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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblalt.

Nr. 141.

Verantwortlich lür die Schriitleitnng in Bertr : Anton Weblei- Anreigen: I. B arreller, Fulda. Rotationsdruck und «erlag der Fuldaer ? »<ikrtrvckkrei in Fulda. Feruivrecher Rr. S.

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Sonntag, 21. Juni 1925.

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52. Zahrg.

KKssaanKMEm

Die chinesische Monroedoktrin.

Von Dr. Alphons Nobel.

Wenn man England, in Sonderheit der trefflichen Times" glauben dürfte, so verhielte es sich mit den Unruhen zu Schanghai einfach genug. Die un­unterbrochenen Bürgerkriege haben das chinesische Volk ruiniert; die von den Angelsachsen seit jeher behauptete Unfähigkeit der Chinesen, ihren Reichtum selbst auszunuhen, hat ein Uebriges getan. Geschickte Propaganda, vor allem bezahlte bolschewistische Propaganda'-hat die Schuld auf die fremden, u. a. auch auf die Briten abgewälzt; die Studenten (die englischen Blätter schreiben:der Studentenmob") machten sich zu Trägern des Fremdenhasses. So wurde die Lage der Ausländer in Schanghai gefähr­lich. Aber die Engländer wollten nichts provozieren; und so versäumten sie sogar, sich rechtzeitig in Ver­teidigungszustand zu setzen. Da brach plötzlich über Nacht der Aufstandlos, chinesische Massen marschierten gegen die Fremdenviertel und die britische Polizei konnte schließlich nichts anders, als ans die Eindring­linge schießen nur um das Leben der europäischen Frauen und Kinder zu schützen. Leider sind dabei einige Chinesen ums Leden gekommen (merkwürdiger­weise keine Engländer, obwohl die Chinesen schwer bewaffnet gewesen sein sollen); dafür können die englischen Beamten nichts; denn, so stand es wirk­lich vor einigen Tagen in der Times,es gibt keine anständigere und menschlichere Offiziere als es die Engländer in Schanghai sind".

So also lautet die e n g I i s ch e L e s a r t. Uebrrgens, so fügen die klugen Briten hinzu: wenn überhaupt einer verantwortlich für die ganze Geschichte sei, dann der Amerikaner, der an der Spitze der Verwal­tung der Ausländerstadt stehe. Eine Brite sicherlich nicht. Britanien verfolgt wie immer keinerlei impeiia» listischen Ziele. Es hat keinen sehnlicheren Wunsch als den, daß China recht bald ein glücklicher und reicher Staat werde.

Wie kann ein Mensch so boshaft sein, an dieser englischen Darstellung zu zweifeln. Haben die Briten nicht alles getan, um die Chinesen glücklich und reich zu machen? Vom Opiu m krieg angefangen, der dem heiligen Zweck, die Einfuhr des in Britisch« Indien gebauten Opiumgiftes in China gegen die widerstrebende chinesische Regierung durchzusetzen, gewidmet war, immer taten die Briten den Chinesen nur Gutes. Sie verbrannten zwar, gemein­sam mit den Franzosen, in den 60 et Jahren des vorigen Jahrhunderts den wundervollen Sommer- Palast bei Peking mit seinen tausend Kunst- schätzcn aber dafür bauten sie Spinnereien und andere Fabriken in Schanghai, zeigten in Hongkong und Weihaiwei den Chinesen ihre schönen Dread­noughts und an der Spitze der chinesischen Zoll­verwaltung steht ein englischer Beamter, der sich die Mühe der schwierigen Geschäftsführung macht (natürlich ist es dann nur recht und billig, daß der Ertrag der Zölle ebenso wie die Salz st euer in angelsächsische Kassen fließt). China steht ja seit einigen Jahrzenten unter einer Art Dawesplan und alles wäre gut, wenn es nur die Verpflichtungen dieses Dawesplanes hielte und nicht so oft die Ver­träge, die heiligen Verträge der Großmächte verlebte.

Unter solchem Gesichtspunkt beurteilt in der Tat der Engländer den nationalen Widerstand Chinas. Er fand es zwar ganz in der Ordnung, als vor einigen Jahren eineMonroedoktrin": China den Chinesen, sich entwickelte, die sich gegen Japan wandte und den Boykott japanischer Waren so durchführte, daß wirklich Japans wirt­schaftliche Stellung in China seitdem erschüttert ist. Die Angelsachsen glaubten, das japanische Erbe an­treten zu können. Aber damit ist es nichts.

Eine Monroedoktrin ist zwar immer der Aus­druck eines nationalen Egoismus. Aber man ver­gleiche die amerikanische Monroedoktrin mit der chinesischen Geltendmachung seines Selbstbestimmungs- rechtes. Die Nordamerikaner verlangen die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft auf dem gesamten amerikanischen Kontinent einschließlich der gewaltigen ^unterbevölkerten Ländermassen Südamerikas (Volks­dichte 2 5 pro qkm.) und die zu bevölkern sie garnicht in der Lage sind. Die Chinesen aber wollen nichts als ihr übervölkertes Land (Dolksdichte in den

Landschaften um Schanghai 300 pro qkm.) gegen ftemde Machtpolitik schützen. Das heißt, sie wollen verhindern, daß das angelsächsische und japanische Kapital sich der Bodenschätze im Iangtsetal be­mächtigt. Wer hat Recht? Die Angelsachsen, die ihre unterbevölkerten Ländermassen westlich und südlich des Stillen Ozeans gegen d'e übervölkerten Ostasiatischen Länder absperren, oder die Bewohner dieser übervölkerten Gebiete, die wenigstens in ihrem eigenen Land ihr nationales Selbstbestim­mungsrecht restlos selbst genießen wollen.

Es kann uns in Deutschland, die wir in vielem in der gleichen Lage wie die Chinesen sind, nicht schwer fallen, ein richtiges Urteil zu bilden. Der Aufstand von Schanghai hat andere Ursachen als wie England behauptet. In den europäischen und japanischen Fabriken Schanghais (Schanghai ist die größte Fabrikstadt Chinas) herrschen schändliche Arbeitsbedingungen. Anscheinend ist es dem inter­nationalen Arbeitsamt bisher entgangen, daß das Washingtoner Abkommen dort noch nichtratifiziert" ist. Die Kuliarbeit wird skrupellos ausgenützt, und der Unternehmerstandpunkt in der gleichen grausamen Weise durchgeführt, wie das iu England während des 17. Jahrhunderts der Fall war. Da brauchte es wahrhaftig keiner von Moskau bezahlten bolsche­wistischen Agitation, um erbitterte Arbeitskämpfe zu veranlassen. Im Verlaufe solcher Arbeitskämpfe sind auf einem großen japanischen Werk einige Chinesen getötet worden, und die Erbitterung darüber veranlaßte Demonstrationen, in welche die englischen Polizeitruppen hineingefeuert haben, um ein Exempel zu statuieren, wie 1919 der General Dyer im indischen Amritsar. Das aber bewirkte das Gegenteil: die fremdenfeindliche Bewegung griff weiter um fich, und auch in den andern, sogenannten Vertragsstädten ist die Lage für die Fremden, vor allem für Engländer und Japaner gefährlich. Es ist die größte chinesische Selbständigkeits- bewegung seit dem Boxeraufftand. Sie wird vielleicht ebenso erfolglos verlaufen wie der Boxer­aufstand, aber sicherlich nicht mehr so leicht genommen werden können. China ist in Bewegung und der europäische Vormarsch in China hat seinen Höhe­punkt «ngst überschritten.

FMch ist eS, die Vorgänge in Schanghai mit dem Bürgerkrieg in Zusammenhang zu bringen. Damit haben sie nichts zu tun. Man überschätzt ja überhaupt die Traaweite dieser Feldzüae, welche ein Dutzend chinesischer Generäle mit schlecht be­zahlten und schlecht bewaffneten Söldnertruppen gegeneinander führen. Das kulturelle und Wirt- schaslliche Leben geht daneben seinen Gang weiter, nicht mehr berührt von einer Schlacht in der Feng oder Wu oder Tschana siegte, als anderwärts von einem Ministersturz. Die eigentliche und tiefgehende politische Bewegung Chinas ist der Kampf der chinesischen Jugend gegen die Vorrechte der Fremden, besonders in den Vertragsstädten und das Bestreben der chinesischen Wirtschaft, Uebersremdung und Ein­wanderung angelsächsischen Kapitals zu verhindern. Es ist aber wohl möglich, daß England, um diese wirtschaftliche Stellung zu halten, einen politisch militärischen Vorstoß ins Janat-etal, etwa nach Hankau unternimmt. Dies könnte unter dem Vorwand, den Zinsendienst der von den Mächten gebauten Bahnen sicher zu stellen, geschehen. Seit etwa einem halben Jahr wird in England ein regelrechter Propogandafeldzug in diesem Sinne geführt.

Deutschland bleibt angesichts dieser Tatsachen nur ein einziges zu tun: peinlich darauf zu achten, nicht mit Franzo en, Engländern oder Amerikanern in China verwechselt zu werden. Gewisse Vorgänge lassen darauf schließen, daß die Mächte uns aern mit von der Partie hätten und uns sogar Kon­zessionen in solchem Fall machen würden. Es könnte den Engländern so passen, wenn wir darauf vereinfielen. Deutschlands Stellung in Ciina beruht heute darauf, daß es in vielen Dingen Schicksals­genosse ist, und in Ostasien nur friedliche Ziele, wirtschaftlicher und kultureller Art, keinesfalls aber Machtpolitik verfolgt.

(Eine llonfereiiz?

Eine Möglichkeit, die mit der Frage um den Sicherheitspakt verknüpften Dinge einer Klärung und Ordnung zuzuführen, ist einzig und allein durch eine unmittelbare Aussprache am Verhandlungstisch ge­geben. Das Vorbild für die Zweckmäßigkeil eines solchen Vorgehens muß man in der Londoner Konferenz erblicken, die unter Führung des Reichskanzlers Marx und Beteiligung des Reichs­außenministers Stresemann damals mit gutem Er­folge zu den Vereinbarungen über den Dawes-Plan geführt haben.

Auch jetzt ist der Aufgabenkreis, der zu bewältigen rst, ein derart großer und die Dinge, die es zu be- ordnen gibt, sind derart ineinander verstrickt, und juristisch und politisch schwierig, daß nur eine münd­liche Aussprache zu einem wirklichen Ziele führen kann. Diese Auffassung wird offenbar auch von der französischen Regierung geteilt, die in ihrer Note den Wunsch ausspricht, daß die deutsche Antwort derart beschaffen sein soll, daß sie die Grundlage für weitere Verhandlungen abgibt. Diese können aber «ach Lage der Dinge nur, wie gesagt, mündlicher Art sein.

Wenn eS in London galt, durch Dawes-Verein­borungen die Grundlage für die wirtschaftliche Be­friedung Europas zu geben, so handelt es sich jetzt um die Sicherung der politischen Friedens in Europa und in der Welt. So stehen wir vor Fragen von außerordentlicher Tragweite, die das Geschick Deutschlands, Europas und der Welt für Menschenalter hinaus bestimmend beeinflussen müssen.

Wie wir vernehmen, sind die diplomatischen Vor­bereitungen für eine Konferenz schon seit der Jn- flangbringung dieser Debatte durch das deutsche Memorandum in Fluß. Man dürfte jetzt aber auch wohl zu bestimmten Entschließungen kommen. Da <8 sich um die Beordnung des Gesamtkreises oller gegenwärtig die Weltpolitik beherrschenden Probleme, um die Regelung der Entwaffnungsfrage ebenso gut wie um Sicherheitspakt, Räumung der Kölner Zone und Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bandelt, so wird diese beabsichtigte Kooferenz eine große Auf­räumungsarbeit zu leisten haben. Sie wird zeitlich noch vor der großen Vülkeibundstagung stattfinden müssen, die im September in Genf abgehalten werden soll. Ja die Entscheidungen dieser Konferenz werden maßgebend dafür sein, ob in dieser Septembertagung des Völkerbunds auch über den Eintritt Deutschlands in den Bund und damit zugleich über -ie Räumung der Kölner Zone entschieden werden kann.

Für den Tagungsort dieser Konferenz richten sich die Blicke unwillkürlich nach Belgien. Dort ist soeben ein Ministerium bestehend aus Katho­liken und Sozialisten gebildet worden und Außen­minister ist der in die auswärtige Politik der letzten Jahre vielfach einwirkende Sozalist Vandervelde. Man glaubt darum gerade in Belgien, insbesondere auch durch den Einfuß der Katholiken im Ministe­rium gewissermaßen eine Brücke zwischen Deutsch­land und Frankreich bei den kommenden Verhand­lungen schaffen zu können.

*

Wie wir vernehmen, wird die Reichsregierung sofort mit den Vertretern der ausländischen Mächte in Verbindung treten, um sich über die Technik der weiteren Behandlung all der mit der Entwaff- nungs- und Sicherheitsnote aufgeworfenen Fragen f zu verständigen. Die Reichsregierung wird jetzt den bereits früher von ihr angeregten Gedanken, in einer gemeinschaftlichen Aussprckche die Dinge zu klären und zu regeln zu suchen, offi­ziell zum Ausdruck bringen. Cs wird also sehr wahr­scheinlich von festen der Reichsregierung der Antrag auf die Einberufung einer derartigen Konferenz gestellt werden. Die Basis für eine solche Konferenz ist ja dadurch gegeben, daß im Prinzip Frankreich und die Alliierten den deutschen Vorschlag anneh­men, und daß es sich jetzt nur noch darum handelt, über die rechtlichen Einzelfragen sich auszusprechen und schlüssig zu werden. Nur in einer solchen per­sönlichen Aussprache würde es auch Deutschland möglich sein, eine volle Klarheit über die Tendenz und das politische Ziel der in der französischen Note . . aufgeworfenen Fragen und über die rechtliche Trag­weite für ihre Entscheidung zu erhalten.

Englische Betrachtungen.

Die englische Presse befaßt sich eingebend mit dem veröffentlichten Weißbuch über die Paktsrage. DiePreß Association" betont, daß es die amtlichen Kreise in London angesichts der am nächsten Mitt­woch stattfindenden Unterhausdebatte über die Pakt» Verhandlungen ablehnen, die veröffentlichten Doku­mente zu. erörtern. Die Aeußerungen der Berliner und Pariser Blätter zur Paktsrage werden viel be­achtet. In den Berichten über den Standpunkt der deutschen Presse wird hervorgehoben, daß fast alle Blätter darin übereinstimmen, daß die Erörterungen über den Sicherseitspakt erst beginnen und sdaß langwierige Verhandlungen notwendig sein werden, bevor dies vitale Problem zur Befriedigung aller in Betracht kommenden Parteien geregelt ist.

Manchester Guardian" weist darauf hin, daß, wenn die von der deutschen Regierung vorgeschlagene Vereinbarung zustande komme, Deutschland statt ein feindlicher Staat im Herzen von Europa zu bleiben, wieder eine verantworliche Macht wird, die ihren Platz im Völkerbund einnimmt und ihren Teil zur Lösung der großen europäischen Aufgaben bei- steuert. Die Erleichterung, die ein solcher Wechsel der Lage für Europa bedeuten würde, würde riesig sein. Sowohl die französische als auch die britische Regierung hätten es gegenüber ihren Völkern nicht verantworten können, ein solches Angebot zu ver­werfen.

Reuter verbreitet folgende Mitteilung: In un­terrichteten Kreisen besteht zwar keine Neigung, sich zu Verhandlungen über den Sicherheitspakt zu äußern, da das Blaubuch für sich selbst spreche. Je- I

doch kommt die Auffassung zum Ausdruck, Groß­britannien werde tatsächlich keine neue Ver- pflichtungen übernehmen, sondern nur seine bisherigen genauer umschreiben. Es wird darauf hingewiesen, daß England als Mitglied des Völker­bundes selbstverständlich durch dessen Satzung ge­bunden ist und als etwas auffällig bezeichnet, daß in gewissen Kreisen, in denen das Genfer Proto­koll befürwortet wurde, nunmehr der Sicherheits­pakt bekämpft wird, denn letzterer beziehe sich letz­ten Endes auf nur zwei Staaten, während das Genfer Protokoll alle Staaten umfassen sollte. England stellt kein Eingreifen in einen Krieg in Aussicht, an dem seine Interessen nicht beteiligt sind, aber es glaubt, seine Stellung klar umschrei­ben und die Mächte, zwischen denen kriegerische Ver­wicklungen möglich sind, zur Unterzeichnung eines mit verstärkten Garantien versehenen Paktes ver­anlassen zu sollen, um Kriege zu verhüten, in die es jedenfalls ohne Vorhandensein einer Garantie verwickelt werden könnte.

Die Dominions.

Pre miermeister Bru cc legte im Reprä- sentantenhause den Standpunkt Australiens ge­genüber dem Sicherheitspakt dar. Er sagte, Austra­lien sei von den Fortschritten der Verhondlunge voll unterrichtet worden, es sei jedoch nicht gebeten worden, an dem Pakt teilzunehmen. Die Regierung erwäge augenblicklich ein Dokument, das dem Hause unterbreitet werden w rd. Es werde dann be­stimmen, ob Australien der Vereinbarung bei­pflichten soH. '

Die Parteiführer beim Reichskanzler.

Den Blättern zufolge fanden gestern nachmittag zwischen Dr. Luther und Graf Kanitz und den Führern der Regierungsparteien Besprechungen statt, die sich mit der Zolloorlage und der Sicher- heitsfrage befaßten. Es wurde vor allem die Stellung der Regierungsparteien zur Zolloorlage erörtert. Die Zollvorlage wird voraussichtlich am kommenden Montag oder Dienstag im Plenum d<s Reichstages verhandelt werden.

verbot des deutschen Ztudententags.

Der für Ende Juli in Bonn vorgesehene deutsche Studententag ist von der Rheinlandkommisswn ver­boten worden.

Einspruch wegen der bayerischen Volksgerichte.

Im Reichsrat wurde sein Einspruch gegen den vom Reichstag angenommenen Gesetzentwurf über die Wiederaufnahme des Verfahrens von Urteilen der bayerischen Volksgerichte in neuerlicher Abstim­mung zurückgezogen, sodaß eine Entscheidung des Reichspräsidenten und gegebcnenfalls ein Volks­entscheid nicht mehr in Frage kommt. Sehr interessant ist die Abstimmuna. Sie ergab die Annahme des preußischen Zurückziehungsantrages mit 38 gegen 26 Stimmen bei Mer Errlbaltunaen.

Amundsens Heimkehr.

In der reich beflaggten Stadt Oslo herrscht an- läßlich der Rückkehr Amundsens große Begeisterung Im Storthing fand ein Festakt statt, bei welchem die Volksvertreter dem Forscher huldigten.

Allgemein ist man sich darüber einig, daß die Nichterreichung des Pols den Wert von Amundsens Fahrt nicht herabsetze, sondern daß seine Reise eine Umwälzung in der Geschichte der arktischen For­schung bedeute, in dem sie die Hundeschlitten- Periode abgeschlossen hat. Knut Rasmussen spricht sich besonders nachdrücklich in diesem Sinne aus. Er meint, daß es wissenschaftlich gesehen ganz untergeordnet sei, ob Amundsen am Pol oder im 88. Breitengrad gewesen ist. Amundsen selbst scheint nach einem Bericht derFranks. Ztg." nicht gerade in zufriedener Stimmung zu sein; er ist über die zahlreichen Versuche, ihm zu Hilfe zu kommen und ihn zuretten" nicht erbaut, da er ja sein Programm irr bezug auf die Zeit genau ein­gehalten hat. Die Mitteilung, daß er kein Land ge­sehen hat, wird wohl niemand überraschen, da in den von ihm überflogenen Gebieten auch nie Land vermutet worden ist. Zwar hat er im ganzen 100 000 Quadratkilometer unerforschten Gebietes überflogen und auf seinem Rückflug seine Route möglichst weit nach Westen verlegt, um recht weite Strecken bis dahin unbekannten Gebietes übersehen zu können. Jedoch liegen die eigentlich umstrittenen Länder des Harris-Landes, das Prof. Harris aufgrund seiner Flutmessungsoersuche vermutete, und das Croker- Land, das Peary gesehen haben will und das von Mac Millan vergeblich gesucht worden ist, sowie das Bradley-Land, von dem Cook spricht und dessen Existenz bisher nicht widerlegt ist, alle östlch des 70. Breitegrades, so daß eigentlich nicht recht ver­ständlich ist, was Amundsen westlich davon zu fin­den erwartete. Deshalb hatten auch viele Fach­leute heimlich gehofft, daß er als der Mann der Ueberraschung, der er ist, die Welt mit einer lieber» fliegung dieser Gebiete in Richtung auf Alaska in Erstaunen versetzen werde.

Trotzdem alle Teilnehmer der Expedition völlig gesund zurückgekehrt sind, haben sie doch in dem 24tägigen Kampf im Eis große Leiden er- dulden müssen, die durch dauernde Lebensgefahr und die Möasichk-it, »wm Rückweg abgeschnstten zu werden, erhöht wurde.- Amundsen bezeichnet die Nebel und den Gegenwind als seine Hanvffeinde, da sie ihn zu Orientierungszmecken zum Landen zwangen. Erstaunlich ist der hohe Benzinverbrauch, der dann ja auch verhängnisvoll wurde. Ob Amundsen sich entschließen wird, den Vorstoß zu wiederholen, weiß natürlich niemand, seine Freunde halten es jedoch für sehr unwahrscheinlich, obwohl in diesem Augenblick zu einem solchen Zweck jede Summe zu beschaffen wäre. Die Expedition wird in zwei bis drei Wochen in Oslo erwartet, wo große Ehrungen und Festlichkeiten geplant sind.

Nach Blättermeldungen aus Oslo bat Amundsen dem Direktor Tbomssen von der norwegischen Luft- verkehrsgesellschaft mitgeteilt, et hoffe in drei Wochen nach Oslo zurückzukehren, um eine neue Polar­expedition zu organisieren, lieber seinen Flug äußerte sich Amundlen Pressevertretern gegenüber, er hätte nicht geglaubt, daß solche Stravazen, wie er sie in diesen drei Wochen dnrchgemacht habe, mög­lich wären und er hoffe, daß kein anderer jemals solche Dinge durchmachen müsse. Einiae Male sei die Lag: so furchtbar gerneen, daß die Forscher ver- sucht waren, sich amzuaeben. Die Eisverhältnisse auf dem Wege nach Kav Columbia seien derart ge­wesen. daß eine Wanderung dorthin den sicheren Tod bedeutet hätten.

Deutsche Kriegsschiffe in Norwegen.

Die deutschen KriegsschiffeHannover" undElsaß" warfen im Hafen von Oslo Anker. Außer dem ge­wöhnlichen Flaqaeusalut wurden anläßlich der Rückkehr Amundsens weitere 21 Schüsse abge­geben. Der deutsche Gesandte ging an Bord.

Kein Land auf der europäischen Polseile.

wtb Oslo, 20. Juni. (Tel.) Minister des Aeußern Nowinzkel hak von Amundsen sagendes Telegramm erhallen: Ich gestakke mir milzulsilen, daß wir. nachdem wir ein Gebiet von 160 000 Qua­dratkilometern überschaut haben, kein Zeichen von Land gefunden haben. Die auf unserem nörd­lichen Punkt gelotete Tiefe von 3 750 Meter läßt gleichfalls vermuten, daß sich im nördlichen Ab­schnitt des Polarbassins kein Land befindet.

Kurland.

* La Follette, Senator für den Staat Wisconsin, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. La Fol­lette, der einer alten französisch kanadischen Familie entstammte, trat im Jahre 1885 als Mitglied des Repräsentantenhauses in die Politik ein. Er gehörte der republikanischen Partei au und äußerte sich stets mit aller Entschiedenheit für eine gerechtere Behand­lung Deutschlands. Als er sich 1924 für die Präsi­dentenwahl aufstellen^ließ, konnte er deshalb beson­ders auf die deutsch-amerikanischen Stim­men rechnen. Wenn die Zahl der Stimmen, die La Follette damals auf sich bereinigen konnte, zu einem Sieg nicht ausreichte, so war sie doch immer­hin erheblich genug, um den Umschwung in bei politischen Auffassung des amerikanischen Volkes um zweideutig zu bekunden.

* Sofortige Verhandlungen über Chinas Forder­ungen Das diplomatische Korps in Peking Hai nach einer Meldung der Voss. Ztg. beschlossen, eini Kommission der unbeteiligten Gesandten Italiens, Frankreichs und Amerikas zur sofortigen Aufnahme von Verhandlungen in Peking über die erweiterten chinesischen Forderungen zu bilden.