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Anzeiger für die Staöf und den kreis Fulda. Amtliches kreisblall.

52. Zahrg,

Dienstag, 16. 3uni 1925.

Nr. 136.

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uldaerZertung

Rheinlandkundgebnng vor demReichstag

Bei regnerischem Wetter fand heute unter großer Beteiligung eine Kundgebung für die Befreiung der Rheinlande im Rahmen der Jahrhundertfeier statt. Es war ein überwältigendes Bild, als die Vertreter aller deutschen Stämme von Nord und Süd, Ost und West, die Frauen vielfach in lands­mannschaftlicher heimatlicher Tracht, mit ihren Fah­nen anrückten, ein ganzes, großes, geschloffenes Gefüge, dem sich die Wichs studentische Verbin­dungen mit ihren Fahnen anreihten. Besonders starken Beifall erweckte es, als eine Mädchengruppe des Verbandes der Auslandsdeutchen aufzog und die Württemberger in Heimattracht der Schwarz­wälder erschienen. Die Schleswig-Holsteiner wur­den stürmich begrüßt. Besonders alle Landsmann­schaften des Grenzgebietes waren Gegenstand eines freudigen Empfanges. Der gemischte Chor des Ost- Md Westpreußenbundes eröffnete mit einem Vor­trage die Feier.

Dann sprach der frühere Oberbürgermeister der Stadt Köln, Reichsminister a. D. Wallraf, und -gab ein feierliches Gelöbnis ab, daß das Rheinland unzertrennlich fei von Preußen und dem Reiche und alle Stürme siegreich überwinden werde. Der Rhein solle ein deutscher Strom bleiben, aber nicht die deutsche Grenze sein. Der Reichsminister für die besetzten Gebiete, F r e n k e n, begrüßte die deutschen Landsmannschaften aller Stämme, die in dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit an der heutigen KMdgebung teilnahmen. Die in dem Mbesetzten Gebiet wohnenden Rheinländer würden nie ihre Heimat und ihre Leiden vergesien. Das Rheinland sei die Heimat deutscher Kultur, deut­schen Fleißes und deutscher Schaffenskraft. Die heu­tige Feier in der Reichshauptstadt werde überall großes Echo finden. Seien doch die deutschen Landsmannschaften, die mit ihrem Bekenntnis zum

Deutschtum aufgetreten seien, die Dolmetscher des Empfindens der deutschen Reichshauptstadt. Die Bande, die das Rheinland und die Reichshauptstadt umschließen, seien durch die heutige Feier erneut enger geknüpft worden. Glücklich sei der Gedanke gewesen, den Abstimmungsgedenktag in Ost- und Westpreußen mit dieser Jahrtausendfeier zu verbin­den.

Während der Feier boten die Aachener Kon­kordia und der Männergesangverein der in Berlin wohnenden Rheinländer musikalische Vorträge dar. Für Ostpreußen sprach in Erinnerung des Abststn- mungstages vom 11. Juli der Vertreter der damali­gen Abstimmungskommission W o r g i tz k y -Allen- stein. Er gedachte des damaligen politischen Kamp­fes in den östlichen Grenzgebieten sowie der Kriegs­leiden Ostpreußens. Ost- und Westpreußen könn­ten nur im preußischen Staatsverbande leben. Vor aller Welt erkläre er, daß Ost- und Westpreußen nicht ruhen werden, für die Erhaltung des deutschen Vaterlandes einzutreten, wie auch Ost- und West­preußen dem Rheinlands im Kampfe um sein Reckt stets zur Seite stehen werden bis zum siegreichen Ende in dem festen Glauben an die Zukunft des deutschen Volkes.

Unter stürmischem Beifall wurde dann eine Entschließung angenommen, in der betont wird, Zehntausende deutscher Männer und Frauen, die bei der heutigen Gedenkfeier vor dem Reichstage erschienen seien, getragen von dem Bewußtsein des gemeinsamen Schicksals und der Hoffnung für die Zukunft des deutschen Volkes, in unersckütterlicher Treue zusammen mit Ost- und Westdeutschland ihr Gelöbnis aussprechen, an Preußen und dem Reich allezeit treu festzuhalten.

Während der Feier kreisten Flugzeuge der Iunkersgesellschaft über der großen Versammlung.

Die französische Note über den Sicherheitspakt.

Nach den Mitteilungen der Pariser Blätter soll die französische Antwort auf das deutsche Memoran­dum vom 9. Februar sich seit Sonntag in den Hän­den des französischen Botschafters in Berlin befin­den, dadurch erst am Dienstag der Reichs­regierung überreicht werden. Da die Veröffent­lichung des Schriftstückes 48 Stunden nach dessen Ueberreichung erfolgen wird, scheint es der fran­zösischen Regierung vor allem darum zu tun sein, das Bekanntwerden ihrer Antwort bis nach der für Donnerstag angekündigten Debatte im englischen Unterhause hinauszuschieben. Die Veröffentlichung der Note erfolge 48 Stunden später mit allen an­deren wesentlichen Dokumenten der Verhandlung, nämlich dem deutschen Vorschlag, dem ersten fran­zösischen Notenentwurf und den zwischen dem Quai d'Orsay und dem englischen Auswärtigen Amt aus­getauschten Noten. Die französische Note umfaßt fünf Schreibmaschinenseiten.

Der Inhalt des Dokuments zeichne sich, wie der ofiiziöfePetit Parisien" glaubt mitteilen zu kön­nen, durch Klarheit und Präzision aus. Sie betone, daß die französische Regierung besonderen Wert darauf legt, daß die Verhandlungen noch vor dem Zusammentritt des Völkerbundes' im September zu einem greifbaren Ergebnis gelangen, was offenbar darauf schließen lasse, daß man in Paris ein starkes Interesse daran hat, den Eintritt Deuffchlands in den SBinib nicht abermals um ein Jahr zu ver­zögern. Von dem Ausfall der deutschen Antwort werde das französische Ministerium des Aeußern seine Haltuna zu dem von der deutschen Regierung geäußerten Wunsche, die Verhandlungen auf direk­tem Md mündlichem Weg fortzusetzen, abhängig machen muffen.

Die deutsche Regierung, fährt das Blatt fort, werde gut tun, sich bei der Abfassung ihrer Ant­wort die Taffache vor Augen zu halten, daß die französische Note die rückhaltlose Zustimmung Eng­lands, Belgien und Polens und der Tschechoslowa­kei gefimden habe. Die Haltung Italiens scheine besllmmt zu werden durch die englische Weigerung, die für den Westen gegebene Garantie auch auf den Brenner auszudehnen. Italien werde es unter die­sen Umständen wahrscheinlich ablehnen, dem Sicher­heitspakt für den Rhein beizutreten. Dagegen könne schon jetzt mit Bestimmtheit mit der Zustimmung Italiens zu dem von Frankreich in Aussicht ge­nommenen Ausbau des Systems internationaler Garantieverträge gerechnet werden, für das der Rheinlandpakt lediglich die Voraussetzung biete.

»td London, 15. Juni. (2el.) Der Pariser Korrespondent derDaily News" schreibt: Deutsch­land fei verständigt, daß cd im allgemeinen Interesse liegen würde, wenn die Sicherheits­paktverhandlungen vor der nächsten Tagung des Völkerbundes beendet sein würden. Das be­deutet, daß für die Paktverhandlungen ungefähr 10 Wochen zur Verfügung stehen werden.

Meinung eines englischen Generals.

Der bekannte pazifistische Brigadegeneral H a m i l- - ? n sagte in einer Rede über "den Sicherheitsplan, ^Nationen des Kontinents verständen unter einem ^scherheitspakt, daß kriegerische Operationen nicht m eigenen Lande stattfinden. Wenn die Gefahr

Invasion beseitigt sei, so zeige sich, daß bei den Messenden Nationen der Abscheu vor dem ft1 *9® beträchtlich abnimmt. Es sei zum winde-

U strittig, ob England gut daran täte, sich Oet heiligen Allianz gegen Ruhestörer zu betei­

ligen. England sollte sich nicht verpflichten, an den Kämpfen anderer Leute teilzunehmen. Wenn England 1914 die Hände freigehabt und erklärt hätte, mit aller Macht aegen einen oesierreichisch-deutschen oder franzöfisch-ruffischen Angreifer zu kämpfen, so würde der Friede gewahrt geblieben sein.

Deutschland und der Völkerbund.

Mit den Erörterungen über den Sicherheits­pakt ist neuerdings die Frage des Eintritts Deutsch­lands in den Völkerbund auf das engste verknüpft worden. Insbesondere Frankreich sieht nur dann eine Garantie für die Innehaltung eines mit Deutschland zu schließenden Sicherheitsvakteck, wenn Deutschland gleichzeitig Mitglied des Völkerbundes ist. Andererseits steht Deutschland nach wie vor auf dem Standpunkte, daß die Idee des Völkerbundes zwar durchaus berechtigt ist, daß Deutschland es weiterhin auch durchaus als ein Ziel seiner außen­politischen Arbeit ansieht, einem derartigen Bunde, der wirklich einen Zusammenschluß aller Völker zu gemeinsamer Arbeit darstellt, anzugehören, daß aber für einen Beitritt Deutschlands noch nicht die notwendigen Voraussetzungen gegeben sind.

Gerade die jetzigen Vorgänge zeigen uns wie­der, daß die Entente den Beitritt Deutschlands zum Völkerbünde dringend wünscht, und das trifft sich mit allen früheren Beobachtungen, die dahin gehen, daß die Entente das Empfinden hat, daß ein Völker­bund ohne die Beteiligung Deutschlands als der zentral gelegenen Mitteleuropäischen Macht nur ein Stückwerk ist.

Andererseits darf man natürlich nicht vergessen, day Deutschland das größte Interesse daran hätte, Mitglied dieser Einrichtung zu fein. So fragwürdig der Völkerbund in seiner jetzigen Gestalt ist,' so stark muß man mit ihm als einer festen Einrichtung nun einmal rechnen. Es würde für Deutschland zweifel­los auf die Dauer unmöglich fein, daß in diesem Völkerbund ständig deutsche Angelegenheiten und die Beziehungen Deutschlands zu den Völkern ver­handelt werden, ohne daß Deutschland Gelegenheit hätte, auf die Entschließungen Einwirkung zu ge­winnen. Deutschland wird schon danach' trachten müssen; bei der Behandlung seiner eigenen Ange­legenheiten- auch mitzureden: davon hängt zum guten Teil auch seine Aktionskraft in der internatio­nalen Politik ab.

Jedenfalls wird die Frage der Stellungnahme Deutschlands zum Völkerbunde gerade im Hinblick auf die neueren Vorgänge in der Außenpolitik nun= mef)r wieder lebhafter erörtert werden muffen. Auch bei den kommenden Verhandlungen, die mit der E"twaffnungsnote und der Sicherheitsfrage zufam- menhangen, wird diese Angelegenheit stärker als bisher in den Vordergrund zu treten haben.

Die deutsch-franz. Handelsvertrags- Verhandlungen.

wtb. Berlin, 15. Juni. (Tel. Die handelsver- kragsverhandlungen mit Frankreich in den verschie­denen llnferfommiffioncn sind nunmehr soweit fortgeschritten, daß sie in ein e n t s ch e i d e n d e s Stadium kommen. Der Leiter der deutschen Dele­gation, Staatssekretär Dr. Trendelenburg, begibt sich heute nach Paris, um für diese entscheidenden Verhandlungen wieder selbst die Leitung zu über­nehmen.

* TaS deutsch-spanische Handelsabkommen. Der spanische Wirtschastsrat Hal dem deutsch-panischen Handelsabkommen, das vor kurzem im Rrichslag angenommen worden war, nunmehr gleichfalls zu- gestimmt.

Die Wirren in China.

Ein Protest gegenüber England. Reue Gewalttaten.

Das Auswärtige Amt hat der britischen Ge­sandtschaft einen Protest gegen die Schießer ei inHankau zugestellt, in dem es heißt, der Außen­minister habe mit großer Ueberraschung vernom­men, daß, während die Schanghai-Angelegenheit noch nicht geregelt war, ein ähnlicher schrecklicher Vorfall sich in Hankau ereignet habe, wo britische Freiwillige am 11. Juni Maschinengewehre ver­wendet und acht Chinesen getötet und elf verwun­det und damit die Grundsätze der Menschlichkeit ver­letzt haben. Die Note erhebt formellen Protest und behält sich das Recht vor, weitere Forderungen zu stellen sobald der Fall untersucht ist. Sie fordert, daß der britische Geschäftsträger alle Konsuln und sonstige fremden Behörden anweise, in Zukunft der­artige Handlungen zu unterlassen. Der Reuterbe­richt fügt hinzu, die Ausländer hielten diese Note für ein bemerkenswertes Zeichen der Schwäche der chinesischen Regierung, da sie ein Nachgeben vor der bolschewistischen Presse und den extremen Studen­ten bedeute, die seit einer Woche verlangten, daß China mit feinen Forderungen sich allein an Groß­britannien halten solle. Die Studenten fordern jetzt die Abberufung des bitifeben und japa­nischen Gesandten aus Peking und der beider­seitigen Konsuln aus Schanghai sowie Auslieferung des ausländischen Polizeipräsidenten von Schanghai an_ die chinesische Regierung, der bestraft werden müsse, schließlich die endgültige Zurückziehung der britischen und japanischen Kanonenboote aus den Gewässern Schanghais.

Die Sunday Expreß meldet aus Schanghai: Das britische und das japanische Konsulat in der Hafenstadt Kiukiang am Pangtsefluß wurden von einer erregten Menge, die heftige Angriffe auf die Gdäude unternahm, angezündet und schwer beschädigt. Das britsche Konsulat konnte von den Angreifern, die zu plündern begonnen hatten, befreit werden. Die Menge plünderte daraus andere Gebäude ausländischer Gesellschaften. So wurden das Besitztum der Japanischen Schiffahrtsgesell- srhMlkrtd MMWfM aW»>sr. Schiffahrtsgesellschaft ten völlig emgeäschert. Die Gewalttätigkeiten be­gannen damit, daß mehrere Tausend Aufftändische, meist Studenten Arbeiter, in das britische Konzes­sionsgebiet sindrangen und Gewalttaten begingen. Chinesische Truppen trieben schließlich die Ausrührer zurück.

rotb.fi an ton, 15. Juni. (2d.) Rach einer Reu- fermetbung machten die Einwohner von fianfon nach ihrem gestrigen Sieg Jagd auf Puennan- Soldatcn und andere Personen, die mandarifch sprechen, mißhandetten sie in furchtbarster Weife und warfen sie dann in den Fluß. Straßenredner hatten überall aufreizende Ansprachen. Ausländer sind bisher noch nicht bdäffigf worden.

Der russische Bolschewismus am Werke.

wtb London, 15. Juni. (Tel.) Der Rigaer fiorrefpondenk derDaily Rews" schreibt: Aus Sibirien eintreffende Reifende erzählen, sie hätten zahlreiche mit der Aufschrift:Rrikitärifches ma­terial versehene, von Moskau nach Eharbin be­stimmte Waren gesehen, worunter sich verschiedent­lich Waffen, Munition und anderes firiegsmakerial, sowie auch Geschütze befunden hätten. Die Reisen­den berichteten, die Russen erklärten offen, daß die Sowejekregierung die chinesischen Aufständischen unterstütze und die militärischen Sendungen für einen chinessischen General bestimmt seien, der die europaseindliche Bewegung unterstütze.

Deutscher Reich.

* Hindenburg an das Reichsbanner. Das Reichs­banner Aschaffenburg hat am Tage feiner Bannerweihe (25. Mai) an den Reichspräsidenten Hindenburg ein Begrüßungstelegramm geschickt, in dem der Treue zur Verfassung besonderer Ausdruck gegeben war. Im Auftrage Hindenburgs hat nunmehr Staatssekretär Meißner an den Vorsitzenden des Reichsbanners ein Schreiben ge- -ichtet, in welchem dem Reichsbanner der ver­bindlichste Dank des Reichspräsidenten für das Telegramm ausgesprochen wurde.

Ncueinstclluiig von Postbeamten. Die Post- verwaltung wird, Wie eine Berliner Korresponvenz mitteilt, in den nächsten Tagen 1600 Versorgungs- anwärter als Beamte einstellen, ferner sollen weitere 5000 Postaiiwärter bei der Post neu eingestellt werden.

Kurland.

* Tie belgische Kabinettskrise. Der König hat zu gleicher Zeit je einen Vertreter der drei im Par­lament vetiretenen Parteien, nämlich den Katholiken Va de Vyvere, den Liberalen Masson und den Sozia- ltsten Vandervelde, empfangen und sich mit ihnen über die po-itische Lage ausgespsocken. Es ist wahr­scheinlich, daß der König den Parteiführern die Bildung eines aus den drei Parteien zusammen­gesetzten provisorischen Ministeriums Vor­schlägen wird.

* Wieder deutscher Sprachunterricht in Amerika. Die Unterricktsbebörde in Atlante hat angeordnet, daß die deutsche Sprache wieder als Wahlfach an den öffentlichen Schulen eingeführt wird. Der Unterricht der deutschen Sprache war seinerzeit im Weltkriege abqefchafft worden, als der Haß gegen Deutschland aufs Höchste gestiegen war.

Seneralratrwahlen in strankreich.

Am Sonntag fanden in den zum Landkreis Paris gehörenden Gemeinden Wahlen für den Generalrat des Seine-Departements statt. Bis jetzt fetzte sich der Generalrat aus 102 Mitgliedern zusammen, nämlich auS den 80 Munizipalräten der Stadt Paris und 22 von den Gemeinden der Bannmeile gewählten Generalräten. Durch ein jüngst vom Parlament angenommenes Gesetz ist die Zahl der Vertreter der Landgemeinden um 18 erhöht worden. Das macht Neuwahlen erforderlich, über deren Verlaus folgende Drahtmeldung vorlieat:

. wtb. Paris, 15. Juni. (Tel.) Bei den gestern vorgenommenen Generalrakswahlen für 40 Abge­ordnete des Generatraks des Seine-Departements wurden 21 Generalräte gewählt. Für 19 Sitze hat eine Slichwahl staklzufinden. Bon den 21 Generalräken gehören 6 den kommunistischen So­zialisten, 4 der kommunistischen Partei, 4 den So­zialisten und 2 der radikalen Partei an. 4 General- räke sind LinksrepublikMer und einer ist Republi­kaner. Die Stichwahlen finden am nächsten Sonn­tag stakt. Sie erstrecken sich auf die beiden Arron­dissements St. Denis und Sceaux, also lediglich auf die Bannmeile von Paris.

Die Kampfe gegen die MffKabylen. Ausreifebereitschaft des spanischen Nordasrika-Ge­schwaders. Französisch-spanisches Zusammengehen.

Nach Meldungen aus Gibraltar, hat das spa­nische Nordafrika-Geschwader, bestehend aus Kreuzern, Torpedoboatszerstörern, Torpedobooten und Fluazeug- Mutterschiffen, das gegenwärtig in Algeciras statio­niert ist, auf funken telegraphischem Wege von General Primo de Rivera den Befehl erhalten, sich für feine Ausreise nach Nordafrika bereitzuhalten. General Primo de Rivera wird sich am 28. Juni nach Al­geciras begeben.

Havas berichtet aus Madrid: Die französischen und die spanischen Marinesachverständigen haben iu Madrid eine erste Zusammenkunft gehabt.

3m preußischen Landtag

sprach am Samstag bei Beratung des Landwirt­schaftshaushalts Landwirtschaftsminister Dr. Steiger über die Zollfrage. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Zinsbelastung der preußischen Landwirtschaft, die auf alle Fälle größer sei als die Zinslast der Vorkriegszeit. Dazu trete die zweifellos größere Steuerbelastung. Das alles trüge mit bei zu der schwierigen Sage der Landwirtschaft, während andererseits Uebereinstimmung darüber herrsche, daß die Landwirtschaft in ihrer Leistungsfähigkeit erhalten werden muß und dazu des Schutzes durch Zölle bedarf. Der Minister begrüßte diese Forderung im einzelnen mit der Höhe der Produktionskosten im In- und Auslande und mit den besonderen Gründen, die in der deutschen Produktion liegen. Er bezeichnete den Getreidebau als das Rückgrat der Landwirtschaft, alles andere resultiere aus ihm. Wenn dieser nicht rentabel fei, leide die gesamte Landwirtschaft Not. Gerreidezölle seien daher zur Sicherung notwendig. A u s g l e i ch s l l e, wie sie jetzt von der Wissenschaft vorgeschlagen würden, hätten sich bereits in Form der gleitenden Zölle als unzweckmäßig erwiesen, und die Behauptung, daß die Landwirtschaft doch nichts von den Zöllen habe, da sie nur in einer Erhöhung der Grundrente und daher der Landpreise ausmünde, werde neuerdings auch von den Männern der Wissenschaft, die diese früher anerkannten, bestritten. Der Minister trat für Mindestzölle ein, aber andererseits für niedrigere Gersten- und Maiszölle und für die Zollfreiheit für Kleie und Oelkuchen. Er forderte die Aufhebung der Ausfuhrsperre des deutschen Getreides und die Wiedereinführung des Einfuhrfcheinsystems.

Abg. Dr. Hermes (Ztr.) stellte die weitgehende Uebereinftimmung des Hauptausschuffes über die schwere Notlage der Landwirtschaft fest. Meinungs­verschiedenheiten beständen nur über die Mittel, wie dieser Not zu steuern sei.

Deutsches Handwerk.

Der Deutsche Fleischer - verband, dem 60000 Fleischermeister Deutschlands als Mitglieder angehören, begeht in Gotha am 21. und 25. d. Mts. seinen dies­jährigen Verbandstag verbunden mit der Feier seines SO jährigen Bestehens. An den Verhandlungen werden die Spitzen der Staats-, Kreis- und Gemeindebehörden teilnehmen. Man rechnet mit einer sehr großen Teil, nehmerzahl aus allen Teilen des Reichest Bei Gelegen­heit de- Jubiläums veranstaltet die Fleischer-Innung Gotha eine große fachgewerbliche Ausstellung ür das gesamte Fleischergewerbe. Die Ans­tellung wird am 21. Juni eröffnet und dauert biP zum 28. Juni.____

* hundert Jahre Rheindampfer. Hundert Jahre ist es her, da schnitt zum allgemeinen Erstaunen der erste Dampfer durch die Fluten des Rheins. Als wenn ein Wunder zu sehen wäre, so liefen die Leute an den Ufern zusammen.Alte Weiber schlu­gen die Hände über dem Kops zusammen, andere legten sie wie zum Gebet ineinander, Kinder jauchz­ten, Männer schwenkten die Hüte und Mützen, und oft brach die ganze Volksmasse in ein lautes Hurra aus, welches von der Schiffsgesellschaft er­widert wurde", so heißt es in einem alten Bericht über die erste Fahrt aus SanktGoar. Und kein Wunder! War es doch das erste Mal, daß die Be­wohner ein Fahrzeug zu sehen bekamen, das sich ohne einen lebenden Antrieb vorwärts bewegte. Für den, der diesen ersten Dampfer gesehen hatte, konnte späterhin die Eisenbahn eigentlich kaum noch etwas Ueberrajchendes bieten1