FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Nr. 170.
Verantwortlich für die Schriitleitnng: Dr. Johannes Kramer. Anreigen: I. P arretier, Fnlda. Rotationkvruck nnd «erlag de» Luidoer Actiendruüerei in Lnlda. Jernlvrecher Nr- 9.
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Sonntag, 26. Juli 1925.
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52. Zahrg.
keichrregierung und wittschastr- verbäude.
In der Reichskanzlei hat am Freitag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers in Anwesenheit des Reichswirtschaftsministers, des Reichsarbeits- minrfters und des Reichsbankpräsiüenten mit den Vertretern der rheinisch-westfälischen Kohlen- und Eisenindustrie ,des Reichsverbandcs der deutschen Industrie und des Industrie- und Handelstages eine Besprechung stattgefunden, in der die gesamte finanzielle Lage der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Rohstoff- und Eisenindustrie besprochen wurde. Dabei bestand eine Ueberein- stimmung darüber, daß es darauf ankommt, Mittel und Wege zu finden, um allen Produktionszweigen wieder auf die Dauer ihre Wirtschaftlichkeit zu sichern. Es konnte festgestellt werden, daß aussichtsreiche Verhandlungen über eine Ermöglichung der allmäWchen Abstoßung der Haldenbestände des Steinkohlenbergbaues im Gange find. Die Induftrievertteter betonten, daß die Belastung mit sozialen Abgaben, Steuern und Zinsen in der gegenwärtigen Höhe nicht länger erträglich sei. Alle diese Fragen wurden eingehend erörtert. Die Diskussion erstreckte sich auch auf Fragen der Preisbildung. Die Lage der Wirtschaft soll von allen beteiligten Kreisen weiter geprüft werden. Es war die einmütige Auffassung aller Anwesenden, daß nur eine wirksame Pro- duktionssteigerung die Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus der gegenwärtigen bedrohlichen Lage herausführen kann.
Im Zusammenhang mit den Besprechungen der Arbeitgeber des Ruhrkohlenbergbaus und der Eisenindusttie beim Reichskanzler soll am nächsten Dienstag den Blättern zufolge beim Reichsarbeitsminister eine gemeinsame Beratung zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern des Ruhrbergbaus und der Eisenindusttie stattfinden. Am Mittwoch wird voraussichtlich der Reichskanzler eine Vertretung der Arbeiterschaft empfangen, um mit ihr die Kohlenfrage zu besprechen.
Der Reichspräsident empfing als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der freien geistioen Berufe Geheimrät Mer- Hau-Derlin als Vertreter der A e r z t e, Rechtsanwalt Dr. Krämer als Vertreter der Anwaltschaft und Ingenieure und Hofrat Dr. Rösch als Vertreter der Kü n ft I e r. Die Erschienenen sprachen namens der Arbeitsgemeinschaft der freien geistigen Berufe dem Reichspräsidenten Glückwünsche für seine Amtsführung aus und berichteten über die Ziele und Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft und die Sorgen und Wünsche der einzelnen in ihr zusammengefaßten Berufsstände.
Marokkokriea Mr See.
wtb Paris, 25. Juli. (Tel.) Rach einer Meldung .des „Journal" aus Madrid haben zwei französische Pakronillenboole ganz in der Rahe des Kap Agua ein größeres Mokorbook, das von Gibraltar kam und zweifellos Waffen schmuggelte, überrascht. Da es der Aufforderung, sich zu ergeben, anscheinend nicht nachk^m. brachten beide französische Boote das Fahrzeug durch Kanonenschüsse zum Sinken.
Kurland.
* Französischer Flottenbesuch in Spanien. Nach einer Havasmeldung aus Brest werden sich vier französische Kriegsschiffe des Aermelkanal- und des Nordseegeschwaders nach Spanien begeben. Das Geschwader wird Santander anlaufen, wo der König von Spanien ihm einen Besuch abstatten wird.
* Eisenbahnunglück in Rumänien. Der Schnell- zug aus Kosice stieß vor Bratislaha, nach einer Meldung des „Berliner Tageblattes" aus Bukarest, mit einer Lokomotive zusammen. Beide Maschinen und der Packwagen wurden vollkommen zerstört. Bisher sind zwei Tote und neun Verletzte geborgen.
* Bolivien und Argentinien. Nach einer der Berliner Gesandtschaft von Bolivien eingegangenen telegraphischen Nachricht wurden zwischen dem Minister des Auswärtigen Diaz de Medina und dem argentinischen Gesandten Carillo in La Paz ein Vertrag unterzeichnet, der die seit langem hier schwebenden Grenz st reitigkeiten zwis hen beiden Nachbarländern regelt und beilegt.
Gtzrmtterfchäden in Dalmatien.
wtb Rom, 25. Juli. (Tel) In Zara und Umgegend verursachte gestern ein Gewitter großen Schaden. Durch Blitzschläge wurden vier Personen, darunter drei Carabinieri, getötet.
* lieber 100 000 Steckbriefe? Das Fahndungs- wesen ist im Deutschen Reiche seit langer Zeit einheitlich geregelt. Von Steckbriefen im äußersten Osten erlassen, wissen bereits am nächsten Tage sämtliche Polizeiäntter im Westen des Reiches. Ge- gemvärttg laufen nicht weniger als 100 000 Steckbriefe, einschließlich derjenigen, die schon vor Jahr und Tag erlassen wurden, zur Vorbeugung der Verjährung aber immer wieder erneuert werden.
* Eine schreckliche Zahl Die jüngsten Berechnungen, die Sir Leonhard Rogers über die Verbreitung der Leprakranken auf der Erde anstellte, ergaben, daß gegenwärtig noch immer drei Mittio- nen Menschen mit dieser entsetzlichen unheilbaren Krankheit behaftet sind. Man kann kaum eine
Steuern und Zölle.
vor neuen weittragenden Verhandlungen im Reichstag. — Krcher- parlamentarischer Kampf gegen die Zollvorlage.
Aus dem Reichstag wird uns von einem parlamentarischen Mitarbeiter geschrieben:
Nachdem mit dem Abschluß der außenpolitischen Debatte die Politik der Reichsregierung nach außen hin Kennzeichnung und Billigung erfahren har, steht für den Rest der Reichstagstagung noch die Klärung der i n n e n p o l i t i f ch e n Lage bevor. Während es anfangs schien, als würde die Bereinigung der außenpolitischen Schwierigkeiten, die in den letzten Wochen aufgetaucht sind, die g r ö ß e r en Sorgen machen, hat sich rasch das Verhältnis umgekehrt. Je näher der Tag der außenpolitischen Debatte kam, umsomehr verblaßten die Kämpfe, die um die Politik der Reichs- regterung geführt wurden, sodaß schließlich bei der Aussprache im Reichstag selbst kaum mehr die Ge- gen'ätze sich wiederspiegelten.
Die Reichsreqierung hat durch die Abstimmung über die freilich auch recht allgemein gehaltene Billigungsformel eine größere Basis erhalten, als sie sich durch das Stimmenverhältnis selbst ausdrückt. Denn die Sozialdemokraten waren, auch wenn sie gegen die Billigungsformel stimmten, grundsätzlich mit der Tendenz des Schrittes der Reichsregierung in der Sicherheitsfrage einverstanden. Die Front, die das Kabinett in diesen Dingen hinter sich hat, reicht von den Deutschnationalen bis einschließlich Sozialdemokraten und sie |teilt die breiteste parlamentarische Linie dar, die in diesen Dingen jemals erreicht wurde. Gerade darin drückt sich aber auch der Wandel der Zeiten ganz besonders sinnfällig aus, denn die heute betriebene Politik unttrscheidet sich in nichts von der sogenannten Verständigungs- Politik der vorangegangenen Regierungen und der völkische Abgeordnete Gräfe hatte durchaus recht, wenn er freilich in kämpferischer Absicht gegen die Deutschnationalen im Reichstag jetzt erklärte, daß eine grabe Linie von Erzberger und Rathenau über Wirth zu Luther und Stresemann und „leider" auch Schiele ginge. Eine Bemerkung, die im Reichstag eine außerordentlich starke Bewegung auslöste.
Ist die Reichsregierung bezüglich ihrer Außen- polittk, über die die letzten Entscheidungen ja freilich auch erst später fallen, somit in der Lage, über einen überraschend starken Rückhalt zu verfügen, so stehett die Dinge hinsicytlich der i n n e n p o l i - - tischen Probleme zur Stunde wesentlich an- i ders. Zwar ist es, ebenfalls weiteren Kreisen un- I erwartet, verhältnismäßig rasch gelungen, in der [ Zollfrage ein Kompromiß zu schließen, das 6: gewiß mit allen Mängeln einer solchen Zwischen- lösung behaftet ist, und das von allen Seiten Opfer und Verzichte verlangt, das aber doch den ernsten Willen zum Ausgleich der Gegensätze dokumentiert. Jedenfalls ist dieses Zollkompromiß, an dem wir alle sehr viel auszusetzen haben, ein Zeichen dafür, daß bei dem ernsten Willen von allen Seiten es möglich ist, auch solche heiklen Probleme unter den jetzigen Verhältnissen, die ia noch immer einen ganz besonderen Ausnahmecharakter haben, zu lösen.
Umso kritischer liegen aber die Dinge hinsichtlich der S te u e r f r a g e n. Hier ist bis zur Stunde überhaupt noch keine Klärung erfolgt. Der' Ab- Muß der Arbeiten im Steuerausschuß bereitet außerordentliche Schwierigkeiten. Wenn nicht -'m letzten Augenblick auch hier eine Kompromißlösung gefunden wird, ist garnicht daran zu denken, daß diese zahlenreiche Gesetze mit ihren nahezu 500 Paragraphen ordnungsgemäß parlamentarisch erledigt werden können. Wie verworren die Dinge sich gestaltet haben, geht unter anderem daraus hervor, daß es in der W e i n st e u e r f r a g e nicht gelungen war, den Steuertarif festzufetzen, so daß der Ausschuß in dieser Frage mit leeren Händen vor das Plenum kommt und es diesem überlassen muß, die Besteuerungsquote einzuschalten. Im Verhältnis zu allen anderen Dingen handelt es sich hier wirklich nur um eine Lapalie, aber trotzdem sind darüber die Gemüter so sehr in Wallung geraten, daß politisch sehr ernste Folgen befürchtet werden müßten. Denn der Reichsfinanzminister hat klipp und klar ausgesprochen, daß er fein Amt zur Verfügung stellen müsse, wenn es bei den Beschlüssen des Steuerausschusses bleibe.
Wie gespannt die Dinge in diesen Fragen schlechthin sind, geht aber unter anderem daraus hervor, daß die Reichsregierung in der am heißesten umstrittenen Frage des 'Finanzausgleichs ernsthaft die Drohung mit dem Rücktritt des gesamten Kabinetts aussprach. Hier ist der Kernpunkt der Frage die Forderung der Baye
rischen Volkspartei, mindestens neunzig Prozent vom Aufkommen der Reichssteuern den Ländern zu überweisen. Die Reichsregierung wird unter gar keinen Umständen eine höhere Zuweisung als fünfundsiebenzig Prozent Vorschlägen. Beschwert find überdies alle diese Fragen mit dem Problem der Hauszinssteuer und mit der von einer ganzen Reihe von Parteien gestellten und gebilligten Forderung, daß die Mieten am 1. April 1926 mindestens 100 Prozent der Friedensmiete betragen müßten. Eine Erhöhung der Hauszinssteuer wird zweifellos diejenigen En t- loftungen, die beim Einkommen- und Lohnsteuergesetz durch Zusätze gesucht wurden, überreichlich wieder wett machen. Und hier liegen schwere wirtschaftliche und vor allem sozialen Gefahren.
Gerade in der Behandlung der Steuersraaen stehen die Parteien unter einem harten Zw a n g. Der Reichstag hat in letzter Zettlrotz wiederholter und dringender Warnungen der Reichsregierung, insbesondere des Reichsfinanzministers eine Fülle von Ausgaben, insbesondere freiwillig für soziale Zwecke bewilligt, für die nun jetzt Deckung beschafft werden muß. Man kann sich bei näherer Kenntnis der Dinge des Eindrucks nicht erwehren, daß manche der hinter der Regierung stehenden Parteien in ihrem Uebereifer doch zu weit gegangen sind, und daß solche Parteien, nicht zuletzt aber auch die Regierung (in der bekanntlich vier deutsch- nationale Minister sitzen) selbst viel zu sehr sich von dem Drängen und Schreien der Linksoppr»- sition, insbesondere der Sozialdemokraten haben beeinflussen lassen. Diese Dings haben wiederholt zu recht ernsten Reibungen zwischen manchen Parteien und der Regierung geführt, umfo mehr als sehr berechtigte Forderungen der Vertreter solcher Parteien rundweg von den Regierungsvertretern abgelehnt wurden, um sofort in noch viel höherem Maße bewilligt zu werden, wenn die sozialdemokratische Presse Lärm schlug. Hier entftqnben Spannungen, die auch heute noch nicht behöben sind und die, wie wir besorgen müssen, bei der Weiterentwicklung der Dinge noch eine Rolle spielen werden.
Die große Satire über den deuffchen bürgerlichen Wähler, der sich von der R e ch t s regte« rung im Reich herrliche Zeiten versprach, die wird noch geschrieben werden.
Kundgebungen.
Gegen Zoll, gegen Teuerung, gegenHriedensmieke.
Im Lustgarten in Berlin versammelten sich am Freitag einige zehntausend Arbeiter der SPD. und der KPD. lieber zwanzig Redner sprachen gleichzeitig zu der Menschenmenge. Ihre Ausführungen richteten fick hauptsächlich gegen d i e Zollvorlage. Eine allgemein angenommene Entschließung fordert Maßnahmen gegen die neu einsetzende Verteuerung der Lebensmittel, die jede Produktion verteuerten und die Arbeitslosigkeit erhöhten. Auch die Erhöhung der Wohnungsmiete müsse unterbunden werden. Die Protestkundgebung ist ohne Zwischenfall verlaufen.
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In Chemnitz haben die Sozialdemokraten und Kommunisten, ebenso wie in Berlin, am Freitag nachmittag eine Demonstration gegen die Zoll- vorlage der Regierung veranstaltet. Zum Schluffe der Veranstaltung kam es verschiedentlich zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei, wobei eine Anzahl Verhaftungen vorgenommen wurde.
Die anderen Zollgegner.
Im Herrenhaus hatten sich Vertreter des Einze lhanbeis, des Großhandels, des Handwerks und der verarbeitenden In- dustrie versammelt, um zu der Zollvorlage Stellung zu nehmen. Es wurde ein ständiger Ausschuß für Handelspolitik gebildet. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen alle Zollbildungen in Gestalt von Mindest Zöllen wendet und fordert, daß die Sätze der künftigen Zollvorlage in den Handelsvertragsverhandlungen gegen ausreichende Kompensationen erheblich herabgesetzt werden. Weiter wird gefordert, daß die Verbände der verarbeitenden Industrie, des Handels und des Handwerks sowie die Vertreter der Verbraucherschaft zu den Besprechungen über die angekündigte Zollvorlage herangezogen werden.
Vorstellung davon machen, was für Leiden und welches Elend in dieser furchtbaren Zahl enthalten sind.
* Der Eiffelturm als Reklamefäule. Der französische Automobilfabrikant Citroen, immer schon ein Held der Reklame, hat den (Eifelturm in Paris gemietet, um ihn als Reklamesäule für seine Autos zu benutzen. Am Fuß des Turmes wurde eine elektrische Anlage errichtet, die 200 000 Glühbirnen in allen Farben mit Strom versorgt. 56 Kilom. elektrischer Draht dienen zur Installation dieser Lampen. So gibts eine schauerlich-schöne Illumination, die gekrönt wird von dem Namen des großen Mannes in Feuerschrift hoch oben auf dem Gipfel des Turmes, und zwar nach allen vier Seiten hin.
gangene Woche wurde Straitlace, eine berühmte Zuchtstute, die allerdings in den letzten Jahren nicht mehr besonders in der Oeffentlickkeit hervorgetreten ist, mit 17.000 Guineen, oas ist heute etwa 380 000 Mark, bezahlt. Die englische Presse erinnert daran, daß dieser Preis durchaus die sonst üblichen Rekordpreise nicht erreicht. So wurden vor fünf Jahren auf der Goodwood-Auktion für Tettatema vergeblich zwei Millionen Mark geboten. Craganour, ein berühmtes englisches Derbypferd, wurde seinerzeit für 30 000 Pfund Sterling verkauft, während Flying Fox, der schon früher in Rennen 40 000 Pfund Sterling zusammengaloppiert hatte, noch später als Zuchtpferd mit 39 000 Pfund Sterling den Besitzer wechselte.
* Stadtverwaltungen als Opfer. In der An-
* 380 000 Mark für ein englische Zuchtstute. 1 Auf der englischen Auktion für Zuchtpferde ver- \
gelegenbeit der Gebrüder Sachs in Berlin, die zahlreiche Kommunalbehörden durch Betrügereien um
England zur Sicherheitrnote.
wtb p a r i s, 25. Juli. (Tel.) Rach eine Havas Meldung aus London soll das dortige Auswär lige Amt gestern feine Meinung über die Antwortnote in einer Rote zusammengefatzt haben, die noch an demselben Tage dem englischen Botschafter in P a r ks übermittelt wurde. Dieser sei beauftragt, Außenminister Briand mündlich hiervon Kenntnis zu geben
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Die „Morning Post" wirft in einem Leitartikel i die Frage auf, wie sich die britische Negierung zu: der Frage des Sicherheitspaktes stellen werde, falls die eine oder andere Dominion- regierung den Pakt ablehne. Das Blatt kommt zu dem Schluß, England tue feine Pflicht gegenüber den Dominions, wenn es sie zu Rate ziehe. England habe jedoch sich selbst gegenüber die Pflicht, Vorkehrungen für seine Sicherheit zw treffen. Wenn das britische Imperium einen Schlag treffe, so werde er zuerst das Mutterland treffen. Es sei daher wesentlich, daß die britische, Regierung sich die Freiheit erhalte, Pakte oder Bündnisse abzuschließen, die sie als wesentlich für' die Sicherheit ansehe. Das Blatt hofft jedoch, daß die Dominions sich imstande sehen werden, die Po-, litik der britischen Regierung zu billigen, denn die Sicherheit des Mutterlandes bedeute die Sicherheit' des britischen Reiches.
Aus Rom wird gemeldet: „Jl Popolo" fogt, die deutsche Note zur Sicherheitsfrage habe dieselbe gute Aufnahme in Italien gefunden wie in England und zwar sowohl wegen der guten vernünftigen Gründe, die sie anführe, als auch wegen des Wertes der Lösungen, die sie vorschlage. Die Einberufung einer internationalen Konferenz sei dringend notwendig, damit dieses Problem, das alle Staaten interessiere, nicht nur von zwei Staaten besprochen werde. Diese Konferenz solle dis neuen Probleme, die von der deutschen Note hervorgehoben würden, erörtern, und wenn es angehe, eine Revision der Verträge vornehmen.-
3m Reichstag
wurde am Freitag über die Personalabbau-Verordnung in dritter Lesung verhandelt. In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag der Regierungsparteien auf Wiederherstellung des Artikels 14 über die Sonderstellung der verheirateten Beamtinnen mit verschiedenen Milderungen mit 232 gegen 155 Stimmen angenommen. Es wird dazu noch ein Antrag der Regierungsparteien angenommen, wonach Artikel 14 Imit dem Jnkraftreten des neuen Reichsbeamtenrechts, spätestens jedoch am 31. März 1929 außer Kraft tritt. 1
Vor der Schlußabstimmung gibt Abg. Stein« köpf (Sog.) für die Sozialdemokratische Partei die Erklärung ab, die Wiederherstellung des Artikels 14 fei an sich zweifellos eine Verletzung des Artikels 128 der Reichsverfassung. Da für diesen Beschluß die für die Verfassungsänderungen erforderliche Zweidrittelmehrheit nicht erreicht wurde/ sei der Beschluß rechtsungültig. Die Sozialdemokraten würden wegen der in der dritten Lesung beschlossenen Verschlechterung gegen das Gesetz stimmen. Präsident Löbe erklärt: Wii stellen Hier nur das mhlenmösiiae Ergebnis der Abstimmung fest. Ob das Gesetz verfassungsändernd ist, sieht anderen Instanzen zu.
In namentlicher Schlußabstimmung wird die Vorlage mit 236 gegen 156 Stimmen angenommen. Die im Falle einer Verfassungsänderung erforderliche Zweidrittelmehrheit ist also nicht erreicht.
Nack heftigen Aiiseinandersetzungen zwischen rechts und links über die Amnestievorlage der Negierung wurde diese dem Rechtsausschuß überwiesen. Die Srreiber der Linken waren Dr. Rosenfeld (Soz.) und Frau G o l k e (Komm.), die davon sprachen, daß in Deutschland unverhüllt eine Parteijustiz gegen Links getrieben werde und auch die Amnestie auf die Vergehen der Rechtskreise zugeschnitten sei.
Am Samstag wird über kleine Vorlagen un^ über die alten Uniformen verhandelt.
3m Flug zum Ml.
wtb London, 25. Juli (Tel.) Der Berichterstatter des ,Daily-Expreß' in Kairo meldet, daß die deutschen Junkerwerke mit der ägyptischen Regierung wegen eines Postslug' dienstes nach Alexandrien und Kreta in Verhandlung getreten seien, wodurch die englische Polt um zwei Tage in der Bejörderungs« dauer gekürzt werde.
Millivnenbeträge geschädigt haben sollen, wurden, wie die „Neue Berliner Zeitung" meldet, bisher acht Personen, darunter mehrere Beamt« städtischer Behörden, in Untersuchungshaft genommen. Auch gegen zwei Berliner Rechtsanwälte wurde ein Strafverfahren eingeleitet.
* Todesfälle durch Ertrinken. Aus Ham bürg wird gemeldet: Nachdem bereits in den letzten Tagen eine Reihe von Personen beim Baden in der Elbe ertrunken sind, büßten am Donnerstag bei Harburg nicht weniger als fünf Personen beim Baden ihr Leben ein.
* Wasserkoster, ein neuer Berns. Seit einiger Zeit gibt es in Paris eine neue Art von städtischen Beamten mit dem Titel „Wasserkoster". Diese Beamten haben jede Stunde eine Probe aus den zwei größten Filtrierbecken von Paris zu entnehmen, um das Leitunoswasser zu prüfen. Diese Wafsev proben werden Tag und Nacht vorgenommen.