Zuldaer Zeitung
Sonntagrfrühe.
Von Robert Re in ick.
AuS den Tälern hör' ich schallen Gtecker.töne, Festgesänge, Helle Sonnenblicke fallen Durch die dunklen Buchengänge-, Himmel ist von Glanz umflossen, Heil'ger Friede ringS ergossen.
Durch die Felder still beglücket Wallen Menschen allerwegen;
Frohen Kindern gleich geschmücket Geh'» dem Vater Re entgegen. Der aus gold'ner Saaten Wogen Segnend kommt durchs Land gezogen.
23te so still die Bäche gleiten, Wte so hell die Blumen blinken!
Und aus fernen lichten Zeiten Wei» ein Grützen her, ein Winken. Ist'- entschwund'ner Kindheit Mahnung? Ist es schän'rer Zukunft Ahnung?
(Ein kommunistisches China vor 800 Jahren.
China steht gegenwärtig wieder im Vordergründe der weltgeschichtlichen Interessen. Folgende Mitteilungen über früher, Vorgänge in China sind daher besonders aktuell.
Der bekannte Chinareisende und Schriftsteller Lance- lot Samten schreibt: „Dor 800 Jahren herrschte in China 50 Jahr« lang ein kommunistisches System. Handel, Industrie und Ackerbau waren nationalisiert. Der Staat setzt» di» Preise der Erzeugnisse fest und entschied dar- üb«, was im laufenden Jahre angebaut werden sollte. Da, Eigentum der Reichen wurde beschlagnahmt und ratter die Armen verteilt. Der Lenin jener Tage, Wang ngan chä, erklärte, die einzigen, die leiden würden, wür- den di» Wucherer und Monopolisten sein, und da der Staat der einzige Spekulant sei, würden alle Gewinne Rtr öffentliche Arbeiten verfügbar sein. Er vernichtete all» alten Vorschriften und trug seine eigenen Ansichten und Grundsätze in die heiligen und klassischen Werke der alten Zett ein. — Dies kommunistische Experiment führte zu Chaos und Ruin. Die Bolschewisten jener Zeit mußten fliehen und wandten sich in die Wüsten der Tartarei. Dort führten sie ein Deigabundenleben, übertrugen aber ihren revolutionären Geist auf die wilden Mongolen. Dann erschien Dschingis Khan auf der Szene und führte di» Tartaren mit ihren bolschewistischen Alliierten zur großen Invasion des Westens durch Rußland." Ch. P.
vis „Moritat" und der VSnkelMnger
Die große Moritat und ihr Verkünder — der Bän- kelsänger — gehören heute im allgemeinen bereits der Vergangenheit an. Aber erst in unseren Tagen schlug dem Dänkelgesang die 12. Stunde; wir erlebten sie und wurden uns trotzdem dieser Erscheinung nicht be- mußt.
Noch vox wenigen Jahrzehnten war fast überall in Deutschland kein Jahrmarkt, keine Mesie ohne den Bänkelsänger und sein Lied von der großen Morttat denkbar. Seine Darbietungen bildeten für viele den Hauptanziehungspunkt in dem gesamten Leben und Treiben des wilden, bewegten Marktrummels. Vor seinen gro- ßen Bildern staute sich die wogende Volksmenge der Schaulustigen. Auch in die abseits vom Hauvtverkehr gelegenen Dörfer fand der Bänkelsänger den Weg und hielt durch Bild, Lied und Rede alt und jung unter den Landbewohnern, besonders selbstredend die Jugend, in atemloser Spannung und grausiger Furcht. Wer von uns das 40. Lebensjahr überschritten hat, dürfte wohl irgendwo und irgendwann einmal wenigstens einer solchen Vorführung beigewohnt haben. Das damalige Kindhettserlebnir steht bann sicher jedem noch heute tief und unverwischbar in lebhaften Farben vor Augen. Die jüngere (Generation kennt dieses Stück Volkstum nur noch vom Hörensagen. Für sie wird naturgemäß gar zu leicht das Eigenartige und Absonderliche an der ganzen., erstorbenen Einrichtung zum Wesenskern, zur Hauptsache. Darum kein Wunder, wenn bei ihr Moritat und Bänkelgesang in das Gebiet der Komik hin- übergeleitet sind. Ein Unrecht! Der Bänkelsänger wollte stets ernst genommen werden. Die Institution war in ihrem Ursprünge gedacht als ein Mittel, das Volk zum Guten anzueifern und vor dem Bösen abzuschrecken. Ein Stuck Volkspädagogik war also in ihr verkörpert.
Eigenartig war also diese Volkserziehungsmethode. Keine Fn-ae! Stellen wir uns vor, wie der Bänkelsänger fein Erziehunosgewerbe betrieb. Zunächst wurde ein 4—6 Quadratmeter großes Leinwand- oder Wachstuchbild aufgerollt und ausgestellt. Es war dazu bestimmt, den Inhalt der Geschichte, der Moritat, in recht sinnfälliger Weise zu veranschaulichen. Jeder Bänkelsänger hatte mehrere Programmnummern und brauchte auch ebensoviele Bilder. Schon von weitem lockten die schreienden Farben derselben an. Sie waren ähnlich gemalt wie heute die Kinoreklamebilder, in unglaublich roher Technik, ohne Plastik, mit falschen Perspektiven. Die grauenhaftesten Vorgänge, die blutigsten Szenen wurden in übertriebenster Realistik und gräßlichsten
Zur Unterhaltung.
Nr. 852 vom 5. Juli 8925.
Affekten dargestellt. Jedes Bild sollte die ganze Erzählung begleiten, deswegen war die ganze Fläche in Felder, gewöhnlich fünf, geteilt. Das effektvollste und größte Schlußbild fand sich in der Mille. Auf den einzelnen Feldern waren mitunter zwei Handlungen zugleich, die Figuren in doppelter Stellung, wiedergegeben.
Vor dem Bilde saß auf einer Bank, einem Bärtel, daher der Name Bänkelsänger, der Sänger. — Bei den Vorführungen auf dem Lande fehlte in der Regel die Bank. — Er drehte zur Begleitung des Liedes die Drehorgel, den Leierkasten, und zeigte mit dem unoer- weiblichen langen Rohrstock bei den entsprechenden Liedstellen oder während der darauf folgenden Prosa- erzählung auf die D^stcllung des Bildes. Der Vor- trag des einzelnen Stückes bestand stets aus zwei Teilen: Sieb unb Geschichte, die durchaus in dieser Reihenfolge auftraten. Sie bildeten zusammen die „Moritat". Die Melodie des Liedes war recht eintönig. Man glaubt, daß alle Lieder des Bänkelgesang auf ein und dieselbe Weise, den Bankelsängerton, zurückgehen und die gesanglichen Verschiedenheiten durch Modulationen (Zerdehmingen) und Variationen (Aenderungen) dieses Tones geschaffen worden sind, lieber den Inhalt mag Ausschluß geben das Lied aus der Moritat: „Der Zug von Hamburg". In folgender Fasiung ist es in Thüringen volkstümlich geworden:
Sie war ein Mädchen jung an Jahren, Verführt durch Männer Schmeichelei, Und mußte schon ganz jung erfahren, Was einer Mutter Sorge fei.
Sie ging von Sulza nach Bad Käsen Und nach Schulpforta auf die Bahn Und tat ihr Haupt auf Schienen legen. Dieweil der Zug von Hamburg (1?) kam.
Die Schaffner hallen schon gesehen Und bremsten mit gewalt'ger Hand, Jedoch der Zug blieb nicht mehr stehen, Und Annas Haupt rollt in den Sand.
Die Schüler von Schulpforta haben, Weil keiner sie erkennet hat. Auf ihrem Finedhof sie begraben. Gott lohn' ihn'n ihre fromme Tat.
Mit unnatürlichem Pathos, im typischen Tonfall des Auswendiggelernten wiederholte her Bänkelsänger das soeben im Lied fast nur angedeutete Begebnis klarer unb ausführlicher. Die Geschraubtheit des Ausdrucks, die häufigen stilistischen Entgleisungen taten bei dem un- gebildeten Volk der Wirkung der Rede keinen Abbruch. In den Köpfen der Zuhörer spukten unb rumorten, brummten und summten die unverstandenen, gebrech- selten Wortformen, die nur halbverstandenen Redewendungen. Man sehnte sich förmlich nach Erlösung aus des „Hirnes Pein" unb griff gern nach den Heftchen, die in ausführlicherer Form die Begebenheit erzählten.
Während der ganzen Gesang- und Profadarbietung verkauften nämlich Gehilfen des Sängers Fliegende Blätter, kleine Broschüren, achtseitiae Drucke, die die vollständige Geschichte mtt dem Lied am Schlüsse enthielten. Der Verkauf derselben war offensichtlich der wichttgste Teil der Darbietung, alles andere nur Beiwerk, Anreiz, Reklame. Der Erlös aus den verkauften Fliegenden Blättern war der einzige Gewinst der Bän- kelsänger. Bilder, Musik, Sieb und Vortrag konnte das Publikum völlig unentgeltlich genießen.
Die Bänkelsänger waren ebensowenig die Verfasser der oorgetragenen Lieber unb Moritatgeschichten, als die Maler der vorgeführten Bilder. Im 19. Jahrhundert stammten die Bilder zu einem großen Teil von ein und demselben „Meister" Friedrich Adam Barnutz in Jever (1790—1867), der für ein Hamburger Haus arbeitete unb besten Bezahlung nach Quadratfuß bemalter Leinwand erfolgte. Herstellungsfabrikanten besorgten den Tert und den Druck der Geschichte. Solche „Fabriken" bestanden in Berlin, Frankfurt a. d. Oder, Zerbst, Gondersheim, Schmalkalden, Recklinghausen usw. War auch bas Wort Moritat der Sammelname für bie Darbietungen geworben, so beschränkten sich dieselben doch keineswegs auf blutige Mordtaten, sondern wundersame Begebenheiten überhaupt werden berichtet mit dem offenkundigen Zweck, die Menschen zu warnen und zu erschüttern, sie zu bessern und zu bekehren. Den frommen unb moralischen Zweck der ganzen Einrichtung deuten meistens schon bie langatmigen Titel der Geschichten an: „Das lebendig begrabene Kind ober Gott ist gerecht. Eine traurige Begebenheit, wie eine Mutter an ihrem Kinde handelte, geschehen am 2. Mai vorigen Jahres in Milow, eine Stunde von Rotterdam in Holland", oder „Schaudervolle Begebenheit eines Kornwucherers namens Steinholz, ein Handelsmann und Pächter im 66. Jahre seines Alters, welcher den 29. Januar v. I. von den Mäusen lebendig aufgefreffen worden, aus Savoyen von einem Augenzeugen beschrieben."
Die Moral wurde in Lied und Prosa immer mit ein« dringlicher Ausführlichkeit zum Ausdruck gebracht: Der Gute wird immer belohnt, bas böse Gewissen läßt dem Menschen keine Ruhe, die Reue kommt nie zu spät u. f. f. Auch gegen Spielsucht, Habsucht und Trunksucht, gegen Kornwucher und Habgier wird mit schreck» liehen und eindringlichen Beispielen geeifert. Alle diese Geschichten zur Erbauung, Warnung und Belehrung wurden von dem Bänkelsänger mit dem größten Ernst und ohne die mindeste Spur von absichllicher Komik
wiedergegeben. Wurden sie auch in dem gleichen Sinne von den Zuhörern ausgenommen? Wohl in den letzten Jahrzehnten des Daseins vom Bänkelgesang nicht, besser gesagt: nicht mehr. Aber gewiß halle die Einrichtung eine Zeit erlebt, in der die gleichmäßige Einstellung zwischen dem gebenden und dem empfangenden Teil bestand. Damals wirkte der Sänger tief ein auf das menschliche Gemüt, damals entstand der Bänkelgesang unb hatte er feine Blüte. Aber wann war das?
Der Bänkelsänger hat keinerlei Beziehung zu den mittelalterlichen fahrenden Sangern der höfischen Zeit, auch nicht zu den Meistersingern des städtischen Bürgertums zu Ausgang des Mittelalters. Der lehrhafte Ton und die moralisiernde Tendenz waren jenen San- gergathnrgen sowie ihren Liedern völlig fern. Ebenso fehlten hier die starke Betonung der Prosaerzählung und das geschäftemäßige Gebahren, der Verkauf von Textbüchern. Als Ausgangspunkt können auch die Volks- dücher des 15. unb 16. Jahrhunderts, wie „Die schöne Magelone", „Mekusina", „Die geduldige Helene" und ähnliche Erzeugnisse nicht angesprochen werden, obgleich dieselben in gleicher Weise wie die Schriften des Bän- kelsängertums auf Jahrmärkten und Messen in marktschreierischer Weise zum Verkauf angeboten wurden. Die Quellen find anderswo.
Der fromme, religiös-erbauliche Grundzug der Moritatgeschichten läßt sich nur erklären, wenn man einen gewissen geistlichen Ursprung für den Bänkelgesang annimmt. Ihn glaubt man gefunden zu haben in den geistlichen Märtyrerlegenden. Die wunderbaren unb traurigen Begebenheiten aus dem Heiligenleben wurden im 15. unb 16. Jahrhunberte, dem Zeitgeiste entsprechend, fast in Moritat-Breite und Derbheit geschildert. Märtyrerbilder aus jenen Tagen sind mitunter ebenso furchtbar wie manches Bänkelsängerlied. Im 16. Jahrhundert wurden die geisttichen Wunderdinge, wie oft bezeugt wird, auch außerhalb der Kirche an öffentlichen Orten abgesungen. Nach der Reformation verbot sich bei den Anhängern der neuen Lehre die Besinnung von Begebenheiten aus der Heiligenlegende von selbst: aber alsbald kam bei den Protestanten und namentlich bei den Wiedertäufern bie Darbietung aktueller Märtyrergeschichten aus der jüngsten Zeit, aus den Tagen der Religionskämpfe, sehr in Mode, ganz und gar im Stil des Bänkelsängerischen.
Die eigenartige Aufmachung des Bänkelsängertums ist entstanden aus dem damaligen Zeitungswesen und dessen Vertriebsform. Im 16. Jahrhundert entstand die Neue Zeitung, jenes Fliegende Blatt, das im Druck dem Publikum die neuen Zeitereignisse übermittelte. Die Zeitung brachte außer rein politischen Nachrichten auch, ganz wie heute, bie sogenannten Lokalrelationen, unter denen Räuberstücklein, Mordtaten, Kindsmorde. Hinrichtungen, sowie allerlei wunderbare Begebenhellen wie Feuersbrünste und Wassernöte, seltsame und erbauliche Geschichten von Lastern und Verbrechen und andere „erschröckliche" Dinge eine Hauptrolle spielten. Pfarrer, Superintendenten waren meistens bie Verfasser dieser Relationen. Daraus erklärt sich die fromme, moralisierende Behandlung der Stoffe. Der Vertrieb der Neuen Zeitung erfolgte durch fliegende Händler, die auf den Jahrmärkten und Messen herumwgen, die neuesten Ereignisse „abfangen" unb ihre Blätter zum Verkauf ausboten.
Alle Wesentlichkeiten des Bänkelgesangs sind hiermit bereits gegeben. Cs unterliegt keinem Zweifel. Aus dem Kolporteur, dem Verkäufer der Neuen Zeitung, hat sich der Bänkelsänger entwickelt, in seinen Druckblättern, die nach der gesanglichen Darbietung verkauft wurden, sich das alte Fliegende Blatt der Neuen Zeitung des 16. Jahrhunderts, die Keimzelle unserer heutigen Tages- zeitung, bis in unsere Tage hinübergerettet. Das Bän- kelsängertum ist eine auf den ersten Blick so ungemein niedrige, volksmäßige Erscheinung und doch eigentlich literarischen Ursprungs. Nicht dem einfachen Volk, son- bem einer kulturell höherstehenden Schicht verdankt es sein Entstehen.
Zweimal lenkte in den nachfolgenden Zeiten der Bänkelgesang die Aufmerksamkeit wirklicher Dichter aus sich. Im 18. Jahrhundert ahmte Gleim bei seiner Romanzendichtung bewußt den Bänkelsänger nach. Die Romanze „Marianne" hatte er, so darf man wohl sagen, für den Moritatfänger gedichtet: denn er schreibt im Nachwort: „Je öfterer dieser Versuch von den rühm- lichen Virtuosen mit den Stäben in der Hand künftig aesungen wirb, desto mehr wird der Verfasser glauben, daß er die rechte Sprache dieser Dichtart getroffen habe.' Er glaubte offenbar an eine Veredelung des Bärstel» gefanges und wollte dessen ästhetischer Lehrmeister werden. Gle'ws Vorgang rief ein ganzes Heer von Dich fern komischer Romanzen, also salonmäßigen Bänkel- gefangs, cuf den Plan- Geißler, Michaelis Hölty, Schmidt, Zachariä unb den jungen Bürger. Das non Goethe Leng, Wagner, Schiller, Bürger und ungezählten anbern abgewandelte Motiv von der Kindsmörderin dürste unmittelbar aus dem Bänkelgefang stammen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fand der Bänket- gefani bei den Dichtern Arnim und Brentano beson- der Beachtung. Beide waren im Juni 1802 auf einer Rheinreife in Mainz mit Bänkelsängern in Berührung gekommen. Vier Wochen später entwickelte Arnim dem Freunde den abenteuerlichen Plan, wie er in dem Schlosse Laufen am Rheinfall eine Druckerei für das Volk unb eine Bänkelsängerschule grünben wolle. Durch die dort ausgebildeten Sänoer erhofft er sich bie größte Wirkung auf das Volk. Die romantische Idee ist nicht verwirklicht worden. Es ging mit dem Bänkeltum ab
wärts, und der nüchterne Zeitgeist des letzten Jahrhunderts beschleunigte das Tempo dieser Bewegung. Wenn während des Weltkrieges von feiten einer großen Par- tei die politische Verwendung des Bänkelsängers. gefordert wurde, so wissen wir heute, daß dadurch de. Krreg nicht gewonnen, aber auch das Ab- unb Aussterben des ganzen Bänkelwefens nicht aufgehalten worden wäre.
Die Jnstittttivn hatte sich überlebt, sie war nicht mehr zeitgemäß; darum mußte sie sterben und den Platz frei machen für das Neue, das Kino. ehr.
Aus der Zrühzeit der Zigarren.
Die älteste Nachricht über die „Sabatsroll. ober Zigarren finden wir in der Anno 1555 erfajte« neuen „GeschichteNicaragua s". Es dürfte wohl Interesse erw->cken, ma* her Serft^»r h->= Gesckiwtswer- fes — Don Gonzales Fernandez de Oviedo y Valdez — über bie „gerollten Krautblätter", die sich allmählich bie Welt eroberten, zu berichten weiß. Der spanische Ge- schichtsschreiber äußerte sich — laut einer d-utschen lieber- setzung feines Werkes, aus dem Anfang des 18. Jahr- Hunderts — wie folgt:
„Die Indianers (sie!) berauschen sich bey lhren^ Zusammenkünften gern in Chicha, einem starken, säuerlichen, aus Mais bereiteten Branntweyn. Dieser hat das Aussehen von Hüner-Brüh, in welche Cyer geschlagen worden sind."--
„Wenn sie nun zu trinken angefangen haben, nimmt der Kazike eyn Päckchen Kraut-Blätters, etroan sechs Zoll lang, unbt so dick, wie ein Mannesfinger. Diese Blak- ters sind zusammen gerollt unbt mit ennem Fahden um- wickelt. Auf den Anbau des Kranhtes wudt große Sorgfalt geleget; unbt aus ihm werben Rollen verfertiget, welche bie Indianers an ennem Ende anzünden, das andere stecken sie in ihr Maul (sic!), ziehen den Rauch eyn. behalten ihn eine Zeit lang bey sich und pusten und stoßen ihn alsdann weithin aus dem Maule, ober auch auß den Nasenlöchern von sich. Dflese Rollen brennen langsam eynen gantzen Tag. (!)
Jeber Indianer hat derogleichen, welche sie Jnpoguete nennen, auf Hispaniola heißen sie Tobaco." H. R.
Bus aller Welt.
— Die körperliche Arbeit beim Fußgänger und Radfahrer. Wie notwendig es ist, daß besonders Geistesarbeiter unb Stubenhocker für eine intensive Muskelarbeit zu sorgen haben, wenn ihnen ihre Gesundheit heb ist, ersteht man recht deutlich aus der vergleichs- roeifen Arbeit eines Radfahrers und eines Fußgängers. Legt ein Radfahrer in einer Stunde 15 Kilometer zurück, fo verbraucht er hierbei 22 Prozent mehr Sauerstoff als ein Fußgänaer, der in derselben Zeit nur 3 bis 4 Kilometer weit kommt. Die 22 Prozent bedeuten 331 Kalorien, dies wieder ist die Wärmemenae oder richtiger Energiemenge aus 36 Gramm Fett! Ein Fußgänger muß daher für dieselbe Wegstrecke fast das Vierfache an Kraft aufwenden, wie ein Radfahrer. Hieraus ist ersichtlich, wieviel ökonomischer das Radfahren gegenüber dem Fußgehen ist. Der geübte Radfahrer kommt noch frisch und munter am Ziele an, während der Fußgänger müde und abgespannt sein Ziel erreicht. Dshalb sollen Geistesarbeiter, zu denen auch die Beamten gehören, zu ihrer Erholung recht fleißig auch das Fahrrad benutzen. Kein Teil der Muskiilattir darf untätig bleiben, da diese einen erheblichen Teil unserer Körpermasse bildet, unb nur, wenn alle Organe ihren Zwecken entsprechend ge» gebraucht werden, bleibt man gesund. In den Muskeln vollziehen sich die so wichtigen Orydations-. d. h. Verbrennungsprozesse, die kein Mensch vernachlässigen darf.
— Der König und fein Schneider. Eduard VII. von England begegnete eines Tages in Aachen feinem Pariser Schneider, dem er das Vergnügen einer kurzen Unterhaltung bereitete. Der König fragte ihn, wie er über das Publikum dächte, das jene berühmte Bäder- stabt besuchte, worauf der Schneider mit der Miene eines Mannes, der sich feiner Menschenkenntnis bewußt ist, antwortete: „Hoheit, es ist ein ziemlich gemischtes Publikum." Der König sagte darauf lächelnd: „Ja. es kön- neu nicht alle Schneider ober König von England fein."
Heiteres.
Sein erster Gedanke. Junge Dame: „Ihr Onkel ist ein reizender alter Herr!" Student: „So? Wieviel hat er Ihnen denn gepumpt." (Welt im Bild.)
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Medersehensfeier. Fünfundzwanzig Jahre waren es kürzlich, feit wir Buben nach glücklich bestandener Ma- ttnra die Schulbank verlassen hatten. Mit ergrauendem Haar feierten wir diesen Tag bei einem Bankett, auf dem unser Klassenältester die Gedenkrede hielt und folgend» hübsche Worte sprach: „Gewiß erfüllen in dieser Stunde jeden von uns die verschiedensten Gefühle, wenn er heute alle die Gesichter wieder sieht, mit denen zusammen wir vor fünfundzwanzig Jahren bie Schulbänke gedrückt haben." (Münch. Jll. Pr.)
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Der zahlungsfreudige Kunde. „Ditte, Herr Krause, mein Vater schickt hier die Rechnung, und ich soll nicht fortgehen, bis Sie sie bezahlt haben." „Hast du denn schon große Ferien, mein Junge?" (Berl. Jll. Ztg.)
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£M£E_
-53T
„Sie wollen wohl Geld? - Ja, das Leben ist schwer!" „En Gegenteil, Herr, ich bring’ noch was her! ste-dt haben Sie zwar, die Zelter sind hart, DocL dies hab’ sch mir durch „Aguraa" gespart.!”
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