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Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amkliches Kreisblakl.

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Verantwortlich iür die Echrntleitung: Dr. Johannes Kramer. Anreisen: 3- Barretter, Iulda. Rotationsdruck und Verlas der Fuldaer Veiieudruckerei in Iulda. Uernldrecher Rr. 9.

Monatlicher BerugSvreiS: 1.50 Mk.

Dienstag, 12. Mai 1925.

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52. Zahrg.

Bor der Eidesleistung Hindenburgs.

Der Einzug in Berlin.

Der neue Reichspräsident v. Hindenburg iält am Montag abend seinen Einzug in Berlin md wird am Dienstag mittag 12 Uhr im Reichs­zag den feierlichen Eid auf die Verfassung ,on Weimar zu leisten haben. Der erste Artikel dieser Verfasiung, die Hindenburg beschwört, lautet:Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus" und in Artikel 3 heißt es:Die Reichsfarben sind sch w a rz- rot-gold." Daß nun auch Hindenburg den Schwur auf die Verfassung von Weimar leistet, aus diefes«n wildem Chaos von mutigen Männern geschaffene Rettungswerk, ist für die Parteien der Mitte, ist für uns Zentrumsleuten vor allem eine große Genugtuung. Was ist von denen, die Hin- itoibttrg als den Ihren vor allem in Anspruch *K$ntcn, auf die Weimarer Verfassung geschimpft worden. Wie haben sie, während das Werk auf- «richtet wurde, die Bauleute gehöhnt und ge- «hmäht! Wie haben sie Unreife aufgehetzt zu Gchnöden Taten! Nun, da sich das Verfassungs- trerf als wohltätig erwiesen hat, leistet Hindenburg den Eid auf die Verfassung und gelobt, die Ver- fafiung und die Gesetze des Reiches zu wahren. lÄefe Tatsachen halten w i r uns vor Augen, wenn -jetzt Hindenburg fein schweres Amt antritt. Wir sagen mit vollem Bewußtsein: sein schweres Stint @s gibt heute viele Kräfte, die dem Volk rosige Zukunftsbilder durch Anwendung lauter Jonitscharen-Musik. vorgaukeln wollen. Ueberall werd«i wieder Feste gefeiert. Es wird gegessen und getrunken und den Augen etwas geboten, als ob wolkenloser Himmel über Deutschland sei. Täuscht Euch nicht! Rüstet vielmehr Euer Herz für den Fall, daß neue Sturzwellen kommen. Außen- und innenpolitisch, aus wirtschaftlichem und auf sozialem Gebiet sieht der Mick, der sich von Illusionen frei gemacht hat, manch drohende Wolke. Wünschen und beten wir am Tage, da in Berlin ein neues Staatsoberhaupt fein Amt antritt, daß Gottes Güte unser liebes deutsches Volk nicht härter prüfe, als er es in dem letzten Jahrzehnt durch blutigen Krieg, zerschmetternde Niederlage, Hungersnot, Seelennot und Inflation schon geprüft hat.

Das Spalier beim Einzug Hindenburgs wird vier Glieder tief mit Musik und Fahnen gebildet. Am Südrand des Kaiserdammes werden aufmar-

schieren: Jungdo, Wiking, Wehrwolf, Olympia, Stahlhelm, Bismarck-Orden, Kurmark, Bezirks­schutz, Bismarck-Jugend, D. B. P.-Jugend, Jung­deutschlandbund. Am Nordrand des Kaiserdamms, im Abschnitt Knie bis Bahnhof Tiergarten und sodann westlich vom Reichskanzlerplatz nehmen Aufstellung: Jägerbund, Kyffhäuserbund, Natio­nale Arbeitervereine, Landbundverbände, Balti- kumer, Turnerschaft, Studentenschaft, Ehemalige Angehörige des 3. Garderegiments zu Fuß, Feld­eisenbahner, Ofizieroerbände und Adelsgenossen- schaft, Reichsbund ehemaliger Kadetten, Vaterlän­dische Frauenverbände.

Vom Berliner Polizeipräsidenten wird eine amtliche Mitteilung verbreitet, die fol­gendes besagt:

Verschiedene Vereine sollen die Absicht haben, zu der Spalierbildung am 11. Mai bei der Einfahrt des neugewählten Reichspräsidenten Waffen mitzu- b ring en Der stellvertretende Polizeipräsident hat mit Rücksicht auf die dadurch heraufbeschworenen Ge­fahren für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicher- die Anweisung gegeben, daß Vereine oder Verbände, bei denen Mitglieder mit Waffen irgendwelcher Art offen oder versteckt sich einfinden, sofort von der Be­teiligung ausgeschlossen »erben müssen.

Die Polizei hat im übrigen große Vorberei­tungen getroffen, um bei dem zu erwartenden großen Andrang .die Ordnung sicher zu stellen Diese Vorsichtsmaßnahmen sind umso notwendiger, als die Kommuni st en ihre Anhänger zu Ver­sammlungen auf verschiedenen freien Plätzen ein­berufen haben, die zum Teil dem Schonplätze des Einzuges des Reichspräsidenten nahe liegen.

Das Reichsbanner hat eine Beteiligung an den Einzugsfeierlichkeiten abgelehnt.

Verbot von Musikkapellen.

Neuerdings wird aus Berlin noch gemeldet: Um Ruhestörungen beim An« und Abmarsch und insbesondere bei der Vorbei fahrt des neu­gewählten Reichspräsidenten auszuschließen, hat der stellvertretende Polizeipräsident das Mit führ en von Musikkapellen am Montag, den 11. Mai, verboten. Die Polizei ist angewiesen, das Auf« marschieren von Musikkapellen und insbesondere ihre Aufstellung in der Nähe der Einzugsstraßen zu verhindern und die Verbände, die sich diesem Verbot nicht fügen, sind von der Teilnahme auszuschlietzen.

gend" undSimplizissimus" u. a. m., was für uns Norddeutsche einfach unverständlich ist.)

Das Münchner Bürgertum und darüber hinaus das Bürgertum überhaupt, will von Kommunis­mus, Sozialismus, Sozialisierung grundsätz­lich nichts wissen; es hat denganzen SchlamassA" praktisch erlebt und tritt nun gegen alles auf, was bei oberflächlicher Betrachtung auch nur von ferne als eineBegünstigung" des Radi­kalismus erscheinen könnte. So findet die Agi­tation der Rechtsparteien einen guten Boden, denn diese versäumen es natürlich nicht, das Z e n t r um und den Dr. Marx mit jenen in Zusammenhang zu bringen. So kann es kommen, daß der Bayer Dinge wie Föderalismus, Selbständigkeit Bayerns, Religion ganz vergißt und einem klug lanzier- ten O st p r e u ß e n t um in die Arme läuft. Hier tut Aufklärung not. Gewissenhafte und unermüd­liche Arbeit wird Wandel schaffen.

Das politische Gesicht Münchens.

Aus Bayern wird der von Adam Röder her­ausgegebenen Süddeutschen Konservativen Korre­spondenz im Hinbllck auf die Reichspräsidentenwahl geschrieben:

Will man Bayern jenseits der feinen ver- äftelten Imponderabilien verstehen, so muß immer roteber die Tatsache gebührend hervorgehoben wer« bat, daß München und Obe rbayern unter bem ungeheuerlichen Terror der Kommu­nisten unsägliches zu leiden hatten. Jene Aus­brüche eines bfinben, blutgierigen Fanatismus ob einer narrenhaften Zerstörungswut haben un« verlöschliche Eindrücke in der bayerischen Volks- zurückgelassen. Eine kluge Agitation seitens blkischen und Rechtsstehenden ver- tu We'c Eindrücke immer wieder auszunützen für bestimmte politische Zwecke zu lan- Mit allem findet sich der Mann aus dem Volke leichter ab, wie mit dem kommunistischen xerror und seiner Befehdung alles dessen, was rmkomplizlerten Menschen heilig ist. Der ein» '^. iKonn unterscheidet nun nicht besonders tief 3nnfd)cn den iozialistischen Bestrebungen der Gegemyart und dem moskowitischen Kommu« u ® Ier sit geneigt, beide in einen Topf zu des grundsätzlichen Unter» fdnebs nicht bewußt, daß der anarchistische Som« mumsmus der Somjetleute mit feinem Terror und Gewaltprmzip em Gegenteil der sozialistischen An- schmmng darsbM; der einfache Mann Übersieht auch daß die Ideen der Völkischen, insofern es sich um Verwirklichung der Ideen handelt, den Korn» mumsten viel naher stehen, als den Sozialisten- er übersieht ferner, daß hier wie dort das gleiche Formal-Prinzip der Polltik gilt: Gewalt BlM Terror. Wohl hat man schon da und dort erkannt' wessen man sich von den Völkischen zu versehen hat, und so kommt es, daß ihre Reihen immer mehr dezimiert werden. Aber davon haben zu- nächst die Deutschnationalen den Vor- teil. Es kommt speziell hinzu, daß in München, wie in jeder Großstadt, das r e l i g i ö s - k i r ch- l i ch e Moment nicht das Entscheidende und Be­stimmende ist. Diekünstlerische" und Simplizjs- simus-Atmosphäre hat die Seele des Müncheners ausgehöhlt, sodaß der typische Münchner wohl staatserhaltend",konservativ" ist, sofern es sich um den Geldbeutel und die wirtschaftliche Macht handelt, im übrigen aber liberal. So paßt ihm die deutschnationale Partei ganz gut, von der das Kirchlich-Religiöse mit einer Geberde bürgerlicher Wohlanständigkeit betreut wird, ohne daß eine all- zustrenge Verpflichtung nach dieser Seite hin lebenbejahenden Philister" verlangt wird. (Jeder, der München einmal näher kennen gelernt hat, wird diese Ausführungen bestätigen. Dort gehen bekanntlich vielfach die Söhne der'besseren" Kreise der Katholiken in die schlagenden Verbin- oungen; in die letzte Sonntagsmesse kommen viele teute kurz vor oder nach der hl. Wandlung; eine ^Eiolische Zeitung ist in den Familien und in den öffentlichen Lokalen kaum zu sehen; es herrschen oie liberalen Blätter wieM. N. N.", ferner ,Lu-

Das fordert die würde!

Wie schon gemeldet wurde, sollte in der Auf» wertungsdebatte am Freitag im Reichstag zu­nächst eine gemeinsame Erklärung aller an der Regierung beteiligten Parteien abgegeben werden. In erster Linie wäre den Deutschnationa­len eine solche gemeinsame Erklärung willkom­men gewesen, aber sie vergaßen erstens, daß bas Zentrum keine Regierungspartei in bem üblichen Sinne ist, und zweitens, daß es sich bestens bafür bedankt, als Schugwall gegen die An­griffe zu dienen, denen die Deutschnationale Volkspartei heute wegen ihrer Aufroertungsdema- gogie ausgesetzt ist. Der Vorsitzende der Zentrums­fraktion, Abgeordneter Fehrenbach, hat dann auch namens seiner Fraktion es abgelehnt, diese Erklärung mit zu unterzeichnen. Er hat seine Haltung damit begründet, daß die Parteien der Rechten diese Aufwertungsfrage bet den letzten Wahlen zu einem außerordentlich gehäs­sig geführten Kampf mißbraucht ha­ben. Er hat weiter darauf hingewiesen, daß vor wenigen Tagen erst der Redner der deutschnatio­nalen Partei, Dr. Preyer, an den Beschlüssen vom 28. August 1924 und dem Dawesplan eine Kritik geübt habe, die zwar eine Ohrfeige für seine eigene -Partei bedeute, zugleich aber doch der Zentrums- partei die gemeinsame Arbeit unmög- nch mache. Abgeordneter Fehrenbach betonte rod» ,Le deutschnationale Partei das volle Ver- standms für die Aufgaben und die Pflichten einer .Regierungspartei vermissen lasse; es <ei ein per» 1° n Ll ci),e r Kampf gegen verschiedene Mitglieder ber Zentrumspartej, besonders gegen den Abg. 2)1 a r x und Dr. Wirth, in Formen geführt roor» Öen die «n Zusammengehen auf politischem Ge- btete aus.chlossen. Die deutschnationale Partei müße zuerst einmal ihre Redner und ihre Presse belehren, was Anstand im politischen Kampfe fei, dann erst möge man über sachliche Fragen weiter verhandeln.

Das Verhalten des Zentrumsführers wirb im Lande volle Billigung finden, weil es allein der E h r e und r hg deutschen Zentrums»

Massenunglück nach einem Fest.

Am Sonntag abend hat sich bei Roth-Malsch, 20 Klm. südlich von Heidelberg, ein schweres Un­glück zugetragen. Ein Gesangverein aus dem Dorfe Malsch hatte in St. Leon ein Sängerfest besucht und hier einen Preis gewonnen. Auf der Heimfahrt kehrte der Verein, der den Ausflug in einem Lastauto mit einem Anhänger unter- nommen hatte, in einem an der Haltestelle Rolh- Malsch belegen en Gasthaus ein. Nach kurzer Zeit brach der Verein auf. Tas Auto überfuhr die Bahn­gleise, deren Schranken nicht geschlossen waren. Im gleichen Augenblick brauste der D-Zug 186 Frankfurt a. M.-Basel herbei und überfuhr den Anhänger des Lastautos. Die Wirkung war furchtbar. Der D-Zug wurde sofort zum Still­stand gebracht. 11 Personen wurden getötet, außerdem gab es vier Schwerverletzte und eine größere Anzahl Leichtverletzte. Den Wärter, der die Schranke nicht geschlossen hatte, wollte die Menge lynchen, er konnte aber rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.

Ein Sondertelegramm meldet uns noch folgende Einzelheiten:

wtb Wiesloch, den 11. Mai. (ZeL) Zu dem furchtbaren Unglück auf der Station Roth- Malsch werden noch folgende Einzelheiten bekannt. Ein Gesangverein von Malsch war auf der Heimfahrt von einem Gesangwettstreit in St. Leon

und halte bas Poslanto mit Anhänger benutzt. Der Schrankenwärter Dämmert auf Sta­tion Roth-Maisch hatte es unterlassen, die Schranke zu schließen. Und so passierte das Dostauto um 8 Uhr abends gerade den Bahnkörper, als der D-Zug L ISö da her brau sie. Der An­hänger wurde erfaßt und vollständig zertrümmert. Don den Insassen kamen, wie bereits gemeldet, 11 ums Leben, während 4 Personen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Tot sind drei Ehepaare, zwei Fräuleins und eine Frau mit ihren beiden Kindern. Die zum Teil schrecklich verstümmelten Leichen wurden in der Güterhalle der Station aufgebahrt. Die Verletzten wurden nach Anlegung eines Rotverbai^ des nach den Krankenhäusern von Heidelberg uno Bruchsal gebracht. Der D-Zug selbst hat keinen Schaden genommen. Schrankenwärter Dämmert wurde verhaftet. Aerztliche Hilfe war in kürzester Zeit zur Stelle. Die Verletzten wurden mit den Zügen D 186 und D 1, welch letzterer zu diesem Zweck auf der Station Roth-Malsch anhielk, in die Krankenhäuser von Bruchsal und Heidelberg trans­portiert. Sämtliche Verletzte sind Einwohner von Roth-Malich. Die Untersuchungen wurden an der Unglücksstelle sofort ausgenommen.

Partei entspricht. Es wird auch außerhalb des Parlaments im öffentlichen Leben, auch für uns richtungweisend fein, wenn die Deutschnationalen nicht diejenigen a b s ch ü t t e l n, die mit den verwerflichsten Mitteln, mit Lüge und persönlicher Hetze, ihrer Parteifache dienen zu dürfen glauben.

Konferenz der Kleinen (Entente.

Die in Bukarest versammelten Minister der Kleinen Entente Benesch, Nintschitsch, Bratianu und Duca, sind zu einer Konferenz zusammengetreten, in der die allgemeine politische Lage besprochen wurde. Es wurden alle gegenwärtig im Vordergrund stehenden internationalen Fragen geprüft. Die Minister waren einer Meinung dar­über, daß es notwendig fei, die Uebereinftimmung zwischen den Staaten der Kleinen Entente desto» roeniger zu gestalten, je weniger fest die inter­nationale Lage sei. Die Kleine Entente sei ins Leben gerufen worden, um den Frieden auf der Grundlage der vorhandenen Ver- träge zu erhalten und zu festigen. Ihre Tätig­keit könne also nur im Sinne der Festigung des gegenwärtigen Gebietsstandes erfolgen. Die Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien seien fest entschlossen, in engem Zusammenhang die Ziele ihres Bündnisses zu verfolgen, das die Ereignisse der letzten Jahre immer notwendiger erscheinen laste. Ferner wurden spezielle Fragen geprüft, die die Länder der Kleinen Entente gegenwärtig in- terefficren. lieber die Beziehungen Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens soll noch eingehend ge­sprochen werden.

* In den Parlamenten ging es am SamSlag ziemlich friedlich zu. Im Reichstag hielt der Reichswirtschaftsminister Neuhaus eine große Rede über sein Restart. Er kündigte u. a. eine Vor­lage über die Schaffung des endgültigen Reichswirtschaftsrates an. In dem Entwurf komme zum Ausdruck, daß die parlamentarische Seite beim Reichswirtschaftsrat zurückireten soll, um die sachliche Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiete in den Vorder­grund zu stellen. Der Minister hofft, daß die Vor­lage Über die Bildung de? Reichswirtschaftsrats bis­her gegen diese Institution bestehende Bedenken be­seitigen würde. Die Rede des Reichswirtschafts, rninisters wurde lediglich von den Deutschnatio­nalen mit Beifall aufgenommen. Die Verhandlungen wurden auf Montag nachmittag 1 Uhr vertagt. Inr preußischen Landtag ging die Debatte über die Novelle zum Schutzpolizeibeamtengesetz weiter. Auch in dritter Beratung werden die Vorlagen an­genommen und somit endgültig verabschiedet. Die Vorlage auf Verlängerung des Kommunalabgaben. gesetzeS auf ein Jahr wird in zweiter Lesung an­genommen. Montag: Etat, Abstimmung über den Antrag betr. die Hinausschiebung der Wahl zu den Provinziallandtagen und Kreistagen.

Marokko.

wtb. parls, 11. Mal. (Tel.), wie aus Rabat berichtet, ist die Lage in Französisch-Marokko auf der Rordfront unverändert, wo die eintref­fenden Verstärkungen Zusammenstößen werden. Die im Zentrum operierenden Abteilungen haben 2 posten neu verproviantiert. 3m südlichen Front­abschnitt sehen die französischen Abteilungen ihre Operationen fort Die Truppen aller Waf­fengattungen. die ans Frankreich und Algier ein­treffen. werden an den verschiedenen punkten der Front, entsprechend den Befehlen des Oberkomman­dos gruppiert. 3m übrigen kann man die Sund- gedungen der Loyalität erwähnen, die Marschall Liautey vonseiten der Eingeborenen im Verlauf einer vor einigen Tagen ausgesührken Reise nach Fez zuteil geworden seien.

* Eröffnung des FlughafensRuhrgebiet". Bei Herves-Dorsten wurde am Sonntag der neue FlughafenRuhrgebiet" eröffnet. Um 4 Uhr 30 Mm. traf das erste Junkerflugzeug vom Fernflug aus Euurt mit Ävei Fasirasü-n em

Die französische Gemeinderatswahl.

Ein weiterer Ruck nach links.

Wtb. Paris, 11. Ulai. (Tel.). Das Ergebnis der gestrigen Munizipalwahlen, von denen bisher nur Teilergebnisse vorliegen, zeigt nach dem Bei­spiel vom letzten Sonntag eine Verstärkung des Rucks nach links. Selbst in paris, der Hochburg des nationalen Blocks, gewann das Kartell der Linken 3 Sitze. Bis 1 Uhr nachts hat nach demLuokidien" das Kartell der Linken in 26 Arondisiemenks-hauptstädten und anderen be­deutenden Städten, die ehemals den Republikaner» gehörten, die Rlehrhsit erhalten.

* Wahl-Terror vor dem Staatsanwalt. Das Wahlprüfungsgericht hat bekanntlich dem Protest der Sozialdemokratischen Partei gegen die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten nicht stattge­geben. Es wurden jedoch, wie die ,Voss. Ztg/ hört, eine ganze Anzahl Protestpunkte für so schwerwiegend erachtet, daß es diese Beschwerden der Staats an­walt sch aftznr weiteren Prüfung und Veranlassung überwiesen bat. Es handelt sich vor allem um einen Fall in Gardelegen, wo in einem Zeitungs­inserat alle diejenigen, die Hindenburg nicht wählen würden, vom Reichsblock in Verruf erklärt und mit Boykott bedroht wurden. Gegen die Präsi­dentenwahl im zweiten Wahlgang sind eine große Anzahl von Widersprächen eingegangen, da­runter eine, die im .Vorwärts' veröffentlicht war. Der Gemeindevorsteher in Werder bei Thedinghausen (Braunschweig), der zugleich Wahlleiter war, hat den Wählern schon vor dem Wahltage Stimmzettel i n s Haus geschickt, auf denen der Name Hinden­burg anaekrenzt war. Er will das zur Information seiner Wähler getan haben. Am Wahltage war im Wahllokal feine Wahlzelle vorhanden. Die Wähler mußten ihren Stimmzettel auf dem Tisch vor den Augen des Wahlvorstandes ankreuzen. Der Wahl­vorsteher wies bei der Ausgabe der Stimmzettel auf den Namen Hindenburg und sagte den Wählern: Den mußt du zeichnen, den habe ich auch gewählt!" Als er auf das gesetzwidrige diese? Verhaltens hin­gewiesen wurde, sagte er entrüstet, es sei das erste Mal in seiner dreißigjährigen WahlvorsteherMigkeit, daß er kontrolliert werde.

Der deutsche katholische Kdel beim hl. Vater.

In den ersten Maitagen weilten in Rom über 40 Mitglieder der bekanntesten deutschen katholischen Adelsfamilien, Graf Franz von Galen über­reichte dem Papste eine Huldigungsadresse des Ver­eins deutscher Edelleute, in der sie auf die Worte Benedikts XV. hinwiesen, der dem Adel seine be­sonderen Aufgaben ans Herz legte, weil gerade sie von ihren großen und glaubensstarken Vorfahren so viele geistige und leibliche Güter ererbt haben. Die Adresse sagt anknüpsend an diese Worte des Papstes:

Diesen väterlichen Mahnungen und unserer Tradition getreu wollen wir demütig bleiben in allem und durch Unabhängigkeit des Charakters und der Gesinnung unseren Glaubensbrüdern'und Mitbürgern ein gutes Beispiel geben, indem wir unsere natürlichen und übernatürlichen Aufgaben erfüllen über das Maß strenger Pflicht hinaus. Dabei wollen wir besonders bestrebt sein, als rechte Ritter, als wahrhaft katholische Edelleute, der heiligen Kirche, der Braut Jesu Christi, mit vollster Hingabe und liebevoller Bereitwillig, keit zu dienen, ohne jede feige irdische Rück­sichtnahme, furchtlos, tapfer und treu."

Bei der Audienz erinnerte der Heilige Vater die Mitglieder der Adelsfamilien an die Großtaten ihrer Vorfahren, besonders in der Kulturkampfzeit. Sicht­liche Freude machte ihm die Vorstellung eines Enkels des großenZentiumsführersHermann v o nM allinck- rodt. Tie Vorstellung der Familien lag in der Hand des Pfarrers von St. Matthias in Berlin, Grafen Klemens von Galen. In einer deutschen Ansprache nahm der Hl. Vater in fein» sinniger Weise den oben wiedergegebenen Gedanken der Adresse auf, daß die große Vergangenheit und die Tradiüon des katholischen Adels ihn zu hohen Aufgaben verpflichte und er fügte hinzu,welche er ilat leibst erkennen solle*