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Anzeiger für die Sfaöf und den Kreis Fulda. Amtliches kreisblakt.

Nr. 9t.

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Verantwortlich ür die Schrittlettung: Dr- Johannes Kramer.

Ameisen: 3- $ arretier, Fulda. Rotationsdruck und verlas der Fuldaer ketiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. S.

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Dienstag, 21. April $925.

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52. Zahrg.

Die Bürde der Reichspräsidentschaft.

Kur dem pflichtenkreis des Neichs-Gberhauptes. — was man am 26. April sich vor Augen halten mutz.

inzwischen sämtliche großen gelesen haben muß — Reiä

der e "^benher ist das Studium

t r* *9hn9eme”r-^ ^en notwendig. Hier be­träte a,uf bie angeführten Re-

2e hf° 'rnKns® ^en.t™UF'e durchzuarbeiten, fces Auswärtigen teutfXnÄmnfon im Ir ’$rbie Telegramme der deutfä^n Diplomaten im Ausland laufend rustel- len. Nur so war es möglich, daß er bei Em­pfängen eine geradezu staunliche Kenntnis aller Dorgange tm internationalen politischen Sehen an den Tag legte. ^eDen

Diese Empfänge fremder Diplo- w^aten bilden sehr häufig eine bedeutungsoolle tlmerbrechung des normalen Tagesprogramm« Gerade durch feine weitgehende Kenntnis der ^?t$enpolitischen Fragen hat der verstorbene Reichspräsident es verstanden, in der zwangslosen Schaltung, die sich stets dem offiziellen Akt anschließt, den stärksten Eindruck bei den -Botschaftern und Gesandten hervorge- großes politisch- psychologisches Ge- Ichick ist erforderlich, um bei solchen Gelegenheiten den Grund zu legen für die erwünschten Bezie­hungen zu den ausländischen Mäch­ten. Dasselbe politische Geschick gilt es zu ent­wickeln bei den Empfängen innerpoli- ttscher, wirtschaftspolitischer, ge­werkschaftlicher Abordnungen. Dazu genügt nicht ein verständnisvolles Kopfnicken, ein liebenswürdiges Lächeln, dazu ist vor allem crfor- derlich ein inniges Vertrautsein mit dem politischen Schlachtfeld, das nur in fahre- und jahr- tzentelanger Praxis möglich ist.

Es würde zu weit führe,wollte man die üb- «gen Repräfentation 2 pflichten, die der Tag dem Präsidenten bringt, eingehend beleuchten.

mössm Ausstellungen der Kunst und der Wirt- st, «kefsen und Kunstwochen besucht werden, dann überstürzt Rückreisen des Nachts zu 'gen Kabinettssihurgen. Ein Leben ohne Md Ruh, körperlich die stärksten Kräfte er» n&r bei größter Beweglichkeit zu

Man muß sich nach der endgültigen Nominie­rung der Kandidaten für den endscheidenden Kampf um die Präsidentschaft der deutschen Re­publik immer wieder fragen: wie konnten „Poli­tiken so verantwortungslos handeln und sich an dem greifen Hindenburg vergreifen. Hindenburg selbst hat in durchaus richtiger Erkenntnis seiner naturgemäß schwach gewordenen Kräfte zuerst immer und immer unter Hinweis auf sein Alter die Kandidatur abgelehnt. Bis er schließ­lich dem Druck jener verantwortunglosen Politiker erlegen ist, die nicht wollen, daß an der Spitze der Nation ein Mann mit klarem Blick, mit fester Hand, mit sicherem Griff seines Amtes waltet, die einen Präsidenten oder Monarchen wollen, der Wachs in ihren Händen ist, weil er ihre Hilfe braucht, weil feine eigne Kraft zum Regiment nicht reicht. Es verlohnt wirklich einmal, einen Tag aus dem Leben des Staatsoberhauptes heraus­zugreifen, sich einmal klarzumachen, welche Fülle von Manneskraft, von geistiger Beweglichkeit, von Temperament dazu gehört, um das hohe Amt des Reichspräsidenten meistern zu können. Der ver- storbene Friedrich Ebert stand im besten Man­nesalter, war zeitlebens gewohnt, sich herumzu- fchlagen im öffentlichen Kampf. Und die Bürde des Amtes hat es ihm dennoch unmöglich gemacht, rechtzeitig das für feine Gesundheit zu tun, was notwendig gewesen wäre.

Der Dienst des Präsidenten beginnt um 9Uhr. Der Staatssekretär,der Chef des Büros, erscheint V öum Vortrag. Er berichtet über die politischen Tagesfragen, macht dem Reichspräsidenten, der inzwischen sämtliche großen inländischen Blätter gelesen haben muß — Reichspräsident Ebert hat die Zeitungen stets selbst durchgearbeitet und sie nicht nur wie Wilhelm II, in den ihm angenehmen Ausschnitten gelesen — Vorschläge über das Tages­programm. Hierbei entscheidet im wesentlichen die Liste der angesagten Referenten der verschiedenen Ministerien über vorbereitete Gesetzentwürfe, über wichtige geplante Regierungsmaßnahmen auf Grund der Situation. Teilweise ist der Empfang des Ressortministers notwendig. Zudem liegen Anmeldungen der Vertreter der deutschen Einzel- taaten vor. Führende Männer des Wirtschafts- lebens, der Wissenschaft und Künste wünschen vor- gelassen zu werden. Es ist oft sehr schwer, rein Seitlich eine Erledigung des notwendigen Ta­gesprogramms zu erwägen. Aber das ist schließ­lich im wesentlichen Sache des Büros. Viel wich­tiger und schwieriger, dabei aber unbedingt er­forderlich ist die g e i st i g e B e w e g l i ch k e i t des Präsidenten, die Fähigkeit von einem Gebiet in das andere, von äußerer in innere Politik, von wirtschaflichen zu sozialpolitischen Fragen übersprin­gen zu können und dabei die speziellsten Fragen zu durchdenken. Denn will der Reichspräsident nicht ausführendes Organ fein, will er verant­wortungsbewußt entscheiden, bann muß er etngretfen können. Es war geradezu erstaunlich, nue Ebert aus einer reichen politischen Erfahrung heraus stets persönlich hingriff in die Materie und °^fO°F °8en zur neuerlichen Nachprüfung unter biefen^Diii^-t®efld)roPuntten Suriickoenvies. Neben fibent X/Ä? Graten hört ber Neichsprä- L^ regelmaßig um 11 Uhr ben Vortrag bes ?ud? üb5 b^Sr $’er "eß sich Ebert vor allem d» ---ländlich,»

meistern. Wer einmal im Arbeitszimmer bes ver­storbenen Reichspräsibenten gewesen ist, ber war erstaunt, welche Fülle von Büchern aller Gebiete auf seinem Arbeitstisch aufgestapelt lagen. Spät abenbs bis in bie Nacht hinein hat Friebrich Ebert hier gearbeitet. Es war ihm. felbstverstänblich Pflicht, sich über alle die schwebenden Fragen nicht nur ber Politik, fonbern ber Wissenschaft unb Tech­nik, ber Literatur und Kunst zu informieren und ihren Problemen nachzugehen. Mit führenden Per­sönlichkeiten aller Länder stand er in regem per­sönlichen Gedankenaustausch. Ebert ist in der Voll­kraft feiner Jahre stehend an der großen Aufgabe, die das Amt des Reichspräsidenten stellt, groß­geworben. Das war nur möglich, weil er fein Leben lang bas Leben in feiner Fülle auszuschöp- fen bemüht war. Es mag wertvoll fein für einen Militär, ganz in ben immerhin begrenzten Fragen­kreis bes M i l i t ä r i f ch e n aufzugeben. Hinden­burg ist stolz barauf, feit feiner Kadetten- zeitfilbnurmitmilitärifcherLitera> tu r befaßt zu haben. Nun soll er — ber Achtzig­jährige — die Bürde ber Präsidentschaft auf sich nehmen, soll in einer Welt wirken, entscheiben für 60 Millionen Menschen, bie ihm bis zur Stunbe unbekanntes Laub war.

Wer einmal sich klargemacht hat, welche robuste Kraft bas Amt bes Präsidenten eigentlich fordert, wer ermessen hat, was dieses Amt bedeutet für bie Existenz unb Entwicklung bes deutschen Volkes, ber kann Hindenburg seine Stimme nicht geben.

Marx in Dresden.

Bei der Riesenversammlung im Zirkus Sarasani tn Dresden, wo Marx am Samstag abend sprach, ging er besonders auch auf die konfessionellen und kulturellen Gegensätze in Deutschland ein. Diese Gegensätze, so legte er bar, müssen en'politisiert und zum Gegenstand des freien geistigen Ringens ge­macht werden.

„Der Staat hat die Gewissensfreiheit seiner Bür­ger zu sichern. Der Staat hat dem Glauben und der Weltanschauung Bewegungsfreiheit zu ver­schaffen. Der Krieg hat erwiesen, daß der konfessio­nelle Gegensatz kein Politischer, kein natio­naler Gegensatz ist. Katholiken, Protestanten, Juden und Freigeister sind gemeinsam gestorben, gemeinsam in fremder Erde beerdigt. Das war das große Erlebnis der Kriegszeit. In diesem Erlebnis wurde der Geist der Achtung und der Duldung verstärkt. Die Demokratie hatte nur noch die Auf­gabe, aus diesem Erlebnis die Fo l gerung zu ziehe«. In gemeinschaftlicher politischer Rettungsarbeit an Volk und Reich haben sich Dlnlänger der verschiede­nen Konfessionen und Weltanschauungen achten und verstehen gelernt. Deshalb sinkt der vergangene Zwiespalt zusammen. Ein neuer Tag bricht an in der deutschen Geschichte, ein Tag. dessen Losung heißt: Wir alle sind Glieder einer Nation, Bürger eines Staates. Lasset uns dem Staate und der Nation gemeinsam dienen. Im Dienst an der Nation Einheit! In anderen Fragen Freiheit!"

In Magdeburg, Zerbst und Dessau hat Reichspräsidentschastskandidat Marx am Sonntag gesprochen. Marx, ber am Sonntag ins­gesamt sieben Reben hielt, legte sein Programm bar, bas das gleiche ist, wie während seiner Kanz­lerschaft. Der Grundsatz seiner Politik sei Wahr­heit und Klarheit. Für ihn bedeute die Po­litik nicht die Kunst, andere hinters Licht zu füh­ren, sondern zu wirken zum Wohle des eigenen Volkes unb ber Gesamtheit ber Völker. Danach ergebe sich, baß man klar bie Ziele bestimme, nach benen man strebe. Diese Politik sei insbesonbere von einem waffenlosen Volke zu treiben, bas ben Weltkrieg verloren habe. Das deutsche Volk roieber zur Blüte zu führen sei möglich burch eifrige und unaufhörliche Arbeit. Man habe ihn wegen feiner Verständigungspolitik getadelt, die auch Fehrenbach und Wirth getrieben hätten. Man habe das Kabinett Marx gestürzt, aber seither d i e gleiche Politik wie er getrieben. Deutschland möge dem Völkerbund beitreten, ober nicht unter ehrverletzenden Bedingungen. Zum Schluß be­schäftigte sich ber Rebner mit ber inneren Politik und bezeichnete als deren Grundlage die Wei­marer Verfassung.

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Es ist beachtenswert, daß sich jetzt General- selbmarschall v. Hindenburg gleichfalls m einer Rede in Hannover als Anhänger des -uerftandigungsfriedens und der W e i-

e,r f af f un g bekannt hat. Es ist zu hosien oaß fein Vorbild jetzt auch auf die ihm nahe- flehenom Kreise (Ludendorff war dabei, als Hin- oenbut" feine beachtenswerten Bekenntnisse ab« legte), w nachhaltig einwirkt, daß sie die Männer

- ^2ndigungsfriedens unb ber Verfassung nicht n.wr schmähen, sondern anerkennen, baß biefe schon oor Jahren dort standen, wo sie selbst nun auch allmählich ankommen.

Hindenburg

hat, da ein öffentliches Auftreten ihm nicht zuge- mutet werden kann, in den G e s e l l sch a f t s - räumen ber Stabthalle in Hannover vor einem gelabenen Kreis am Sonntag eine Kandidatenrede gehalten. Unter den Anwesenden bemerkte man den früheren Reichskanzler Cuno, ben früheren i Reichsminister Heintze, den bayerischen Justiz- 1

Die europäischen

Mutiger Bürgerkrieg in Portugal.

In Portuaal sinb neue politische Unruhen 5 zum Ausbruch aefommen. Wie Havas aus Lissa­bon melbet. umzinaelten bie reaierunastreuen Streitkräfte bie Revolutionäre. Man fei ber An­sicht, baß es ben letzteren nicht aelinaen werbe, durch andere Truvven Hilfe zu erhalten. Der Ab- aeorbnete, Cunha Leal, ber als ber Führer ber Beweauna bezeichnet wirb, lei von ber republi­kanischen Garbe im Stabtviertel Carmo aefanaen aenommen worben, in dem fick die Reaierunas- mitalieber unb ber Präsident der Republik versam­melt hätten. Der Verkehr in Lissabon fei vollstän- bia normal. Die Banken seien geöffnet.

Kriegs« und Belagerungszustand in Lissabon.

20 Tote unb 200 Verletzte.

wtb PariS, 20. April. (Id.) Havas berichtet aus Lissabon zu ben borkigen Unruhen: Die Kämpfe begannen nach Ablauf bes von der Regie­rung ben Auffkänbifchen gestellten Ultimatums, nachdem gleichzeitig bas Kriegsrecht geltenb gemacht unb ber Belagerungszustand erklärt worben war. Cs sinb 20 10ke unb 200 Verletzte zu ver­zeichnen. Heute ist bie Ruhe roieber vollkommen hergestellk. Lissabon hat fein normales Aussehen roieber gesunben. Eine nach ber Rieberlage ber Aufständischen veröffentlichte offizielle Mitteilung erklärt, daß die Regierung auf bie Treue b e r M e h r h e i t unb ber in Lissabon in Garnison liegenben Truppen rechne.

Die putsch-Führer gefangen.

wtb Paris, 20. April. (Id.) wie havas aus Lissabon zu bem Umsturzversuch in Portugal noch mittelst, habe der Ministerpräsident betont, daß er binnen kurzem Herr der Lage sein werde. Die regierungstreuen Streitkräfte hätten gegen 3 Ahr nachmittags das revolutionäre Ultima­tum damit beantwortet, daß sie das Feuer er­öffnet. Außer dem Abgeordneten Euncha Leal sei auch General Sines Cordez, der von den Revo­lutionären als Ministerpräsident ihres künftigen Kabindks bezeichnet wurde, gefangen genom­men worden. Der Präsident der Republik habe die Zitadelle von Cascal verlassen. Die Regierung sd im Stadtviertel von Earaes geblieben, wo die re-

Unruhe-Gebiete.

— Nach dem Attentat in Sofia.

publikauifche Garde liege. Die O r d n u n g sei mit Ausnahme der Orte, an denen sich der Kampf ab­gespielt habe, aufrecht erhallen worden.

Der Puffch in Portugal scheint eine rechts­radikale Sache gewesen zu sein.

Das Ende?

wtb Paris, 20. April. (Id.) Havas bericht tet: Rach Rachrichlen, die eingelroffen find, solle« sich die Revolutionäre in Lissabon gestern vormittag 9.45 Uhr ergeben haben. Die Ueber- gabe sei erfolgt, wril eine große Anzahl von Kämp­fern desertiert sei. Die Führer der revolutio­nären Bewegung sollen sich in die spanische Ge­sandtschaft geflüchtet haben. Die Zahl der loten ist noch nicht bekannt, die Zahl bet Verwunbeten sehr groß.

Die Opfer des Sofia 'er Attentats.

Nach Meldungen aus Sofia befinden sich unter den Opfern des Attentats in der Kathedrale der Bürgermeister, der Präfekt des Departements, der Polizeipräfekt und der Unterpräfekt, vier Abge­ordnete, 13 Generäle sowie acht Oberste und neun andere Offiziere, zwei Advokaten und vier Sekretär» von Ministern.

Bulgarische KegierungsKundgebung.

Die bulgarische Regierung richtete eine Kund­gebung an daS Volk, in der sie ihren uneffchüller* licken Witzen kundgibt, das Werk der Rettung Bulgariens von den umstürzlerischen Elementen des Kommunismus fortzusetzen. Jedermann müsse sich von der Ueberzeugung leiten lassen, daß die Gefahren, die in den lebten Jahren Bulgarien und die Welt heimgesucht hatten, durch gemeinsame Anstrengungen beseitigt werden könnten.

König Boris dankt ab?

Wtb Paris, 20. April (Tel). Rach dem „Malin" verbreitet eine Nachrichten-Agentur auS Sofia die Meldung, daß König Boris fich entschlossen habe, abzndanke«, wenn durch diese Maßnahme der innere Friede des Lande» wieder hergestellt werden könnte.

Minister G ü r t n e r, die Abgeordneten K e m p • kes, Brett, Ludendorff, zahlreiche lei­tende Persönlichkeiten der rheinisch-west­fälischen Industrie und eine große Anzahl Vertreter der inländischen und namentlich auch der ausländischen Presse. Herr v. Loebell hielt eine Begrüßungsansprache, wonach v. Hindenburg als Präsidentschaftskandidat die größte Gewähr ge­gen Krieg und gegen Wiederaufrichtung der Monarchie bietet. Auch der General legte in einer Rede dar, daß er friedliche Mitarbeit an dem Fortschritt der Welt erstrebe. Alles Geschwätz von verfassungswidrigem Vorgehen und von reak­tionären Bestrebungen seien unsinnig. Nachdem der Feldmarschall geendet hatte, nahmen der Reihe nach die Führer der im Reichsblock vereinigten Partien das Wort. Zunächst für die Deutfchnati- onale Volkspartei der Abg. Winckler, dann für die Deutsche Volkspartei Staatsminister a D. R i ch- t e r, für die Wirtschaftspartei Drewitz, für die Bayerische Volkspartei Abg. L 0 e b l (Loebl ist Bierbrauereibesitzer in München; sein Einfluß in der Bayerischen Volkspartei ist gering) für den Neichslandbund v. Goldacker und schließlich für die Offiziersverbände Admiral v. Schröter.

(Eine zähe Lüge.

In der Rechtspresse wird immer wieder behaup­tet, Reichskanzler a. D. M a r x, der Reichspräsident- schafts-Kandidat des Volksblocks, habe am 2. Sep­tember 1924 in Han nover in einer Versammlung in Bezug auf die Aufwertungsfrage von „blöden Sparern" gesprochen. Diese Behauptung wird immer noch aufgestellt, obwohl Reichskanzler Marx selbst wiederholt' erklärt hat, daß er niemals eine solche Aeußerung gebracht hat. Auch die Versam- lungsteilnehmer haben damals bekundet, daß eine solche Aeußerung nicht gefallen ist.

Es wird hierdurch nochmals erklärt, daß Reichs- kanzler a. D. Marx niemals und nirgendwo in dieser oder ähnlicher Weise sich geäußert hat. Es handelt sich also oei der Verbreitung dieser Behaup- tung um nichts mehr und nichts weniger als um eine" Verleumdung.

Die bayerischen Arbeiter wählen Marx.

Die Parole derBayerischenVolkspartei für Hindenburg ist erledigt, unrettbar er­ledigt. Selbst die Blätter der Bayerischen Volks­partei geben sie fast restlos preis, indem sie die zahl­losen Stimmen der Wählerschaft, die auch in Bayern für Marx erhoben werden, uneingeschränkt wie­dergeben, dafür an Kundgebungen für Hinden­burg ernsteste Kritik üben.

Mitglieder der ch ri st l i ch e n G e w e r k s ch a f- ten Augsburgs verbreiten ein Flugblatt, in dem zur Wahl des ehemaligen Reichskanzlers Marx aufgefordert wird. Es heißt darin u. a.: Nicht der Person Hindenburgs gilt ihre (der Arbeiter) Abneigung, sondern den P a r t e i e n, bie den grei­sen Heerführer mißbrauchen wollen, um ihre alte Machtstellung wieder zu erlangen. Was bie Ar­

beiterschaft von ben ostelbischen Junkern, von bem Hohenzollernregime, von einem ßubenborffftaat zu erwarten haben, ist klar, unb barum heißt ihre Parole: Nicht Hinbenburg, fonbern Marx. Wir als christliche Arbeiter erachten es nicht nur aus uns naheliegenben Gründen zweck­dienlich, für Marx einzutreten, sondern auf Grund unserer christlich-sozialen Einstellung und unserer inneren Ueberzeugung ist es für uns nicht nur Ehrensache, sondern Pflicht, Marx unsere Stimme zu geben. — Marx ist einer unserer besten Führer, Marx bewahren wir die Treue! Marx, ber Volkspräsident, soll wissen, baß ber ärmste Sohn bes Volkes auch fein treuester ist! Marx, unserem Marx, alle Kraft und freie Zeit in den nächsten Tagen, für ihn zu werben unb für ihn zu arbeiten 1

„3um Sturm! vorwärts!"

Der Führer der rechtsradikalen Oraanisation „Reichsflagge', ein Herr Heiß, der in Bayern seine Tätigkeit ausübt, gibt in einem Aufruf an seine Anhänger der Kandidatur Hindenburg folgende Empfehlung:

Nun hingt daS alte Signal, das Euch blieS, als Ihr einst auf den deutschen Bahnhöfen einftiegt in die tannenumkränzten Wagen, daS Signal, das Euch blieS, wenn Ihr das Gewehr senktet und die feind- lichen Linien über den Haufen ranntet, das Signal: „Zum Sturmi VorwärtsI- Euch füget Hindenburg! Reißt mit zum Sturm alles, was um Euch ift Packt die Zaudernden mit der Soldaten, faust, nehmt die Alten und Kranken auf die Soldaten- arme und dann vorwärts! Wo die Reichsflagge steht, steht der Siegl Zum Sturm und vorwärts mit Gott und im Zeichen Hindenburg! Ich verlasse mich auf Euch! Euer Führer Heiß.

Ob diese Ueberspanniheiten der Kandidatur Hin- denburg besonders dienlich sind? schreibt dazu selbst die Augsburger Postzeitung. Wir aber meinen: Der Herr Heiß und seine Freunde scheinen nicht viel von ernstem Krieg gesehen zu haben, wenn sie nur Vorstellungen von überrannten feindlichen Linien haben. Es gab auch andere! An die denken wir und denken gleichzeitig an die Tausende lieber deut­schen Volksgenossen und Kameraden, die vor diesen anderen Linien ein&t zerfetzenden Granatentod ge­storben sind. Wahrhaftig nicht darum, daß heilte in Deutschland gewisse Leute wieder hochtönend» Phrasen dreschen können.

* Politische Personennachrichten. Reichsarbeits­minister Brauns ist von feinem Urlaub zur Wiederherstellung der Gesundheit zurückgekehrt und hat die Dienstgeschäfte wieder auf genommen.

* Die Bevölkerungsbewegung in den Vereinigten Staaten. Nach dem Status vom 1. 2. beträgt die Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten 114311000, das ist eine Zunahme "im Jahre 1924 um 1627000. Dle Zunahme durch Geburtenüber­schuß ist viermal so groß als die Zunahme durch die Einwanderung. welche 315000 betrug.