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Fuldaer Leitung

Kunst und Literatur

lich

legen habe. Da nach einer Legende auch das Grab des Hunnenfürsten Attilla im Fluhbett dec Donau liegen soll, bisher aber noch nirgends entdeckt wurde, so ver­muten die Archäologen in den Funden die Grabschätze deS Attilla. Die Ansicht wird bestärkt durch das Vor. handensein mehrerer .Hunnenhügel' in jener Gegend.

Line Daba-Sammlung. Das Antiquariat <5. Mar. tin Fraenkel in Berlin bot in einer am 7. und 8. Juli stattgefundenen Versteigerung eine in ihrer Art wohl einzige Sammlung zur Geschichte deS Dada- iSmuS an. Sie enthält neben Heften der dadaistischen Zeitschriften und Büchern der Führer in Bewegung u. a. das Flugblatt, das während deS Gottesdienstes im Berliner Dom von Dadaisten herabgeworfen wurde, das dadaistische Manifest und den Zettel, der in der Weimarer Nationalversammlung von der Tribüne her­unterflatterte.

= Schaufelpropeller für Flugzeuge. Don der Ford Gesellschaft in Detroit wird gegenwärtig ein neues An­triebssystem für Flugzeuge ausprobiert. Ein Schaufelrad­propeller, ähnlich den Schaufelrädern bei Dampfem. Es soll möglich sein, ohne Umschaltung des Motors durch die Schaufeln vorwärts, rückwärts, auf und abwärts zu fliegen. Erfinder ist ein deutscher Ingenieur Harne aus Colorado.

Biel zu wenig ist bisher in der Presse beachte! worden der Brief, den der Vorsitzende des bolsche­wistischen internationalen Exekutiv-Comit«s an die Kommunistische Partei Deutschlands aus Anlaß ihres 10 Parteitages gerichtet hat. Er enthält ein ganzes Programm in glühendem, zugleich aber auch belehrenden Tone geschrieben. Es ist schon eine Schmach, wenn man sich überlegt, daß Millio­nen deutscher Arbeiter ihre Kulturprogramme aus dem halbzivilisierten Rußland beziehen. Und was für Kulturprogramme! Werden sie ausgeführt, dann heißt das nichts anderes als Mord und Brandstiftung im Hause unseres Vaterlandes. Und wir dulden das alle. Wir bleiben ganz ruhig, während der fremde Räuber kommt und die Leiter anlegt. Trotzdem wir die Schrecken der Revolution in Bayern und im Ruhrgebiet erlebt, lassen wir es zul, daß eine ganze Partei systematisch auf das gleiche Ziel losarbeitet, daß sie im deutschen Parlament sitzt, daß sie Versammlungen hält, wäh­rend doch in Rußland nicht eine einzige Partei, die nicht auf bolschewistischem Boden steht, auch nur existieren darf, geschweige denn Versammlun­gen abhalten oder eine Presse haben.

Wer dergleichen heute ausspricht, kommt in Gefahr als Feind der Geistesfrsiheit und besonders der Pressefreiheit zu gelten. Er kann aber ruhig sein, denn nach all den Erfahrungen der letzten Jahre beginnen selbst die Vater- und Mutterländer aller Freiheit, die Amerikaner mit der modernen Freiheit recht mittelalterlich umzugehen. Da ist augenblicklich ein hochinteressanter Pro­zeß in dem Landstädtchen Dayton, im Staate Tennessee gelegen. Dort hatte ein Lehrer, namens John Tee Sccpes, die Abstammung des Menschen rom Affen gelehrt, obwohl das staatlich untersagt war. Bei uns lächelt man über solche Dinge und findet nichts darin, daß jemand unsere Vorväter Affen nennt. In Amerika aber führt man des­halb ein Prozeß, der darum auch der Affen» Prozeß genannt worden ist. Die Teilnahme ist eine ungeheure. Das ganze Land hat sich gespal­ten in Darwingläubige und Kirchengläubige (ob­wohl Darwin niemals die Abstammung des Men­schen vom Affen gelehrt hat, und obwohl dies nicht einmal aus seiner ursprünglichen Lehre folgt). Im Dienste der Staatsanwaltschaft ist der ehemalige Staatssekretär Bryan tätig, der seiner Zeit gehen müße, weil er die Neutralität im Weltkrieg nicht zu ungunsten Deutschlands verletzen wollte. Tau­sende von Pilgern sind unterwegs nach dem kleinen Städtchen, in dessen Umkreis sich schon ein ganzes Zeltlager erhoben hat. Alles will einem Prozeß beiwohnen, an dem sich selbst solche Berühmtheiten wie Edison beteiligen wollen. Die tiefere Idee bei der ganzen Sensasion gründet in der Frage, ob es im Sinne der wahren Freiheit liegt, daß jeder Bengel im Staate lehren kann, was er will. Wie fortgeschritten ist man doch in einem Lande, wo man noch den vernünftigen Menschenverstand also in Ehren hält! Bei uns können 24 j ä h rige einen Kardinal und Erzbischof, ohne Beweise dafür zu haben, einenLandesverräter nennen, und die Gerichte werden ihm bescheinigen, daß er pacht gehandelt. Das kommt eben daher, daß wir ein Land älterer Kultur sind . . . Roch mehr: Wenn jemand bei uns die Hälfte aller Deutschen für Reichsoerräter erklärt, weil sie ultramonlan sind, d. h. in religiösen Dingen die päpstliche Au­torität achten, wie man das in Deutschland schon ein ganzes Jahrtausend tut, ohne daß uns deswegen etwas Uebles widerfahren wäre, so wahrt er berechtigte Interessen. Leute aber, die aus Moskau Befehle erhalten, die läßt man in Ruhe....

Nur gemach. Die Dinge haben alle ihre innere Logik. Die Franzosen und Engländer haben auch nicht daran gedacht, wie teuer chnen das Experi­ment mit den schwarzen Truppen im Weltkriege noch zu stehen kommt. Jetzt ist die Autorität der weißen Rasse dahin, und sie schwin­det weiter mit jedem Siege, den Abd el Krim über die Franzosen davonträgt. Man muß sich vorstellen, wie der ganze schwarze Erdteil lacht und die weißen Zähne zeigt, wenn man von seinen Triumphen in Marokko erzählt, und sie lachen alle mit, die braunen Indier und die gelben Chinesen. Nachdem sie gesehen, daß die europäische Idee darin besteht, daß ein Volk das andere unter Gift­gas setzt, sind sie auf den Gedanken gekommen, daß sie das auch können und daß sie hierin nicht eben Spuren einer überlegenen Kultur zu erblicken haben. Und der Russe lacht sich noch ganz beson­ders ins Fäustchen. Er sieht auf einmal unge-

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda.

Eine Jean Paul-Feier großen Stiles soll anlätz- . des 100. Todestages des Dichters in Jena im September veranstaltet werden. Auch will der dortige Stadtrat eine Jean Paul-Stiftung errichten und einen reichlichen Grundstock hierfür bewilligen.

ahnte Möglichkeiten. Sein Bolschewismus, einst nur die Auflehnung einer Proletarierklasse gegen die oberen Schichten, erweitert sich zu einer Em­pörung alles Niederen gegen alles Höhere. Und so kommt die Grundsuppe der Welt nach und nach an die Oberfläche . . . Guten Appetit!

Es ist da übrigens tn Amerika noch etwas Interessantes passiert. Freilich liegt es schon zurück, wird aber iin Augenblick zu Nutz und Fromm einer Demokratie wieder ausgegraben, die bereits auf dem Wege ist, zu einem Massenterror zu wer­den. Der bekannte amerikanische Forscher Lothrop Stoddard hat ein Werk geschrieben, das sich be­titelt: «The Nevolt against Civilization" (Der Aufruhr gegen tie Zivilisation). Er berichtet darin von den Untersuchungen hinsichtlich der Be­gabung der Menschen, die in Amerika gelegentlich der Mobilmachung im Weltkriege systematisch an­gesetzt wurden. Das Ergebnis besagt, daß man nur etwa 13 Proz. in einer Untersuchungs­masse, aus der schon die minderwertigsten Ele­mente von vorneherein ausgeschaltet waren, als geistighochbegabt" ansprechen darf. Bekanntlich geht eine gewisse Volksherrschaft von der Voraus­setzung aus, es seien alle Menschen einander gleich, und nun dieses geradezu niederschmetternde Er­gebnis! Nun, wir wollen nicht zu früh als ge­sichertes Resultat verehren, was doch wohl noch der Nachprüfung bedarf. Außerdem ist nicht damit bewiesen, daß diese 13 Prozent gerade in der Klasse der einst bei uns Herrschenden gewesen sein müssen. Immerhin werden sich die europäischen Demokra­tien doch nach und nach sagen müssen, daß, wenn das Volk regieren soll, dieses Volk nicht bloß ge­zählt, sondern auch gewogen werden muß. Nicht nur Ouantität, sondern auch Qualität!

Um noch einmal auf den Brief Sinow­jews zurückzulommen, so verlangt er von deut­schen Kommunisten eine vollkommene Aenderung ihrer Taktik. Es wird ihnen streng verwiesen, daß sie eine Präsidentschaft zum Siege gebracht, die eine monarchistische Gefahr bedeute (wie der Russe wenigstens meint). Wir werden die Folgen schon sehen. Besonders wichtig erschien mir aber in diesem Brief die Einschätzung der heutigen deutschen Sozialdemokratie. Er sagt wörtlich^ Die Sozialdemokratie ist in den meisten Ländern so sehr in die bürgerliche Ordnung hineingewach- fen, daß sie mit dieser steht und fällt". Ueber die Gewerkschaften aber heißt es:Die deutschen Gewerkschaftsführer sind die Stützen nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen bürger­lichen Reaktion". Ein höheres Lob könnten sich die viel verfolgten Männer kaum holen, als daß sie hier von der größten Umsturzpartei der Welt als Hauptgegner empfunden werden. Ob nicht gewisse bürgerliche Kreise hieraus lernen könnten? Die Dinge haben sich gewandelt, und ein Sozial­demokrat von heute ist gewiß etwas anderes als einer von 1870 oder noch vorher. Wir müssen in Europa jetzt alles-'km, um den Zündstoff, der sich angesammelt, aus der Welt zu schaffen. Leider Gottes gibt es Leute, die das immer noch nicht einsehen. Wir hatten die Hoffnung, daß der neue Reichspräsident von Hindenburg stark genug sein werde, wenigstens das größte an kulturkämpferi­schen Gemeinheiten in Deutschland zu verhindern. Das haben sich vor allem jene bayerischen Katho­liken gedacht, die seine Wahl veranlaßt und sieg­reich gemacht haben. Es waren auch herrliche Worte, die gerade von Hindenburg über den Frie­den zwischen den Konfessionen gesprochen hat. Und dennoch sind auf einmal alle Puppen am Tanzen. Mögen auch die Katholiken und einlich- tige Protestanten sich dagegen wenden, was hilft es? Man nennt uns Landesverräter, wie nur je in den Mütezeiten der Kulturkampfära. Es soll uns nicht erschrecken, denn wenn man schon 1000 Jahre rheinischer Kultur in Deutschland feiert, so natür­lich auch einen tausendjährigen Katholizismus ohne den es weder weder ein deutsches Käiserreich noch eine deutsche Kultur in alten Tagen gegeben. Wir müssen aber auf der Hut sein und wollen im Uebrigen Haß mit Liebe vergelten, soweit es die Wahrung unseres Rechtes ermöglicht. Auf diese Weise werden wir auch gewiß eins mit jenen in allen Lagern, die in der Religion noch die Liebe sehen. Und wenigstens wollen wir unter­einander all die Streitäxte begraben, die man noch jüngst so kampfesmutig geschwungen hat: Seid einig, einig, einig, das schöne Windthorstwort war nie notwendiger als heute.

Der Mann im Monde.

Sonntag, ts. Juli 1925

Wissenschaft und Forschung.

= Pater Schumacher auf einer Forschung,reise zu dem Zwergvolk der Vatma. Nach einem längeren Er­holungsurlaub ist der bekannte Ruanda-Misfionar, Pater Schumacher, nach Zentralafrika gurückgekehrt. Auf Anregung des Herausgebers der internationalen 8eitschrift: AnthropoS, des hochwürdigen Herrn P. W.

chmidt 8. V. D., wurde ihm der Auftrag zuteil, eine Forschungsreise zu dem Zwergvolk der Batwa zu unter- nehmen, desien bedeutendste Siedlungen sich im west­lichen Grenzgebiete des sogenannten Kongo-Urwaldes befinden. Von dieser Reise verspricht man sich wertvolle Beiträge zur Kenntnis der kulturellen, sozialen und religiös-sittlichen Lage eines der wenigen Urvölker, die sich bis zur Gegenwart erhalten haben, sowie großen Gewinn für die Apologetik. Der Heilige Vater begrüßt lebhaft diese Forschungsreise und hat eine namhafte geldliche Unterstützung zu ihrer Verwirklichung gegeben.

Srabschätze der Attilla? In der Budapester Vor. stadt Angyalföld wurden vor einiger Zeit Goldgegen. stände aus der Hallstattperiode gefunden. Man grub weiter und brachte neue Funde von großem Werte zu­tage. Geologen glauben, daß das ganze dortige Gebiet in vorgeschichtlicher, ja sogar noch in römischer Zeit zum großen Teile im Flußbett der Donau ge-

Gemüse

darf, wenn es wirklich vortrefflich munden'soll, nur mit dem Elgensäft 'oder der Tunke gut zubereitet weFdeh? Vor allein ist ein 1 gutes Binden des Saftes notwendig und dazu nehmen Sie getrost Mondamin. Denken Sie nicht, dass Mondamin nur ein Kinder* pährmittel ist. Jeder Körper braucht die Nährstoffe, die im Mondamin enthalten sind. Nehmen Sie deshalb bei Jeder Gelegenheit nur-*

3rrrn Hamburger Urteil.

Die Kölner Zentrumspartei hielt eine sehr gut Ersuchte Bertreierversammlung der Bezirke von Großkvln ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung wieS der Vorsitzende auf das Hamburger Urteil, das den entschiedensten Widerspruch nicht nur der Katho- lifen, sondern aller rechtlich denkenden Menschen Hmtausforderte. Unter allseitiger Zustimmung er« ^nächtigte die Versammlung den Vorsitzenden, Stadtv. Rings, den folgenden Einipruch gegen das frei- sprechende Urteil sowohl, wie gegen die Begründ­ung desselben, dem Reichsjustizminister zugehen zu lasien.

Sehr geehrter Herr Reichsminister!

Die heute zahlreich versammelten Vertreter der Kölner Zentrumspartei erlauben sich, Ihre Aufmerksamkeit au einen Vorgang zu lenken, der das Ansehen der deutschen Rechtsprechung schwer zu schädigen geeignet ist, weil er jeine schimpfliche Beleidigung deutscher Bischöfe und der deutschen Katholiken bedeutet nud den entschiedensten Widerspruch aller rechtlich denkenden Menschen heraus- fordert.

Am 6. Juli d. I. ist von dem Hamburger Schöffen­gericht in einem von Sr. Eminenz dem Herrn Kardinal und Erzbischof von München, Dr. Faulhaber, angestreng­ten Prozeß das Urteil gefällt worden. Herr Rainer Huppertz hat als Redakteur einer inzwischen eingegan­genen Wochenschrift, genannt Vaterland, Borwürfe ge­gen Herrn Kardinal Faulhaber wie auch gegen den ver­storbenen Herrn Erzbischof von Köln Kardinal v. Hart­mann, erhob«,, die, wenn sie auf Wahrheit beruhten, den genannten Kirchenfürsten die Klage des Hoch- und Landesverrats nicht erspart haben würde. Von dem ver­storbenen Kardinal von Hartmann behauptete der An- -geklagte, daß er ein Förderer des rheinischen Ssparatis- ^nus, ein glatter Landesverräter gewesen sei. Als Sohn der Rhedrlande und als ehemaliger Präsident des Köl- »er Oberlaridesgerichts werden Sie, Herr Reichsminister, jaus eigener jahrelanger Erfahrung die Ueberzegung ge­schöpft haben, ein wie glühender Patriot, ein für fein Daterland begeisterter und besorgter Mann Herr Kar- Klnal von Hartmann war. Sie, Herr Reichsminister, beerben auch verstehen, eine wie «ungeheuerliche Be­schimpfung des verstorbenen Oberhauptes der rheinischen Mrchenprooinz ein solch schmählicher Borwurf bedeutet. -Der Ehre und dem Andenken des Berstorbenen sind wir, -die wir zu einem großen Teile dem Verstorbenen per- ssönllch uahegestanden haben, es schuldig, gegen diese Be­hauptungen den schärfsten Einspruch zu erheben und sie üls durchaus unwahr zurückzuweisen.

Wcht minder schwer, ja noch ungeheuerlicher ist auch Hie Ehre des Münchener Erzbischofs, Herrn Kardinal Faulhaber, von dem Beklagten angegriffen worden. -Spricht Herr Huppertz doch von dem Hochverrat der Kar- Dinäle (v. Hartmann und Faulhaber), erhebt gegen Herrn Kardinal Faulhaber den Vorwurf hochverräterischer Di- -Ploinatie, spricht von ihm als Intriganten höchsten Aus­maße und bezeichnet ihn als Verräter an der nationalen Vache.

Es dürfte kaum möglich fein, schlimmere Beschimpfun­gen einem an hervorragender Stelle stehenden Manne, tote Kardinal Faulhaber es ist, entgegenzuschleudern. Bedeuten solch ehrenrührige Behauptungen, die als Aus­fluß katholikenfeindlicher Schmähsucht bezeichnet roerben Müssen, schon ein Höchstmaß von Verdächtigungen, wenn -sie gegen einen katholischen Laien ausgesprochen wer­den, um wieviel schwerer und schimpflicher sind sie, wenn sie gegen einen Kirchenfürsten gerichtet sind, der seinen Erzdiözesauen mit dem Beispiele vaterländischer Treu- ßefmnung voranleuchten soll und in Wahrheit stets vor- ongeleuchtet hat!

Sie, Herr Reichsminister, verstehen, mit welchen Ge­fühlen der Entrüstung dieses freisprechende Urteil von pllen rechtlich denkenden Menschen, insbesondere von allen Katholiken ausgenommen werden mußte, und daß sie darin einen Freibrief für Beschimpfung der beiden von chnen hochverehrten Kardinäle erblicken.

Ist dieses Urteil schon unbegreiflich, um wieviel mehr noch die Begründung, die ihm durch den Amtsrichter Holländer zuteil wurde. Cs bedeutet geradezu einen Hohn chuf die Begriffe des Rechtes aller derjenigen Katholiken, Hie in dem Papste das geistige Oberhaupt ihrer Kirche Erblicken, wenn dasGericht in.dem Kampf der völkischen Messe gegen den autzerdeutschen Einfluß, also auch ge­ig«, die ultramontane Partei, die Wahrung der ber«h- tigten Interessen aller nicht der katholischen Kirche an­gehörenden Deutschen" sieht, und wenn es aus diesem Grunde dem Deksagten den Schutz des § 193 (Wahrung berechtigter Interessen) zubilligt und ihn deshalb frei­spricht.

Dieses UrteU und seine Begründung erklären wir, chie Vertreter der Kölner Zentrumspartei, als völlig fehl- gehend und als unerhört in der Geschichte der deutschen -Justiz. Beides, Urteil und Begründung, ist geeignet, das Wertrauen in die deutsche Rechtsprechung aufs tiefste zu erschüttern und zwar nicht nur das der Katholiken, wie fein Blick in viele nichtkatholische Blätter beweist. Cs 'ist ferner geeignet, namentlich im Hinblick auf Dorkomm- nifle ähnlicher Art aus jüngster Zeit den Frieden im beutfdjcn Vaterlande in Gefahr zu bringen.

Wir sind überzeugt, daß wir nicht nur im Namen der Mitgsieder der Kölner und der Mitglieder der Zen­trumspartei ganz Deutschlands, sondern auch vieler poli- kisch Andersdenkender handeln, wenn wir gegen das Ur­teil des Hamburger Schöffengerichts und feine Begrün­dung hiermit in aller Form den schärfsten Einspruch er­geben, den wir durch diesen Brief Ihnen in Ihrer Eigen­schaft als Reichsjustizminister zur Kenntnis bringen.

Auch tn derAugsburger Postz efturig" wird das Schwergewicht dieses traurigen Ge- Ächtsfalles auf die politische Seite gelegt.In den katholischen Kreisen Münchens", schreibt das erwähnte Blaft,wird das Urteil nach der poli­tischen Seite hin als ein schlagender Beweis für den wieder erwachten und immer mehr erstar­renden Kulturkampfgeist der Vorkriegszeit gewertet ftnd als ein Ansporn betrachtet, zu dem stets not« wendiger werdenden Abwehrkampf die Reihen Der Katholiken immer enger zu schließ en".

Der katholische StudentenveretnN o r m a- nta"-WürKurg im Verband der kath. Studenten« vereine Deutschlands (K. V.), dessenAlter Herr" Kardinal Faulhaber ist, hat anläßlich seines Stif­tungsfestes feierliche Verwahrung gegen das Ham­burger Urteil eingelegt und dem Kardinal im Na­men des Bundes unerschütterliche Ver-, tzhruug, Liebe und Treue zum Ausdruck ge« Fracht.

Der vntckfehkerteufel hat gestern wieder fein Spiel getrieben und in dem Leitartikel ausdem Wettlauf um die Gunst der Sparer", einenWettlauf um die Gans der Sparer" gemacht. Wir wünschen allen Sparern eine Gans zum Herbst in die Bratpfanne, dem Druckfehlerteufel aber wünschen wir etwas weniger Angenehmes. _______________________________

Die Zunahme der Bevölkerung im Deutschen Reich.

Rach der Volkszählung vom 16. Juni 1925. Die stärkste Zunahme weist Vlilleldeutschlaad auf: an der Spitze steht Thüringen. Die geringere Zunahme ist in Süddeutschland, besonders in Württemberg. Die Frage nach den Ursachen.

(Nachdruck verboten.)

Die jüngst stattgefundene Volkszählung hat u. a. das Ergebnis gezeitigt, daß die Bevölkerung im Reichsgebiet feit 1919 im Durchschnitt um 5 Prozent gestiegen ist. Betrachtet man die einzelnen Länder, so ist für diese die Zunahme folgende: Hamburg (Staat) Thüringen Lippe Sachsen Oldenburg Bremen (Staat) Anhalt Braunschweig Lübeck (Staat)

Anfallend ist, daß Hamburg demnach den größ­ten Zuwachs an Bevölkerung hat. Man muß da­bei jedoch, ebenso wie den Freistaaten Bremen und Lübeck, berücksichtigen, daß die außerordentliche Bevölkerungszunahme aus die Zunahme der Großstädte zurückzuführen ist; so hat Hamburg Stadt ein Wachstum um 7,5 Prozent, Bremen um 6,66 Prozent und Lübeck um 6,32 Prozent zu verzeichnen. Bei einer gleichenden Betrachtung müssen daher diese verhältnismäßig kleinen Gebiete ausscheiden, zumal da hier das Wachstum der Großstädte den Ausschlag gibt.

Sodann steht Thüringen an der Spitze. Es hat die außerordentliche Zunahme von 7,15 Prozent zu registrieren. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß Thüringen seit 1910 eine starke Zuwanderung im allgemeinen und eine noch stärkere Zuwanderung von Frauen im besonderen hatte. Seit 1910 sind nämlich 114 000 Personen nach Thüringen zugewandert, davon waren 43 500 mänlich. während 70 500 dem weiblichen Geschlecht angehörten. Somit sind 62 Prozent mehr Frauen als Männer zugewandert, was zu einem erhöhten Frauenüberschuß geführt hat. Während nämlich im Reich auf 1000 Männer 1074 Frauen kommen, beträgt diese Zahl für Thüringen 1088. Wären die Frauen im gleichen Verhältnis zugewandert, als das Verhältnis zu den Männern im Reichsdurch- f chnitt beträgt, also aus 1000 Männer 1074 Frauen, so hätten 23750 Frauen nicht zuwandern dürfen und die Bevölkerung Thüringens hätte dann nur noch eine Vermehrung um 6,1 Prozent zu ver­zeichnen. Trotzdem hätte Thüringen mit Lippe, Sachsen und Oldenburg den größten Zuwachs aus­zuweisen.

Für Sachsen ist man leicht geneigt, das beson­ders starke Anwachsen der Bevölkerung aus die Zunahme der Großstädte zurückzusühren. Indessen ist die durchschnittliche Zunahme für die vier Groß­städte Sachsens nur 4,38 Prozent, liegt also unter dem Reichsdurchschnitt, so daß ohne diese die Be­völkerungszunahme für Sachsen sich sogar auf 7,85 Prozent berechnen würde.

Unter den Ländern, die demnach eine Zunahme zu verzeichnen haben, die über dem Reichsdurch- schnitt liegt, ragen neben Oldenburg besonders Sach­sen, Thüringen, Lippe, Anhalt und Braunschweig hervor; im großen ganzen also das nichtpreußische Mitteldeutschland.

Die Zunahme für Preußen liegt mit 5,35 Pro­zent auch noch etwas über dem Reichsdurchschnitt, doch ändert sich die Zahl sofort, wenn wir die Groß­städte davon ausnehmen. Dann beträgt die Zu­nahme nämlich nur noch 4.75 Prozent. Die starke Zunahme der Großstädte, besonders des rheinisch- westfälischen Industriegebietes sowie die Geburten­häufigkeit in Oberschlefien und Ostpreußen haben hier die Wagschale, gehalten.

Betrachtet man nun die Länder, deren Bevöl­kerungszunahme unter dem Reichsdurchschnitt liegt, daß es sich neben den beiden Mecklenburg hauptsächlich um süddeutsche Staaten handelt. Vaden hat nur eine Zunahme von 4,8 Prozent, Bayern um 4,6 Prozent und Württemberg sogar bloß 2.8 Prozent. Dabei darf nicht vergessen werden, daß besonders in Süddeutschland die Großstädte stark gewachsen sind. So beträgt die Zunahme der bei­den badischen Großstädte im Durchschnitt 6,6 Pro­zent und die der vier bayerischen 7,63 Prozent. Ohne diese Großstädte hätte die Bevölkerung Ba­dens nur um 3,8 Prozent, die Bayerns nur um 3,7 Prozent zugenommen. Ohne Stuttgart würde sich die Bevölkerungszunahme für Württemberg auf nur 2,5 Prozent berechnen. Württemberg hat also von allen Staaten den geringsten Bevölkerungs­zugang, was ohne Zweifel feine Hauptbegründung in der starken Auswanderung der letzten Jahre findet, da Württemberg die größte Zahl der Auswanderer stellte. Aehnliches gilt, wenn auch nicht in so großem Maße, für das zum Grenzland gewordene Baden. Aber auch aus Hamburg, Bremen und aus Oldenburg war die Auswan­derung stark, trotzdem marschieren diese Gebiete tn unserer Betrachtung an der Spitze. Hier hat somit ein felpr lebhafter Bevölkerungswechsel statt- gesunden.

Verfrüht wäre es, die verschiedene Zunahme allein auf Geburtenrückgang oder Sterblichkeit zu­rückzuführen. Ob man anderseits von einem Zug vom Süden nach Mitteldeutschland reden kann, muß auch erst die endgültige Untersuchung des Materials ergeben, das bisher ja nur ein vorläufiges Ergeb­nis darstellt. Dr. I. W.

Rund um die Woche.

Ter Sinowjewbries. Kommunistisches. Asseuprozeß. Die bedrohte weiße Rasse. Lothrop Stoddard und die Demokratie. Vom Sozialismus. Die Ultramontaueu.

7,35°/»

Preußen

5,35°/.

7,15°/»

Baden

4,8 %

6,8 %

Mecklenbur-Strelitz

4,8/.

6,15%

Schaumburg-Lippe

4,7/.

6,15°/»

Bayern

4,6 %

6,05%

Waldeck

4,5 °/»

5,75°/»

Hessen

4,45%

5,45%

Mecklenb.-Schwerin

4,05 %

5,4 %

Württemberg

2,8 %