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Nr. 51.
Anzeiger für die Stadl und den Kreis Fulda.
Verantwortlich tüt die Schrirtleitang- Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I. P arzellrr, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der Fuldcrr ü dieehvättti n Fulda. Fernldrecher $r. 9.
Monatlicher BeruaSvreiS: 1J50 Mk.
Dienstag, 3. HHärz 1925,
Amtliches kreisblakk.
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52. Zahrg.
Der volkrtraeettag
Am Sonntag fand in Berlin im Reichstag eine Gedenkfeier f ü r die Kriegsopfer statt, an der teilnahmen der Reichskanzler und sämtliche in Berlin anwesenden Reichsminister, die Chefs der Heeres- und Marineleitung, die Vertreter der Länder mit dem Ministerpräsidenten Marx an der Spitze und die staatlichen und städtischen Behörden. Als Vertreter der drei großen Religionsgemeinschaften war erschienen der Präsident des evangelischen Oberkirchcnrats Dr. Kapler, der fürstbischöfliche Delegat und Weihbischof von Berlin Dr. Deitmer, der Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Berlin Dr. Blumenthal. Die Feier eröffnete ein Trauermarfch aus der As-Dur-Sonate von Beethoven, ihm folgte der Ercksche Männergesangverein mit dem Chor: „Selig sind die Toten." Die Trauerrede hielt der Präsident des Volksbundes für deutsche Kriegsgräberfürsörge, Psarer Siems. „Wir beugen unser Haupt," so sagte er, „in Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Todes, die so plötzlich unseren Reichspräsidenten aus unserer Mitte her- ausgenommen hat. Er hatte zugesagt, an der heutigen Feier teilzunehmen, hat diese Pflicht aber nicht mehr erfüllen können. Es handelt sich hier wohl .zunächst um den Präsidenten unseres Deutschen Reiches, es handelt sich aber für mich als Präsidenten des Volksbundes für deutsche Kriegsgräber- fürsorgc auch noch um den, der unser persönliches Mitglied seit Jahren gewesen ist. Hat doch auch er zwei Söhne draußen liegen unterdenMil- lionen deutscher Brüder. Es handelt sich um den, der vom ersten Augenblick an sein ganzes Herz unserer Sache gewidmet, der sich mit den großen Mitteln seines Amtes, aber vor allem auch aus dem treuen Gedenken an die Gefallenen sich unserer Arbeit in jedem Augenblick zur Verfügung gestellt hat."
In seiner Gedenkrede für die Gefallenen führte der Redner aus, welche Bedeutung der Volks- traucrtag für unser Volk habe. Während unsere früheren Feinde in dem Grabmal des unbekannten Soldaten und in anderen Symbolen ein Ehrenmal für ihre Gefallenen errichtet haben, soll das deutsche Volk von nun an ein solches Ehrenmal in dem Vollst rauer tag besitzen, der aus seiner augenblicklichen Zerrissenheit und Zersplitterung zu neuer Einigung und neuer Kraft führen wird. An die Rede schlossen sich weitere künstlerische Darbietungen.
Dr. Seipel in Essen.
In Essen sprach am Sonntag der ehemalige vsterreichische Bundeskanzler Dr. Seipel im Rah- men der Tagung der katholischen Akademiker über die Folgendes Krieges und die Mittel, zu einem -wahren Frieden zu gelangen. Dr. Seipel trat warm für den Gedanken des Völkerbundes ein.
Die Neuwahl des Reichspräsidenten. .,. ^urch Eberts unerwartet schnellen Tod ist der höchste Poften im Deutschen Reich v orzeitig vakant geworden. Die W e i m a r e r V e r f a j s u n g bestimmt ™r diesen Fall in Artikel 51 lediglich, daß entweder d,e Reuwahl sofort vorzunehmen oder die Vertre- inna des Reichspräsidenten bis zur Durchführung der^ Reuwahl durch ein Reichsgesetz zu regeln ist. Bestimmte Fristen sind nicht gegeben, besondere Vorschriften bezüglich des durch Tod erledigten Vosiens bestehen nicht. Die Entscheidung darüber Np mC,m zu. Vielleicht benutzt man auch
Gelegenheit, sich einmal darüber schlüssig zu eben? ' .°6 eS zweckmäßig wäre, bei uns ;x’°\tote >» Amerika, das Amt eines Vizeprä- VräüN"" zu lchaffen, der nicht nur den kranken b°i h»? zu verirrten, sondern auch dem gesunden eine iDettSnÖI?.'ra^,'Cn^n $iiße feiner Aufgaben Hilfe |ctn konnte.
r.nh» fn Formalien der Präsidentenwahl an» unter dem k^t.. dafür ein Reichsgesetz, das Gesetz ist Lr1"3 ?924 publ-rierr ist. Nach diesem
^."^lberechtigt, der das Reichs- bar und^eL^ bt^t ®ie Wahl ist unmittel. kFI,geberrn. Den Wahltag (Sonn- oder n^hrt 'b't wr^CtOn2 stimmt der Reichstag. Ge. wählt ist, wer mehr als die Hälfte aller gü(.
Kommt eine derartige Mehr- yett nicht zustande, wird für den zweiten Wahl-
n?IE -ft1" sQMehrheit entscheidend.
iflfcr Öec ^^kche, der das 35. Lebens-
layr vollendet hat.
Die D u r ch f ü h tu n g dieses Gesetzes setzt natür- sich umfangreiche Vorbereitungen voraÜs. Man wird demgemäß damit rechnen müssen, daß bis zur Neu- wahl tm besten Fall noch vier bis sechs Wochen ms Land gehen._____
Blutregiment in Indien.
wtb. Berlin, 2. März (2el.| Aus Lahore gemeldet: In dem Berschwörerprozesi wurden 5 Angeklagte znm Tode, ,, ’?u lebenslänglichem Gefängnis und 28 5U Gssängnisstrasen von 3 bis 7 Jahre verurteilt. 34 ?lngeksagte wurden sreigesprochev.
Es handelt sich um die blutigen Zusammen- ikögeimPunjabgebietzwrschensverschieÄenenSeklen Sikhs, bei denen auch britische Offiziere «nd Soldaten den Tod sanden.
1 Die Brücke über den Pripjek. Wie die „Mon- wgspou' aus Warschau meldet, ereignete sich K«! x Krobebelastung der von den Russen «»6 Mozyrow über den Pripjet-
rFi>Lleitr. Jahren gebauten strategisch wichtigen -llenbahnbrucke ein schwerer U n g l ü ck s f a l l. Als di- m.^ ^er technischen Kommission
bc^r/. Pr *c diese e i n. Sämtliche isswnsnutalkeder Hades den Tod gefunden.
An der Bahre des Reichspräsidenten.
vre Kundgebung der Ueichsregierung. — Allgemeine Veileidsäutzerungen im Inland und Kurland. — Die Trauerfeier in Berlin. — Die lieber« führung der Leiche nach Heidelberg.
In allen Kreisen des Inlandes und des Auslandes, ohne Rücksicht auf die Parteistellung, hat der Tod des Reichspräsidenten Friedrich Ebert herzliche Trauer hervorgerufcn und, abgesehen von einigen Fällen eines ganz bösartigen Partei-Fanatismus, kommt überall die Meinung zum Ausdruck, daß in Ebert ein treuer Sachwalter des deutschen Volkes gestorben ist. Reichskanzler Dr. Luthe r hat in einer Kabinettssitzung am Samstag vormittag bereits dieser Auffassung Ausdruck verliehen. Die gesamte Reichsregierung hat anschließend folgende
Kundgebung
aus Anlaß des Todes des Reichspräsidenten erlassen:
Am heutigen Tage sit der deutz'che Reichspräsident Friedrich Ebert aus dem Leben abberufen worden. Tieferschüttert steht die deutsche Reichsregierung und mit ihr das deutsche Volk an der Bahre des deutschen Staatsoberhauptes. Mit Friedrich Ebert ist ein Mann dahingegangen, der unter Einsatz seiner starken Persönlichkeit erreichte, daß in den Wirren der Revolution die (Einberufung der Nationalversammlung aus freier Wahl des deutschen Volkes beschlossen und durchgefiihrt und damit dem deutschen Staatsleben wieder eine gesetzliche Grundlage gegeben wurde. In schwerster Zeit hat er das Amt eines deutschen Reichspräsidenten mit vorbildlicher Ge w i s s e n h a f t i g k e it und staatsmännischer Klugheit verwaltet und sich dabei in der Heimat wie im Auslande reiche Anerkennung erworben. In den außenpolitischen Wirrungen, die nach dem Kriegsende dem Deutschen Reiche erwuchsen, nahm er die Verantwortung für die Entscheidung, die nach vielen Mißerfolgen endlich den Weg zum Wiederanstieg anbahnte, auf sich. Unparteilichkeit und Gesetzlichkeit waren die Richtlinien seiner Amtsführung. Die Charaktereigenschaften des Menschen Friedrich Ebert und die hervorragende Begabung des Staatsmannes, der an der Spitze des Deutschen Reiches gestanden hat, haben ihm bei all denen, die den Mann und fein Wirken kannten, Wertschätzung und Verehrung erworben. Er hat dem deutschen Volke und dem deutschen Vaterlande in schwerster Zeit als aufrechter Mann gedient.
gez. Luther, Geßler, Brauns. Stress- mann, Kanitz, Stingl, Schiele, Neuhaus, Frenken, Kröhne, v. Schlieben.
Diese Würdigung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert, unterzeichnet von den Ministern des rein bürgerlichen Kabinetts mit Einschluß der führenden Persönlichkeiten der deutschnationa- l e n Partei, faßt das zusammen, was in den Nachrufen der Zeitungen, in den Telegrammen der Parteien, der Landesregierungen, (auch der bayerischen), der Städte, der Korporationen aller Art zum Ausdruck kommt.
Der Reichswehrminister hat folgenden Befehl an die Reichswehr erlassen:
Das Deutsche Reich hat fein Oberhaupt durch einen jähen Tod verloren. Die deutsche Wehrmacht erweist ihrem toten Oberbefehlshab er den letzten Gruß in ehrfurchtsvoller Trauer. Sein Sinn und seine Tatkraft galten ihrem Wohl. Sein Name wird in ehrenvollem Angedenken bleiben. Zum äußeren Zeichen unserer Trauer ordne ich an: Die Reichskriegsflagge ist auf allen militärischen Gebäuden und an Bord der Schiffe bis nach der Beisetzung Halbstock zu hissen. Es ist bis nach der Beisetzung kein Spiel zu rühren, gez. Reichswehrminister Geßler.
Die deutsche Zentrumspartei hat folgendes Telegramm an die Witwe des Reichspräsi- denken gerichtet:
Die deutsche Zentrumspartei nimmt innigsten Anteil an dem schweren Verlust, der Sie, hochgeehrte gnädige Frau. Ihre Familie und mit Ihnen das deutsche Volk betroffen hat. Der hohe Verstorbene hat in Aufopfe- rung all feiner Kräfte, durchdrungen von Liebe und Sorge für fein Volk, treueArbeitfürseinschwer geprüftes Vaterland geleistet. Sein Andenken bleibt bei uns in Ehren. Marx, erster Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei.
Das Beileidstelegramm der Deutschen Volkspartei lautet:
»Der unerwartete Tod des Herrn Reichspräsidenten, Fhres Gatten, erfüllt auch unsere Reihen mit aufrichtiger Trauer. Mit dem ganzen deutschen Volke beklagen wir den allzu frühen Heimgang dieses Mannes, der, an oie höchste Stelle des Reiches gestellt, für den Wiederaufbau Vaterlandes nach dem Zusammenbruch seine besten Kräfte eingesetzt hat. Seine aufopferungsvolle Tätigkeit zum Besten des Vaterlandes, dem fein ganzes Sinnen und g-rachten geweiht war, sowie feine ausgezeichneten Charaktereigenschaften sichern ihm ein bauembes Andenken in allen Schichten des Volkes. Namens der Deutschen Volkspartei sprechen wir Ihnen zu dem schweren Leid, das Sie und Ihre Familie im besonderen betroffen hat, unsere tief empfundene Teilnahme aus."
In dem Telegramm der Deutschen Volkspartei an die Reichsregierung zu Händen des Herrn Reichskanzlers Dr. Luther, heißt es:
„Das erschütternde Ende des deutschen Reichspräsi- oenten erfüllt uns mit tiefem Bedauern. Wir geben un-
•vlr aufrichtigen Teilnahme Ausdruck anläßlich des tra- g>Ichen Todes dieses Mannes, der in selbstloser, nie rüstender Arbeit seine großen politischen Fähigkeiten in öen Dienst des Vaterlandes gestellt und in starkem Ver- antworillchkeitsgefühl sich als oberster Diener res Staates hohe Verdienste erworben ha.t"
Wenn man bedenkt, daß derselbe Reichspräsident Friedrich Ebert noch vor einigen Wochen von einem preußischen Gerichtshof unter Zustimmung eines großen Teiles der ihm feindlich Minuten
Presse des Landesverrats für schuldig bezeichnet werden konnte, dann wird man sich erst klar darüber, in welch merkwürdiger Zeit wir leben.
Die Trauerfeier
für den Verstorbenen, die von der Reichsregierung veranstaltet wird, findet am Mittwoch, den 4. März, nachmittags 3 Uhr, im Hause des Reichspräsidenten statt. Der Reichskanzler wird hierbei die Gedenkrede halten. Im Anschluß an diese Feier erfolgt unter militärischer Trauerparade die Ueberführung zum Potsdamer Bahn- h 0 f. Der Weg des Trouerkondukts geht durch das Brandenburger Tor um das Reichstagsgebäude herum: dort findet vor dem auf der Rampe haltenden Leichenwagen eine A b j ch ic d s k u n d g e - fcung des Reichstages statt, dessen Präsident den letzten Gruß der deutschen Volksvertretung überbringen wird. Dieser Trauerakt wird zugleich größeren Mengen der Bevölkerung die Gelegenheit geben, dem toten Reichspräsidenten die letzten Grüße darzubringen.
Daraus wird der Zug den Weg durch die Friedensallee und die Budapester Straße nach dem Potsdamer Bahnhof fortsetzen, dessen Portalfront einen würdigen Trauerschmuck erhalten soll. Vom Potsdamer Bahnhof findet dann etwa 6l4 Uhr abends die Ueberführung nach Heidelberg statt, wo Donnerstag vormittag die Beerdigung erfolgen wird. Die Beisetzung erfolgt auf Kosten des Reiches.
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Nach einer Meldung aus Paris wird die französische s o z i a l i st i s ch e Partei bei den Trauerfeierlichkeiten für den entschlafenen Reichspräsidenten Ebert durch die Abgeordneten Renan- d e l und G r u m b a ch vertreten fein.
Das Beileid der Ztaatshäupter.
Bei Frau Ebert und im Büro des Reichspräsidenten gehen stündlich in großer Fülle weitere Dei- leidskundgebungen ein.
Der österreichische Bundespräsident Hainisch telegraphierte an Frau Ebert: Anläßlich des Hinscheidens des hochverdienten Reichspräsidenten Ebert, dessen Tod auch unser Volk in tiefe Trauer versetzt, spreche ich Ihnen und Ihrer Familie mein innigstes und aufrichtigstes Beileid aus. Bundespräsident Hainifch.
Der König von Italien telegraphierte: Die Nachricht vom Tode Ihres hervorragenden Gemahls hat mich lebhaft betrübt. Ich bitte Sie, im Namen der Königin den Ausdruck unseres lebhaften Beileids entgegenzunehmen. Viktor Emanuel.
Vom König von Schweden ging folgendes Telegramm ein: Aus Anlaß des Hinscheidens des Reichspräsidenten spreche ich Ihnen meine aufrichtige Teilnahme aus. Gustav.
Der KönigvonDünemark telegraphierte: Spreche meine herzliche Teilnahme aus. Christian.
Der Präsident der Republik Portugal sandte folgendes Telegramm: Ich bitte Sie, den Ausdruck meines aufrichtigen Mitgefühls entgegenzunehmen. Teizeira Gomez, Präsident der Republik Portugal.
Aus Mexiko erhielt Frau Ebert das nachstehende Telegramm vom Präsidenten Calles: Empfangen Sie meine Teilnahme und aufrichtiges Beileid zum Tode Ihres verehrten Gemahls, den ich während meines Besuches in Berlin sehr hoch schätzen lernte. Präsident Calles.
Der Präsident der Republik Griechenland telegraphierte: Ich bitte Sie, gnädige Frau, den Ausdruck meiner schmerzlichen Teilnahme für den schmerzlichen Verlust entgegenzunehmen, der Sie in der jßerfon Ihres hervorragenden Gemahls betroffen hat. Admiral Cunduriotis, Präsident der hellenischen Republik.
Der PräsidentderRepublikLitta uen telegraphierte: Mit tiefschmerzlicher Bewegung, die die ganze littanische Natton teilt, erfahre ich von der schweren Prüfung, die Sie durchzumachen haben und dem unersetzlichen Verluste, den die deutsche Nation erleidet in dem Hingang ihres hervorragenden Chess, dessen Herzens- und Geistesgaben so allgemein hochgeschätzt sind. Ich bitte Sie, gnädige Frau, meine Teilnahme sowie der Ausdruck meiner respektvollen Ergebenheit entgegenzunehmen. Stulginski, Präsident der Republik Littauen.
Auch die Präsidenten der deutschen Länder sowie die Präsidenten der gesetzgebenden Körperschaften der Länder, ferner eine große Anzahl von Oberbürgermeistern der Städte" haben Frau Eben telegraphisch ihre Teilnahme ausgesprochen.
Aus der Unzahl von persönlichen Beileidskundgebungen sind zu erwähnen Telegramme oder persönliche Schreiben von Gerhart Hauptmann, Sven Hedin, Richard Pfitzner, Ludwig Fulda, Harnack, Max Liebermann, Herm. Stegmann, Herbert Eillcnberg, Konrad Ansorge, und Bernhard Kellermann. Auch eine große Anzahl von wirtschaftlichen und sportlichen Vereinigungen haben ihre Teilnahme ausgesprochen, ferner eine Reihe von studentischen Verbänden.
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Die Nachrufe der englischen Preße sind äußerst sympathisch gehalten. Als wahrscheinlicher Nachfolger wird allgemein Marx oder Luther genannt
Die vorwürfe öes Marschall; zach. Anstatt der fehlenden Tatsachen wird auf Hirngespinste verwiesen.
wtb Paris, 2. März. (Tel.) Die das „Journal" mikteitt, ist der Bericht, der von den interalliierten M i l i kär? 0 m i tees in Versailles fertig gestellt worden ist, nur ein erster Bericht. Das Do k u m e n t $ cd) hebe den Ernst der Verfehlungen Deutschlands hervor, lege aber viel mehr Wert auf das, was die offenbare Reorganisation des deutschen Heeres anlangt, als auf ge-. wisse flagrante Verletzungen bei der Herstellung von Waffen, die nicht verhindert und die natürlich auch keinen größeren Umfang annehmen können. 2Han könne nicht im geheimen das ungeheure Material eines modernen Heeres von Wer IOC 000 Mann Herstellen, man könne dagegen im geheimen den Geist pflegen, die Sabres eines Heeres vorbs- reiten^fowie den gesamten Mechanismus der Industrie militarisieren, und das sei es. was Deuksch- kand getan habe. Das sei die w a h r e Gefahr. Die Wiederherstellung des Generalissimus in der Person des Generals von Seedf, die Wiedereinführung des Großen Generalslabs, die Umgestaltung der Reichswehr, die nach dem Geist des Versailler Vertrags nur eine einfache Gendarmerie sein solle, und die im Laufe der Jahre ein starkes Heer geworben sei, die Militarisierung der Schutzpolizei, bas alles seien bis wesentlichen Elemente, die den diplomatischen Willen bekunden, die Revanche vor- zubereiten.
Der Bericht Fachs begnüge sich siir diesen Augenblick mit allgemeinen Hinweisen, erst später auf Verlangen der Dolschasterkonferenz werde man die technischen Einzelheiten der neuen Bedingungen au «arbeiten, denen Deutschland zustimmen mutz. Die Frage ist jetzt nur noch, ob die Botschafkerkonferenz sofort diese allgemeine Aus- arbeitung fordern werde, oder ob erst eine allgemeine Besprechung unter den alliierten Mächten über die Grundsätze, die man Deutschland gegenüber einschlagen müsse, siaktsinden solle. In diesem Falle bestehen zwei Möglichkeiten: Entweder die allgemeine Diskussion werde innerhalb der B 0ksch äfierkonferen z bleiben, öder die alliierten Ministerpräsidenten würden zu einer Konferenz zusammenkreken
Die Schwerindustrie.
Ter „Petit Parisien" gibt unter allem Vorbehalt ein Gerücht wieder, daß die Vertreter der d e u t s ch e n Schwerindustrie die Absicht kundgegeben hätten, die vor einigen Monaten begonnenen Besprechungen mit den Vertretern der französischen Schwerindustrie, die in der Zwischenzeit unterbrochen waren, wieder aufzunehmen. Das „Journal" glaubt dies bestätigen zu können.
Die Lage in Preußen.
Von einem besonderen parlamentarischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Für Mittwoch, den 4. März, ist die Neuwahl des Preußischen Ministerpräsidenten angesetzt. Wie die Dinge aber liegen, ist kaum damit zu rechnen, daß zu dieser Frist bereits dieser Wahlakt borgenommen werden kann. Man muß vielmehr damit rechnen, daß eine Verschiebung der Wahlhandlung mindestens um 8 bis 10 Tage einttiit.
Am notwendigsten ist jetzt die Klärung der politischen Situation, die auch die Voraussetzung dafür ist, ob die Neuwahl vorgenommen weiden kann und tvelchen Verlauf sie nimmt. Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages ist durch die Drei-Stimmen-Mehrheit, in der die Regierungsparteien bei der Abstimmung über das Kabinett Marx blieben, zweifellos in eine außerordentlich kritische Sage gekommen, die sich bekanntlich nicht nur nach außen, sondern auch nach innen auswirkte.
Jetzt schon ist es aber durch vielfältige Beobachtungen im ganzen Lande, ja auch durch Entschließungen von Ortsgruppen der Deutschen Dolkspartei deutlich geworden, daß es in jenen Kreisen zn tagen beginnt, daß die Ernüchterung eintritt und daß man doch nicht mehr länger willens ist, der Fraktion zu folgen, die sich der Verbindung mit den Kommunisten bediente, um eine fast ausschließlich bürgerliche Regierung, die unter bürgerlicher Führung steht, zu Fall zu bringen, nachdem doch dieselben Kreise einer von Sozialisten geführten und mit vier sozialdemokratischen Ministern besetzten Regierung sich koalitionsmäßig als Partei drei Jahre hindurch zur Verfügung stellten und diese große Koalition noch bei ihrem Ausscheiden mit höchsten SobeSiönen priesen.
Tas Zentrum weiß sich frei von jeder Prestigeoder gär Eigensinn-Politik. Es ist es selbstverständlich ich und seiner Ehre schuldig, die von der Gegenfeite betriebene Druck- und Zermürbungspolitik zu parieren. Das Zentrum läßt sich aber in seinen letzten Ent- chließungen von garnichts anderem als von staats- lolitischen Erwägungen leiten. Und darum wird die Zentrumsfraklion, die jetzt wieder zusammentritt, im Bewußtsein ihrer Verantwortung gegenüber der Gesamtheit des preußischen und deutschen Volkes Mittel und Wege zu erforschen suchen, um dem Lande endlich zu ruhigen und geordneten polilljchen Verhältnissen zu verhelfen.
Es ist stlbstverständlich, und bedeutet nichts anderes als eine Ehrenpflicht, daß das Zentrum auch jetzt wieder den Ministerpräsidenlen Marx bittet, die Führung zu übernehmen. Marx wird dann in den Verhandlungen, die ru Wren sind und die voraus»