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Nr. 127.

Anzeiger für die Stabt und ben kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

Beraniworttilb kür die Echrittleitung! Dr. Johannes Kramer- Arueig«,: I. $ ar,eller, Fulda. Rotationsdruck und Berlaa der Sulbaet «ctikndruckerei in Fulda. Fernsvrecker Rr. S.

Monatlicker BemaSvreiS: 1.50 Mk.

Donnerstag, 4. 3uni 1925.

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52. Zahrg.

Die immer wieder verzögerte Note.

Die Reichsregierung wird erst am Donnerstag die Lntwaffnungsnote in Empfang nehmen.

Noch in letzter Stunde hat sich die Ueberreichung ter Entwaffnungsnote abermals verzögert. Wie iaus französischer Quelle verlautet, ist die Ueber­reichung auf Wunsch der deutschen Re­gierung auf Donnerstag verschoben worden. Nach einem telegraphischen Bericht des französischen Botschafters in Berlin soll ein entspre­chendes Ersuchen von dem Reichskanzler selbst ge­stellt und mit der Abwesenheit des Herrn S t r e s e- mann von Berlin begründet worden sein. Das Auswärtige Amt hat zu gleicher Zeit mitgeteilt, daß es mit Rücksicht auf die technischen Schwierig­keiten der Uebersetzung nicht in der Lage sei, die Note bereits zwölf Stunden nach ihrer Ueberrei- schung zu veröffentlichen, und mit Rücksicht darauf gebe^n, auch die Bekanntgabe in den alliierten Hauptstädten bis Sam st a g zu vertagen.

Aus Paris verlautet: DerTemps" drückt feine Verwunderung darüber aus, daß ein Teil der deutschen Presse gegen die alliierte Note, deren Tert noch nicht veröffentlicht worden sei, protestiert. Den Deutschen stehe es jetzt zu, die moralische At­mosphäre zu schaffen, in der bas Vertrauen aufkommen und sich entwickeln könne. Wenn man nach der Sprache der deutschen Blätter urteilen wolle, scheine es wenig geneigt zu sein, in diesem Sinne zu arbeiten. Es sei möglich, daß der ganze Zorn hinsichtlich der Nichträumung der Kölner Zone Taktik ei, um die Alliierten zu veranlassen, ihre Forderungen herabzusetzen. Aber man habe das Recht, sich zu fragen, ob man darin nicht ein viel weitergehendes Manöver erblicken könne und ob es

sich nicht bei denen, die diese Agitation fördern, darum handle, ihre Vorschläge betreffend den Abschluß eines Sicherheitspaktes zurück­zunehmen unter dem Vorwand, daß die Be­setzung der ersten rheinischen Zone aufrechterhalten werde. Die A u f n a h me, die das Kabinett Luther der Note der Alliierten bereiten werde, werde über den Grund der deutschen Haltung aufklären. Aber wie sie auch ausfallen möge, sie werde an den getroffenen Entscheidungen nichts ändern.

*

Das deutfche Volk, gestützt auf ein reines Gewissen, erwartet zwar mit Spannung, aber m i t innerer Ruhe das, was ihm nach langen Wo­chen der Beratungen und des Meinungsstreites die Großmächte sagen wollen.

Belgien und Ächerheitsvakt.

Belgien stellt sich auf Seite der Engländer. Es nimmt die französische These über die

Vsigrenz-Frage nicht an.

wtb Paris, F. Juni. (Tel.) DasJournal" glaubt zu wissen, daß die belgische Regierung hin­sichtlich des Sicherheikspakkes der französischen Re­gierung eine Antwort erteilt habe, die sich voll mit der englischen Antwort deckt. Die belgische Regie­rung sei der Ansicht, daß die Streitkräfte Belgiens für den Schuh der westlichen Grenze vorhan­den seien und daß mit ihnen nicht die östliche Grenze gesichert werden könnte.

Deutschland und der Gaskrieg

nmgszulagen und Nachtdienstzulagen seitens der Spammer bewilligt werden. Aus diesem Grunde zeigt sich unter den Beamten eine gewisse Agita- Vc11"i,-?0 ^"rd aus Bordeaux gemeldet, daß eine öffentliche Demonstration der Postbeamten stattge­funden habe, während die Postbeamten in Mont­pellier eine Versammlung abgehalten haben, in der gegen die Verweigerung der Kredite p r o t e st i e rt wurde.

* Abbruch der griechisch-serbischen Dündnisver- handlungen. Die Verhandlungen zwischen der grie­chischen Regierung und der jugoslawischen Regie­rung zwecks Erneuerung des Bündnisvertrages sind abgebrochen worden.

* Amerikanische Hilfe für die italienischen Banken. Zwischen einem Konsortium (unter dem Vorsitz des Generaldirektors der Bonco d'Jtalia, Banco di Neapoli und Banco di Civilia einerseits und dem Vertreter der Bank Morgan in Newyork anderer­seits wurde ein A b k o m ni e n getroffen, nach welchem den italienischen Banken ein Kredit von 50 Mil­lionen Dollar eröffnet wird. Der Zweck dieses Kre­dits besteht darin, im gegebenen Falle Schwan- i gungen der italienischen SBolutar ent» k.Lgenzuwirkeu. ' 1

Eine Demonstration der französischen Post- veamten. Aus Paris wird gemeldet: Der Senat har im Budget für 1925 die Summe gestrichen, r Mrch die den Post- und TeleLraodenbLsrnten Teu^ -

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

5m Auslande hat die Erklärung des deutschen Vertreters in Genf über die Bereitschaft Deutsch­lands, den Gift- und Gaskrieg unmöglich zu machen, nicht geringe Aufmerksamkeit erregt. Wenn Deutschland als gerade in der chemischen Industrie anerkannt fortschreitendes Land eine solche Anre­gung gibt, so ist sie gewiß sehr hoch zu bewerten, denn sie spricht für die unbedingte Ehrlichkeit der deutschen Absichten.

Mit dieser deutschen Erklärung werden aber auch eine Menge von Märchen, die nicht nur im Auslande über Deutschlands Vorbereitungen für einen Gift- und Gaskrieg verbreitet waren, ausge­schaltet. Man kann im Auslande die greulichsten Geschichten erzählen hören über die Gifte und Gase, die Deutschland in seinen chemischen Fabriken her­stellt, um den nächsten Krieg auf ganz anderer Grundlage führen zu können. Richtig ist daran, daß selbstverständlich die deutsche Forschung und die deutsche Wissenschaft nicht ruhen, daß sie vielmehr danach trachten, ben technischen Fortschritt auch auf diesem Gebiete in feder Weise sicherzustellen. Daß Deutschland seine Kenntnisse und Errungenschaften m diesen Dingen ebenso nutzbar mache, wie seine Erfahrungen auf anderen Gebieten, ist ganz selbst­verständlich und kann und darf ihm solange nicht verwehrt werden, als es inmitten Europas von einem Wall von Gegnern sich umgeben sieht, die an alles andere, nur nicht an eine geistige oder gar technische Abrüstung denken. Gerade jetzt ist im Reichstag bei Beratung des Reichswehretaks festge­stellt worden, daß die größte Heeresvorlage des I Kontinents ausgerechnet von dem Linkskabinett H e r r i o t s in der französischen Kammer gefordert worden ist! Deutschland hat also alle Ursache miß­trauisch zu fein und nichts zu verabsäumen, was zum Schutze seines Gebietes und feiner Bevölke­rung geeignet erscheint.

Das hindert andererseits Deutschland aber auch keineswegs daran, so viel an ihm liegt, mit dazu beizutragen, daß die furchtbaren Schrecknisse eines modernen Krieges, der sich in der Tat die neuzeit­lichen Errungenschaften der chemischen Forschung zunutze machen würde, vermieden werden. Wie ein solcher Krieg sich vollziehen würde, welche Wir- hingen er hätte, das alles ist in Schilderungen uns bereits vor Augen geführt worden, die keineswegs übertrieben sind. Dieser Krieg würde von der Lust aus fast unsichtbar sich vollziehen, er würde

Tod und Schrecken und Grauen gegen einen un­heimlichen, unfaßbaren Feind verbreiten, er würde aber noch mehr als jeder andere mit Waffen ge­führte Krieg gerade die Bevölkerung, die Wehr­losen treffen.

Deutschland hat sich mit seiner, jetzt in aller Form feierlich in Genf gegebenen Anregung, eine der­artige Kriegführung unmöglich zu machen, und auf das Schärfste zu verbieten, ein Verdienst um die Zivilisation erworben. Damit hat aber auch die deutsche Reichsregierung den schärfsten Schlag gegen alle diejenigen seiner Widersacher geführt, die mit der Behauptung von deutschem Barbarismus und deutscher Unkultur die demütigenden Bestim­mungen des Versailler Vertrags begründeten und rechtfertigten.

Was nun aus der deutschen Anregung wird, ist im Augenblick noch nicht zu übersehen. Sie hat so manche Regierungen auf der Gegenseite in eine taktische Lage manövriert, aus der ein Ausweg für diese Regierungen gesucht werden muß. Un­sere Informationen aus Genf lassen auch erkennen, daß diese den Teilnehmern an der Genfer Tagung völlig unvorbereitet gekommene Erklärung des deutschen Vertreters wie eine ungeheure Heber« raschung wirkte, und daß sofort eine heftige Kulis­senarbeit einsetzte. Deutschland hat nunmehr seine Gegner gezwungen, Farbe zu bekennen. Man wird deshalb den Fortgang dieser Dinge mit der aller­stärksten Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Die Ehrlichkeit der deutschen Anregung und ihre Un- eingeschränktheit zwingen nun zur völligen Klar­stellung der Lage. Die amerikanische Re­gierung, die einen derart weitgehenden deutschen Antrag noch nicht einmal in den Bereich der Mög­lichkeiten gezogen hatte, und die lediglich den Vor- schlag machte, daß durch ein internationales Ab­kommen der Handel mit solchen zur Kriegsfüh­rung bestimmten Giften und Gasen verboten werde, hat nun diesen ihren Antrag zurückgenommen und wird voraussichtlich die deutsche Anregung auch von sich unterstützen und aufnehmen. Damit dürfte die Erörterung dieser Dinge in Fluß kommen, deren Ziel dahingeht, durch internationale Vereinbarun­gen die Verwendung von Giften und Gasen bet künftigen Kriegen, wenn man diese selbst nun mal noch nicht ausschalten kann, zu verbieten. Selbst­verständlich müßten dann auch die Sicherungen gegen Verfehlungen und Zuwiderhandlungen ge­troffen werden, die dann auf der Grundlage des Völkerbundsstatuts zu erfolgen hätten.

Deutscher Reich.

* Graf Posadowsky, einer der bekanntesten Staatsmänner der Epoche Wilhelms II., feierte feinen 80. Geburtstag. Er genießt die Ver- . ehrung aller Deutschen, die sachliche poli­tische Leistungen zu würdigen wissen.

* Major von Hindenburg, der Sohn des Reichs­präsidenten, der bisher in der Kavallerieschule in Hannover tätig war, ist in seiner Stellung als $ e r f ö n I i rf) e r Adjutant des Rens- Präsidenten in das Reichswehrministerium versetzt worden.

* Neues von Dr. Maurenbrecher. Der frühere Chefredakteur der rechtsradikalenDeutschen Zei­tung" und ehemalige Pfarrer und sozialistische Schriftsteller Dr. Maurenbrecher hat sich, wie die ^Voss. Zig." wissen will, um die Pfarrstelle in dem thüringischen Dorfe Mengersaereuth beworben.

Danzig und die polnischeZollpolM.

Danzig, den 28. Mai 1925.

Danzig ist bekanntlich durch das Friedensdiktat von Versailles trotz seines ausgesprochen deutschen Charakters gegen seinen Willen vom deutschen Mutterlande losgetrennt und zum selbständigen Staat von Völkerbundsgnaden gemacht worden. Dies angeblich, um dem neugeschaffenen Polen einen unbehinderten Zugang zum Meere zu verschaffen, in Wirklichkeit aber war Danzig ein Schacherobjekt zwischen den wi­derstreitenden Interessen der Ententemächte, und ein Schacherobjekt wird es auch in Zukunft bleiben, das hat die fünfjährige Nachkriegszeit Danzigs be­reits zur Genüge erwiesen.

Doch Danzig wurde nicht in jeder Hinsicht ein freier, selbständiger Staat, gewisse Rechte wurden ihm genommen bezw. eingeschränkt. So ist es u. a. auch gezwungen worden, mit Polen ein ein­heitliches Zollgebiet zu bilden, welcher Zwang sich nachgerade zum Todeskeim für Danzig auswirken muß, falls die bis jetzt geübte Praxis weiter betrieben wird. Danzig ist ein von Polen wesentlich verschiedenes Wirtschaftsgebiet, es ist zum weitaus größten Teil ein Stadtstaat, der sich nicht aus eigenen Erzeugnissen ernähren kann, sondern auf Einfuhr in sehr beträchtlichem Maße angewie­sen ist, und auch Polen kann seine Bedürfnisse bet weitem nicht befriedigen. _____

Eine genügende Einfuhr aber zu normalen Prei­sen wird Danzig von Polen geradezu unmöglich gemacht durch die unerhört hohen Einfuhr­zölle. Polen ist stets in großer Geldsorge, und um diese einigermaßen zu befriedigen, greift es zu Einfuhrzöllen, die, da beide Staaten ein einheitliches Zollgebiet bilden, auch für Danzig gelten. Zwar soll Polen gehalten sein, mit der Danziger Regie­rung sich vor Einführung neuer Zölle ins Einver­nehmen zu setzen, doch es setzt sich über diese Be­stimmung des Vertrages konsequent hinweg, und niemand, auch nicht der Schutzherr Danzigs, der Völkerbund, hindert es daran. Diese polnische Zoll­politik aber hat Danzig bisher schon an den R a n d des Abgrundes gebracht. Das Wirtschafts­leben Danzigs ist sozusagen lahmgelegt und droht zusammenzubrechen, die Preise der Waren sind im Durchschnitt wesentlich höher als in Deutschland,' ja sie erreichen teilweise das Zwei- und Mehrfache der deutschen. Der Warenumsatz ist infolge der Geld­knappheit und der hohen Preise gering, die Aus­fuhrmöglichkeit infolge der hohen Zoll- und Pro­duktionskosten desgleichen, das ganze Wirtschafts­leben stockt, und die Folge ist eine überaus starke Arbeitslosigkeit. Zählt doch der kleine Freistaat Danzig bei seiner geringen Einwohner­zahl von rund nur 350 000 eine Zahl von über 15 000 Erwerbslosen.

Alle diese traurigen Zustände sind zum wesent­lichen zurückzuführen auf die unerhört hohen Ein­fuhrzölle, mit denen Danzig durch Polen belegt ist. das auf die Danziger Verhältnisse grundsätzlich keine Rücksicht nimmt und scheinbar systematisch darauf angelegt ist, Danzig vollständig zu vernichten.

So lagen die wirtschaftlichen Verhältnisse bis jetzt, hervorgerufen durch die bisherige polnische Zollpolitik. In den letzten Tagen ist nun aber noch eine wesentliche Aenderung eingetreten. Der 27. Mai hat ganz unerwartet einen neuen Zolltarif gebracht, der, wenn er bestehen bleibt, unweigerlich den vollständigen wirtschaft­lichen Niedergang Danzigs bedeuten muß. Ja noch mehr! Die Lebenshaltung weiter Kreise, namentlich der arbeitenden Bevölkerung Danzigs ist heute schon so, daß sie kaum noch als menschenwürdig bezeich- werden kann. Die neue Zollerhöhung aber ist von Ausmaß, daß sie unweigerlich eine sehr beträchtliche Erhöhung aller Preise nach sich ziehen muß. Die Lage der Danziger Wirtschaft duldet aber feine weitere Gehalts- und Lohnerhöhungen, wenn sie nicht vollständig stillgelegt und so weitere Tausende arbeitslos werden sollen. Die Folge wird neue Beunruhigung und neuer erbitterster Lohnkampf fein, ja Unruhen sind dabei nicht ausgeschlossen, da üble Hetzer bereits seit langem am Werke sind. Das aber könnte für Danzig allerübelsten politischen Folgen nach sich ziehen, da Polen ja nur auf einen Vorwand zu einem Einmarsch in Danzig, über das es sich heute schon die Oberherrschaft anmaßt, wartet.

. Die neuen Zölle müssen für Danzig geradezu ruinös wirken, denn die bereits bisherigen uner­träglichen werden um das Zwei-, Drei-,' Vier-, ja bis Zehnfache erhöht. Nur einige Zahlen mögen das Gesagte etwas näher erläutern. So beträgt jetzt allein der Zoll für 100 Kg. frische Aepfel 150 Zloty, d. h. pro Pfund 75 Danziger Pfennige (1 Danziger Gulden 1,8 1,25 Reichsmark). Für 100 Kg. Kartoffeln 40 Zloty, d. h. 20 Pfg. pro Pfund, für ein Pfund Kakao ohne Zucker einen Gulden, ein Pfund Marmelade und Säfte aus Früchten und Beeren 3,50 Gulden, ein Pfund Käse 1,50 Gulden, ein Pfund Salzheringe 0,75 Gulden, ür ein Paar gewöhnlicher Schuhe 6 Gulden, für einen Regenschirm 40 Gulden, 100 Kg. Schäfte und Oberleder kostet 4000 Gulden, ein Flügel 1000, ein Pianino 500, ein Pfund Weintrauben einen, ein Pfund Krabben, Austern, Krebse und dergleichen 20, eine goldene Tqjchenuhr 70, ein Landauer 2000, ein gewöhnlicher Lastwagen 500, ein Kinderwagen 30, ein Pfund Papiertapeten 4, ein Füllfederhalter 5 Gulden usw.

Diese wenigen, ganz beliebig herausgegriffenen Zahlen mögen dem Leser einen Begriff geben von den Lasten, die der Bevölkerung durch diesen neuen polnischen Zolltarif auferlegt werden. Unter ihm kann keine Gesundung eintreten. Alle diese Lasten werden natürlich auf die Verbraucher ab gewälzt, und die Erfahrung hat gelehrt, daß bei solchen Er­höhungen die Gelegenheit benutzt wird, auch noch l weitere Zuschläge zu machen. Woher aber I Mlen^bje - da« Geld nahmen

Die Krawalle in Schanghai.

Aus Schanghai wird gemeldet: Der ausgebro» chene Streik erstreckt sich lediglich auf bie japa» Nischen Baumwollspinnereien, die Straßenbahnen, die Elektrizitätswerke und die städtischen Angestellten. Die Zahl der Streikenden beträgt 30 000. Die Polizei hat die von den ameri­kanischen Freiwilligen festgenommenen 300 Chi­nesen mieöerin Freiheit gesetzt. Nach ben letzten Melbungen haben zahlreiche kleinere Kra­walle ftattgefunben, bie sich in ber Hauptsache ge­gen Japaner richteten.

Eine Meldung aus Peking besagt: Das chine­sische Kabinett hat zwei Oberkommissare ernannt, die sich nach Schanghai zur Untersuchung der dortigen Vorgänge begeben sollen.

Aus Tokio liegt folgende Meldung vor: Das japanische Auswärtige Amt nimmt gegenüber der Sage in Schanghai eine abwartende Hal­tung ein. Es erwartet, daß die übrigen in Be­tracht kommenden Mächte notwendigenfalls eiat gemeinsame Aktion unternehmen werden.

50 italienische Seefolbafen gelandet.

wtb London, 3. Juni. (Tel.) Reuter mel­det aus Schanghai: Der Streik greift weiter um s i ch. Der Streikrat habe Vertreter zur Kontrolle des Lebensmitteltransports entsandt. Ein italieni- scher Kreuzer habe 50 Mann Marinetruppen ge­landet, die mit den von amerikanischen Zerstörern gelandeten Truppen zusammen eine Vorhut von 200 Mann Matrosen und Marinetruppen bilden und sich entsprechend den Anweisungen der Pekinger Gesandtschaft auf dem Dege nach Schanghai be­finden. Die Lage werde immer schlimmer.

Bolschewismus am werk?

wtb Sch a n g h a i, 3. Juni. (Tel.) Die chine­sischen Agitatoren haben in allen Stadtvierteln Aufrufe angeschlagen, in denen sie zum allgemei­nen Stufstand und zur Vertreibung aller Fremden aufrufen. Die Beamten in den Fremdenvierteln haben der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß sie Her­ren der Lage bleiben könnten, haben aber zuge­geben, daß die Aussichten ernster seien als je zuvor. Die Beamten schreiben die Unruhen dem Merke russischer und chinesischer Kommuni­sten zu.

Die tage in. Nordafrika.

Was nach der Niederwerfung der Riffleute ge- schehen soll. Spanisch-französische Einigung?

wtb Paris, 3. Juni. (Tel.) tzavas meldet aus Madrid: Die spanische Presse ist einer fran­zösisch-spanischen Zusammenarbeit in Marokko günstig gesinnt, anderseits scheint es, daß die spanische Regierung geneigt ist, ihrer­seits ihrPazifierungswerk" (d. h. die Niederwer­fung dec Eingeborenen) fortzuseßen. Der letzte Rückzug sei nur ein militärisches Manöver gewesen, um die rückwärtige Linie zu verstärken. Man spricht auch von einer Operation in der Gegend von Dibane, kombiniert mit einem Vormarsch der französischen Truppen im Gebiet Ouergha. Sobald Spanien und Frankreich die Angriffe der Ristleute niedergeschlagen hätten, so wird erklärt, würde Ab del Krim Vorschläge zur Unterwerfung unter ge­wissen Bedingungen unterbreiten. Jedoch muß dieser die Souveränität der Sultane und die Auto- tifäf der Kalife anerkennen.

Die belgische Ministerkrise.

wtb Paris, 3. Juni. (Tel.) Wie ein Brüsseler Telegramm des .Journal' besagt, ist der ehe­malige katholische Minister Poullet vom König empfangen worden. Er ist jedoch noch nicht offiziell mit der Kabinettsbildung betraut worden und wird seine Demarche sortsetzen und dem Könige noch mitteilen, ob er in der Lagerist, ein Ministerium aus Katholiken und Sozialisten zu bilden.

* Das englische Mittelmeergeschwader. Wie Ha- vas aus Malta berichtet, ist bas englische Mittel» meergeschwaber zu einer bis zum 25. Juli bauern- ben Kreuzerfahrt ausgelaufen. Nach ber Zusam­menziehung der Flotte bei ben Baleareninseln werben die Kriegsschiffe sich voneinanber trennen und verschiedene Häfen Frankreichs, Korsikas, Spa­niens und Italiens besuchen.

zahlen ber Waren? Es zeigt sich immer mehr bie unheilvolle Wirkung der Verquickung Danzigs mit Polen durch die Versailler Vertragsmächte, bie von Danzigs Wirtschaftslage und deren Bedürfnissen keine Vorstellung gehabt zu haben scheinen. Diese zollpolitische Verkettung Danzigs mit Polen ist bet ber jetzigen polnischen Zollgebahrung ein Unbing, unb Danzig muß, ba es bei seiner Lage, Große unb Verteilung ber Bevölkerung unbebingt auf starke Einfuhr angewiesen ist, aus bieser polnischen Zoll­umklammerung befreit, es muß ihm bie Freiheit eigener Entschließung auf zollpolitischem Gebiet ge­geben werden, oder aber es muß die Möglichkeit geschaffen werden, daß die Zölle nur durch gemein­sames Uebereinfommen beider Staaten festgesetzt werden können. Geschieht dies nicht, dann ist Danzig ein Sklave Polens, bas es vernichtet.

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