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FuldaerZeüung

Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Fulda.

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Berautwortli» für die SLrittleituns- Dr. 3*ba»ne8 Kramer. Snieigen: I. D arieUer. Fulda. Rotationsdruck und Verla« der Fuldaer ? rtieudruckerei in Fulda. Ferridrecker Rr. 8. Monatlicher «etuarvrei«: 130 Mk.

Donnerstag, 14. Htai 1925.

Amkliches Kreisblakk.

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52. Zahrg.

Hindenburg als Reichspräsident.

Kundgebungen und Reden des neuen Reichsoberhauptes. Mahnungen zur Einigkeit. Hindenburg über Ebert.

Der Vereidigung Hindenburgs, über die schon kurz berichtet wurde, ging eine Ansprache des Reichstagspräsidenten Loebe voraus, der folgendes sagte:

Herr Feldmarschall! Das deutsche Volk hat in seiner Abstimmung am 26. April dieses Jahres Sie zum Präsidenten des Reiches gewählt und Sie damit auf den höchsten und ehrenvollsten Platz der deutschen Republik berufen. Der Artikel 42 der Ver­fassung von Weimar ordnet an, daß Sie vor der ver­sammelten Volksvertretung den E i d a u f d i e Ver­fassung leisten. Zu dieser feierlichen Handlung habe ich den Reichstag zusammenberufen: ich überreiche Ihnen die Eidesformel und bitte Sie, den vorgeschriebenen Cid abzulegen.

Reichspräsident v. Hindenburg übernimmt die Mappe mit der Eidesformel und leistet den Eid in folgendem Wortlaut:

Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissen­den, daß ich meine Kraft dem Wohle des deut­schen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Scha­den von ihm wenden, die Verfassung und die Gesetze des Reiches wahren, meine Pflichten gewiffenhast erfüllen und Gerechtigkeit gegen jeder­mann üben werde. So wahr mir Gott Helse!

Nunmehr hielt der Präsident des Reichstages, Löbe, folgende Ansprache:

Herr Reichspräsident! Durch die Leistung des Eides sind Sie dem deutschen Volke verpflichtet wor­den. Ich begrüße Sie namens der Volks­vertretung und gebe der Hoffnung Ausdruck: es möge unter Ihrer Amtszeit gelingen, den in den letzten Jahren unter Ihrem Vorgänger, dem Reichspräsidenten Ebert, begonnenen wirtschaftlichen Wiederauf, stieg unseres Landes fortzusetzen, die mit Erfolg an­gebahnte außenpolitische Befriedung weiteczu- kühren und so die furchtbaren Nachwirkungen des Krieges und der Kriegsfolgen, unter denen noch heute unzählige unserer Landsleute leiden, allmählich zu beseitigen. Vielerlei wirtschaftlich« Hoffnungen verbin­den sich, wie Ihnen, Herr Reichspräsident, bekannt ist, mit jedem Wechsel an den leitenden Stellen des Reichs. Möge es dem Zusammenwirken der berufenen Perso­nen und Körperschaften gelingen, die erfüllbaren Wünsche ihrer Verwirklichung näher zu führen und auch nach außen das Deutsche Reich als friedliches und gleichberechtigte» Glied in die euro­päische Völkerfamilie einzureihen. Von diesen unseren Wünschen begleitet, übernehmen Sie, Herr Reichspräsident, Ihr hohes Amt.

Hindenburg antwortete auf diese Ansprache mit folgenden Worten:

Sehr geehrter Herr R e i ch s t a g s Präsi­dent! Nehmen Sie meinen herzlichen Dank für die Worte der Begrüßung entgegen, die Sie zu mir soeben im Namen der deutschen Volksvertretung gesprochen haben, nachdem ich ge m ä ß der r e p u b l i k a n i - fchen Verfassung vom 11. August 1919 den C i d als Reichspräsident geleistet habe. Reichs­tag und Reichspräsident gehören zusammen, denn sie sind beide unmittelbar aus den Wahlen dos deut­schen Volkes hervorgegangen. Aus dieser gemeinsamen Grundlage allein leiten sie ihre Machtvollkommenheiten her. Beide zusammen erst bilden die Verkörverung der Volkssouveränität, die die Grund­lage unseres gesamten heutigen Berfa j- snngslebens bildet. Das ist der tiefe Sinn der Derfaffung, auf die ich mich soeben durch mein Man­neswort feierlich verpflichtet habe. Während aber der Reichstag die Stätte ist, wo die Gegensätze der Weltanschauungen und der politischen lieberzeugungen ^"tsknander ringen, soll der Reichspräsident der über« parteilichen Zusammenfassung aller arbeitswilli­gen und aufbau der eiten Kräfte unseres Volkes dienen. Auch an dieser Stelle spreche ich es daher noch emmal ausdrücklich aus, daß ich mich dieser Aufgabe der Sammlung und Einigung unseres Vol- kes mit besonderer Hingabe widmen will. Diese große Aufgabe wird nur dann wesentlich erleichtert werden, wenn auch in diesem hohen Hause der Streit der Par­teien nicht um Vorteile für eine Partei

" $J\rru f 5 ft 0 n h gehen wird, sondern vielmehr darum, roer a m treuesten und erfola- retchsten unserem schwergeprüften Volke dient. Ich hoff« zuversichtlich, daß der edle Wettstreit um t re u e st e P Htdjterfullung die sichere Grundlage bNden wird auf der mr uns immer wieder nach dem Streit der Geister und Meinungen zu gemeinsamer, ver­trauensvoller Arbeit zusammenfinden werden

Hierauf führte Reichstagspräsident Löbe aus: Ich bitte Sie, meine Damen und Herren mit mir in den Ruf einzuftimmen:Das Deutsche Reich, das in der Deutschen Republik geeinigte deutsche Volk, es {ebe hoch!" Das Haus stimmt dreimal begei­stert in den Hochruf ein.

Als die Feier im Plenarsitzungssaal des Reichstages beendet war, begaben sich die Ab­geordneten und die eingeladenen Gäste auf die große Freitreppe, die zum Königsplatz hinunterführt. Es bot sich von hier aus ein groß­artiges Bild. Um das Bismarck-Denkmal war eine Sperrkette von Schutzpolizisten aufgfestellt. Da­hinter drängten sich die Zuschauer. Bor der Frei­treppe des Reichstages hatte als Ehrenkom­pagnie die Traditionskompagnie des dritten Garderegiments, bei dem Hindenburg als Offizier gedient hat, Aufstellung genommen. An der Spitze der Kompagnie stand der Kommandant von Berlin mit seinem Stabe, vor der Musikkapelle General v. S e e ck t. Etwa 10 Minuten nach 12 uhr erschien der Reichspräsident im Portal des Reichstages, von den anwesenden Reichstagsabge­ordneten und dem Publikum mit Hochrufen be­grüßt.

Reichspräsident Hindenburg schritt die Frei­treppe hinunter. Rechts von ihm ging der Reichs­tagspräsident Löbe, links Reichskanzler Dr. Luther. Es folgten die Reichsminister, dis am- nerenden Schriftführer des Reichstages und der Erektor d« Reich-Mgs, Geheiyirat E oM, , WM

in der Mitte der Freitreppe machte Reichspräsident v. Hindenburg mit seiner Begleitung Halt. Reichs­kanzler Dr .Luther trat einige Schritte vor und brachte ein dreifaches Hoch auf den Reichspräsidenten aus, dem die Menge jubelnd zustimmte. Die Reichswehrkapelle setzte ein und spielte das Deutschlandlied. Dann schreitet Reichspräsident o. Hindenburg, während die Ka­pelle den Präsentiermarsch spielt, den hohen Hut in der Hand, die Front der Ehrenkompagnie ab. Unmittelbar zu seiner Linken geht Reichswehr­minister D r. G e ß l e r, ebenfalls im schwarzen Gehrock. Halb links zurück General v. Seeckt, der Chef der Heeresleitung, und der Kommandant von Berlin, beide in der Uniform des Reichsheeres. Am rechten Flügel angelangt, macht die Gruppe kehrt und schreitet noch einmal die Front zurück.

Dann bestieg der Reichspräsident zusammen mit dem Reichskanzler den Kraftwagen und fuhr durch die Friedensallee, wo sich eine Schwadron des Reiterregiments IV anschließt, in das Haus des Reichspräsidenten, wo er um %1 Uhr eintraf. Der Stellvertreter des Reichspräsidenten Dr. Simons übergab ihm hier die Amtsgeschäfte.

Hier fand dann auch ein Frühstück statt, zu dem der bisherige Stellvertreter des Reichspräsi­denten Dr. Simons den Reichspräsidenten, den Major v. Hindenburg und Frau, den Reichskanzler und die Reichsminister, den Präsidenten des Reichs­tages, den Chefpräsidenten des Rechnungshofes, die Chefs der Heeres- und der Marineleitung sowie die Staatssekretäre des Reichspräsidenten und der Reichskanzlei eingeladen hatte. Während des Früh­stücks hielt der bisherige Stellvertreter des Reichs­präsidenten Dr. Simons folgende Ansprache: Herr Reichspräsident! Daß Sie meiner Frau und mir die Ehr« erwiesen haben, vor unserem Abschied aus diesen Räumen mit dem Herrn Reichskanzler und den Herren der Reichsregierung unser werter Gast zu sein, dafür danken wir Ihnen von Herzen. Sie zu bewir­ten ist mein letztes Recht und meine letzte Pflicht in die­sem Hause. Amtshandlungen habe ich hier nicht mehr vorzunehmen: die Geschäfte der obersten Vertretung des deutschen Volkes hab? ich in Ihre Hände gelegt. Ader ich meifj, daß ich den ganz überwiegenden Teil des beub' fchen Volkes, auch den Volksteil, der Sie, Herr Reichs­präsident, nicht gewählt hat, noch setzt vertrete, ,r,enn ich Ihnen für Ihre Präsidentschaft die wärmsten Glückwünsche ausspreche. Nicht leicht ist es Ihnen geworden, dieses 2imt zu übernehmen. Ein langes Le­ben voll Pflichttreue und Hingabe, voll ruhmreicher Siege und schwerer Selbstüberwindung gab Ihnen ge­rechtesten Anspruch auf einen ruhigen Lebensabend .Den­noch haben Sie sich dem deutschen Volke auch diesmal wieder selbstlos zur Berfuauna gestellt: dem Volke, nicht der Partei. Daß diese Stelle dem Volke gehört, nicht der Partei, ist ia zu unserem Gluck schon Tradi- tion geworden Möge bas deutsche Voft Ihnen dan­ken, möge Gottes Segen auf Ihrer Präsidentschaft ruhen, damit unter ihr das deutsche Volk in friedlicher Ar- beit seinen angemessenen Platz unter den Völkern der Erde wieder einnehmen kann. Möchten Sie stets tüch­tige und willige Berater finden, die Sie bei diesem Streben zu diesem Ziel erfolgreich unterstützen, so daß die Zusammenarbeit sich so vertrauens- voll u n d e rs v r i e ß l! ch g e st a l t e t, wie ich es aus meiner kurzen Amtszeit all den verehrten Männern ge­genüber bekunden darf, die ich heute an unserem Tische versammelt sehe. Wir aber, hochverehrte Anwesende, wollen unseren Dank und unsere Wünsche mit dem Ruf« 3'im Ausdruck bringen: Unser neuer Reichsvräsident, Eeneralfeldmarschall v. Hindenburg, er lebe Hochs"

Reichspräsident v. Hindenburg erwiderte hier­auf wsnendes:

Sehr geehrter Herr Br äsident! Es ist mir ein herzliches Bedürfnis, in diesem Hause, das nun­mehr die Stätte meiner verantwortuna-vollen Arbeit werden soll, und in dem ich heute noch Ihre und Ihrer Frau Gemahlin Gastfreundschaft genieße, Ihnen mei­nen wärmsten Dank zu sagen für die Aufnahme, die Sie mir bereiteten, und für die Worte, die Sie soeben an mich zu richten die Güte hatten. Mit mir so bin ich überzeugt dankt Ihnen das ganze deutsche Volk für die hingehende Treue, mit der Sie sich dem Rufe der Aolksvertretung zur Verfügung stellten, als der plötzliche Tod des ersten Reichspräsidenten eine vorübergehende Stellvertretung des Staatsoberhauptes notwendig machte. Während dieser Wochen haben Sie dem deutschen Volke mit dem gleichen Eifer und der gleichen Treue gedient, die Sie an vielen hohen und verantwortungsvollen Po­sten bewiesen haben.

Es ist nicht meines Amtes, das Wirken meines durch einen frühen und unerwarteten Tod aus seiner Arbeit gerissenen Herrn Amtsvorgängers zu kennzeich- nen und zu werten. Diese Aufgabe hat Herr Reichs- kanzler Dr. Luther an der Bahre des Heimgegangenen erfüllt. Unbestritten ist fein Verdienst um Wiederher st ellung von Ruhe und Ord­nung ,n Deutschland nach dem Zusammenbruch unseres Volkes. Das wird jederzeit dankbar im deutschen Ssotfe auch von seinen politischen Gegnern anerkannt werden. Sein Streben war immer darauf gerichtet, dem deutschen Volke treu zu dienen.

An anderer Stelle habe ich wiederholt zum Ausdruck gebramt, von welchen Ueberzeugungen und Anschauun­gen uv mich bei meiner Amtsführung leiten lasten will, y CrJs« rvl? geselliges Zusammensein ist am wenigsten der reckst« Ort, um politische Programme zu entwickeln. Mein langes und arbeitsreiches Sehen liegt offen vor aller Augen. Ich werde mich auch in meinem neuen, verantwortungsvollen Amte nur von dem einen Ge- danken leiten lasten, in treuester Pflichterfüllung und un­ter Einsatz meiner besten Kräfte dem Volke und Vater- lande zu dienen. Die Anschauungen, wie ich sie in der großen Schule der Pflichterfüllung, dem deutschen Heere, gewonnen habe, '"ollen auch für meine Friedensarbeit von Nutzen fein. Sie gipfeln in dem Satze, daß P s l i ch t vor Recht geht, daß jederzeit, besonders aber in den Tagen der Not, einer für alle und alle für einen stehen muffen.

Das deutsche Volk hat in Zeiten schwerster Prüfling

jefa Schicksal in die »igen-r Hand aenmnmen. Möge

Die außenpolitischen Tagesprobleme.

sicht hatte, sodaß es also in letzter Linie von Deutsch­land abhängt, wenn es Verhandlungen über den Abschluß eines Sicherheitspakts einleiten will, die es jetzt, nachdem der französische Standpunkt klar gelegt wurde, in voller Kenntnis der Dinge durch­führen könne.

Mti über die europäische Lage.

DerManchester Guardian" veröffentlicht einen Artikel Rittis, des bekannten italienischen Staats­mannes, in dem dieser darlegt, daß keine Annähe­rung an den Frieden ohne ein vorheriges direktes U eb ereink ommen zwischen Deutsch­land und Frankreich möglich sein werde. Es sei aber ein grundlegender Irrtum, von Garan­tien für Frankreich zu sprechen. Wenn irgend ein Land jetzt Garantien brauche, so sei es Deutschland, das gezwungen sei, unter bewaff­neten Feinden unverteidigt zu leben, und zwar unter Feinden, von denen einige, wie Polen keine Mäßigung zeigten.

Ritti kommt zu dem Schluß, daß alle Länder Garantien brauchten. Früher oder später wür­den die Vereinigten Staaten von Eu­ropa notwendig werden. Der italienische Staats-, mann widerlegt die französischen Argumente, daß Frankreich dreimal in einem Jahrhundert von Deutschland angegriffen worden sei, und betont, daß die Verantwortung für den Weltkrieg 1914 noch festgestellt werden müsse. Er wiederholt die Worre Lloyd Georges, daß alle verantwortlich eien, da allein den Krieg hineingeschliddert" eien. Ritti bezeichnet ferner die durch den Ver- ailler Vertrag auferlegte Entwaffnung aller be- iegten Völker als einen in der modernen Geschichte noch nicht dagcwesenen Schritt. Er hebt hervor, daß die Siegerstaaten sowie die neu geschaffenen Staaten ihre Rüstungen verdoppelt hätten. P o l en mit dem Danziger Korridor und seinen imperealisti- schen Bestrebungen stelle eine Gefahr für alle dar. Ein gegenseitiger Garantiepakt zwi­schen den zum Völkerbund gehörigen Staaten sei nicht möglich, solange nicht eine Revision her; schlimmsten Ungerechtigkeiten der Verträge stattge­funden habe.

- Als Chamberlain sich bereit -gezeigt hab«, alle Vorschläge für die Deutschland Sicherheiten zu geben bereit sei, ernstlich zu erwägen, habe er ge­zeigt, daß er das Problem in seiner wei» te st e n Seite ins Auge gefaßt habe. Die Aktion Großbritaniens könne weitreichende Auswirkungen haben.

Die neue Entwaffnungrnote.

wtb Paris, 13. Mai. (Id.) Das gestern vom AUnisterrat gebilligte Memorandum über die E n f- wasfnung Deutschlands, das der Botschaf­terkonferenz zugehen wird, enthält drei Dokumente. Das erste Dokument entwickelt den französischen Standpunkt, wie ihn die französischen Sachoerstän­dischen klar gelegl haben und den wesentlichen Zweck, den die sranzösische Regierung dadurch er­reichen will, daß sie die absolute D u r ch f ü h r ung der Vertragsklauseln und der Vor­schriften der Interalliierten M i l i t ä r? o n - trotlkommisfion in Deutschland fordern werde. Das zweite Dokument enthält die These, die Frankreich hinsichtlich der Aufrechthal­tung des Friedens vertritt. Das dritte Do­kument endlich ist ein Verzeichnis der angeblichen Verfehlungen Deutschlands, wie sie die verschiedenen Kontrollorgane festgestellt haben, unter Anfügung des Gutachtens des interalliierten Militärkomikees Fach von Verfailles. Das Memo­randum ist alfo in der gleichen Weise wie das bri­tische Memorandum abgefaßk.

Der Garantie-Pakt.

wtb. Paris. 13. Mai. (Tel.). Der gestern durch den Ministerrat gebilligte Entwurf in der Frage des Abschlusses eines Garantiepakts für die Rhein-Grenze ist am Nachmittag dem englischen Botschafter übermittelt worden. Das gleiche Verfahren wird, wie havas berichtet, auch gegenüber Belgien erngefchlagen werden. Von Italien wird nicht gesprochen . Erst nachdem ein Einverständnis zwischen den Allierken über den Text der Rote erzielt worden sei, werde die französische Antwort in Berlin überreicht wer­den. Der Roken-Entwurf, so heißt es in dem Havas-Bericht weiter, ist von den Ministern günstig ausgenommen worden. Er scheine tatsächtich liberal und weitblickend zn sein. Weit davon entfernt, das deutsche Angebot alsmigs- nagend zlrrckckZuweisen, zeige Frankreich, das pazi­fistisch sei, seinen loyalen Dillen, weitgehende Frie­densgarantien durchznführen. Man müsse jedoch hinznfügen, daß das französische Kabinett nicht einen Fragebogen an die Reichsregiernng richte, wie das voraufgegangene Kabinett die Ab­

es beweisen, daß es dieser Selb st Verantwortung gewachsen ist. Wir aber, meine Herren, wollen uns in dem heißen Bestreben zusammenfindsn. treue Diener des Vaterlandes zu fein. In diesem Sinne vorwärts mit Gott!"

*

Reichspräsident von Hindenburg hat folgende Kundgebung erlassen:

An di« Wehrmacht! Das Vertrauen des beut- Volkes hat mich an die Spitze des Reiches berufen. Ich übernehme mit dem heutigen Taac nach der Verfassung den Oberbefehl über di» Wehrmacht. Mit Stolz und Freude begrüße ich Heer und Marine. Ich habe den Werdegang der Wehrmacht in der Stille van Han­nover beobachtet. Geradeaus, unbeirrt geführt ist sie dem deuffchen Volk den Weg vorausgegangen, auf dem allein der Wiederaufftieg liegt. Durch starke Zucht und Treue auch im Kleinsten aufwärts zu Leistung und Erfolg! Im alten Sinne für Pflicht und Opfer liegen ihre Wurzeln, ihr Handeln aber gilt der ffleaenmart und Zukunft, dem Dienste an Volk und Staat, aefreu ihrem ff'b und den Aufgaben, die ihr die Verfassung stellt. Mit fester Zuversicht vertraue ich auf die deutsche Wehrmacht bei meiner Arbeit für des Vaterlandes Ruhm und Ge­deihen. Reichsvräsident v. Hindenburg. Reichswehr­minister Dr. Geßler.

An das deutsche Volk! Am 26. April hat mich das deutsche Volk zu seinem Reichspräsidenten ge­wählt. Am heutigen Tage habe ich das neue bedeutungs­volle Amt angetreten. Getreu dem von mir geleisteten Eide will ich alle meine Kräfte daransetzen, dem Wohl« des deutschen Volke» zu dienen, die Derfaffung und die Gesetze zu wahren, Gerechtigkeit gegen febermann zu üben. In biefer feierlich ernsten Stunb« rufe ich unser ganzes deutsches Volk zur Mitarbeit auf. Mein Amt und Streben ge­hören nicht einem einzelnen Stande, nicht einem Stamm oder einer Konfession, nicht einer Partei, sondern dem gesamten, durch hartes Schicksal verbun­denen deutschen Volke in allen seinen Gliedern. Ich vertraue auf den Beistand des ewigen Gottes, der uns auch durch die schwere Notzeit unserer Tage gnädig hinburchführen wirb. Ich vertraue auf bie in einer stolzen unb ruhmreichen Vergangenheit bewährten, un­sterblichen Lebenskräfte ber beutschen Nation. Ich ver­traue auf den großen Gebauten ber Gerechtigkeit, dessen mit aller Kraft zu erstrebender Sieg auch dem demichen Volk wieder einen würdigen Platz in der Welt ver­schaffen wird.

Mein erster Gruß gilt allen denen, die unter der Not unserer Zeit besonders leiden. Er gilt den vie­len, die im harten wirtschaftlichen Ringen um ihr Dasein stehen. Er gilt dem ganzen arbeitenden deutschen Volk, von dem die schwere Lage von Staat und Wirt- chaft besondere Leistungen erfordert. Er gilt den Volks­genossen außerhalb der Reichsgrenzen, bie mit uns burch Banbe bes Blutes unb ber großen beutschen Kultur­gemeinschaft unlöslich nerbunben sinb. Er gilt beson­ders den Alten unb Kranken, bie voll Sorge einem trüben Lebensabend entgegenblitfen. Und er gilt end­lich unserer Hoffnung, unserer deutschen Jugend.

Wir wollen auch weiterhin gemeinsam streben, durch ehrliche, friedliche Leistungen unserem berechtigten Anspruch auf Achtung unb Anerkennung hei den ande-

ren Völkern Geltung zu verschaffen, um ben beutschen Namen vom ungerechten Makel zu befreien, ber heute noch auf ihm haftet. Durch Selbstachtung zur Achtung ber Welt, durch Selbstvertrauen zum Vertrauen der anderen!

Wir wollen alle darnach trachten, in ber Entwicklung ber beutschen Wirtschaft unb bes beutschen Gemeinschafts­lebens iebem einzelnen Stand und Volksgenossen fein täglich Brot, seinen Anteil am deutschen Kulturgut unb seine roürbige Stellung in ber Volksgemeinschaft zu sichern. Das Reichsoberhaupt verkörpert ben einheitlichen Willen ber Nation. Darum reiche ich in dieser Stunde jedem Deutschen im Geiste die Hand. Gemeinsam wollen wir um unserer teuren Toten, um unserer Kinder und Kindeskinder willen ungebeugten Mutes den schweren Weg gehen, der uns durch wahren Frieden zur Freiheit ge­leiten soll!"

Empfänge beim Reichspräsidenten.

Die Pressestelle des preußischen Staatsministeriums teilt mit: Am Mittwoch vormittag 11 Uhr wird eine Abordnung des Reichsrats, bestehend auS dem Staatssekretär Weismonn vom preußischen Staatsministerium, dem bayrischen Bevollmächtigten von Preger und dem braunschweigischen Bevollmäch­tigten^ Boden, hem Reichspräsidenten die Glü ck« wünsch« des Reichsrgtes überbringen. Staats­sekretär Weismann wiid habet als Vertreter des größten deutschen Landes eine kurze Begrüßungsan­sprache halten.

Der Reichspräsident wird ferner am Mittwoch vormittag 11.30 Uhr den preußischen Mi- nisterp räsibenten Braun in Begleitung des Staatssekretärs Weismann empfangen.

Wie wir weiter hören, ist vorgesehen, daß der Reichspräsident am Donnerstag nachmittag 5 Uhr dem preußischen Ministerpräsidenten Braun einen Gegenbesuch im Preußischen Staats­ministerium abstatten wird. Bei dieser Gelegen­heit wird der Reichspräsident auch gleichzeitig samt- liche stimmberechtigten Mitglieder" des Reichsrats begrüßen.

Glückwünsche des Auslandes.

Beim Reichspräsidenten v. Hindenburg sind eine große Anzahl von Glückwunschtelegrammen aus dem -Inlande und Auslande eingegangen.

Der Bundespräsident der Republik Oesterreich, Hainisch, telegraphierte: Anläßlich des Antritts Ihres hohen, verantwortungsvollen Amtes bitte ich Eure Exzel­lenz, meine wärmsten Glückwünsche entgegenzunehmen.

Der Kaiser von Japan telegraphierte: In dem Augenblick, in dem Eure Exzellenz das Amt des Präsi- deuten des Deutschen Reiches antreten, liegt mir daran, Ihnen die wärmsten Glückwünsche auszusprechen, womit ich zugleich die besten Wünsche für Ihr persönliches Wohl- ergeben wie auch für das Gedeihen Ihres Landes ver- binde. Foshito, Kaiser von Japan.

Der König von Schweden sandte folgendes Telegramm: Zum Antritt Ihrer hohen, verantwortlichen Stellung als Reichspräsident spreche ich Eurer Exzellenz aufrichtige, warmempfundene Glückwünsche aus, zugleich für das Wohlergehen des deutschen Volkes, gez. Gustav.

Der König von Dänemark telegraphierte: An- läßlich Ihrer heule ftattfinbenben Uebernahme der