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Anzeiger für die Sfabf und den kreis Fulda.

Amlliches kreisblali.

Nr. 116.

verantwortlich iür die Schriitleitung: Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. D arseller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fnldcer ? diftibrnderei in Fnlto. Fernldrecher Rr. S.

Monatlicher verugSvreis: I.Bfi Mt.

Mittwoch, 20. Mai 1925.

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52. Zahrg.

Dr. Stresemann zur auswärtigen Lage.

Vie Aussprache im Reichstag. Der bisherige außenpolitische Kurs wird fortgesetzt. Kommunistische Mißtrauensantrage.

Ae Ursache üe5 Iorstselöer Grubenunglücks.

Interpellationen in den Parlamenten. Möglichkeit eines Attentats als Ursache? Das Schicksal der Spenden für die Opfer von der

Im Reichstag wurde am Montag der Haushalt ' des Auswärtigen Amtes in Angriff genommen und durch eine zweistündige Rede des Außenmini­sters Dr. Stresemann eingeleitet.

Der Außenminister verweilte längere Zeit bei den schrittweise errungenen E r f o l g e n der d e u t- schen Außenpolitik in den letzten Jahren. Gegenüber anderen Auffassungen stellt er fest, daß auch der Reichsfinanzminister in völliger lieberem» stimmung mit der Reichsregierung auf dem Stand­punkt der Durchführung des Dawes­planes stehe. Deutschland hat bisher bei dieser Durchführung jeden Termin eingehalten und wird dies auch in Zukunft tun. Der Minister verwahrt stch gegen die Auffassung, als wenn die Räu­mung des Ruhrgebiets und des Sanktionsgebiets xa dem Termin des 16. August irgendwie ge­fährdet sein könnte. Die Grundlage unserer Re- parationspolitik trägt den Namen des Vi z e p r ii- ftbenten der Vereinigten Staaten.

Die nördliche Rheinlandzone

tft am 10. Januar von den alliierten Truppen nicht ge- rikumt worden und sst noch heute besetzt. Dieses Unrecht bringt uns allen täglich und stündlich zum Bewußtsein, wie weit wir noch immer von normalen Friedensver- HRtmssen entfernt sind und' wie sehr wir uns noch immer im Zu st and der Abwehr gegen die Gei­steseinstellung und Methoden der Kriegszeit befin­den. Solange jene Einstellung und jene Methoden fort­dauern, ist an eine wirkliche Gesundung der europäischen Verhältnisse nicht zu denken. Bei dem Räumwngs- konflikt geht der Streit nicht letzten Endes um die, Er­füllung oder Nichterfüllung einzelner Vertragspaüagra- phen, sondern um die Frage, ob es möglich ist, einem Kulturvolk von 60 Millionen auf die Dauer A ch tu n g und Gleichberechtigung zu versagen. Wir können darauf vertrauen, daß sich die Crkenntnrs der Notwendigkeit, die Frage so zu stellen, sich auch im Aus­lande mehr und mehr Bahn bricht. Nachrichten.zufolge steht jetzt der

Eingang einer Roke

bevor, in der die alliierten Regierungen uns endlich die Gründ« mitteilen wollen, die sie für die NichtrÄumnng der Kölner Zone anführen zu können glauben. Man hat die Welt im Dezember wissen lassen, daß die Ver­fehlungen Deutschlands so handgreiflich seien, dciß schon oor Beendigung der militärischen Generalinspektitnn fest- ltände, daß die Alliierten infoge dieser Verfehlmzgen die nördliche Zone nicht räumen könnten. Seitdem sind 5 Monate vergangen, ohne daß die Alliierten bisher in der Lage gewesen wären, diese Note so weit zu formulieren, daß sie einreichungsfähig wäre. Wenn die Verfehlun­gen Deutschlands so auf der fianb lägen, wie man es der Welt gegenüber dargestellt hat, dann HBte man sich wohl eher darüber einigen können. Ist es cstier nicht eine unerhörte Art des Vorgehens, eine Handkung, wie die Weiterbesetzung der nördlichen Zone mit Berichten zu begründen, die man im Augenblick dieses Weitierverblei- bens auf einem vertragsmäßig zu räumendctn Boden überhaupt noch nicht in Händen hat und über die man stch später kaum wird einigen können? Wollen die Al- ktterfen lediglich die Erfüllung vertragsmäßiger Forde­rungen, dann wird die endgültige Bereinigung der Ent­waffnungsfrage nur noch die Beilegung bestehender Mei­nungsverschiedenheiten über die Vertragsauslegung sein. Deutschland hat die ungeheuerliche, 1919 wahrscheinlich

Scharfe Maßnahme Amerikas.

Säumigen Schuldner-Staaten sollen ake Kredite verweigert werden.

wtt Newyork, 19. Mai sFunkspnuchj. Die »Vvening Post" meldet ans Washington: Falls die Antworten der europäischen Nationen ans die Anregung des Präsidenten EoofiOge, Ver­handlungen über den Abschluß von Abkommen betresseud die Kriegsschulden zu eröffnen, ungLnstig lauten sollten, so würde dies zur Folge habe«, daß der Kongreß eine Entschließung an­nehmen würde, in der die Ansicht vertreten werde, daß solchen Staaten, die ihrer Pflicht nicht nachkommen, alle Kredite verweigert «erden sollen. Ein solcher noch nie dagewesener Schritt des Kongresses, würde, wie die Partei­führer erklärten, der nicht formellen Politik des Staatsdepartements hinsichtlich der Privat- Anleihen eine amtliche Fassung geben.

höfle'sFall".

Von unserem Vertreter im parlamentarischen Untersuchungsausschuß wird uns geschrieben:

Der Fall Höfte hat bei der wetteren Behand­lung im Untersuchungsausschuß des Landtags auch HöflesFall" nach der strafrechtlichen Seite hin in den Bereich der Erörterung hineingezogen. Gelegenheit dazu gab die Vernehmung des Haupt- verteidigers Dr. Alsberg, der durch seine Ver­teidigung Heinrichs im Erzberger-Pro- zeß bekannt ist und den Deutschnationalen ange­hört. Die Ausführungen, die Dr. Alsberg machte, mußten hinsichtlich der Beurteilung derSchuld Höfles"" starken Eindruck machen.

Dr. Alsberg stellte ausdrücklich fest, daß er die staatsanwaltliche Konstruktion der Untreue für ab­solut unrichtig gehalten habe. Er hätte auch Dr. Höfle mitgeteilt, er würde nach schweren Kämpfen freigesprochen. HöflesFall" sei nicht unter der Psychologie des Verbrechens, sondern unter der Psychologie des Stammtischs zu betrachten gewesen. Höfle sei ein absolut harm- s°str, gutmütiger Mensch gewesen. Höfle habe ihm ^Mner die reine Wahrheit gesagt. Er, der Vertei-

ZecheMinister Stein"

ye 4>es Unglücks ver-

n'

antwortlich.

Der im Ruhrbezirk sehr weit verbreiteteDort­munder Generalanzeiger" schreibt: Die Häufung so

lieber die Ursache des Unglücks auf der Zeche Dorstfeld läßt sich dieVoss. Ztg." aus Essen mel­den, daß in an mit derMöglichkeit eines Attentats rechnet. Eine andere Möglichkeit be­steht in einer Selbstentzündung des Sprengstoffs infolge unsachgemäßer Lage­rung. Schließlich wird die Frage erörtert, ub die Explosion des Sprenglagers durch eine Schlag­wetterexplosion hervorgerufen worden ist, da schon am vorhergehenden Tage Schlagwetter festgestellt worden seien.

Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs- ta g s hat eine Interpellation eingebracht, in der die Reichsregierung gefragt wird, ob sie bereit sei, eine strenge Untersuchung über die Ursache des Un­glücks auf der Zeche Dorstfeld herbeizuführen und dem Reichstag so schnell wie möglich einen ein­gehenden Bericht vorzulegen.

Auch die Zentrumsfraktion des preu­ßischen Landtags hat eine Große An­frage eingebracht, die sich mit dem Unglück auf der Zeche Dorstfeld und mit den voraufgegangenen Grubenkatastrophen beschäftigt. Das preu­ßische Staatsministerium wird gefragt, ob die Ur­sache der letzten Katastrophe restlos aufge­klärt ist, und was das Staatsministerium zu tun gedenkt, um derartige Katastrophen in Zukunft zu vermeiden.

Wie üblich, sind auch anläßlich dieser neuen Grubenkatastrophe zahlreiche Beileids­telegramme an die betroffene Zechenleitung gerichtet worden.

Eine offizielle Auslassung des Dergarbeiterver- bandes über die Ursache der Katastrophe liegt noch nicht vor. Die sozialdemokratische Arbeiterpresse verweist auf die furchtbare Steigerung der Kata­strophen und die täglichen Unfallziffern im Ruhr- berabau und macht das Treiber- und Prä-

nicht von vielen Menschen für durchführbar gehaltene Abrüstung bewältigt. Den heute noch offenen Fragen kann lediglich die Bedeutung von R e st p u n k t e n zu­kommen, die bei loyaler Verständigungsbereitschaft ein nennenswertes Hindernis nicht darzustellen brauchen. Vielleicht wären die Beanstandungen längst beseitigt, wenn man uns rechtzeitig davon Kenntnis ge­geben hätte. Das möchte ich nicht nur dem Auslande, sondern auch dem Jnlande gegenüber feststellen.

Bezüglich des S i ch e r h e i t s p a k t e s er­klärte Stresemann: die Anregungen, die neuerdings den alliierten Regierungen übermittelt wurden, sind im Grunde nichts anderes als eine Zusammen­fassung der früheren deutschen Vorschläge. Es sollte eine Grundlage für Verhandlun­gen für diese Frage geschaffen werden. Sobald die Antwort der Alliierten oder eine der Haupt­mächte oorliege, sei die Reichsregierung bereit, den Wortlaut eines Memorandums zur öffent­lichen Diskussion zu stellen, in dem die Darlegungen unserer Botschafter niedergelegt sind. Man habe von einer deutschen Verzichtspolitik gespro­chen. Wenn diese Auffassung richtig wäre, so wür­den die Franzosen ja die größten Toren fein, wenn sie nicht sofort zugreifen und stch die deutschen Vor­schläge zu eigen machen würden. In Wirklichkeit seien wir bis heute auch in der Frage des Garan­tiepaktes ohne Antwort seitens der alliierten Mächte und der französischen Regierung. Der Tat­bestand, daß die Sicherheitsfrage ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Problems ist, daß wir wünschen, daß sie mit Deutschland gelöst werde und uns zu positiver Mitarbeit zur Verfü­gung stellen, bleibt bestehen. Ob dieser Tatbestand zu der friedlichen Verständigung führt, wird von der Haltung abhängen, die die Alliierten und ins­besondere Frankreich uns gegenüber einnehmen. Alle Regierungen müssen sich entschließen, im Geiste vertrauensvoller Verständi­gung zusammenzuarbeiten. Die Reichsregierung fei dazu bereit. Dieser Geist müsse aber auch bei den anderen Mächten vorhanden fein, der Hand haben, Europa den Frieden zu geben. Gebe man uns den Frieden und Gleichberechti­gung, so werde die friedliche Entwicklung der Völ-

schwerer Grubenkatastrophen enthält eine furchtbare Mahnung an die Bergbehörden, immer wieder mit gesteigerter Sorgfalt auf Verhütungs­maßregeln zu sinnen nicht nur in der Anwen­dung aller bergtchnischen Verbesserungen, sondern auch in der Erstrebung ausreichender Löhne und in der Verhütung aller Ueberanftrengungen der Ar­beiter, wodurch allein die Bürgschaft für eine kräf­tige und umsichtige Bergarbeiterschaft gegeben wird.

Die Einzelheiten auch dieser Bergwerkskatastrophe sind wieder so e r s ch ü 11 e r n d (in der riesigen Leichenhalle mußten E i s b l ö ck e zur Abkühlung ausgestellt werden, da das warme Wetter den 3er» setzüngsprozeß beschleunigt), daß jeder Volksgenosse, der sich auch nur einen Rest von menschlichem Mit­gefühl bewahrt hat, jetzt die Forderung unterstützen muß, daß nicht nur Beileidskundgebun­gen, sondern auch neue Sicherheitsmaß­nahmen das Gebot der Stunde sind.

Aus Dortmund wird gemeldet:

Aus Anlaß der heftigen Angriffe wegen der Verteilung der für die Hinterbliebe- nenderOpfervonderZecheM i n i ft e r Stein" eingegangenen Spenden, die durch einen Ausschuß verwaltet werden, gibt der Städtische Pressedienst in Dortmund eine Aufstellung über die Form und Höhe der an die Hinterblie­benen gezahlten Renten. Der Wunsch der Hinter­bliebenen auf sofortige restlose Auszahlung der gesamten Spenden habe nicht erfüllt werden können. Die Hinterbliebenenbezüge sollen nach den Beschlüssen des Spendenausschusses durch Vertei­lung monatlicher Zusatzrenten ergänzt werden. Der Kapitalwert dieser Renten betrage rund 60 000 Mark. Außerdem sei aus dem Ertrage des Hilfswerks die Summe von 500 000 Mark ab» aczweigt zur Unterstützung von Hinterbliebenen von früheren und zukünftigen Berg» werksunglücken im rheinisch-westfälischen Industrie­gebiet.

ker in einem friedlichen Deutschland ihre beste Stütze haben. (Lebhafter Beifall.)

Die Rede Stresemanns verlief ohne Zwischen­fälle. Die Kommunisten brachten sogleich nach Schluß der Rede zwei Mißtrauensanträge ein. Der eine lautet:Der Minister des Aeußern Dr. Stresemann besitzt nicht das Vertrauen des Reichstages." Der zweite bezieht sich auf den Reichskanzler. Die Mißtrauensanträge wurden vom Haufe mit lebhafter Heiterkeit ausgenommen.

Die Aussprache mit den Absttmmungen soll bis Mittwoch abend erledigt fein. Der Ge­setzentwurf betreffend das Ruhegehalt für die Witwe des Reichspräsidenten wird dann in dritter Lesung ohne Aussprache gegen die Kommu­nisten und Völkischen angenommen.

diger, hätte das alles stets nachprüfen kön- Daraus ergibt sich der Tatbestand, daß Höfle als Unschuldiger im Gefängnis war, das er erst als Sterbender verlassen hat.

nen. Das sei jedesmal klar und deutlich in die Erscheinung getreten. Höfle habe nie­mals etwas getan oder gesagt, das auch nur irgendwie der Verdacht einer Verdunkelung habe rechtfertigen können, er habe ganz aus eigenem feine Angaben gemacht, die sich stets bewahrheitet haben. Dr. Höfle sei überhaupt seiner Sache wegen durchaus von einem Optimismus beseelt gewesen; er habe auch absolut mit feiner Freisprechung ge­rechnet. Die Annahme, daß Höfle aus Furcht vor Strafe Schlafmittel genommen hätte, um sich kör­perlich zu schädigen, wird auf das schärfste von dem Verteidiger zurückgewiesen. Er erklärt sogar, daß Höfle sich wiederholt dem Verteidiger gegenüber geäußert hätte, man gebe ihm offenbar ganz un­sinnige Schlafmittel.

Der Verteidiger erklärt aber auch, daß die Be­st e ch u n g s a n k l a g e der Staatsanwaltschaft eine ganz unsinnige juristische Kon - ftr u 11 i o n wäre, und er fügt hinzu, wenn das, was Höfle von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt würde, unter den Begriff der Bestechung falle, dann wolle er, der Verteidiger, sein ganzes Lehrgeld zurückzahlen.

* Immer wieder Schlägereien. Aus Halle wird gemeldet: Bei einer Schlägerei, die sich in Halle zwischen roten Frontkämpfern und Mitglie­dern desStahlhelms" entwickelte, erhielt der gänzlich unbeteiligte Kaufmann Pietrak von einem roten Frontkämpfer einen Boxerhieb unters Kinn, der ihn sofort tötete. Pietrak hinterläßt eine Frau und zwei Kinder.

Aus der Zentrumspartei.

Die Eeid)s!agung der deutschen windthorstbunde. Die diesjährige Reichst« mng findet in der Zeit vom 5. bis zum 9. August statt. Wie in den früheren Jahren wird sie durch eine zweitägige Aussprache ein­geleitet und zwar am 5. und 6. August in Wein­garten. Die Reichstagung felbst, die mit einer Ber- tretertaaung verbunden iit, findet am 7., 8. und 9. August in Friedrichshafen am Bodensee statt. Die näheren Mitteilungen werden in der Verbandszeitschast, demJungen Zentrum", bekanntgegeben.

(Ein parlamentarischer Abend mit Hindenburg.

W. T. B. meldet aus Berlin: Einer Einladung des Reichsministers des Innern zu einem parla­mentarischen Abend in das vormalige Reichsamt des Innern hatten Reichskanzler, Minister, zahl­reiche hohe Beamte der verschiedenen Reichsmini­sterien und hervorragende Mitglieder der Berliner Gesellschaft Folge geleistet. Frühzeitig erschien auch Reichspräsident v. Hindenburg mit dem Staatssekretär Meißner und verweilte den ganzen Abend hindurch in lebhafter Unterhaltung mit zahl­reichen Teilnehmern der Gesellschaft. Zunächst ent­wickelte sich zwischen den Gästen des Reichsministers Schiele beim Glase Bier ein lebhafter Ge­dankenaustausch über die schwebenden Tagesfragen. Sodann kündigte der Hausherr die Vorführung des ersten Hindenburgfilms im Freien an, die in der schönen Maiennacht mit den prachtvollen Bäu­men des alten Gartens als Hintergrund in ausge­zeichneter Weise gelang. Eine weitere Filmscrie über Körperpflege und Schönheit bildete den Ab­schluß. Erst gegen Mitternacht verließen die letz­ten Gäste das Haus des Ministers.

Erstaunen ohne Wohlgefallen".

Graf v. Reventlow über Hindenburg. Rach der ersten Amtswoche des neuen Reichspräsidenten.

Der deutschvölkische Graf Reventlow schreibt imReichswart":

Man kann nicht in Abrede stellen, daß sehr weite Kreise in Deutschland eine ausgesprochene R e ch t s p o l i- t t k vom neuen Präsidenten erwarten und erhof­fen. Wir glauben dies nicht, sind im Gegenteil über­zeugt, daß Hindenburg unbedingt über den Parteien, und zwar über allen stehen will, daß er bisweilen Worte sagen und Entscheidungen treffen wird, die manche Herren von rechts in Erstaunen ohne Wohlge­fallen setzen werden. Der Leser sei gebeten, die nach­stehend zusammengestellten Aussprüche Hindenburgs sorgfältig zu lesen. Er wird ohne weiteres feststellen müssen, daß Hindenburg Ansichten betont und Standpunkte angenommen hat, welche jeder Deutschnationale und sicher sehr viele Völkische als in seinem Mundeganz unmöglich" angesehen haben. Zu der schon neulich festgestellten Anerkennung des Ver­sailler Vertrags als eines verpflichtenden Dokuments kommt hier die warme Anerkennung Eberts, feiner Tätigkeit und seiner Gesinnung als einer vaterlän- dischen. Das ist das Bekenntnis zur Republik mit der sehr nachdrücklichen Hervorhebung der Souveräni­tät des Volkes als dem tiefen Sinn der Verfassung entsprechend. Das sind Dinge, die man grundsätzlich auf deutschnationaler Seite nicht erwartet hat."

Der bekannte Chefredakteur der D. A. Z., des Stinnes-Organs, Pros. Paul L e n s ch , betont:

daß die beiden Kandidaten Hindenburg und Marx sich in den maßgebenden Teilen ihrer politischen Einstellung unterscheiden, wie früher der Torys und der Whigs in England nämlich fast gar nicht. Man hat sich auf Seiten der Opposition sehr darin gefallen, nicht vorhandene Gegensätze zu erfinden und vorhan­dene maßlos zu vertiefen. Der Gegensatz zwischen Re­publikanern und Monarchisten ist eine der tvrichsten Konstruktionen, die das deutsche Parteileben kennzeich­nen. Es gibt keine Monarchisten in Deutsch­land, die irgendwie ernsthaft für die Volitik und das öffentliche Leben in Betracht kämen. Es hat sich her- ausgefiellt, und das ist eines der großen Verdienste der

Hindenburgischen Worte, daß wir in entscheidenden Grundfragen unseres Staatslebens völlig einig sind. . . . Erstaunt fragt man sich, weshalb haben wir etgentfid) uns geschlagen. Wir wollen im Grunde doch d a s G j e i ch e."

Wären diese Zeilen nur einige Wochen früher geschrieben worden, was hätten sie an Unheil ver­hütet, was dem Wahlkampf an Schärfe nehmen können. Aber auch abgesehen davon, daß diese Aeußerungen nach den Erfahrungen der letzten Wo­chen manchen Leser sonderbar anmuten, muß doch festgestellt werden, daß ein hohes Maß von Er­kenntnis der realpolitischen Notwendigkeiten und nüchternes Rechnen mit gegebenen Verhältnissen aus ihnen spricht. Wenn diese Wandlung Hinden­burg verursacht hat, so darf man die leise Hoffnung hegen, daß er noch weiter politisch erzieht.

* Zur Gehaltserhöhung für den ReichSPräfi» deuten v. Hindenburg, über die wir gestern schon berichteten, schreibt die Zentrnms-Partei-Korrespon- denz: Wir billigen diese Maßnahme. Der Reichs­präsident muß in seiner Position als Vertreter des deutschen Volkes w ü r d i g gestellt sein. Wir können uns aber der Bemerkung nicht enthalten, daß die Rechtspresse, die jetzt diese Gehaltserhöhung für absolut richtig hält, ja ihre Erhöhung noch befür­wortet, im Falle einer Wahl von Marx einen ganz anderen Ton angeschlagen hätte. Immerhin ist der jetzige Aufwand, der das Reich mit etwa 180 000 Mark belastet, kaum der zehnte Teil dessen, was früher an Civilliste für das Herrscher­haus gezahlt werden mußte.

Hiobspost vom Kriegsschauplatz.

Reue Offensive der Rifsleule. Französische Stellungen durchbrochen.

wtb. Paris, 19. 2Rai. (Tel.) Eine in Rabat ausgegebene Mitteilung besagt, daß an allen Punk­ten der Front der Feind Verstärkung er­halte. um sich, wie man annehme, zu einem Vor­marsch vorzubereiten. An vereinzelten Punkten sei es den Rifsleuten gelungen, in die Stellungen einzubrechen. Doch hätten diese Einbrüche nicht zu ernsten Folgen geführt. Auch sei der Feind an manchen Stetten wieder zuruckgeworfen worden. Die Abteilung Freydenberg habe einen lang um­zingelten Posten nach heftigen Sümpfen be­freit. Auch an der spanischen Westfront rechne map mit einem erneuten Vorstoß der Riffleute.

* Ter Oberleutnant am Galgen. Aus Budapest wird gemeldet: Wegen Meuchelmord und Dieb­stahls wurde der Mörder, Gendarmerieoberleutnant Lederer, vom Militärgerichtshof zum Tode durch Den Strang verurteilt. Das Urteil wurde von dem Mörder angenommen. Lederer hotte den Schlächtermeister Sorbetta ermordet und die Leiche zerstückelt und in die Donau geworfen.

* Das MonroehauS ein Kleidermagazin. Das historische Monroehaus in der Princestraße in New- Jork, der Wohnsitz des fünften Präsidenten der Bereinigten Staaten von Nordamerika, ist an eine Gesellschaft verkauft worden, die aus ihm ein Kleider­magazin machen wird. Sie transit sloria!