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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 93.
BcrantworMch ür bie SLrntleituna: Dr. Jodanne» Kramer. Xnseißen: I. P orielle*. Sulda. 8iototwni6tntf und verlas der pudert v d-frtrvr'nn in Pvlta. fittnitrtAer 3it. 9.
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Donnerstag, 23. April 1925.
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LberprSsihent CroooivM spricht in gulüo
Kundgebung für Wilhelm Marx am Freitag im Stadtsaal.
größten M. ... in die Weltgeschichte eingezogen fein. Wenn er aber von dem Mißerfolg des 5)ei
Im Fuldaer Land mit seiner am politischen Leben stets stark interessierten Bevölkerung sieht man mit größter Spannung dem Ergebnis der Wahl am 26. April entgegen. In unserem heimatlichen Bezirk hat der R a d i k a li s m u s irgendwelcher Art n i e eine Heimstätte finden können. Hochtönende Redensarten lassen den Menschenschlag, der zwischen Rhön und Vogelsberg wohnt, kalt. Sachliche Denkweise legt es jedem nahe, in dem Mann der Mitte den richtigen Führer des deutschen Volkes zu sehen, das nun einmal in kultureller und wirtschaftlicher Beziehung so große Berschiedenartigkeit aufweist. Wohl ist immer wieder auch hier versucht worden, von außen her den gesunden Menschenverstand der hiesigen Bevölkerung zu verwirren. Aber man denke zurück: alle diese radikalen Schwätzer haben schnell abgewirtschaftet. Auch mit konfessioneller Verhetzung ist hier nicht viel auszurichten. Protestanten, Katholiken und Israeliten kennen sich hier zu gut untereinander, als daß einer in dem andern seinen grimmigen oder verschlagenen Feind sehen müßte, den er in jeder Beziehung zu bekämpfen hätte, von dem er annehmen müßte, daß ihn die Zugehörigkeit zu einem andern Glaubensbekenntnis schon von vornherein zu einem Staatsbürger zweiter Klasse stempele. Wenn hier auch einmal ein Druckerzeugnis ans Licht kommt, in dem antisemitische und antiultramontane Töne angeschlagen werden, so muß man sich immer darüber klar fein, daß die Hintermänner dieser Leistung nicht mit ^uldawasser getauft sind und innerlich der Fuldaer Bevölkerung fremd gegenüberstehen. Wenn sie auch einmal vorübergehend einige einheimische Kreise an sich zu ziehen vermögen, bald stellt sich heraus, daß mit derartigen Leuten hier auf die Dauer niemand etwas zu tun haben will.
Es ist nicht daran zu zweifeln, daß im Fuldaer Land die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung am 26. April nicht daran denken wird, den greifen Generalfeldmarschall v. Hindenburg, der von den Deutschnationalen zu einem ihm völlig fremden politischen Amte gedrängt worden ist, zu wählen, sondern daß der Kandidat des Volksblocks, der bewährte S t a a t s ma n n Wilhelm Marx, wie bt°T Sonntag ote 'Stimmen des Fuloaer Landes in größtem Maße erhalten wird. Es gilt eine Wahlbeteiligung zu erzielen, wie sie noch nicht da war: Alle Männer und a l l e Frauen müssen wählen. Für das Schick- k "3 deutschen Vaterlandes wird der Ausgang der Wahl von der größten Bedeutung sein. Heber diese Bedeutung der Wahl spricht am Freitag abend nn Stadtsaal m Fulda der Oberpräsident der Provinz Westfalen Granowski aus Munster. Zu dieser Kundgebung werden alle An- Hanger der Kandidatur Wilhelm Marx schon heute eingeladen.
(Ein deutscher Wirtschafts-Kapitän, der Fabrikant der weltberühmten Bosch-Magnete, Robert Bosch in Stuttgart, ein Führer der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmarkt, schreibt zur Reichspräsidentenwahl:
»Nicht allzu wenige werden Anstoß nehmen an oem Katholiken, an dem ZentrumSmann Marx. Trägt man denn seine ehelichen Meinungsverschiedenheiten aus, solange daS Haus brennt? Hat man während ej?e.8 Befragt, wer ist Protestant, wer ist Hat man einen Unterschied gefunden zwischen b«den m der Opferwilligkeit?
als Reichskanzler gezeigt, daß er « u t? Hat er Nicht durch seine Zu. ?"lassiskelt die Anerkennung und Achtung des Aus. bm ‘ . ®‘nö nicht während seiner
SU den Per.
H onfS ®p® l Ä toeSPft to°rÖen? ®aa aIIeS Volksgenossen!
ES geht um'S Ganze! Wählt Marx!" . A/he Stimme sollte mehr wiegen als die durch Sachkenntnis nicht getrübten »politischen Be- trachtmrgen anderer Kapüäne.
Gegen die Kandidatur Hindenburg.
Deutschnationale Urteile vor drei Wochen.
Hindenburg wird jetzt von der gesamten Rechts- presse als der Mann gefeiert, der allein das Reichspräsidentenamt zu bekleiden würdig fei. Der rechtsradikale Abg. Schlange-Schöningen, der hofft, unter dem Regime Hindenburgs eine leitende Stelle zu erhalten, hat sogar die Keckheit besessen, in einer Versammlung in Königsberg eine Resolution vorzuschlagen, in der der Dolkskandidat Marx aufgefordert wird, zurück- zu treten und so die Wahl Hindenburgs zu ermöglichen! Zur Kennzeichnung der ganzen Unver- frorerlheit, mit der diese Mache betrieben wird, genügte, noch einmal festzustellen, was die deutsch- nationale und völkische Presse geschrieben hat, ehe die Aufstellung Hindenburgs erfolgt war. Das ist fast genau dasselbe, was alle vernünftigen Leute sagen, und was heute von derselben Rechtspresse mit den wildesten Schimpfereien beantwortet wird. Einige Zitate:
„Kreuz-Zeitung" vom 8. April: »Man redet von Hindenburg. Der Mann steht unS zu hoch, um ihn in den eklen Parteistreit hereinzuziehen."
»Völkischer Kurier- vom 4. April: »Wenn toir vor der Kandidatur Hindenburgs warnen, dann tun wir eS mit dem Rechie des ehrlichen ArcundcS, der sich dagegen wehrt, daß mit der vollkommen unpolitisch eingestellten Natur des greisen FeldmarschallS ein unehrliches Spiel getrieben wird"
Die „Tägliche Rundschau" vom 6. April: „Wir halten den Gedanken, den Feldmarschall Hindenduro
zum Präsidentschaftskandidaten zu macken, überhaupt für unglücklich und haben das schon vor zwei Jahren öffentlich aus esprocken, als Hindenburg bei der nachher verschobenen Präsidentenwahl von der Deutsch- nationalen Partei nominiert werden sollte. DaS Amt des Reichspräsidenten ist ein politisches Amt, kein militärisches, und es fordert die volle Kraft eines überragendes Mannes, der noch in den besten Jahren steht. Der Feldmarschall v. Hinden. bürg aber ist nahe an achtzig . . "
„Hamburger Nachrichten" sdentschnational) vom 5. April: „Wie man über; aupt auf den Gedanken kommen konnte, den Generalfeldmarschall in diesen Streit hineinzuzieben, ist ebenso unvernändlick, wie Hindenburgs Abtehnung unS selbstverständlich erscheint. Nachdem der Generalfeldmarichall vor der ersten Wahl seinen KriegkkamcradenLudendorff kurz und eindringlich gebeten hat, feine Kandidatur z u r ü ck z u z i e h e n, war es ein reichlich taktloses Untersan en, jetzt dem Generalseldmarscholl selbst eine derartige Kandidatur zuzninuten. Einen Hindenburg müflen wir unter allen Umständen dem politischen Streit fernhalten."
Warum haben die RechtSblätier ihre klare Erkenntnis, die wir teilen, so schnell und völlig preis gegeben?
Wilhelm Marx sprach am Dienstag in Koblenz. Tie Kundgebung war ein neue- Tieueaelöb- niS der Rheinlandes zu Marx und seinem staatsmännischem Programm.
(Eine verlorene Schlacht.
Rach Hindenburgs Programmrede in Hannover.
In der „Augsburger Postzeitung" lesen wir zur Programmrede Hindenburgs in Hannover:
„Hindenburg stellt sich auf den Boden der Verfassung, spricht sich für Erfüllungs- Politik aus, verurteilt die Kriegshetze und befürwortet eine f r i e d l ich e Entwicklung. Wie wollen die Deutfchnationalen jetzt noch gegen den „Republikaner", „Erfüllungspolitiker" und „Pazifisten^ Marx ankämpfen? Die obige Erklärung Hindenburgs ist der größte Sieg, den die Republikaner in Deutschland je zu verzeichnen hatten, die schwerste Niederlage des monarchistischen Gedankens-"
Wahrhaftig, es war kein politischer Befähigungsnachweis, was die Hintermänner der Kandidatur des greifen FeldmarschallS in Hannover sich vor den auswärtigen Journalisten geleistet haben.
Rund um die Wahl.
Der deusichnationale Reichstagsabgeordnete Schlange-Schöningen hat in Königsberg gesagt, das zwanzigjährige politische Leben, auf das Dr. Marx zurückblicke, fei ein voller Mißerfolg. Dieser Herr Schlange wird allerdings nach zwanzigjähriger politischer Tätigkeit auf andere „Erfolge" zurückblicken können — er wird als Mann mit dem
Marx spricht, sollte er doch bedenken, daß er damit, mitleidslos gegen seinen eigenen Kandidaten, die vernünftigen Volksgenossen zu der Frage drängt: Und die Erfolge Hindenburgs? — Zwei Millionen Tote auf den Schlachtfeldern und das Endergebnis: Deutschland in nie dagewesener Weise geschlagen und besiegt.
Ms „überparteilicher" Kandidat wird Hindenburg von feinen Anhängern ausgerufen. Ist er das? Ein überparteilicher Kandidat ist M a r x, den die Anhänger ganz verschieden gerichteter Parteien unter Hintansetzung der fortbestehenden Meinungsverschiedenheiten wählen werden. Aber Hindenburg? Er ist der Kandidat lediglich der Deutschnationalen-Dolkspartei. Rach dem hier schon erwähnten Protokoll über die Ge- heimsitzung der deutschnationalen Wahlmacher, des- fen Richtigkeit im ganzen unbestritten ist, sagte der oben erwähnte Abg. Schlange-Schö- ningen:
Wir sind zu schlapp, zu sehr durchsetzt bereits von demokratischer Entwicklung. Entweder wir siegen oder wir beugen uns unter das kaudinische Joch Stresemanns. Auch ick bekenne folgendes: Der Reichsblock ist ein entsetzliches Konglomerat. In vielen Landesteilen ist der Einfluß der Deutschen Volkspartei katastrophal. Wir führen im Reichsblock und wir müßen fuhren. Die Deutsche Volkspartei ist gezwungen, mit uns zusammenzuarbeiten, weil ste ihre Niederlage im Loebell-Ausschuß einsieht.
Was sonst gesagt wurde, zeigt, daß die ganze Wahlpropaganda für Hindenburg von den Deutsch- nationalen gemacht wird. „Die Hilfe der andern Parteien ist gleich Null," sagte der Propagandaleiter. Hindenburg ist danach der ausgesprochene deutschnationale Parteikandidat.
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. Halbheit, das war von jeher ein Kenn- 8eid)en unserer Rechtspolitiker. So geht es ihnen auch jetzt: Hindenburg mußte in Hannover vor den Korrespondenten der Auslandspresse eine Rede halten, daß er der beste Hortdes Weltfriedens uftd der Vülkeroersöhnung sei. Am Dor- nnttag des Tages, als die auf den Nachmittag eingeladenen ausländischen Journalisten schon in Han- n0?-lr.-ein Parademarsch der nationalistischen Iugendverbände vor Hindenburg statt, der sich in der Feldmarschallsuniform dabei zeigte. Naturuch berichten die ausländischen Journalisten nicht nur über Hindenburgs Friedensrede, sondern auch über die Parade. Immer halb und halb. Man muß immer an das kaiserliche Friedensange- bot vom Jahre 1916 denken: „Im Gefühl des Sieges" hob das an und sollte einen Verständigungsfrieden ermöglichen. Halbheiten tragen stets den
Wfliieißooliun siic das Minell Painleoe.
Großangriff der Rechten auf Caillaux.
In der Pariser Kammer hat Painleve das Programm der neuen Regierung entwickelt. ^erDor« zuheben ist, daß die Erhaltung d e r B o r - schäft beim Vatikan verkündigt wurde. Die Aussöhnung Europas soll weiter erstrebt werden. (Ein Abgeordneter der Opposition ruft da- zwischen: Jawohl, durch Hindenburg.) Es kam stellenweise zu großen Tumultszenen, die sich namentlich gegen den Finanzminister Caillaux richteten. Sowohl in der Kammer als im Senat wird die Debatte weitergeführt werden.
Eine Delegation der Nationalistischen Vereinig ungBaterländischerIug en d hat sich zum Präsidenten der Republik begeben und ihm den Protest der Vereinigung darüber zum Ausdruck gebracht, daß ein Mann wie Caillaux, der vom Staatsgerichtshof von Frankreich wegen Verbind,mg mit dem Feinde verurteilt worden Jet, an der Regierung als Minister teilnehme.
Eine Rede Vriands.
lieber die französische Außenpolitik.
wtb p a r i 5, 22. April. (Tel.) 3n einer Rachk- sihuna der flammet erklärte der Außenminister B r i a n d, die augenblicklichen Verhandlungen, die auf die Räumung der Kölner Zone und die L u tw a s f u u n g s s r a g e abzisUen, seien derart, daß man hierüber nicht ohne Gefahr eine Debatte improvisieren könne. Die Botschafter- konfren, werde demnächst zusammentreten, um über das Entwasfnungsproblem zu beraten. Die beste Sicherheit sei für Frankreich, stets im vollkommenem Einverständnis mit oen ul- liierten zu bleiben und nichts zu unternehmen, was außerhalb dieser Einigkeit stehe. Das je. das größte Sicherheilselement. Als ich versuch» habe, das Sicherheilsproblem durch einen Sicher- heitspakl, den sie kennen, zu lösen, war die Opposition nicht begeistert und als ich hierher kam, mit einem Angebot Englands, in dem gesagt wurde, daß unser Alliierter unter ganz bestimmten Umständen unsere Grenze zu Wasser und zu Land ga-
rantiere, da hak die Opposition meine Vorschläge abgelehnk. In dem Pakt des Völkerbundes sind wichtige Sicherste iksklausen enthalten, welche einraumen, daß ein Land, wenn in einer entmilitarisierten Zone ein Akt der Feindseligkeit begangen würde, Herr einer Akte fein werde, und daß ipso facto, sobald diese Akte anerkannt sei, alle Rationen verpflichtet seien, sich an dieser Seite zu halten. Das ist ein wichtiger Sicherheitspakt, unterzeichnet von allen Rationen, und daher sind wir nicht isoliert. 3m 3-chre lr24 hatten wir nichts pränses in bezva an? tm'erer Miauzen. Hak uns trotzdem etwas gefehlt? Was kann man also heute zweifeln? Diele Art. an allem zu zweifeln, wie kann man sie beseitigen? Das Statut des Völkerbundes ist da. Es sind Versuche unternommen worden, um präzise Regelungen zu erzielen, auf- gebaut auf die 3 Grundgesetze: Schiedsgerichtsbar. (eit, Sicherheit und Entwaffnung. Eine Ration, die aus Furcht fdjroierige Fragen anzuschneiden, sich isoliert verhalten wird, würde bald polUM in eine ernste Lage kommen. 3 ch bin für Verhandlungen. 3d) werde verhandeln, aber das verpflichtet 'mich noch nicht, mich zu bind"n. Deutschland spielt seine Rolle. Es wird versuchen, aus den Verhandlungen bm weitgehendsten Ruhen zu ziehen. Frankreich ein-’tfeiis muß seine Aktion nach Verständigung mit seinen Alliierten weiter verfolgen. 3n diesem Geist habe man den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund diskutiert. Da wir an unsere Seite die große Rationen haben .sind Aussichten dafür vorhanden, daß der Weltfriede nicht gestört wird. Grundsätze von Gens, die Frankreich proklamiert hat, zu einem (Ergebnis führen. Driand erreichte 3ch bin. so schloß Briand. davon überzeugt. daß die mit seinen Ausführungen den starken Beifall der Linken.
Die Kammer bat mit 304 gegen 218 Stimmen der Regierung Painleve das Vertrauen ausgesprochen.
Reichsregierung und Länder.
Ein neuer versuch zur finanziellen Einigung.
Bon einem besonderen -ulitarbeiter.
Die Lage, in der sich die Reichsfinanzverwal- tung heute den Ländern gegenüber befindet, ist nichts weniger als angenehm. Seit langem bestehen Meinungsverschiedenheiten zwischen Reich und Ländern über die Verteilung der dem Reiche zufließenden öffentlichen Abgaben, also vor allem der Steuern. Diese Meinungsverschiedenheiten haben sich zum offenen Konflikt ausgewachsen unter der Regierung Luther. Die Veranlassung gab der Versuch der Reichsregieruna. die finanziellen Beziehungen zwischen Reich und Ländern auf eine neue und für längere Zeit bestimmte Basis zu stellen. Es wurden von Seiten der Reichsfinanzverwaltung bestimmte Vorschläge ausgearbeitet, über die jedoch namentlich der Zuteilungsquote willen eine Einigung nicht herbeigeführt werden konnte. Da die Reichsregierung in ihren Dispositionen durch wochen- und monatelange Verhandlungen nicht gestört fein wollte, hat man fürs Erste ein Kompromiß geschlossen, wonach die Regelung des Finanzausgleichs um einige Monate verschoben wurde und innerhalb dieser Frist sollte alles beim alten bleiben. Inzwischen hofft die Reichsregierung ihre neuen Steuervorlagen, mit denen sie eine Reform des ganzen Steuer» wesens bezweckte, auf parlamentarischem Wege zu erledigen. Diese Erwartungen sind aber zunichte geworden durch die durch den Tod des Reichspräsidenten Ebert geschaffene Lage und die Notwendigkeit, dem Reiche wieder eine verfassungsmäßige Spitze zu geben. So herrscht gegenwärtig ein Schwebezustand, der nichts weniger als erfreulich ift
Nun hat die Reichsregierung einen erneuten Schritt unternommen,um wenigstens die Behandlung dieser Frage wieder in Fkrß zu bringen. Sie hat eine Konferenz der Finanzminister der Länder zum Dienstag einberufen. Der Zweck dieser Konferenz ist in erster Linie eine Erörterung der von der Reichsregierung bereits vorgelegten Steuergesetzentwürfe im Hinblick auf die von dem Reichsrat vorgeschlagenen Aenderun» gen. Dabei muß allerdings bemerkt werden, daß im Reichsrat eine ganze Reihe wichtiger Fragen überhaupt noch nicht zur Klärung und Entscheidung gebracht werden konnten. Infolgedessen wird die Konferenz auch mit diesen Dingen sich beschäftigen müssen. Dabei wird aber wiederum die vordringlichste Frage zu behandeln sein, in welcher Weise die Erträge der öffentlichen Abgaben, also vor allem der Einkommen-, Körperschafts- und
Reim des Mißerfolges in sich. Halbheiten der Führer, Hin und Her in der Richtung, m/ß das Volk büßen. Denkt an Ruhraktion und Inflation!
Rus dem Geheimprotokoll.
Das in Berlin veröffentlichte Protokoll über bie Sitzung des deutschnationalen Wahlausschußes, dessen Echtheit nicht angezweifelt werden kann, enthält eine Reihe interessant"' Angaben über die Art
Umsatzsteuer zwischen Re ich u n b Länbern verteilt werben. Auch biete ben Kernpunkt des ganzen Problems bildende Frage ist vom Reichsrat nicht entschieden worden
Die Dinge sind nun soweit gediehen, batz die beiderseitigen Aufassungen kaum noch sich überbrücken lassen. Unter diesen Umständen wird wohl gar nicht anderes übrig bleiben, als daß der Reichstag demnächst in einer und derselben gesetzgeberischen Materie zwei verschiedene Vorlagen vorfinden wird. Die Reichsregierung hält es für die Finanz- und Wirtschaftspolitik des Reiches nicht für tragbar, ihre Vorschläge den aus den Ländern kommenden Anreaungen und Forderungen entsprechend zu gestalten. Sie wird deshalb die Steuervorlagen dem Reichstag nun in zwei Fas- fungen zugehen lassen, von denen die eine die Auffassung der Reichsregierung, die andere die Mei- nung des Reichsrats, als der Vertretung der Län- der, wiedergeben soll. Die Entscheidung würde dann allein beim Reichstag liegen.
Was sich hier abspielt, ist im höchsten Grade peinlich. Die Schwierigkeiten sind umso größer, als ja mit der Frage des Finanzausgleichs auch die der Aufwertung und der Ablösung öffentlicher Anleihen in unmittelbarem Zusammenhänge steht.
Die Ziiranzministerkonferenz.
Am Dienstag fand im preußischen Finanzmini- sterium bie oben erwähnte Konferenz der Finanzminister der Länder statt, die sich mit der Stellung der Länder zu den Finanzvorlagen der Reichsregierung beschäftigte. Wie das „Bert. Tagebl. mitteilt, e i n i g t e n sich die Finanzminister dahin, 90 Prozent von der Einkommen- und Körperschaftssteuer und 30 Prozent von der Umsatz- steuer zu verlangen, während die Reichsregierung von der Einkommen- und Körperschaftssteuer nur 75 Proz. und von der Umsatzsteuer nur 20 Proz. gewähren will. Die Länder stehen auf dem Standpunkt, daß, wenn ihr Anteil an ben genannten Steuern nicht über bie Sätze der Regierungsvorlage erhöht wirb, bie Länder und Gemeinden die R ea l- steuern stärker heranziehen müßten. Die Konferenz der Finanzminister billigte ferner bie bisherigen Abstimmungsergebnisse der Reichsratsausschüsse, wonach eine allgemeine Hypothekenaufwertung auf 20 Proz. erfolgen soll und lehnte bie Bewertungsgrundlage der Vorlage der Reichsregierung für eine zehnprozentige Zusatzaufwertung der erstfälligen Hypotheken ab.
der Propaganda für Hindenburg. Es wurde über Geldmangel geklagt. Der Propagandaleiter hat deshalb 100 000 Mark Schulden gemacht. 500 000 bis 600 000 Mark sind noch notwendig, vor allem, um ben kleinen Provinzzeitungen etwas zukommen lassen zu können, bie unentgeltliche Wahlaufrufe ablehnten. Die H u g e n b e r g • Seite (Schwerindustrie) haben 50 000 Mark gestiftet. Das gleiche gelte von dem Kreis um Diet- r i ch (deutschnationaler Abgeordneter, Führer der