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FuldaerZertung

Nr. |07.

Anzeiger für die Sfadf und den Kreis Fulda.

Berantwortlick für die Schriftleitung: Dr. Johannes Kramer. Ameisen: I. «ar»eller. Fulda. Rotarionrvruck und Verla, der Fuldaer « etiendruikkrei ;n Fulda. Fernidrecker Nr- 8.

. Monatlicher vetuasdi-ei«: 1.50 Ms.

Samstag, 9. Mai 1925.

Amkliches Kreisblafl.

An»eiaen«Preiie: Sleimeile (Colonel) lokal 0,15 Goldmarl auswLrLS 0.20 Goldmark: Reklamereile lokal 0.60 «oldmari auswärts 0.80 Goldmark. >?.

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52. Zahrg.

Die Abstimmung im Preußischen Landtag

Die europäischen Probleme.

Die Vorbereitungen zu der wichtigen Freitag- Atzung des preußischen Landtages sind getrofffen. ^alls das Kabinett Braun kein Vertrauensvotum whält, wird der Landtag ausgelöst und am 14. hum zur Neuwahl geschritten werden.

Am Donnerstag sanden eingehende Besprechun- tn zwischen der Deutschnauonalen Volkspartei, -er Deutschen Volkspartei und der Zentrumspartei tatt. Im Mittelpunkt dieser Besprechungen stand (er vom Zentrum angeregte Gedanke der Bil­dung einer großen Dolksgemein- ,ch ast, der vom Reichskanzler Marx immer ver­beten wurde. Zu einer abschließenden Stellung­kahme ist man ni ch t gekommen. Die Verhandlun­gen werden fortgesetzt. Die deutschnationale Frak- ton hält, wie aus parlamentarischen Kreisen ver- vutet, nach wie vor die Bildung eines reinen oeamtenkabinetts ohne parlamentarischen /inschlag für die beste Lösung. Für Freitag vor- knittag haben sämtliche Fraktionen Sitzungen ange- ketzt. Der Aeltestenrat des Landtages tritt um12 Uhr mittags zusammen. Am Freitag wird der sich aus dem Ministerpräsidenten sowie dem Prä- fidenten des Landtags und des Staatsrats zusam- menfetzends Ausschuß, der nach Artikel 14 der Ver­fassung über die Auflösung des Landtags zu be­schließen hat, zusammentreten. Der Zeitpunkt des Zusammentritts wird von dem Ministerpräsiden­

ten Braun, der am Freitag vormittag aus Mün­chen zurückkehrt, festgesetzt werden.

DieGermania" schreibt: Heute fällt über das Schicksal des preußischen Landtags die Entschei­dung. Versagt es dem Kabinett das Vertrauen, so wird die Auslösung automatisch erfol­gen. In dieser Frage herrschen bei den Koalitions- Parteien keine verschiedenen Auffassungen, und in dieser Frage steht auch die Zentrumsfraktion geschlossen und einig da. Das Blatt bezeichnet dann als Vorbedingungen für weitere Verhandlungen zur Vorbereitung der parlamentarischen Basis zu­nächst einmal die Notwendigkeit, daß das neue Kabinett fest im Sattel sitze.

*T-

Reichskanzler Dr. Luther trifft am 9. Mai in Hannover ein, um mit Generalfeldmarschall b. Hindenburg die letzten Einzelheiten der Amtsüber­nahme zu besprechen.

*

Der Aufwertungsairsschuß des Reichs­tages hat einen sozialdemokratischen Antrag an- genommen, in dem die NeichSregierung um die Vorlage eines Vermögenszuwachs- und Erhaltungssteuergesetzes für den Zeitraum von 19131924 ersucht wird.

Der Kall Dr. Höffe.

Vie lügenhaften Gerüchte über einen Selbstmord. Dr. Höfler Seel­sorger sagt vor dem Untersuchungsausschuß aus.

Der Krieg in Nordafrika.

5(6 del Krim hak Soldaten mit Schnellfeuerwaffen, Kanonen, Flugzeuge, Tanks.

wtb Varis, 8. Mai. (Tel.) Der .Malin" glaubt einen Ueberbllck über di- Lage im franzö­sischen Marokko geben zu können und schreibst Ab y Krim verfüge über eine sozusagen moderne Armee mit Schnellfeuergewehren. etwa 50 Ka­nonen, ja sogar über ein halb Dutzend Flug­zeuge. Man muffe sagen, daß die Lage jetzt stabi­lisiert sei. Angesichts der bereits rasch ,n Algier eingetroffenen Verstärkung sei keine Aeberraschung mehr zu befürchten und dieBefrciungs-Operafio- nen werden methodisch fortgesetzt. Die fran­zösische Gegenoffensive würde jedoch nicht über das Gebiet der französischen Zone hin­ausgehen.

Nach einer anderen Meldung auS Rabat feien fetzt noch 4 bis 5 französische Posten in der Gegend von Bibane umzingelt. Französische Flieger hätten diese Posten versorgen können, be­sonders mit Wasser, indem sie EiS in Blöcken abwarfen.

Rach einer weiteren Meldung aus Rabat könne man annehmen, daß Truppen aus Algier herange­zogen werden, um die französischen Marokkotruppen « verstärken._______________

* Ein Berliner Fremdenverkehrsbüro. Die B er- Uner «Stadtverordnetenversammlung beschloß die Einrichtung eines Fremdenverkehrsbüros, das in

mit den am Fremdenverkehr «tsregrerteu.Verbandst arbeiten soll.

entsprochen hätte. Als ich kam, schlief Höfle. Ich ver- sah ihn mit den Sterbesakramenten, die heilige Hostie konnte er noch schlucken. Er schaute starr. Man hatte das Gefühl, er sah und hörte, konnte sich aber nicht mehr äußern. Er habe ihn dann nicht mehr lebend gesehen. (Große Bewegung.) Auf Fragen von Dr. S ch m i t t-Düfieldorf erklärte der Zeuae noch einmal, daß ein Selbstmord nach seiner, des Zeugen, vollster innerer Ueberzeugung vollkommen ausgeschlossen sei. Dr. Schmitt-Düffeldorf: Sie hatten wohl zu Dr. Höfle ein freundschaftliches seelisches Verhältnis? Zeuge: Ja Dr. Schmitt: In diesem seelischen Verhältnis wür­den "Sie es für ausgeschlossen hakten, daß, wenn >r wirklich mit Selbstmordgedanken sich getragen hätte, er Ihnen nichts gesagt haben würde? Zeuge: Er hat niemals auch nur gesagt: Ich wünschte, ich wäre tot. Ganz im Gegenteil sprach er immer von der Zukunft. Der Lebens- und Arbeitswut war immer in 6m vor­handen.

Medizinalrat Dr. Thiele, der leitende Ge­fängnisarzt, der als Zeuge vernommen wurde, gab zu, er fei sich von Anfang an klar gewesen, daß bei Dr. Höfle, abgesehen von einer rein ner­vösen Störung, auch eine StörungderHerz- Tätigkeit vorgelegen habe. In einem Gutachten habe er sich dem Untersuchungsrichter gegenüber darüber äußern muffen, ob Höfles Gefundheits- .zustand eine Verlängerung der Haftdauer zulaffe. In diesem Gutachten habe er auf die schweren ner­vösen Störungen, mit denen bei einer Fortdauer der Haft zu rechnen sei, ausdrücklich h in ge­rn i e s e n. Höfle habe wiederholt über Schlaflosig­keit geklagt und abwechselnd Duminal, Pantopon und Veronal erhalten. Das Krankheitsbild sei vorzugsweise stationär gewesen. Eine wesentliche Aenderung des Zustandes sei eingetreten, als Höfle erfahren habe, daß fein Wunsch auf Haft- entlaffuna immer weniger Aussicht auf Erfüllung hatte. Später fei eine weitere Verschlimmerung in Höfles Befinden eingetreten. Er habe am 18. April den zuständigen Untersuchung s» r i ch t e r von dem Befinden Höfles in Kenntnis gesetzt, der ihm jedoch erklärt habe, eine Haftent­lassung kommenichtinFrage, dadie Straf- kammer bereits entschieden habe.

Vor dem Untersuchungsausschuß des preußischen Lvndtages werden schon mehrere Tage sehr ein­gehend die Vorkommnisse erörtert, die zu dem tra« gischen Tode des früheren Postministers Dr. Höfle geführt haben. Die bisherigen Verhandlungen haben mancherlei ergeben, was nach Abschluß der Ver­nehmungen noch erörtert werden muß. Hier sei setzt nur über die Vernehmungen des in Moabit hauptamtlich tätigen katholischen Gefängnisgeist­lichen Dr. Saltzgeber berichtet, weil sie die von den politischen Gegnern Dr. Höfles ausge- fpkengten Gerüchte über einen Selbstmord wider­legen.

Dr. Saltzgeber erklärt: Höfle hat mit voller Ruhe der Abwicklung feines Falles entgegengesehen. Erhöbe ihm, dem Zeugen, allerdings davon berichtet, daß er mit dem Untersuchungsrichter einen schweren Zusam- lmenstoß gehabt habe, da der Untersuchungsrichter von ckbm verlangt hätte, er solle Auskunft geben über jeden Groschen, den er etwa aus Wahlgeldern der Partei gehabt hätte. Befragt, ob er den Aerzten etwas über seinen Zustand gesagt habe, hat Höfle erklärt: Was soll ich dem Arzt sagen, er kommt, sagt:Guten Mor- gen" und ist schon wieder draußen! Am 14. April hat Hofle auf sein Verlangen gebeichtet. Er, der Ge- fangnisgeistliche, habe es Höfle anheimgestellt, einen anderen Geistlichen dafür heranzuziehen. Dr. Höfle hat chm aber sofort erklärt, das sei ihm vollständig gleich. Am Mittwoch den 15. April hat er dann die heilige Kommunion empfangen. Er fragte dann immer wie- der: Was sagt Roth mann (der Untersuchungsrich- ter)?, was machen die Gutachten? Er erwartete jeden Augenblick Nachricht, daß er aus der Haft entlassen Daß Höfle freiwillig aus dem Leben geschieden wäre, hält Dr. Saltzgeber für ganz aus- bPr£-,f1en- U°ber seinen Fall sei er durchaus ien ihn *9t.,9eroefen- Se^ Familienverhältnisse hat- baVfciÄ arfl bedrückt, aber er hätte auch gewußt, waren r e u n d e für seine Familie eingetreten jemand s^.^dem ist es psychologisch unmöglich, daß Sta,' die Ost-rbeichte verlangt

U* t,anfen aue 6 e m Leben zu sch ei-

i* Wtnhnnm«. Jia^t Dom Sonntag zu Montag wurde bätt! LunaÄkn^^k-n, es wurde mir gesach: Höfle nbun^ Am Tage zuvor ist mir Feine Wmbnrf>t gegeben worden, obwohl es den Vorschriften

Gründung einer großen Luftver­kehrsgesellschaft.

Die auf Zusammenfassung zielenden Derhand- lungen einer größeren Gruppe von Luftverkehrs- gesellschasten des In- und Auslandes, über die schon wiederholt berichtet wurde, haben zur Gründung

E u r o p a - U n i o n, Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Berlin geführt. '

Als geschäftsführender Gesellschafter fungiert LuftverkehrsA. - G., Derlin. Die neue Gesellschaft tritt an die Stelle der bisherigen Be- tnebsgesellschaften der Transeuropa-Union, Mün­chen und der Rordeuropa-Union, Reval. Die Grün- düng ist mit einem Kapital von 50 000 Reichsmark erfolgt. Die Erhöhung auf das tatsächlich im Ge- famtbetneb investierte Kapital von 10 Millionen Reichsmark wird in der nächsten Woche erfolgen.

= Seraphstographie. Aus New Dock wird gemeldet .- Die Fotographier, der amerikanischen Marinemanöder sind mit guten Ergebnisse-: von Honolulu auf eine Ent- fernung'von 5000 Meilen durch Radio übermittelt worden,

.= <kine neue Glanzleistung im Segelfluge. An der wünschen Nehrung tagte am SamStag der Segelflug. Wettbewerb. Der Darmstädter Flieger Fuchs stiea morgens um 7 Uhr 35 Minuten mit dem Alten Dessauer- auf, um den Weltrekord des ostpreuß,scheu

tS ^"14 SU verbessern. Infolge der Anstrengungen mutzte Fuchs nach einer glänzenden Flugzeit von «stunden 45Minuten sich zur Landung entschließen.

.= öehn Stunden auf dem Aad. Die Radfernfahrt Mailand-Turin über 284 km wurde ohne Unter, bxedmna von Epanada in 9 Stundend Minuten und

'MHMOM surü-rgelSstt. .....--- - ----------

Um den Handelsvertrag.

In den letzten Tagen haben die Verhandlungen über das deutsch-französische Wirt­schaftsabkommen erhebliche Fortschritte ge­macht. Die Reichsregierung ist gegenwärtig damit beschäftigt, ihren Unterhändlern die letzten Instruk­tionen zu geben. Die Hauptgrundzüge der neuen Verhandlungen find inzwischen auch mit den bei­derseitigen Regierungen vereinbart worden. Aber auch die Einzelheiten sind soweit gediehen, daß nun­mehr mit einer beschleunigteren Fortführung der Verhandlungen gerechnet werden kann. Es handelt sich um eine vorläufige Abmachung, also ein Provisorium, welches aber bereits die hauptsäch­lichsten Richtlinien für einen endgültigen Vertrag enthält.

Deuisch-französisch« Kali-Union.

Die Verhandlungen, die seit mehreren Monaten zwischen dem Kalrsyndikat und den elsäsiischen Kali­werken stattfinden, haben in Paris zu einer en­gen Verständigung geführt, die die beider­seitigen Jntereffen in allen Ländern zu wahren ge­stattet. Rach dieser Verständigung darf für die Zu­kunft mit einer dauernden Union der In­teressenten gerechnet werden.

Was wird aus Oesterreich?

wtb. London, 8. Mai. (Tel.) Der diplo­matische Berichterstatter de« «Daily Telegraph" schreibt, dieAragederwelterenLxistenz Oesterreichs als unabhängige Wirtschafts­einheit beschäftigt weiterhin die Alliierten und auch den Völkerbund, wegen der ernsten poli­tischen Verwicklungen, die ein Zusammenbruch Oesterreichs in dieser Hinsicht zur Folge haben werde. Infolgedessen werde der Wirtschafts-Aus­schuß des Völkerbundes, der demnächst Zusammen­

tritt, aufgefordect, die Ernennung tin^H unparteiischen Sachverständigen« Ausschusses zur Untersuchung der augenblick­lichen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oester­reich und seinen Nachfolgestaaten, zu erwägen.

Die kleine Entente und Europa.

wtb Bukarest, 8. Mai. (Tel.) Die hiesige amtliche Nachrichtenagentur teilt mit: Die rum a- nifche Presse veröffentlicht über die Arbeiten der kleinen Entente häufig ungenaue Nachrichten. Die Konferenz wird sich auf den Gedankenaus­tausch über die innere Lage im allgemeinen be­schränken. Die Lage wird hier nicht als sehr zufriedenstellend angesehen. Daraus ergibt sich notwendigerweise, daß dec Gedankenaustausch von höchstem Interesse sein wird. Die bolsche­wistischen Umtriebe auf dem Balkan, das Er­gebnis der letzten Präsidentenwahl in Deutschland, das Scheitern des Genfer Proto­kolls, die Schwierigkeiten, denen der Sicherhelts- pakt begegnet, die deutsche Abneigung, seine Ost- g r en z e anzuerkennen und der von Rußland auf die Welt des Ostens gewonnene Einfluß, all diese Dinge hätten eine Lage geschaffen, die weit davon entfernt sei, den Frieden, das Hauptziel der kleinen Entente, zu festigen. ,*j

Die belgische Regierungskrise.

wtb P a r i S, 8. Mai. (Tel.) wie der »Petit Parisien" ans Brüssel gemeldet wird, hak der Kö­nig gestern abend eine sehr lange Unterredung mit dem Miniskerrrräsidenkrn Theunis gehabt. Ka­tholische Blätter kündigten als Ergebnis dieser Konferenz an, daß der König jedenfalls heute den ehemaligen Minister de Vovere berufen werde, | um ihm die Kabinettsbildung zu übertragen.

Ern Jahr Rentenbank.

181,1 Millionen Mark Reingewinn.

Die Deutsche Rentenbcmk, die am 15. Novem­ber 1923 ihre Tätigkeit zur Schaffung einer neu en drutschen Währung mit einem Ka­pital von einer Grundrücklage von insgesamt 3,2 Milliarden Rentenmark begonnen hatte, und die nunmehr in Liquidation tritt, sobald die Rentenbankscheine eingezogen sind, gibt jetzt ihren ersten und auch letzten Geschäftsbe­richt heraus, der die Zeit vom 15. November 1923 bis 31. Dezember 1924 umfaßt. Die Dank hat den Beweis erbracht, daß auch ohne Gold- deckung ein Währung stabil erhalten werden kann. Der Geschäftsbericht weist einen Reingewinn von 181,1 Millionen Mark aus.

Eine Stimme aus Sayern.

Heber die Beziehungen zwischen Zentrum und Bayerischer Volkspartei äußert sich in einem be­merkenswerten Aufsatz dieAugsburger Postztg.". Sie nimmt Stellung zu einem in vermittelndem Tone geschriebenen Auffatz des Zentrumsabgeord­neten Joos und schreibt:

Ob die Bayerische Volkspartei sich erst setzt wieder zur Mitte zurückorientiert, wie Joos be­hauptet, ist für die Zukunft nebensächlich. Ebenso nebensächlich, ob das Zentrum einmal nach links hin abgerutscht ist. Wichtig ist für die Gegenwart nnd Zukunft, daß sowohl Zentrum als auch Bayerische Volkspartei ihre Aufgabe in der Politik der Mitte sehen."

Dann zitiert das bayerische Blatt aus dem Ioos'schen Artikel folgendes:

Und mm legen mir die Fäden zusammen: Die Zen­trumspartei hat allezeit Ihr eigenes Wesen betont. <5ie hat es auch in diesem Wahlkampf nirgendwo ver- wsicht. Sie wollte nie eineLinkspartei" sein, hat sich al, solche nirgendwo ausgegeben. Nur eine wahre Partei des Volkes, wie es ImArbeiter" heißt, war und blieb sie. Lehnt die Bayer. Volkspartei den AusdruckRechtspartei" ab und warnt ihre Preise vor der Preisgabe des eigenen Wesens in einerRechts­gruppierung", so kann die Zentrumspartei für sich das­selbe hinsichtlich der AusdrückeLinkspartei" oder Linksgruppierung" sagen. Alle diese Schlagworte und Etikettierungen erweisen sich letztlich as hohl, leer, als Mache. Nicht von diesen Schlagworten ist auszugehen, sondern von der innerpolittschen und außenpolitischen Aufgabe. Diese Aufgabe läßt sich nicht willkürlich ver­ändern. Sie steht vor uns und fordert Lösung. Da gibt es kein Ausweichen und kein Drumherum. Wir brauchen Frieden im Innern und ruhige Weiterevtwick- lung nach außen hin. Wer aber kann hier größere Bürgschaften an realem Blick und kluger Hand bieten, als die aus der K a t h o l i z i t ä t schöpfenden politischen Menschen und Parteien? Das spricht für die Konzen­tration de» Zentrums wie der Bayerischen Volkspartei auf ihr eigenes Wesen. Damit eröffnen sich Perspek­tiven, die verheißungsvoll sind und jenseits der politt- schen Tageskämpfe und Verärgerungen liegen.

Was sich da herausbildet, wird sich zwangsläufig weiterentwickeln. Es gilt, diese Entwicklung zu sehen und ihr nicht den Weg durch Ungeduld und Unklugheit zu versperren. Die politische Einigung der deutschen Katholiken ist ein hohes Ziel, nicht um des Katholizismus willen, er stirbt nicht an po­litischer Zwietracht, aber um des Vaterlandes, um der Nation willen. Wir brauchen herzhafte, klare, bestimmte Politik aus dem Geist der Mitte, wenn nicht die zwei Nationen die eine, die eigene, zer­reißen sollen. Zentrum wie Bayerische Volkspartei Haden mir einen Sinn, wenn sie sich sreihalten von fremder Abhängigkeit und wenn sie wirksam bleiben in der alten Uebertieferung nach den Grundsätzen unserer Vorfahren. Ihre Parole war unzweideutig: Christ- lich, in der Wahrheit, nicht nur im Wort, auch im Gtztatz Wirtschaft Gesellschaft; volkstümlich.

demokratisch, nicht herrenmenschlich; sozial, jeglicher Not gegenüber, national, nicht im Sinne un« christlick?er Ueberfteigenmg und Verengerung auf Grup­pen und Sinnen, sondern im Sinne einer wahrhaft nationalen Volksgemeinschaft."

Bedeutungsvoll erscheint uns, so folgert daraus das geistig führende Augsburger Blatt, für die Zukunft die Feststellung des im allgemeinen als linksgerichtet geltenden Abg. Joos, daß das Zen­trum keine Linkspartei sei ober sein darf, daß aus dem Geist der M i t t e heraus Politik gemacht wer­den müsse. Wenn Joos dann von den innen- und auhenpofttischen Ausgaben spricht, so kann fest- gestellt werden, daß im Zentrum und Bayer. Volkspartei über den Inhalt der Fragen oft die­selben Anschauungen herrschen; Mei­nungsverschiedenheiten zwischen den beiden Par­teien sind kaum größer als die, die innerhalb jeder der beiden Parteien zwischen den einzelnen Grup­pen vorhanden find. Es gibt wohl keine außen­politische Frage, über die eine wesentliche Mei- nungsverschiedenheit besteht. Betrachtet man ein­mal die innenpolitischen Fragen genauer, dann wird man unschwer erkennen, daß auch hier eine Uebereinstimmung in den grundsätzlichen Fragen sehr wohl vorhanden ist. Allerdings, über die Fragen der Taktik sind sehr verschiedene Meinun­gen möglich.

Diese Uebereinstimmung zwischen Zentrum und Bayer. Volkspartei in der Weltanschauung, als der Grundlage der Politik, sowie in der Außenpolitik, die den Vorrang über die Innenpolitik hat und nicht zuletzt auch über eine große Zahl innerpoli- tischer Fragen wird und muß Verbindung und Zusammenarbeit der beiden Parteien fördern. Auf diese Weise kann die natürliche Ent­wicklung uns dem Ziele näherbringen, als über­stürzte und vorschnelle Einigungsversuche. Vor­ausgesetzt, daß die Taktik nicht wieder dazwischen kommt und ferner vorausgesetzt, daß wir uns nicht wieder von Schlagwörtern wie rechts und links blenden lassen. Nicht um politische Taktik handelt es sich, nicht um Rechts- oder Linkspolitik, sondern um Politik aus der Tiefe katholischen Glaubens heraus; mögen das alle bedenken!

* kardinal Schulte zur Aufwerkungsfrage. Der Erzbischof von Köln, Kardinal Schulte, hat das zuständige Ministerium in Berlin nochmals auf die Bedenken und Gefahren der beabsichtigten Neuregelung der 3. Steuernotverordnung auf Grund reichhaltigen Materials hingewiesen. Dem Kardinal sind aus den verschiedensten Schichten der Geschädigten, von notleidenden Kleinrent­nern und Hypothekengläubigern Bitt­schriften mit eingehender Darlegung der Notstände in solcher Fülle und Dringlichkeit zugegangen, daß er im Interesse des Staates als Rechtsstaat noch- rnals glaubte, sich für die vielen Geschädigten und Notleidenden einsetzen zu müssen.

wirtschaftliche Rampfbewegungen.

- vor einem dänischen Tranrportarbeiterftreik. Der Verband der dänischen Transportarbeiter hat nunmehr endgültig beschlossen, den Transportarbeiterstreik am 15. Mai in Straft treten zu lassen.

* Ei» Komplott gegen Chamberlain? Aus London wird gemeldet: Mit Bezug auf den Bericht über ein Komplott gegen den Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten erklärte der Staatsjekretär ür Inneres, eS fei nicht im öffentlichen Interesse, darüber irgendwelche Angaben zu machen. Es feien alle Vorbereitungen gegen derartige unvorher« geiehene Vorfälle getrogen worden.