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Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.

Nr. 76.

BerantwortUct, ür ü.e SSriitleliuu«: Dr> 3»banne! Sramei. Anzeigen: I. B arretier, Sulba. Rotauonevruck und «erlag der Fuldaer ¥ ei rrtri ?«iei '« r-elto. OkrrtvreLer St. 8.

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Mittwoch, l. April I925.

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52. Zahrg.

Reichspräsidentenwahl und Preuhenkabinett.

Für das Ergebnis der Wahl ist folgendes be« Merkenswert: Während der durchschnittliche Stimmenrückgang etwa 10 Prozent betrug, beträgt dieser Rückgang beim Zentrum nur 2 Prozent und bei den Sozialdemokraten % Prozent. Die Rechtsparteien einschließlich der Ludendorsfpartei haben im Vergleich zum 7. Dez. 600 000 Stimmen verloren. Von den Mittelpar­teien haben allerdings die Demokraten schlecht adge- schnitten. ......

Am deutlichsten wird die Stimmenverschiebung bei Betrachtung der p r o z e n t u a l e n B e t e i l i- g u ri g der einzelnen Parteien. Die So­zialdemokraten erhielten bei der letzten Reichstags­wahl 26 Prozent aller abgegebenen Stimmen, jetzt 29 Prozent. Die Bayerische Volkspartei er­reichte am 7. Dezember 4,6 Prozent, diesmal nur 3,7 Prozent. Die Demokraten vereinigten bei der letzten Wahl 6,3 Prozent auf sich, diesmal 5, 8 Prz. Die Jarresparteien einschließlich der Mannen des Herrn Ludendorfs erreichten am 7. Dezember 42,4 Prozent. Sie gingen auf 39,8 Prozent zurück. Die prozentuale Beteiligung des Zentrums dagegen st i eG von 13,6 auf 14,5 Prozent, die der Kommu­nisten sank von 9 aus 7 Prozent.

Ms Gesamtergebnis ist festzustellen, daß den 10,8 Millionen des Reichsblocks, der als eine Ein­heit auftrat, 13,4 Millionen Stimmen der Parteien der Weimarer Koalition gegenüberstchen. Das sind also 2,6 Millionen Stimmen mehr.

Die Zentrumspartei darf mit dem von Marx erzielten Ergebnis umso zufriedener sein, als ihre Agitation sich in sehr bescheidenen Grenzen ge­halten hat. Sehr bemerkenswert und aufschlußreich ist der Umstand, daß das Zentrum gerade in den Diasporagebieten eine erhebliche Stimmenzunahme zu verzeichnen hat. In Groß-Berlin hat sie z. B. gegenüber dem 7. Dezbr. 20 000 Stimmen gewonnen, in Dres­den über 2000, inLeipzig ebenfalls über 2000. Ferner ist Stimmenzuwachs in Hamburg, Chemnitz, Hannover und Schleswig-Holstein zu verzeichnen. Die für Held in den norddeut­schen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen dürfen als ein Beweis dafür angesehen werden, daß ein Be­dürfnis der Zentrumswähler nach einer anders orientierten Politik und Führung in die­sen Wahlziffern nicht zum Ausdruck kommt.

Der zweite wahlgang.

Die Verhandlungen der Weimarer Koalilions- Parleien.

Wenn die Weimarer Koalitionspar- feien einen Sammelkandidaten aufge­stellt hätten, würde er im ersten Wahlgang über den Sammelkandidaten der Rechten den Sieg da- vongetragen^ haben. Jarres hat es nur auf 10,5 Millionen Stimmen gebracht, denen 13,5 Millio­nen Stimmen der Weimarer Koalition gegenüber stehen. Die, Stimmen für Held, Ludendvrff und Thälmann sind zu wenig zahlreich, um das Er­gebnis zu beeinflussen.

Die Führer der Parteien sind dahin üoerein- gekommen, sich über die weitere Behandlung der Wahlfrage noch im Laufe dieser Woche zu verständigen. Das gilt insbesondere für die Füh­rer der Mittelparteien bezw. der Frage einer Ein- heitstandidatur. Die neuen Wahlvorschläge für die Wahl am 26. April müssen am 1 6. A v r i 1 ein» gereicht sein. Die Parteien wollen aber bis spätestens Gründonnerstag die Formalitäten er­ledigt haben.

Es setzen nunmehr Verhandlungen ein zwischen dem Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten wegen einer Sammelkandidatur für den zweiten Wahlgang. Das Zentrum empfindet die hohe Wahlziffer trotz der verringerten Wahlbeteiligung als ein glänzendes Vertrauensvotum nicht mir für die Partei, sondern auch für Marx, das um so mehr einzuschätzen ist, nachdem die vereinig­ten Rechtsparteien mit d e n K o m m u n i st e n in letzter Zeit in Preußen eine unerhörte Sabo­tage p o l i t i k getrieben haben, um Marx als Kandidaten für die Reichspräsidentschaft unmöglich zu machen. Nicht nur im Zentrum, sondern auch in oen Mittelparteien wird daher dieses Ergebnis als eine glänzende Genugtuung für Marx empfun­den. Darüber sind sich auch die Sozialdemokraten Aar, daß bie Führung in dem jetzt entscheidenden Gang nicht bei ihrer Partei, sondern bei der bür­gerlichen Mitte liegen muß, und dafür kampü nur das Zentrum und nur Marr in Frage. Die Mittelparteien können auf einen starken Zu­strom von -Wählermassen, die jetzt noch der Urne fernqeblieben waren, rechnen, während der Reichs­block .^in Aufgebot schon vollständig vollzogen hat und im höchsten Fall noch auf ein paar tausend stimmen von der L u d e n d o r f f g r u v p e rech­ten konnte. Selbit wenn die Kommunisten sich den grotesken Swerz erlauben dürften, was in ihren Reihen ernsthaft übrigens erörtert wird, ihre s t im m e n dem R e i ch s b l o ck zuzuführen, um nur der Sozialdemokratie einen Schabernak zu kvielen, würde kaum das Ergebnis ein anderes sim können, wenn es gelingt, die Mittelpart-'ien ein- ^estlich auf dem Boden einer Sammelköndidatur Zu vereinen. Daß das n i ch t l e i ch t ist, liegt auf »er Hand. Aber man muß sich auch cor Augen Wlten. daß die kommende Entscheidung weit üb"r M Persönlichkeitsfrage hinau«aeht. daß von ihr kuchi die Deordnung bezw. die Rückführung in letz- Kftt unheilvoll sich entwickelnder politischer V-si- «aktnifle auf dem Boden der Sachlichkeit, der Ge- .^chtigkeit unb der volksgenu-inschaftlichen Arbeit rbhängt. Das gilt nickt nur für die politische Si-

sondern auch für die im Reiche,

nud es gilt nicht nur für die Mittelpareien, son­dern auch für die Deutsche Volkspartei, die jetzt wohl erkennen mußte, daß ihr Bündnis mit den Deutschnationalen der tatsächlichen Situa­tion im Lande keineswegs entspricht. Jetzt werden diejenigen Kräfte innerhalb der Deutschen Volks­partei wieder an Stoßkraft gewinnen, die sich auf den Boden der bestehenden Staatsordnung stellen wollen und es ablehnen, in die Gefolgschaft der le­diglich eine einseitige Herrschaft erstrebenden Rich­tung bei den Deutschnationalen sich zu begeben.

Die Scheidung der Geister.

Von einem Berliner Mitarbeiter wird uns ge­schrieben:

Das jetzige Wahlergebnis ist, wenn man seine politische Auswirkung überprüft, nicht für sich al­lein zu betrachten, fondern man muß die Ergeb- nissei der vorausgegangenen Reichs­tagswahlen und zwar der vom 4. Mai und vom 7. Dezember 1924 mit dazu heranziehen.

Dabei ergibt sich folgendes: Mehr und mehr sind weitere Kreise entradikalisiert worden. Sowohl der Rechts- wie der Linksradikalismus wurden von diesem Entwicklungsprozeß betroffen. Das charakteristische Moment der gegenwärtigen Wahl ist ja vor allem auch die weitere Bresche, die in die Reihen der Kommunisten geschlagen worden ist, andererseits die nach den schweren Enttäuschun­gen der letzten Zeit frellich erklärliche Abkehr gro­ßer Wählermassen vom Rechtsradikalismus. Ganz besonders kraß tritt das in die Erscheinung durch den, trotz aller Erwartungen, geradezu kläglichen Zujammenbruch der Völkischen und der Hitlerrich- tuug. Daß Ludendorff sich dafür hergeben konnte, um schwarz auf weiß festgeftellt zu sehen, wie seine Anhängerschaft zu einem kleinen Fähn­lein zusammengeschmolzen ist, uberraicht freilich nur noch diejenigen, die sich übe,, die politisch un­heilvolle Rolle des Generals, auch schon während des Krieges, bis heute noch nicht im klaren find. Die sch die Zeiten ändern, ist deutlich zu erken­nen ,n einer Bemerkung, die der deutschnationale .Tag" zu dieser Frage macht. Es heißt da

Und eine erstaunliche politische Reife hat da» Volk gezeigt, als es einen großen General, der sich zu seinem und Deutschlands Unheil in die Politik hat hineinüberreden lassen, al- Präsidentschafts­kandidaten einfach nicht angenommen hat.Was das ein- zig Erfreuliche an der so unerfreulichen Kandidatur Ludendorsf ist."

Wir wollen aber aus besonderen Gründen nicht hoffen,, daß das Urteil in deutschnationalen Kreisen über politische Generäle sich dem deslag* über Ludendorff allgemein anschließt.

Nun aber müssen sich die Geister wirklich schei­den. Nicht mehr Parteierwägungen, nicht mehr das Bestreben, die Anhänger der eigenen Partei zu zählen, darf jetzt vorherrschend fein, nun kommt einzig und allein das große Ziel in Frage, das Ziel der Zusammenfassung der verfassungstreuen, aufbauenden, nationalen, christlichen und sozialen Kräfte unter Führung einer Persönlichkeit, die in sich selbst und durch ihre bisherige Betätigung die absolute Gewähr dafür gibt, daß Reich und Volk einer ruhigen, geordneten und friedlichen Arbeit für Gegenwart und Zukunft sich hingeben können.

Die Jarrvs-Parteien haben ihr Pulver bereits verschossen. Einen Zuwachs können sie nur noch von der Ludendorffgruppe erwarten, obwohl es fraglich ist, daß das geschieht. Die Kandidatur Jarres soll ja, wie erneut vom Reichsblock ver­sichert wird,unter allen Umständen* für die zweite Wasil aufrecht erhalten werden. Aber auck hier­für ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Jarres hat im ganzen Rheinland aus den bekann­ten Gründen eine größere Werbearbeit nicht er­zielen können. Dagegen ist ausfallend stark das Stimmenergebnis in Ostpreußen, Mecklen- burg und Pommern. Hier sieht man ganz deutlich die Einwirkung der konfessionellen, gerade vom evangelischen Bund vorgeschobenen Momente. Diese Tatsache wird nicht gerade freund­lich betrachtet von denjenigen Kreisen innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei, die immer noch glaubt, mit einer Kandidatur des Rheinländers und Katholiken Wallraf, des verunglückten Reichs­tagspräsidenten, auf Payern und auf das Rhein­land gegen eine Eventualkandidatur Marx wir­ken zu können.

Nun wird alles darauf ankommen, ob die Der- faffungspcrteien sich rasch und einheitlich auf eine Kandidatur einigen können, die in der Lage ist, der Kandidatur des Großagariertums und der Schwer­industrie ein Gegengewicht zu bieten. Zahlen­mäßig ist das Uebergewicht ganz entschieden bei der Gruvpe dieser Parteien.

Die Sammelkandidatur der Parteien der Mitte ist die jetzige logische Folgerung aus dem Wahlergebnis.

5m ganzen zeigt aber das jetzige Wahlergebnis, daß der politiscke Genesungsprozeß des deutschen Volkes fortschreitet. Verglichen mit den Parteiverbältnissen vom 4. Mai und auch nock vom 7. Dezember 1924 bat die Beruhigung im politischen Leben zweifellos sich weiter durchgesetzt. Das Volk ist des politischen Exverimentierens müde, es w'll vor allen Dingen auch einen klaren politischen Weg sehen.

Darum ift die jetzige Wahl so außerordentlich wichtig für so viele, noch ungelöste innerpolitische Streitfragen. Unter i hnen ist namentlich das preußische Regierungsproblem das vordringlichste, aber auch die Fragen der Reichs­politik werden, nachdem die Parteien ihre. Ast-

Hänger wieder einmal gemustert haben, eine starke Anregung erfahren.

Die Scheidung der Geister ist auf dem Marsch. Zwei große. Gruppen, nach der.Parteiseite hin ge­sehen, bilden sich heraus. Einmal die Gruppe der­jenigen, deren Pekenntnis zum heutigen Staat nur ein Lippenbekenntnis ist, die aber im Grunde ihre Vorherrschaft von ehedem wieder neu errichten wollen, die also die politische und soziale Macht an« streben. Es sind dieselben Elemente, die es nach des Hofpredigers D ö h r i n g berüchtigter Aeuße- runggnöbigft dulden" wollen, daß Katholiken überhaupt noch in Deutschland wohnen! Dieser Gruppe steht gegenüber jene, die auf dem Boden der jetzigen Staatsordnung und im Rahmen der gegenwärtigen Verhältnisse für Volk und Vater­land arbeiten wollen, selbstverständlich sich nicht verschließenden großen Erinnerungen einer ver­gangenen Zeit und ebenso wenig sich verschließend gegenüber dem, was die neuen Verhältnisse be­dingen.

Der zwefte Wahlgang muß den Sieg der Wahrheit, der Freiheit unb der Gerech­tigkeit bringen. >1<U,

Die Lage in Preußen.

Der Zusammentritt des Landtags Die Wahl des Ministerpräsidenten. Schlußfolgerungen aus der Neichspräjidentenwahl. Landtags-Auslösung?

Von besonderer Bedeutung ist die Feststellung des Wahlresultats für Preußen. Die samt, lieben preußischen Wahlkreise mit Einschluß von Weser-Ems, zu dem außerpreußische Gebietsteile ge­hören und mit Ausschluß des Wahlkreises Thüringen, der preußische Gebietsteile umfaßt, zeigen folgendes Ergebnis:

Sozialdemokraten.". . ... . 5063000 Zentrum........... 3074000

Demokraten ....... . . 918000

9055000

Rechtsblock . 6644000

Bayerische Volk-Partei.'. . . . 112000 Ludendorff........ . . 14'000

6896000

Kommunisten. . . , V. . . . 1200000

Wenn also gleichzeitig für den preußische Landtag gewählt worden wäre, so Höften die jetzigen RegierungSpcuteikn, Demokraten, Zentrum und Sozialdemokraten, eine überlegene absolute Majorität erlangt.

Zn der DienStag-Sitzung des preußischen Land- tags, auf deren Tagesordnung die Wahl deS Mini- steiPräsidenten steht, bemerkt dasBerl. Tageblatt", daß nack dem Erfolg der drei repliblikanischen Par­teien in Preußen bei dem ersten Wahlgang der Reichs- Präsidentenwahl weniger denn je ein Grund dafür voihanden sei, von der bisherigen Regiernngskoalition abzugehen und ein Beamtenkabinett zu bilden. Das Blatt glaubt, daß die sofortige Auflö sung des Landtags und die Ausschreibung von Neuwahlen für den 26. April, dem Tage des zweiten Präsident» schastsivahlganges, die Folge des Wahlresultates sein werde.

Der totkranke Zrench.

wtb London, 31. März. (lei) Nach dem gestern abend ausgegebenen Krankheitsbericht gibt das Befinden des Earl of Ipern (Marschall French) zu Besorgnissen Anlaß.

w ---------

von Öen Hochschulen.

Wien. DasProsessorenkollegium der katholisch, theotogrschen Fakultät hat beschlossen, den ehe» maligen Bundeskanzler Seipel zu ersuchen, vom nächsten Winter an seine Lehrtätigkeit an der Universität wieder aulzunehmen. Bon diesem Zeitpunkte an soll die Verlängerung des theologtschen Studiums um zwei Semester durchgeführt werden und dabei dieS ogiologie mit Seipel als dem derzeit geeignetsten Vortragenden zu einem eigenen Lehrgegenstand zu Theologen auSge- ftaltet werden.

«acholische Welt.

---- Die Heiligsprechung des seligen Petrus Canisius. Aus Rom wird gemeldet: Gelegentlich der Vorle­sung des vorbereitendcn Dekrets für die Heiligsprechung des d e u ts ch e n Iesuitenpaters Petrus Canisius hielt der Pap st eine Ansprache, in der er die Verdienste des Seligen feierte. Das Beispiel des seligen Canisius, sagte der Pupst, sei gerade im gegen­wärtigen Augenblick sehr wertvoll, wo infolge des Krte. ges eine derartig tiefe Trrennung der Geister eingctreten sei und aus übertriebene Feindschaft über- triebener Nationalismus folgte.

Kurland.

* Plalinfunde in Transvaal. Wie Londoner Blät­ter berichten, sind in der Nähe von Lydenburg In Transvaal größere Mengen von Platin gefunden wor­den, die in der dortigen Bevölkerung einen Platintaumel bervorgerufen haben. Eine Reihe von Gesellschaften sind bereits gegründet worden, die die Hebung de» weißen Goldes" im großen betreiben wollen. Platin kam bisher in größeren Mengen nur im russischen llrat- gebiet vor (Förderung vor dem Kriege etwa 300 000 Un­ten, neuerding- nur etwa den zehnten Teil und kn Kolumbien (Förderung etwa 40 000 Unzeni. Eine Stei­gerung der Platinausbeute wäre für Wissenschaft und Technik von größter Bedeutung.

herciot und öer Sicherhritrpadt.

Die Bedenken Frankreichs.

E Paris, 31. März. (leL) Wie derMa­lin" mikkeilk, hat Ministerpräsident Herriot gestern der Delegation des Sammer-Ausschusses für Aus­wärtige Angelegenheiten Mitteilung über den ab- zufchließenden Sicherheitspakt gemacht» au« dem sich ergibt, daß die französische Regierung dev Wunsch geäußert hat, daß Holland als Herr der Loches von Limburg in ihm auftreten soll. Zwe' weitere Punkte halten die besondere Aufmerksam- leit der französischen Regierung in Anspruch ange­nommen. Zuerst die Tatsache, daß Deutschland sich implicite eine Art Freiheit der Bewegung für die Revision seiner Ostgrenze Vorbehalten, indem cs einfach die Eventualitäten von Schieds­gerichten mit Polen und der Tschechoslowakei vor­schlage, ferner ein Argument, das den Weg zur Angliederung Oesiereichs Vorbehalte.

Herriot habe der Delegation eine Mitteilung der britischen Regierung unterbreitet, die gewisse Un­sicherheiten aufkläre und Polen (Garantien geben könne. Der Ministerpräsident habe erklärt, daß er seht eine Antwort vorbereiie und daß es ihm er­scheine, der deutschen Regierung ohne Zeitverlust Antwort zu geben. Er habe auch bestätigt, daß dies die Meinung Englands sei, daß man keinen Sicherheitspakt mit Deutschland vor seinem Eintritt in den Völkerbund schließen solle, was jedoch nicht verhindere, den Meinungs­austausch fortzusehen. Wahrscheinlich werde man auch der Ausdehnung des Sicherheitspakles auf andere Rationen unter der Form von Schledsge- richtsverträgen zustimmen, aber nach einer Rich­tung fei die englische Absicht formell, nämlich daß Großbritannien seine Militärgaran­tie nur für die Rheingrenze anbicle. Schließlich habe herriot gesagt, daß Deutschland weder die Vorschläge seines Memorandums, rekti. filiert noch inhaltlich abgeändert habe.

Italiens Furcht vor Neid.

Die italienische Heeresrcsorm.

Iw römischen Senat sprachen sich die Marschälle Cadorna und Diaz gegen die Heeresreform- Dorläge der Regierung ans. Cadoina forderte habet, daß die Regierung da? Heeresbudget erweitere und die Reform flu enroetfe durchführe. General Garibaldi sprach sich ebenfalls gegen die Regie­rungsvorlage auS und verwies auf de Möglich­keit eines neuen Krieg es trotz des Völker­bundes, da jenseits der Alpen nur des Meeres manche den Aufstieg Italiens mit Neid beobachteten.

Die englische Zriedenshoffnung.

wtb London, 31. März. (Id.) Lriegs- minister Worthington Evans sagte gestern in einer Rede in Reading, England wünsche Frie­den und Abrüstung auf dem Konti­nent. Es liege in Englands eigenem Interesse, Frankreich das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. In diesem Zusammenhang gebe es eine neue Tat- fache: Deutschland habe zum erstenmale seine Be- reilwllligkeit erklärt, die w e st l i ch e G r e n z c an­zuerkennen und einen Pakt abzuschlicßen, in dem es aus jeden Versuch, eine Abänderung seiner Gren­zen. durch einen Krieg herbeizusuhren, verzichtet. Es scheine, als ob man an der Schwelle einer neuen Entwicklung stehe, es lasse sich aber noch nicht sagen, wie sich die Lage entwickeln werde. Rur soviel könne gesagt werden, daß g n t e H o s s- nung aus wesentliche Fortschritte in der Richtung auf den Frieden beständen.

Der deutsch-französische Handels­vertrag.

Roch große Schwierigkeiten.

Aus Paris wird gemeldet, daß im Handels­ministerium eine Vollsitzung der beiden Dele­gationen für die deutsch-französischen Wirtschafts­verhandlungen stattfanden, bei der vereinbarungs­gemäß die Listen der gegenseitigen Zu­geständnisse überreicht wurden. Die deutsche Delegation hat zwei Listen überreicht: Eine Liste A, in der die Ausnahmen von der Meistbegünstigung für die Dauer des Provisoriums aufgeführt find, und eine Liste B, die die Zollbindungen und Zoll- Herabsetzungen enthält. Französischerseits wurden drei Listen überreicht, deren Ausstellung zwischen den Delegationen im Februar vereinbart worden war und zwar eine Liste A mit den Waren, für die Deutschland den Minimaltarif erhält, eine Liste B, die die Waren enthält, für die Deutschland beit Minimaltarif erst bekommt, wenn die Kammer einen entsprechenden Gesetzentwurf angenommen hat und die bis dahin einen Zwischentarif vorsieht, und eine Liste C, auf der die Waren verzeichnet sind, für die Deutschland auf Grund des jetzt geltenden Minimaltarifs Zollsätze zwischen dem Generaltarif und dem Minimaltarif bekommen.soll. Die beiden Delegationen haben das Studium der Listen sofort begonnen. . Der erste flüchtige Eindruck der fran­zösischen Listen ergibt schon, daß noch große Schwierigkeiten zu überwinden fein wer­den, bis die Verhandlungen zu einem beide Teile befriedigenden Abschluß gelangen.