FuldaerZertung
Anzeiger für die Sfnbf und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 137.
Berantwortli-b für Die Schriftleitung in Bertr : Anton Wetzte.' gtucißen: I. P orzeller, Fulda. Rotationrvruck und Verlag de» Fuldaer v dirrtTrSrrri in Fulda. Fernidrecher Nr. 9.
MonatUcker Sents8örti8r 1.50 Mk.
Mittwoch, 17. 3uni (925.
An,-t«en-Preiie ftletnseile (Colonel) lokal 0,15 Goldmarl aurwSrtS 0L0 (Soldmark! Reklamereil« lokal 0.60 Soldmark auswärts OLO Soldmark. >r
vel Wiederholungen Rabatt- Rolilckeckkonto Frankfurt a. M. 4051
52. Zahrg«
Schikanöse Bestimmungen der Entmassnungsnote
Zollvorlage statlsinden. Indessen gehen die j interfraktionellen Besprechungm über die Zolloor- - läge weiter, 1
Besprechungen mit dem Handelsminisler diesen Verhandlungen ein Ziel sehen. Dies sei die einzige Hoffnung, die denen übrig bleibe, die zu einem Ziel gelangen wollten.
Der Reichskanzler über Deutschlands Behandlung durch die Alliierten.
In New Dörfer Zeitungen wird ein Aufsatz des Reichskanzlers Dr. Luther aus der Zeitschrift für auswärtige Angelegenheiten veröffentlicht, in dem Dr. Luther betont, daß bis jetzt die Formel der allgemeinen Entwaffnung, wie sie im Versailler Friedensvertrage geprägt worden sei, nicht zu einer Befriedigung Europas geführt habe, sondern, daß die Entwicklung vielmehr in gesetzlicher Richtung verlaufen sei. In den Gehirnen vieler Leute in Frankreich bestehe ein Geisteszustand, der erfüllt sei mit Bildern von angeblichen Gefahren, die von Deutschland her drohen. Diese Vermutungen seien unverständlich.
In der Erörterung dieses Aufsatzes schreibt die „New Dorker Times", es fei nicht wenig von Be- deutung, daß der Kanzler in so ausgesprochener Weise über die Behandlung Deutschlands durch die Alliierten Klage führe. Diese Ausführungen seien indes nicht in einer extremen Form gekleidet. Der Kanzler ziele darauf hin, daß Abkommen getroffen werden, die Deutschland in den Stand setzen, seinen alten Platz im wirtschaftlichen Leben Europas wieder einzunehmen.
In parlamentarischen Kreisen heißt es, es würde versucht werden, die Aufwertung bis zum 30. d. M. zu erledigen. In der Woche vom 6. bis 11. Juli sollen dann die Steuervorlogen bespro- cken werden, und in der Woche vom 13. bis 18. Juli soll die zweite und dritte Lesung der neuen
Hermann Lardauns t.
Der frühere Hauptredakteur der „Köln. Volkszeitung", Prof. Dr. Hermann Eardauns, ist irr Bonn, nahezu 78 Jahre alt. gestorben. In ihm ist einer der namhaftesten katholischen Publizisten in die Ewigkeit hinüber gegangen. 30 Jahre lang blieb Eardauns als Hauptredakteur und verantwortlicher Redakteur des volitischen Teils der „Köln. Volksz." in dieser gerade durch religiöse, kirchenpolitische und soziale Kämpfe und Auseinandersetzungen bewegten Zeitkäufen so ungemein verantwortlichen Stellung.
Der Verstorbene war eine Zierde des katholischen Journalistenstandes. Was Eardauns einmal in den Plaudereien eines alten Journalisten, die er im Hochland veröffentlicht hat — von einem tüchtigen Journalisten forderte, das konnte man Wort für Wort auf ihn selbst anwenden: „Kenntnisse, klares Urteil, guten Stil, bei aller sachlichen Schärfe Würde des Ausdruckes, Schonung der Ehre des Nächsten, auch des Gegners, unbestechliche Ehrenhaftigkeit, Selbständigkeit, nötigenfalls auch gegenüber Gesinnungsgenossen, und vor allem Wahrhaftigkeit."
Der Eintritt Eardauns in die Redaktion der „Köln. Volksztg." im Jahre 1876 hat den Privat- dozenten aus seiner bisherigen Tätigkeit als Gelehrter und Forscher herausgerissen.
Es ist kein Zweifel, daß er, falls er in dieser Laufbahn geblieben wäre, ähnlich wie sein damaliger Bonner Unio'ersitätskollege Frhr. v. Hert- ling und andere jüngere Fachgenossen auch als Ordinarius eine wirkliche Zierde der Wissenschaft geworden wäre. Seine zahlreichen Forscherarbeiten aus späteren Jahren zeigen, wie sehr er mit der wissenschaftlichen Arbeitsmethode vertraut war.
Eardauns war Mitglied der 1876 entstandenen Görresgesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland und nach dem Tode Leop. Kaufmanns ihr Generalsekretär: in dieser Stellung war er rund 25 Jahre hindurch werbend und fördernd für diese immer mehr an Ansehen im Inland und Ausland wachsende Gesellschaft tätig. Neben der rein wissenschaftlichen Arbeit widmete Eardauns manche Mußestunde den populär wissenschaftlichen Arbeiten, in denen er Fragen geschichtlichen, politischen und literarischen Inhalts in interessanter und -"'ziehender Form behandelte. R. i. p.
Die französische Antwortnote.
Die Antwort der französischen Regierung auf die deutsche Note betreffend den Abschluß eines Sicherheitspaktes wird Dienstag mittag um 12 Uhr Reichskanzler Dr. Luther durch den französischen Botschafter in Berlin überreicht werden. Sie wird Donnerstag mit dem deutschen Memorandum und dem ersten Entwurf französischer Antwort veröffentlicht werden.
Italien behält sich freie Hand vor.
wtt Rom, 16 Juni. (Sei.) I« einer ofsi. ziüsen Verlautbarung der Agenzia di Roma heißt es, daß im Lause der Unterhandlungen der von Deutschland vorgeschlagene Garantiepakt allmählich seinen allgemeinen Charakter verloren habe, um lediglich ein Garantiepakt für Frankreichs vstgeenze zu werden. Aus diesem Gründe habe sich Italien gegenüber einem solchen Pakt die größte Zurückhaltung auserlegt. Auch noch aus einem anderen Grunde habe Italien Zurückhaltung geübt, weil nämlich nichts Bestimmtes festgesetzt worden sei. Die italienische Regierung wolle freie Hand behalten, bis der Pakt sormuliert sei, um sich alsdann gemäß ihren Interessen so oder so zu entscheiden.
Zum deutsch-ital. Handelsvertrag.
wtb. Rom, 16. Juni. (Id.) Die deutsche Delegation für die deutsch-italienischen Han- delsvertraqsverhandümgen ist nach Rom zurückge- kehrt. Wie die „Agenzia-Skefanl" erklärt, lassen alle Anzeichen den baldigen Abschluß der Verhandlungen erhoffen.
Der Stand des deutsch-französischen Handelsvertrags.
wtb. Paris, 16. 3uni. Der „Petit Parisien" wrll wissen, daß es im Laufe der deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen, die seit vie- len Wochen unter vollkommenem Ausschluß der Oeffenklichkeit geführt werden, gelungen sei, sich über eine gewisse Anzahl von Fragen zu ver- n a n d i g e n; sowie über Fragen, die die S ch i ff- ’a t f und Zölle für Seidenwaren und Automobile betreffen. Aber bezüglich einiger wich- >gen Punkte, wie Mechanik und Metallurgie sei "n noch nicht zur Verständigung gekommen. Es Kleine, daß diese strittigen Punkte nur durch die "Aegationschefs, also durch Skaakssekretär Dr.
eudelenburg und Handelsminister Ehaumek zu Entscheidung geführt werden können. Des-
’i treffe heute der Führer der deutschen Dele- in Paris ein und er werde wohl in direkten
Zollvorlage und Außenpolitik.
Die enge, ja untrennbare Verbindung zwischen den Fragen der inneren und äußeren Politik tritt gerade im gegenwärtigen Augenblick wieder einmal mit ganz besonderer Deutlichkeit in die Erscheinung. Sowohl die Fragen der inneren wie die der äußeren Politik, die in der nächsten Zeit zu bewältigen sind, wenn nicht nach dem Sinne einer Partei, auch nicht nach dem Sinne einer Gruppe erledigt werden können. Man wird viel- mehr danach trachten müssen, sich gegenseitig zu verständigen und auf dem Kompromißwege diese Dinge durchzuführen. Dabei wird sich ein Austausch zwischen innen- und außenpolitischen Interessen und Wünschen nicht vermeiden lassen.
. So wird jetzt auch die Zollfrage mehr und mehr m den Kreis der außenpolitischen Interessen einbezogen, nicht allein deshalb, weil ihre ersprießliche Förderung tatsächlich den außenpolitischen Notwendigkeiten Deutschlands int Hinblick auf die Abschlüsse von Handelsverträgen entspricht, sondern vor allem deshalb, weil ihre Klärung zu einem guten Teil bestimmend dafür ist, ob politische und parlamentarische Kreise, die sich im anderen Falle der Regelung gewisser außenpolitscher Fragen entziehen würden, für die von der Regierung für er= fotcherlich gehaltene Lösung dieser Frage zu gewinnen sind. Mit anderen Worten: Von der Reglung der Zollfrage wird es abhängen, ob die Reichsregierung eine geeignete und genügende Mehrheit für ihre Außenpolitik erhalten wird. Hier liegt aber auch eine starke Bindung gegenüber Obstruktionswünschen der Sozialdemokraten vor, die an der Fortführung der bisherigen außenpoliti- Ichen Linie ein starkes Interesse haben.
Preußischer Landtag.
In feiner Montagssitzung behandelte der Preußische Landtag in zweiter Beratung den Landwirt- ^haftshaushalt. Abg. Brandenburg (Soz.) tuenbete sich gegen den Schutzzoll, der lediglich aus Sen persönlichsten Interessen der Agrarier entspringe. Abg. Hagemann (Ztr.) hob hervor, daß angesichts der heutigen deutschen Wirtschaftslage die Einfuhr von Lebensrnitteln tunlichst überflüssig gemacht, die Einfuhr von Rohstoffen beschränkt werden müsse. Auch für die Landwirtschaft werde es ohne Schutzzoll nicht abgehen. Dafür sprechen ganz überwiegend volkswirtschaftliche Erwägungen. Die Kaufkraft der deutschen Landwirtschaft müsse aufrecht erhalten werden. Gegen den vorgeschlagenen Getreidezoll-Minimaltarif müsse er sich ober im Interesse der kleinen Landwirte entschieden wehren. Jedenfalls seien die in Vorschlag gebrockten Minimalsätze viel zu hoch. Die Frage der Sckutzzölle berühre aber auch die Lebensinie- ressen der Konsumenten. Mit einer Verteuerung der Lebensmittel werde gerechnet werden müssen. Da erwachse der Regierung die Pslickt. alles zu tun, um die Lage der Minderbemitelten Schichten nicht noch weiter zu verschlechtern.
Aus der Nachprüfung der von der Entente im Anschluß an die Entwaffnungsnote erhobenen wirtchaftlichen Forderungen ergibt sich unzweifelhaft die Tatsache, daß eine ganz schikanöse Bedrängung unserer wirtschaftlich leistungsfähigsten Werke beabsichtigt ist, die aber nicht in der vorgetäuschten Furcht vor Stärkung der militärischen Kraft in Deutschland ihre Begründung hat, sondern einzig und allein in dem Konkurrenzneid und der Konkurrenzangst. Was soll es beispielweise heißen, wenn die Deutschen Werke, die chon über 15000 M a- schinen abgeben mußten, nun förmlich dazu gezwungen werden sollen, weitere dieser Maschinen zu zerstören und zu verschleudern. Eine „Zerstreuung" von Maschinen, das heißt, eine Abgabe in möglichst viele verschiedene kleine Betriebe, um die einheitliche Verwendung solcher Maschinen zu verhindern, wird unter den heutigen Verhältnissen nur unter den schwersten finanziellen Opfern durchzuführen sein. Dabei sind die von den neuen Forderungen betroffenen Maschinen in keiner Weise irgendwie dazu angetan, militärisches Material herzustellen. Es sind Werkzeugmaschinen und Maschinen, die schon ihrer Einrichtung nach gar keine andere als Friedensarbeit leisten können. Schikane ist es, wenn wieder andere Werke, wie die in Hanau, die früher Pulver herstellten und heute sich mit der Fabrikation von Kunstleder befassen, denen man sämtliche Einrichtungen bis zu den eisernen Wasch- und Wassergefäßen herab, nahm und alles zerstören ließ, jetzt aufgefordert werden, die inzwischen vollständig auf Friedensarbeit eingestellten Maschinen zu zerstören Sckikane ist es auch wenn in Spandau der vierte Martinsofen und das Beffemer Stahlwerk zerstört werden sollen. Gerade das Spandauer Werk der Berliner Eisenindustrie, Spezialeisen, und es kann nach Lage der Dinge gar kiichts anderes beasichtigt sein, als schi
kanös die Berliner Großindustrie zu drosseln und sie zu zwingen, unter Aufwendung wesentlich höherer Kosten schon allein für die Frachten das notwendige Eisen sich aus den verschiedensten anderen Gegenden Deutschlands herbeizuholen.
Wenn man weiter überlegt, daß allein an Löhnen für die Zerstörung der Gebäude und Maschinen auf Grund früherer Forderungen die Deutsche Industrie etwa 50 Eoldmillionen Mark schon ausgeben müssen, und wenn man weiter hört, daß die neu geforderte Zerstörung der Einrichtung mindestens 20 weitere Goldmillionen Mark beanspruchen würde, bann erkennt man, welche riesigen volkswirtschaftlichen Opfer nutzlos hier zu bringen gezwungen werden und das einzig und allein, weil eine wahnwitzige Konkurrenzfurcht dis Gegner beherrscht. Denn auch das leichthafteste Gemüt kann wirklich nicht glauben, daß die beute noch in den Industrie-Werkstätten stehenden Maschinen Kriegswerkzeug in wesentlichem Umfange Herstellen könnten, oder daß auch nur diese Maschinen auf die Schaffung solchen Materials in kurzer Zeit umgestellt werden können.
Gerade die neuen Forderungen der Entente auf wirtschaftlichem Gebiete zeigen uns die Absicht einer böswilligen Schikane. Das ergibt sich insbesondere daraus, daß diejenigen Werke, und Unternehmungen, die sich bisher fortgesetzt unter den Eingriffen der Interallierten Kontrollkommission zu leiden hatten und die in der Zwischenzeit tausende und abertausende von Maschinen zerstört oder verschleudert oder für Reparationszwecke ab geliefert haben, die aber dann reiner Friedensarbeit sich zuwandten, nunmehr gezwungen werden sollen, auch die neuen maschinellen Einrichtungen entweder wieder zu verkleinern oder aber wieder zu zerstören. Das ist eine derartig boshafte neidlicke Politik, die den Geist ihrer Urheber für alle Zeiten kennzeichnet.
Deutscher Reichstag.
Am Montag konnte das Plenum einen nicht gerade unwichtigen Gesetzentwurf, nämlich die Vorschriften über Depot- und Depositenge- schäfte nicht zur Erledigung bringen, weil sich wieder Beschlußunfähigkeit ergab. Präsident Löbe mußte die Sitzung schließen: in der neuen Sitzung wurde die Beratung des Haushalts des Innenministeriums fortgesetzt. Bei dem Kapitel „Bildung, Schule und Film" betonte das Zentrum, Abg. Hofmann (Ludwigshafen), daß kein Betrag zu hoch fei, der für die körperliche Ertüchtigung der Jugend angewendet werde. Neben den Stadien fotten auch Institute für die theoretische Körper- pslege für die Allgemeinheit geschaffen werden. Turnerische Veranstaltungen, die nicht dem Erwerb dienen, sollten steuerfrei gelassen werden. Der Redner tritt für die tägliche Turnstunde ein, wenn darunter der andere Unterricht nicht leide. .
Um Caillaux.
Dos Schicksal des Linkskartells und vieleicht auch des Kabinetts Painlevs wird sich schon in den nächsten Tagen entscheiden, da noch dem „Obre" feststeht, daß die Sozialisten im Lause der Woche ihren Antrag auf eine zehnprozentige Kapitalsabgabe einbringen werden. Nach überwiegender Auffassung der Blätter wird sich die Spaltung des Kartells im Laufe der Woche vollziehen.
Painleve zurückgekehrt.
Ministerpräsident Painlevö ist in Toulouse wieder eingetroffen. Er kehrte mit dem Nachtschnellzug nach Paris zurück. Er wird Dienstag vormittag im Ministerrat über seine Eindrücke in Marokko Bericht erstatten. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß Painlevö Dienstag nachmittag in der Kammer Er- klärungen über die Sage in Marokko und die Auffassung der Regierung vor der voraussichtlichen weiteren Entwicklung gibt und daß im Anschluß daran eine neue Marokkodebatte stattfindet. Man glaubt in oppositionellen Kreisen, daß die Sozialisten lieber wegen der Marokkopolitik als wegen der Ftnanzfrage mit dem Kabinett PainlevS brechen werden, weil die Ausbeutung Marokkos durch die kommunistischen Propaganda den sozialistischen Führern besonders angenehm ist.
Der Krieg in Nordafrika.
Nach dem am 15. Juni in Fez veröffentlichte» amtlichen Bericht bessert sich die Lage im westliche» Abschnitt der französischen Marokkofront. Die Dissi- dentengruppen zerstreuen sich. Bei den RhounaS scheint wieder Ruhe einzutreten. Weiter im Osten setzt der Feind seine Bewegung gegen Tafrant aller- bings ohne Erfolg fort. Im mittleren Frontab« schnitt versuchen Dissidentenstämme mit Unterstützung von Riffleuten neue Teilangriffe gegen Taunat, die jedoch alle gescheitert sind. Es scheine, daß in diesem Abschnitt die französischen Truppen den Feind in Schach halten.
Zurückziehung von Truppen Abd el Stints.
wbt. Paris. 16. Juni. (Tel.) Aus Fez wird berichlek, Abd el Krim habe die große Mehrheit der Riff-Kontingente und der regulären Kontingente bei den Beni-Zeroual und den Difsidenten-Skäm- men nördlich des Ouergha-Fluffes zurückgezogen. Er habe mehreren Stämmen geraten, sich direkt mit den Franzosen zu verständigen, während er selbst sich mit aller Macht gegen b$e Spanier wende. Er verspreche übrigens demnächst zurückzukehren und sdnen Marsch gegen Fez soct- znsehen. Mehrere Stämme seien offensichtlich entmutigt wegen ihrer Verluste. Ihre feindselige Haltung sei wohl auf ihre Terrorisierung zurückzusüh- ren. Die kommuni st ifche Propaganda in französisch-Marokko scheine sich zu verlangsamen, die panislamische Propaganda dauere im Rifsgebiet an.
China.
Die allgemeine Sage hat eine leichte Besserung erfahren. 'Die Sage der Handelsschiffahrt ist un» verändert.
Die gesamte englische Presse beschäftigt sich eingehend mit der Sage in China. Saut „Preß Association" herrscht in Bonbon die Ansicht, die letzten Ereignisse in China seien außerordentlich ernst. Die Zerstörung der Konsulate Großbritanniens und Japans in Kiukiang fei fast unmittelbar auf die Note des britischen Geschäftsträgers in China an die chinesischen Behörden gefolgt, in der der chinesischen Regierung gesagt wurde, daß, wenn man die ausländerfeindliche Agitation fortbauern lasse, bies zu einer Katastrophe führen würbe. Reuter erfährt, baß augenblicklich keine Erörterung zwischen ben auswärtigen Regierungen selbst über irgenbetne zukünftige gemeinsame Aktion, abgesehen davon, was an Ort unb Stelle unternommen worben sei, ftattfinbe. Alles beute auf eine auslandsseinbliche Stimmung hin.
Wie Reuter im einzelnen aus Peking meldet, fand dort eine Versammlung statt, in der der Ab- b r u ch der Beziehungen mit Großbritannien gefordert wurde. Diese größte bisher in Peking erfolgte Kundgebung schloß Studenten, Kaufleute und Arbeiter ein. Mitteilungen aus Kostend vom Samstag stellten die dortige Sage als äußerst emft dar. Die Ausländer haben die Stadt verlassen. Einer Reutermeldung aus Hankau zufolge erklärte General Siutschulung, in einer handschrift- schriftlichen Proklamation, daß wenn die ausländer- feindlichen Ausschreitungen fortdauerten, das Ergebnis eine Widerholung der Sage zur Zeit der Boxerunruhen sein werde, daß alliierte Truppen gelandet würden.
Nach einer Meldung aus Batavia sind zwei Vorstandsmitglieder der Abteilung Batavia der Chinaorganisation Kuo-Min-Tang nach Kanton ab gereift, um dort mit dem Hauptvorstand eine Besprechung über die augenblickliche Sage in China sowie über die Frage abzuhalten, ob eine eventuelle Hilfeleistung durch die Indo-Chinesen angebracht sei. In Niederländisch-Indien würden bereits heimliche Geldsammlungen zur Unterstützung der Aufftandsbewegung veranstaltet.
Gewalttaten.
wtb. Newyork, 16. Juni. (Tel.) Die Evening Post" meldet aus Hongkong, daß in Santon über 700 Puennanefen von den siegreichen Kantontruppen nach der Einnahme der Stadt am Samstag niedergemehelt wurden. Die Pueannefen wurden in den Hafen geworfen und mit Sa mb ns: Pangen unter ®affet gestoßen. (Ein yuannesifcher Offizier wurde an einem Telegraphen- mast gekreuzigt. Den Metzeleien wurde fchließlich durch amerikanische und britische Seeleute Einhast getan.
Die phantafirbegabte Havas-Agentur.
wtb Paris, 16. Juni (Tel.) Wie eine im „Slatin" veröffentlichte Agenturmeldung aus Hongkong besagt, haben die britischen Behörden im dortigen Hafen eine starke internationale O rgani- sation für Waffen- und Munitionsschmuggel entdeckt. Die Polizei habe ungeheuere Mengen von Kriegsmaterial beschlagnahmt, daS zum größten Teil angeblich aus Deutschland stammen solle.
Aufstand in Mossul?
Nach einer Mitteilung aus Angora soll in Mossul und den umliegenden Gebieten ein Aufstand ausgebrochen sein. Die Unruhen sollen infolge eines Zwischenfalls zwischen englischen Soldaten und der Volksmenge im Bazar der Stadt Mossul ihren Anfang genommen und sich rasch über die Stadt und die Umgegend ausgedehnt haben, lieber Mossul sei der Belagerungszustand verhängt worden. Etwa 100 Verhaftungen sollen vorgenommen worden sein. Britische Truppen sollen zur Verstärkung nach Mossul ob» gesandt worden fein,