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M- SD

Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. |54

52. Zahrg

IHiftmod), S. 3uli 1925.

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Das alte und das neue Europa. Lms Keds des badischen Staatspräsidenten Dr. kseüpach in Zürich. Ueber Gefterreichs Anschluß an Deutschland.

Der badische Staatspräsident Dr. Hellpach hielt kn Zürich in der Aula der Universität einen Vortrag. Er leitete seine Ausführungen mit einem Eruß Badens an die Schweiz ein. Diese beiden Nachbarländer seien nicht bloß durch vielfältige wirtschaftliche Beziehungen, wie sie sich neulich wie­der mit großer Tragweite in der Frage der O b e r- r h e i n s ch i f f a h r t offenbart hätten, miteinander perknüpft und aufeinander angewiesen, sondern es verbinde sie darüber hinaus die alemanifche Stam- mesverwandtfchaft der Mehrheit ihrer Bevölkerung und eine Fülle überwiegender Aehnlichkeiten über­haupt. Auf künstlerischem Gebiet hätten diese in den Thomas-Ausstellungen des letzten D«hres einen großartigen Ausdruck gefunden, der sich hoffentlich bei der demnächstigen Eröffnung der Maßen Ausstellung von Schweizer Künstlern in Karlsruhe wiederholen werde; politisch seien die Schweiz und Baden sozusagen Ursitze einer natür­lichen in der Bolksart wurzelnden Demokratie, die sich in der Schweiz am frühesten von ganz Deutschland zu freiheitlichen Berfassungsreformen verdichtet habe.

Freilich sei zwischen den beiden Völkern auch ein Mnleugbar Trennendes vorhanden: Der Krieg. Denn wenn das Schweizer Volk auch mittelbar viele beiden des Weltkrieges an sich erfahren habe, fo fei_ es doch nicht unmittelbar kriegführend in diese Hölle hinabgestiegen und leide nicht unter der furchtbarsten Kriegsnachwirkung, dem Ausfall einer ganz wertvollen männlichen Generation. Sodann chabe die Schweiz keine Revolutionsepoche nach dem Krieg und auch nicht die furchtbare Prüfung sder Inflation erfahren, fei also immer mit der !Zeit vor 1914 organisch verbunden, von der wir gleichsam unheilbar losgerissen seien. Trotzdem stehe aber auch die Schweiz heute inmitten des neuen Europa, von dem es keine Wiederkehr zum alten Europa gebe.

Der Vortragende schildert hierauf kurz die Etap­pen ,rn denen der Bau des alten Europa immer brüchiger geworden fei bis zum Zusammenbruch 1917-18, betrachtete die Kräfte, welche die Land­karte hauptsächlich gestaltet hatten und wies darauf hin, daß nur in der Neubildung der inneren Staatsform diese Kräfte Eigrnkräfte der betreffen­den Völker gewesen seien. Dagegen sei die äußere Staatsgestalt, die Grenze, fast durchweg durch fremdes Diktat den Völkern auferleat wor­den. Der Redner zerpflückte die völkische Rassen- theorie und stellte fest, daß es im heutigen Europa keine Nation von einheitlicher Abstammung und einheitlicher Rasse gebe. Vielmehr sei das Volks- tum Sprachgemeinschaft oder Schicksalsgemeinschaft.

Dr. Hellpach unterscheidet zwischen Sprach­gemeinschaft durch Schicksalsgemeinschaft (Verei­nigte Staaten von Nordamerika), Schicksalsgemein- fchaft ohne Sprachgemeinschaft (Schweiz, Belgien) und Schickfalsgemeinfchaft durch Sprachgemein­schaft.

Die letztere sei heute die am meisten geltende Theorie vom Nationalstaat, daß gemeinsame Sprache auch gemeinsames politisches Schicksal be­dinge. In der Tat gebe es germanische Demo­kratie, und vermutlich in Zukunft auch slavische De- mokratie, bloß durch die Volksart bestimmte Ver- fasfungseigenarten .

Sodann schilderte der Redner die Wesenszüge des germanischen Staates und der germanischen Demokratie überhaupt. Die deutsche Demo­kratie habe die übernationale Aufgabe der Eini­gung Europas. Zwar steht der Redner der schematischen FormVereinigter Staaten von Eu­ropa" skeptisch gegenüber; die Einigung selber müsse erfolgen, wenn Europa nicht unter­gehen wolle. In der Vorbereitung darauf habe sich das heutige Deutschland vor zwei grund­legende Entscheidungen gestellt. Die erste sei in- nerpolitisch und gehe dahin, ob Deutschland ein Volksstaat bleiben oder sich in eine Stände­republik umwandeln wolle. Die zweite set außenpolitisch und laute: Soll zuerst der große deutsche Nationalstaat verwirklicht werden und soll er dann die europäischen Aufgaben antreten, oder soll Deutschland das großdeutsche Stadium überspringen und- sofort einen europäischen Zweck­verband schaffen helfen?

Hie Eroßdeutschland, hie P a n - Eu­ro p a ! Der Vortragende möchte die Entscheidung ganz realpolitisch getrosten wissen. Nach feiner Auffassung wird es ohne vorherige Schöpfung eines großdeutschen Kernftaates kein Pan-Europa, son­dern einen Pan-Balkan in Europa geben, denn der ö st e r re i ch is ch e Staat ist lebensun­fähig und braucht um Leben zu können, Anschluß. Aber jede Anschlußkombination, welche dem alten Oesterreich ähnlich sieht, würde dessen Probier': und Wirren wieder heraufführen und damit das neue Europa fo sicher zu Grunde richten, wie daran das alte Oesterreich und gutenteils das alte Europa zu Grunde gegangen ist.' Der einzige realxolitische Anschluß Oesterreichs ist der Anschluß an das D e ut s ch e Reich.

Hieran knüpfte der Vortragende mit besonderer Betonung die folgenden Sätze, die offensichtlich einer langen vorbereitenden wohl überlegten Fas­sung teilhaftig geworden waren, und die'wir des­halb wörtlich wiedergeben: Hat man diese real­politische Einsicht gewonnen, so ergibt sich aus ihr ein zwingender Schluß auf die rechten Mittel, den Anschluß zu verwirklichen. Sehnsucht und Begei­sterung, Entschließungen und Verbrüderungen füh­ren nicht zum Ziel. Mer noch so wohlgemeinter Anschlußlärm ist realpolitifch unfruchtbar. Wir sollten nicht die Methoden von 1848 wieder auf­leben lassen. Vor Protesten und Resolutionen fal­len die Mauern der Widerstände nicht, das sind Viedermelerillusionen. Im Gegenteil wird dadurch die großdeustche Frage in ein Stadium zurückge­schraubt, das sie schon hinter sich hat. Denn sie steht heute etwa dort, wo die kleindeutsche Frage 1862 oder gar 1865 stand. Ihre Lösung ist jetzt eine Sache eisklarer und eiskalter politischer K l e i n k u n st. Der damals von Bismarcks Genie gewählte Weg über Blut und Eisen braucht heute nicht diskutiert zu werden, denn er ist für Deutsch­land verriegelt; so bleibt uns nur unendlich gedul­dige diplomatische und publizistische lElna rb ei t in der Ueberwindung, Ueberzeu- gung, Werbung und Gewinnung widerstrebender Interesten und Auffassungen. Aber diese ganze Klemaroeit wird übers einstige Großdeutschland hmaus dem einstigen Eesamteuropa mit zugute kommen.

Bolschewik und Chinese.

Der PariserJntranfegeant" berichtet, die diplo- Matifchen Kreise in Peking seien davon unterrichtet worden, die Sowjets hätten die Absicht, am 1. September einegrvßeBewegungin China einzuleiten. Für diese sehr dunkel gehaltene Nach­richt muß dem Pariser Blatt die Verantwortung überlassen bieiben.

Wie Reuter aus Schanghai meldet, hat ein Ma­lusse emes amerikanischen Zerstörers anläßlich eines Aufruhrs auf einen Chinesen geschossen, der gerade int Begriff war, einen städtischen Schutzmann von 'ückwärts anzugreifen. Der Chinese liegt im Sterben.

*

HatzaS berichtet aus Hongkong: Die Arbetter ehier englischen Sabrlgeseklschaft haben sich den Aufständisch-.^ augeschlr ssen, ebenso die Au^oöltSangefleLien. Alle ^?'schinenbauarbeiter, such die der Regienmgswerft, haben ebenfalls die Äckrbert nieder gelegt.

Englische Beschuldigungen gegen iäowjekrußland.

wtb London. 7. 3t$<i (Tel.) Auf eine An- frsge sin englischen Unlerhause, ob die Regierung dem Parlament Beweise für die Vcr- tiii troorf ung der Sowjetregierung bei den Iln- ruhen in China geben könne und ob eine daraus bezügliche Roke an die Sowjetregierung abgeben werde .erklärte Chamberlain:Sie Reden der grfcmikn Sorojefgerfrefung in Peking sind ge- «Lg-'ttd als Beweis für meine Feststellungen be- zäAÄch des Einflusses der Sowjets bei der Anzet- teturH der Unruhen. Aber wir haben noch tvei- tete Beweise, die sehr bekannt zu geben ich nicht sm vn gemacht Halis."

ausicHö.

0 Dir holländischen Kammerwahlen. Nach dem ««>>'lieben Gesamtergebnis der Wahlen zur zweiten bolwndischen Kammer haben die protestantischen .-refor.mpartsiler drei Sitze erhalten, während die Protestantische Volispariei kein Manda: erhalten 1)6.t. Im übrigen deckt sich das amtliche Gesamter- pewiä mit dem bereits gemeldeten vorläufigen Wahl-

England und Indien.

Wtb London, 7. Juki. (Tel.) DerDaily Mail" zufolge befaßte sich das englische Sabine» in einer besonders einberufenen Sitzung mit der ffinf- figen Regierung Indiens auf Grund eines von Lord Btrkenhaed vorgelegten Memorandums. Das Kabinett billigte die Erklärung, die heute von Lord Birkenhead im Oberhaufe abgegeben werden soll.

Deutscher Reich.

* Siedlungshäuser anstelle von Jahrtausendseiern. Das StadtverordnetenkoLegium von K a l d e n k i r ch e n (Niederrhein) beschloß anstelle einer Jahrtausendfeier zehn Eigenheime für kinderreiche Familien zu schaffen undJahrtausendsiedlung" zu nennen. Den Beziehern der Häuser soll seitens der Stadt M den Zsilsendienst ein weitgehender Zuschuß ge­währt werden.

* Der Justizminifter ha Moabiter Gefängnis. Der preußische Justizminifter Am Zehnhoff hat am Samstag dem Berliner Gefängnis Moabit einen Besuch abgestattet, um sich Persönlich davon zu überzeugen, wie die Unterbringung der Un- tersuchungsgefangenen dort ist, und welche Aenderungen borgenotnmen werden muffen.

wirtschaftliche Uampfbewegrmgen.

= Aussperrung der sächsischen Bauarbeiter. Von der Tarifgemeinschaft baugewerblicher Arbeitgeberoer- bände im Freistaat Sachsen wird mitgeteilt, datz die Arbeitgeber des sächsischen Baugewerbes angesichts der Tatsache, datz die nicht am Streik unmittelbar be- teiligten Bauarbeiter die Ausständischen der bestreikten Firmen durch die Abgabe von Sondersteuern an b:e Gewerlschaftskasse unterstützen, einmütig beschlossen ha­ben, die zurzeit in Arbeit stehenden Arbeitnehmer am I Mittwoch auszusperren.

Streik aus den Zink- und Bleigruben. Die Beleg­schaften derBorwärts"-Hütte und anderer Zink- und Bteigruben am Niederrhein, die größtenteils dem Stolberger Konzern gehören, sind wegen Lohnstreitigkei- rcn m den Str«! aetretes. **

EnglischesOberhaus und Sicherheitspakt

Der Ronferenzgedanke. Die Räumung der Kölner Zone. Die Lords über die Bedeutung des deutschen Vorschlags. Vie verminderte Autorität der europäischen Zivilisation.

Wie Reuter in London erfährt, ist in gut unterrichteten englischen Kreisen nichts bekannt, was die Gerüchte über e.ne nahe bevorstehende allge­meine Konferenz über d i e Frage Oes Sicherheitspnkles bestätigt; jedoch wird eine solche Konferenz in nicht äilzuferner Zell für notwendig gehalten.

Jin englischen Oberhaus wurde die angeküst- digte Debatte über die auswärtigen Ange­legenheiten von Asquith eröffnet. Asquith stellte zu Beginn feiner Rede die Frage, welcher Fortschritt gemacht worden sei oder erwogen werde, was die Räumung Kölns und des Kölner Gebietes durch die britischen Truppen anbelange, ferner, welches das Ergebnis der alliierten Er­wägungen über die angeblichen Verzüge Deutsch­lands in der Erfüllung des Versailler Vertrages fei und welche Rechtfertigung für die weitere Ver­zögerung der Räumung der genannten Zone be­stehe. Asquith kam dann auf die SicherhSits- frage zu sprechen und erklärte: Die bestehende Unsicherheit und der Mangel angemessener Vor­kehrungen zum Zwecke ihrer Beseitigung ist nicht nur gefährlich für Frankreich, sondern für alle europäischen Rationen. Alle bisherigen Versuche, eine Regelung zu finden, sind gescheitert. Sie zu finden, bleibt jedoch die ernste Aufgabe der europäischen Staatskunst. Es ist von großer Wichtigkeit, daß Deutschland Mit­glied des Völkerbundes wird. Der neue Sicherheitspaktentwurf ist mit Befriedigung zu begrüßen. Ein solcher Pakt, der im übrigen unbedingt unzweideutig fein muß, wird die Auto­rität des Völkerbundes nicht schwächen, sondern stärken. Ein Vorzug ist es, daß die Intiative von Deutschland ausgegangen ist, und daß fein Vor­schlag einen bedeutenden Fortschritt darstellt, wobei nur zu bedauern ist, daß die Bezugnahme auf die Revision von Verträgen unklar ist.

Lord Haldane, der nach Asquith sprach, erklärte, daß er den Geist des vorgeschlagenen

Paktes billige, ersuchte jedoch um Informationen bezüglich der Einzelheiten.

Lord Grey führte aus: Die Bedeutung des deutschen Vorschlages zur Regelung der Sicherheits­frage kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Der deutsche Vorschlag weist einen neuen Weg für die Zukunft Europas. Seit der Beendigung des Weltkrieges hat sich die Autorität der europäischen Zivilisasion, wie dies die Ereigniffe in Aepypten, Marokko, China, und anderswo zeigen, beispiellos vermindert und die Frage des Augenblickes ist es, wie sie wiederhergestellt werden kann. Europa kann aber sein früheres Prestige nur wiederher­stellen, wenn es bezüglich des künftigen Friedens ein Beispiel gibt.

Lord Balfour erklärte: Wenn infolge von unzeitgemäßem Zögern oder Zweifeln oder aus irgend einem anderen Grunde irgend eine der in Frage kommenden Parteien, die an diesem Sicher­heitspakt teilnehmen sollen, jetzt z u r ü ck t r e t e n werde, so stimme ich mit Lord Grey darin über­ein, daß ein schlimmerer Schlag gegen d a s G l ü ck und die Wohlfahrt der Menschen n ich t geführt werden könnte und daß eine größere Er­schütterung der ganzen Welt, die für die Genesung von dem Unglück der Vergangenheit kämpft, nicht ausdenkbar ist. Ich kann nicht glauben, daß irgend­welche Staatsmänner diese gewaltige Verantwor­tung auf sich nehmen wollen. Es scheint, daß wir Land in Sicht haben. Sicherlich wird das Schiff der Zivilisation nicht durch eine verbrecherische Tor­heit von jenen zum Scheitern gebracht werden, die für seine Führung in Wirklichkeit verantwortlich sind.

In Fortsetzung der Debatte erklärte der Lord- kanzler Caye in Beantwortung einer Frage von Lord Redesdale, ob in dem Sicherheitspart vor­gesehen sei, wie die Bedingungen des Paktes durch­geführt werden sollen: Ich bitte den Fragesteller, warten zu wollen, bis das Dokument dem Parlament vorgelegt wird. Wie das hohe Haus weiß, ist der Vertrag noch nicht formuliert. Aber er ist bereits oder wird in wenigen Tagen der Gegenstand von Verhandlungen sein.

Der Krieg in Nordafrika.

Lin neuer französischer Oberkommandierender nach Marokko gerufen.

Der neue Oberbefehlshaber.

wtb. Paris,?. Juli. (Tel ). Zum Oberbefehls­haber der marrokanisihen Streitkräfte ist der Kom­mandant des 36. Armeekorps cm Rhein, Maulin, ernannt worden.

Havas berichtet aus Rabat, die Feindseligkeiten seien bei einer gewissen Anzahl von Stämmen aus dem östlichen Frontabschnitt verschärft und der Kommandeur habe Maßnahmen getroffen, die durch diese Vorkommnisse veranlaßt seien.

Als Ergänzung dieser Meldung veröffentlicht Havas zwei weitere Berichte, nach denen der Feind in der Nacht zum 6. Juli einen heftigen Angrifs gegen die gesamten Stellungen der mobilen Trup­pen von Haut-Leben bei Bab Tazo, 6 Kilometer von Ain Maatus, ausgeführt habe. Trotz des Ein­satzes beträchtlicher Abteilungen sei der Feind jedoch in erbittertem Kampf unter schweren Verlusten zu­rückgeschlagen worden. Westlich von Kisane sei die mobile Truppe, die Bab Tisilassene besetzt halte, auf Bab Kessil vorgestoßen, 10 Kilometer nordwest­lich von Kifane. Rach heftigem Kampfe habe diese die feindlichen Abteilungen vollkommen vernichtet und Waffen und Munition erbeutet. Diese beiden sehr deutlichen Erfolge hätten bereits eine gün­stige Rückwirkung auf die Haltung der Stämme im Nordosten von Taza gehabt. Die treu gebliebenen Stämme dieser Gegend hätten durch lebhafte Kundgebungen ihre Freude zum Ausdruck gebracht und wieder Vertrauen gewonnen.

Um jeder Eventualität vorzubeugen, seien an­gesichts der feindlichen Angriffe der letzten Tage grauen und Kinder aufgefordert worden.

Taza zu verlassen, was in der größten Ruhs vor sich gegangen sei. Die ganze männliche Be­völkerung aber sei m Taza geblieben.

Besserung der Lage?

wtb. Paris, 7. Juli. (Tel.). Havas melde! Rabat, die amtliche Mitteilung vom 6. und 7. Juli über die Kämpfe in Marokko besagt: Daß die allgemeine Lage sich g e b e s s e rt habe, scheine dem durch die ftauzosischen Truppen erzielten Er­folg, wozu ein gestern von einer anderen mobilen Truppe in Bab Kassil erzielter Erfolg hinzukomme, zuznfthreiben zu sein. Diese Trup­pen haben ebenfalls im Rordwesten von Kiffanu die Offensive ausgenommen. Rach lebhaftem Ge­fecht habe sie die feindlichen in dieser Gegend zu- sammengezogenen Kontingente vollständig vernich­tet und überaus viel Mafien und Munition er­beutet. Der Feind soll große Verluste erlitten ha ben. Weiter im Osten hätten mehrere französische Stämme verschiedene Einbrüche gegen Sakko unternommen, wo sie die Rifsled-Lager in Brand gesteckt hätten. Diese lebhafte Aktion Hube zum Erfolg gehabt, daß mehrere Stämme, die bereit waren, zu den Diffidenten überzugehen, lieber in französische Kampflinten eingerückt sind. Dieser Erfolg scheine anderseits einen sehr starken Ein­druck auf die feindlichen Konligente gemacht zu haben, da sie hierauf überhaupt keine Tätigkeit mehr entfalteten.

6mundfen§ neue plane.

wtb Oslo, 7. Juli. (Tel.) Dem Vertreter vonSjoefartstidende" erklärte Amimdsen, daß er sich die Aufgabe gesetzt habe, überdas 2?ctar­ge biet nach Alaska zu fliegen. Er hoffe mit der Zeit, dieses Ziel erreichen zu können. Ans die §rr-ge ,ob für seine Fahrt Luftschiff oder Flugzeug in Frage käme, aulworiete Amundsen, darüber könne er sich noch nicht äußern. Die Ausgabe liege darin, die großen unbekannten Gebiete zwischen Alaska und Spitzbergen zu erforschen. Der Be­gleiter Amundsens, Elsworth, erklärte, er sehne sich nach dem arktischen Gebiete, er werde jedoch nicht wie damals mit dem Flugzeug zurückkehren. Luftschiffe seien verwendbar. Feucht erklärte, daß er niemals mehr an einer Flugzeug-Expedition in das Polargebiet teilnehmen werde, weil es keine Landungsstellen gebe. Auch er sei der Ansicht, daß Luftschiffe sich gut für derartige Expedi­tionen eignen. Omdal sagte ,er würde gern die Expedition wieder mitmachen, er reise aber mit dem Zeppelim___________________

* Vom Blitz erschlagen. In her Hörster Heide bei Hamburg wurden zwei junge Leute, die sich vor einem Gewitter i« em Scheuneritor geMchrer

hatten, vom Blitz erschlagen. Ferner ist Jddensee bei Harburg eine große Scheune durch Blitzschlag vollständig eingeäschert worden.

Dom Kran erschlagen.

wtb" Hannover, 7. Juli. (Tel.) Gestern nachmittag ereignete sich in der Hannoverschen Ma­schinenfabrik in Linden ein schwerer Ilnqläcksfall. Durch Zerreißen eines Drahtseiles am Auslader eines Dampfkrans stürzte der daran hängende Greifer in die Tiefe. Zwei darunter beschäftigte Bergmeister wurden getötet. Ein Arbei­ter erlitt leichtere Verletzungen.

Soziales.

Die Auswanderung. Rach derStatischen Kor. respondenz" stieg die Zahl der aus Preußen aus- gewanderten Personen in den ersten Drei Se- richtshalbjahren ständig und zwar von 13 565 im Winter­halbjahr 1922-23 auf 26 731, im Sommerhalbjahr 1923 und auf 31 599 im Winterhalbjahr 1923=24. Diese bei­den letzten Halbjahre, in die der heftigste Währungsoer- fall und die Anfänge der Stabilisierung fallen und eine Zeit besonders großer Arbeitslosigkeit, brachten den stärk­sten Auswanderungsdrang. 3m Sommerhalbjahr 1924 verlangsamte sich der Auswanderungsstrom recht erheb»