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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadl und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Freitag, 26« Juni 1925.

Nr. 145.

Verantwortlich füt.bie Schriitlettung in Bertr: An ton Wetzle'. Anzeigen: I. P arteller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Vdirrtirdnei in Fulda. Uernlvrecher Rr. 9.

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Der Zollkampf im Reichstag.

i Der Pakt vor dem llnterhauje.

Der Beschluß der RtchrrStimmm.

In der Entwaffnungsnote, die vor einigen Wo­chen der Reichsregierung zugegangen ist, wird die ausdrückliche Feststellung der Reparationskommis­sion verzeichnet, daß Deutschland seine finanziellen Verpflichtungen erfüllt hat- Dieser Saß ist von entscheidender Bedeutung für die Räumung der Ruhr, denn diese ist in den Londoner Verhand­lungen abhängig gemacht worden davon, daß Deutschland seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt. Nachdem nun die Revarationskom- mission offiziell eine bezügliche Feststellung getrof­fen hat, muß nun auch die Konsequenz gezogen werden, die darin besteht, daß die für Mitte August zugesagte Räumung sich vollzieht.

Der in Düsseldorf präsidierende Oberkomman­dierende der Besaßungstruppen ist ersucht worden, den militärischen Abmarschplan auszuarbeiten und dem französischen Kriegsministerium in Vorlage zu bringen. Aber dieses Ersuchen ist nur eine For­malität, denn in Wahrheit sind die Pläne im ein­zelnen schon ziemlich fesfftehend. Danach darf man mit einer etappenweisen Räumung der Ruhrzone rechnen. Es scheint, daß in erster Linie die Gebiete um Dortmund und Gelsenkirchen freigemacht wer­den, daß sodann das Bochumer und zuletzt das .Essener Gebiet folgt. Wenn wir auch mit Genug- ühnmg diese Vorbereitungen verzeichnen, so ist es doch notwendig, darauf hinzuweisen, daß Frank­reich damst nicht etwa eine besonders entgegen­kommende Handlung vornimmt, sondern daß da­mit, spät genug, endlich an die Wiedergutmachung seines uns angetanen ungeheuren Unrechts heran­getreten wird. Man kann nur wünschen, daß die französische Regierung mit Beschleunigung diese uns zugefügte schwere Ungerechtigkeit ausgleicht, und man muß des weiteren erwarten, daß nicht nur die Ruhrgebiete, sondern auch die vollständig zu Unrecht besetzten und bis heute zu Unrecht beseht gehaltenen Gebiete von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort sofort freigemacht werden, denn diese Ge­biete sind seinerzeit beseht worden, um uns zu der Annahme des Londoner Zahlungsplans zu zwin­gen. Mit den Londoner Vereinbarungen ist aber dieser Zahlungsplan vollständig hinfällig gewor­den. Die entsprechende Schlußfolgerung, nämlich die Zurückzieb'inq der Besatzung aus den genann­ten Städten, ist jedoch bis heute noch nicht erfolgt. Auch jeht lassen die Pariser Beschlüsse betreffend die Ri'brräumung die entsprechende Klarheit in diesen Dingen nicht erkennen.

preußischer Landtag.

Am Mittwoch wurde der Antrag der Sozialdemo­kraten auf Gewährung einer WirtschastSbeihilie an die Beamten der unteren BesoldunqSaruvPen in Höhe von 100 Mark, dem Antrag Dr. Schmedding (Zt-.) ent- sprechend mit knapper Mehrheit dem SauptauSschutz überwiesen. Die zweite Beratung des DomänenhauS- Halts wird nach kurzer Aussprache unterbrochen. Das HauS nimmt die Wiederholung der namentlichen Ab» ßtimmung über den Jnitiativaesetzentwurf vor, durch den die Wahlzeit der Provinziallandtage und »er Kreistage und ihrer Mitglieder bis zum L November 1925 verlängert wird. Mit 223 gegen 48 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen wird der einzige Artikel des Gesetzentwurfes in 3. Lesung angenommen und darauf daS Gesetz im Ganzen. Die Parteien der Rechten sttmmen mit den Kommunisten gegen das Gesetz. Die vom HauptauSfchuh zur Pachtordnung beantragte Entschließung wird nach längerer Erörterung zur Geschäftsordnung gegen die Parteien der Linken in der Fassung angenommen, daß das Staatsministerium ersucht werden soll, auf die Reichsregierung einzuwtrken, baldigst einen Gesetzentwurf einzubringen, der den sozialen Pachtschutz regelt. Bis zur Erledigung eines derartigen Gesetzes müssen, um jede Beunruhigung in der Regelung der Pachtverhältnisse zu vermeiden, die jetzt geltenden Bestimmungen über den sozialen Pacht- schutz in Kraft bleiben. Die Anträge der Kommunisten werden abgelehnt.

Donnerstag: Fortsetzung der Etatsberatung.

Erhöhung der Vier- und Tabak­steuer abgelehnt.

Der Steuerausschuß des Reichstages be­schäftigte sich in seiner Mittwoch-Sihunq mit der Vorlage über die Erhöhung der Bier- und Tabak­steuer. In der Fortsetzung der allgemeinen Aus­sprache wandte sich Abg. Hertz (Soz.) in Anleh­nung an einen vorliegenden sozialdemokratisch­demokratischen Antrag, der die Ablehnung der Bier- und Tabaksteuer wünscht, gegen diese geplante Er­höhung. Abg. Fische r-Köln (Sem.) wendet sich dagegen, daß die Regierung bei der Beratung einer Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer dem Aus­schuß Zahlenmaterial dafür vorgelegt habe, daß im ganzen Etat ein großes Defizit herrsche. Jede Steuer müsse individuell behandelt werden können. Auch gegen außenpolitische Fragen dürfe in die­sem Augenblick eine Erhöhung der Bier- und Ta­baksteuer nicht beschlossen werden. Man dürfe sich bei dieser Frage nicht überstürzen. Eine Regie­rung, die sich zur Herabsetzung der Umsatzsteuer bereit erklärt hätte, dürfe nicht mit einer neuen Erhöhung in direkten Steuern kommen, bevor der Ermäßigungsfatz der Umsatzsteuer bekannt sei. Fi­nanzminister v. S ch l i e be n : Der Abg. Fischer hat gefragt, warum die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer für die Regieruna so eilig sei. Dem­gegenüber muß ich erklären: Wenn die »Frage die­ser Erhöhung hier nicht geregelt wird, bin ich nicht in der Lage, den Etat der allgemeinen Finanzver­waltung vorzufegen, der dann gänzlich umgearbei- tet werden müßte. Ich bin aber im parlamenta­rischen Leben sehr bewandert und daher zu Kon­zessionen bereit. Die Finanzlage ist gegenwärtig so, daß ich auf diese Steuererhöhung grundsätzlich nicht verzichten kann. Nach weiterer Debatte würde der Antrag Fischer (Sem.) und Hertz (Soz.) auf Ablehnung der fraglichen Regierungsvorlage mit 15 Stimmen der Soz., Komm., Sem.. Völk, und Wirtschaftspartei gegen 13 Stimmen der übrigen Parteien angenommen.

Erster Waffengang.

Nun ist der Zollkampf, nachdem er so viele Wochen lang hinter den parlamentarischen Ku­lissen, einer größecen Oeffentlichkeit kaum erkennt­lich, getobt hat, auch in die öffentliche Arena ge­bracht worden. Und sofort, als das geschah, sind auch mit einem Male Temperament und Tempo der parlamentarischen Verhandlungen mächtig in Schwung gekommen.

Ser Zollkampf für sich allein wäre schon An­laß genug, um nach außenhin die Tatsache zu er­kennen zu geben, daß die Gegensätze nicht nur innerhalb des Parlaments, sondern auch innerhalb der Regierung von außerordentlicher Schärfe sind. Es ist schon etwas daran, wenn in den letzten Tagen mehrfach von einer latenten Regierungs­krisis gesprochen wurde. Nur liegen die Singe so, daß die Schwierigkeiten für die Regierung nicht von den außerhalb der Regierung stehenden Parteien herrührten, sondern in der Unsicherheit und Uneinigkeit der Regierungsparteien selber ihre Begründung hatten. Selbstver­ständlich mußte eine derartige Situation auf die Regierung selber zurückwirken, die in einem lan­gen, zähen und heißen Ringen mit den maßgeben­den Führern der Regierungsparteien für die Vor­lage sich eingesetzt hat. Sie Singe sind schließlich soweit gediehen, daß die Reichsregierung die Ver­abschiedung der Zollvorlage als eine unerläßliche Voraussetzung für die ganze Finanz- und W'-rt- schaftsreform überhaupt ansieht und daß sie un­umwunden zu erkennen gegeben hat, daß eine SeaDouierung in diesem Punkte von ihr gar nicht anders als mit einer Semifsion beantwortet wer­den könnte.

Kein Fernstehender kann sich eine Vorstellung davon machen, welche Kämpfe hinter den Ku­lissen schon haben ausgefochten werden müssen, um wenigstens bis zu diesem Punkt der politischen Entwicklung zu kommen. Und nun sollen die Singe in offener Feldschlackst geordnet werden. Wie nun die Singe flehen, ist selbst nach Auffassung der zollfreundlichsten Parteien kaum damit zu rech­nen, daß die Regierung ihre Vorlage sowie sie sie fetzt an den Reichstag gebracht hat, durchbrin­gen wird. Diese Erkenntnis dürfte auch von einem Teil der Reaierungsmitglieder selber geteilt werden, sodaß die Position der Regierung in die­sem Ringen nicht gerade leicht fein wird. Sogar über die wichtigste und zugeich einfachste Frage ist heute noch nicht einmal volle Einigkeit selbst in den Regierungsparteien geschaffen, über die Frage nämlich, ob Industrie- und Agrarzolle zu g l e i ch er Zeit geschaffen werden können. Man sollte meinen, daß diese Auffassung doch ausgeschlossen fein müßte, daß man zwar Jndustriezölle schüfe, aber keine Zölle für die Landwirtschaft. Die landwirtschas- liche Produktion hat gleichfalls unbedingten An­spruch auf unmittelbaren Schutz. Indessen finden die Agrarzölle nicht allein bei der Linken, sondern auch bei einem Teil derjenigen Parteien, die stark mit Industrievertretern besetzt sind, lebhaften Widerstand.

Ein Vorspiel von den Dingen, die wir jetzt zu erwarten haben, gab bereits die erste Lesung über die Zollvorlage, die schon einen recht lebhaften Zug trug. Sie Regierung war mit dem Reichs­kanzler durch den Reichsfinanzminister v. Schlie- b e n, den Ernährungsminister Grafen K a n i tz, dem Wirtschaftsminister v. Neuhaus und dem Innenminister S ch i el e vertreten. Welche Be­deutung man auch in weiteren Kreisen der Sebatte zumaß, gab sich nicht nur in den üb erfüllten Tri­bünen, sondern auch in der Anwesenheit einer Reihe ausländischer Siplomaten kund.

Sie Regierung schickte den Reichsfinanzminister zur Begründung der Vorlage vor. Soch wurden seine, freilich auch recht allgemein gehaltenen Sar« legungen, die sich insbesondere auf die Begrün­dung der Veränderung der wirtschaftlichen Situa­tion und auf die Notwendigkeit des Schutzes der Produktion bezogen, von einem großen Teil des Hauses als unzureichend gehalten. Insbesondere lärmte die Linke heftig auf. die nun in dem frü­heren Wirtschaftsminister W i s f e l ihren Vertreter zur Tribüne rief. Wissel setzte sich in schärfster Kri­tik mit der Regierung auseinander, an die er die offene Frage richtete, ob sie bereits mit den Par­teien wegen her en bloc-Annahme ganzer Ab­schnitte verhandelt habe. Sie Regierunasmitglieder verhaften sich Gegenüber dftser Frage schweigend. Im Saal entfaltet» sich ein stürmisches Echo. Wis­sel bezeichnet die Vorlage als Hockschutzzöllnerisch und seine Sorlegunoen, daß zwischen dem zehn- nnd vierziatachen an Mehr der Vorkriegszölle durch die neue Vorlage anaeforbert würden, löste eine stürmische Erregung im Hause aus. Sie Scnial- demokratie läfu burch ihren Snrerher von der Vor- iaoe faaen: daß sie zu einem Fluch für das deutsche Volk wird.

Sas sinh die Töne, auf die die sozialdemokra­tische Begleitm'ckik zu der Zollvorlaae nunmehr ge­stimmt wird. Sas kann ia allerliebst werden! Saß die Kämvse einen ganz heftigen Charakter anneh­men werden, ergibt sich auch daraus, daß die Kom­munisten nunmehr eine offenbare Schwenkung vor­bereitet! und -war in dem Sinne, daß sie gemein­sam mit hen Sozialdemokraten die Zollncmlage nut all-n Mftteln parlamentarisch»:- Oopolifion und Obstruktion zu bekämpfen entschlossen sind. Sas wird übrigens den Anfang einer neuen Taktik der Kommunisten darstellen, die jetzt das Steuer her« ummerf»n "tih. stutzig gemacht durch ihre wieder­holten Wablniedei-laaen unh aufgerüttelt durch ver- fchl»h»ne nickst schlechte Rüffel, die sie von Moskau erhalten haben, eine völlige Aenderung ihrer Hal-

Keine Überraschungen.

tung im Reichstag und auch in Preußen vorbe­reiten.

Sitzungsbericht.

Das Haus nimmt die erste Lesung des Gesetzentwurf, über Zolländerungen vor.

Reichsfinanzmimster v. Schlieben: Der jetzt geHenbc Zolltarif, der vor mehr als 24 Jahren von dieser Stelle aus zur Annahme empfohlen wurde, ist heute absolut veraltet Es ist erforderlich, darauf hinzuwirken, daß die hohen Zollmauern der Gegenseite abgebaut werden. Die neue Gliederung des Zolltarifs soll hierzu beitragen. Cs ist notwendig, zu klaren'Verhältnissen zu kommen, weil sonst die HandelsvertragsverhandluNl gen zum Stillstand kommen müssen. Es ist die Pflicht und Aufgabe der Reichsregierung, durch Wieder­einführung der agrarischen Zölle die deutsche Landwirt­schaft als Träger der Volksernährung zu schützen (Hört! Hört!). Es soll dabei aber in weitem Umfange Rücksicht genommen werden auf die Verbraucherschaft (Ge­lächter links.) Die Rcichr. egierung lehnt die Mindestzölle ab und hält grundsätzlich an dem Einheitstarif fest. Zum Schluß hob der Minister die groß- Bedeutung der Zollvorlage für die deutsche Wirtschaft und ihre Produk­tion hervor und bat, die Zollvorlage beschleunigt, und zwar noch vor den Sommerserien zu verabschieden. (Bei­fall rechts. Gelächter links.)

Abg. Wissel lSoz.) Die Gesarnttendenz dieser Zöllner- läge ist so h o ck: s ch u tz z ö l l n e r i s ch (Sehr wahr! links,, daß man die Aeußeruna des Ministers, man wolle auf die Berbaucherschaft Rücksicht nehmen, nicht sehr ernst neh­men kann Der Hochschutzzollpolitik der neuen Zollvorlage, die wir auf keinen Fall mitmachen, steht eine Aeußerung des Außenministers Dr. Stresemann entgegen, der in Hamburg erklärt hat, die Abschließunq des deutschen Marktes durch Schutzzölle sei u n d u r ch f ü h l b a r. Ich bin neugierig, wie Dr. Stresemann mit seiner Dialektik erklären will, daß diese Zollvorlage mit seiner Hambur­ger Aeußerung in Cinklana stehe: Erhöhung der Kauf- krakt und Befreiung von Zöllen müsse das Ziel sein. Wenn diese Vorlage Gesetz wird, werden schwere soziale Kämpfe, insbesondere Lohnkämvfe die Folae fein. Die Vorlaae wird 3U einem Fluch für das deutsche Volk wer- den. (Beifall links.)

Abg. Thomsen (Dntl.): Mir sind der Meinung,daß d'e Vorlage so schnell wie möglich verabschiedet werden mutz, damit bei den Handekrvertragsverhandlungen die deut- scheu Vertreter eine Handhabe bekommen. Die Zoll­vorlage, die ja nur ein Provisorium sein soll, hat die Aufaabe, den Schutz der lebenswichtigen einheimischen Produktion und die nötwendiae Förderuna unserer Aus- fuhr. Sie darf aber nicht zum Zankapfel werden zwi­schen Verbraucher und Erzeuger und 'wischen Landwirt- schäft und Industrie. (Zustimmung rechts.) Mir erachten die Z o l l s ä tz e in der Vorlage für viele Positionen, auch die landwirtschaftlichen als genügende Grundlage der Handelsvertragsverhandlungen zu gering. 9B:r werden auch dafür eintreten, daß Obst-, Gemüse- und Gartenbau durch Zölle geschützt werden, was gerade den kleinen Gutsbesitzern zugute kommen wird. (Sehr gut, rechts.: Langfristige Handelsverträae können wir auch n'cht ge­brauchen. Unsere Wirtschaft müsse in Zukunft autonom für den Abschluß von Handelsvertägen sein. (Seif, rechts.)

Aba. Dr. Dessauer (Ztr.) Eine Zolloorlage ist un­aufschiebbar. Sie ist überhaupt ein notwendiges Mittel für den notwendioen Abschluß von Handelsver­trägen. Die Landwirstchast braucht eine Stütze, weil von ihrem Bestehen auch die Existenz der Arbeiter­schaft abhängt. Die deutsche Ausfuhr h<struq 1903 mehr als das dopnelte, wie sie h-ute beträat. Die deutsche Wirtschaft wird ihren Platz arf dem Weltmarkt wieder einnehmen, wenn einmal die R^chtsbasis für die deut­schen Waren im Ausland durch Handelsverträge gesichert ist und andererseits, wenn das Ausland uns wieder braucht, rnh es wird uns wieder brauchen, wenn die Qualität unterer Waren überwogt. An Freihan­del ist nickt zu denken für Deutschland. Denn wir sind nicht allein auf der Welt und die anderen haben ihre Gebiete mit hoben Zölle gesichert. Darum müssen auch mir Zölle schaffen. Die notwendigen In- dustriezölle dürfen aber nicht ohne die notwendigen Agrarzölle durchgeführt werden. Di" Zentrums­partei wird sich an den Ausschutzarbeiten über die Zoll- Vorlage heteiliaen und fick für die rasche Erledigung einsetzen. (Hört, hört, links.) Es dürfe aber bei diesen Beratungen keine Interessenpalitik getrieben werden, sondern "es müsse geschehen zum «Heile des ganzen Vol­kes. kBeifall.)

Aba. Dr. Schneider-Dresden (D. Vvt.) betont, daß lm Interesse der deutschen Handelsnolitik die Zolloorlage keineswegs bis zum Herbst hinausgezöaert werden dürfe, sondern sie müsse so rafch als möglich erledigt werden. Auch der Gedanke, daß die Vorlage nur etwas Vorläustaes schaffen fo,re. könne dock über manche Be­denken hinweghelfen. Die Zolloorlage fei nur ein Aus­druck der zwanosläufiaen Fortsetzuna der herkömmlichen dentscken Handelspolitik. Heute könne kein einziger Industriestaat sich als Freibandel-staat aufhtn, d-nn er ist umgeben von Hockfck>utzwllöntz<-rn. Ehe nicht die Zollmauer der anderen Lander fällt, kann auch Deutsch­land nicht auf hi» Zölle verzichten. Deutschland sei be­sonders notleidend durch die Reparationen belastet und könne erst reckt nicht auf diese Zölle verzicht-n. Die Fraktion der Deutschen Volk«vartei spricht ssck für die baldige Annahme dec Zollvorlagen aus. (Beifall rechts.)

Abg. Dr. Rofenherq (Komm ): Die Kommunisten kön­nen im Interesse der msterdrückten Arbeitnehmer die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt nicht annetzmen. (Zu­stimmung links.)

Aba. .'sehr (Mirtfch. Vgg.) gibt namens der wirt­schaftlichen Vereinigung ein» Erklärung ab in der es u. a. heisst: Mir haften die Vorlage eines Gesetzes über Zollsätze für eme Notwendigkeit Anck die Zollmauern der anderen Staaten nötioen Deutschland, neue Zölle zu schaffen. Selbstv-fvänhlick müssen die Zölle alle Wirtschafta-weiae umfassen, allo auch die Landwirtschaft, als der Grundlage her aefamten deutschen Wirtschaft, , ^n notwendigen Zollschutz geben.

H Aba. Horlacker (Bon. Vvt.) unterstreicht die N o t - mendiokeit der Zollvorlage und letzt fick haM be­sonders für die Landwirtschaft ein. Erforderlich sei ein trogsähwes Kompromiß zwischen Industrie und Land­wirtschaft zum Mohle des deutschen Volkes. (Zustim­mung rechts.) Deutscklgnh stehe ein»m ,zoflgerültet»n Auslände gegenüber und müsse diese Rüstung auch für sich selber schaffen. Di» Schutzzollvorlage soll die Hei­mische Wirtschaft lebensfähig erhalten.

Wciterberatupgg S&nncräta&

Die Rede Chamberlains, die er am Mittwoch vor einer dichtgefüsiten Tribüne und Diplomatenloge hielt, in der u. a. auch die Botschafter von Frank­reich, Deutschland, Belgien und der englische Bot­schafter in Berlin, Lord d'Abernon, anwesend waren, war in mancher Beziehung eine starke Lnt« täuschung. Chamberlain sprach den ersten Ten seiner Rede sehr langsam und vielfach stockend und richtete seine oanze Beweisführung darauf, seine englischen Gegner in der.Arbeiterpartei und tm konservativen Laaer zu entwaffnen und alle dem Gedanken eines Westpaktes günstig zu stimmen.

Der englische Außenminister erklärte: Was auch immer in der Vergangenheit möglich gewesen sei, keine Nation könne sich heute isolieren. Alles was ernstlich den Frieden Europas berühre, müsse jede Nation berühren, ob sie kriegführend sei oder nicht. Die Zurückhaltung des britischen Rei­ches. insbesondere von den europäischen Angelegen­heiten, habe niemals den Interessen des Friedens gedient und werde ihnen niemals dienen. Cham- betlain sagte weiter: Unsere Unterschrift unter bie Völkerbundssatzung ist unvereinbar mit einer Isolierung. Unsere Sicherheit liegt nicht in dem Trachten nach einer unmöglichen Isolierung, sondern in ihrem weisen und klugen Gebrauch un­seres Einflusses und unserer Macht, um den Frie­den zu erhalten und um zu verhindern, daß ein Krieg wieder ausbrichl. Es bestehe kein Vertrag oder Vertragsentwurf. Sem Unterhaus liege nur eine vorläufige Mitteilung dessen vor, was nach Ansicht der verschiedenen Länder für fie zu unter­nehmen möglich sein würde und der Richtung, in der sie nach ihrer Ansicht weiterkommen könnten. Chambelain sagte: Unsere neuen Verpflichtungen müssen endgültig auf der Grenze zwischen Seutschland einerseits und Frankreich und Belgien andererseits beschränkt werden. Auf unsere Ga­rantierung dieser Grenzen darf sich niemand, der Unrecht tut, berufen, um bei seiner Rechtsver- letzung geschützt zu werden. Ser gesamte Plan sei ein sehr großer Schritt in her Richtung auf die Abrüstung, da er zur Beseitigung der Furcht beitrage. Er appelliere für ein nationales Zu­sammenwirken zur Lösunn des großen nationalen Problems und zu seiner Regeluna in nationalem Geiste. Sie Furcht beherrsche jede« Land. Sie Gefahren eines neuen Kampfe« seien im Laufe der Zeit nicht geringer, sondern größer geworden. Jetzt stehe eine neue, vielleicht letzte Gelegenheit offen, die auf bie Initiative Seutfchlanbs zurückzuführen unb von Frankreich in einem freunbfchaftlichew unb versöhnlichen Geiste ausgenommen worben fei. wenn bie großen Weftmächteber Welt ein Bei­spiel gäben, um ben Frieben zu erhalten, ihre Sif- serenzen an ein Schiebsoerickt zu verweisen,. wer könnte bann sogen, welche Wirkung biefes Beispiel auf bie kleineren Mächte haben könne, deren Strei­tigkeiten in her Vergangenheit den Frieden unb bie Ruhe anberer Teile ber Welt störten unb bereu Eifersucht sie noch heute stören. Siefe Vorschläge böten große unb glückliche Aussichten auf eine bes­sere unb frieblichere Welt. Sie würben ieboch zu nichts führen ohne bis britische Mitw'rkuna. um bie er bas Haus unb bas ßanb im Interesse einer nationalen Politik bitte.

Die Wirren in China.

Nock Telegrammen aus Hongkong steht her Aus­bruch von Feindseligkeiten zwischen den Truppen des Generals Tsckanatfolin unh denen des Generals Feng unmittelbar bevor. In Peking und Schanghai ist ber Belagerungszustand verhängt. Für Donners­tag wird in Pek n i eine neue grosse ausländerseind- liche Kundgebung erwartet. Die Engländer haben zum Schutz des Fremdenviertels Verstärkungen ber« angezogen. D-r Sowjelbotsckafler in Peking erhofft von einer chinesisch-russischen Konserenz die Beilegung he? Konflikts und ist in diesem Sinne bei der Pekinger Regierung vorstellig geworden. Ein bewaffneter Haufen Aufständischer griff die Zollstation in Ningpe an. Ein Japaner und ein Russe wurden getötet, das Gebäude vollkommen zerstört. Ein amerika­nischer Zerstörer ist nach Ninepo unterwegs.

Englisch-amerikanische Mobilmachung.

wtb. Paris, 25. Juni. (Sei.). Nach einem Sonberberichk derChicago Tribüne" sind bei dem gestrigen Angriff der chinesischen Studenten auf die Fremdenniederlassung Chameen 70 Studenten getötet worden. Ein amerikanisches Unterseeboot sei nach Ehambeen unterwegs, um die amerikani­schen Bürger zu schuhen. Aus Anordnung der britischen Militärbehörde sei ein Regiment von, Hongkong zum Transport nach Schanghai mobili­siert worden. Ein britisches Geschwader von Siga- pore sei fertig zum Aufbruch in die chinesischen Gewässer, falls die Lage sich verschlimmern sollte. In Amoy in der Provinz Fukiang nehme die Hal- tung der demonstrierenvLn Lhinefen einen drohen­den Charakter an. Es ständen amerikanische und englische Kriegsschiffe bereit, um die Frauen und Kinder an Bord zu nehmen.

Veutsche; Reich.

* Im Reichstag ist ein Antrag der Deutsch- Nationalen, des Zentrums, der deutschen Volkspartei, ber wirtschaftlichen Vereinigung unb ber bayerischen Volks Partei eingegangen, bie Geltungsdauer bet dritten Steuernotverorbnung bis zum 15» Juli 1925 zu verlängern.

* Zusammenbruch einer Ueberführung. Im Zentrum von New Aork brach unter der Last eines auf ihr stehenden Zuges eine Straßenbahnüber- sührung zusammen. 38 Personen wurden schwer ,, verlebt.