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Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda.
Nr. 121.
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Verantwortlich für die Schriitleitung: Dr. Jobanne» Kramer.
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Mittwoch, 27. Mai 1925.
Amtliches Kreisblakk.
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52. Zahrg.
Der SicherheitrpaKt.
f Aus London wird gemeldet: Wie von unterrichteter Seite verlautet, ist die britische Regierung bisher nicht in der Lage, die französischen Erklärungen hinsichtlich der Antwort Briands auf den deutschen Sicherheitspaktvorschlag zu prüfen. Alle über die Stellungnahme der britischen Regierung veröffentlichten Mitteilungen seien daher verfrüht. Auch in der Frage der alliierten Abrüstungsnote sei während des Wochen- endes keine neue Entwickelung zu verzeichnen gewesen. Ein Gedankenaustausch darüber sei weiterhin im Gange. Es sei jedoch noch nicht sicher, wann die Frage wieder vor die Botschafterkonferenz kommen werde.
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f wtb. London, 26. Mai. (Tel.). Der diplomatische Berichterstatter des »Daily Telegraph" schreibt: Der französische Botschafter hak gestern dem englischen Auswärtigen Amt die Antwort Briands auf die Frage der britischen Regierung wegen des Entwurfs der französischen Bote auf den deutschen Pakkvorschlag vorgelegt und auch einige der stanzösischen Argumente, besonders die bezüglich der deutschen Off- und Südgrenze und die Möglichkeit einer Schiedsgerichkentscheidung erläutert. Die ganze Angelegenheit wird in der morgigen Sabinekkssihung erwogen werden. Die Kölner- und die Abrüstungsfrage dürften dagegen nicht behandelt werden, da keine Einigung der Alliierten in der nach Berlin zu richtenden Mankelnoke erzielt ist.
* Die Selbstmorde in der Reichswehr. Im Haushaltungsausschuß des Reichstags, der sich mit der Statistik der Selbstmorde in der
Reichswehr beschäftigte, führte Reichswehr Minister Geßler u. a. aus, er sei einverstanden, den parlamentarischen Beirat des Reichswehrministeriums zur Prüfung der Selbstmorde in der Reichswehr heranzuziehen. Ueber die Versorgungsfrage liege ein Entwurf vor, der die Länder und Gemeinden mehr als bisher binden soll, frühere Reichswehrangehörige einzustellen.
Vie Sicherung der Reichsfinanzen.
Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:
Die wichtigsten Beratungen, die gegenwärtig im Schoße der Parteien, wie auch in den Ausschüssen des Reichstages gepflogen werden, gelten der Sicherung der Reichsfinanzen. Bekanntlich ist die Reichsregierung recht erheblich angegriffen worden, weil sie tatsächlich außerordentliche Reserven zurückgestellt hat und troßdem neue, Steuern anfordert. Die Parteien haben sich aber in ihrer Mehrheit nach näherer Informierung über die Lage dem Borgehen der Reichsregierung a n g e s ch l o s s c n. Es ist in der Tat als berechtigt angesehen worden, daß die Reichsregierung stärkere Rücklagen nicht nur für wichtige Bedürfnisse der inneren Wirtschaft tätigt, sondern daß auch für die äußeren Notwendigkeiten, also insbesondere für Reparationszwecke jeßt schon Mittel aufgespeichert werden. Mit dieser Maßnahme befindet sich die Regierung im Einklang mit der Reichsbank, die ebenfalls eine derartige Disposition der Mittel für notwendig hält, um nicht plötz- lich überraschenden Anforderungen am Geldmärkte gegenüberzustehen, und genötigt zu sein, ihre Gold- und Devisenreserven anzugreifen. Die Politik der Reichsregierung dient also lediglich dem Schutze der Währung, der unter allen Umständen und mit allen vertretbaren Mitteln gewährleistet werden muß.
Das Schicksal der Nordpol-Flieger.
Drohender Sturm in der Hrhtis.
Amundsen ist noch nicht in Sicht gekommen. Man fürchtet jetzt für sein Schicksal. Die Nachrichten und Aeußerungen der Fachleute weichen freilich untereinander noch stark ab. Die „Morgenpost" berichtet aus O b l o: Entgegen den allgemeinen Besorgnissen hat Nansen sich dahin geäußert, daß nicht der geringste Grund zu Befürchtungen vorliege. Eine Verspätung von einigen Tagen habe garnichts zu bedeuten, da viel Unvorhergesehenes eintreten könne. — Das „B. T." erfährt von der Direktion der Dornier-Werke, nach deren Lizenzen die beiden Eindecker Amundsens gebaut wurden, es erscheine unwahrscheinlich, daß den beiden Flugzeugen etwas zugestoßen sei. Die Motore seien gründlich erprobt worden. Wäre dem einen Flugzeug ein Unfall zugestoßen, so wäre der zweite Apparat verabredungsgemäß wieder nach Spitzbergen zurückgekehrt. Auch der Chef des dänischen Flugwesens, Oberst Koch, ein erfahrener Polarforscher, glaubt, daß kein Gr und zu Befürchtungen vorliege. Amundsen habe vielleicht unterwegs landen, wieder starten und längere Fußmärsche machen müßen, bis er den Pol erreichte.
Amerikanische Hilfe für Amundsen.
Wie die „Paris Times" aus Washington meldet, beschäftigt sich das amerikanische Marinedepartement mit der Frage, einen der drei Luftkreuzer»
den „Z. 3" oder die „Shenandoah", auszurüsten, um die Mitglieder der Expedition Amundsen, von denen man ohne Nachricht ist, aufzusuchen. Der Kommandant des Luftschiffbüros hat erklärt, er sei dafür, sofort den ehemaligen Zeppelin, die jetzige „Los Angelos", abzusenden. Man erwarte jetzt die Entscheidung des Staatssekretärs für die Marine Wilbur.
Drohender Sturm.
wtb Oslo, 26. Mai. (Tel.) „MorgensOg- Sjoefarts-Tidende" meldet über Amundsens pol- flug aus Spitzbergen: Das arktische Gebiet wird von einem Sturm bedroht, der Amundsen zur sofortigen Rückkehr zwingen wird, falls er dazu imstande ist. Für heute rechne man mit Schnee und Rebel.
* Landtagsabgeordneter Herbert f. Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Fritz Herbert ist dem „Vorwärts" zufolge an einem Schlaganfall gestorben.
* Dr. August Hommerich f. Der frühere lang- jährige Chefredakteur der „Germania" Dr. August Hommerich ist gestorben. Dr. Hommerich, der schon lange kränklich war, gehörte namentlich vor dem Kriege zu den bekanntesten Zentrumsjournalisten.
Streiflichter auf die Tschecho
Die Landkarte als Wunschzettel. — Wie mit Staatsgeldern gewirtschaftet wird. — Hinter den Kulisse« des Staatsbeamten-AbbaueS. — Bisher 3000 deutsche Schulklassen ausgelöst. — Sie
sind, für die Deutschen
in der
Don parlamentarischer Seite wirb uns geschrieben:
Verfassungen sind keine Evangelien! Sie sind Menschenwerk und wie dieses veränderlich und veränderbar! Und weil sie geschriebenes Gesetz, also von Menschenhand gefertigt sind, köünen sie auf dem gleichen Wege wieder abgeändert oder umgestoßen werden. Sie besitzen also eine rechtliche Bindung nur so lange, als der Volkswille nichts anderes bestimmt. Freilich sind sie mit einem b e- sonderen Schutz umhegt, der ihrem Charakter als Staatsdokument entspricht. Und darum sind auch Verfassungsänderungen stets an besondere, erschwerte Boraussetzungen gebunden.
Wenn nun einer Ankündigung des Reichsinnenministers Schiele im Haushaltsausschuß des Reichstags entsprechend ein Ausschuß für Verfassungsänderungen im Reichstag gebildet werden soll, so ist an sich in einem derartigen Vorschlag nichts bedenkliches zu erblicken. Fraglich ist nur, ob die Volksvertretung jetzt schon den Zeitpunkt für gekommen erachtet, um in eine grundlegende und damit vor allem auch die heutige Rechts- und Verfassungsform berührende Revision des Werkes von Weimar einzutreten.
tschechische Presse verlangt Entnationalisierungsmatznahmen nach dem Muster der Faszistenherrschast in Südtirol. — Sie kommunistische Partei der Tschecho-Slowakei übernimmt die Chesschast der 5. Jnsanterie-Sivision der Roten Armee.
noch nicht gelten, wobei ziemlich unverhüllt die naive Auffassung durchleuchtet, daß die 3y, Mil- Honen Sudetendeutschen sich gewiß von den 6 Millionen Tschechen dasselbe gefallen ließen, wie die armen 250 Deutschen Südtirols, die einer lieber» macht von 38 Millionen Italienern gegenüber» stehen und überdies im Unterschied von den Sudetendeutschen den internationalen Schutz der Min- derheitsverträge nicht anrufen können, weil Italien diese Verträge nicht unterschrieben hat.
Unter dem Titel: „Das Bündnis des revolutionären Proletariats der Tschechoslowakei mit der russischen Roten Armee ist unauflöslich" berichtet die kommunistische Presse ausführlich, daß die kommunistische Partei der Tschechoslowakei das ihr angebotene Ehrenkommando (Chefschaft) der 5. In- fanteriedivision der Roten Armee übernimmt. Die K. P. C. sei sehr stolz auf diese Auszeichnung. Die Grundlage zu diesem brüderlichen Bündnis sei in den heldenhaften Kämpfen in Sibirien gelegt worden, wo die 5. Division der Roten Armee Schulter an Schulter mit den tschechoslowakischen Militär- abteilungen kämpfte. — In Sowjetrußland hat man schon viel von den Methoden der Zarenregierung sich zu eigen gemacht, daß man sich nicht wundert, wenn man bei der „Roten revolutionären Armee" zu der Regimentsinhaberei wieder zurückkehrte, welche früher von den Sozialisten aller Schattierungen als „blödsinnige Augenauswicherei" und als „echt bürgerlich feudale Repräsentationsmache" bezeichnet wurde. In der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei wird nun wohl über die persönliche Ausübung der Chesschast (ein ent- zückend revolutionäres Wort) voraussichtlich ein .Heftiger Kampf entbrenn««. ' \
eins für die Prager Machthaber immer als Vorwand herhalten müssen, wenn es sich um einen Angriff gegen das deutsche Element handelt.
Die verheerende Wirkung der deutschen Schulunterdrückungen, die im laufenden Jahre durch zahlreiche Auflösungen und Zusammenlegungen deutscher Klassen auf die für einen Kulturstaat schwindelnd hohe Ziffer von 3000 hinaufgebracht wurde, wird noch sinnfälliger, wenn man dieser Rekordziffer die Zahl jener Klassen entgegenstellt, die von den Tschechen im rein deutschen Sprachgebiet errichtet wurden. Dem „Cx. Denik" zufolge hat die Zahl die Höhe von 1900 tschechischen Klassen (in 800 Volks- und 110 Bürgerschulen) erreicht! Wenn man bedenkt, wieviel deutsche Kinder von den 75000 Besuchern dieser 1900 Klassen und überdies in den Sprachinseln und an der vielleicht 1500 Kilometer langen Grenze dazukommen, so entpuppt sich das ganze auf die Entdeutschung gerichtete System der tschechischen Schulpolitik ganz und gar. Daß man aus „Sparsamkeit" etwa 40 000 von den 75 000 Kindern aus deutschen in tschechische Schulen hinüberleitet, berührt jeden Unvoreingenommenen zum mindesten sehr sonderbar.
Das Entzücken der tschechischen Presie über die Mussolini-Herrschaft in Südtirol kennt keine Grenzen. Der Enthusiasmus der „Nar. Pol." z. B. geht soweit, daß dieses Blatt nicht müde wird, ihren Lesern, die in der Geschichte beispiellosen Entnationalisierungsmaßnahmen der Faszistenherrschast in Deutsch-Südtirol in all ihren Einzelheiten immer wieder aufs neue auszumalen, und zwar ohne Rücksicht darauf, daß ganz ähnliche Uebergriffe gegen die verwandten und verbündeten
Ein Ausschuß für PechflungMerungen?
Der Vorschlag der Reichs-Innenministers Schiele und die Lage Deutschlands.
Eine weitere, recht wichtige Frage ist die der ?.erauffetzung des Wahlalters. Durch J!*? Politisierung der unmündigen Jugend haben L® ^cht schwere Mißstände herausgebildet, unter enen vor allen Dingen die Reife der politischen lcheidung leidet. Es war damals in Weimar . ^chaus richtig, das Wahlalter so niedrig zu «ven, weil cs geradezu ein Gebot der Gerechtigkeit m iMrStzsM £iyn SfijU»
Südslawen in Görz, Triest und Dalmatien an der Tagesordnung sind. Mit Bedauern stellt das tschechische Blatt am Schlüsse fest, daß ähnliche Maßnahmen, ^wie sie in Südtirol gang und gäbe l in den Sudetenlandern
Ob aber, um zu diesem Ziele zu gelangen, ein ständiger Ausschuß für Verfassungsänderungen notwendig ist, mag das Parlament entscheiden. Es muß leider befürchtet werden, daß schon bei der Stellungnahme zu diesen Vorfragen die politischen Gegensätze sich allzu scharf werden bemerkbar machen, umsomehr, als gewisse Gruppen zweifellos damit den Anfang zu einer vollständigen Unterhöhlung des Fundaments der heutigen Verfaf- s u n g, ,also insbesondere der Staatsform erblicken werden.
Es wird deshalb zu prüfen fein, ob angesichts der Belastung unserer Politik mit den sehr kritischen und schicksalsschweren außenpolitischen Fragen nicht erst in diesen Dingen aufgeräumt werden soll, ehe wir uns erlauben können, an die innerpolitischen Streitfragen heranzugehen. Es wird nicht leicht für den Reichstag fein, in diesen Dingen eine Stellung einzunehmen, die nicht auf der einen oder anderen Seite starke Anfechtungen unterliegt. Der Umstand freilich, daß man sich heute bereits mit der Erörterung solcher Probleme befassen kann, beweist, daß wir in den letzten Jahren doch ein gutes Stück vorwärts gekommen, und daß damit die Grundlagen geschaffen sind, um solche Dinge in aller Ruhe und unbeeinflußt durch Störungen von außen her zu bis« HMren,, ‘ “■ " --—-
gegenüber st an de n, nach ihrer Rückkehr in die Heimat Gelegenheit zu geben, ihren politischen Willen kund zu tun. Heute ist diese Erwägung nicht mehr maßgebend. Die zwanzigjährige Jugend von heute ist nicht mehr durch die Schule der Erfahrung und des Leibs gegangen, wie diejenigen, die an der Front zum Schutze der Heimat mitgekämpft haben. Diese unmündige Jugend aber wurde von Radikalen hüben und drüben zu Sturmtruppen benutzt; damit ist eine unselige Verbitterung erwachsens die auch die Aclteren und Erfahrenen nicht unberührt läßt.
Ist die Frage der Heraufsetzung des Wahlalters mehr oder minder eine Parteifrage — auch sie sollte es nicht sein — so ist es auf feinen Fall die Flaggenfrage. Hier wäre eine Entscheidung zu wünschen, die die politischen Parteien als solche vollständig a u s s ch a l t e t, die das Volk allein zu treffen hätte. Darum wird sich auch kaum ein Parlamentsbeschluß über diese Angelegenheit herbeiführen lassen. Man sollte dem Volke vollständig frei Stellung zu nehmen Gelegenheit geben und die Parteien müßten die Entscheidung voll- kommen freigeben. Auf diese Weise wird es auch vermieden, daß Sieg ober Nieberlage der einen ober anberen Farbe als Triumph ober Nieberlage der einen ober anberen politischen Partei ober Gruppe ausgenutzt werben kann.
Diese Punkte finb allerbings erwägenswert unb man könnte es nur begrüßen, wenn unabhängig von ber politischen Einstellung eine rasche Klärung herbeigeführt würbe. Freilich muß man auch beachten, baß durch bie Frage bes Wahlalters auch sofort eine ganze Reihe anderer, bas heutige Wahlrecht berührenbe Fragen aufgeworfen werben. Solche Probleme, wie bie V e r f l e l n e r u n g ber Wahlkreise brängen sich vor, um auf biefe Weise nicht nur wieder eine engere Verbindung zwischen Wählerschaft und Gewählten herbeizu- führen, sondern um auch wirkliche politische Fähigkeiten entscheiden zu laffen und damit die heutige, vielfach zu beachtende Mittelmäßigkeit, wie sie durch die Kandidatenaufstellung durch Jnteres- fennerbänbe geradezu gezüchtet wird, auszuschalten.
Sicherlich sind eine ganze Reihe heute schon mehr ober minder spruchreif. Wir denken dabei an bie unselige Flaggenfrage. Wir haben zu denen gehört, die schon damals, als diese Dinge zur Erörterung standen und die parteipolitischen Leidenschaften erhitzten, eine Aenderung der alten Farben für bedenklich hielten. Es lag ja geradezu auf der Hand, daß der Fahnenstreit auch sofort die Gegensätze der beiden Lager, ber Vertreter bes alten und des neuen Staates, schroff aufzeigen müßte. W enn damals die Entscheidung anders getroffen wurde, fo lag bas in zwei recht wesentlichen Momenten begrünbet: Einmal handelt es sich nicht darum, ob schwarz-weiß-rot ober schwarz. rot»golb, fonbern ob schwarz-rot-golb ober bie r o t e Fahne des Sozialismus unb Bolschewismus! Unb zum zweiten war bamals bie Entscheidung über bie Flaggenfrage mit ber Hoffnung verknüpft, Deutsch-Oesterreich mit Deutschlanb zu vereinigen. Heute ist nach ben beiben gekennzeich- netenRichtungen hin bie Lage tatsächlich eine wesentlich veränberte. Die Dolschewistengefahr ist nicht mehr so akut wie damals, wenngleich man der Tätig! ei t der Bolschewisten in
Deutschlanb, bereu Erfolg von gar nichts anderem als von ausreichenden Zufluß von Sow- jetgelbern abhängt, die allergrößte Aufmerksamkeit zuwenden muß. Ferner ist die Frage des Anschlusses Deutsch-Oesterreichs an Deutschland in letzter Zeit ziemlich in den Hinter- grunb getreten und zwar weniger von deutscher, als von österreichischer Seite her. Selbst die Groß- deutschen in Oesterreich bezeigen dieser Frage nicht Mehr das gleiche Interesse wie früher. In der Tat handelt es sich ja um eine Angelegenheit, deren Erfolg durchaus wünschenswert ist, die aber aus der Natur der Dinge heraus sich selbst entwickeln muß und nicht von außen her beeinflußt werden kann.
Prag, ben 21. Mai 1925.
Von unserem Korrespondenten.
Wie hierzulande die Volksaufklärung durchge- führt wird, davon ein bemerkenswertes Beispiel: Im Ministerium für Schulwesen unb Volkskultur, Sektion 4, I. Abteilung im 2. Stock bes ehemaligen Kleinseitner-Gymnasiums prankt im Wartezimmer an auffallender Stelle eine Karte des tschechoslowakischen Staates. Der Verfasier dieser Karte, ein gewisser Dr. Machat» den man wohl als ben größten Nachkriegsannexionisten Europas bezeichnen barf, hat kurzerhanb bie ganze Grafschaft Glatz, bie Stäbte albenbürg, Lanbshut, Ne u- robe ufro. ber Tschechoslowakei einverleibt, die Gebiete von Hultschin, Gmünb unb Felbe» berg in einem brei- bis viermal fo großen Umfange als ben heutigen annektiert unb bie Grenzen ber Slowakei bis tief nach Ungarn hinein verlegt. Solche unb ähnliche Karten finb heute, im 7. Jahre des Friebens, nicht vereinzelt öffentlich angebracht. Was würbe wohl bie tschechisch-chauvinistische „Rar. Dem." bazu sagen, wenn an einer behördlichen Stelle eine Karte aufgefunben würde, in welcher die Gebiete von Asch und Eger als zum Deutschen Reiche gehörig eingezeichnet wären?! Ein Schrei nach Fach und nach militärischen Sanktionen, bas wäre wohl bas minbefte.
Wenn cs sich um soziale Ausgaben (z. B. Desör- berung, Gehaltsaufbesserung bei ben Staatsbeamten, Sozialversicherung usw.) handelt, hält ber Finanzminister seine Taschen zu unb behauptet, ber Staat habe kein Gelb. Wenn es sich aber um Geschenke an bie Regierungsparteien hanbelt, ba wirft ber Finanzminister bas Gelb mit vollen Hän- ben zum Fenster hinaus. Der letzte Kongreß ber Orel-Turner in Brünn hatte ein beträchtliches Defizit, unb um biefes zu decken, hat ber Staat den Orel-Turnern eine Unterstützung von nicht weniger als 800 000 Kronen bewilligt. Damit sich bie andern Koalitionsgenossen nicht aufregen, haben die Sokoln eine Million, bie tschechischen Arbeiterturner 550000 Kronen, bie Sßfabfinber (skauti) 600 000 Kronen erhalten. Das Brünner Orelfest kostet bem Staate also direkt unb inbirekt bie stattliche Summe von 2 950 000 Kronen! Erfahren hat man von biefer merkwürdigen, in keinem Voranschlag vorgesehenen Staatsausgabe durch den Zufall, daß die tschechischen Nationaldemokraten mit ihrer Million für ben Sokol nicht zufrieben finb unb mehr verlangen.
Die tschechoslowakische Republik hat bei 13-*4 Millionen Einwohnern ungefähr 350 000 staatliche Angestellte. Von biefen sollen nach bem neuen Gesetze 10 Prozent, also etwä 35 000 Beamte, abgebaut werben. Wie man sich tschechischerfeiis die Durchführung bes Beamtenabbaues im geschlossenen beutschen Sprachgebiet vorstellt, beweist beut« sich ein Artikel bes „Hranioar", bes Organs bes norbböhmischen tschechischen Minberheitsverein worin es heißt: „Wir können nicht glauben, daß bei diesem Abbau zuerst die an die verantwortlichen Posten in den nationalgemischten Gebieten gesetzten tschechischen Staatsangestellten darankommen werden, jene, bie den Abbau burchführen, müssen sich besten bewußt sein, baß es ihre Pflicht ist, ben Staatsdienst von allen jenen zu befreien, die unfähig unb oft sehr gefährlich finb. Aufs neue muß betont werden, daß bei dem Abbau darauf Bedacht genommen werden muß, daß es ein Sprachengesetz gibt, und auf Grund dieses Sprachengesetzes möge vorgegangen werden. Jeder Staatsangestellte muß
die Staatssprache hinreichend beherrschen." Das ist ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl, । der umso gefährlicher ist, als bekanntlich die Winke I d-s norbböhmischen tschechische« Myj^kestenver-