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Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda. Amlliches Kreisblakk.

Nr. 143.

BerantwortliL !ürdie Sdjriitleituna in«ertr.: Anton Wehler- Anreisen: J-D arrrller, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der Fuldorr Vdinifci vdwi in Fnldo. NernlvreLer Rr. 9.

®DnntIicber verusrvreir: 1.50 Mk.

Mittwoch, 24. 3uni 1925.

Anrrisen-Preil; Rlehueile (Colonel) lokal 0.15 Goidmarl 4u8»6stS 0L0 «oldmark: Reklame, eile lokal 0.60 »oldmark aurwSrtS 0,80 Soldmark.

«ei Wiederdolunqen Rabatt. Frankfurt a. M. 4051.

52. Zahrg.

Der LicherheitspaKt.

Die engNsche Haltung.

Die englische Presse unterstreicht halbamtlich, baß die Pariser Paktnote nur einen vorläufi­gen Charakter trage und nichts anderes be­zwecke, als eigentliche Verhandlungen zu ermög­lichen. Außerdem werde die englische Regierung keinem Pakt zustimmen, der mit der Satzung des Völkerbundes im Widerspruch stände. Es sei da­her ausgeschlossen, daß der Pakt praktisch zur An­wendung komme, ehe alle Friedensmittel des Völ­kerbundes erschöpft seien. DerObserver" sagt, niemals werde Frankreich das Recht zugestanden erhalten, nach eignem Gutdünken um Polens wil­len Deutschland zu bekriegen. DieSunday Times" stellt fest, daß die große Mehrheit des britischen Volkes zweifellos vorziehen würde, von allen euro­päischen Verpflichtungen frei zu sein. Da dies jedoch unmöglich sei, müsie der geplante Pakt wenigstens auf die Westgrenzen beschränkt blei­ben. Der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt, in Regierungskreisen werde Rachdruck aus die Tatsache gelegt, daß CH a m b e r- la in bisher weder Deutschland noch Frankreich gegenüber eine bindende Zusage gegeben habe. Unter den Fragen, welche im Verlaufe der Unter- hausdebatte zur Sprache kommen würden, seien folgende zu erwähnen: Würde nicht die französische Auslegung des Paktes für Deutschland jede Mög­lichkeit eines Versuches beseitigen, durch friedliche Mittel eine eventuelle Aenderunq seiner Ostgren- tzen zu erreichen? Würde der Pakt ein gegen- fettiger sein, was Großbritannien betrifft, d. h. würde Großbritannien von Frankreich und Deutsch­land Garantien erhalten, denen enffprechend letztere ü)m Hilfe zu leisten hätten für den Fall, daß es selbst angegriffen wird? Wie könne eine Garantie der Grenzen Deutschlands, das selbst ein unbe­waffnetes Land fei, durch Großbritannien wirksam gemacht werden?

Die Konferenz der Ministerpräfi- b e n t e n, die zur Sicherheits- und Entwaffnungs­note Stellung nehmen soll, wird voraussichtlich Ende dieser Woche statffinden.

Deutscher Aottenbesuch in Holland.

Der deutsche KreuzerAmazone" mit einer Be­mannung von 50 Offizieren und 300 Mann traf, von einer großen Menschenmenge freudigst begrüßt, im Rotterdamer Hafen ein, wo er von Vertretern der städtischen und staatlichen Behörden, sowie der deutschen Vertretungen in den Niederlanden her», lichst begrüßt wurde. Der Kommandant, sowie die Offiziere wurden offiziell im Rathaus empfangen und §unt Tee geladen. An diesem Empfang nahmen Offiziere der niederländischen Flotte teil.

Die kommende Amnestie.

Wie uns aus parlamentarischen Kreisen mit- geteilt wird, stehen auch jetzt noch nicht die Grund- züge der neuen Reichsamnestie fest, von der im Zusammenhang mit der Reichspräsidentenwahl wiederholt die Rede war. Die an den Reichstag und direkt an den Reichspräsidenten gelangenden Besuche um Begnadigung gehen jetzt schon etwa Sn das zehne Tausend. Derartige namentlich an den Reichspräsidenten gerichtete Gesuche haben gar Leinen Sinn, weil tue Begnadigungen in den mei­sten Fällen Sache der Länder ist.

Gerade weil hierbei ein wichtiges Sonderrecht 6er Länder in Frage kommt, ist es auch nicht leicht, die zwischen Länder und Reich bestehenden Schwierigkeiten bei der Erledigung dieser Ange­legenheit auszuräumen. Denn das Rahmengesetz für eine Amnestie wird natürlich das Reich z« chaffen haben. Grundsätzlich kann hierfür gesagt werden, daß ausschließlich politische Derbre- chen und Vergehen von einer derartigen Amnestie «saßt werden, nicht also etwa bürgerliche Set* gehen. Es ist beabsichtigt, unter die Reichsamnestie Freiheitsstrafen fallen zu lasten, die bis zu einem Höchstmaß von einem Jahr gehen. Zuchthaus- jstrafen sollen von der Amnestie ausgeschlossen wer­den. Auch Geldstrafen werden erfaßt, soweit sie Nicht einer höheren in Freiheitsstrafe umgesetzten Bestrafung entsprechen, als bis zu einem Jahr. Wied er Holter Hochverrat, ebenso Straftaten, Sbei denen Menschenleben zu Schaden gekommen find, auch Raub, Brandstiftung, Gefährdung von Transporten sollen von der Amnestie ausgeschlos­sen bleiben. Das Gleiche soll gelten für Verbrechen und Vergehen, für die die 'Motive aus Rohheit oder Eigennutz entsprungen sind.

Bis jetzt ist es noch nicht möglich gewesen, zwischen dem Reich und den Vertretungen der Länder diejenige Grundlinie zu schaffen, die es den Ländern auch ermöglichen würde, ihrerseits eine der Reichsamnestie folgende Landesamnestie einzureihen. Auch gewisse politische Gesichts­punkte spielen hier herein. Jedenfalls ist es außer­ordentlich schwierig, die Verhandlungen zu Ende gu bringen, weil sich vielfach auch die Interessen der Länder gegenseitig bei der Behandlung und Beorderung dieser Dinge berühren. Immerhin ist die Amnestiefrage in der Tat von einer derartig -großen Bedeutung, daß der Reichstag dazu Stel­lung nehmen muß. Wenn es nicht gelingt, daß Reich und Länder zu einer Verständigung fom* nen, ist gar kein anderer Weg möglich, als daß 6ie Parteien von sich heraus diese Dinge in Fluß bringen. Wie wir hören, werden in parlamen­tarischen Kreisen auch bereits derartige Schritte .vorbereitet.

Ehrendoktor Stegerwald.

Am Samstag hat die katholisch-theologische Fakultät der Universität Bonn dem früheren Reichskanzler Marx die Würde eines Dr. phil. ehrenhalber verliehen. Gleichzeitig wurde der Reichstagsabgeordnete Adam Stegerwald von der Staatswissenschaftlichen Fakultät in Bonn zum Ehrendoktor promoviert.

Mit dieser Ernennung Stegerwalds zum Ehren­doktor durch die Staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Bonn hat die dem politischen Streben der letzten drei Jahrzehnte eine ganz be­sondere Rote aufprägende Persönlichkeit Steger­walds die ihr gebührende Anerkennung und Wür­digung auch nach der akademischen Seite hin erfahren.

Adam Stegerwald, Zentrumsabgeordneter des Reichstages und zweiter Vorsitzender der Zen­trumspartei, preußischer Ministerpräsident und Minister für Volkswohlfahrt a. D., Vorsitzender des Deutschen Gewerkfchaftsbundes und des Ge­samtsverbandes der Christlichen Gewerkschaften, wird am 14. Dezember dieses Jahres 51 Jahre alt. Aus kleinen Verhältnissen heraus durch eine harte und entbehrungsreiche Jugendzeit hat sich Steger­wald durch das politische, soziale und wirtschaft­liche Kampffeld hindurchgerungen, um sich schließ­lich eine Position zu erobern, wie sie selten einer schaffenden Persönlichkeit beschicken wird. Das Leben und die Wirksamkeit einer solchen Persön­lichkeit spielen sich selbstverständlich nicht unange­fochten ab. Rur unter stetigem Kämpfen unb Ringen konnte sich die Laufbahn Stegerwalds im politischen und wirtschaftlichen Leben vollziehen. Stegerwald hat selber Aufzeichnungen aus seinem Leben (im Chrisüichen Gewerkschaftsverlag Berlin- Wilmersdorf) erscheinen lassen, die überaus auf­schlußreich für sein Werden sind. Aber auch für die innerpolitische Entwicklung, soweit die schwere Kriegs- und Nachkriegszeit in Frage kommt, findet sich hier ein reichhaltiges Material. Was Steger­wald als Führer der chrisüichen Gewerkschaftsbe­wegung geleistet hat, nicht allein, um die soziale Hebung der Arbeiterklaffe zu fördern, sondern auch um die in der Arbeiterschaft tätigen positiven Kräfte dem Staat nutzbar zu machen, wird auch erst eine spätere Geschichtswürdigung in vollem Umfange klarstellen können.

Von 51 Jahren seines Lebens hat Stegerwald bisher 28 Jahre der Gewerkschafts- und Staats­arbeit überwiegend gewidmet. Er selber äußert sich am Schluffe seiner Erinnerungen darüber folgendermaßen:Es liegt hinter mir ein Leben vielseitig, reich an Erfolgen und auch an Enttäu­schungen. Und trotzdem: Ich glaube an die hohe Mission der christlich-nationalen Arbeiter- unij Gewerkschaftsbewegung im Dienste der Arbeiter­schaft und des deuffchen Volkes. Dieser Glaube ist es, der mich aus dem Staatsdienst und aus denHöhen des Lebens" wieder in die Gewerk­schaftsbewegung zurückgeführt hat".

Nun ist ihm mit der akademischen Ehrung als Ehren-Doktor eine Würde zuteil geworden, über die wir nicht nur deshalb Freude und Genugtuung empfinden, weil Stegerwald einer der unfrigen ist, sondern auch deshalb, weil sie einem Manne zuteil wird, der, wenn auch oft in feinen Zielen verkannt, und darum angefeindet und bekämpft, fein Alles einsetzt für seines Volkes und seines Vaterlandes Größe.

Um die Regierungserweiterung in Preußen.

Im preußischen Landtag wurde Montag nachmit- tag die Frage der RegierungSerweiternng von Ver­tretern der deutschen Volkspartei, deS Zentrums, der Demokraten und der Sozialdemokraten erneut be­sprochen. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Das Zentrum wird demnächst konkrete Vorschläge an die übrigen Fraktionen richten.

China.

Die Arbeiter in Hongkong haben eine geheime Gesellschaft, genannt Arbeiterkommission, gebildet, die der Regierung von Kanton beigegeben werden und Vollmachten hinsichtlich der Streikange­legenheiten erhalten sollen. Diese Kommission for­dert u. a. das Recht der freien Meinungsäuße- AAS, gleichmäßige Behandlung aller Chinesen, Abschaffung des Deportationsgesetzes und der Un­terscheidungen bezüglich der Geburteneintragung in bas Zwilregister, das Recht für die Arbeiter, Chi- nesen in den gesetzgebenden Rat zu wählen, Derbes- l^ug Der Arbeitsbedingungen, Einführung des Achtstundentages, Verbot der Kinderarbeit und die Erlaubnis für die Cinefen, in den europäischen Vierteln zu wohnen.

Bolschewistische Wühlereien.

wtb. London, 23. 3uni 1925. (Tel.). Laut --Daily Telegraph" sind gestern Berichte ans Tokio m London eingetroffen, denen zufolge die Un r u- hen in der Mandschurei um sich greifen. Es werde angenommen, daß bolschewistische Agen­ten die Abwesenheit Tschangsolins ausnuhen um gegen ihn und die Ausländer Aufstände an zu zet­teln. Das Ziel ist vielleicht. Tschangfolin zu zwin­gen, aus Tientsin zurückzukehren. In britischen Kreisen herrsche die Ansicht, daß die Lage in China stündlich ernster werde. 3n London fanden anglo- amerikanische Besprechungen über die chine­sische Krise statt. Bisher seien jedoch noch keine beffimmten Beschlüsse gefaßt worden.

Die Streikbewegung ist im Wachsen be­griffen. Die Arbeiter und Schriftsetzer desDaily Bullelin" haben Berits die Arbeit niebe-i.'Tegt. Die Schriftsetzer anderer europäischer Druck' drohen, ebenfalls in den Streik zu treten.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag nahm am Montag in allen drei Le­sungen den von dem Deutschnationalen Dr. Preger und Gen. eingebrachten Gesetzentwurf zur Aenderung des Weinsteuergesetzes an, ebenso in dritter Be­ratung den Gesetzentwurf über die Wechsel- und Scheck­zinsen. Es folgte die erste 'Beratung des Gesetzentwurfs zur Aenderung der Verbrauchs st euer n. Abg. Brüninghaus (D. Vpt.) beantragt die Ueberweisung der Vorlage an den Steuerausschuß und die Verstärkung des Ausschusses von 28 auf 32 Mitglieder. Abg. Ditt- mann (Soz.) ist für die Ueberweisung, aber gegen die Verstärkung des Ausschusses. Dieser Antrag würde ge­stellt, um die Mehrheit der Rechten im Ausschuß zu ver­stärken. Abg. Schultz-Bromberg (Dtn.) erwidert, daß über diesen Antrag vorher mit der Linken verhandelt worden sei. Jetzt ständen sich im Ausschuß Mehrheit und Minderheit immer mit gleicher Stimmenzahl von 14 Mitgliedern gegenüber. Dieses Verhältnis entspreche nicht dem des Plenums. Abg. Brüninghaus (D. Vpt.) beantragt nunmehr, die Frage der Äerstärkung des Steuerausschusses dem Aeltestenrat zur Entscheidung zu Überweisen. Abg. Müller-Franken (Soz.) bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses. Infolgedessen wird über den letztgenannten Antrag Brüninghaus namentlich ab­gestimmt. Die Abstimmung ergibt die Beschlußunsähig- keit des Hauses.

Der Antrag Brüninghaus auf Entscheidung durch den Aeltestenrat wird mit 173 gegen 116 Stimmen ange­nommen. Die Vorlage selbst wird an den Steueraus- fchuß überroieien

Darauf setzt das Haus die Beratung des Haushalts des Reichsministeriums des Innern in der Aussprache über das Gesundheitswesen fort. Die Etats­positionen werden bewilligt. Das Gesetz über die Be­kämpfung der Geschlechtskrankheiten und Anträge der Kommunisten weg:n Bekämpfung Ser Tuberkulose und wegen planmäßiger Geburtshilfe werden an den Aus­schuß für Bevölkerungspolitik überwiesen.

Die zurückgestellte Abstimmung über die Etaispositio- nen von 3 687 000 M. für die technische Nothilfe ergibt die Bewilligung nach dem Ausschußantrag mit 3 Mil­lionen Mark, nachdem Anträge beer Kommunisten und Sozialdemokraten auf Streichung der ganzen Summe, so­wie ein Antrag der Deutschnationalen auf Bewilligung der vollen Summe abgelehnt sind. Damit ist die Be­ratung des Haushaltes des Innern erledigt.

Die Zollvorlage.

Wie mehrere Blätter melden, fft die Zollvorlage am Montag vormittag den Reichstagsabgeordneten zuge­stellt. Die Rechtsparteien sollen beabsichtigen, sich bet der ersten Lesung auf die Abgabe einer Erklärung zu be­schränken. Ob die Zentrumsfraktion sich dieser Erklä­rung anschließen wird, wird in einer noch anzuberau» meilden Fraküonssitzung entschieden werden. Die Op- posittonsparteien werden dagegen bereits bei der ersten Lesung die Zollvorlage einer ausführlichen kritischen Be­trachtung unterziehen. Die erfte Lesung wird am Mittwoch beginnen.

Graf Hermann Stenberg f.

Am 19. Juni verschied, wie bereits gemeldet, in den sauerländischen Bergen auf feinem Famiiiensitz in West­heim i. W. der Präsident des Bonifatiusver- eins, Graf Hermann Stolberg. Eine tuber­kulöse Erkrankung fesselte ihn Jahre hindurch ans Bett und bereitete ihm fast unerträgliche Schmerzen, die er aber mit großer Geduld ertrug. Er war geboren am 28. Februar 1854 als Sohn des Grafen Joseph Theodor zu Stolberg-Stolberg und der Gräfin Karoline von Ro- biano. Sein Großvater war Graf Friedrich Leopold Stolberg, der bekannte Verfass, der Geschichte der Religion Jesu Christi, der zu Eutin in Holstein konvertiert war und wegen seiner Konversion von Heinrich Voß aufs heftigste angefeindet worden ist. Bis zum 15. Jahre erhielt der Graf Hermann Stolberg Erziehung und Unterricht im Elternhause, zum Teil durch den späteren Apostolischen Vikar von Dänemark, Bischof von Euch. Im Herbst 1869 kam er an das Gymnasium Karolinum in Osnabrück in die Untersekunda. Nach bestandener Reifeprüfung wid- niete er sich in Würzburg, Wien und (Böttingen 8 Se- mefter dem Rechtsstudium und bestand im November 1877 zu Celle sein Steferenbareramen. Dann aber mußte er die Geschäfte der heimischen Verwaltung übernehmen. Im Jahre 1879 vermählte er sich zu Preßburg in Ungarn mit Marie Gräfin von Walterskirchen, die ihm im Laufe der Jahre vier Söhne und vier Töchter schenkte. Nach langem schwerem Leiden verstarb sie bereits im Jahre 1918. Nach dem Tode des damaligen Präsidenten Frhr. Graf von Wendt wurde (Braf Stolberg zu seinem Nach­folger gewählt, nachdem er vorher bereits feit 1889 als Mitglied dem Generalvorstand des Bonifatiusvereins an- hört hatte.

In der Selbstverwaltung des Kreises und der Provinz war er lange Zeit tätig. Seit Anfang 1880 gehörte er dem Kreistage bezw. Kreisausschuß von Büren an: dann wurde er Mitglied des Provinziallandtages und Provin- ziolausschuffes in Münster, dessen Vorsitzender er von 19151919 war. Gras Hermann Stolberg war feiner schönen Heimat mit herzlicher Siebe ergeben. Er war ein treuer Sohn seiner hl. Kirche, dem namenlich die Ka­tholiken in der Diaspora am Herzen lagen. Daß die große Diasporastadt Nürnberg und ihre Versorgung im übrigen katdolischen Deutschland Interesse fand, war vor allem seiner Tätigkeit zu verdanken. Der Heilige Vater hat feine vielfachen Verdienste gewürdigt, indem er ihm fein Bild schenkte und ihm später die Iubiläums- medcnlle überreichen ließ.

Die deutsch-französischen Wirtschafts­verhandlungen.

wtb Paris, 23. 3uni. (Tel.) Staatssekretär Dr. Trendelenburg halle gestern abend eine längere Aussprache mif Handelsminister Chaumel über den Fortgang der deutsch-französischen HJirf- fchafksverhandlungen. Die Aussprache dehnte sich bis,nach Mitternacht aus. Die Schwierigkeiten, die in dieser Besprechung erneut zum Ausdruck ge­kommen sind, liegen nicht nur in der kürze der Frist bis zu den Parlamenlsferien, sondern in erster Linie auch an der Materie selbst. Der ernste Mille beider Teile, aus diesen Schwierigkeiten einen Ausweg zu finden, trat erneut zutage. Weitere Sitzungen und Besprechungen werden in dm näch­sten lagen erfolgen.

Die Schwierigkeiten

des französischen Linkskartells.

Wie Haoas berichtet, hat der Exekutivausschutz der sozialpolitischen Vereinigung des Departements Haute Garonne eine Tagesordnung angenommen, in der die sozialistische Fraktion aufgefordert wirb, die Unter st iitzungspolitik gegenüber dem Ministerium Painlevö a u f z u g e b e n. Dtese Forderung wird u. a. damit begründe!, daß k e t n ernsthafter Versuch gemacht worden sei, den Fne- den in Marokko durch direkte Verhandlungen mit den Rifvertretern aufrechtzuerhalten, und daß die sozialistische Partei jede Eroberungsaktion ver­urteile.

Wie derIntransigeant" mitteilt, hat der so- zialiffische Abgeordnete Compere Morel, der Ver­fasser derjenigen drei Tagesordnungen, in der die sozialistische Partei zur Aufkündigung des Kartell- Verhältnisses mit den Radikalen aufgefordert wird, versichert, daß eine Mehrheit von 120 Abstimmen­den sich für seine Tagesordnung aussprechen werde. Dies würde übrigens, wie Compere Morel erklärt, nicht ein einfacher Bruch sein. Wir So­zialisten würden, im ganzen genommen, unsere Handlungsfreiheit wieder nehmen. Wir würden, je nach den Umständen, für das Kabinett stimmen oder nicht. Nach Ansicht des sozialistischen Abge­ordneten Compere Morel, so fährt derJntran- sigeant" fort, würde also das Kartell weiter­bestehen. Wenn also ein neues Kabinett Herriot zur Regierung käme, was die Sozialisten erhofften, würden die Anhänger Compere Morels dieses Kabinett unterstützt haben. Wir könnten, so habe Compere Morel noch erklärt, für ein Kabinett stimmen, dessen Politik in gewissen Punkten mit dem sozialistischen Programm in Widerspruch steht, aber unter der Bedingung, im Austausch für diese kleine Konzession nennenswerte Genugtuungen zu erlangen. Das Ministerium PainlevZ gebe den Sozialisten diese Genugtuungen nicht.

Bei der Generalratswahl am Sonntag machte sich der Z w i e s p al t innerhalb des Kartells bereits zum Nachteil der Linken fühlbar. In meh­reren Kreisen ist es im Gegensatz zu früher dies­mal nicht gelungen, die verschiedenen Gruppender Linken auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen, in anderen wurden die getroffenen Ver­einbarungen nicht innegehalten. So kam es, daß in mehreren Wahlkreisen, wo die verschiedenen Kartellparteien zusammen über die Mehrheit ver­fügten, der kommunistische oder der reaktionär» Gegenkandidat durchs Ziel ging.

Frankreich und England.

wtb London, 23. 3 uni. (Tel.) Der diplo­matische Berichkerslakker desDaily Telegraph" schreibt, er erfahre von gut unterrichteter Seite, daß die französische Regierung nicht bereit sei. irgend welche weiteren Zugeständnisse in der Frage der Abrüstungsverpflichtungen zuzugestehen-

Uohlenkrise in England.

Reuter erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß die Lage in der Kohlenbergwerksindustrie sich einer Krisis nähere. Die Annahme sei woblbegründet, daß die Bergwerksbesitzer noch vor Wochenende das augenblickliche Abkommen mit den Berg- arbeitern kündigen werden.

Der Krieg in Nordafrika.

Wie der Sonderberichterstatter desTempd- aus Fez berichet, hat Marschall Lyauley mit dem Sultan eine längere Unterredung gehabt, in der er dem General seine Eindrücke mitteilte, die er auf seiner Reise und bei feiner Ankunft in Fez über die Eingeborenen gewonnen. Der Sultan erklärte, er beabsichtige, demnächst eine Proklamation zu er­lassen, in der er beweisen werde, wie Abd el Krim der Einheit des Scherifenreiches Abbruch tue. Se« kanntlich habe der Führer der Rifleute überall ver­breiten lasten, er werde am Tage des Heiligen Lamme s,Ail-El-Kerbier, das am 3. Juli statt- finbet, in Fez einziehen. Um auf diese Pro­vokation zu antworten, habe der Sultan beschlos­sen, dieses Fest selbst in der nördlichen Haupt­stadt seines Gebiets zu feiern und zu diesem Zweck feinen Aufenthalt in Fez verlängern.

Nach dem aus Fez veröffentlichten amtlichen Bericht über die Lage in Französisch-Marokko ist der Feind aus dem Gebiet der Rhouna nach hef­tigem Widerstand nahezu vollständig vertrieben worden. Franzosentreue Stämme haben mit Unterstützung von Maschinengewehrfeuer in der Gegend von Djebel Bom Messaoud dem Feind eine Schlappe beigebracht, der 15 Tote und 23 Verwundete zu verzeichnen hat. In der Gegend von Taounat herrscht Ruhe. Die Dissiden- tenstämme bringen die Ernte ein. Französische Flieger haben zehn Bombardements unternommen, darunter eins auf einen abgehaltenen Markt. An der Ostfront bei Akaoul und Syah werden von beträchtlichen Streitkräften Verteidigungsstellungen ausgebaut.

von den Hochschnlen.

Jena. Als Nachfolger des Prof. Sommer ist Prof. Debrünner in Bern auf den Lehrstuhl für der- aleichende Sprach»Wiffenfchaften und Sanskrit in der Thüringischen LandeS-Universität berufen worden.

* 38 Opfer deS Eisenbahnunglücks in HackettS« iown (Amerika) wurden in einem Sonderzuge nach Chicago überführt und am Bahnhof von ihren Freunden und Verwandten in Empfang ge­nommen. Die bisher nicht identifizierten Leichen von fünf Verunglückten werden in einem gemeinsamen Grab auf v-** Striebhof in Öacketlstown beiaesetzt