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Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

Nr. ss.

BerantwortUcd iür die Schrittleitung: Dr. Jo banne» Kramer. Anreigeni I-B arretier. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fultacr S rticndrnckcrei tu Fulda. Feruivrecher Nr- S- Dionatlichcr BerngSVrei»: 1.50 Mk.

Freitag, 17. flprll 1925.

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52. Zahrg.

Die Vorbereitung des 26. April.

Die Vorgänge in Bulgarien.

Marx in Stettin.

Ein neuer politischer Mord.

Reichspräsidentschaftskandidat Dr. M a r x sprach am Mittwoch in S t e t t i n. Er betonte insbeson­dere die Notwndigkeit der Zusammenfassung der positiven religiösen Kräfte des deutschen Volkes für den Wiederaufbau des Vaterlandes. Die Wei­marer Verfassung gewährleiste volle Glau­bens» und Gewissensfreiheit und ungestörte Reli­gionsausübung. Sie bestimme ferner, daß der Ge­nuß der staatsbürgerlichen Rechte, sowie die Zulas­sung zu den öffentlichen Aemtern unabhängig von dem religiösen Bekenntnis ist. Diese Bestimmungen entsprächen dem von ihm stets verfochtenen Grundsatz der bürgerlichen Toleranz und müßten mit peinlichster Sorgfalt gewahrt werden. Ihre Innehaltung bleibe die Voraus­setzung für das friedliche Nebeneinanderleben der Konfessionen.

Hindenburg ist kein Staatsmann.

: Dar Urteil des Mitarbeiters des General- feldmarschalls. des Obersten Dauer.

In den Kriegserinnerungen, die der bekannte Oberst Bauer, einer der hervorragendsten Mitarbei­ter Hindenburgs und Ludendorffs, veröffentlicht hat und die von tiefer Verehrung für den greisen Feldmarschall erfüllt sind, gibt dieser Mann, der den Dingen und den Personen ganz nahe gestan­den hat, folgende Charakteristik Hinden­burgs:

Hindenburg war der Typ des schlichten, altpreuhi. schen Generals ... Er sah alles nur mit dem Auge des Soldaten. Politik und alles Nichtmilitä- risch« lag ihm fern, und er hielt es daher möglichst von sich ab. ober besser gesagt, er glaubte, sich davon fernhalten zu müssen. Er hatte sich den unlösbaren Zusammenhang von Politik und Kriegführung noch nicht zu eigen gemacht und legte sich die im Offizierkorps herrschende Glaubensformel „Der Offizier soll keine Politik treiben", dahin aus, daß er sich nicht um sie kümmern dürfe. . .

Aus diesem rein militärischen Denken und Empfinden folgte die Natur seines Verhältnisses zum Kaiser, das den Rahmen des persönlich durch Eid dem Obersten Kriegsherrn verpflichteten Offiziers nie verlieh ... In seinen Entschlüssen als Feldherr und Stratege stützte er sich ganz auf Ludendorff. Er besaß ausgesprochene Gabe, das Gute sofort herauszu- fühlen, zu erfassen, festzuhalten und zu vertreten. Ich habe ihn, so lange Ludendorff da war. in militari- scheu Fragen n i e schwanken sehen. Sn der letzten Zeit, wo es immer unermüdlichere Arbeit gab, fing sein Geist an zu ermüden. Es war ja auch für uns Jüngere übermenschlich.

Da er sich mit P o l i t i k n i e b e f a ß t hatte, so ist sie ihm ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Das war schlimm, denn es hielt sehr schwer, ihn zum energischen Handeln zu bewegen, obwohl dieses sehr nötig war."

Dabei muß man bedenken, daß Hindenburg bei Ausbruch des Krieges immerhin erst 67 Jahre zählte. Jetzt aber will man den fast 80jährigen Greis zwingen, das ihm völlig fremde Gebiet der Politik zu betreten.

Vernünftige Menschen, gleichviel in wel­chem Parteilager sie stehen, dürfen am 26. April Acht mitwirken, daß der greife General zu einer Aufgabe genötigt wird, die für ihn aber auch gar nicht in Frage kommt.

Cm naives 6lnsmnerr.

deutschnationale „Hallesche Zeitung" vrachte dr« Naivität auf, Marx zur Niederlegung fnSJLnbtbatur 3ur Reichspräsidentschaft aufzu- kJo m' Um 'du von dem „Odium" zu entlasten, Hindenburg in Konkurrenz gestan- den habe. . Das Blatt meint, „daß sich Herr Marx gegenwärtig in einem äußerst schweren Ge- wissenekonflikt befindet, den er in der Tat am besten losen würde, wenn er die ihm ange- KandwaNir aufgibt, die ihn und seine S?e wit dem Odium belasten muUe, km Kampf um den Verdientesten aller Deutschen gestanden zu haben"

Das könnte den Herrschaften so passen. Welcher Tohuwaboku dann aber entstehen würde und welche Folgen sich daraus ergeben, daran denken die ge» borenen Krisenmacher freilich nicht. Aber man M jerQbeau verzweifelten Mitteln

diese Leutchen Zuflucht nehmen zu müsien glauben, mn die immer mehr als einen Mißgriff sich bar* stellende Kandidatur Hindenburg plausibel zu machen.

Unfairer Kampf.

Der Wahlkampf der Rechtsparteien ist aufge» baut auf folgende Voraussetzung: Die Presse des Volksblocks wird Haltmachen vor der ehrwürdig, alten Gestalt unseres Kandidaten, sie wird den Mann schonen, der im Weltkrieg — mit Recht oder Unrecht, sei hier dahingestellt — jahrelang dem deuffchen Volke als Heros, als letzte Hoffnung in den Nöten der Zeit hingestellt worden ist. Mit dieser Voraussetzung geht die Presse der Rechtspar* teien krebsen in übelster Weise, unter dieser Vor­aussetzung verleumdet sie ohne Hem- m u n g, ohne jedes Bedenken den Kandidaten des Volksblocks und die Motive feiner Wähler.

"Das Zentrum sieht plötzlich die fetten Sine» niren in Gefahr, die man nach alter Zentrums» Überlieferung von dem Parteifreunde Marx er­wartete, sobald er auf den Schultern der deutschen Jakobiner das Rennen gemacht haben würde", hat am Karfreitag der deutschnationale „Tag" ge- lchneben, um anschließend den „parlamentarischen Geschäftemacher" Marx zu beschimpfen. Die „Na- ^nalpost", das Jntelligenzblatt der Berliner Deutschnationalen, hat sogar die Stirn, unseren ‘ti£at5 etnen »Ktaatsvolitiker mit, der unglücklichen

Hand" zu titulieren, ohne dabei zu bedenken, daß es doch wirklich leichter wäre, bei dem Man n, ber einen Weltkrieg verlor, von un» glückliche Hand zu reden als bei Marx, der in London einen entscheidenden Schritt in der Rich­tung tat, die zur Ueberwindung der Folgen des Weltkrieges führen muß. Wir lehnen es selbst­verständlich ab, trotz aller Provokationen, den Kandidaten der Rechtsparteien in derselben un­sachlichen und persönlich gehässigen Weise zu ver­unglimpfen, wie es von jener Seite mit dem Volkskandidaten Marx geschieht. Das, was wir tun müssen, ist immer wieder und immer in der­selben ruhigen Weise darauf hinzuweisen, daß das Amt des deutschen Reichspräsidenten einen Mann verlangt, der nicht nur einen Nimbus hat, sondern der auch fachliche und persönliche Quali­täten mitbringen muh, einen Mann, der P o l i» tiker ist von Jugend auf. Hindenburg selbst hat in seiner klaren, bescheidenen Selbsterkenntnis oft genug darauf hingewiesen, daß er für Art und Arbeit des Politikers kein Verständnis hat; es wird dem deutschen Volke nur nützlich fein, wenn es diese Selbsterkenntnis voll und ganz be­rücksichtigt und den alten Feldmarschall nicht auf einen Platz stellt, den er selbst nicht gewollt, son­dern den ihm eigennützige Freunde in tagelangen Ueberredungskünsten erst erstrebenswert gemacht haben.

Ein merkwürdiger Rechenfehler.

255 339 Stimmen zu viel für Jarres gezählt.

Das endgültige Ergebnis des ersten Wahl­ganges der Präsidentenwahl, das der Reichsanzei- ger in Nr. 84 veröffentlichte, weist für die Parteien des Volksblocks folgende Ziffern auf: Braun 7 802 496, Marx 3 887 7$4 und Hellpach 1 568 398.

Für den R e i ch s b l o ck : Jarres 10 416 655, Held 1 007 450, Ludendorff 285 793.

Der Gesamtziffer des Volksblocks mit 13 258 628 Stimmen steht die des R e i ch s b l o ck s mit 11709 898 Stimmen gegenüber. Der Vor­sprung des Volksblocks beträgt 1548 730 Stimmen. Das sind 271 993 Stimmen mehr als das vor­läufige amtliche Zählungsergebnis fesfftellte. Das Weniger für den Reichsblock fällt fast voll­ständig auf Jarres, bei dem das vorläufige Er­gebnis um 255339 zu hoch angegeben war, ein immerhin bedeutender Rechenfehler.

Gewählt haben im ersten Wahlgang 27 016 743 Wahlberechtigte. Nicht gewählt haben 12198 489 Wahlberechtigte. Die Partei der N i ch t w ä h l e r ist also die größte. Die Wahl­beteiligung betrug 68,9 Prozent.

Unfreiwillige Komik.

Die „Deuffche Allgemeine Zeitung", genannt D.A.Z., ein Organ der Firma Hugo Stinnes, ist in großer Sorge um das Schicksal der katholischen Kirche, das sie durch das Zentrum bedroht sieht. Um die Gefahren für die katholische Kirche, deren Wohl und Wehe dem Blatt der Firma Hugo Stinnes so furchtbar am Herzen liegt, zu beschwören, veröffentlicht sie eine Zuschrift folgenden Inhalts:

„Als Kundgebung gegen das Verhalten des Zen­trums bei der Reichspräsidentenwahl beabsichtige ich mit meiner Familie, Frau und zwei erwachsenen Söhnen, meinen Austritt a-us der katholischen Kirch« zu erklären. Obgleich das Zentrum bei jeder Gelegenheit zum Zwecke des Stimmenfanges als seinen obersten Grundsatz den Wiederaufbau auf religiöser und nationa­ler Grundlage angibt, übt es jetzt durch seinen Kuh­handel mit der Sozialdemokratie Verrat an der eigenen, sonst immer in den Vordergrund gestell­ten Religion. Da es mich freuen würde, wenn dieser Schritt Nachahmung findet, stelle ich anheim, von meiner Kundgebung, vorläufig ohne öffentliche Namensnennung, Gebrauch zu machen?

Den Verfasser dieser Kundgebung möchten wir kennen lernen, um uns in tiefer Verehrung vor seiner „Geistesgröße" zu beugen. Außerdem möch­ten wir ihm folgende Fragen vorlegen: Ist Marx deshalb ein anderer geworden, weil im zweiten Wahlgang auch Kirchenfeinde feine hervorragende politische Begabung anerkennen und ihn wäh­len? Sind nicht auf Seiten des Rechtsblocks, die Hindenburg wählen, gerade jene Ungläubigen und Gottesleugner, die durch ihre religionslosen Lehren auf den Kathedern deutscher Hochschulen zuerst den Materialismus und Unglauben gepredigt und diesen Unglauben nach und nach in die breiten Schichten unseres Volkes und weiter Arbeiterkreise

Nach dem Mord-Anschlag auf den König von Bulgarien scheint das politische Leben in Sofia und in dem ganzen Lande Bulgarien in lebhafteste Be­wegung geraten zu sein. In Sofia fand ein Dankgottesdienst statt, an den sich eine großartige Kundgebung schloß, wie sie die Haupfftadt noch nicht gesehen hat. Eine nach Tausenden zählende Menge aus allen Bevölkerungsschichten erwies dem König, der sich auf dem Balkon aufhielt, ihre Sympathie durch begeisterte Zurufe. Der Vorbei­marsch dauerte zwei Stunden. An der Spitze des Zuges befanden sich der Ministerpräsident, dis Mitglieder des Kabinetts und der Kammerpräsi­dent, die im Namen der Regierung und des ganzen Volkes ihrer Freude darüber Ausdruck gaben, daß der König dem furchtbaren Unglück entronnen fei. Auch die Garnifon erwies dem König ihre Hul­digungen.

In der Sobranie.

wtb Sofia, 16. April (Tel.) Bulgarische Id.- Ageniur. Die im verlauf der heutigen Sobranje- Sihung vorn Ministerpräsidenten gemachte Mittel- |

hineingetragen haben? Sind nicht auf Seiten Hin­denburgs die modernen völkischen Heiden und Wotansanbeter? Und ßubenborff, der feine Katholikenfeindlichkeit im Münchener Prozeß aller Welt verkündet hat, ist er nicht auf Seiten Hindenburgs? Und der Evangelische Bund, der von Haß und Hetze gegen alles Katholische lebt, für wen stimmt er?

Marx und der Marxismus.

Es ist nichts so dumm, es findet doch sein Pub­likum! Nach diesem altbewährten Motto verfährt der Vorstand des Deutschen Handwerker­bundes (einer Sonderorganisation des deutschen Handwerkes, nicht die allgemeine Vertreterorgani­sation), der soeben einen Aufruf erläßt, in dem es unter anderem heißt:

„In schwerster Zeit und tiefster Not erwartet das Handwerk schnellste ssiettunp. Die unserem Stande durch den Marxismus geschlagenen Wunden werden tödlich sein, wenn nicht baldige und durch» areifende Hilfe kommt. Wiederum droht die Gefahr, daß ein Vertreter der marxistischen Welt­anschauung die höchste Stelle im Reiche erringt. Hierdurch wäre unser Schicksal besiedelt •

Nun also soll Marx plötzlich ein $ e r t r e - ter der marxistischen Weltanschau­ung sein! Daß mit einem derartig hahnebüchenen Unsinn krebsen gegangen werden kann, ist ein Zei­chen für die niedrige Einschätzung des politischen Verstandes durch die Verfasier solcher Machwerke.

Die Schimpfkanonade der „Kreuzzeitung".

In Kreisen, die stolz darauf sind, adelig und untadelig in Gesinnung und Benehmen zu sein, wird vielfach die deutschnationale Berliner „K r e u z - Z e i t u ng" gehalten. Sie schrieb dieser Tage über Marx, dem in langjähriger Arbeit für das deutsche Volk, namentlich für feine kulturellen und seelischen Belange hochverdienten Staatsmann folgendes:

..Herr Marx, der Nutznießer des widerlichen Kuhhandels zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ist Reichskanzler gewesen und bat versagt, ist preußischer Ministerpräsident und hat sich blamiert. Er hat sich so blamiert, daß er eigentlich für immer abgetan sein sollte. Herr Marr hat sich wählen taffen, und hat die Wahl angenommen, hat ein Kabinett gebildet, und ist mit schönen Reden von Stetigkeit der Verwaltung vor Staatsrat und Landtag getreten, ohne auch nur eine Minute lang die Absicht.zu haben, das Amt ernsthaft zu führen. Größere Gewissenlosigkeit ist nicht denkbar! Er wußte genau, daß der Stemter- schacher mit der Sozialdemokratie Herrn Braun das preußische Staatsministerium zugefchanzt hat und ihm dafür der Reichspräsident zufallen soll. Herr Wilhelm Marx übertrifft alle republikanischen Parteiführer an innerer Unwahrhaftigkeit. Die Herren Braun und Marx gehören auf eine Platt« mit der Unterschrift: „Eine Hand wäscht die andere." Seitlich würden sich Sinnbilder der Heuchelef und Lüg« und oben rote Fahnen und Davidsstern gut ausnehmen: für das Kreuz aber wäre auf dem Doppelbild kein Platz. Wird Herr Marx, dem der preußische Staat, das preußische Volk nichts ist als brauchbares Schacherobjekt, wirklich Reichspräsident — man müßte am deutschen Dolke und der sittlichen Weltordnung verzweifeln."

Selbst der Reichste -bgeordnete v. Freytagh- Loringhoven, der seine radikal rechts eingestellten Ansichten in der rechtsradikalen „Deutschen Zei­tung" niederlegt, nennt am gleichen Tage Herrn

Iie Allheit des Reiches ist unser höchstes Ziel.

Fort mit den Parolen wie Bürgerblock oder Linksblock, die das Volk in zwei Hälften testen und in unüberbrückbaren Gegensatz zu dem Gedanken der Volksgemeinschaft stehen, die doch unser aller Ziel sein muß.

Wer sich noch Christ nennt, hat zu unserer Zeit die christliche Gesinnung in erster Linie auch durch ein Christentum der Tat zu beweisen. Die christliche Nächstenliebe soll im gesamten öffentlichen Leben, besonders auch im wirtschaftlichen und sozialen Leben betätigt werden. Wenn wir uns als christliche Staatsbürger im besten Sinne des Wortes bewähren, wenn wir in Selbstlosigkeit der Volksgemeinschaft unserem Staate dienen» dann \ werden w die Unentbehrlichkeit des gbriftentymsj

für die Gesundung und die Blüte der Staaten aus­führen, dann werden wir, soweit es nach unseren Kräften möglich fft, wahrhaft christliche Kultur schaffen.

Nicht für einzelne Klassen, sondern für das gesamte Volk in all seinen Teilen und Interessen wollen wir politisch tätig sein und handeln.

Nicht was uns trennt, wollen wir in den Vor» j bergrunb stellen, sondern was uns eint imb 1 stark macht, um wieder zu frühere Wohl st and und zur Blüte unseres Volkes und Staatswesen zu gelangen.

Reichskanzler Marx. .

lung von dem Anschlag gegen den König gab Mw laß zu einer allgemeinen Sympathie­kundgebung für die persondesKönigr, Nachdem der Anschlag bekannt geworden war, be­gaben sich die Chefs der auswärtigen Gesandtschaft ten zugleich in das königliche Palais, um dem König ihren Glückwunsch ausznsprechen. Einwoh­ner der Stadt ohne Unterschied der politischen Ueberzeugung haben sich in eine im Palais ausge­legte Liste eingetragen. Die Stadt ist beflaggt, die Geschäfte sind geschlossen. 3m Dom wurde in Anwesenheit einer großen Menschenmenge ein Dankgottesdienst abgehalten.

Ein neuer Mord.

Wti Paris, 16. April. (Sei.) Der Abgeordnete und Vorsitzende der demokratischen Bereinigung, General Gorgiesf ist wie das ,Petit Journal' aus Sofia meidet, gestern abend ermordet worden.

Marx einen ehrenwerten Mann und einen vater­landsliebenden Mann. Die „Kreuzzeitung" richtet gegen diesen ehrenwerten und vaterlandsliebenden Mann die obigen Beschimpfungen. Ist es denkbar, daß ein Katholik noch irgendwelche Beziehun- gen zu einem derartigen Blatt unterhalten kann, das Marx so zu verunreinigen versucht, Marx, des­sen Namen im ganzen katholischen Volk, nicht min­der beim einfachen Mann als bei Bischöfen und Kardinälen, das allergrößte Ansehen besitzt. Wer ihn schmäht, schmäht auch uns. Leute von Ehr­gefühl ziehen die Folgerungen.

painleve und Caillaux.

Painleve macht den Versuch, das neue fran- zösische Kabinett zu bilden. Neuerdings tauchen Meldungen auf, daß der bekannte Verständigungs­politiker Caillaux zur Mitarbeit in diesem Ka­binett gewonnen werden soll. Eine Drahtmeldung besagt:

wtb Paris, 16. April. (Tel.) Die „Ere Neuvelle" will wissen, daß Caillaux das ihm angeborene Portefeuille des Finanzmini st ers in einem Kabinett painleve angenommen habe und daß diesem Kabinett auch Vriand angeboren werde. Nach dem „Oeuvre" sollen dem Kabinett ferner angehören Senator De Monzie, der fetzige Minister Dalbiez, Senator Chaumet. der Abgeord­nete Prof. Cmile Borel, Senator Schrameck und der unabhängige Sozialist Laval. Spät in der Nacht habe man noch mitgeleilt, daß painleve fetzt das Kriegsministeriurn übernehmen werde. Aber alle diese Kombinationen seien noch nicht endgültig. 3edoch hoffe painleve schon bald dem Präsidenten der Republik die endgültige Liste seiner Mitarbeiter unterbreiten zu können.

Zochs Bericht.

wtb Paris, 16. April. (Tel.) Wie das Jour­nal mitteilt, ist der Bericht des M a t f d) a 11 •, Fach über die Entwaffnung Deutschlands dem Sekretariat der Dotschafterkonferenz übergebe» worden. Das Schriftstück, das 44 Seiten umfaßt, habe ausschließlich technischen Charakter, mit Aus­nahme einer einzigen Seite, die ein allgemeines Expose über die Frage enthalte. Die nächste Sitzung der Botschafterkonferenz fei noch nicht anberaumt worden.

Viehandelrvertrags-Verhandlungen

provisorische Regelungen. — Zollkrieg mit Pole»?

Nach den Dftertogen sind die mit den ver­schiedensten Regierungen geführten Handels­vertragsverhandlungen wieder aufgenommen wor­den. Es handelt sich dabei vor allen Dingen um Verhandlungen mit Frankreich, Italien, Belgien und Polen.

Der gegenwärtige Stand dieser Verhandlungen ist folgender: Mit Belgien sind wir bereits zu einer bindenden Abmachung gekommen, die nur noch einer zusätzlichen Formulierung bedarf. Das belgische Handelsabkommen stellt aber noch nichts Endgültiges, sondern nur ein Provisorium dar. Erst für den definitiven Handelsvertrag wird uns die allgemeine Meistbegünstigung zugesichert, das­selbe ist ja auch in dem mit Frankreich vorgesehe­nen Handelsabkommen ausgesprochen. Es war trotz aller Bemühungen der deutschen Regierung bis jetzt nicht möglich, schon in dem vorliegenden Abkommen eine Meistbegünstigung durchzusetzen, es ist aber erreicht worden, daß bereits in dem Pro­visorium die Zusicherung gemacht wird, daß in dem endgültigen Abkommen diese Meistbegünstigung auch wirklich zur Tat wird. Nur unter dieser Voraussetzung haben wir den betreffenden Ländern schon jetzt für bestimmte Erzeugnisse die Meistbe­günstigung zubilligen können.

Bezüglich der deutsch-italienischen Wirtschasts- beziehungen ist zu sagen, daß das Provisorium, das am 1. April abtief, zunächst bis auf weiteres er­neuert wurde. Aber auch dabei haben wir recht erhebliche Zugeständnisse hinsichtlich der Meistbe-s günftigung gemacht. Am schlechtesten stehen die, Verhandlungen mit Polen. Das bisherige Pro­visorium wurde nicht mehr verlängert und tmr' stehen wahrscheinlich vor einem Zollkrieg mit Polen, ' = ’ ' V - v