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Nr. 112.

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Anzeiger für die Stadl und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Verantwortlich lür die SchrirUsitung: Dr. Jnbannes Kramer. Anzeigeni 3- B arzeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der pitltcrr S rtTtttrvtltiei >n Fulto. FernlvreLrr Nr- S.

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Freitag, tZ. Mal 1925.

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52. Zahrg.

Trotzkis Wiederkehr.

Die Beziehungen Rußlands zu Deutschland. Dirth-Rathenaus Rapollo-Vertrag.

wtb. Moskau, 14. Mai. (Tel.). Die gestrige Sitzung des Kongresses der S o w j ek-ll ni on war besonders interessant durch das Wieder­erscheinen Trotzkis in der politischen Oef- fenklichkeik. Trotzki wurde stürmisch be­grüßt. 3m Zuhörerraum war Kreszinski sowie das gesamte diplomatische Korps anwesend. Rykoff hielt eine bedeutsame Rede, in der es unter an­derem hieß: Rußlands Beziehungen zu Deutschland charakterisierten sich bis -jetzt durch Freundschaft und gegenseitiges Verständnis für Die Interessen, die seinerzeit der R a p a l l o - V e r- frag ins Leben rief. Rußland habe das Be­streben, auch bei der neuen Regierung Deuksch- lauds seinen Grundsatz streng zu befolgen, fich in die iaucrdeukschen Angelegenheiten Äuf feinen Fall einzumischen. Augen­blicklich führe Deutschland Verhandlungen mit der Entente, die nicht einflußlos auf die deutsch- rufsifchen Vezishuugen bleiben könnten. Rußland hoffe auf eine schnelle Unterzeichnung des Handels­vertrags.

Frankreichs Annäherungsversuche.

Wtb. Paris, 14. Mai. (Tel.). Etwa 100 ^Senatoren und Abgeordnete aller Parteirichtungen Haben sich, wie das Journal mikteilt, zusammen- .getan, um eine französisch-russische par- lameukarische Gruppe zu bilden, die ein 5fu- dium der notwendigen Annäherung der beiden Lander vornehmen will. Den Vorsitz der Vereinigung hat der Abgeordnete Phillippo- teux übernommen. Verschiedene französische Par­lamentarier, darunter auch Dciand, sind der Gruppe bereits beigekrelen. Und auch der Sowjet- Botschafter in Paris, Krassin, hak den Wunsch zum Ausdruck gebracht, sobald wie möglich Mit­glied dieser Gruppe zu werden.

Deutsches Reich.

* Ludendorff fraktionslos. Aus einem neuen Fraktionsverzeichnis, das soeben im Reichstag aus­gegeben wird, ergibt fich, daß hie Spaltung der völkischen Gruppe noch weitere Folgen gehabt hat. Es find nicht nur die vier bäuerischen Abgeordne­ten Straßer, Frick, Dietrich und Feder als besonders Nationalsozialistische Gruppe aus der völkischen Gruppe des Herrn v. Graefe ausgeschie- den, sondern auch der Abgeordnete L u d e n d o rff. Ludendorff ist aber nicht der Rationalistischen Gruppe beigetreten, sondern läßt sich setzt offiziell alszukeinerPartei gehörig in dem Mit- gliederoerzeichnis führen. Ludendorff und Sange« h e g e r m a n n, der von her Zentrumsfraktion zur Mandatsniederleguna aufgefordert worden war, aber lieber aus der Partei ausschied, sind die bei­den einzigen Abgeordneten des Reichstages, die weder einer Fraktion noch einer fraktionsähnlichen Gruppe angehören.

Beamtenfragen.

= ®eirf)5oer6anb5fag der Postbeamten. Unter Be­teiligung von etwa 10Q Delegierten aus allen Teilen des Reiches ist der 14. Verbandstag des Reichsverbandes deutscher Post, und Telegraphenbeamten e. V. in B e r- hn zusammengetreten.

£otb Affiner, der bekannte englische Staats- marm, ist im 71. Lebensjahre der S ch l a f k r a n k- heit erlegen. Lord Milner, der von englischen Eltern in Bonn geboren und erzogen war, war mich feinen Oxforder Studien als liberaler Jour­nalist und Privatsekretär Lord Golchens, dem er seine bedeutende Kenntnisse als Finanzverwalter verdankte, in die politische Arena eingetreten. Im Zusammenhang mit dem homerulestreit ging er aber zu der Konservativen Partei über. Zu einer internationalen Figur wurde er, als ihn Joseph Chamberlain 1897 zum Gouverneur der K a p k o l o n i e ernannte. Er war dann sein hauptmitarbeiter an der Fortführung des Werkes, das Cecil Rhodes begmndet hatte. Mit durch seine Hände vollzog sich die Handhabung der rücksichtslosen Methoden, die zum Burenkrieg führ­ten. Das Zeitalter der Koalitionskabinette im Kriege und nachher sah ihn unter Lord George 1918 als Kriegsminister und ein Jahr später als Kolonialminister, hier war es noch einmal Aegyp­ten, wo er sich an einer staatsmännischen Aufgabe großen Stils versuchen sollte, aber erfolglos blieb, sodaß er sich von der Politik zurückzog.

auslanö.

* Das neue belgische Kabinett ist von dem Ka­tholikenführer van der Vyvere gebildet worden.

* Abberufung des deutschen Gesandten in Finn­land. Der deutsche Gesandte Graf von Zech-Burkers­roda bat dem finnischen Reichspräsidenten Relander sein Abberufungsschreiben überreicht.

* Mittelmeerfahrt der französischen Flotte. Wie Havas aus Athen meldet, ist ein Teil des franzö- fischen Mittelmeergeschwaders im Hafen von Phaleron eingetroffen.

* Die deutsche Sprache in Südwestafrika. Die neue Verfassung für Südwestafrika sieht die An­erkennung der deutschen Sprache im Parla- meut u«d do? G«jcht vor.

Die Fortsetzung der bisherigen Politik, wichtige Tagung des Reichsparteivorstandes der Zentrumspartei.

Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers a. D. Marx trat am Mittwoch in Berlin der erweiterte Reichsparteivorstand der Deutschen Zentrumspartei zu einer Sitzung zusammen, die sich vornehmlich mit einer Besprechung der politischen Lage befaßte. Reichskanzler Marx erstattete ein län­geres Referat, das sich insbesondere auf die Er­fahrungen bei der Reichspräsidentenwahl stützte und das in dem Gedanken gipfelte, daß gerade diese Erfahrungen der Wochen zeigen, wie eine in sich geschlossene Zentrumspartei heute notwendiger ist, als je zuvor.

In der Frage der politischen Stellungnahme der Partei wurde erneut die bisher stets von den maßgebenden Instanzen aufgezeigte Linie bekräf­tigt, so zwar, daß das Zentrum die Partei der Mitte, die sie immer war, auch in Zukunft bleiben wird und bleiben muß, und daß sie nach wie vor bereit ist, Missionierungsarbeit sowohl nach rechts wie nach links zu leisten, um auf diesem Wege den A u s g l el ch zwischen den politischen und wirtschaftlichen Gegensätzen zu voll­ziehen und den Volksgemeinschaftsge­danken praktisch zu verwirklichen. In dieser Auffasiung ergab sich vollständige Einmütigkeit bei den sehr umfassenden Besprechungen. Mit dem Willen, mit erneuter Kraft ans Werk zu gehen, die Einigkeit und Geschlossenheit der Partei zu wahren, wurden die Verhandlungen, in der alle führenden Persönlichkeiten auch aus dem Lande zu Worte kamen, abgeschlossen.

Aus Berlin wird uns mitgeteilt:

Dieser Tage waren in einigen reichshaupt­städtischen Blättern Mitteilungen des Inhalts ver­breitet worden, daß der Reichskanzler Luther mit Führern der Zentrumsfraktion des Reichs­tages in Verbindung getreten fei mit dem Ziel, zu erforschen, ob das Zentrum bereit wäre, der gegen­wärtigen Reichsregierung gegenüber in ein engeres Verhältnis zu treten.

Wie wir demgegenüber erfahren, ist ein der­artiger Schritt von Seiten des Reichskanzlers zu keiner Zeit und zu keiner parlamentarischen Persönlichkeit der Zentrumspartei erfolgt.

Das Verhältnis zwischen Zentrumspartei und Reichsregierung ist auch heute noch das gleiche wie bisher, so zwar, daß das Zentrum gemäß der seiner­zeit von dem Fraktionsvorsitzenden F e h r e n b a ch abgegebenen Erklärung, positiv mitzuarbeiten, wil­lens ist, sofern die vom Zentrum für unver­zichtbar erachteten Forderungen hin­sichtlich der Führung der politischen Linie nach innen und außen gewahrt werden. Dieser Standpunkt der Zentrumsfrak­tion hat sich in nichts geändert, und innerhalb der Fraktion denkt auch niemand an irgend eine Neu­orientierung, zu der ja auch gar kein Anlaß vorliegt. Wir wissen auch, daß der Reichskanzler' das entscheidende Gewicht darauf legt, daß die Mit­arbeit des Zentrums für feine Regierung gesichert ist, da er sonst die Grundlagen für feine Amts­führung nicht mehr als ausreidjenb erachten würde.

Die Dinge liegen also so, daß eine Annäherung des Zentrums an die Regierung nicht in Frage kommt, sondern daß die Annäherung vxm der an­deren Seite her an das Zentrum als den ruhen­den P o l erfolgen muß.

Das Zentrum würde irgendwelche Machen­schaften, die auf eine Krise hinauslaufen müßten, mit aller Entschiedenheit ablehnen. Eine derartige Krise würde im letzten Augenblick vollständig un­verständlich fein, nachdem die Dinge eine Entwick­lung nehmen, die immer mehr die vom Zentrum innegehaltene Politik nach innen und außen recht­fertigt und nachdem dafür gerade diejenigen Kräfte fich einsetzen müssen, die bisher in hem­mungsloser Opposition beiseite standen, nun aber gezwungen find, praktische Arbeit zu leisten. Im Zentrum denkt niemand daran, diesen Kreisen diese Verantwortung abzunehmen, sondern es muß vielmehr alles getan werden, um die bisher nicht ohne Erfolg geleistete Erzie­hungsarbeit zum Staatsbewußtsein und zur politischen Mitarbeit noch zu vertiefen.

Wie wir vernehmen, wird sich der Reichskanzler a. D. Marx am Donnerstag dieser Woche mit dem von der Katholischen Schulorganifation organisierten Pilgerzug nach Rom begeben. Der Reichskanzler a. D. W irth ist bereits dieser Tage nach Rom abgereift.

Der Reichspräsident v. Hindenburg empfing am Mittwoch das Präsidium des Reichstages, den Prä­sidenten Loeb e, die Vizepräsidenten Bell und Graef-Thüringen. Letzterer, ein Deutsch- nationaler, hatte sich bekanntlich beim letzten Emp­fang des Reichstagspräfidiums durch Reichspräsi­dent Ebert ostentativ von dem Besuch ausge­schlossen. Das Beispiel dieses Herrn fand jetzt glück­licherweise keine Nachahmung. In seinem Dank an das Reichstagsprasidium für die Glückwünsche sagte Herr v. Hindenburg u. a.:Ich bin mir be­wußt, daß gerade in einer Republik die Würde und das Ansehen der Nation in hohem Maße in die Hände des Parlaments ge­legt ist. Das Ausland wird uns um so mehr Ach­tung zollen, ie mehr wir selbst in unserem ganzen

Auftreten die Selbstachtung eines aufrechten und stolzen Volkes bewahren. Helfen Sie hierzu mit, meine Herren!"

Die Empfänge dauerten den ganzen Vormittag an. Auch die Abordnung der Wehrmacht, Geßler und General v. Seekt wurden empfangen. Hindenburg erklärte:

Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, mit wie großer innerer Anteilnahme ich in den Jahren meiner stillen Zurückgezogenheit die schwere und hingebende Ar­beit verfolgt habe, die Sie unter den schwierig- sten Verhältnissen geleistet haben. Mit stolzer Genugtuung dürfen Sie auf Ihr Werk blicken. Die kleine deutsche Wehrmacht steht heute, un­berührt von den Kämpfen der Parteien und politischer Meinungen aufrecht da. Sie wird getragen von dem Gefühl der Verpflichtung gegenüber der groben Tradi­tion unseres alten Volksheeres. Möge es Ihnen auch weiterhin gelingen, aus der deutschen Reichswehr das wirksame Instrument ehrlichen Friedens­willens zu machen, das sie allein sein soll."

Reichspräsident v. Hindenburg empfängt Donnerstag, mittags 12 Uhr, das diplomatische Korps. Der Doyen des Korps, der päpstliche Nuntius Pa­ce Hi, wird namens der Vertreter der ausländischen Regierungen die Glückwünsche des Korps dem Reichs­präsidenten überbringen. Der Reichspräsident wird in einer kurzen Ansprache für die Glückwünsche danken.

Im Reichstag

wurde am Mittwoch über das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ver­handelt. Es sprach u. a. der Reichstagsabgeordnete unseres Fuldaer Heimatbezirkes, Dr. Crone- Münzebrock (Ztr.). Dringend notwendig für die Existenz der Gesamtwirtschaft fei eine befrie­digende Lösung des Siedlungsvroblems. In einem Jahre nach der Inflation sei eine land­wirtschaftliche Schuldenlast von etwa 3 Milliarden entstanden. Wenn man dabei die hohen Zinsen berücksichtige, so zahle die Land­wirtschaft heute an Zinsen für die 3 Milliarden Schulden mehr, als sie früher für 12 Milliarden Schulden zu zahlen gehabt hätte. (Hört! Hört!) Die Steuern sollten so bemessen sein, daß sie von der Landwirtschaft ohne Inanspruchnahme teurer Kredite getragen werden können. Wenn der Landwirtschaft, der es heute schlechter gehe als unter Caprivi, nicht aus der Krise heraus- cieholfen werde, würde sich die Krise zu einer Katastrophe nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für die gesamte deutsche Wirtschaft aus­wachsen. Die Regierung müsse baldigst einen Zolltarif vorlegen, wobei es darauf ankomme, die Relation zwischen den Zöllen aufrecht zu erhal­ten. (Sehr richtig!)

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Die im Reichstag für Donnerstag in Aussicht genommene große politische Aussprache beim Haushaltsausschuß des Auswärtigen Amtes wird erstindernächsten Woche stattfinden.

Der doppelseitige Sieg.

Die .Nationalliberale Korresponden;', das Sprachrohr der Deutschen Volkspartei, schreibt:

Hindenburg zieht in das Heim Eberts in der Wilhelmstratze ein, über dem die schwarzrotgoldene Fahne der Republik webt.

Diese Fahne wird nicht berunteroeholt, im Gegen­teil, der ehemals kaiserliche Feldmarschall von Hinden­burg, einer der anerkanntesten Vertreter des alten Deutschlands, schwört den Eid aus die republi­kanische VersLrssung.

Er schwört, die Verfaffung zu wahren. Und wo ist der Mann, der es wagen dürfte, an den Eid Hinden­burgs zu zweifeln oder ihn auch nur anders zu deuten, als er gemeint ist und geschworen werden darf?

So wird die Wahl Hindenburgs ein Sieg der Republik als der Ausdrucksform des deutschen Gegenwartsstaates.

Das mag manchem Hindenburg-Wähler überraschend klingen, aber eS darf ihn nicht erschrecken; befagt doch die Feststellung, daß der Staat wieder ein Macktsaktor geworden ist.

Der StaatSgedanke mutz der mächtigste Im- puls sein, der in einem Volke lebt. Der Staat darf keine gleichberechtigten Partner neben sich dulden! Keine Partei und keine Interessengruppe, auch nicht den Volks- oder den Reichsblock. Sie alle dürfen nur Diener des Staates sein.

Ein grosser Teil des Elend» der letzten Jahre lag darin begründet, dass der StaatSgedanke toieoerbolt hinter Sonderinteressen zurücktreten muhte, die nicht mit dem Interesse des Gesamtwohls vereinbar waren. Parteien und Private haben hier gleichmässig gesün- digt. Nicht nur Linksparteien, auch Rechtsparteien haben fich dem Staate in kritischen Zeiten verweigert, wo er um seine Existenz kämpfte.»

Ein Bekenntnis zum neuen deutschen Staats braucht von denen nicht verlangt zu werden, die ihn nach Krieg und Revolution neu gegründet und innerlich gefestigt und gesichert haben. Hinden­burgs Eid auf die Verfassung ist allerdings ein neuer Erfolg dieses Staates, dessen moralischen Auswirkungen wir so sicher sind, wie der persönlichen Ehrenhaftigkeit und moralischen Autorität Hinden­burgs selbst. Es ist ein seltfamer Vorgang: Ein Mann des alten obrigkeitlichen Systems wird von den Gegnern der Demokratie bereits als das moralische Werkzeug empfunden, um die Ehrfurcht vor dem Volk und seinem politischen Willen zu vertiefen!

* Haftentlassung Julius Barmats. Ter 3. Straftenat des Kammergerichts hat beute beschlossen, daß Julius Barmat gegen eine Kaution von 200 000 Mark aus der Untersuchungshaft zu ent­lassen ist. Henry Barmat bleibt dis auf weiteres als Unt-Mf,»*una§flefanQenet in der Chariie.

Die Zustande in Bulgarien.

wtb Sofia, 14 Mai (Tel.) In der Gegend von Pazardjiksind Räuberbanden ausgetancht, die Gewalttaten gegen die Bevölkerung begangen haben und von ihr eine Summe von ungefähr 4CTO000 Lewa erpresst hosten. Beim ersten Zu- fammenftoß wurden 7 Räuber getötet und mehrere andere verletzt. Man erwartet eine baldige Uebergabe der Räuber, die von allen Seiten verfolgt werden.

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Durchgreifen!

Einschreiten der Justizverwaltung im Falle Hoesle.

Wie aus Berlin gemeldet wird, begab sich eine Deputation der Zentrumspartei unter Füh­rung des Landtagsabgeordneten D i e t r i ch-Halle zu dem preußischen I u st i z m i n i st e r Am Zehnhoff, um auf Grund der Zeugenverneh­mungen vor dem Parlamentsuntersuchungsaus- fchuß über den Fall Dr. Hoefle Beschwerde wegen verschiedener Fehlgriffe von Iuftizbeamten zu führen. Der Iustizmini- ster soll der Deputation mitgeteilt haben, daß außer der Beurlaubung des Gefängnisarzt es Dr. Thiele auch gegen die S t a a t s a n w ä l te, die in dem Verfahren gegen Hoefle tätig waren, geeignete Schritte unternommen werden sollen.

In parlamentarischen Kreisen hält man es, wie die Blätter melden, für nicht ausgeschlossen, daß auch gegen den Untersuchungsrichter Dr. Rothmann vorgegangen werde. Dr. Rothmann hatte vor dem Untersuchungsausschuß behauptet, niemals eine Aeußerung über die Höhe der Strafe getan zu haben, die Dr. Hoefle zu erwarten habe. Es sollen nunmehr jedoch Akten der Zivil­kammer des Landgerichts H beigebracht worden fein, in welchen Dr. Rothmann ein Gesuch wegen Verhängung des Arrestes über das Vermögen Dr. Hoefles mit der Tatsache begründet haben soll, daß im Falle Hoelle mit einer fünfjährigen Freiheitsstrafe zu rechnen fei.

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In den Zentrumskreisen im Lande wird es mit größter Befriedigung aufgenommen werden, daß in dieser Angelegenheit durchgegriffen wer­den soll. Es wäre ein Verhängnis, wenn im Volk die Auffassung entstehen könnte, als ob es möglich fei, daß mit der Pflege des Rechts betraute Organe ihre Maßnahmen nach parteipolitischen Gesichtspunkten zu treffen in der Lage wären.

verrat des Beichtgeheimnisses?

Aus dem Preußischen Landtag wird uns ge­schrieben :

In der 35. Sitzung des Preußischen Landtages am Donnerstag, den 30. April 1925, hat der deutsch- nationale katholische Abaeordnete Lukassowitz, Schulrektor in Schlesien, die Behauptung ausgestellt, daß der katholische Pfarrer Dr. Engel in Michelau (Schlesien) dem dortigen Lehrer Fischer die Los­sprechung verweigert habe, weil dieser sich als deutsch­national bekannt habe. Als der Abgeordnete Wi l- dermann (Zentrum) dem Abgeordneten Lukasfo- Witz erwiderte, er müsse als Katholik doch wissen, daß der Pfarrer durch das Beichtsiegel verhindert sei, auf eine solche Anklage zu antworten, rief ihm Herr Lukassowitz zu:Der Pfarrer hat cs in einer Wahlversammlung öffentlich zugegeben." Herr Abg. Wildermann bestritt sofort die Wahrheit dieser Be­hauptung. Für jeden Katholiken ist ja das Beicht­siegel so heilig, daß ihm ein Bruch desselben un­möglich erscheint. Die Geschichte erzählt von zahl­reichen Märtyrern des Beichtsiegels, der deutsch- nationale Katholik Lukassowitz erzählt im Preußischen Landtage von einem Verräter.

Der angeschuldigte Pfarrer Dr. Engel hat auf briefliche Anfrage geantwortet, daß an der Behaup­tung des Herrn Lukassowitz kein wahres Wort sei. Herr Lehrer Fischer habe überhaupt niemals bei ihm gebeichtet. Der Pfarrer fragt an, ob er gericht­lich gegen den Verleumder vorgehen könne. Leider muß ihm geantwortet werden, daß Herr Lukassowitz wegen seiner Immunität als Abgeordneter gerichtlich für seine Aeußerung nicht belangt werden kann. Vor der moralischen Verurteilung schützt die Immunität Herrn Lukassowitz nicht.

Uederall Verleumdung.

In dem Großdeutschen Verlag Weißen­burg in Bayern erschien im Frühjahr 1924 eine BroschüreDie entdeckten schwarzen Henker des deutschen Volkes . . ." von K. v. Widdenhoff, in der u. a. behauptet wurde, Kardinal Faul­haber, Baron von Soden und Genossen hätten mit Poincars verhandelt, um ein süddeutsches Kaiserreich unter der Herrschaft desJesuitenlieb- lings" Sixtus von Parma zu schaffen. Der Ver­fassername erwies sich als ein Pseudonym, jedoch ergab ein jetzt in München von Kardinal Faul­haber und Graf von Soden angestrengter Belei­digungsprozeß gegen den Oberlehrer Karl Wein- I ä n b e r in Weißenburg, daß dieser das Manu­skriptals Treuhänder des Verfassers" dem Ver­lag übergeben hat. Es kam vor Gericht ein Ver­gleich zustande, in dem der Oerlehrer Weinländer erklärte:

Ich bedauere diese Uebergabe, weil in der Schrift Angriffe gegen die beiden Herren Privat­kläger enthalten sind, die ich nicht gemacht hätte und nicht machen könnte. Der Beklagte ver­pflichtete sich, eine Buße von 1000 R.-Mk. für einen wohltätigen Zweck zu dezah- len, wobei die Bestimmung über die Verwendung den Privatklägern zusteht. Der Beklagte über­nimmt außerdem die Kosten des Prozesses.