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FuldaerZertung
Anzeiger für die Siadl und den Kreis Fulda. Amtliches kreisblakl.
Nr. 92.
Verantwortlich tüt die Echrirtleiiung: Dr- Jobanne» Kramer. Ameisen: I. B arr«Iler, Fulda. Rotationsdruck und verlas der guldeer Trlitrttt<?nei in Nvlda. Nkrnldrecher lir. ä
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Mittwoch, 22. April 1925.
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Das Ringen um die Reichspriisidentschaft (Es geht jetzt hart auf hart. — Kriegsrot im Lager des hindenburg- blocks. — Die letzte Stimme mutz heran für den Volksblock - Kandidaten Wilhelm Marx!
BerNner Zeitungen sind in der Lage, ein Protokoll zu veröffentlichen, das über eine Geheimsitzung der deutschnationalen Wahlmacher geführt worden ist. Danach wurde vor allem geklagt, daß di« gesamte Presse derDeutschenVolkspar- tei Aufrufe für Hindenburg nur gegen Bezahlung aufnehmen wolle, die ganzen Kosten der Wahl infolgedessen von den Deutschnationalen aufgebracht werden müßten. Man brauche ot«l Geld. Bedauerlich sei, daß Hindenburg aus Gesundheitsgründen nicht nach Berlin zu einer Kundgebung kommen könne. Die K a th o l i k e n sollen noch besonders für Hindenburg bearbeitet werden. Man erwarte noch eine Kundgebung des iPapste» gegen die Sozialisten. (Vorläufig werden ■Die früheren päpstlichen Kundgebungen vom Rechts- block mißbraucht. Wir haben hier in der letzten ^Sonntagsnummer dargelegt, was von diesem Mißbrauch päpstlicher Kundgebungen zu halten ist.) Mor allem wurde dargelegt, daß zahlreiche Flug- 'blätter herausgegeben werden müßten, in denen die .denkbar kräftigst Sprache geredet werde. Sonst fei die Niederlage für die Deutschnationalen sicher. — Also, wir wissen jetzt, was noch in dieser Woche bevorsteht. Anhänger des Dolksblocks, seid auf dem Posten!
Hindenburgs Schwiegersohn.
Die denkbar „kräftigste Sprache" führt bereits — Hindenburgs Schwiegersohn. In der „Kreuzzeitung" (Nr. 175) veröffentlicht ein „Kgl. Landrat a. D." Hans Joachim von Brockhufen- I u st i n einen Artikel unter der Ueberfchrift „Dietrich von Bern", in welchem er im Stile romantischer Sagenerzählungen für Schüler der höheren Bolksschulklassen seinen Schwiegervater mit dem „Recken" und „Kämpen" der deutschen Heldensage vergleicht. Der Königliche Landrat a. D. ist nicht nur Gründer des „Bundes der Aufrechten", dessen Bundesorgan sich in der haßverzerrten Hetze gegen Rathenau noch kurz vor dessen Ermordung besonders hervortat, er ist gleichzeitig der Schwiegersohn des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. In unverschämtem Ton spricht er vom Gegenkandidaten Hindenburgs:
„Eine Schicksalsstunde naht sich Dir, Du deutsche« Bolt! Sollen Marx und Marxismus, Börsenjobber und Schieber, Juristen (!) und Barmatisten D-ch noch länger beherrschen? Hie Marx — hie Hin- denburg! Hier nationales Denken und Handeln, dort di» schwarz-rot-goldene Internationale!"
Das könnte ja hübsch werden, sagt zu diesem Erguß die „Boss. Ztg. , wenn die Präsidentschaft der Deutschen Republik dem Einfluß von Leuten ausgeliefert würde, die so denken und so reden. Wenn der alte Herr seinen Schwiegersohn nicht jetzt zurückpfeifen kann, was würde erst werden, wenn er ihm und seinesgleichen seine Wahl verdankt!
(Eine unwürdige Schaustellung.
Der 78jährige Generalfeldmarschall v. Hindenburg ist am Sonntag von seinen Freunden den Vertretern der ausländischen Presse vorgeführt worden, auch den Vertretern der einst feindlichen Presse. Er hat diesen Herren sagen müssen, daß er alle» weniger wolle als neue kriegerische Berwick- lungen, im Gegenteil, daß er über Kriegführen ent« Jegt sei und niemals wieder etwas derartiges er« lC! » olle. Bei einem Glas Bier hat Hindenburg diese Ausführungen machen müssen, um für eine gute Auslandsstimmung seiner Kandidatur gegen» über zu Jorgen. Natürlich schreiben die ausländischen Journalisten über den Empfang durch Hindenburg nun ihren Blättern ebenso wenig sympathisch wie bisher. So gibt der vom Wahlkomitee Hindenburgs nach Hannover geladene Korrespondent des Pariser „M a t i n" folgende Schilderung:
„Der Marschall sieht beim ersten Blick noch ziemlich jung aus, aber sobald er spricht, muh ein jeder merken, daß seine Worte eingelernt und ohne Ausdruck sind. Hindenburg trägt die Last seines Greisentums." Der Korrespondent des „Matin" meldet weiter: „Ich habe den Eindruck, daß man sogar in Hannover an dem Erfolg des Marschalls zweifelt. Viele Leute, die für Hindenburg eine aufrichtige Sympathie haben, bedauern, daß er sich zum Kandidaten aufstellen ließ. Man fürchtet, daß die Beschäftigung mit der Politik seinem Ansehen schaden wird. Cs ist auch die Sorge zu erkennen, daß ein weit gefährlicheres Abenteuer beginnen wird, wenn Hindenburg gewählt werden sollte. Die Friedensversicherungen, die Hindenburg vor den ausländischen Journalisten abgab, haben keinen gro- Eindruck gemacht."
Als wichtige Personen in der Umgebung Hindenburgs, mit deren starken Einfluß man im Falle der Wahl des greifen Generalfeldmarschalls rechnen müßte, wird der oben erwähnte Schwiegersohn Hindenburgs, Herr Hans Joachim von Brockhufen-Justin, der sich „Königlicher Landrat a. D." nennt, bezeichnet. Brockhusen ist der Begründer jenes „Bundes der Aufrechten", der die Wiedereinsetzung der Hahenzollern betreibt. Der Adjutant Hindenburgs, der Oberstleutnant a. D. v. K ü g e l g e n, ein früherer Stabsoffizier, gehört dem völkischen Flügel der Deutschnationalen an. Als Verbindungsoffizier zwischen Hindenburg und dem Propagandabüro fungiert ein Oberleutnant a. D. Feldmann, Führer des Hannoverschen „Stahlhelm", und Mitglied des deutschnationalen Parteivorstandes, einer der schärfsten Gegner des Dawes-Gutachtens innerhalb der Partei. Chef des Agitationsbüros ist ein ehemaliger Offizier, der Reichstagsabgeordnete Otto Sch m i d t, deutschnational und Gegner einer außenpolitischen
Verständigung und des. Dawes-Plans. Schmidt war längere Zeit Generalstabsoffizier bei dem Oberkommando der 8. Armee und von den Brester Verhandlungen ab bis zum Kriegsende im Generalstab des Oberbefehlshabers Ost gewesen.
Handwerker und Wahl.
Der bekannte Handwerkerführer Thomas Esser, M. d. R. geht einer irreführenden Nachricht zu Leibe, die vom Rechtsblock auSgeht. Diese Nachricht besagt, daß daS Handwerk für Hindenburg eintrete und beruft sich dafür auf einen Beschluß der Generalversammlung des „Deutschen Handwerker-Bundes".
„Wer ist derDeutsche Handwerker-Bund"? Entweder kennen die Wahlmacher der Kandidatur Hindenburg diese Organisation nicht; dann wäre der Eifer, mit dem man sich auf diesen neuen Wahl-Sueeur» stürzt, zu versehen, — ober aber sie kennen dir wirk- liche Bedeutung de» „Deutschen Handwerker-Bundes" dann müssen wir schon sagen: Mau stellt in diesem Lager keine hohen Ansprüche und freut sich über jede Zustimmung, nach der kleinsten und bedeutungslosen „Deutsche Handwerker-Bund" führt seit Jahren ein Scheindasein al» Organisation, fein Leiter ist stets da» enfant terrible in der Handwerkerbewegung, die ernst genommen werden will, gewesen. Der „Bund", der sich nur auf einige Ortsgruppen in Pommern, Ostpreußen und Mitteldeutschland stützt, gehört der Gruppe der Handwerkerbunde im ReichSverbaude deS deutschen Handwerks nicht an und hat den anerkannten Spitzen- organisationen deSHandwerk», dem Reichsverbande und dem Deutschen Handwerk», und Gewerbekammer» tage, stet» viel Verdruß durch eine sinnlose Oppo- ition bereitet. Wenn dieser „Bund" die Parole ür Hindenburg auSgibt, so ist e» eine grobe Irre- ührung, zu behaupten, daS Handwerk habe sich auf die Seite de» Rechtsblocks gestellt.
Esser beschäftigt sich weiter mit der Kundgebung diese- „Handwerkerbundes", worin eS heißt: „Hindenburg hat während deS Weltkrieges sein großes Interesse durch sein warmes Eintreten für den schon damals schwer kämpfenden Handwerkerstand bewiesen". Gewiß, so legt Esser dar, wird Hindenburg als der große Führer im Well kriege auch im deutschen Handwerk hochverehrt. Aber eS hieße doch der geschichtlichen Wahrheit Gewalt antun, wenn wir den vorstehende» Satz unwidersprochen liefen. Mit HindenüurgS Namen ist das Rüstungsprogramm verknüpft, das dem schon auS tausend KriegSwunden blutenden Handwerk die schwerste Kraftprobe im Kampfe um die Erhaltung seiner Existenz auferlegte, die er jemals zu bewältigen hatte. Wer damals in der KriegSfür« sorge für das Handwerk gestanden hat, Weitz sich der mit dem Hindenburg-Programm verbundenen furchtbaren Sorgen noch sehr Wohl zu erinnern. Grundsätzliche Gegner deS Handwerks hielten damatS den Zeitpunkt für gekommen, mit Hilfe des Rü« stungSgrogrammS das Handwerk aus unserer Wirtschaft endgültig aus;ustreichen.
Wir wählen, so sagt Esser, den Kandidaten, der vom vaterländifchenundvom wirtsch a ft l ich en Standpunkte auS für das Handwerk der beste Mann ist, und zwar WilhelmMarx, der schon vor 25 Jahren mit seinem Freunde Trimborn im preußischen Abgeordnetenhause der Förderung von Handwerk und Gewerbe den Weg gebahnt, und sich seither unserer Belange in den Parlamenten stets mit warmen Herzen und großem Verständnis angenommen bat. Wir wollen am 26. April nicht vergessen, daß Wilhelm Marx wenige Taae nach seiner Berufung zum Amte des deutschen Reichskanzlers als erste Vertretung eines Berufsstandes den Vorstand deS Reichsverbandes für das deutsche Hand» werk empfing und daß er während seiner Kanzler- schast stets mit uns die en aste Fühlung gehalten hat.
Zum Schlüsse noch eins: Wenn am 26. April die Mehrheit des deutschen Volkes Wilhelm Marx zum Reichspräsidenten wählt, erlischt nach Artikel 44 der Weimarer Verfassung fein Mandat zum Reichstage. Dann tritt an feine Stelle als erster Ersatzmann im Wahlkreise Düsseldorf-Ost der Generalsekretär Carl Hermann vom Reichsverbande des deutschen Handwerks. Welch großen Gewinn für das Handwerk das Eintreten unseres bewährten, in ganz Deutschland verehrten Vorkämpfers in den Reichstag bedeuten würde, braucht nicht erst betont zu werden. Auch dieser Tatsache sollte sich jeder Handwerker bei der bevorstehenden Entscheidung bewußt fein.
Wilhelm Marx sprach am Montag abend in einer von Taufenden besuchten Versammlung in M ü n st e r in Westfalen. Für die Demokraten sprach Erkelenz, für die Sozialdemokraten Reichstagspräsident L o e b e.
vorn Jungdo.
Der Hochmeister deS Jungdeutschen Ordens erläßt an die Angehörigen des Jung- deutichen Ordens einen Aufruf, in dem es heißt:
-Jeder zu ersparende Pfennig gebärt Hindenburg. 3™ ®eF, e*e deshalb von heute bl» zum Abschluß der Wahlhandlung am 26. April jeden Genuß von Alkohol und Tabak, sowie die Beteiligung an jeder nutzlosen Vergnügung, welche nicht mit Familie und en item Freundeskreise zusammenhängt. Jede treie Stunde eines je&cn jungdeutschen Bruder» ist für den Wahlkampsdrenst zu verwenden".
Ter Jungdo tritt demnach auch beim zweiten Wablaang tot ober ganz offen für den Kandidaten des Rechisblocks ein.
Dr. Hoefle gestorben.
Tragisches Schicksal des ehemaligen Postministers. — Gestorben vor dem Zusammenbruch stark übertriebener Beschuldigungen. — Dar Opfer den Varmathetze.
Im Hedwigskrankenhaus in Berlin ist in den Armen seiner Gattin, die in den letzten Monaten ein so schweres Schicksal zu tragen hatte, der ehemalige Reichspostminister und Minister für die besetzten Gebiete, Dr. Hoefle, dem Herzleiden erlegen, an dem er seit seiner Verhaftung in besonders schwerer Weise litt und zu dem jetzt noch eine Lungenentzündung getreten war. Hoefle, erst 44 Jahre alt, hat als leitender Beamter des Deutschen Technikerverbandes und des Deutschen Beayttenbundes feine echt soziale Gesinnung bargetan und galt auch als Minister, zu dem er 1623 ernannt worden war, uls warmherziger Freund der Beamten, namentlich auch der unteren Beamtengruppen. Am 9. Januar 1925 hat er fein Mim» fteramt niedergelegt, weil er in die Affäre Barmat und in die Kreditaffäre der Depositen- und Handelsbank verwickelt wurde. Ihm wurde unzulässige Ausleihung von Postgeldern zur Last gelegt, und die Anklagebehörde schritt am 10. Februar zu seiner Verhaftung, indem sie Verdunkelungsgefahr annahm. Mit Rücksicht auf die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen hatte er gleich nach seiner Amtsniederlegung erklärt, sich bis zum Abschluß der Untersuchung auch jeder parlamentarischen Tätigkeit zu enthalten. Bei dem langsamen Fortgang der Untersuchung ist es zu einer Aufklärung bisher nicht gekommen, doch wurde die Haft aufrechterhalten, weil die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit von Beamtenbestechungen mit in Betracht zog. Die Fortsetzung des Verfahrens gegen die Brüder Barmat wird jedenfalls alle diese Fragen noch zu klären haben. Es ist kein Geheimnis, daß die Untersuchung, je weiter sie fortschritt, das tatfäd)Iid)e Verschulden Hoefles nicht mehr in dem Lichte erschienen ließ, in dem es anfänglich gestanden hatte. Nachdem die Untersuchung gerade diejenigen Anklagepunkte hatte fallen lassen, durch die Hoefle in den Augen der Oeffentlichkeit am schwersten belastet erschienen war, die der Amis- untreue, hatte Hoefle damit rechnen können, daß #r auch hinsichtlich des zweiten Anklagepunktes: der passiven Bestechung durch die Annahme einer Hypothek auf feinen Hausneubau, den Nachweis würde führen können, daß nach dem ganzen Sachverhalt eine Bestechung nicht Vorgelegen haben konnte. Nachdem Hoefle einmal „zur Strecke gebracht" war, bat man nichts mehr davon gehört und gelesen, daß es dem Staatsanwalt gelungen war, den Beschuldigten der begangenen Straftaten zu überführen; jedenfalls hat sich die unbeeinflußt und objektiv denkende Oeffentlichkeit ihre
entsprechende Gedanken darüber gemacht, daß di» Straftaten, deren Hoefle beschuldigt worden war, offenbarnichtsoklar liegenkonnten, wenn die Untersuchungsbehörden beinahe vier Monate gebrauchten, ohne daß sie imstande waren, den Nachweis für die ihm zur Last gelegten Beschuldigungen zu erbringen.
Selbst der deutschnationale „Berk. Lokal- a n 5 e i g e r", der aus der Varmataffäre immer wieder politisches Kapital zu f chlagen versucht, schreibt jetzt: Zu Ehren des Verstorbenen muß gesagt werden, daß er nach seiner Festnahme alles, was in seiner Kraft stand, getan hat, um den Gang des gegen ihn schwebenden Verfahrens zu b es ch l e u» nigen und den Behörden die Aufklärung des ganzen ungemein verwickelten Sachverhalts nach Möglichkeit'zu erleichtern. Er selbst versicherte wiederholt, daß fein Gewissen rein fei und daß er feine Handlungsweise vor Gott und den Menschen verantworten könne. Es scheint auch in der Tat, daß zum mindesten ein Teil der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen durch die bisherige Untersuchung schon entkräftet worden ist. Das endgültige Urteil über die Frage seiner moralischen und seiner juristischen Schuld ober Unschulb muß aufgeschoben bleiben, dis ber ganze Komplex der Schiebungen und Veruntreuungen vor Gericht geklärt sein wird.
Die n i ch t politisch an der Barmathetze interes- fierte Presse äußert sich anläßlich des Todes des Dr. Hoefle noch weit deutlicher. Der „Vorwärts" erhebt scharfe Angriffe gegen die Berliner Staatsanwaltschaft, die es über sich gebracht habe, den auf den Tod Erkrankten bis wenige Stunden vor feinem Ableben in Haft zu behalten. In der „Voss. Zig." heißt es: Aus dem ganzen, Verlauf des Unterfuchungsverfahrens mußte man immer mehr die Uebergeugung gewinnen, daß die gegen den früheren Reichspostminister erhobenen Vorwürfe zum größten Teil nicht aufrecht zu erhalten waren, daß man Dr. Hoefle zwar Leichtgläubigkeit, aber nicht Amtsmißbrauch vorwerfen konnte. Es ist Dr. Hoefle nicht vergönnt gewesen, die Verwirklichung feiner Hoffnung zu erleben, daß das Gerichtsverfahren mit feiner vollständigen Rehabilitierung enden werde. Sein Tod erhebt die Lügner der Notwendigkeit, die Stichhaltigkeit ihrer aus dem politischen Kampfe geborenen Anklagen zu beweisen.
Mancherlei Vorgänge bei den Finanzskandalen und eine Reihe von Erscheinungen in der deutschen Rechtspflege der letzten Zeit rufen nach parlamentarischer Besprechung.
Blutiges Strafgericht in Bulgarien?
wtb Paris, 21. April. (Tel.) Die dem „Rewyork Herold" gemeldet wird, seien nach dem Attentat in Sofia 10 000 Personen verhaftet und 4000 nledergemetzelt worden. 3m Laufe einer Revolte, die im Pratza, nördlich von Sofia, ausgebrochen sei, seien hundert Bauern getötet worden. 3n ganz Bulgarien herrsche der Terror. 400 Personen seien zum Tode verurteilt worden. Eine gewisse Anzahl von wegen Teilnahme am Komplott verdächtigen Personen feien von der Polizei, als sie ihrer Verhaftung Dlderstand entgegengesetzt hätten, oder von den Angehörigen der Opfer des Attentats getötet worden. Der Hauptattentäter Rlinkosf ist jedenfalls erschossen worden, da er seiner Verhaftung Widerstand entgegen setzte.
Man wird wohl in der Meldung des amerikanischen Blattes einige Uebertreibungen vermuten dürfen. Immerhin scheint sich Bulgarien noch in schwerster Krise zu befinden. Die Regierung in Sofia hat in Paris den Antrag gestellt, ihre Heere s m a ch t vermehren zu dürfen.
Unruhen in Südafrika.
Reuter meldet aus Bloemfontein, daß in dem Ein- aeborenenviertel Unruhen ausgebrochen seien. Die Lage sei sehr ernst. Die Polizei sei gezwungen gewesen, auf die etwa 4000 Mann zählende Menge zu schießen. Die Rädelsführer seien verhaftet und die Büraerwehr aufgerufen worden.
Nach einer späteren Meldung wurden 50 eingeborene Rädelsführer verhallet. Bis er wurden vier Eingeborene getötet und 21 verwundet. Auch zwei Europäer erlitten ernste Verletzungen.
* Der Mordgeselle Haarmanns. Da» Gericht in Hannover bat das gegen den in den HaarmannS- Prozetz verwickelten Granz erkannte Todesurteil wegen Anstiftung zum Morde ausgehoben und nochmalige Verhandlung vor dem Schwurgericht angeordnet. Im Falle Hannapel, in dem Granz wegen Beihilfe zum Morde zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, wurde die Wiederaufnahme des Verfahrens abgelehnt. Berufung gegen diese Ablehnung ist möglich.
* Aus Tanrwut zu Mörderinnen geworden. Einer Meldung au» Memel zufolge wurde dort -der 82jägrtge Obeipostsckaffner a. D. Pauli ermordet au gefunden. Als Täter kommen zwei junge Ardeiterrnnen in Frage, die vor etniaer Zeit bei Pauli gewohnt haben. Sie haben wahr- ichemlich ihren früheren Wtrk erschlagen und dann beraubt, worauf sie sich zu einem Tanzvergnügen begeben haben.
Der Militärputsch in Lissabon.
wbt. Paris, 21. April. (Tel.) havas berichtet aus Lissabon, die wegen des revolutionären Aufstandes verhafketen Offiziere sind nach verschiedenen Festungen sowie an Bord des Panzerkreuzers „Vasco da (Barna“ gebracht worden. Der Sa- binettsrat hat beschlossen, die Trnppenver- bände, denen die revolutionären Führer ange- HSrt haben, aufzulösen. 6s handelt sich im ganzen um 12 000 Alami. 6s läuft das Gerücht um, daß die Regierung die verfaffungsmäßigeu Zustände wieder einführen, und daß die Kammer wieder zusammentreten werde. Der Eisenbahnverkehr sei wieder ausgenommen und im ganzen Lande herrsche Ruhe.
Wie Havas berichtet, hat die portugiesisch« Gesandtschaft in Paris eine Rote ausgegeben, in der sie erklärt, daß die Unruhen in Lissabon in der Hauptsache von monarchistischen Elementen ausgegangen seien.
vor Debatten in der Pariser Kammer.
^tb Paris, 21. April. (Tel.) Ls stehl nun- mehr fest, daß die Kammer nach Verlesung der Programmerklärung der Regierung Painleve in die Debatte der Interpellationen eintreten wird. Es hat sich bereits eine Anzahl Redner aus den Oppo- sitionsparleien zum Wort gemeldet, sodaß man annimmt, daß die Debatte zwei Sitzungen in der Kam- mer in Anspruch nehmen wird.
* Ter Ueberschuß der Reichest tanzen. Mit dem Abschluß der RerchSdauPtkaffe für den Monat März dieses Jahres ist nun auch die G-amtube, sicht über die Eingänge der ReichSfinanzverwaltuna in dem verflossenen Elatsjahr, das vom 1. April 1924 brS zum 31. März 1925 reicht, gegeben. Tie Abrechnung weist eine Einnahme von 7 580 Millionen Mark auf, von denen 6920 Millionen Mark ausgegeben sind. Danach erg bt sich em Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben von 660 Mill. Goldmark.
5lus der Wahlbewegung.
— ilämmerzell. Am Sonntag A:>end sprachen tn einer '■Betjamuuung dahier die Herren Lehrer Schreiner von Lüdermünd und Will von Haimbach in recht fachlicher, klarer und eindrucksvoller Weile über die Wahl de» Relchspräsidenren. Es ist zu hoffen, daß der von ihnen für dieses hohe und veraniwormngsvolle Amt wärmstens empfohlene Wilhelm Marx von allen
W ah berechtigten der Pfarrei die Stimme erhält.