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Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Wjmulvnler 10 M (mit jnuftr. Beilage 15 M)

Nr. 165.

Verantwortlich kür die Schrift leit um: Dr- Johannes Kramer- Anzeigen: I. V areeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer ? ctierdrrckkrei >n Fulda. Fernfdrecher Rr- 9.

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Dienstag, 21. Zu» 1925.

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52. Jabrg;

Die große Enttäuschung.

Noch nie war die Rechtspresse so kleinlaut und schweigsam wie jetzt, nachdem die Aufwertungs­gesetze erledigt worden sind. Hindenburgs Entscheidung, die nach Lage der Dinge gar nicht anders ausfallen konnte, als sie in der Tat aus­gefallen ist, weil sonst eine ungeheuerliche Regie­rungskrise ausgebrochen wäre, ist noch die einzige Deckung, über die jetzt die Deutschnationalen ver- verfügen. Es ist außerordentlich charakteristisch, daß sie sich hinter Hindenburg verstecken mit dem Bemerken, Hindenburg sei ein gerechter Mann, er würde gewiß nichts Unrechtes tun. Da- m itwerden dann die Rentner und Sparer ver­tröstet, die, den phantastischen Wahlversprechungen der Deutscknationalen vertrauend, sich bei der Wahl für die deutschnationalen Kandidaten eingesetzt haben.

Die Völkischen sind es nunmehr, die mit den Deutschnationalen Abrechnung halten. Daß ste Hindenburg in den Vordergrund schoben, um ihn für ihre Wünsche auszuspielen, bedeutet ein Ver­brechen an der unantastbaren Persönlichkeit Hin­denburgs. Jetzt kommt nicht nur bei den Deutsch­nationalen, sondern auch bei den Völkischen die große Enttäuschung. So erklärt das völkische Deutsche Tageblatt":

Hindenburg hat entschieden, so wie mir es nicht erwartet haben würden. Er, der Hort der Gerechtigkeit, auf dessen Persönlichkeit wir gerade in dieser Hinsicht glaubten, Häuser bauen zu können, hat eine Bahn ein­geschlagen dies auszusprechen ist unsere Pflicht vor deren möglichen Weiterentwicklung wir gestehen müssen: in uns stürzt eine Welt von Glaube und Hoffnung zu­sammen."

In schärfster Weise geht dann das genannte Blatt gegen die Deutschnationalen und gegen die­jenigen vor, die den Reichspräsidenten zudiesem Bruch der Ungerechtigkeit" gedrängt und ihnbe­raten" haben. Und dann kommt große Drohung:

Die Aufwertungsschlacht tritt mit dem heu­tigen Tage in eine neue Phase, denn sie geht weiter Wenn nicht mit Hindenburg, s o o h n e i h n! Denn noch steht den Aufwertungsorganisationen der Weg des Volksbegehrens zum Volksentscheide offen."

Man sieht also, daß die Völkischen den Deutsch­nationalen nichts zu ersparen gedenken. Die Art und Weife aber, in der hier der Reichspräsident Hindenburg, der mit den Wahlversprechen der Deutschnationalen und mit ihrer Aufwertungs­demagogie nicht das geringste zu tun hat, hier miß­braucht wird, muß auf das schärfste zurück- gewiesen werden. Wir. die wir die Aufstel­lung und die Wahl Hindenburgs für einen schwe­ren politischen Fehler hielten, vertreten diese Auf­fassung, gerade weil uns daran gelegen ist, dem Reichspräsidenten solche Situationen zu ersparen, wie sie ihm jetzt zugeschoben worden ist.

Die Verzinsung der Aufwertungshypo- th et en stellt sich nach dem nunmehr veröffent­lichten Gesetz wie folgt:

in Prozenten vom Aufwertungsbetrag berechnet: für die Jahre 1922. 1928. 1924 0 Prozent.

vom l. Januar 1925 bis 1. Juli 19251,2 Proz. für das Iabr vom 1. Juli 1925 bis 1. Jan. 1926 2.5 Proz. für das ^ahr vom 1. Jan. 1926 bis 1. Jan. 198 3,0 Proz. für daS Jahr vom 1. Jan. 1928 bis 1. Jan. 1932 8,0 Proz. für das Jahr

Im Durchschnitt für diese 10 Jahre, also auf rund 3 Proz. jährlich, aufdenAufwertunqs- b e trag von 25 Proz., das find rund % Proz. auf Die ursprüngliche Hypothekenschuld berechnet. Wir bringen diese Mitteilung, weil in dem Artikel ^Zollfrage und Landwirt" von Herrn Feilmayr in Nr. 161 dieses Blattes behaupet war, der Aufwer­tungsbetrag sei mit dem 3 bis ^fachen Zins, also mit 15 bis 20 Proz. jährlich, zu verzinsen und dadurch bleibe die volle Zinsenlast fortbestehen, die bis zum Jahre 1921 bestand. Die Zinsenlast er­mäßigt sich tatsächlich auf den siebenten Teil der früher gezahlten für die 10 Jahre berechnet.

. Der 77,ährige Abgeordnete Herold. Am 20. Jiefes Monats wurde der Zentrumsführer, Abge­ordneter Herold, jahrzehntelang tätig als Mit- gkied des Reichstags wie des Preußischen Land­tages, 77 Jahre alt. Dieses Tages zu gedenken ist gerade angesichts der gegenwärtigen politifckien Lage besonders notwendig. Die Spezialgebiete der paAamentarischen Arbeit des Abgeordneten Herold sind Zoll- wie überhaupt Landwirtschaft s- mrd Steuer fragen. Wir stehen heute be- züglrch der Zollfragen in der gleichen Situation ®*c rm Jahre 1902. Damals wie heute standen sich die Jnteressentengruppen scharf einander ge­genüber. Damals ist es dem Abg. Herold gelun­gen, durch den bekannten, seinen'Namen tragen­den Antrag die bürgerlichen Parteien zu einigen, ein Tat, deren Gelingen man nach allen voran- gegangenen Kämpfen nicht für möglich gehalten hatte. Auch heute ist der Aba. Herold um eine der­artige Regelung bemüht. In den Steuerfragen hat er sich stets unter Wahrung der Jntressen der Gesamtheit des Volkes im befondern den bürger­lichen Notwendigkeiten gewidmet. Er hat immer für die Zugrundelegung des E r t r a q s w e r t e s bei der Besteuerung der Landwirtschaft gekämpft. Den landwirtschaftlichen Organisationen ist er in feinem ganzen Leben ein treuer Führer und Bera- eiL ®e in ihm den großen

Vermittler, eine Persönlichkeit von lauterstem Eharakter, einen Mann von seltenen Qualitäten, dessen Rat und Führung sie stets mit besonderem Dank entgegen genommen hat. Möge uns dieser treue und tapfere Kämpfer noch lange erhalten r»l öl KUM

* Der wiirttembergische Landtag beschloß bei Be- ratung von Anträgen des Finanzausschusses zum Wohnungsbau sofort die Friedensmiete zu gewähren.

Antwortnote und

.Die Schlußredaktion der Antwort auf die Note der französischen Regierung vom 16. Juni betref­fend den Abschluß eines Sicherheitspaktes ist in einer Ministerbesprechung am Samstag in der Reichskanzlei in Berlin erfolgt. Der end­gültige Wortlaut der Note ist in dieser Sitzung ein­stimmig beschlossen worden. Die Note wird am Montag in Paris übergeben und am Mittwoch früh veröffentlicht werden. Der deutsche Botschafter in Paris, Herr v. Hoesch, wird am Montag nach­mittag 5 Uhr zum Zwecke der Ueberreichung der Note von dem französischen Außenminister Briand empfangen worden.

DieSunday Times" geben den angeb­lichen Inhalt der deutschen Antwortnote in der Sicherheilsfrage wie folgt an: 1. Deutschland schlägt die Einberufung einer i n t e r n a t i c^nnle n Konferenz vor, die nicht nur die Sicherheits­frage zu lösen hätte, sondern auch die Entwaff­nungsfrage und die Frage des Eintritts Deutschlands in den V ö l k e r b u nd. 3. Im Falle des Abschlusses eines Garantieoertrages sollte die Besetzung des Rheinlandes gemil­dert werden. 3. Deutschland schlägt das Schiedsgerichtsverfahren für etwaige Konflikte mit seinen östlichen Nachbarn vor. 4. Die Alliierten hätten die genaue Stärke der Gar - nisonen in Deutschland zu regeln.

*

DieSunday Times" erfährt, daß die Regie­rungen von Frankreich und Belgien der britischen Regierung die Absicht mitgeteilt haben, Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg zusammen mit dem Ruhr­gebiet bis zum 16. August zu räumen.

Aus Gelsenkirchen ist Sonntag morgen 5 Uhr die etwa 900 Köpfe zählende fran z^- sische Besatzung, bestehend aus dem Infan­terie-Regiment 24, einer Abteilung Kavallerie und einer Abteilung Maschinengewehre abgerückt. Die Bevölkerung verhielt sich den abmarschierenden Truppen gegenüber ganz teilnahmslos. Am Abend vorher sind die Besatzungen von Recklinghau­sen, Gladbeck und Buer in einer Gesamt­stärke von etwa 4000 Mann abgerückt. Irgend­welche Zwischenfälle sind nicht zu verzeichnen, da die deutsche Bevölkerung ohne Unterschied der Partei den Abzug der Franzosen völlig außer acht ließ. Damit war der Bezirk, der feit 11. Januar

Cisenbahnpolitik und deutsche wirtschaft.

Die Allgemeinheit verlangt von der deutschen Wirtschast einen erheblichen Preisabbau und verweist mit Recht darauf, daß nur auf diese Weise der innere Markt und auf diesem basierend auch der Auslandsmarkt eine entschiedene Belebung er­fahren könnte. Die Wirtschaft verweist dagegen auf die hohen eignen Erzeugungskosten, die bedingt seien vor allem auch durch die hohen Steuern, die Sozial- und andern Lasten, unter denen nicht an letzter Stelle die gegen Friedenszeit wesentlich er­höhten Tarife der Deutschen Reichsbahn­gesellschaft ständen. Gegenüber der Kritik insbesondere auch aus industriellen Kreisen ist jedoch die Feststellung des Präsidenten des Aussichtsrats der Deutschen Reichsbahngesellschaft auf der Ta­gung des Reichsverbandes der deutschen Industrie Ende Juni sehr bemerkenswert, daß der Tarifpolitik die Wege gewiesen sind, durch die der Bahngesell­schaft im Londoner Abkommen auferlegte Verpflichtung, die Zinsen für die eingetragene R e« p?r"!'""sschrild pünktlich zu zahlen. Daher wäre dies die wichtigste Aufgabe des Verwaltungs- rats. Die Höhe der festverzinslichen Schuld wäre nicht größer als die der Eisenbahngesellschaften an­derer Länder, aber die allgemeine wirtschaftliche Lage Deutschlands und die durch die Revolution entstandenen befonbetn Belastungen machten diese Ausgabe zu einer sehr schwierigen.

Das Interesse der Gesellschaft decke sich aber durchaus mit dem Interesse verdeutschen Wirtschaft. Die Anlagen der Reichsbahnen könnten einen viel größeren Verkehr be­wältigen, die Ausgaben richteten sich in erster Linie nach der Größe der Anlagen und nur in geringe­rem Maße nach dem zu bewältigenden Verkehr. Di- deutsche Produktion betrage heute nur noch li­stens 70 Prozent der Vorkriegsproduktion, und Der Verkehr fei dementsprechend. Nur durch Hebung , der Produktion könnten die deutsche Wirtschaft und ; die deutschen Eisenbahnen gesunden, und daher löge es in eigenstem Interesse der Eisenbahn, alles zu tun, um die Hebung der deutschen Produktion zu unterstützen. Die M e h r l a st e n , die die Reichs­bahn gegenüber der Vorkriegszeit bei dem geringem Verkehr zu tragen habe, seien g e - a 11 i g e und erreichten fast die Höhe der Re­parationslasten.

Nach Beendigung des Krieges ist das Personal der Bahn von 893 000 auf 1 122 000 erhöht und die Zahl der lebenslänglich angestellten Beamten außerordentlich vermehrt worden. Der Abbau, der heute die Zahl des Personals auf 765 000 herunter­gebracht hatte, hat keine entsprechende finanzielle Entlastung geben können, da Beamte Wartegelder erhielten. Daher ist die jährliche Ausgabe für P e n- sionen und Wartegeld von 140 Millionen auf 400 Millionen gewachsen. Die Berreichlichung Der . Bahnen hatte auch starke finanzielle Lasten ae-

Räumungsaktion.

1923 von den Franzosen und Belgiern besetzt war und der sich auf westfälischem Boden befindet, frei.

Nach einer dem Besatzungsamt zugegangenen Mitteilung wird Bochum am 19. und 20. Juli geräumt.

*

DieKölnische Volkszeitung", das maßgebende Organ des besetzten Rheinlandes, schreibt aus An­laß der Räumung: Zu Kundgebungen der Genug­tuung wird Zeit fein, wenn der letzte Soldat aus diesen Gebieten wirklich verschwunden und den Städten und ihrer Bevölkerung die Freiheit enbltaj zurückgegeben ist. Wahrscheinlich wird sich die Räumung in der Weise vollziehen, daß die Truppen geschlossen abrücken und noch einige Zeit Abwick­lungskommandos und ähnliche Gruppen zuriick- lafsen. Bei der vorbildlichen Disziplin der von der Besetzung betroffenen Städte und der Einsicht in die nun einmal gegebene Lage sind Zwischenfälle ausgeschlossen und kein Mensch wird die Nachhut belästigen. In den von den Maßnahmen betrof­fenen Gebieten werden alle Erinnerungen von neuem lebendig, welche sich an den seinerzeitigen Einmarsch der fremden Truppen in diese friedliche Gebiet» knüpften.

Düsseldorf, Ruhrort und D u i s b u rg wurden am 8. März 1921 besetzt: Der Einmarsch ins Ruhrgebiet voll,zog sich wie folgt: Essen wurde am 11. Januar, Bochum am 16. Januar und Dortmund am 16. Januar besetzt. Was sich in jenen Gebieten ereignet hat, ist gewissenhaft aufgezeichnet und dem Buche der Geschichte einverleibt. Es wird später davon zu reden fein, heute mags zurück- gedrängt bleiben.

Befreite Städte.

wtb Gelsenkirchen, 20. Juli (Tel.) Gestern morgen sind die französischen Truppen in Rich­tung Flugplatz Altenessen abgezogen, um von dort aus nach Frankreich abtransportiert zu werden. Die Räumung vollzog sich in aller Ruhe. Bor dem im Mittelpunkt der Stadt liegenden Lyzeum, welches bisher als französische Kaserne diente, steht seit gestern ein deutscher Polizeiposten.

Wtb Bochum, 20. Juli lTel.s Im Lause des gestrigen Tages sind größere Infanterie- und Kavallerieabteilungen aus Pochum abgerückt.

bracht. Das muß sich in den Tarifen äusdrücken. die durchschnittliche Erhöhung der Tarife ohne Ver­kehrssteuer beträgt ungefähr 35 Prozent, bleibt also im Rahmen der allgemeinen Preiserhöhung.

Seit dem 15. November 1923 sind die Güter­tarife dreimal um insgesamt 28 Prozent gesenkt worden. Seitdem die Gesellschaft die Reichsbahn übernommen hat, sind 23 Ausnahmetarife in Kraft gesetzt worden, mit der Wirkung, daß nahezu die gleiche Menge aller Güter, nämlich 59 Prozent ge­gen 60 Prozent im Jahre 1913, zu Ausnahmetari­fen befördert werden und nur 41 Prozent (40 Pro­zent) zum normalen Tarif. Da in derselben Zeit die normalen Gütertarife durch Vermehrung der Klassen Ausnahmetarife ausgenommen haben, dürfte sich das Verhältnis heute noch günstiger ge­stalten.

Die Eisenbahuverwaltung steht heute auf dem Standpunkt, das mit Rücksicht auf das Tarifniveau und die Ziffern für Personal- und Sachausgaben eine allgemeine Senkung der Tarife u n m ö g I i ch i st. Wegen der abfo'uten Reserve- lofigfeit des Reichsbahnunternehmens verbiete sich auch ein Versuch, durch Senken der Tarife den Wünschen der Wirtschast entgegenzukommen. Das schließt jedoch nicht aus, daß auf dem Gebiete der Bewilligung von Ausnahmetarifen fort­gefahren werde.

Nach diesen Angaben wird in der Kritik der Eissnbahngesellschaft eine gewisse Zurückhaltung nicht unangebracht sein. Werden der Eisenbahn vor allem auch ihre Rohstoffe und Betriebsstoffe einmal billiger zugeführt, dann wird auch sie billiger wirt­schaften können. Eine all gerne irrte Wiri­sch a st s g e su nd u ng wird auch aus dieEisenbahnen günstig zurückwirken, wie umgekehrt eine Taris­st o l i t i k dieser zur Hebung der Erzeu­gung beitragen kann.

Mri-chaMrche Kampfbewegungen.

Dr»)$3ter Streif im Saarbergbau. Aus Saar- brücken wird gemeldet: Am Sonntag nahm der 16 er Ausschuß, die gewühlte Veriretuna der christlich-organisiierten Bergleute, gemeinem mit der Revierleitung zum Lohn­angebot der Bergwerkdirekttonen Stellung. Der 16 er Aussclub kam nach eingehender Prüiung der Lage und nach reiflicher Ueberlegung zu folgendem Beschluß: Das Angebot einer 5 prozenligen Lohnerhöhung wird für -un­annehmbar ertläit, weil es der seit Januar dieses Jahres im Saarqebiet h--r-schenden Teuerung in keiner Weise gerecht wird. Der 16 er-Ausschuß beschloß ferner das letzte gewertschafN che Miitel, den Streik, zur Anwendung zu bringen, allo bi? B?ro.merksdireltionen nicht noch im Lause dieser Woche weitere Angebote machen.

v den Hochschulen.

--- den d.r rtniversilät zrandfurt. Der £r us für Vetrwv'wfttschaftSlehre, Professor Dr. Wilhelm Aal v era ni. nr Fulda durch seine Vorträge im Kathol. Kaunn. Verein gut bekannt, ,'hat einen Ruf. an die st'tnbetebn'ctiVnie in N b - erhalten.

Wahlen ift Frankreich.

Neue Erfolge der Linken.

Am Sonntag fanden in Frankreich die General- ratswahlen ftalt. 1467 Abgeordnete waren zu wählen.

wtb Paris, 20. 3ult (Tel.). DieEre Nou- vette" schreibk über das Ergebnis der Generalraks- wahlen: Die uns bis nachks 2 Ahr zugegangenen Resultate beweisen einen neuen Ruck nach Links. Bisher behaupteten die Demokraten, Ra­dikalen und Sozialistischen Republikaner ihre Stel­lung und sie verbessern sie sogar im Allgemeinen. Alle Minister sowie h e r r i o t sind w i e d er ge­rn ä h l k worden.

v.tb p a riS, 20. Juli. (Tel.)., 6 Uhr Ergebnis der Generalratswahlen. Bis 6 Ahr vormittags lagen bei havas 1127 Wahlresultate für die Ge­neralratswahlen vor. Es haben 137 Stichwahlen flaltzufinden.

Neuer Militärputsch in Lissabon.

wtb Paris, 20. Juli (Tel.). Eine imWalin" veröffentlichte Agenkurmeldung aus Lissabon gibt Einzelheiten aus einem Kommunique über eine militärische Aufstandsbewegung, die gestern in Lissabon ausgcbrochen ist, und nun völlig unterdrückt sein soll, wieder. Die apsstän- digen Offiziere hätten demgemäß mehrere 100 Mann Infanterie aus ihrer Seite gehabt und sich mit dies n in einer in der Innenstadt gelegenen Kaserne eingeschlossen. Die Regierung habe un-, verzüglich den Belagerungszustand verhängt und die Kaserne umstellen lassen. Cs sei an die Auf­ständigen ein Ultimatum gerichtet worden, nach dessen Ablauf die Regierungskruppen einige Ka­nonenschüsse auf die Kaserne abgaben. Hier­auf öffneten die Aufständischen die Tore der Ka­serne und ergaben sich. Auf beiden Seiten sol­len einigen Verletzte zu verzeichnen sein. Die Mannschaft des KriegsschiffesVasco de Gama", die sich den Aufständischen angeschlossen hakte, soll sich aus die erste Aufforderung hin, noch bevor dic Batterien das Feuer eröffnet hätten, ergeben haben

Wasserflut in Korea.

Aus dem nördlich von China gelegenen Korea kommen Nachrichten von schweren Regengüssen und Wolkenbrüchen, die dort niedergegangen sind und Schaden angerichtet haben:

wtb London, 20. Juli. (Tel.) Der Bericht- , erstattet: desDaily Expreß" in Tokio behauptet, daß bei den Ueberschwemmungen in Söul über 1 0 0 0 Koreaner umgekommen seien; fast die gleiche Anzahl Häuser wurden überflutet; meh­rere Vorstädte stehen unter Wasser. Alle Verbin­dungen, mit Ausnahme der drahtlosen, sind unter­brochen, durch das Fehlen von Lebensmitteln seien 300 000 Menschen von Hungersnot bedroht. Hilfs- mittel seien gegen die Fluten machtlos und es seien deshalb Kriegsschiffe abgesandt worden. Die Flüsse steigen noch weiter und stehen bereits 30 Fuß über ihrem normalen Pegel.

Wtb 101 i o, 20. Juli. (Tel.) Zu den bereits gemeldeten Aeberfchwemmungen in Korea wird weiter gemeldet, daß die Verbindungen mit Söul durch die Fluten gänzlich durchbrochen sind. Der Fluß ist um 38 Fuß gestiegen, da die Eindeichun­gen durchbrachen. Söul ist ohne Licht und Trink- wasser; Truppen helfen bei dem Rettungswerk, das durch die furchtbaren Strömungen des Wassers sehr erschwert ist.

Deutscher Reich.

* Ein Titel für Handwerksmeister in Bayern. Die acht bayerischen Handwerkskammern feierten das Jubiläum des 25jährigen Bestehens. ®ief bayerische Regierung bezw. dps Ministerium für Handel, Industrie und Gewerbe brachte aus diesem Anlaß den neuen Titel, Gewerberat in ber schiedenen Graden heraus und verlieh ihn einer! Anzahl verdienter Handwerksmeister. Bei dem Fest-' akt hielten der Ministerpräsident und der Handelst Minister Ansprachen.

^ Deutsche Handwerkerfragen.

Die mitteldeutsche lsandwerksaurstellung. Ain Samstag wurde die Mitteldeutsche Handwerksausstellung in Magdeburg eröffnet, die ein Bild von der Entwick­lung und'dem jetzigen Stande des deutschen Handwerks neben soll. Es waren Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, des Handswerks usw. erschienen. Oberpräsident Hörsing erklärte nach einer kurzen Ansprache, in der er das deutsche Handwerk der nach­drücklichsten Förderung durch die Staatsregierung ver­sicherte, die Ausstellung für eröffnet. Sie dauert wom 18. Juli bis 9. August.

Kurland.

* Verhaftung eines Wechselfälschers. In Wien i wurde der seit langem gesuchte Banknoten- und Wechselfälscher Saraga verhaftet. Saraga hat mehrfach Fälscherwerkstätten finanziert; so auch im März 1923 die ausgehobene Werkstätte des Fälschers Zismann. Saraga hat sich unter dem Namen Gluck auch in Frankfurt a. M. aufgehalten und von dort aus Fätscherwerkstatten finanziert.