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Fuld aerZertung

Anzeiger für die Stadl und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. §25.

Berantwortlick für die Schriftleitunc.- Dr. Johannes Kramer- Anzeigen; J-Darreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Scticrdri'ckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.

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Sonntag, 3|. IHai §925.

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52. Zahrg.

Iie bnlentenote wird DieStag in Berlin erwartet. Die Sitzung der Votschafterkonferenz über die Lntwaffnungsnote. Die Sicherheitsfrage. Die Neparationsverpflichtrmgen Deutschlands

Aus Paris wird gemeldet: Die Botfchafterkon- .frenz wird am Samstag zusammentreten. Sie wird die e n d g ü l t i g e Fassung ihres entscheiden­den Beschlusses bezüglich der Entwaffnung Deutschlands fest legen. Diese Entschei­dung wird in Berlin der Reichsregierung durch eine Kollektivdemarche der alliierten Bot­schafter notifiziert werden. Nach demTernps" vermutlich am kommenden Dienstag.

Der diplomatische Redakteur der Havasagenjur Erfährt, daß der englische Botschafter in Paris -Lord Erewe dem Quai d' Orsay eine Note betreffend das französische Memorandum über die der deut­schen Regierung zu erteilende Antwort auf seinen Sicherheitspaktvorschlag übermittelt Habe. In französischen unterrichteten Kreisen er­kläre man, daß die Antwort der britischen Regie­rung die französische These über die wesentlichsten Punkte befriedige. Jedoch verlange London noch einige Aufklärungen über gewisse Fragen zweiklassiger Art. Man könne jedoch annehmen, daß ein endgültiges Einverständnis hierüber erzielt werde. Der Mitarbeiter der Havasagentur will wissen, daß die Einwendungen des Foreign Office die Schiedsgerichtsverträge betreffen, durch die der Sicherheitspakt vervollkommnet wer­den soll. Die Verhandlungen zwischen Paris und London würden fortgesetzt.

*

Aus London meldet Reuter: Das eng- kifche Kabinett hat die verschiedenen Fragen, die sich aus dem in Beantwortung der deutschen Vor­schläge von Frankreich ausgearbeiteten Entwurf der Note über die Sicherheitsfrage ergeben, ge- irüft. Die Angelegenheit ist nunmehr soweit ge- ördert worden, daß es jetzt möglich ist, der französi- chen Negierung gewisse Vorschläge zu machen. Es

besteht die Hoffnung, daß als Ergebnis dieser Vor­schläge demnächst eine Mitteilung nach Berlin gesandt werden kann, die die Grundlage für ein diese Frage betreffendes Uebereinkommen unter den Alliierten darstellen wird. Wenn diese Hoffnung erfüllt ist, so darf die französische Antwort als An­sicht der Alliierten betrachtet werden. Diese Auf­fassung gründet sich allerdings aus die Hoffnung und den Glauben, daß Frankreich die von England ver­tretenen Ansichten annehmen wird. Die französische Regierung hat der englischen Regierung Erklärun­gen hinsichtlich der genauen Bedeutung gewisser Teile des Notenentwurfs übermittelt, die noch nicht klar waren. Das englische Kabinett ist über die Stellungnahme, zu der es gelangt ist, völlig einer Meinung und es kann als sicher angenommen wer­den, daß England noch immer seinen Standpunkt aufrecht erhält", wonach die Erörterung eines weit­läufigen oder unbegrenzten Planes abzulehnen fei und daß es für einen begrenzten und b e - schränkten Plan eintritt. Ein Vertragsentwurf ist freilich noch nicht vorhanden und kann aus die­sem Grund den Dominions nicht unterbreitet wer­den. Aber die Ueberseeregierungen sind selbstverständlich über die verschiedenen Vorschläge, die Frankreich gemacht wurden, unterrichtet.

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Eine Meldung aus P a ri s besagt: Die Repa­rationskommission hat einstimmig festgestellt, daß Deutschland seine Verpflichtungen aus dem Dawssplan, also seine Reparationsver­pflichtungen' aus Abschnitt 8 des Versailler Ver­trages erfüllt hat. Diese Feststellung wird der Botschafterkonferenz, wie sie gefordert hat, auch über die von Deutschland geforderte Herabsetzung gewisser in dem Dawesplan vorgesehener Verpflich­tungen beraten.

Für Lage des Kabinetts Dr. Luther sind folgende Mitteilungen derGermania", die sie an den Bericht über die Annahme des deutsch- spanischen Handelsvertrages knüpft, von Bedeu­tung.

Danach ließ Reichskanzler Luther keinen Zweifel darüber, daß er auf der Annahme des deutsch-spanischen Handelsvertrages bestehen müsse und im Falle der Ablehnung die Kon­sequenzen ziehen werde. Die Sozialdemo­kraten zeigten aber keine Luft, den Deutschnatio­nalen die Verantwortung abzunehmen. Deshalb enthielten sie sich bei der ersten Abstimmung und blieben der Schlußabstimmung überhaupt fern. Dadurch zwangen sie die Deuschnationalen Farbe zu bekennen, und in der Tat hat denn auch die große Mehrheit der deutschnationalen Fraktion im Gegensatz zu der Haltung ihrer Agita- toren im Lande für den Vertrag g e- stimmt. Sachlich werden die Deutschnationalen diese Haltung vertreten können. In Differenzen geraten sie aber mit einem erheblichen Teil ihrer enttäuschten Wähler, denen sie wieder einmal falsche H of f n u n gen erweckt haben. Wie beim Dawesgesetz stehen ihre Taten in schroff­stem Gegensatz zu ihren Worten.

Wenn den Deutschnationalen dieser Vorgang nicht eine heilsame Lehre ist, kann der Bestand der Regierung Luther nicht mehr lange von Dauer sein. Die Sozialdemokraten wollten zwar die Deutschnationalen zur klaren Stellungnahme zwin­gen. Das ist ihnen auch gelungen, aber gleich­zeitig haben sie die Regierung Luther vor einer Niederlage bewahrt. Hätten sie, statt sich zu enthalten, gegen die Vorlage gestimmt, so wäre der Vertrag abgelehnt worden und die Regierung mit mehr als 20 Stimmen in der Minderheit ge­blieben. Ein Rück tritt der Regierung wäre dann unausbleiblich geworden. Das ist noch verhindert worden, aber wenn die Deutschnatio­nalen fortfahren, statt sachlicher Politik Agitation zu treiben und wenn sie dauernd ihre Pflichten als Regierungspartei vernächlässigen und in die süßen Gewohnheiten der Opposition zurückfallen dann wird es mit der Regierung bald vorbei fein.

Dr. Slresemann in Baden-Baden.

wtb Baden-Baden, 30. Mai. (Tel) Reichs- vußenmimster Dr. Skresemann ist gestern abend in Baden-Baden zu einem kürzeren Aufenthalt einge­troffen.

Tarifwesen.

flngefteHtenaefiälter im Kalibergbau. Tie Tarif. Verhandlungen mit Den Arbeitgebern Der deutschen Kali-Jndustrie haben zu einer freien Vereinbarung ge­führt, durch die den Angestellten ab 1. Juni @e» Haltserhöhung um 7,5"/» zugestanden wird.

Beamtenfragen.

Verband Deutscher post- und Telegraphenbeamken. Mit dem 4. Verhandlungstag erreichte der 37. Verbands- iQ9 de; Verbandes Deutscher Post- und Telegraphen­beamten sein Ende. Als Vertreter des Reichspostministers nahmen an den Verhandlungen Ministerialrat Schumach, Äs Vertreter der Oberpostdirektion Berlin Abteilungs- i*rftor Großkurth und Oberpostrat Buk teil. An Enl- Ichließungen, die die Allgemeinheit interessieren, wurden Maßt: Die Forderung auf baldige Verabschiedung des 5^"mtenvertretugsgesetzes sowie die end-

ernstliche Inangriffnahme eines allgemeinen neu- Ducken Beamtenrechtes; als notwendig wurde

die Gehaltsneurege Lun g noch vor Durchführung der Steuerreform bezeichnet; als Vorbildung für den gehobenen mittleren Post- und Telegraphendienst wurde anstatt der jetzt verlangten Primareife das Matur um einer Vollanstalt mit Rücksicht auf die steigenden Schwierigkeiten und die steigende Bedeutung des geho­benen mittleren Post- und Telegraphendienstes gefor- dert. Der alte Vorstand wurde einstimmig wieder gewählt. 1. Vorsitzender wurde Oberpostinspektor Schneider, 2. Vorsitzender Telegrapheninspektor Knappe und 3. Vorsitzender Postamtmann Bode.

wirtschaftliche Kampfbewegungen.

Siillegunqe« int Industriebau.

Aus Essen meldet W. T. V.

Industrie und Bergbau des Bochumer Bezirks haben einstimmig beschlossen, sämtliche industriellen Bauten un­verzüglich stillzulegen. Der Schritt wird wie folgt er­läutert Der Grund für das Vorgehen liegt darin, daß die in dem neuen Abkommen des Baugewerbes vom 22. Mai festgelegten Löhne, die durchschnittlich 60 bis 100 Proz. über den ortsüblichen Löhnen liegen, von der in bedrängter Lage befindlichen Industrie des besetzten Gebietes nicht getragen wer- den können. Von der Stillegung werden mehrere tau­fend Arbeiter betroffen. Es kommen in Betracht z. B. bei der Bergwerks-Aktiengesellschaft Lothringen 1700 Arbeiter, bei der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- Aktien-Gesellschaft 500, dem Bochumer Verein 300 Arbei­ter usw. Wie weiter verlautet, wollen unmittelbar nach Vfingsten der Arbeitgeberverband für die nordwestlichen Gruben sowie der Z-chenverband für die Gesamtheit des Bergbaues und die Eisenindustrie im Ruhrgebiet sich dem Schritt anschließen.

= Wieder Omnibusbekrieb in Berlin. Aus Berlin wird gemeldet, daß eine Versammlung der Omnibus­angestellten zu der Derbindlichkeitserklörung des Schieds. fpruchs Stellung nehmen wird. Ein Teil des Personals hat sich bereits wieder zur Arbeit gemeldet. Eine An­zahl Wagen wurde schon wieder in Betrieb gesetzt.

Schule und Volksbildung.

Neue planmäßige StubienratsfteHen. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage im Landtag wird festgestellt, daß im Staatshaushalt für das Rechnungs­jahr 1925 eine Anzahl neuer Planstellen an den staatlichen höheren Lehranstalten vorgesehen sind, durch die das Verhältnis zwischen planmäßigen Studien­ratsstellen und planmäßigen Assessorenstellen ungefähr auf das Verhältnis von 10 : 1 gebracht wird. Es wird angestrebt, das frühere Verhältnis von 13 : 1 wieder zn erreichen, möglichst durch den Staatshaushalt für 1926. Die Unterhaltsträger der nicht staatlichen öffentlichen höheren Lehranstalten werden, soweit es möglich ist, von Fall zu Fall angehalten, die für den Unterricht erforderlichen Planstellen mindestens in dem­selben Maße zu schaffen, wie dies bei den staatlichen höheren Lehranstalten geschieht.

* Der Weitschwindler Klonte wieder verhaftet. DerVoss. Ztg." zufolge hat die Dresdner Krimi­nalpolizei den Wettkonzerngründer Klante verhaftet, weil er seine frühere Tätigkeit wieder aus­genommen hatte. Es war Klante, der in Dresden sich unter falschem Namen aufgehalten hatte, gelungen, von einer Anzahl solcher Leute, die nicht alle werden, größere oder kleinere Summen zu erschwindeln. Wie erinnerlich, war Klante seinerzeit krankheits­halber aus der Haft entlassen worden.

Erleichterte Zollrevision. Seit einigen Wochen ist das Abfertigungsverfahren bei allen deutschen Grenzstellen vereinfacht worden. Insbesondere wird jetzt im D-Zugsverkehr durch Beschränkung der Zollnachschau auf Stichvroben die Primen erheblich he- jchleuniüt.

Belgien ist zahlungswillig.

Wtb IB a f M n 8 f 0 n, 30. Mai. (lei.) Der bel­gische Gesandte in Washington benachrichtigte heute Schahkanzler Mellon, daß die belgische Regierung wünsche, Verhandlungen über die baldige .Fundierung der belgischen Schulden an die Der. Staaten zu beginnen. Der Botschafter werde bin­nen kurzem nach Belgien reisen. Der Botschafter habe ihn verständigt, daß Belgien eine Kommission entsenden werde, die unter dem Dorsih des früheren Premier- und Finanzminifters Theunis stehen werde und zu der auch andere hervorragende Finanzleuke gehören würden.

Deutsche; Reich.

* Rückkehr des Reichspräsidenten nach Berlin. Reichspräsident von Hindenburg ist am Frci'ag abend mit einem fahrplanmäßigen Zuge von Hannover wieder in Berlin eingetroffen.

* Eine politische Tragikomödie. Der andere von den beiden deutschnatfonalen Reichstagsabgeordneten, der die Wahlversprechungen seiner Partei an die Bllswertungsgläubiger halten wollte, Abg.Dr. Stei­niger, scheint demnächst seinem Fraktionskollegen Dr. Best folgen und die Partei verlassen zu müssen. Er hatte in dem völkischenEhrengericht" mitge­wirkt, welches Dr. Best das Recht zuerkannte, sein Mandat zu behalten. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat nunmehr ihrerseits ein Ehrengericht" einberufen, vor dem sich Dr. Steiniger verantworten soll.

* Sächsischer Landtag. Der sächsische Landtag hat nach sehr erregter Debatte den Gesetzentwurf zur Abänderung der Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen in dritter Lesung in namentlicher Abstimmung mit 67 gegen 23 Stimmen ange­nommen.

Huslaitb.

* Deportierungen in Portugal. Wie Havas­agentur aus Lissabon meld«, sind 30 Strafge­fangene, die in die kürzlichen Attentate verwickelt sind, an Bord des KreuzersCarvalho Aranjo" übergeführt worden, um nach Guinea deportiert zu werden.

* Die Kämpfe in Marokko. Wie der .Jntran- sigeant berichtet, werde in Madrid angekündigt, daß der BruderAbd ei Krims schwer verwundet worden fei.

* Rätselhafter Tod eines dänischen Konsulaks- sekretärs. Nach einer Meldung aus Paris wurde der Sekretär des dänischen Konsuls in Bordeaux nachts in einer Toilette des D-Zuges Paris-Köln bei der belgischen Station Berviers tot aufg.e-

Zuni Kampf im

Die gesetzgebenden Körperschaften im Reich stehen von einer schwierigen Aufgabe. Sie sollen durch eine tiefgreifende Reform der Steuergesetz­gebung der Finanzwirtschaft von Reich, Staat und Gemeinden eine dauernde und aesunde Grundlage geben. Sie sollen ferner durch Beratung und Ver­abschiedung einer neuen Zollvorlage die kommende Entwicklung unserer Wirtschafts- und Handelspoli­tik entscheidend beeinflussen. Bei der Notwendig­keit, günstige Handelsverträge abzuschließen, ist diese Borlage für unsere Wirtschaft von allergrößter Bedeutung. Ihre Ankündigung allein hat schon Wellen geschlagen in unser innenpolitisches Leben, in die Kreise der Produzenten und Konsumenten, besonders die Ankündigung der Agrarzölle. Das war vorauszusehen, wenn man sich der vorkriegs­zeitlichen Zollkämpse vor kaum einem Viertelsahr- hundert erinnert, die mit seltener Heftigkeit geführt wurden und die öffentliche Meinung in zwei Lager spalteten, in das der Freihändler und das der Schutzzöllner.

Werden wir jetzt eine Neuauflage, eine getreue Wiederholung dieses unerquicklichen Streites er­leben? Das wäre im Interesse des inneren Frie­dens lebhaft zu beklagen. Es ist aber dazu sachlich unberechtigt. Und zwar aus folgenden Gründen. Vor dem Krieg bestand zwischen den streitenden Parteien Uneinigkeit über das Ziel. Die Schutzzöllner erstrebten die Erhaltung und Kräfti­gung der heimischen Landwirtschaft gegenüber der anstürmenden transozeanischen Konkurrenz, die Freihändler wollten eine stärkere Entwicklung zum Industriestaat und so die Landwirtschaft den indu­striellen Exportinteressen opfern. Heute dagegen steht für alle einsichtsvollen Wirtschaftspolitiker die Frage, ob Agrar- oder Industriestaat, kaum mehr zur Debatte. Auch die Gegner desAgrarzolles sind sich mit dessen Befürwortern einig in dem Ziel, daß Deutschland in seiner heutigen veränderten Wirt­schaftsstruktur ohne eine starke Landwirtschaft nicht gesunden kann. Vertreter der Linksparteien, der Arbeiterschaft, betonten diese Grundwahrheit des öfteren. Auch die Vorkämpfer des agraren Frei- dels der deutschen ökonomischen Autoritäten wie Gering und Harms, lassen in ihrer bekannten Stuttgarter Entschließung vom September 1924 darüber keinen Zweifel aufkommen. Sie wollen eineRationalisieruna der deutschen Landwirt­schaft" und nicht eine Verkümmerung. Sie lehnen eine einseitige Pflege der Ausfuhr für Deutschland, das seiner weltpolitischen Machtmittel beraubt und ohne Flotte ist, das umgeben ist von imperialisti­schen Weltreichen, als undiskutabel ab. Und in der Tat läßt sich die Pflege unserer Landkultur mit neuen schwerwiegenden und durchschlagenden Gründen rechtfertigen, die die ganze Nation in dem Ziel einigen, die Roherträge in der Landwirtschaft 54 steigern. Es hießeWasser in den Rhein tra­

f u n d e n. Die Todesursache konnte noch nicht fest- gestellt werden.

* Raubüberfälle in Italien. Nach einem Tele­gramm desLokal-Anzeigers" aus Rom wurde in der Nacht von Donnerstag bis Freitag auf der Landstraße ein Postwagen von 5 maskierten Räu­bern überfallen, die die Reisenden völlig ausplün­derten. Im Schnellzug Genua-Mailand raubte ein Reisender in einem Abteil erster Klasse eine allein fahrende Schweizerin völlig aus, nachdem er sie vorher durch den Rauch einer imprägnierten Zigarette betäubt hatte.

Der deutsche Ring.

wtb Stuttgart, 30. Mai. (Tel.) Anläßlich der Einweihung desHauses des Deutschtums* wurde vom deutschen Auslandsinstlkuk in Stuttgart ein deutsche rRing geschaffen. Der deutsche Ring wird alljährlich einmal an Persön­lichkeiten, die sich im Ausland oder in der H e i- matum das Auslandsdcutschtum verdient gemacht haben, verliehen.

Nebel bis zum Nordpol.

Die Blätter veröffentlichen einen Funkspruch von Bord derFram", in dem es heißt: Das un­sichtige nebelige Wetter hat sich weiter bis zum 35. Breitengrad ausgebreitet. Wahrscheinlich dürften die Flieger, selbst wenn sie den Rückflug vom Pol angetreten haben sollten, eine Landung vor­nehmen, um zu vermeiden, daß die beiden Flug­zeuge sich aus dem Gesicht verlieren. DieHobby" bat' die Packeisgrenze von Kap Willkomm bis zum 80,23. Längengrad abgesucht, ohne die Flieger gesichtet zu haben.___

Forschungsreise in die wüste Gobi.

Reuter meldet, daß der amerikanische Forscher Andrews in Urga (Mongolei) angekommen sei und erklärt habe, daß er während seiner letzten Erpedi- tion nach der Wüste Gobi wertvolle Ent­deckungen von menschlichen Knochen- und Skeletteilen gemacht habe, die er dem Steinalter zuschreibt. Anrews habe wiederum eine Anzahl versteinerter Dinosauruseir gefunden. Die Teilnehmer an der Expedition hatten unter sehr schweren Strapazen und der Ungunst der Witterung zu leiden. Zeitweise waren die Schneefälle so stark, daß der Kraftwagen eingeschneit war und nur mft vieler Mühe ausgegraben werden konnte.

* Attentat auf einen Lehrer. Auf dem Ober- ghmnasium in Brescia trug sich eine Schüler­tragödie zu. Ein in Mathematik durchgefallener Primaner gab vier Revolverschüsse auf den Mathematikprofessor ab, der sofort getötet wurde Der Professor hinterläßt eine zahlreiche Familie.

: die Agrarzölle.

gen", diese oft ausgesprochenen Gründe dafür zu wiederholen.

Da sich die Parteien über das Ziel geeinigt haben, so müßte die Erörterung der Agrarzölle an Schärfe verlieren. Denn der Kampf der Meinungen gehl nur um das Mittel, wodurch die Landwirtschaft stark erhalten werden kann, damit sie ihre Aufgab« der Sicherung der Volksernährung möglichst weit­gehend erfüllen kann, nicht mehr um die Grund­frage, ob man das agrarische Glied unserer Volks­wirtschaft zugunsten des industriellen verkümmern lassen soll. Die Landwirtschaft glaubt, daß sie ohne einen lückenlosen Zoll über die gegenwärtige Krise nicht Hinwegkommen kann. Sie lebt in der Erin­nerung an die Vergangenheit und sagt sich etwa so:In der Krise der 80er und 90er Jahre hat uns der Schutzzoll geholfen, uns gegenüber der aus­ländischen Konkurrenz zu behaupten, ja sogar un­sere Roherträge zu verdoppeln, also wird er uns auch aus der jetzigen Notlage befreien." Die Gegen­seite, darunter 90 Prozent der ökonomischen Wis­senschaft, erwidert:Wir wollen die Rentabilität der Landwirtschaft sichern, damit sie in der Lage ist, ihre Betriebe zu intensivieren. Aber wir halten den Agrarzoll, besonders den Getreidezoll für ein untaugliches Mittel. Man muß der Land­wirtschaft mit geeigneten Maßnahmen helfen."

Beim eigentlichen Kernpunkt der Erörterung, ob eine Steigerung der agrarischen Erzeugung ohne Schutzzölle möglich ist oder nicht, geht die Dis­kussion noch zwecklos aneinander vorbei. Hier muß sie mehr wie bisher einsetzen und eine sachliche Klärung dieser sehr verwickelten und schwie­rigen Frage bringen. Liest man die verschiedensten landwirtschaftlichen Resolutionen, so Hört man meist die bekannten Gedanken von der Notwendigkeit einer starken Landwirtschaft, von ihrer Bedeutung für den industriellen Inlandsmarkt, von den be­völkerungspolitischen Gründen, die für ihre Erhal- hing alsWurzel der Volkskraft", alsJung­brunnen der Nation" sprechen. Es wird sich über­boten in der Wiederholung der älteren und der An­führung von neuen Beweisgründen für die Not­wendigkeit der Erhaltung der Landkultur. Dadurch wird die Diskussion auf ein Gebiet geschoben, das heute nicht mehr strittig ist. Strittig ist dagegen die Tauglichkeit desalterprobten" Mittels des Rgrarzolles, besonders die Brauchbarkeit des Kornzolles.

In einer Hinsicht ist aber auch hier eine Eini- gung zu erzielen, nämlich wenn wir Agrarzölle brauchen als Austauschobjekt bei Handelsvertrags­verhandlungen. Das ist heute der Fall. Bei den mit vielen Staaten begonnenen Verhandlungen ist die Stellung der deutschen Unterhändler erschwert, weil ihnen das Rüstzeug fehlt, nämlich ein Zoll­tarif. Das will die neue Zollvorlage der Regie­rung brin&en