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Berantwortlick für die Schriitleitunq: Dr. Jobannes Kramer. Anreiaenr S. B ar»el!et, Iulda. Rotatwnkvruck und Verla» der Fuldaer V ciiendri ^re' in Fitten. ?ern!drecher Rr- ft.

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52. Zahrg.

Hindenburg für Verständigungspolitik.

Ansprache des Reichspräsidenten an den neuen amerikanischen Bob schafter. Dor der Räumung des Ruhrgebiets. Note der Botschafter- Konferenz über die deutsche Qrftschiffahrt.

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-chuh verlangt, da das Gerücht nm-

gouverneuc

belstatlon werde demnächst angegrif-

? UNS schon einmal in Ihrem Herrn Amtsvor- ibrero D. Whithe einen hervorragenden Der- is Landes gegeben hat, gerade für die ameri-

kaufe, die i fen werden.

kanisch-dettschen kulturellen und geistigen Beziehungen volles Deständnis besitzen werden.

Euer (h:zellenz Hinweis auf das unbefriedete Europa und Ihre sympathische Würdigung der neuen Schritte, die die Rtchgregierung unternommen hat, um eine ge­genseitige tnd aufrichtige Verständigung herbeizufülmen, beweisen, Sie, Herr Botschafter, warmherziges Ver-

Der fr an fische und der britische Generalkonsul haben vorsichshalber alle Fremden ebenso wie die Franzosen mb Engländer aufgefordert, Scha- m e e n (die stembenstadt Kantons) zu verlassen.

wtb Xolio, 30. 3 uni. (Tel.) Von maß­gebender 5sl? wird erklärt, daß keine Wahr­scheinlichkeit tr eine japanische Interven­tion in Chla bestehe. Es wird angenommen, daß nach un nach die Ruhe wieder eintreken werde.

deckschez Reich.

* Um das Hochzeitsgeschenk des früheren Kron­prinzen. Der Ausschuß des preußischen Städte­tages, der feiierzeit die Vorbereitungen für den silbernen Tafeschmuck zur Hochzeit^ des früheren Kronprinzen straffen hatte, beschloß in u n m i t - tslbare Ver Handlung en mit d em f r ü- heren Kronprinzen zu treten über die Frage, ob er bereit sei, den künstlerisch hervor­ragenden Tafeschmuck in irgendeiner Form der Allgemeinseit zugänglich zu machen.

* Der alte Eraf von Lcrchenfeld, der Onkel des bekannten friihtren bäuerischen Ministerpräsiden- ten p. Lerchemild. ist g e st o r b e n. Graf Hugo

versität, die ganger 2fti tret er Ihm

Reichspräsident Hindenburg hat am Mon­tag den neuernannten Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, S ch u r m a n n, zur Ent­gegennahme seines Beglaubigungsschreibens emp­fangen. Botschafter Schurmann hielt hierbei eine Ansiirnchk, in der er u. a. ausführte:

Es ist der Wunsch meiner Regierung, in dem voll­sten Maße gegenseitige Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern zu pflegen. Persönlich von herzlichen Empfindungen beseelt, die in gemeinsamem Leben und gemeinsamen Studien ihren Anfang nahmen und durch fortgesetzte gesellschaftliche Beziehungen ge- Uähtt worden sind, wird es mir eine besondere Genug­tuung sein, die Instruktionen meiner Regierung auszu- sühren. Wiewohl sich die Welt heute im Friedenszu­stande befindet, genießt sie nicht die Früchte des Friedens. Die Gespenster der Furcht und des Mißtrauens gehen imter den Nationen um und stehen ihrem besten Streben «ach wirtschaftlicher, sozialer und moralischer Wieder­herstellung entgegen. Wenngleich es die Politik Amerikas ist, an der Lösung europäischer Fragen nicht teilzuneh­men, und wenngleich er mir daher nicht anstehen würde, hinsichtlich des Wertes der politischen Aktion, die jetzt er- wogen wird, eine Meinung zu bekunden, so sei es mir doch verstattet, es als ein glückliches Omen für den Frie­den und die Gesundung der Welt zu begrüßen daß Deutschland eine neue Anwendung der vitalen Grund­sätze der Verständigung und des gegenseitigen Vertrauens vorgeschlagen hat."

Der Botschafter schloß mit der Versicherung sei­ner tiefen Bewunderung für das, was Deutschland ht der Vergangenheit für dis Zivilisation beigetra­gen hat, und seines festen Glaubens an die Fähig­keit des deutschen Volkes, feine derzeitigen Schwie­rigkeiten zu überwinden. Reichspräsident v. Hindenburg erwiderte:

Für die freundlichen Worte, die Sie soeben an mich gerichtet haben, spreche ich Ihnen meinen aufrichtigsten Dank aus. Ich habe daraus mit großer Genugtuung entnommen, daß Ihre Hohe Regierung den Wunsch hat, auch fernerhin die zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten von Amerika bestehende wechsel- s c it i g e F r e u n d s ch a f t in weitestgehendem Maße zu pflegen. Seien Sie versichert, Herr Botschafter, daß ich und die Reichsregierung, eingeöenf der zahlreichen Freundschaftsbeweise, die Deutschland in der letzten Jlhren von Ihrem Lande empfangen hat, vor den näntichen Bestrebungen geleitet sind wie Ihre Re­gierung; wir werden tun, was in unseren Kräften stehi, um Ihnen dis Erfüllung der mit Ihrem verantwortungs­reichen Ant verbundenen Aufgaben zu erleichtern.

Neben den ausgedehnten wirtschaftlichen Beziehungen, die Deutshland und die Vereinigten Staaten von Amerika wechselseiig verbinden, sind unsere beiden Länder von jeher buch starke geistige Bande verbunden. Ich zweifle tscht, daß Sie, als ehemaliger Student dreier deutscher Universitäten, als Gelehrter von Weltruf Md als langjihriger Präsident der berühmten Eornell-llni-

Die Lhina-lvinen.

-loch keim Besserung. Die Vorsichksmaßnahmen der fremden. Die halkung Japans.

wtb p «t i 8,30. Juni. (Tel.) Die heute mor­gen voriiernden tzavasnachrichten aus China be­weisen. daß sich die Lage in Ehina nicht verbefferk, sondern Z«n Test verschlimmert hak. So wird z. D. aus Chung-King gemeldet, daß die Lage dori täglich schlimmer werde. Alle I a- paner hälfen gestern «m Mitternacht an Bord von Schisserdie Stadt verlassen. Auch der engllsche stoßul Fou-Tscheo habe von dem Militär-

ständnis für die politischen Nöte und die ehrlichen, auf einen wirklichen Frieden gerichteten Ab­sichten des deutschen Volkes besitzen."

Bei dem Empfang waren der Reicheminister des Auswärtigen Dr. Strefemann sowie der Staats­sekretär im Auswärtigen Amt v. Schubert zugegen.

Der neue österreichische Gesandte Dr. Felix Frank ist in Berlin eingetroffen. Der Reichs­präsident hat Dr. Frank zur Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens empfangen. Bei dem Empfang war der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strefemann zugegen.

*

Der Reichspräsident hat in Gegenwart des chi­nesisches Gesandten den chinesischen General H h u e Shutseng, den Führer der zur Zeit Deutsch­land bereisenden Studienkommission, empfangen. Chinesische Studenten in Berlin richteten gegen diesen General, der als Freund Englands und Gegner der radikalen Chinesen gilt, heftige Kundgebungen.

General Petain

bereist zur Durchführung der Räumungsberoegung das Ruhrgebiet. Er hielt sich auch in Düsseldorf und Coblenz auf. Es verlautet, daß feine Anwesen­heit im Ruhrgebiet vollständige Klarheit über die Methode der Räumung gebracht hat. Die Zurückziehung der Truppen erfolgt etappen­weise. Zunächst soll die Bochumer, dann die Essener, danach die Mülheimer und zuletzt die Duisburz-Ruhrorter und Düsseldorfer Zone ge­räumt werden.

*

Zu den Beschränkungen des deutschen Luftfahrzeugbaues nimmt die Botschafter­konferenz in einer soeben eingegangenen Not- Stellung. Die vorläufige Ueberprüfung läßt er­kennen, daß einige geringfügige technische Er­leichterungen zugestanden werden, denen je­doch neue weitgehende organisatorische Bindungen gegenüberstehen. Die Reichsregie­rung wird sich, wie wir hören, in den nächsten Tagen eingehend mit der Frage befaßen. Wie verlautet, soll die Zahl der Flugschüler eine Fest­setzung durch die Entente erfahren.

Die Haltung der Deutschnationalen.

Der Vorstand und die Landesverbandsvorsitzen - den der Teutschnationalen Volkspartei traten zu einer Sitzung zusammen, in der Graf Westarp über die auswärtige Politik und Hergt über die Auswertungs- frage, Frhr. v. Richthofen über die Zollvorlage sprachen. In der Versammlung kam die volle Einmütigkeit aller Teilnehmer zum Ausdruck. Wie das Nachrichtenbüro deutscher Zeitungsverleger toetter aus deutschnationalen Kreisen erfährt, be- siebt bei den Deutschnationalen keinerlei Ab­sicht, aus der Regierung auszutreien oder den Rücktritt des Reichsaußenministers ©trete- mann zu fordern.

v. Lerchenfeld war lange Jahre bayerischer Ge­sandter beim Reich. Nach diplomatischen Missionen in Wien und Petersburg wurde er im Jahre 1880 zum bayerischen Gesandten in Berlin ernannt, wel­chen Posten er bis zum 9. November 1918 inne hatte. Er ist 82 Jahre alt geworden. Graf Ler­chenfeld war eine liebenswürdige, zuverlässige Per­sönlichkeit. ,

* Der Evangelische Bund hat in Königsberg seins 2 9. Generalversammlung abgehal­ten. Der ehemalige Hof- und Berliner Domprediger Döhring erging sich auch in der öffentlichen Der- sammlung in heftigen Angriffen auf Rom. Pie Hauptätigkeit wurde in vertraulichen Konferen­zen entfaltet. Die Versammlung nahm scharfe Stellung gegen ein Reichskonkordat. Der kon­fessionelle Friede, so sagte man, werde durch das Konkordat stärker denn je bedroht. Das Konkordat erscheine als geeignetes Mittel zur Rückwärtsrevi- dierung der Geschichte und Ausweitungder römisch-katholischen Herrschaft".

* Sachsen und die Zollvorlage. Die sächsische Regierung gibt über die Gründe, die sie bewogen haben, sich bei der Schlußabstimmung über die Zdllvorlage im Reichsrat der Stimme zu enthal­ten, eine Erklärung, in der gesagt wird, daß dem Vertreter Sachiens im Reichsrat die Weisung er­teilt wurde, die Mindestzölle für Getreide abzu­lehnen und darauf hinzuwirken, das die Agrar­zölle soweit als möglich herabgedrückt wür­den. Bei der Schlußabstimmung über die Vorlage im ganzen enthielt sich der Vertreter Sachsens der Stimme.

* Die Sfxeiiigkeiken in der sächsischen Sozial­demokratie. Das Schiedsgericht der Sozialdemo­kratischen Partei, das kürzlich den Ausschluß dec Leipziger Anhänger der 23 rechtssozialistischen Ab­geordneten im Landtag für ungültig erklärt hatte, beschloß, dem P a r t e i v o r st a n d Bericht zu erstatten und seine Entscheidung über diese Frage einzuholen.

Tagung des Reichsstädlebundes. Der Reichs- stäbtebund tritt am 2. Juli in Koblenz zu seiner dies­jährigen Tagung zusammen. Auch die Stadt Fulda wird auf der Tagung durch Herrn Oberbürgermeister und mehrere Mitglieder der städtischen Körperschaften ver­treten sein.

Erdbeben und Taifun am

Schwere Schäden und Menschenopfer in Ualiformen. Die Sturm* Katastrophe auf den Philippinnen.

Aus San Franzisko an der Westküste Nord­amerikas wird gemeldet, daß am Peter- und Pauls- tage ein Erd- und Seebeben in dem Badeort Santa Barbara großen Schaden angerichtel hat. Das Arlington- und das Cabrillo-Hotel lie­gen in Trümmern. Aus dem Erdboden brachen heiße Quellen. Die in der Nähe der Stadt ange­legten Staubecken find geborsten, wodurch die Stadt zum Teil überschwemmt wurde.

Eine andere Meldung besagt, daß bei der Zer­störung des Arlington-Hotels sieben Menschen um­gekommen sind. Santa Barbara ist ein sehr be­kannter Badeort, berühmt durch seine präch­tigen Hotels, die größtenteils ein Opfer der Erd­bebenkatastrophe geworden sind.

Der Schaden, der das Erdbeben in Santa Barbara anrichtete, wird auf 10 Millionen Dollars geschätzt.

Wie die Southern Paacisie Railway mitteiti, sind durch das Erdbeben Schienen in einer Ausdeh­nung von 8 Meilen in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Erdbeben erstreckte sich über einen Landstreifen von 15 Meilen südlich und 10 Meilen nördlich von Santa Barbara.

Auch in Los Angeles wurde das Beben ver« spürt.

Hiobspost VON den Philippinen.

wtb Paris, 30. 3uni. (Tel.) Havas meldet aus Rewyork, der Gouverneur der Philippinen leist mit, daß ein Taifun die der Stabt Bukacan benachbarlen Bezirke verwüstet hak. 2 4 Perso­nen wurden getötet und etwa 100 Wohnhäuser zerstört.

Von der Zukunft des Zentrums

'Von Professor Dr. Friedrich Dessauer, Mitglied

I.

Es ist ein wenig in Mode gekommen, daß die Leute sich den Kopf darüber zerbrechen, was wohl aus dem Zentrum wird. Der alte sturm­erprobte Turm soll Riffe zeigen, von inneren Spannungen zu bersten drohen. In vielen Zei­tungen und allenthalben in politischen Kreisen wird über die Folgen solcher Schwierigkeiten debattiert und erwogen, was es für Deutschland bedeute, wenn das Zentrum auseinanderfällt.

Indessen: einstweilen- (wie schon so oft)

l eb t das Zentrum und wirkt, und es sieht fo aus, als könne es alles vertragen: Umsturz, äußere und innere Not, Wirtschaftskrisen ja sogar die Arzneien, welche zur Verklebung der Risse ihm von manch seltsamem Freund verordnet werden.

TT.

Wenn die Menschen im öffentlichen Geben etwas erreichen wollen, fo sind sie gewohnt, zu die­sem Zweck sich zu o r g a n i s i e r en. Ein Ver­ein, ein Klub, eine Behörde, ein Amt, eine Partei es ist immer das gleiche: Menschen wollen etwas, was sie einzeln nicht können, darum grün­den sie und organisieren sie. So sind auch die politischen Parteien entstanden. Sie sind unvoll­kommen wie alles, was Menfchenkraft in Raum und Zeit vollbrinat; aber vorerst sind sie unver­meidlich, und die Weltverbesserer, die, unzufrieden, sie abzuschasfen unternehmen, beginnen stets damit, zu diesem Ziel eine neue Partei zu gründen.

Nun aber ist es ein seltsam Ding mit den Schöpfungen des Menschengeistes: wenn er etwas schafft, irgend ein Werk, ein Haus zum Beispiel ober eine' Partei, bann tut er es mit einem Ziel im Äuae. Er meint also bas Ziel und

s ch a f f t ein W e r k z e u g. Jrn Augenblick aber, wo bas Werk geschaffen ist, nehmen wir mit Stau­nen wahr, baß es von seinem Schöpfer weggeht unb seine eigenen Gesetze hat.

Seine eigenen Gesetze! Die stehen oftmals im Gegensatz zu dem Hauvtgesetz. dem Ziel des Werk­lest Das Eigenleben des geschaffenen Instrumen­tes will erhalten, verteidigt, verstärkt werden, und zuweilen verlangt Erhaltung dieses Werkes das Gegenteil von dem, wozu das Werk dienen soll.

Bei den Parteien ist es oft so. Sie sollen voli- tisches Werkzeug fein, das ist Werkzeua zum Dienst an Menschheit, Volk, Vaterland. Ist aber die Partei am Geben, bann erscheint ihr etaenes Ge­setz, sie will erhalten fein, und der Dienst am Vaterland kann sehr wohl eine Partei schädigen. Dann ist der Konflikt da. In der Seele des ein­zelnen Politikers in der Partei entsteht der Kon­flikt: was muß ich tun, dem Vaterlande die­nen auch unter Schädigung der Partei ober Ver­zicht leisten auf bieten Dienst am Vaterland, um die Partei zu erhalten? Denn fo heißt die oft gehörte Ueberleaung: fei eine Partei erst geschä­digt, so könne sie auch dem Lande nichts mehr nützen.

ni.

Alle Parteien kommen in diesen Konflikt. Oft ist er -tragisch. Beispiele gibt es in Ueberzahl. Wenn revolutionäre Parteien, wie die Sozialisten von ehemals die träge Masse erschlafften Prole­tariats mit einer furchtbaren Sprache auferweck­ten, um sie im Haß gegen die bürgerliche Gesell­schaft in Marsch zu setzen, mit häufig bewußter Wahrheitsentstellung dann geschah es zur For­mierung der Partei und oft im zeitlichen Gegensatz zu Interessen des Landes. Freilich stand bei Füh­rern und Geführten im Hintergrund der Wille, schließlich, nach Erreichung der ersten Ziele, der Gesamtheit wieder zu dienen. Wenn in letzter Zeit im Wahlkampf gesteigerter Haß. teils leichtfertig, teils bewußt gegen die Republik, ihre Opfer unb ihre Diener geprebiat wurde, wenn das mensch­liche Interesse am Besitz durch Anfmertunasver- fpredumgen ohne jede Möglichkeit der Erfüllung, erweckt, gereizt, fanatisiert wurde, wenn man des Landes schöne Flagge schmähte dann -zeschab es der Parteien wegen, entgegen dem Vaterland. Sie wollten zur Macht auch unter Irrefübrung der Massen. Nachher freilich, wenn er die Machi hat, will jeder das Gute fo. wie er es erkennt. Im Grunde kann der Mensch nicht anders, als das Gute wollen.

IV.

Ich glaube, daß ein unvoreingenommener Geist dem Zentrum dieses zugestehen muß, daß es

des Reichstags.

am meisten unter allen Parteien in dem Kon­flikt zwischen dem Eigeninteresse und dem allge­meinen Interesse den Weg des Opfers fand. Darüber ist eigentlich kein Wort zu verlieren. Nie­mand mutete feinen Wählern solche Selbstlosigkeit zu, und oft kam darüber die Partei in Gefahr. Hätten die Propheten Recht behalten, so wäre in den letzten 30 Jahren der Turm des Zentrums wenigstens zehnmal eingestürzt.

Aber er ist nicht eingestürzt.

Die alte Konservative Partei, die Freiheits­konservativen, die alten Liberalen, die Partei um Naumann, die Antisemiten wo sind sie? Sie gaben ihren Wählern manche Konzession, sie sorgten oft unb ängstlich für sich selbst. Und doch ist ihr Wesen verändert, ihr Name er­losch e n, ihre Richtung verschoben, und wer -ft sicher, daß ihre Wandlungen zu Ende sind? Die Völkischen zum Beispiel kommen aus Umgruppie­rungen gar nicht heraus.

Aber das Zentrum steht! Woher kommt diese Kraft? Nun, wir wissen es: Sius feinem Wesen!

V.

Das SB e i en der Zentrumspartei besteht darin, daß sie religiös ist. Ihre politische Natur geht schon aus dem WortePartei" hervor, sie ist selbstverständlich wie bei den anderen Pareien.

Politisch ist bas Zentrum, weil sein Wirkungs­feld die Ordnung des öffentlichen Gebens ist. Re­ligiös ist das Zentrum, weil feine einzige Quelle des Wohlwollens unb Handelns aus der Ver­bundenheit mit dem göttlichen Reiche entströmt.

Mit einem Wort läßt sich bas Ganze sagen: daß Gottes Wille im öffentlichen Geben geschehe, das ist die Idee dieser Partei, und damit, ist un­geheuer Vieles schon entschieden, was für andere Parteien immer wieder Problem bleibt.

Nichts Einseitiges, kein irdischer Interessen­kampf, keine Unordnung zwischen dem Partei­interesse und dem Dienst am Vaterland kann lieber- Hand gewinnen, solange sich die Zentrumsmenschen ihrer Quelle bewußt bleiben. Vergessen sie diese Quelle, bann ist das Zentrum zu Ende; das be­deutet, in dem Augenblick, wo es aufhört, religiös zu fein.

Ist dieser Augenblick da? Ich glaube: nein! Schwankungen wird es unter Menschen immer geben, aber der Weg zur Quelle ist auch immer frei; die Augen der Menschen sind trübe, erkennen Wahrheit und Recht nicht zu jeder Stunde gleich klar. Abe es steht ihnen frei, morgen besser zu machen, was sie gestern gefehlt, unb auch dies hat das Zentrum oft getan.

Zukunft des Zentrums?

Es wird bleiben! Der Zeitgeist streift Materialismus ab unb erinnert dich an die Ewig­keit!

Hat der Turm getrotzt, als Materiallsmus regierte, als Deutschland glänzte, als es elend war, wie sollte er ernstlich schwanken aus Interessenkon­flikten, jetzt, wo die Welt ein Ienseitsreich vos neuem ahnte?

VI.

Unb die Konflikte der Gegenwart? Sie sind ernst, doch nichtso groß, wie sie schei­nen. Nicht derart, daß Menschen mit Willen zum Dienst zur Hingabe gar nicht lösen könnten.

Links und Rechts? Man muß zu fach- kicher Arbeit j e d e m die Hand reichen, und man darf niemals an sich selbst zum Verräter werden!

Wir sind Republikaner in einer demokratischen Republik. Diese Staatsform ist nicht ideal; keine menschliche Staatsform ist ideal! Jetzt ist die Zen­trumspflicht, mit dieser Form das beste zu tun, was geschehen kann; in dieser Form den Satz: Dein Wille geschehe" zu erfüllen.

Sozial kommen wir aus trüber Vergangen­heit unb haben bie ersten Schritte getan. Erinnern wir uns an das:redde rationem! (Leg Rechen­schaft ab!), das für alle Besitzenden gesagt ist. Und bleiben wir eingedenk, daß ein gerechter Gewinn den Mitarbeiter unb die Allgemeinheit schadlos halten muß, bann werden wir richtige Sozialpoli­tik machen. Und unsere Herzen sollen immer denen nahe fein, bie am schwersten an der Last des Gebens tragen.