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J0 96.

Cxxtttttafl, 26. April 1925

- Fuldaer Zeitung

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Actiendcuckerel, Fulda.

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Wieviele Fußgänger wissen wohl, daß man eine Straße nicht im spitzen Winkel, sondern rechi- winklig überqueren soll? Wer kennt nicht die be­rüchtigten „ökonomischen Geher", die keinen Schritt zu viel neben wollen, und deshalb mit Fleiß daraus bedacht

im Interesse einer geordneten Straßendisziplin gerne Aufnahme gewähren.

Wer das Straßenbild einer aufstrebenden Stadt, bc- sonders in den Brennpunkten des Verkehrs, betracht«, muß zu der Ueberzeugung kommen, daß vorläufig erst die dürftigen Anfänge einer Straßendisziplin zu spüren sind, und daß im Grunde der Fußgänger auf der Straße tut und läßt, was er will, ohne sich im Gering- sten den einfachsten Grundsätzen für einen gesteigerten Verkehr anzupassen. Daß nicht noch mehr Unfälle vor­kommen, liegt in der Hauptsache an der Vorsicht der Fahrzeuglenker, die mit großer Geistesgegenwart die Ungeschicklichkeiten der Fußgänger parieren müßen.

Man sehe sich doch einmal einen belebten Platz mit Straßenkreuzungen an. Gedankenlos schlendern ganze Gruppen in angeregtem Gespräch über den Fahr­damm, machen nur widerwillig nach wiederholtem Hupen den bremsenden Kraftwagen Platz, bleiben mitten auf der Straße stehen und verabschieden sich wortreich, ohne im Mindesten daran Anstoß zu nehmen, daß sie ein Bei- kehrshindernis bilden. Es ist beinahe schon Ehrensache für gewisse Kreise geworden, bockbeinig nicht die geringste Rücksicht auf die Fahrzeuge zu nehmen, sich nicht urnzu- sehen, wenn eine Klingel läutet ober eine Hupe tönt, sondern langsam und gemütlich den Weg über die Fahl­skraße fortzusetzen. Man vertraut darauf, daß der andere sich wohl hüten wird, einen Menschen anzufahren. Be- sonderes Vergnügen bereiten die Passanten, die hartnäckig nach der falschen Seite ausweichen und auf die Rück- sichtslosigkeit der Fahrer schimpfen, wenn ein anderer, richtig überholter Wagen bann mit knapper Not vor ihnen stoppen muß. Sie können nicht begreifen, baß ber Fahrbamm für die Fahrzeuge und ber Bürgersteig für die Fußgänger da ist, sie halten es für ihr gutes Recht, zu gehen, wo sie wollen, und betrachten jedes Fahrzeug als mehr ober weniger unberechtigten Eindringling tu ben Straßenverkehr.

Viel Freude machen auch die Passanten, denen bet

finb, eine Ecke abzuschneiben. Wenn sie in eine Fahrstraße von rechts einbiegen und etwa 50 Meter weiter links in eine Querstraße wollen, so visieren sie scharf die linke Ecke ber Querstraße und marschieren in gerader Linie darauf los, ohne sich darum zu kümmern, daß sie da- durch den Fahrbamm im spitzen Winkel schneiden und somit von diesen 50 Metern 40 Metes auf ber Fahr­straße laufen. , ,

Zu ben interessantesten Zufälligkeiten für die Fahr- gcugfübrer gehören jene Passanten, die sich erst im letz­ten Augenblick überlegen, daß sie ja eigentlich auf die gegenüberliegende Straßenseite wollen iind diesen Gedanken nun aber auch spontan in die Wirk­lichkeit Umsetzen. In größter Eile laufen sie vor den Fahrzeugen her, besinnen sich mitunter, um das Maß voll zu machen, mitten auf ber Straße unb kehren um! Aber wehe bein Chauffeur, ber sie aber auch nur streift!

Dies sind nur einige bet Geschehnisse, die jedem Chauffeur täglich passieren. Es fall nicht geleugnet wer- den, daß eine gewiße Schuld auch oft den Fahrzeug- lenker trifft, besonders ben Anfänger unb den wilden Fahrer. Wir sind leider in Deutschland heute noch nicht soweit, daß ein Motorfahrzeug eine Selbstverständlich, feit für den Einzelnen ist, wie in Amerika. Es gibt noch eine Menge Leute, die mit möglichst viel Geräusch und Geschwindigkeit zeigen muffen, daß sie sich vor acht Wo­chen ein Motorrad zugelegt haben. Sie glauben da,zu den Stadtmittelpunkt in ber Regel am geeignetsten unb donnern mit offenem Auspuff an den verblüfften Freun­den unb Bekannten vorüber. Durch solche Außenseiter wird der Motorsport diskreditiert. Jeder gewissenhafte Fahrer sollte deshalb bei passender Gelegenheit solche — meist ffinnere — Draufgänger gehörig ins Gebet neh- men. Viel Gutes können hier die Clubs fdiaffen, wenn sie ihre älteren Mitglieder darauf aufmerksam machen, über die unruhigen Elemente zu wachen und sie vorkom- mendenfalls zu verwarnen.

Das Wichtigste aber ist eine Aufklärung ber Fußgänger und ber Fahrzeuglenker durch die Behörden und die Prelle unb die Herausgabe von knavven Verkehrsregeln, auf bereu Einhaltung mit größ­ter Sorgfalt geachtet werden müßte, wie dies in Amerika und auch jetzt in größeren Städten Deutschlands bet Fall ist.

bahin gewirkt wird, daß die im Verhältnis zu dem Er­trag in ber Erhebung überaus kostspieligen und bie Seroerbetreibenben mit einem unerträglichen Maß von Arbeit belastenden Gemeindegetränke steuern aufgehoben werben, lieber bie Hauszinssteuer lagen Anträge vor, bie zu nachstehendem Antrag ver­schmolzen werben: „Der Verband möge nochmals bei den maßgebenden Behörden dahin vorstellig werden, daß umgehend die Hauszinssteuer bei Objekten, die keine Mietshäuser, sondern nur ®eroerbebetriebe(6aalbetriebc) sind, bedeutend ermäßigt wird." Der Antrag fand An­nahme.

^^jgeJKürtgang der Zschocke-Aktien • Cs wurde dann bekannt.

Geldteuerung und Kreditnot leidet, den merkwür­digen Zustand, daß die Steuereingänge in der Reichskasse Monat für Monat erheblich den Vor­anschlag übersteigen, so daß, wenn die Eingänge sich zum Schluß des Rechnungsjahrs in der bis­herigen Höhe halten, an Stelle der veranschlagten 5,2 volle 7 Milliarden an Reichssteuern emgegan- gen sein werden. Auch die Länder und Gememden haben aus den Ueberweisungen dieser hohen Reichs­einnahmen und aus der Steigerung der eigenen Einnahmen wesentlich mehr Mittel, als erwartet wurde.

Die maßgebenden Stellen erklären — und je­dem Einsichtigen wird es einleuchten —, daß diese hohen Steuereinnahmen nicht etwa Ueberschüsse aus einer kraftstrotzenden Wirtschaft sind, sondern das Produkt einer Veranlagungsmethode, die, nach dem Zusammenbruch der deutschen Währung nur auf unsichere Schätzung angewiesen, um ganz sicher das Notwendige für den öffentlichen Bedarf her- ausholen zu können, die schärfsten Anforderungen an die Steuerkraft der Volksgenossen stellen mußte.

Soweit kann man mit den Steuer„souveränen", Reich, Länder und Gemeinden, einig gehen. Ein anderes Gesicht erhält das Ding, wenn die Frage gestellt wird, was mit diesen unerwarteten lieber« schlissen geschieht. Eine Kontrolle darüber, wie diese Ueberschüsse, die so notwendig in der Volkswirt­schaft gebraucht würden, verwendet werden, ist nicht möglich, das Reich hat einen Teil der Ueber- schüsse zur Tilgung seiner Schulden verwandt; die­ser Teil floß wieder der Volkswirtschaft zu. lieber die Verwendung des übrigen Restes läßt sich nichts Bestimmtes sagen.

Wenn auch keine genaue Kontrolle über die Verwendung dieser Mehreinnahmen möglich ist, so läßt sich doch aus gewissen Erscheinungen im Wirkungskreis von Reich, Gemeinden und auch den Ländern ein Riicksckftuß auf die Art der Ver­wendung dieser Gelder ziehen. Wenn beobachtet werden kann, wie das Programm der Verein­fachung der öffentlichen Verwaltung schon seit län­gerer Zeit stockt, vielmehr der Fiskus in feiner ver­schiedenen Form sich anschickt, eher wieder neue Tätigkeiten seinem Wirkungskreis einzuoerleiben, so läßt sich unschwer erraten, welch' unerwünschte Aspirationen dieser unerwartete Geldüberfluß aus­löst. Das Reich insbesondere hat sich durch die allzu straffe Zentralisation der Verwaltung in der Reichszentrale einen Vehördenorganismus geschaf­fen, der, um auf jeden Fall seine Existenzberech­tigung zu erweisen, wenn er nicht die nötigen Ar­beitsgebiete besitzt, sich um jeden Preis solche schafft. Die größeren Gemeinden aber haben, nachdem sie in der Inflation aus ihrem Aufgabenkreis manche Tätigkeit rein wirtschaftlicher Natur ausgeschieden haben, bereits wieder durch die unerwartet hohen Einnahmen verlockt, derlei Tätigkeiten wieder aus­genommen. Besonders das Bau-, Verkehrs-, Aus­stellung-- "nd Meiseweien ist es, wo der gemeinde-

Beim biesjährigen Deutschen ©aftmirtetag in Bres­lau soll beantragt werben, denselben im nächsten Jahre in Kassel ftattfinben zu lassen, wiihrenb ber Der- banbstag im nächsten Jahre in Frankenberg (Eber) ftattfinbet. Nach Entgegennahme bes Geschäftsberichts, Erstattung bes Kassenberichts unb Erledigung kleiner Än- Selegenheiten würbe die würdig verlaufene Tagung hlossen.

Verkehrssicherheit.

Der Motorsportklub Fulda E. N. (Ortsgruppe 21. D. A. C.) sendet uns nachstehenden Artikel, dem

Zteuerüberflutz und öffentliche Wirtschaft.

Don A. Kühner, München.

Mit gemischten Gefühlen sieht der Steuerzahler einer Zeit, in der die Privatwirtschaft unter

Gastwirteverband Hessen-Nassau und Freistaat Waldeck.

5. Provinzialverbandskag in Hanau.

bie Hauptverhandlungen ben gestrigen Tag in Anspruch, an benen sich als Ehrengäste Sanbrat und Pvlizeidirektor Kaise r-Hanau als Vertreter des Oberpräsidenten ber Provinz Hessen-Nassau unb bes Kasseler Regierungspräsi­denten, Oberbürgermeister Dr. Blaum-Hanau, Vertre­ter des Rhein-Mainverbandes und des bayerischen Ver­bandes u. a. beteiligten. Nach dem Begrüßungsakte wurde in die Erledigung ber lagesorbnung eingetreten. Der Präsident bes brutschen Gastwirteverbandes Köster- Berlin hielt zunächst einen Vortrag über „Die D e- beutung bes Gastwirtegewerbes für bie Wirtschaft und Kultur des deutschen Vol- k e s". Sodann wurde in bie ^Beratung ber gestellten Anträge eingetreten. Verschiebens (stabte hatten auf die Regelung der P o l i z e i st u n d e bezügliche Anträge gestellt. Diese wurden zusammengefaßt in eine Ent­schließung, in der eine einheitliche Handhabung ber Polizeistunbe für bas ganze deutsche Reich und Aus­hebung ber Paragraphen des Notgesetzes, bie bas Gast­wirtsgewerbe betreffen, gefordert wird, damit bas Ver­einsleben in feine alten Rechte eingesetzt werden kann. Diese Entschließung fand Annahme. Angenommen wur­den ferner bie Anträge bes Gastwirtevereins Frank­furt a. M., lautenb: „Der Sßerbanbstag wolle beschließen, baß bei bem deutschen Gastwirtetag beantragt wird, der­selbe möge bei der Reform der Steuergesetz­gebung eintreten: 1. für eine weitere Herabsetzung der Umsatzsteuer, insbesondere für eine sofortige Aufhebung ber erhöhten Umsatzsteuer auf ben Beherbergungsoer- trag; 2. daß bie Gewerbesteuer im Finanzausgleich­gesetz unter Heraufsetzung ber steuerfreien Untergrenze eine reichsgesetzlich festgelegte Höchstgrenze erhält, bie durch kommunale Zuschläge nicht überschritten* werben darf; 3. daß das System der Vorauszahlung der Ein­kommen- unb Gewerbesteuer fobalb als möglich bean­tragt wirb; 4. daß eine wesentliche Entlastung bes schwer bedrückten und um seine Existenz ringenden Gastwirte­standes herbeigeführt unb auf alle Fälle jede weitere Belastung unterbunden wird. Dahin zu wir­ken: 1. daß die Gemeindebeherbergungssteuer aufgehoben werben, 2. daß die das Gastwirtsgewerbe schwer belasten­den Verwaltungsgebühren herabgesetzt werden, 3. baß bie Vergnügungssteuer auf ein unter den heutigen wirt­schaftlichen Verhältnissen ertragbares Maß herabgesetzt wirb, 4. daß bei Neuregelung bes Finanzausgleichgesetzes

hat sich bie Lage wenig geändert, zumal die Ultimo:.,- tierung nach neuerer Gewohnheit bis in die ersten Tage "es folgenden Monat» hinein fühlbar wird. Immerhin ber Tiefstand, der am 17. b. M. zu verzeichnen war, ubem-unden. Eine statistische Betrachtung der damaligen E(übkurse ergibt ein fast erschreckendes Bild. Von den wbuftrieattien der Frankfurter Börse lagen an diesem *°^/unb 90 unter 70 Proz., 51 unter 60, 18 unter 50, »unter 40, 2 unter 30 Proz. Hierunter befinden sich “ acL Maschinen- und Eisenbranche, wodurch die KM re Cage diese» Wirtschaftszweiges veranschau- sicht wird. Etwa in gleicher Stärke erscheinen die Nach- ^A^^rünmrngen, die saft sämtlich zur Gruppe der nied- “W*en .Kurse rechnen. Dioidendenlosigkeit unb beson- «u6 erklären zur Genüge ben

Papier, aber mit unzuläng- lttf)em Setnebstapital gegründeten Gesellschaften. Es ist zu befürchten, daß bas eine oder das andere Unter­nehmen «ms der Kmssiste verschwinden wird. In dieser «regk der Mnd.MRückgang der Zschocke-Aktien

87^ Cs wurde bann bekannt,

LS das 1922 Sur Borst zugelaffene Unternehmen die Gef^stsaufsicht beantrag habe Nach den Erklärungen dvr^Gesellschast soll es sich jedoch nur um Illiquidität

Bürgersteig für ihre Unternehmungslust nicht genügt, die auf ber Bordkante ihren Weg nehmen müssen und im unpassendsten Augenblick, gerade wenn ein Radfahrer dicht hinter ihnen ist, plötzlich heruntertreten unb über­aus entrüstet sind über die „rücksichtslose" Fahrerei, wenn der erschreckte Radler noch im letzten Augenblick aus- weichen kann.

Vst Wirtschaft u. Börse bet Woche.

Don unserem Frankfurter Börsenmitarbeiter.

Nach einer in diesen Tagen erfolg-»u Verrt'eotli.yung bas Gesamtaufkommen ber Steuern im Rechnungs­jahr 1924-25 ben Voranschlag um mehr als 2 Milliarden Mark übertroffen. Der tatsächliche Ueberschuß ergibt 660 Mill. Daß diese Tatsache eine hervorragende wirtschaft­liche Bedeutung hat, erhellt ohne weiteres daraus, daß in ber Vorkrigeszeit bei um mindestens ein Drittel reicherer Volkswirtschaft der kleinere Etat oft nur mit Mühe aus­geglichen wurde. Zwei Gesichtspunkte drängen sich be­sonders auf, einmal die fernere Steuergestaltung und dann die Stellung des Reichs (und der Länder) als Gelbausleiher.

Bei der Aufstellung des Voranschlags für 1924-25 war es natürlich unmöglich, bas tatsächliche Steuerauf­kommen auch nur annähernd zu schätzen. Man setzte es also vorsichtig, b. h. niedrig an. Selbstverständlich liegt für bas Jahr 1925-26 kein Grund vor, es ebenso zu machen, da bie Steuererträge bes letzten Jahres im all­gemeinen aus einer erst mieber in ber Entwicklung be­findlichen Volkswirtschaft stammen, also höchstwahrschein­lich eine Steigerung erfahren werden, soweit sie mit einem Mehrertrag ber Wirtschaft parallel gehen. Es bleibt ferner zu beachten, daß erst ab 1. Sept. 1928 die vollen Reparationszahlungen in Höhe von 1540 Mill. 3U leisten finb, weiter baß bis zu biefem Zeitpunkt noch Ausgaben in Höhe von etwa 600 Mill, wegfallen werden (produktive Erwerbslofenfürforge, Pensionsfonds, innere Kriegslasten). Auf Grund vorsichtiger Berechnungen kann man jedenfalls zu bem Schluß kommen, daß bei einem vernünftigen Finanzausgleich mit ben Ländern selbst bet voller Reparationslast keine Steuererhöhungen notwen­dig sind, baß vielmehr bedeutende Ermäßigungen vorge- nommen werden können. Es ist durchaus nicht gleich­gültig, ob aus ber ohnehin blutarmen Wirtschaft noch 600 Mill, mehr als nötig herausgepumpt werben. Eine Beobachtung ber Steuertermine zeigt, mit welchen Schwierigkeiten bie Fälligkeiten eingehalten, wie oft Werst mit großem Verlust zur Zahlung realisiert »erben müssen. Man bente an bie Börse ober an bie ungeheuer» kch angeschwollenen Zwangsbeitreibungen.

Die Ausipeicherung ber enormen Ueberschüsse hat zu der ganz neuen Erscheinung geführt, daß ber Staat ein großer Geldgeber geworben ist. Man wird bies prin­zipiell nicht als wünschenswert bezeichnen können, muß aber vorläufig mit dieser Tatsache rechnen. Abgesehen davon, daß ber Fiskus, in erster Linie bie Post, nur mit Mühe zu bestimmen ist, sich mit ber untersten Grenze einer angemessenen Verzinsung zu begnügen, täuschen bie staatlichen Selber eine Flüssigkeit bes Geldmarktes vor, die in Wirklichkeit gar nicht besteht. Wie sehr und wst schnell sich aber bas Bild ändern könnte, lehrt der Gedanke an die zunächst noch aufgeschobene Vierteljahrs­zahlung der Beamtengehälter. Die Einführung dersel­ben würde eine ganz beträchtliche Verknappung bes Geld­marktes zu ben jeweiligen Terminen bewirken. Die , Möglichkeit eines Abrufs ber staatlichen Gelder hält den Markt in Unsicherheit. Die öffentliche Geldwirtschaft «tuscht auch ein ungenaues Bild des Prioatdiskonts vor. Tatsächlich werden die Versuche einer freien Diskont­bildung durch bie staatlichen Gelber vorwiegenb gestützt. Sicherlich würbe man zur Zeit einen Ausfall dieser Kre­ditquelle stark empfinden; bie fortschreitende Rückkehr zur normalen Kapitalbildung unb Finanzpolitik wird jedoch diese Nebenerscheinung der Stabilisterungsperiode verschwinden lassen.

Die wirtschaftliche Lage ist durch bie Frankfurter Messe deutlich illustriert worden. In ben wichtigsten Punkten: Preisstellung unb Zahlungsbedingung drückst sich die Spannung der Betriebsmittel und der Kaufkraft aus; der Verkäufer kann das gewünschte Ziel nicht zubilligen, ber Käufer nicht per Kasse kaufen. Immerhin ist ein merklicher Fortschritt gegen Köln unverkennbar, auf beiden Seiten war die Nachgiebigkeit größer. Eine Belebung in verschiedenen Branchen dürfte auch beson­deren Einflüssen wie Mode unb Saison zuzuschreiben fein, sowie ber alljährlichen Frühjahrsankurbelung der Wirtschaft. Die Marktberichte lassen noch wenig Bes­serung erkennen. Die ©etreibepreife schwanken stark hin und her, Metalle liegen uneinheitlich ohne große Ver­änderung, Baumwolle befestigte sich nach dem letzten Preissturz um ein geringes. Der Arbeitsmarkt wird »ei­ter belastet durch die zunehmenden Stillegungen unb Feierschichten im Ruhrbergbau. Ob das nach vieler Mühe zustandegekommene Kohlensyndikat einen besseren Absatz erreichen wird, bleibt durchaus in der Schwebe, zumal das Preisproblem, bas bie Unkosten der ungünstig produzierenden Zechen berücksichtigt, überhaupt nicht be­rührt wurde. Recht ungünstige Berichte kommen außer aus ber Textilindustrie, in ber neue Zahlungseinstellun- gen erfolgten, aus dem Maschinenbau. Beruhigend ist habet vor allem die wachsende Einfuhr amerikanischer, bei gleichzeitig sinkender Ausfuhr deutscher Maschinen.

Die Börse erfuhr in dieser Woche eine leichte Erholung. Jnnerpvlitische Argumente treten etwas in ben Hintergrund, das Zustandekommen des Ruhr- syndikats erweckte Hoffnungen, dazu regten Sonderkäufe in Harpen an, ferner wurden Deckungen auf die erfolg­ten Leeroerkäufe vorgenommen. Vielfach stieß man aber unter Gewinnentnahme sofort wieder ab. Grundsci. sich

0 Hanau. In ben Mauern ber gastlichen Main- Kinzigstadt Hanau hielt in den Tagen vom 21. 23. April d. I. der Gastwirteoerbanb Hessen-Nassau Freistaat Waldeck seinen 5. Provinzialverbandstag Dem Verbände gehören 53 Vereine an. Wäh:. .. am Dienstag Sitzungen des SBerroaltungsausfdjuffes und be» Gesamtvorstandes, denen sich später ein Begrüßungs­abend im Hotel Riesen anschloß, ftattf-”'s

für die Wahl des Bolkskandidaien Marx. 7890000 Wahlberechtigte haben bei ber letzten Wahl von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht. HM sie heran fOr Mx!

fiskalische Betätigungstrieb sich auswirken möchte. Hier aber handelt es sich um Aufgaben, die von der privaten Wirtschaft billiger erfüllt werden können. Werden solche Funktionen der Volkswirtschaft von den öffentlichen Körperschaften und somit teuerer ausgeführt, so bedeuten diese Mehrausgaben eine unnötige steuerliche Belastung. Es muß jedoch wie­der fester Grundsatz werden, daß alle Aufgaben wirtschaftlicher Natur, die von der privaten Wirt­schaft billiger ausgeführt werden können, auch von der Privatwirtschaft — und nur von dieser — durchgeführt werden.

Mit dem Ruf nach Steuerermäßigung muß diese Forderung immer wieder erhoben werden.

Der K. K. v. zur Reichspräsidenten» wähl.

Am 26. April wird endgültig der Reichsprä­sident gewählt. Der Vorstand des Verbandes KKV empfiehlt dringend und aus voller Ueberzeugung die Kandidatur des

Reichskanzlers a. D. Mlh. Marx.

Wir sind ein k au f m ä n n i f ch e r Verband der wohl weiß, daß Marx als der erfolgreichst! Staatsmann des neuen Deutschlands durch eine klart und verständige Außenpolitik die Grundlage ge­schaffen hat für eine ungestörte und von inneren Erschütterungen freie Weiterentwickelung unserer Wirtschaft und damit für eine ver­ständnisvolle friebfertige Gemeinschafts- arbeit. Als Präsident des Deutschen Reiches kann nur eine staatsmännisch erprobte Füh* rernatur in Frage kommen.

Deshalb unterstützen wir die Kan­didatur Marx'.

Marx wird als Repräsentant der republikani­schen Staatsform angesp'rochen. Nicht etwa deshalb treten wir für ihn ein. Mit ihm bedauern wir, daß die Wahl auf eine Formel gebracht ist: „Hie Republik, hie Monarchie." Wir sind ein katho­lischer Verband. Der Katholizismus aber kennt keine ihm eigene Staatsform. Die Staats f 0 rm ist nicht von entscheidender Bedeutung, sondern Staats i n h a l t, staatsmännisch geschulte und er­probte P e rs önli ch k eit en. Marx ist der be­währte Führer des katholischen Deutschland, der nimmermüde Verfechter unserer kulturellen Be­lange und der getreue Ekkehard für die Freiheit der katholischen Kirche.

Deshalb unterstützen rott die Kandidatur Marx! *

Dieser Kundgebung des K. K. D., der bekannt­lich außer in Westdeutschland auch in Bayern weite Verbreitung hat und einen starken Einfluß auf das öffentliche Leben ausübt. wird in den baye­rischen Wählerkreisen seinen Eindruck nicht »er« fehlen. ______________

* Der Förftermord bei Wartenberg gesühnt. Ein überaus grausamer Förstermord fand vm 19. 2. vor dem Schwurgericht in Allen stein seine Sühne. Ende November v. Js. wurde ber 32 jährige Stodtsörster Erich Bohl von ber Försterei Rvthwalde betWarten- berg im Kreise Allenstein mit eingeschlagenem Schädel in einem Dickicht in seiner Försterei an einem Baume erhängt aufgesunden. Auf Ersuchen ber Ober» staatsanwaltschaft Allenstein entsandte dann der Ches der Berliner" Kriminalpolizei, Regierungsdirekior Hoppe, den Kriminalkommissar Busdorf unb ben .Kriminalasftstenten Scholl in die Försterei. Kommissar Busdorf übernahm zum Schein den Dienst des er­mordeten Försters unb kam den wirklichen Tätern bald auf die Spur. Er fand am Tatorte eine Tabaks­pfeife, die er als Eigentum eines polnischen Arbeiters Masuch feststellte, ber dicht am Wald wohnte. In einem Versteck im Walde fanden die Berliner Beam­ten auch ein werivolles Zielfernrohr, das bem Er­mordeten geraubt worben war. Ter Förster hatte bie beiden beim Diebstahl einer großen Fichte über­rascht. Während er ihre Namen in sein Notizbuch ein trug, hatte einer von ihnen ihn von hinten um­klammert und ber andere ihn durch drei Kopfhiebe zu Boden gestreckt. Viktor Masuch hielt bann den ©albbetäubten fest. Sein Vater holte unterdessen eine Leine herbei unb beide schleppten den Wehr­losen, obwohl er bat, ihm sein Leben zu lasten, an dieser Seine, bie ihm der alte Masuch um ben HalS geschlungen hatte, 30 Meter weit, bis er tot war und hängten bte Leiche in einem Dickicht auf. Ta- Gericht verurteilte den alten Masuch zum Tobe, einen Sohn Viktor zu lebenslänglicher Zuchthaus« strafe. ______________

von den Hochschulen.

== Marburger herbftferlenkursus. Auch in diesem Jahre veranstaltet die Leitung der Marburger Ferien- kurse in der Zett vom 2.—19. August in den Räumen ber Philippsuniversität Marburg a. b. L. V 0 rlesun- g en, bie allen Dolkskreisen zugängig fmb. Sie setzen also keine bestimmt geartete Vorbildung, aber innere Hingabe unb ernstes Streben zur Weiterbildung voraus. Diese Veranstaltungen, bie sich in jebem Jahre eine» regen Zuspruchs erfreuen, wollen bem deutschen Ge­samtwohl als einer Kulturgemeinschaft dienen. Der Herbstkurs beschäftigt sich mit ben kulturellen Grund­lagen der bedeutenderen Mächte. Er will von da aus nnthelfen, Verständnis für die Bedingungen einer Welt­geltung Deutschlands zu erwecken. Das Leitwort de» Kursus ist:DeutschlandunddieWelt. Als Vor­tragende wurden eine Reihe von Professoren ber Univer­sitäten: Berlin, Bonn, Danzig, Erlangen, Halle unb Marburg gewonnen. Themen wie: Die Bedeutung bes Volkheitlichen in ber Gestaltung ber Welt; Das Ver­hältnis Gnglanbs, das Verhältnis Frankreichs zu Deutsch­lands; Die Weltbedeutung Weimars; Weltbeziehungen der Jugend; Die gegenwärtigen Staatsverfassungen ber großen Mächte versprechen reiche Anregungen. Die Teil- nahmiegebühr beträgt 25 JL. Unterbringung und preis­werte Verpflegung ber Kursusteilnehmer wird durch die Geschäftsstelle der Marburger Ferienkurse, Marburg. Lahn, Deutsche Burse, Rotenberg 21, vermittelt, dort» hin sind all Anfragen zu richten.

Wer Hindenburg liebt wählt Marx!