den Sensationstyp kennt je- dermann, der nur einmal ruhigen Gemütes die greulichen Farbenmischungen moderner Großstadtreklame betrachtet hat, die mehr aufs Wehtun als aufs Wohltun abzielen. Der Shimmytyp aber re- bet von allen Dingen, obwohl er nichts davon weiß. Er hat alles gelesen und nichts verstanden. Die „Insel der Großen Mutter" kennt er, aber Goethes Iphigenie ist ihm fremd.
Cs ist manchmal nicht leicht, sich an die neue Sittlichkeit Europas zu gewöhnen. In England haben jetzt auf einer Konferenz 800 Studentinnen zwes Tage lang ernsthaft'über die Frage diskutiert: „Sollen Studentinnen mit jungen Männern kosen?" Zwei Tage lang haben sich diese höchst ehrbaren Töchter höchst ehrbarer Eltern ohne Zweifel in höchst geziemenden Ausdrücken über diese prickelnde Moralfrage unterhalten. Wie ernst man es genommen, zeigt ein ausführlicher Artikel, den der „Survey", das führende Organ für soziale Facharbeit ,also nicht irgend ein Modejournal, die- fern Ereignis widmet. Die sittliche Parole lautet: „Mäßigkeit, nicht Abstinenz!" Cs dehnt sich denn auch neben den betreffenden Eolleqes ein Park aus, der sogenannte „Campus", das allabendlich flüstervoll belebte Uebungsgelände dieser ebenso abstinenten wie maßvollen „Sittlichkeit" des im übrigen bigott frommen England. In Dänemark gibt es auch bestimmte Wege, die zum Flirt wie gemacht scheinen . Nur nennt man sie nicht mit sehr wählerischen Namen und einen von ihnen zum Bei- sviel „Swinesti". Sti heißt auf Deutsch soviel wie Pfad. Das Wort Swine braucht man nicht zu übersetzen, da es bei uns wenigstens im Niederdeutschen noch üblich ist. I
völkische „Erzieher" des deutschen Katholizismus.
fe’” dner be,Onbmr mirb j S« »Ich --d d°, Drachr. - K-I-nI-I- SHmn. - I. Sftlta. -
L -die innere Feindschaft zwischen I Schokoeis. — Shimmy. — Flirt.
völkischem und katholischem Wesen be- s . .. . .. .
bürste es eigentlich keiner neuen Beweise. Aber I ben ®a®en ,ber begegnen nur wohl )s ist immer wieder interessant, die Völkischen bei I Kämpfen von Riesen und Drachen. Der^Nibe- chrer Arbeit zu beobachten, und katholische Kreise I lungenfilm hat uns noch jüngst in einem seiner rie es mit ihren Pflichten ernst nehmen, vor ihnen I reizvollsten Bilder etwas derartiges vor Augen ge- «u warnen. Der bekannte Kardinalprozeß in Siam» stellt. Was sind aber alle diese phantastischen Er- vurg, über den die völkischen Blätter und ihre f-ndungen gegenüber der furchtbaren Wirklichkeit
Gesinnungsverwandten in allen Tonarten schwei- ^Dn J,euteZ Kampf emes Riesen nut einem
gen, ist zwar wieder ein deutlicher Beweis aber I Gegenwart.
i)te SSölfifcben b-es I Ijcifjt. $ßirtfd)oft(td)cr 3iTipctiQ[i5tnu5.
Sie auch hrers-i s mS ÄÄ? bemühen 3f)in wird die eigentliche Schuld am Weltkrieg zu- SrSeit benßStf KSÄ *1' “"u ^schrieben, wie er ja so gut wie alle Kriege der WAkstchen und deutschen Neuzeit auf dem Gewissen hat. Man sagte, Bu-
SS Hofft her P* renkrreg, aber es ging um Diamanten. Man unter-
urunö klafft, der durch nichts überbrückt werden j hielt sich von Türken und Kurden, von Batum u . . . . , . > und Mossul, und träumte dabei von Naphta. Ge-
Sie haben es yi'er insbesondere darauf abge- I nau so sprach man im Weltkrieg, der eine von J^en, den Einfluß „Roms" möglichst scharf zu I Staatsformen, der andere von Religion, ein dritter kontrollieren und seine weitere „Machtausbrel- I von Rassen und so weiter — die Nüchternen faq= ttung mit scharfen Augen zu verfolgen. Insbe- j ten, kaltschnäuzig wie ein Engländer: Busineß, zu ffondere ist ihnen d iejetzigepreußischeRe- j Deutsch: Geschäft. Das Geschäft ist nicht gelungen. >grerung ein Dorn int Auge, die es nach ihrer I Gewiß, wäre ein glatter Friede geworden, so hätte Meinung auf diesem Gebiete sehr an der rechten I man bei. allerlei Aufbau prosperiert. Aber solch Mufmerksamkeit fehlen läßt. Wenn irgend ein j ein Friede kam nicht. Man erreichte höchstens Orden ein staatliches Gebäude pachtet oder irgend- | eine Teilstabilisierung des Kapitals. Und dies aus wie mit Staatseigentum in Berührung kommt, I dem einfachen Grunde, weil es schlechterdings un- »ber wenn die Verhandlungen sich statt in dem alten I möglich ist, bei verkleinertem Absatzgebiet eine so ^ererbten preußischen Mißtrauen auf einem ver- I ungeheure Maschinerie im Gange zu halten, eine krauensvolleren Fuße vollziehen, so ist das für I Unmöglichkeit, die durch ungesunde Inflation eine diese Zwnswächter des „Deutschtums" ein Grund 1 zeitlang verhüllt wurde, dann aber um so offensicht-
ieinzuspringen und ihre im Grunde kulturkämpfe- I licher in die Erscheinung trat. Es ist nur weiter-
'rische Seele zu zeigen, die man beinahe von der I zukommen, wenn sich neue Absatzfelder erschließen, Mentalität des evangelischen Bundes nicht mehr I »nd da schlägt gerade in einem solchen kritischen
trennen kann. j Augenblick bas gewaltige China feine Tore zu,
! Neuerdings sind Kloster Grüssau, Arnstein, I während bas heruntergewirtschaftete Rußlanb ein Stemfeld unö Maria Laach Gegenstand ihrer I gefährlicher unsicherer Kunde bleibt. Selbstver- Sorge". Üeberakl wittern fte „römisches Dor- | stündlich auch, daß sich die geheimen Mächte nun
bringen" und machen sich zu „Rettern" des Staa- I d'ua und Rußland richten. Selbstverstand- tes wider Rom ’ ° | kich auch, daß etne Periode kolonialer Wirren be-
i Unter Nr 879 c der Kleinen Anfragen des tRA*
BtlttbtQOes bot h4>r nrpirftHche 21, I Sufteti und ö^cftröBcn, frfxittct über SBüftcn
SS ÄÄ'ÄXÄÄ'
Ser Oestentlichkeit zu unterbreiten, ober daß sie in I „ '. . ... . ...... 1 . ....
ßufunft doch wenigstens etwas vorsichtiger bet I wrrd nicht fo leich sein wie fruher wo man ihrem „Rettungswerk" verfahren werden. Es hat I Schwarze Gelbe und Rote wie Schlachtvieh behau- reinen Zweck, bei den Einzelheiten zu verharren, I m-nf ^onn^V h"?. gegen den
hur dies eine fei hervorgehoben, daß der Staat | e” ^,er. Geifer speit. Sem
Nutürlich nie irgend eine Levorzuguing der Orden I?e?"Leib"rinIett^ch au horfsrn:* tG* I X-CtÖ Ttttgclt jtu) UtTl ulC IDfctlGTlU OIC
Eeufien Midgartschlange der alten Germanen. Ein Afrika-
tophf-n nh»iU^mU'hJh» TohZ T? I Reisender berichtet uns, wie die Schlange nachdem
rammenb bew beide Teile zu ihrem Rechte I schwarzen Erdteil züngelt. Man sieht das nicht kommen. J fo sehr bei den braven Rifleuten, die in der reinen
Gms ist allerdings dabei au fogen. Ser Staat I Lust ihrer Berge Gläubigkeit und gute Sitten be- ??tr:r^eU e'sbaI Preußen von heute, steht der ka- | wahrt haben, weshalb sie auch so stark und tapfer * rx 1 m6n r^ir(be 6 erech t er gegenüber, als das I sind. Vielmehr im Nigerbogen und nördlich daalte Preußen es je1 getan hat. Es ist nicht mehr I von, wo bet Europäer schon seltener wird, unb fooret vergiftendes Mißtrauen vorhanden. Daß I wo von den farbigen Menschen fo mancher nach mes nicht in der Wunschrichtung der Völkischen zu I feiner Rückkehr vom Rhein den Weißen anders liegen scheint und sie darob Lärm schlagen, ist | betrachtet. Bereiter noch für die Drachensaat ist pllerdings interessant genug. < das Land südlich des Nigerbogens, wo bei der
Aber auch bei dieser Gelegenheit kann und muß i Vielweiberei der von Europa gekauften Häuptlinge' wieder einmal betont werden, wohin wohl die kirch- I übelste soziale Zustände herrschen. Ehrfurcht vor lichen Interessen der katholischen Kirche kämen, 1 der weißen Raffe hatte der braune Soldat aus. wenn der deutsche Katholizismus nicht das Zen» I dem Weltkrieg auch dorthin nicht mitgebracht. Hier jtrum besäße. Dann würde die Mentalität der I arbeiten Agenten des Bolschewismus im Bunde
Der deutsche Schäserhundesport. i
Man schreibt uns:
Der deutsche Schäferhundesport ist verhältnismäßitz jungen Datums. Sein jetziger Stand wie überhaupt fein Zweck und seine Ziele sind trotz der großen Verbreitung der Rasse der Allgemeinheit — auch innerhalb der deutschen Sportgemeinde — leider nicht so bekannt, wie es dieser Spottzweig angesichts der vorzüglichen Gebrauchs, eigenschaften und der überaus vielseitigen Verwendbar- feit des deutschen Schäferhundes wohl verdiente. Ein kurzer Ueberblick an dieser Stelle mag deshalb angebracht sein.
Zunächst sei ein hier und da verbreiteter Irrtum abgetan. Häufig wird — offenbar in immer noch nicht ausgerotteter Nachbetung ausländischer Geistesprodukte — der „elsässische Wolfshund" dem Deutschen als deutscher Schäferhund in Freiheit vorgesührt. Dieser „elsässische Wolfshund" ist natürlich Unfug, er besteht nur in der Phantasie eines kleinen Kreises von französischen Auch-Kymologen, denen der deutsche Schäferhund an sich und auch in der Erinnerung an seine überragenden Leistungen während des Weltkrieges auf die Nerven fällt. „Wolfshund", elfäffifdjer oder sonstiger Herkunft, auf unseren deutschen Schäferhund angewcndet, ist als Märchen abzulehnen.
Der deutsche Schäferhund ist seit vielen Jahrhunderten ein feststehender Typ in der großen deutschen Hund»>^ familie unb war bis vor etwa 40 Jahren in der Haupt, fache nur als Herdengebrauchshund verwendet. In nur erst wenigen Fällen hatten Freunde seiner Rasse, die an ihm draußen an der Herde beobachteten ausgezeichneten Gebrauchseigenschaften, seine hohe Intelligenz, seine wtt- terfeste Ausdauer usw, auch auf anderen Verwendungs. gebieten zu benützen versucht; so z. B. die hervorragende Rase für Polizeizwecke, bas naturwüchsige Draufgängertum für bie Zwecke des Selbstschutzes, ebenso fein feines Gehör und feine unübertreffliche Wachsamkeit für private und öffentliche Sicherheit usw. Nebenher liefen auch Versuche, dem deutschen Schäferhund als Kriegshund im Heere Eingang zu verschaffen. Vis auf bie schon systematischer in Angriff genommene Ausbilbung als Sani- tütshunb blieb es bis vor reichlich einem Vietteljahr-, hunbert bei biesen mehr ober weniger unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gemachten Versuche und Anstrengungen.
Erft dem „Verein für deutsche Schäferhunde" (S. V.) bezw. seinen Gründern, die zum Teil noch heute führend an der Spitze dieser größten kynologifchen Organisation der Erde stehen, gelang es, diese mannigfachen Bestte- bungen zu vereinigen unb bie Erhaltung und Weiterentwickelung der vorzüglichen Gebrauchsanlagen des beut- schen Schäferhundes unb seiner Rasse zur programmatischen Aufgabe der Organisation zu machen. Sein hierfür von Anfang an maßgebender Grundsatz „Zucht unb Leistung" ist seitdem in systematischer Arbeit bis heute der Grundgedanke geblieben. Die Erfolge dieses Grundsatzes zeigten sich immer deutlicher in der Zunahme der Verwendung des deutschen Schäferhundes im Wach-, Schutz-, Polizei- und Kriminalhundbienst; Erfolge, bie neben der zielbewußten Leitung des Vereins im Wefent- lichen der begeisterten Schar der Schäferhunbsportfreunbe zu danken sind. Anfänglich auftauchenbes Mißtrauen gegen die Zuverlässigkeit der Fähigkeiten des Schäferhundes, vor allem der ausgezeichneten Nase, wurde durch die unermüdliche zückterische unb Slusbilbungsarbeit der dem Verein angeschlossenen, an Zahl immer mehr wach- senden Liebhaberführer allmählich überwunden, sodaß zahlreiche Polizeibehörden den deutschen Schäferhund mit Vorrang in den Dienst zur llnterstützung der Beamten einstellten. Zu der persönlichen Freude an der Arbeit mit dem Schäferhunde kam so bie Gewißheit, mit bem Sporte auch gleichzeitig unmittelbar der Allgemeinheit zu dienen.
Die Ergebnisse der planmäßigen Arbeit des genann- ten Vereins kamen aber so recht erst zur Geltung in dem hinter uns liegenden Kriege. Was der deutsche Schäferhund, der zu rund 90 v. H. das Heer der „Kriegs- Hunde" bildete, in diesen vier Kriegsjahren als Posten- und Wachhund, als Meldegänger, als Munitions- und Essenträger- als Spür- und nickt zuletzt als Sanitäts- Hund geleisttt hat, gehört der Geschichte an. Die hier bewiesene außerordentliche vielseitige und zuverlässige Verwendbarkeit ist es denn auch gewesen, die dem deutschen Schäferhund die Zahl seiner Freunde in ungeahn- tem Umfange vergrößert bat. Daß dabei auch die in der Nachkriegszeit immer größer werdende Unsicherheit bas ihrige beigetragen hat, lao nabe. So zählt der „Verein für deutsche Schäferhunde" (S. V.) heute runb 45 000 Mitglieber, die, innerhalb Deutschlands in etwa 40 Landesverbänden mit runb 950 Ortsgruppen vereintet, sich der Zucht und bet Ausbilbung des deutschen Schäfer, Hundes zum Herdengebrauchs-, Schutz-, und
Kriminalhund widmen. W. S.
Reise und Wanderung.
— Post-Ses»Lschastrfahtt«n in der Rhön. Für solch« die schnell alle Herrlichkeiten der Rhön kennen lernet wollen, bietet jetzt bie deutsche Reickspost durch Ein stellen eines Kraftwaaens mit 22 Sitzen treff liche Gelegenheit. Die Fahrten gehen von dem Höhen, luftkurort Gersfeld aus und berühren alle Ausflugs, orte unb Badeorte der Rhön unb der weiteren Umgebung.
— Line neue Alvenhütte. Kürzlich wurde eine neue Hütte, das Wilbkogelhaus. in den südlichen Kitzbiiheler Alpen, von der Alpenvereinssektion Astria eröffnet.
Vergib und vergiß.
Preisgekrönte Novelle von Ernst Lingen.
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Er bestellte eine Erfrischung freundlich aber kurz unb durchmaß dann mit großen Schritten die Stube.
„Haben wir nicht noch gestern hier miteinanber ge- jftanben in innigster Seelenharmonie," murmelte er, zum Fenster tretend und auf das Gebirge hinblickenb. „Unb ihcutel . . . Karl, Karl . . . besinne dich, besinne dich: fciaben deine Gedanken sich bereits soweit verirrt, bett ftireunb zu beschuldigen, der dir bis dahin alles war? .Ist es recht, ihn unedel, unzart zu schelten, weil er an- nahm, was so freundlich geboten wurde?" Mit Gewalt suchte er bas Wehgefühl zu bannen, bas ihn bei der Erin- Itenutg an den kleinen Wortwechsel durchzuckte, den Ka- rote am Morgen seinetwegen mit Otto gehabt.
„Ja, ich werde sie schon grüßen, die schöne Kam- paspe". murmelte er fast bitter, „obschon weder sie noch sonst eine Blondine der Welt mich reizen wird, seit ich in diese Augen geschaut.
Unwillig fuhr er bei den letzten Worten über die von seinem Hauch leicht angelaufene Scheibe, und da :.ftanb der Name, der seine Phantasie gestern noch mit unbestimmten, aber lieblichen Hoffnungen erfüllt hatte, vu die er heute schon nicht mehr erinnert sein wollte.
Erst der schrille Pfiff der Lokomtive schreckte Fernau auf. Als er den Perron betreten wollte, trat k afy freundliche Mädchen ihm mit einem Glase entgegen. „Ich wollte Sie nicht stören," sagte sie, wie entschuldigend. Sie hatte ihm Limonade gemacht; er trank hastig, es tat ihm sichtlich wohl. Mit einem dankbaren Blick gab er ihr bas Glas zurück unb reichte ihr bann ein großes Silberstück. „Der Rest ist für Sie," sagte er abwehrend, als sie in die Tasche langte.
„Sie haben so gut für uns gesorgt," rief er noch LUrück, ba bas Mädchen ihm doch nacheilen wollte. Damit war er aus der Tür unb sprang in ben Wagen. Sie
W> B9<6- bis der Zug bavonb.rgu.fie, bann eiste sie
neugierig an bas Fenster, an bem der Fremde so lange geweilt, und buchstabierte nicht ohne Mühe den Namen heraus, her ba ftanb.
„Der steht nicht im Kalender," meinte sie dann köpf- schüttelnd, „ich muß ihn mir aber aufschreiben." Sie zog gleich ihr kleines Notizbuch aus der Tasche und schrieb den Namen hinein. „Jedenfalls eine Schauspiele- rin ober eine Gräfin, in die er unglücklich verliebt ist", resümiert sie mit wichtiger Miene, indem sie bas Büch- lein wieder zu sich steckte.
* M'-• MP«IS .
Ms Katt am Abend nach Hause kam, öffnete sich bie Zimmertür und feine Hauswirtin trat auf die Schwelle.
„Sind Sie es wirklich, Herr Fernau?" begann sie. „War mir’s doch, als hatte ich Ihren Schritt gehört. Kommen Sie vielleicht später ein wenig herunter?"
„Sie sind zu gütig. Aber heute . , , so angenehm es mir wäre ..." Er stockte.
Ein Schatten flog über das Gesicht der Dame. „Nun, so sehen wir Sie doch bald einmal unten", meinte sie bann freunblich und zog sich zurück.
Wäre Karl in seiner gewohnten Stimmung gewesen, so hätte ihm nicht nur die Erregung in den sonst so ruhigen Zügen seiner Wirtin, sondern auch diese, mit ihrem in der Regel gemessenen Wesen nicht in Einklang stehende Einladung auffallen müssen. Mit Recht würde er ben offenen Brief, ben sie in der Hand hielt, als die Ursache ihrer Erregung angesehen haben. Ader heute sah er nichts von alledem, und aus seinem Zimmer angekommen, riegelte er sich ein, als könne er damit die Außenwelt von sich abwehren.
nie alte Hausmagb meinte, als sie ihrer Gebieterin die Lampe hinstellte, Herr Fernau müsse sich nicht wohl befinden ober einen großen Verdruß haben, daß er nicht einmal mehr ausgegangen sei, um zu Nacht zu essen. Diese erwiderte nichts; sie war heute zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, um auf das Gerede der Dienerin zu achten.
Karl aber unterstrich, ehe er seine Lampe löschte, in feinem Thomas a Kempis ben Pers, der dort im drei
zehnten Kapitel des ersten Buches angeführt stand: „Gleich im Anfang mußt du eilen; die Arznei kommt dann zu spät, wenn das liebet durch Verweilen weit um sich gefressen hat."
Wenn es Menschen gegeben wäre, in die Herzen zu schauen, würde der alte Professor Fischer an diesem Abend mit feinem Liebling zufrieden gewesen sein.
Otto Rudolphi hatte sich an jenem Abend mit ganz änderen Gedanken zur Ruhe begeben. Die Herzlichkeit, mit welcher Karate ihm bei seiner Rückkehr entgegengekommen, hatte ben Hauch von Mißstimmung, der noch über feiner Seele lag, rasch verweht, unb bie Lebhaftigkeit, mit der sie Karls Entweichen der Mutter gegenüber verteibigte, welche ein solches Benehmen boch etwas extravagant finden wollte, hatte ihn entzückt. Er schrieb einen langen Brief an feine Mutter, der feine glückliche Stimmung widerspiegelte, unb schlief mit der Vorstellung ein, wie gut Karate sich als Frau Professor unb als Salondame präsentierte, und wie man ihn um eine so reizende junge Frau beneiden werde.
„Ja," murmelte er, schon halb im Traum, „märe nicht alles so bestimmt beschlossen, und dächte ich nicht, daß die Gelegenheit nicht leicht wiederkehrte, wer weiß, ob ich nicht den Norden . . . Norden sein ließe!"
Auch Karola schrieb an ihre Freundin. „Ist es nicht merkwürdig," fuhr sie fort, nachdem sie das eine unb anbere erwähnt hatte, ehe sie auf ben Besuch tarn, „ist es । nicht merkwürdig, daß unser Besuch und sein Freund die ! beiden jungen Leute sind, bie uns fo ausfielen, als wir aus der Kunsthandlung traten — und daß Herr Fernau der Künstler ist, den du sehr wünschtest kennen zu lernen? Ich benutze hauptsächlich deshalb noch diese späte Abendstunde, dir zu schreiben, damit ich dich auf seinen Besuch vorbereiten kann. Denn er wird dir jedenfalls in ben nächste» Tagen unsere Grüße überbringen. Ich bin nicht wenig stolz darauf, daß wir stillen Waldbewoh- ncr euch eine interessante Bekanntschaft vermitteln uno gar diese, bie so schwer zu erlangen war unb von der nmn in Mannheim fo viel Wesens machte! Aber mag
hatte dabei nicht unrecht, Ottilie. Mir wenigstens scheint Herr Fenrau der beste, frömmste und gebilbetfte Mann zu fein, ben ich noch sah. Ich bin überzeugt, wenn du dich einmal mit ihm unterhalten hast, wirst du nicht mehr daran denken, daß seine Nase, dir dir vorgestern so viel zu schaffen machte, etwas kürzer fein könnte! Daß du mir ja alles ausführlich schreibst, was ihr verhandelt! Ich freue mich darauf. Er wird gleich sehen, wieviel verständiger du bist als ich. und dir daher sicher noch mehr von feinem künstlerischen Schaffen erzählen, als er mir gegenüber schon so freundlich war zu tun. Heber Herrn Rudolphi schreibe ich dir nächstens mehr; gesehen hast du ihn ja schon, wenn auch nur flüchtig. Er hat uns diesen Nachmittag einen Akt aus dem Hamlet vorge- lesen — ich glaubte mich ins Theater versetzt. Die (Eltern sind sehr vergnügt, daß endlich einmal jemand von diesen lieben Freunden hier ist.
* ---- ’T,
Es war ungefähr drei Wochen später und seit Ottos Anwesenheit in Rauheneck der erste Regentag. Der Forstmeister war im Büro beschäftigt: oben saßen seine Frau und Tochter am Arbeitstisch, indes Otto in Büchern herumblätterte. Zuweilen blickte er auf Karola hin, bie emsig über ihre Arbeit gebückt, seine suchenden Blicke nicht zu bemerken schien.
Ihre Mutter aber wandte sich jetzt nach ihm um unb fragte „Wie ist es, Otto, haben Sie etwas Passendes gefunden?"
„Die Wahrheit zu gestehen, Derehrte, habe ich mich zu sehr durch Karola zerstreuen lassen, als daß ich ernstlich ans Suchen gedacht hätte. Sie weiß das Weberschiffchen, wie man ja das kleine Ding wohl nennt, so zierlich und schnell durch die Finger gleiten zu lassen, daß ich meine Augen kaum davon abmenben kann. Nie habe ich etwas Reizenderes gesehen, als Karolas Handbewe- gungen."
Die Mutter schien sich über das Kompliment mehr geschmeichelt zu fühlen wie die Tochter, welche bie Hänbe sinken ließ und mit nicht ganz unbefangener Stimme sagte: „Wissen Sie noch, was Sie yns für den ersten Regentag versprochen haben?" . (Forts. foJflL). J