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FuldaerZettung

Anzeiger für die Sfaöf und den kreis Fulda. Amtliches kreisblall.

Nr. 113.

Verantwortlich für die Schrtttl-itnng- Dr. SabanneS Kramer. Anreisen: 3- D arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer 'drrrirvcTew it: Fulda. Ferusvrecher Nr. 9.

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Samstag, 16, Mal 1925.

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52. Zahrg.

Reichspräsident und Ausland.

Der Empfang der Diplomaten.

Die Glückwunschrede des päpstlichen Nuntius und die Antwort Hindenburgs.

Der Reichspräsident hat am Donnerstag dis Glückwünsche der fremden Missionschefs entgegen­genommen. hierbei hielt der Dopen des Diploma­tischen Korps, der apostolische Nuntius Pacelli, in französischer Sprache eine Ansprache, die in der Uebersetzung wie folgt lautet:

Herr Reichspräsident!

Das Diplomatische Korps ist hoch erfreut, heute sich am Ihre Person vereinigen zu können, um dem neuen Reichspräsidenten seine aufrichtigen und ehrerbietigen Glückwünsche darzubringen. Wir hegen den Wunsch, daß unter Ihrer weisen Führung die deutsche Ration im Innern nicht allein materielle Wohlfahrt, ihre Ar- fceits» und Produktionsfähigkeit, sondern auch die Güter höherer Ordnung zur Blüte bringen möge, welche die sicherste Gewähr für Zivilisation und Fortschritt der menschlichen Gesellschaft bieten. Wir wünschen, daß unter ihrer höchsten Leitung der deutsche Staat nach außen hin seine Beziehungen zu den anderen Völkern festigen möge zum Besten der Weltbefrie- düng. Dann wird der glühende Wunsch aller edel­mütigen Herzen erfüllt werden, die inmitten der Schwie­rigkeiten der Gegenwart danach streben, unter den Men­schen den geistigen Frieden, den internationalen und sozialen Frieden durch das Walten der Liebe und der Gerechtigkeit begründet zu sehen. In diesem Sinne sei es dem, der es sich zur Ehre rechnet, heute das Wort an Sie zu richten, gestattet, die qöttlicken Segnungen auf Sie, Herr Reichspräsident, und die deutsche Nation herabzuflehen."

Der Reichspräsident erwiderte mit folgen­den Worten:

Herr Nuntius!

Die Worte, die Cure Exzellenz im Namen des Diplo­matischen Korps an mich als den vom deutschen Volke erwählten Reichspräsidenten zu richten die Güte hatten, erwidere ich mit Empfindungen aufrichtigen Dankes. Es ist mir eine besondere Freude, die Glückwünsche zu ver­nehmen, denen das Divlomatische Korps in so ehren­der und sympathischer Weise heute für meine Amtstätig­keit und für die Wohlfahrt des deutschen Volkes durch Ihren beredten Mund Ausdruck verleiht. Seien Sie ver­sichert, Herr Nuntius, daß ich die von Ihnen ausge­

sprochenen Gedanken der Entwicklung aller Elemente des menschlichen Fortschritts in vollem Maße würdige. Wer an die Spitze eines großen Volkes berufen ist, kann keinen höheren Wunsch kennen als den, sein Volk in Frieden und Gleichberechtigung an den Auf­gaben der Welt mitwirken zu sehen. Mit Eurer Exzel­lenz verkenne ich nicht die Schwierigkeiten, die sich auf diesem Wege vorfinden, aber ich lebe in der Hoffnung, daß sie nicht unüberwindlich sein werden. Was an mir liegt, auf diesem hohen Platze zur Lösung der unserer Zeit gestellten Aufgaben beizutragen, das fall mit Ernst, mit Gewissenhaftigkeit und mit aller Hingabe geschehen. Wenn alle Völker gleichen Willens sind, wird auch Gottes Segen, den Sie, Herr Nuntius, für uns anrufen, der Welt nicht fehlen."

hierauf zog der Reichspräsident den apostoli­schen Nuntius in ein Gespräch und nabrn die Vor­stellung der Botschafter, Gesandten und Geschäfts­träger entgegen. Bei dem Empfang waren Reichs­kanzler Dr. Luther, Reichsminister des Auswär­tigen Dr. Strefemann, sowie die Staatssekre­täre o. Schubert und D r. Meißner zugegen.

Hindenburg bei £oebe.

Zu dem Gegenbesuch am Donnerstag, den Reichspräsident von Hindenburg dem Reichslags­präsidenten Loebe machte, wissen mehrere Blätter mitzuteilen, daß im Laufe der zwanglosen Unter­haltung Reichstagspräsident Loebe den Reichsprä­sidenten nach dem Schicksal der in Vorbereitung be­findlichen A m n e st i e befragt habe. Die Antwort lautete dahin, daß die Verhandlungen mit den Län­dern und den einzelnen Ressorts nochnicht ab- schlossen sind und daher das Reichskabinett keine Vefchlüffe gefaßt hat. Der Reichstagspräsident brachte dann die Sprache auf die H e i m a r b e i t s- ausstellung in Berlin. Reichspräsident v. Hinden­burg erklärte, daß er über die Not der Heimarbeiter schon durch die Abgeordnete Frau Dr. Behn infor­miert worden sei. Das Gespräch streifte dann wei­ter das Deutsche Museum in München. Der Reichspräsident sprach die Hoffnung aus, daß es ihm möglich fein werde, dem Museum einen Besuch abzustattkn. Auf der Hin- und auf der Rückfahrt wurden dem Reichspräsidenten von einer größeren Menschenmenge Ovationen dargebracht.

SMisla SW» WMWtel

Am Schluß der Sitzung des Reichsparteivorstandes der Deutschen Zentrumspartei, über die schon be­richtet worden ist, wurde folgende Entschließung unter einstimmiger Billigung sämtlicher Parteivorstands- mitakieder ano-nommen:

Der am 13. und 14. Mai in Berlin versammelte Reichsparteioorstand gedenkt voll Genugtuung all der Freunde und Mitarbeiter im Lande, die in treuer An­hänglichkeit sich in den verflossenen Kämpfen für die Sache der Partei eingesetzt haben. Dem verdienten Füh­rer Reichskanzler a. D. Marx, sprechen wir für seinen hingebungsvollen Dienst an Volk und Vaterland beson­deren Dank und Anerkennung aus.

Die Entschließung um den Reichspräsidenten hat die Zentrumspartei an die Seite derjenigen Par­teien geführt, die in den schwierigsten Augenblicken der Nation mit uns gemeinsam den Absturz in anar­chistische Zu stände verhindert, die Einheit des Reiches erhalten und damit die Grund­lage zu neuem Aufstieg geschaffen haben. Wie in jenen Togen, so hat die Zentrnmspartei auch in bett politischen und parlamentarischen Kämpfen, die hin­ter uns liegen, ihre eigenen Grundsätze und ihre besondere lleberlieferung ungeschmälert ge­wahrt. Die Art, mie der Kampf mit falschen Beschuldi­gungen und «chmähungen gegen uns geführt wurde, er­innert an die schlimmsten Zeiten skrupello­se r A u f w ü hl u n g p o l i t i s ch e r u n d k o n f e s s io- neller Instinkte und hat die Zentrumspartei im ganzen Lande mit berechtigter Empörung erfüllt.

Schmerzlich berührt uns, daß einzelne Mit­glieder der Zentrumspartei in öffentlichen Erklärungen sich gegen die Parole der Partei gewandt und dabei den Satz verfochten haben,daß den anderen die Führung, dem Zentrum die entscheidende Mittelstellung zufallen muffe*

Der Reichsparteivorstand lehnt eine derartige poli­tische Selb ft Preisgabe, die sich 3U Unrecht auf die Windthorstsche Politik beruft, entschieden ab. Wir anerkennen gleiche Pflicht, fordern aber auch gleiches Recht. Die Konfession ist nicht entscheidend für das Maß politischer Rechte. Der Parteivorstand gibt sich der zuversichtlichen Erwartung hin, daß die Partei in allen Landesteilen und Bezirken sich zu dem Ver­trauen und zu der Geschlossenheit zurückfinden wird, die die Zentrumspartei von jeher ausgezeichnet und ihren Einfluß auf das öffentlidje Leben verbürgt haben.

Die politische Aufgabe der Deutschen Zentrumspartei, die sich aus ihrem christlichen Charakter und dem Geiste ihrer großen Tradition, aus ihrem poli­tischen Programm und den grundsätzlichen Ent­schließungen der Parteiinstanzen ergibt, bleibt unver­ändert. Die verhögnisvolle parteipolitische Zerklüf­tung und die Schärfe der Gegensätze in unserem Volk wachen Dasein und Wirksamkeit einer Verfassung s- treuen christlichen Mittelpartei notwendiger denn je.

Ihre politische Sendung ist Mäßigung, Ausgleich und Vermittlung. Damit allein wird die ruhige Weiterent­wickelung unserer innerpolitischen Berhältnisse und un­serer außenpolitischen Beziehungen sichergestellt. Zwischen Links und Rechts stehend, in lebendiger Verbindung mit ben wachsenden, aufbauenden Kräften in allen Schichten unseres Volkes, den Erfordernissen des Tages uns si'gend und doch stets treu gegen uns selbst, wollen wir Volk, Staat und Nation ohne Unterschied der Konfession wrd Partei immer inniger miteinander verbinden. Was

in Vorurteilen und Interessen, in Gegensätzen und Haß einander gegenübersteht, soll zur Gemeinschaft hin­geleitet werden. Heber den Besonderheiten der Stämme, Stände und Parteien wollen mir die Einheit von Volk und Reich pflegen und mit Umsicht und zäher Ausdauer an der Erlösung von Ruhr und Rhein und der Freiheit der gesamten Nation arbeiten.

Das ist der politische Gedanke unserer bewährten Deutschen Zentrutnsparte!. Diesem großen Ziele einer wahrhaft christlichen, volkstümlich-sozialen und nationa­len Politik wollen wir dienen. Ihr gilt unsere Kraft. Mit dem Volk und für das Volk! Freunde, schließt die Reihen! In Vertrauen und Zuversicht voran!

Mit dem Volk und für da? Volk!" Diese Lornng des Reichsparteivorstandes soll aufaenontmen sein! Sie umschließt man^eS, woran nicht jeder gleich denkt. Sie fordert Opfer, materielle und gesellschaftliche; sie ist allein auf die Dauer geeignet, einer chri stli chen Partei den Weg zu weisen.

Beruhigung in preutzen.

Von einer preußischen parlamentarischen Seite wird uns mitgeteilt:

Der Preußische Landtag hat sich nun b i s n a ch der Psingstwoche vertagt. Das bedeutet nicht, daß die Behandlung der politischen Probleme, die aerade für Preußen akkut sind, ruhen. Ganz im Gegenteil wird die Zwischenzeit nachdrücklichst dazu benutzt werden, um die so dringend notwen­dige Beruhigung der politischen Berhältnisse des größten deutschen Landes fortzusetzen und zu sichern.

Das Kabinett Braun hat gewiß eine Mehr­heit erhalten, die ihm zunächst das Arbeiten ge­stattet, aber diese Mehrheit ist keineswegs ausrei­chend, um in jedem einzelnen Fall man denke nur an die Knifflichkeiten der Einzelberatung von Haushaltstiteln gegen alle Anstürme gefeit zu sein. Es ist notwendig, daß in Preußen eine V e r- breiterung der bisherigen R»gierungsbaf!s geschaf­fen wird, sei es durch Wiedererrichtung der großen Koalition, sei es durch eine lose Arbeitsge­mein s ch a f t, die gleicher Weise die Parteien von rechts wie von links mit dem bürgerlichen Kern der Mitte zusammenschließt.

Auf diesen Mittelparteien in Preußen ruht nun­mehr eine große Verantwortung. Sehr beachtlich ist die Stellungnahme der Deutschen Volkspartei, die zu erkennen gegeben hat, daß sie der Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft aller positiven Kräfte die Wege bahnen will, daß sie bereit ist, um der Er­reichung dieses Zieles willen auch persönliche Opfer zu bringen. Auf demselben Standpunkt stehen das Zentrum und die Demokraten, und in gleicher Weise sind ja auch die Sozialdemo­kraten in Preußen bereit, sehr erhebliche Opfer gerade nach der persönlichen Seite hin zu bringen, um die Macht nicht einseitig auf die rechte Seite gleiten zu lassen.

Die Basis der Verhandlungen zwischen den Par­teien mit dem Ziel der Erweiterung der Regie­rungsgruppe geht dahin, ein p a r I a m e n t a"r i- sches Kabinett zu schaffen, in welchem Zen­trum, Demokraten unb Deutsche Volkspar - t e i den bürgerlichen Kern bilden, während die Sozialdemokratie auf der einen Seite und die Deutschnationalen auf der anderen Seite mit Ver­tretern, die auch Beamte fein können, beteiligt vnr» *

Eine Konferenz mit Deutschland?

Reuter meldet aus London, zwei Noten Frank­reichs, eine über die Abrüstung und die andere über den Sicherheitspaktvorschlag, sol­len nach London abgesandt fein. Es sei jedoch Zweifelhaft, ob diese Noten bereits der britischen Regierung offiziell übermittelt wurden. Aus an­deren Gründen seien amtliche Kreise nicht geneigt, sich darüber zu äußern. Die Note an Deutschland über die Abrüstung und die Räumung der Kölner Zone würde durch die Tatsachen, welche die allgemeine edierte Untersuchung ergeben hätten, begründet. Der tatsächliche Wortlaut dieses Doku­ments seine eine Angelegenheit der Botschaf­terkonferenz, die alsdann die vorgeschlagene Fassung den verschiedenen Regierungen zu Prü­fung unterbreiten werde. Dann und nicht eher werde die Note voraussichtlich der deutschen Re­gierung überreicht werden.

Die Mitteilung Briands enthalte die fran­zösischen Vorschläge. Bezüglich der Richt­linien, die bei der Abfassung der Note befolgt werden sollten, bleibe es nunmehr noch der Bot- schafterkonferenz überlassen, diese Gedanken mit den von anderer Seite eingegangenen Vorschlägen in Einklang zu bringen. Bezüglich des Sicherheits­paktes fei bereits früher mitgeteilt worden, daß der Vorschlag der deutschen Regierung a u f r i cht ig und ein Schritt in der richtigen Richtung fei. Da aber diese Angelegenheit Frankreich an nächsten angehe, habe man es für wünschenswert gehal­ten, daß Frankreich selbst eine wohlüberlegte Ant­wort auf den deutfchen Vorschlag entwerfen sollte.

Dieses sei nunmehr geschehen. Die Antwort fei den edierten Regierungen zu ihrer Informa­tion mitgeteilt worden. In unterrichteten Kreisen fei man der Ansicht, daß, bevor alle diese Fragen eine endgültige Regelung finden könnten, es wahr­scheinlich in absehbarer Zeit nötig fein würde, eine Konferenz der Allierten abzu­halten, an der Deutschland teilnehmen müßte.

*

Die immer wieder verzögerte Antwortnote.

wtb London, 15. Mai. (Tel.) Der diplomaki- sckje Aenchteeskatter des ,.Daily-Telegraph" schreibt: Der französische Botschafter stattete gestern dem auswärtigen Amte einen Besuch ab und wird heute wiederum eine Unterredung mit Chamberlain ha­

ben. Der gestrige Besuch stand vermutlich mit den interalliierten Besprechungen über die Frage der deutschen Abrüstung und möglicher­weise auch mit der formellen Uebermikllunq der von Briand geplanten Antwort aus den Sicher- heiksvorschlag an die brikiiche Regierung im Zusam­menhang. Cs ist nicht wahrscheinlich, daß die Vok- schaslerkonferenz noch heule in der Lage sein rotte, die alliierte Abrüstungsnole weiter zu bearbeiten, da der von Briand verfaßte Entwurf gewisse Sähe enthält, die einer eingehenden Aufklärung be­dürfen. Es wird also noch einen oder zwei Tage dauern, bis die allerdings nicht sehr wichtige Diffe­renz geregelt sein wird. In ihrer endgültigen Ver­fassung wird die alliierte Roke kein genaues Datum für die Räumung der Kölner Jone enthalten. Diese wird allein von der Be­seitigung der Deutschland zur Last gelegten Der- stoße abhängen.

Chamberlain gefährdet?

Gerüchte über Rücktriktsabsichten des englischen Außenministers.

wtb Paris, 15. Mai (Tel.) Havas berichtet über ein Gerücht, das in konservativen Kreisen in London, die derRegierung ziemlich nahe stehen, umläusk, wonach Austen Chamberlain dem- nächst seine Demission als Staatssekretär des Aeußern geben werde. Sein Rachfolger sei Lord Birkenhead. Man versichere, daß die Allianz- Politik zwischen Frankreich und Belgien, sowie sie Chamberlain vor 2 oder 3 Monaten in Aussicht ge­nommen habe und die von dem Kolonial-Minister Amery stark bekämpft worden sei, niemals von der Mehrheit des Kabinetts angenommen worden sek und daß der von derRewyork-World" veröffent­lichte Text eines Memorandums die Autorität des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt inner­halb des Kabinetts geschwächt habe. 3n offiziellen britischen Kreisen weigere man sich, sich mit diesem Gerücht zu beschäftigen und irgend etwas zu sagen, was man dementieren oder bestätigen müsse. Mau muß das Gerücht mit aller notwendigen Vorsicht aufuehmen.

Das Aufwertungs-Kompromiß.

Aus dem Reichstag wird uns mitgeteilt:

Zwischen den hinter der Regierung stehenden Parteien ist in Besprechungen mit denDertretern der Reichsregierung nach langwierigen Verhandlungen ein Kompromiß in der Aufwertungs-, frage zustandegekommen, für den mit allen Mit­teln sich einzusetzen die betreffenden Parteien über* eingekommen sind.

Grundsätzlich ist danach der Streit in der Frage, ob Einheitssatz oder Staffelung zugunsten des Einheitssatzes entschieden und zwar sollen im allgeimeinen alle Forderungen mit 25 Pro­zent aufgewertet werden. Das gilt für alle Hypotheken, gleich welchen Ranges, sodaß auch spätere Hypotheken, die in Friedenszeiten wohl ausgefallen wären, noch mit zur Hebung gelangen können. Dieser Aufwertungssatz von 25 Prozent gilt aber auch für die Industrie- O b l i g a t i o n e n mit der besonderen Maßnahme, daß die ersten 15 Prozent nach einem festen Satz verzinst werden, während die übrigen 10 Prozent als Genußscheine mit besonderen Verzin- fungsbeftimmungen ausgegeben werden sollen.

Die Zinszahlung selber ist im Interesse der Schonung der Landwirtschaft uyd des Hausbesitzes derart gedacht, daß die ersten 15 Prozent zins- pflichtig werden mit dem 1. Januar 1925, die zu­sätzlichen 10 Prozent jedoch erst vom 1. Januar 1928 ab.

Bezüglich der Rückwirkung ist der bisher in Aussicht genommene Termin um ein halbes Jahr zurückverlegt worden und zwar auf den 15. Juni 1922. Alle Forderungen also, die nach diesem Termin beglichen sind, werden sofern

den sollen. Bei den Deutschnationalen besteht für diese Lösung, die halb parlamentarisches, bald Be­amtenkabinett bedeuten würde, wenig Neigung. Die Sozialdemokraten würden an sich nicht abge­neigt fein, diesen Weg zu betreten, der ja letzten Endes dazu bestimmt ist, die zunächst lediglich als Beamten zu dem Kabinett hinzugezogenen Per­sönlichkeiten später, wenn sich die Parteiverhältnisie weiter konsolidieren, durch parlamentarische Per­sönlichkeiten zu ersetzen. Ueber die Zahl der von den einzelnen Parteien zu delegierenden Persön­lichkeiten werden größere Schwierigkeiten kaum entstehen, die Führung freilich wird bei einer Partei der Mitte, voraussichtlich beim Zentrum liegen. Jedenfalls sind die Aussichten, auf solcher Basis endlich zu einer Beruhigung in Preußen zu kommen, günstiger als bei den seitherigen Bera­tungen.

Sozialdemokratie und Preußen.

Heber die Haltung der sozialdemokratischen Partei zur Preußenfrage schreibt der sozialdemokratische Pressedienst, daß von einer Erweiterung des Kabinetts in Preußen im Augenblick keine Rede sein könne. Weder Ministerpräsident Braun noch der inter­fraktionelle Ausschuß der Koalilionsparteien hätten

nicht ein besonderer Vergleich über sie zustande- gekommen, ist wieder hergestellt. Sehr wichtig ist diese Bestimmung insbesondere für die S p a rk a s- feneinlagen.

Was die Anleihen betrifft, so wird wiederum unterschieden zwischen den Reichs-, Ländern- und Gemeinde-Anleihen. Reichs- und Länderanleihen werden gleichmäßig behandelt, und zwar bleibt es formet! bei der Herabsetzung auf 5 Prozent. Tat­sächlich kommt aber durch besondere Stellungnah­men, die diese Anleihen erhalten, eine höhere Auf­wertung heraus Die Kommunalanleihen werden mit 12J4 Prozent aufgewertet. Lei­stungsfähige Gemeinden sollen aber bis zu 25 Prozent aufzuwerten instandgefetzt werden. Eine Verzinsung wird nicht stattfinden, dagegen eine Auslosung Platz greifen, um auf diese Weise den Papieren einen Börsenkurs und damit eine bessere Verwendungsmöglichkeit zu geben.

Die in den bisherigen Vorschlägen enthaltenen Be­stimmungen, Vorzugsrenten für Bedürftige sowie bezüglich der Bereitstellung von 150 Millionen Mark, um die kleinen Zeichner abzufinden, bleiben bestehen.

Es darf wohl angenommen werden, daß dieses Kompromiß auch von den Parteien selbst' gebilligt wird.

Ueberfriff Bests zur völkischen Bereinigung?

Wie aus parlamentarischen Kreisen Verlautet, beabsichtigt der Abg Best, der in der Aufwertungs- frage sich dec Fraction nicht fügen will, aus der deutschnarionaleu Reichstaasfraktion auszutreten und sich der Völkischen Vereinigung anzn» schließen.

bisher zu einer Erweiterung- des Kabinetts Stellung genommen. Damit erweise sich auch die Annahme über Rücktrittsabsichten Severin gs als falsch.

* Neues schweres Eisenbahnunglück. Nach einer Moskauer Meldung J)er .Vossischen Ztg/ ist der Rigaer D-Zug in der Mittwoch Nacht unweit von Moskau entgleist. Der Speisewagen und ein Wagen zweiter Klaffe sind vollständig zertrümmert. Zehn Personen wurden getötet und 30 verletzt. Unter den Paffagieren sollen sich mehrere Reichs» deutsche befunden haben.

(Ein verbot.

wtb Bamberg, 15. Mai. (Tel.) Die fsie den 16. bis 18. Mai beabsichtigte Fahnen-Weihe des Frontkrieger-Bundes in Bamberg, zu der auch Ludendors sein Erscheinen in Aussicht gestellt hat, wurde von der Rek>rrrng Ober» sranken verboten. Beim Staatsmimsterium des Innern ist Beschwerde eingelegt worden.