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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 87.

Verantwortlich iür die Schrntleitung: Dr- JobanneS Kramer. Anzeigen: 2-Varzeller, Fulda. Rotationsdruck und Verlag der Fuldarr S dkufcttdctei in Fulda. Fernsprecher Nr- 8.

Monatlicher Berugsdreis: 1.50 Mk.

Donnerstag, 16. April 1925.

Anzeigen-Preiic- Klein,eile (Colone!) lokal 0,15 Goldmart answirts 0,20 Soldmark: Reklamereile lokal 0,60 Soldmark auswärts 0,80 Goldmark. ::

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52 Zahrg.

W srlllMche Mimsterkrije und IeuWlanö.

Painleve als Kompromiß»Kanöioat ?

Bon einem außenpolitischen Mitarbeiter.

Durch den Sturz des Kabinetts Herriot »st international eine sehr ernste Tatsache geschossen. Es handelt sich nämlich nicht in erster Linie um eine innersranzösische Angelegenheit, was schon durch die Tatsache hinreichend gekennzeichnet wird, daß P o i n c a r e den letzten tödlichen Streich ge­gen das Kabinett Herriot führte.

Und nicht minder ins Gewicht für die Beurtei­lung dieser ganzen Sachlage fällt die Begrün­dung, die Pomcare für den Sturz Herriots ins Feld führte: daß Herriot eine zu schwächliche Haltung gegenüber Deutschland an den Tag gelegt habe, daß die schwierigen Finanz- rmd Währungsoerhältnisse Frankreichs auf die „Nichterfüllung Deutschlands" zurückzufuhren seien und daß Herriot es unterlassen habe, Deutschland zur Erfüllung zu zwingen.

Nun wissen wir, wie bie jetzigen Vorgänge sich zu der internationalen Politik verhalten. Selbst­verständlich hat man in der französischen Oeffent- Uchkeit selbst ein Interesie daran, die Hinter­gründe der ganzen Aktion im gegenwärtigen Augenblick nicht in die Erscheinung treten zu lassen. Umso mehr ist man aber in unterrichteten Kreisen innerhalb und außerhalb der Grenzen Frankreichs im Bilde.

Es liegt auf der Hand, daß auch ein Nachfolger Herriots die schwierige Finanzlage Frankreichs nicht ohne weiteres meistern Knute. In diesem Punkt allein kann also der ur- Wklliche Zusammenhang der Dinge garnicht er- bfittt werden. Das Ziel der französischen Nationali­sten geht viel weiter. Sie wollen die ganze Außenpolitik des Kabinetts Her- rto t« vernichtend treffen. Sie wollen einschwen­ken dr die Linie, die England nach dem Sturz der Arbeiterregierung Mac Donald eingeschlagen hat. Herriots politische Stellung war ja schon seit lan­gem erschüttert, schon seit dem Tage, an dem er sich stark genug fühlte, den Kampf gegen den Vati­kan aufzunehmen. Es hätte im Laufe der letzten Monate viel bessere und begründetere Anlässe ge­geben, um Herriot aus dem Feld zu schlagen, als das jetzt vom Standpunkt der inneren Politik Frankreichs der Fall ist. Auch daraus ergibt sich ^jon, daß es Motive der Außenpolitik sind, die hier mit hereinspielen. Und man macht auch gar keinen Hekfl daraus, daß die Vorgänge in Deutschland, insbesondere die Nominierung der Kandidatur Hindenburg für die Reichsprä­sidentschaft, die französischen Nationalisten der­artig m Sorge versetzt hat, daß sie einen Gegen- Mag zur „Sicherung" Frankreichs führen zu müßen glaubten. Und man kann andererseits auch wieder wahrnehmen, daß Herriot sich diesmal in feiner Abwehr außerordentlich zurückhaltend, ja man möchte schon sagen apathisch verhielt. Auch er konnte sich ja keine bessere Geste wünschen, als die, unter Hinweis auf Deutschland den Dienst zu quittieren. Es ist ja für uns olle klar, daß es nur Vorwände und Vortäuschungen sind, die für bfe Begründung der Schwenkung der Politik Frankreichs ins Feld geführt werden, aber wir ^anen nach Lage der Dinge nun einmal nicht «rran vorübergehen.

ncare und Briand, das sind die zwei Lf^Echkeiten, die in Frankreich um die Nach- ringen. Ausgeschlossen ist es freilich ma)r, oag trotz allem Herriot, der ja immerhin noch beachtliche parlamentarische Basis in ver Kammer sich Mtzen kann, mit neuen Voll- E^en ausgestattet, an die Spitze der französi­schen Regierung tritt. Dann freilich würde das rMimiMDgramm, gegen das auch die industriellen Kresse Frankreichs Sturm laufen, und das unter andrem auch «ne Zwangsanleihe nach deutschem Misster vorsieht, zweifellos zur Durchführung korn- men und m der äußeren Politik würde sich Her- rkot sicherlich mehr beeilen als bisher, um mit

Marx in Königsberg.

Marx erinnert an die verzweifelten Zustande im Inflasionsherbst 1923. — Sicherung der verstän- Kgungspolikik. — Dir haben genug Lehrgeld bezahlt.

Reichskanzler a. D. Marx, der Kandidat des vostsblocks, hat vor einer zahlreichen Hörersckaft m der Hauptstadt Ostpreußens, in Königsberg, 'am Merdienstag gesprochen. Er sagte u. a.: Bet Deutschlands geographischer Lage und insbesondere imch dem Verlust des Krieges muß die Außen- Elssik in allen unseren politischen Entschließungen a Vorrang haben. Dennoch handeln viele so, als brauchten wir uns um das Ausland sehr wenig zu kümmern. Wir sind in sehr wichtigen Beziehun­gen von der Einstellung ausländischer Mächte ab­hängig. Diese Abhängigkeit wurde durch den Ver­tust bes Krieges stark vergrößert und zum Teil erst oermsacht. Bei aller durch unser ureigenstes Jn- kereffe gebotenen Rücksicht auf das Ausland müssen Mr aber unsere nationale Ehre und Wurde wahren. Unsere nationale Ehre verlangt, »der nicht, daß wir eine M a ch t v o r t ä u s ch e n, wir n i ch t b e s i tz e n. Es ist töricht, mit gro- jen Worten, hinter denen keine Kraft steht, das rrgwöhnifche Ausland immer wieder mißtrauisch pi machen. Nichts ist falscher und schädlicher als M hohles Pathos und große Gesten. Unsere V a- iXF1 s I i c b e muß mit KlUgheit gepaart m unsere Außenpolitik nach wie

^auf Verständigung mit den früheren Gegnern ^ruytet fein. Ehrlicherweise sollten wir alle an­

Deutschland in eine Diskussion über die Regelung der außenpolitischen Fragen zu kommen. Wir hal­ten Poincare im gegenwärtigen Augenblick für viel zu klug, als daß er sich an die Spitze drängte. Man wird auch in Frankreich das Ergebnis des 26. April abwarten, aber dann auch rasch zu Ensschlie- ßungen kommen. Man wird deshalb auch voraus­sichtlich die Neubildung des Kabinetts garnicht vor dem Termin der Aprilwahlen in Deutschland vor­nehmen. Im übrigen finden in Frankreich am 4. Mai die Gemeindewahlen statt, bei denen zugleich auch ein Drittel der Senatssitze neu besetzt werden. Auch diese Ergebnisse werden abgewartet werden, und wenn das Kartell der Linken diese Wahlen mit E r s o lg bestreitet, wird die Wieder­berufung Herriots als fidrer angenommen werden können. Für dieses Ergebnis der französischen Ge­meindewahlen vom 4. Mai wird aber das Ergebnis der deutschen Präsidensschastswahlen vom 26. April wesentlich mitentscheidend werden.

Im übrigen liegen die Dinge auch in Frank­reich so, daß mitten in einem schweren Kamps ge­gen den Währungsniedergang große innere staats­politische Auseinandersetzungen kaum ftattfinben werden und ftattfinben können. Das dürfte auch mit ein Grund dafür fein, daß der Zeitpunkt für weitreichende Kurs- und Systemänderungen der gesamten politischen Linie nach innen und außen jetzt noch nicht gekommen ist.

*

Nach den letzten Meldungen hat Briand, den die Sozialisten im Kabinett nicht unterstützen wollen, auf die Kabinettsbildung verzichtet. Kammerpräsident P a i n l e v e wurde infolgedessen erneut ins Elysee berufen. Der Präsident der Re­publik ersuchte ihn, das Kabinett zu bilden. Pain- leve antwortet, er habe den Wunsch, dem Präsi­denten der Republik seinen tätigsten Beistand zur Lösung der Krise zu leisten. Er werde infolge­dessen sich mit seinen Freunden besprechen und am Mittwoch die Antwort überbringen, ob er die Ka­binettsbildung übernehme oder nicht.

painleve oder Senator Renouft.

wtb Paris, 15. April. (Id.) Kammerpräsi­dent Painleve erklärte gestern abend bdtn Verlas­sen des Elysees, er werde Henle vormittag gegen 11 Uhr, nachdem er sich mit seinen freunden be­raten habe, dem Präsidenten der Republik miffd- len, ob er die Kabinettsbildung übernehmen könne oder nicht.

Das „Echo de Paris" glaubt berichten zu kön­nen, daß Painleve in der Unterredung mit Senator Renault und herriot ersteren dazu zu bewegen versuchte, die Kabinettsbikduug zu über­nehmen. Painleve stehe aus dem Standpunkt, daß angesichts der Abstimmung im Senat der Nachfol­ger herriots dn Senator sein müsse, der der demo­kratischen Linken angehöre. Diese Bedingungen erfülle der ehemalige Justizminister und wenn er sich entschließe, werde he r r i o t in diesem Kabinett Minister des Aeußeren bleiben.

Vie belgische Kabinettskrise.

Havas berichtet: Die sozialistische Partei hat unter dem Vorsitze von Louis be Broncköre eine Sitzung abgehallen, in deren Verlauf zahlreiche Redner über die Sage in ihren Bezirken Bericht erstatteten, liebet die Frage bet Teilnahme der Sozilisten an bet Regierung ist lange diskutiert worden. Der Generalrat hat prinzipiell beschlossen, mit den anderen Parteien zu verhandeln, um die Oefsentlichkeit und ihre Mitwirkung, eine Regierung zu bilden, zu prüfen. Der Vorstand des General­rates ist beauftragt worden, den Tag des Zusammen­tritts des nächsten 'ozialistiichen Kongresses festzusetzen, । der wahrscheinlich am kommenden Sonntag ab-, I gehalten wird, um zur Sage Stellung zu nehmen.'

I erkennen, daß wir durch unsere Außenpolitik ein gutes Stück vorankamen. Zum Beweise dafür brauchen wir nur den gegenwärtigen Stand unserer Wirtschaftslage mit den geradezu ver­zweifelten Zuständen aus dem Infla- tionsherbst 1923 zu vergleichen. Es ist die ernsteste Pflicht aller, alles zu vermeiden, was die Festigkeit unserer Währung und das ruhige Fortschreiten unserer Wirtschaft zu stören in der Sage wäre. Unabsehbare Folgen könnte es für uns haben, wenn das wiebererwachte Vertrauen des Auslandes zur deutschen Politik und zur deutschen Wirtschaft erschüttert würde. Je schwächer die Stellung des Volkes ist, umsomehr müssen Klug- beit und kühler Verstand seine Politik lei­ten. Mit peinlicher Sorgfalt, müssen wir alles vermeiden, was dem wachsamen Ausland Anlaß ge­ben kann, zu glauben, daß wir nicht mehr eine -pofitif der Verständigung, sondern der Revanche fuhren wollen. Die Sicherung der Verständi­gungspolitik muß auch der Leitgedanke der Präsi­dentenwahl sein, wenn anders nicht großer Schad -n für das Gesamtwohl erwachsen soll.

In der Frage der Aufwertung hat der Staat die Verpflichtung, sowie es die finanzielle Lage des Staates irgendwie erlaubt und es ohne Gefährdung unserer Währungslage geschehen kann, ausgleichend zu wirken und die entstandenen Schäden zu beseitigen.

Dr. Marr schloß feine Darlegungen mit dem Wunsche, daß die Entscheidung der Reichspräsiden­tenwahl so fallen möge, daß sie die F o r t s e tz u n g der bisherigen bewährten Außenpolitik der Ver- ftänbigung und die Befriedung der Welt verbürgt.

Ein Attentat aus den König non Bulgarien.

Zwei Begleiter des Königs sind tot. — Die bolschewistischen Strömungen in den Valkanlandern.

Wtb Sofia, 15. April. (Tel.) Als der König heute im Auto auf der Straße Orchania-Sofia fuhr, wurden aus dem Hinterhalt von einer Bande, die der agrar-kommunistischen Einheits­front angehört, Schüsse auf den könig­lichen Wagen abgefeuert. Der Leibjäger und ein junger Naturforscher wurden gelötet, der Lhaufseur verwundet. Der König selbst blieb unverletzt und kehrte nach Sofia zurück. Man ist überzeugt, daß die Angreifer keine Kennt­nis davon hatten, daß sich der König im Auto be­fand. Line Truppenabteilung ist sofort zur Ver­folgung der Bande abgesandt worden.

*

König Boris in. von Bulgarien bestieg am 3. Oktober 1918 den Thron, nachdem sein Vater, König Ferdinand, der im Weltkrieg auf feiten der Mittelmächte gekämpft und bann tm September 1918 mit der Entente den Waffenstillstand in Sa­loniki abgeschlossen hatte, zugunsten seines Sohnes auf den Thron verzichtet hatte.

Bulgarien wurden bekanntlich durch den Frieden ähnliche harte Bedingungen auferlegt wie Deutsch­land und Oesterreich. Neben größeren Landabtre­tungen an Südslawien und Griechenland mußte es eine Kriegsentschädigung von 2% Milliarden Goldfranken zahlen, zu deren Beitreibung die Steuern und Einkünfte der Kontrolle der Entente ausliefen, ferner sich zu Sjcihriger Kohlenlieferung

von je 50 000 Tonnen und zu Diehlieferungen an Südslawien verpflichten.

In den letzten Wochen hatte die bulgarische Re­gierung gegen die bolschewistischen Um­triebe im Lande schwer zu kämpfen. Verschie­dentlich wurde von einer Rückkehr des Zaren Ferdinand gesprochen, der große Sehnsucht, haben soll, sich nach Barna zu begeben, wo er ein Schloß am Schwarzen Meer besitzt. Das Verhält­nis zwischen Bulgarien und Rumänien ist jetzt enger geworden, da die rumänische Regierung auch ein großes Interesse an der erfolgreichen Be­kämpfung des Bolschewismus hat. Um die Be­ziehungen der beiden Länder enger zu gestalten, scheint eine Heirat des Zaren Boris mit der rumä­nischen Prinzessin Helena geplant zu sein. Zar Ferdinand, der ein naher Verwandter des Königs von Rumänien ist, soll diesen Plan lebhaft fördern,

(Eine Mahnung Amerikas an Rumänien.

Reuter meldet aus Washingion: Der amerika­nische Gesandte in Bukarest bat der rumänischer Negierung eine amtliche Mitteilung über­reicht, in der darauf aufmerksam gemacht wird, daß Rumänien zwar mit anderen Nationen Verhand­lungen geführt habe, um die. Schulden zurückzu­zahlen, jedoch bisher keinerleiSchrittezwecks RückzahlungseinerSchuldenan Amerika unternommen habe.

Sem gilt der Kimps?

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Die Aussichtslosigkeit der Rechtsparteien, ihren Kandidaten Hindenburg als Reichspräsidenten wählen zu lassen, veranlaßt die Presse des Reichs­blocks zu einem Ton und zu Geschmacklosigkeiten, die jedem anständigen Menschen in tiefster Seele zuwider sein müßten. Man versucht krampfhaft, die Herzen durch Sentimentalitäten zu rühren zu dem Zwecke, darüber hinweg zu täuschen, um was es eigentlich am 26. April geht. Man weiß genau: Geht die Schlacht am 26. April zu ungunften des Reichsblocks und seines Kandidaten Hindenburg aus, dann sind die Träume der Obrig­keitsstaatspolitiker nicht nur für 7 Jahre in Deutsch­land ausgeträumt, fonbern für alle Zeiten. Des­halb werden in diesem Kampfe gegen den Dolks- block und feinen Kandidaten Marx alle verfüg­baren Register gezogen mit einer Hemmungslosig­keit und Skrupellosigkeit, die ihresgleichen in der Geschichte sucht. Wenn sich beispielsweise im „Ber­liner Lokalanzeiger" im Leitartikel eine Karfrei­tagsbetrachtung findet, die aus naheliegenden Gründen jene Szene behandelt, da die Juden von Pilatus nicht Christus, sondern den Barabas frei­haben wollten, den Mörder statt des unschuldigen Menschen, und wenn dann aus diesem Artikel so einige naheliegende Anspiegelungen auf den jetzigen Wahlkampf gemacht werden — also etwa Christus— Barabas, Hindenburg—Marx, — bann weiß man allerdings nicht mehr, was man dazu sagen soll.

Bei uns ist die Kampffront klar. Der Kampf aller anständig gesinnten Menschen geht nicht gegen den greifen Feldmarschall von Hindenburg, son­dern er geht gegen bie Volksverführer, die ihn zu ihren politischen Zwecken mißbrauchen wollen.

Wem es daher Emst ist mit einer wahrhaft na­tionalen Gesinnung, der drückt diese am besten da­durch aus, daß er den greifen Feldmar­sch a l l Hindenburg davor bewahrt, in die ihm nach feinem wiederholten eigenen Geständ­nis gänzlich fernliegende politische Arena zu stei­gen, indem er ihn nicht wählt. Das erfordert einfach das echte Nationalgefühl eines guten Deutschen.

Es kann nie genug darauf hingewiefen werden, wie blamabel es für die sogenannten Parteien des Reichsblocks ist, anstatt eines Politikers einen M i- l i t ä r herauszustellen; und das, trotzdem seit sieben Jahren das Geschrei in der Rechtspresse jedem Deutschen in die Ohren tönt, daß bei ihnen die wahren und geborenen Führerdes deut­schen Volkes sitzen! Wie kann man dann zu einem derartig kläglichen Ergebnis kommen. Wenn sie sonst gar keinen mehr gewußt hätten, wie roärs mit dem Professor Dr. Martin Spahn ge­wesen, der die schönen Bücher über die deutsche Politik, wie sie nach Prosessoren-Weise gemacht werden muß, geschrieben hat.

Weniger verständlich als bei den ausgesproche­nen nationalistischen Parteien ist uns das klägliche Verhalten der Deutschen Volkspartei. Herr S t re- sema n n hat das Wort von der „Nationalen Real­politik geprägt. Die Politik, zu der er sich mit dem Eintreten für die Kandidatur Hindenburg mißbrauchen läßt, ist weder national, noch real. Unb es ist ja bekannt, daß der größte Teil der in der Deutschen Volkspartei zusammengefaßten Wirt- ■' aftspertreter für bie Kandibatur Hinbenburg ab«

■' <• ■ n Verständnis aufbringt. Daran z.-.-essest h wohl Herr ©trefemann selbst nicht, daß er : ine bisherige Außenpolitik, wie sie in den letzten Angeboten gegenüber den Alliierten zum Aus­druck lammt, vollkommen desavouiert, wenn es ihm mit der Kandidatur Hindenburg ernst ge­meint ist.

Der Kamps, ob wir allmählich wieder den alten Obrigfeitsftaai mit seinen Privilegien, feinem Drei­klassenwahlrecht, wiederbekommen sollen ober ob mir den in Weimar geschaffenen Volksstaat weiter eveb-'uen sollen in ruhiger Entwicklung im Innern unb in einer Verstänbiauna narb außen, muß jetzt

ausgefochten werben. Es scheint nicht, als wenn die Mehrzahl der Deutschen darnach verlangte, den fürchterlichen Wunden, die der letzte Krieg Deutsch­land unb Europa geschlagen hat, in Kürze neue hinzuzufügen. Es scheint nicht, als wenn bie Müt­ter Deutschlands von neuem Lust verspürten, ihre Söhne in Hekatomben auf den Schlachtfeldern zu opfern. Zu tief sitzt noch der Schmerz über die bisher erlittenen Verluste. Es scheint nicht, als wenn bie Mehrzahl unseres Volkes barnach dürstete, die sozialen Gegensätze, bie unser Volk schon tief genug zerwühlen, noch weiter zu vergrößern. Wenn wir auch Hindenburg für einen Mann halten, der zweifellos persönlich bie besten Absichten hat, so wissen wir boch, baß seine Politik als Reichs­präsident nicht von ihm gemacht wird, sondern von jenen, denen wir schwerste Volksnot zu verdanken haben. Hindenburg wird ein willenloses Werkzeug in der Hand nationalistischer Hetzapostel fein. Und darum gilt unser Kampf nicht ihm, sondern denen, bie hinter ihm stehen unb bie ihn mißbrauchen wollen für ihre verderblichen Zwecke.

Südbayern für Marx.

Der in Südbayern stark vertretene Bayerische Bauern- und Mittelstandsbund empfiehlt den An­hängern des Bundes, am 26. April ihreStimme für Marx abzugeben, ohne damst auf sie einen Gewissenszwang ausüben zu wollen. Dadurch wirb bie Lage der Bayerischen Volkspartei, die an sich heikel genug ist, jedenfalls nicht erleich­tert. Die Wähler dieser Partei, die Jarres wesent­lich aus katholischen Gesichtspunkten ablehnten, und die mit dem Zentrum auf dem Boden der gleichen Weltanschauung steht, stellenweise sogar dem Z c n- trum vorwirft, den kath. Gedanken in der Politik nicht stark und rein genug zu vertreten, fragen sich natürlich, warum sie Marx nicht wählen sollen«, den verdienten Vorkämpfer christlicher und katholischer Kulturinteressen — wäh­rend boch sogar ber Bauernbund für ihn eintritt. Es müssen sich übrigens auch diejenigen betroffen fühlen, bie — inner» unb außerhalb Bayerns — bie bäuerlichen Kreise gegen Marx einzunehmen such- ten. Es sind biefelben Kreise, bie in Bayern zeit­weise stark mit bem Gebanken einer Vereinigung mit bem Bauernbunb gespielt haben. Heute haben sie bie Bayerische Volkspartei an bie Seite von Völkischen, Preußisch-Konservativen und Nationalliberalen gebrängt, während der Bauernbund an der Seite des Zentrums für Marx eintritt.

Die Spekulation auf die Rller- dümmsten.

Jrn Lande gehen Leute herum (meist sind es eingebildete Gesellen, bie auf den gefunden Menschenverstand des einfachen Mannes mit Ver­achtung herabsehen und der „blöden Masse" alles bieten zu können glauben), die behaupten jetzt: „Der sozialdemokratischen Zusage für bie Kandidatur Marx zuliebe hat das Zentrum sich in schul- und kulturpolitischen Fra­gen bem sozialbemokratischen Pro­gramm unterworfen." Wir wissen zwar, baß schon gar mancher Streber seine inneren Uebergeugungen um ber Erlangung eines Aentt- chens willen preisgegeben hat. Aber baß die be­währten Führer ber im Kampfe für die christliche Weltanschauung erprobten Zentrumspartei ein Iota ihrer schul- und kulturpolitischen Forderungen um irgend eines Vorteils willen preisgeben würden, das kann man nur den allerdümmsten Zeit­genossen klar machen. Wir empfehlen unseren Parteifreunden, falls jemand, wer immer es sei, mit solchen Anwürfen gegen bas Zentrum heroor- tritt, bas gerade so aufzufassen, als sagte ihm ber Betrefsenbe ins Gesicht: Du bist ber größte Esel! Die Antwort kann so eingerichtet werden, daß sie für beide Fälle paßt.