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Anzeiger für die Stadl und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

MlZEreiWeNW.

Nr. 147.

Verantwortlich tüt die Schriftleitung in Bertr : Anton Weßle - Anreigenr I. P arzeller. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fvldarr ? dierinidttei in Fulda. Fernivrecher Nr. 9.

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Sonntag, 28, Juni I925.

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52. Zahrg.

N iie Äatlilita JesWaüs!

Auf nach Stuttgart!

Vom 23. bis 25. August dieses Jahres werden sich die Katholiken Deutschlands in der Hauptstadt Württembergs zusammenfinden, um ihre 64. Generalversammlung zu halten. Was sie wollen, ist nichts anderes als

Heilung unö Rettung unserer Zeit durch die Kraft der Nesigion, Treu­bekenntnis zu ihrem Qberhirten kn dem Heiligen Äahr ihrer Kirche, mutiges unö mannhaftes Eintreten für den katholischen Namen und das deutsche Volkstum.

Es ist das erstemal, daß eine Stadt des Schwabenlandes die Ehre hat, den Deutschen Katholikentag zu beherbergen. Die Katholiken Stuttgarts sind sich wohl bewußt, daß ihre Aufgabe nicht leicht ist, aber sie haben das Vertrauen, daß schwäbischer Opfersinn alle Schwierigkeiten überwinden wird. Das Heimatland Adolf Gräbers will nicht in Wettstreit treten mit den glän­zenden Metropolen katholischen Lebens am Rhein und an der Isar, aber was das katholische Schwaben den Glaubensbrüdern deutscher Lands zu bieten vermag, gibt es ihnen von Herzen gerne, eine zwar schlichte, aber liebe und traute Heimstätte für das glaubensfrohe Bekenntnis ihrer Kirche und ihres Volkstums.

Die katholischen Schwabenherzen an der Donau und am Neckar schlagen der diesjährigen Tagung um so freudiger entgegen, als der Katholikentag in Stuttgart zugleich die Krönung werden soll für das Doppeljubiläum des allverehrten Oberhirten der Diözese, der nicht bloß dem Schwabenland, sondern dem ganzen deutschen Volke gehört,

Er. Exzellenz des hochwürdlgsten Bischofs

Dr. Paul Wilhelm von Keppler.

Sein 50 jähriges Jubiläum als Priester und sein silbernes Bischofsjubiläum werden dem Katholikentag in Stuttgart besondere Weihe und besonderen Glanz verleihen.

Es ist der ausdrückliche Wunsch des Iubilarbischofs, daß die Stuttgarter Tagung eine Tagung des Friedens werden soll. Sie wird unserer Zeit und ihrer schweren inneren Not offen in das Auge sehen, aber sie wird das Heil nicht in Hader und Streit suchen, sondern in der welterlösenden Kraft katholischer Liebe. Zum Leitgedanken der diesjährigen Katholikenoersammlung Deutschlands ist bestimmt worden: <

Die katholische Liebe als Heilquelle in den Krankhelten unserer Zeit!"

Was Bischof Dr. von Keppler am 9. Oktober 1924 in der Liederhalle zu Stuttgart über den kommenden Katholikentag gesprochen hat, soll uns heilig sein und zum herrlichen Geleitwort unterer Tagung werden:

Die ganze Tagung wirb nicht auf Streit und Kampf gestimmt sein, sondern auf das christliche Llrmotiv: Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibns!

Wir laden alle Glaubensbrüder von fern und nah, diesseits und jenseits der Grenzen, zum Stuttgarter Katholikentag ein. Vom Herzen Süddeutschlands, vom anmutigen Schwabenland, von den wald- und rebenumkränzten Höhen des gesegneten Stuttgarter Tals^geht unser Ruf überall hin, wo die deutsche Zunge erklingt und katholische Herzen schlagen:

Auf zum schönen Gchwabmlanö!

Auf zum Katholikentag nach Stuttgart!

Das Zentralkomitee der Katholiken Das Lokatkomikee zur Vorbereitung

Deutschlands der 64. Generalversammlung

Alois Fürst zu Loew en st ein Treiber

1. Vorsitzender. 1. Vorsitzender.

Die Zollvorlage im Ausschuß.

Der handelspolütsche Ausschuß im Reichstag be­gann am Freitag mit der Beratung der Zollvor­lage. Zum Vorsitzenden wählte er Aba. Perli- t i u s (Ztr.), zum Schriffführer Aba. Henke (Soz.). Anwesend waren von der Reichsregierung die Minister Neuhaus und Graf K a n i tz. Der Ausschuß sprach zunächst den Wunsch aus. vor Ein- - tritt in die Zollberatungen Auskunft über die Han- delsvertrngsverhandlunaen mit Frankreich, Polen, Italien, Rußland und Belgien zu erhalten. Reichs­wirtschaftsminister Neuhaus erklärte sich dazu be­reit, vertraullche Auskunft zu geben. Reichssrnäh- rungsminkster Graf K a n i tz legte noch einmal feinen Standnunkt zu den Ägrarzöllen dar. Abg. W i s s e l l (Soz.) beantragte, zunächst die Jn- dustriezölle zu beraten, da über die Agrarzölle noch der ausführliche Bericht des Reichswirtschaftsrates fehle und außerdem eine Cnauete über die dort noch nicht geprüften Fragen zu beginnen, die Re­gierung lege Wert auf Erledigung vor den Som­merferien. Der Ausschuß beschloß, zunächst in die Generaldebatte einzutreten und die Frage, welcher Abschnitt der Zollvorlage zunächst zu behandeln seh bi» zu deren Abschluß zurückzustellen.

Der Ächerhettsvorschlag.

Am Schoß« der Reichsregiernng.

Da- Reichskabinett hat sich in diesen Tagen mit oet französischen Antwortnote zur Sicherheitsfrage befaßt. Hebet da- Ergebnis der Beratungen erfährt da? W. T. B. an zuständiger Stelle folgendes:

Auf der letzten Vollversammlung des Völkerbundes war ein Protokoll über die friedliche Erledigung inter­nationaler Streitigkeiten, das sogenannte Genfer Protokoll, aufgestellt worden. Ferner war durch im Kreise der Alliierten gepflogene (Erörterungen über die Räumung der nördlichen RheinlandJone gegen Ende des vergangenen Jahres das Sicherheitsproblem er­neut tn den Mittelpunkt der internationalen Erwägun­gen gerückt worden. Die deutsche Außenpolitik sah sich damals vor die Frage gestellt, ob sie die Losung bet Sicherheitsfrage den alliierten Westmächten allein über- lasten, oder auf eine Lösung unter Mitbeteiligung Deutschlands hmwirken solle. Deutschland lag daran, den anderen Mächten gegenüber klar zum Ausdruck zu bringen, daß es bereit fei, an einer Sicherheitsregelung mitzuwirken. Deren Endziel die von Deutschland selbst er- strebte Entwicklung auf den Bahnen des allgemeinen Friedens durch eine wirkliche Befriedung Europas fein. sollte. Demgemäß erfolgte seitens des Auswärtigen Am­tes um die Wende des Jahres eine entsnrechende diplo­matische Fühlungnahme. Reichskanzler Dr. Luther hak in seiner Rede vom 30. Januar vor der ausländischen Presse zum Ausdruck gebracht, daß Deutschland an der Verwirklichung des Sicherheitsgedankens em reales In- tereste habe und zur positiven Mitarbeit daran bereit sek. Im Einklang mit diesem Grundgedanken erschien es nach dem Ergebnis der diplomatischen Sondierungen unter Berücksichtigung der außenpolitischen Gesamtlage dem Auswärtigen Amt für angebracht, den alliierten Regie- rungen zur Kenntnis zu bringen, auf welcher Grund­lage eine Mitwirkung Deutschlands an der Regelung der Sicherheitsfrage in Betracht kommen konnte. Zu diesem Zweck wurde den alliierten Regierungen im Februar ein Memorandum Überreicht, das die verschiedenen Lb- lungsmögllchkeiten zur Erörterung stellte- Nachdem die vom französischen Botschafter übergebene Rote vom 16. Sunt konkrete Vorschläge gemocht hat, die die deutscher- sekts bezeichneten Lösungsmöglichkeiten teils ändern oder miteinander verbinden und ihnen neue Dertragskonftruk- Honen hinzufügen, ist nunmehr das Kabinett zu einer Beratung des Gesamtkomplexes der dadurch aufaewae- fenm Fragen zusammengetreten. Das Kabinett ift' habet übereinstimmend zu dem Ergebnis gelangt, daß pk in der französischen Note norgef(biogenen Erörterun» «en zur Vorbereitung einer endgültigen Stellungnahme nfebafo aufzunehmen sind. Die deutsche Regierung, die km Einklang mit den Schlußworten der französischen Rote auch ihrersetts das Zustandekommen von V->rhand° Iimgen begrüßen würde, die zu einer neuen und wirk­samen Friedensgewähr führen, wird unentwegt an dem Ziel Deutschlands festhakten, im Sinne der vorstehend dargelegten Bestrebungen zu einem wirklichen Frieden zu gelangen, der durch das Sicherheitsabkommen auf völlige Gegenseitigkeit begründet werden soll.

Nachdem nunmehr die Kabinettsberatungen einen vorläufigen Abschluß gefunben haben, sind für den SamStag die Ministerpräsidenten der Länder einberufen worden. Die Regierung wird stier die notwendigen Mitteilungen machen und die Meinung der Länderbertteter einholen.

Der paff schützt nicht vor Kriegsgefahr.

wtb London, 27. Juni. (Tel.) LankDaily Lhronicle" veröffenklich dieSunday News" einen Artikel ;nm Paktvorschlag, worin es heißt: Der patt werde nicht Europa vor einem Kriege reffen, aber die französische Regierung vor einer ernsten Krise bewahren. Lloyd 'George bemerkte, England verspreche seine Unterstützung verschiede­nen Ländern, aber es sei nicht klar, was diese Cän- . der England dafür garantierten.

Der Beginn der Ruhrröumung.

Der französische Marschall Pötain ist in Düssel­dorf einaetroffen. Seine Anwesenheit im besetzten Gebiet steht mit der Räumung des Ruhrgebiets und der Brückenköpfe von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort in Verbindung. Teile der Truppen aus dem Ruhrgebiet sollen nach dem ,Berl. Tage­blatt in Richtung Köln bereits in den nächsten Tagen den Marsch nach dem Rhein anlreten.

Milderung der Abbaubestimmungen.

Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf über die zweite Aenderung der Personalabbauverordnung zu- gegangen. Darin wird bestimmt, daß der allgemeine Personalabbau in sämtlichen Reichsverwaltungen imb bei Versicherungsträgern eingestellt wird.

Die neue Novelle sieht u. a- folgende wesentliche Verbesserungen zugunsten der Beamten vor:

1. Gänzliche Aufhebung der für die Beamten und Angestellten geltenden Abbaubestimmungen.

2. Beseitigung der Pensionskürzungsvorschriften.

3. Gewährung von Abfindungssummen an ver­heiratete weibliche Beamte, die auS dem Beamten­verhältnis ausscheiden.

4. Hinausschiebung der Mindestwartegeldgrenze und der Höchstgrenze des Wartegeldes.

5. Einschränkung der Einstellungssperre, beson­dere Berücksichtigung der Versorgungsämtern und Schwerkriegsbeschädigten bei Einstellung von Beamten.

6. Einschränkung der Vorschriften über das Ruhen des Witwen- und Waisengeldanspruchs für den Fall, daß die Witwe oder Waise ein Diensteinkommen oder die Witwe eine Pension aus öffentlichen Mitteln besitzt.

Deutscher Reichstag.

Am Freitag wurde der Gesetzentwurf zur Verlänge­rung der Geltungsdauer der dritten Steuernot­verordnung bis zum 15. Juli 1925 in allen drei Lesungen angenommen.

Darauf wurde die zweite Beratung der Novelle des Unfallversicherungsgesetzes vorgenommen. Diese Novelle enthält einen Aufbau der Sachleistungen mit den durch die Nachkriegsverhältnisse erforderlich ge­wordenen Abänderungen, teilweise mit rückwirkender Kraft sowie einen Ausbau der Verletzten- und Hinter- bliebenenrente. Der sozialdemokratische Redner findet noch viele dringliche Wünsche in dem vorliegenden Ent­wurf nicht berücksichtigt. Die Hauptaufgabe müsse es doch sein, Unfälle zu verhüten. Dazu sei eine freiere Stellung der technischen Aufsichtsbeamten erforderlich, die aber von den zuständigen Stellen nicht zu erreichen gewesen sei. Versäumnisse in der Unfallverhütung dürften nicht mit Geld abzugelten fein, sondern müßten mit Freiheitsstra- fen belegt werden. Abg. Schwarzer (BD.) hebt her- vor, daß die soziale Gesetzgebung leider beinträchtigi werde durch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse. Auf den dringendsten Gebieten der Invalidenrente, der Erhöhung der Arbeitslosenfürsorge und Erweiterung der Krankenfürsorge bringe der vorliegende Entwurf aber wesentliche Hilfe. Der Redner setzt sich für einen An­

trag der Rechtsparteien des Zentrums und der Wirt­schaftlichen Vereinigung ein, der die Minimalunfallrente, die für eine Ermerbsfähigkeitverminderung von 10 Proz. gezahlt werde, durch eine Kapitalabfindung in Höhe einet dreifachen Jahresrente abgelten will. Der kommunistische Redner sieht die Tendenz der Vorlage in einer Entla­stung der Besitzenden und Belastung der Besitzlosen. Die Demokraten lassen erklären, daß der Entwurf, penn In ihm auch nicht alle zu erhebenden Ansprüche erfüllt wor- den seien, doch auf vielen sozialen Gebieten gegenüber dem bisherigen Zustande eine erhebliche Verbesserung bringe. Sogar der völkische Redner meinte, es sei nicht wenig, was an sozialer Reform durch die Vorlage ge­boten werde.

Nach Schluß der Generaldebatte verwies in der Ein­zeldebatte ein Vertreter des ReichsarbeitsMinisterium» gegenüber einem Antrag der Sozialdemokraten, die An­gestellten des Gastwirtsgewerbes und Theaterpersonals sofort in den Kreis der Unfallversicherungspflichtigen auf­zunehmen, auf die im Ausschuß angenommene Ent­schließung und gegebene Zusage der Regierung, daß sie die in dem sozialdemokratischen Antrag gewünschte Ein­beziehung der erwähnten Berufsgruppen in einem be­sonderen Gesetzentwurf vornehmen werde und sich ernst­haft mit der Frage beschäftige. Abg. Andre (Ztr.) bittet mit Rücksicht auf diese Erklärung des Regierungs- Vertreters den Antrag der Sozialdemokraten abzulehnen, was dann auch gegen die Stimmen der Sozialdemokra­ten und Kommunisten geschieht.

Samstag: Kleine Vorlagen.

preußischer Landtag.

Im Landtag machten die Kommunisten am Freitag zunächst wiederum den Versuch, eine Aussprache ; über die Umbildung der preußischen Regierung herbei­zuführen. Diese Forderung scheiterte jedoch wiederum, da Widerspruch aus dem Hause erhoben wurde. Dar­aufhin wurde eine ganze Anzahl von Anträgen der Ausschußberatung überwiesen. Bei einer Reihe von Strafverfolgungssachen gegen Landtags­abgeordnete vertagte der Landtag die Genehmigung. Darauf wurde die zweite Beratung des Haushalts der Forstverwaltung fortgesetzt.

Das Haus vertagte die Weiterberatung auf Samstag. Auf der Tagesordnung steht außer den Uranträgen betr. j den Verkehr mit Grundstücken die nächste Wahl für Asrrtekamm«« usw.

Der Umsturz m Griechenland.

Der neue militärische Umsturz war das Werk des Generals P a n g a l o s, der die oberste Ge­walt übernommen hat, nachdem ein Versuch Papa- nastasius, ein Kabinett zu bilden, gescheitert war. Pangalos beabsichtigt, die Leitung und das Kriegsministerium zu übernehmen. Er hofft von der Nationalversammlung ein Vertrauensvotum zu erhalten. Die Kammer soll hierauf sofort aus einige Monate vertagt werden. Die Bewegung begann am Donnerstag in den frühen Abendstun­den, aber es war völlig unklar, ob man es mit einer Verschwörung unzufriedener Offiziere oder einer planmäßigen und groß angelegten politischen Aktion zu tun hatte. Als aber in Athen die Nach­richt vom gleichzeitigen Aufflammen der Revolu­tion in Saloniki und andern thrazischen und mazedonischen Garnisonen eintraf, warf General Panaalos die Maske ab und stellte sich an die Spitze der Beweguna.

Das Sabinekk pangalos.

wtb paris, 27. 3nni. (Tel.) Savas meldet aus Athen: Das neue Kabinett ist endgültig ge­bildet und gestern vom Präsidenten der Republik vereidigt worden. 3um Ministerpräsidenten und Krieqsminister ist General Pangalos bestellt worden. Das Marineministerium hat Konter­admiral Hadjariakos erhalten. Das Kabinekt be­steht in seiner Mehrheit aus Mitgliedern der Pa-

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Die deutsch-französischen Mrtschafts- verhanÄIungen.

Handelsminister C h a u m e t hat die Vertreter der französischen Presse empfangen und ihnen mitgeteilt, daß er Einzelheiten über den Stand der deutsch-französischen Handelsvertragsverband- lunaen nicht mitteilen könne, daß er aber feststellen müsse, daß die französische Regierung für den Ab­schluß eines provisorischen Handelsvertrages das größtmöglichste Entgegenkommen gezeigt stabe. Weiter könne man nicht gehen, ohne ftanzösifche Interessen zu opfern.

Herabsetzung der weinsteuer.

Der Steuermtsschnß des Reichstags nahm ein­stimmig einen Antrag der Deutschen Volkspartei an, der die Weinsteuer bis zum 30. September 1027 von 20 auf 10 Prozent ermäßigt. Vom 1. Oktober 1927 ab soll die Weinsteuer 20 Prozent betragen.

Das Urteil im Uathenauprozetz.

Durch den Vorsitzenden, Reichsaericktsrat Lorenz wurde solgendes Urteil verkündet: Küchenmeister wird dem Antrag der Reichsanwaltschaft folgend sreioeiprochen, Brandt wegen Vergebens gegen § 139 des Strafgesetzbuchs wegen Unterlassung der Anzeige unter Fallenlassen der Anklage wegen Bei. Hilfe zum Mord zu vier Jahren Gefängnis und wegen unbefugten Waffenbesitzes zu 500 Mark Geld­strafe verurteilt. Die Geldstrafe und ein Jahr der Gefängnisstrafe sind durch die Untersuchungshaft verbüßt.___

Die französischen Sozialisten beruhigen sich.

Die Vorstände der zum Kartell der Linken ge­hörenden Kammerfraktionen haben heute Nach­mittag eine Sitzung abgehalten, in deren Verlauf die Sozialisten die Erklärung abgaben, daß das Ergebnis des Referendums weder den Bruch des Kartells noch die endgültige Aufgabe der Unter­stützungspolitik bedeute. Die Sozialistiche Partei bleibe im Gegenteil dem Grundsatz der Zusammen­arbeit mit den anderen Parteien treu und sei ge­neigt die Regierung zu unterstützen, wenn ihre Handlungen nicht im Widerspruch mit den Grund­sätzen der Sozialisten stehe. Was die Finanzreform anlangt, so wäre auf Antrag des Abg. Loucheur beschlossen worden, eine vermittelnde Formel zu suchen, die es den vier Fraktionen des Kartells gestatte, dem Gesetzentwurf, den Caillaux eingebracht habe, z u z u st i m m e n. Die Formä kann vielleicht darin bestehen, daß als Gegenmaß­nahme für die Vermehrung des Notenumlaufti Vorkehrungen getroffen werden zur Durchführung der finanziellen Sanierung und des allgemeinen Ausgleichs. Es soll also durch ein Amendement der jetzige Gesetzentwurf mit einem allaemeinen Sanierungsplan verbunden werden. Um dieses Kompromiß zu erreichen, ist die Kammer vertagt worden.

Das Finanzgesch angenommen.

wtb paris, 27. Juni. (Tel.) Eaillaux's nanzgefetz wurde von der Sammer bei der ®e- samtabsiimmung mit 313 gegen 34 Stimmen bei Stimmenthaltung der Sozialisten angenommen._______

Ausland.

* Zum Fürsten mord von Serajcwo. In Sera- jewo bat Massa Tschabrinowitsch, der Vater jenes Hedeijko Tschabrinowitsck, der am 28. Juni 1914 die erste Bombe gegen Erzherzog Ferdinand geworfen hat, einen Selbstmordversuch unternommen. Obwohl er im Sterben liegt, konnte er doch aussagen, daß er zu seiner Verzweiflungstat durch Not getrieben worden sei.

* Jugoslawien und Amerika. Die Regierung erwartet den Beginn baldiger Verhandlungen mit Jugoslawien zwecks Regelung der Schulden Jugoslawiens, die sich auf 65 Millionen Dollars belaufen.