WMMMrvW. MlfWU.MWlMl!.)
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
««l°g der Donnerstag. 26. Februar 1925
Nr. 47
Beranlwortlich für die Schrütleituns- Dr- Johannes Kram er. Ameisen: I. B arreller, Fulda. Rotationsdruck und - *"
Fuldaer »ctiendruckerei in Fulda- ^"nwrecher Monatlicher BerugSvreik: Ms.
Anzeisrn-Preife: Sleimeile (Colonel) lokal 0,15 Goldmarl
auswSrt» 0.20 Woldmark: Reklamereile lokal 0.60. Soldmark KQ 1 nforn
auswärts 0L0 Goldmark. « JUyiy.
Bei Wiederholungen Rabatt- Postscheckkonto Frankfurt a. M. 4051.
Das amerikanische Geld.
wtb Paris, 25. $efet. (Tel.) Der „Rewyork Herald" meldet aus Newyork, die Bankfirma 3. P. Morgan n. Lo. habe weiterhin 2% Millionen Dollar Geld nach Berlin überführt zur Vervollständigung der 50 Millionen Dollar-Anleihe, der gemäß der kürzllch getroffenen Regelung über die 110 Millionen Dollar-Anleihe nach Berlin gebracht werden. __________
Die Krankheit des Reichspräsidenten.
Bis Dienstag abend war im Zustand des Reichspräsidenten keine Veränderung eingetreten. Das Befinden ist hochbefriedigend.
Der geheimnisvolle Bericht.
Das geschieht mit dem Bericht der Interalliierten Militär-Kontrollkommission?
wib London, 25. Febr. (Tel.) Der „Times" zufolge befindet sich der B e r i t &CT -’n- keralliierten Militärkontroll kom- Mission immer noch in den fänden der inler- alliierten Komitees in Versailles. Wenn dieses feine Anempfehlungen auf dec Grundlage des Berichts fertig gestellt habe, würde sowohl der Bericht als auch die Anempfehlungen der B o k f ch a f - kerkonferenz übergeben werden. Die Botschaft würde möglicherweise diese Angelegenheit in ihrer Eigenschaft als Konferenz erwägen. Ls fei jedoch angesichts der außerordentlichen Bedeutung dieser Frage wahrscheinlich, daß diese Dokumente unmittelbar an ihre betreffenden Regierungen übermittelt werden.
Asquith fordert Veröffentlichung.
wtb London, 25. Febr. (Tel.) Die Westminster Gazette" berichtet, daß Asquith im Oberhaus die Veröffentlichung des Berichts der Interalliierten Militär-Kontrollkommission über die angeblichen deutschen Verschlungen f o r- de r n werde.
Rufwertungsfrage und Rusland.
Man schreibt uns von einer besonderen Seite: „ <?ie Auswertungsfrage ist ohne alle Zweifel die polltlsche und wirtschaftliche Kernfrage unserer Tage. Wie aber diese Angelegenheit behandelt, beurteilt und schließlich gelöst wird: Das Schicksal unserer Wirtschaft und zum guten Teil auch unserer Politik wird durch die jeweilige Entscheidung bestimmend beeinflußt.
Die Aufwertungsfrage ist nicht allein innere Angelegenheit des deutschen Volkes, sondern sie ist auch eine Frage, die das Ausland in einem Maße berührt und interessiert. Der Druck, der von der außenpolitischen Seite gegen die Auf- wertungsbestrebungen in Deutschland gerichtet wird, ist ganz außerordentlich stark. Frankreich, »es gerade jetzt wieder in einer Epoche des Niederganges feiner Währung sich befindet und alle Hebel w Bewegung fetzt, um den schon heute nur noch Ew Vierter des Goldkurses betragenden Franken
Anläßlich der Erkrankung des Reichspräsiden- ken haben die fremden Diplomaten teils Surrt) per südliche Besuche teils durch die Besuche ihrer Vertreter ihre Teilnahme zum Ausdruck gebracht. Ferner haben der Reichskanzler, die Reichsminister, der preußisckse Ministerpräsident, der bayerische, der württembergische, der badische, der hessische und der sächsische Gesandte, zahlreiche Parlamentarier und andere politische Persönlichkeiten ihre Anteilnahme bezeugt.
Der Reichskanzler, der für die Dauer der Erkrankung des Reichspräsidenten jetzt mit dessen Stellvertretung beauftragt ist, hat nunmehr alle die dem Reichspräsidenten obliegenden Aufgaben zu erledigen. Darunter fallen der Erlaß ; von Verordnungen, der Vollzug von Gesetzen, die Ernennung von Beamten, die Ausübung des Begnadigungsrechtes, die Ratifikation von Verträgen mrd der Verkehr mit ausländischen Diplomaten. Der dabei in Frage kommende Artikel 51 der Weimarer Verfassung steht diese Stellvertretung für kurze Zeit vor. Ein Reichsgesetz über eine auf län- c .'2,e i sich erfteckende Stellvertretung bestehl iwch nicht, wie überhaupt die Reichsverfassung noch n,d)t vorgelegter und be- schlosiener Reichsgesetze zu ihrer Ausführung be-
Cine Kleine Anfrage.
Die »Trierische Land^itung" meldet: Die Ab- geordneten Dr. H e ß (Ahrweiler) und Dr. S ch w e- (Koln) haben rm Preußischen Landtag fol- Kleine Anfrage eingebracht-
n Rr. 27 vom 3. Februar gibt die Trierilrbe Sandeszeitung unter dem Titel '„Les extremes se touchent" einen Bericht wieder, wonach in Trier Ädern Deutschrheinischen Freiheitsbund und tfchnationalen Partei, vertreten durck ibren Parteisekretär Köhler, ein Wahlobkommcn getroffen worden sei, wonach der Deutschrheinische Freiheitsbund bei der Reichstagswahl seine Stimmen für die deutschnationale Wahlliste abzugeben sich bereit erklärte. Bekanntlich ist der Deutsch- rheinische Frecheitsb'und eine neue Form der alten iyochverräterischen Bewegung. Sind oem Staatsmlnisterium diese Mitteilungen bekannt und hat es Schritte zur Feststellung der behaupteten Tatsachen unternommen?"
Volksgemeinschaft oderKlaffenscheidung?
Ruslan-,
ist
Neben dem Barmatuntersuchungsausschuß tagt' jetzt auch der Untersuchungsausschuß für die Sache der Landespfandbriefanstalt. Die Vernehmung des Geheimrats Nehring, seit 1904 ununterbrochen im preußischen Staatsdienst, bestätigt die schweren Beschuldigungen, die wegen des satzungswidrigen Häu- ferspekulationsgeschäftes mit den Herren v. Z i tz er w i tz, v. C a r l o w i tz, v. E tz d o r f f und v. Car- st ä d t gegen die Landespfandbriefanstalt erhoben worden sind. Als interessante neue Einzelheit ergibt sich, daß der Reichslandbund Herrn von Zitzewitz-Schlackow (anscheinend aus englischen Geldern) eine Million Goldmark zugeftchert hatte. Das Geschäft wurde über die Städtische Sparkasse Stettin gemocht, der aber ausdrücklich zugesichert wurde, daß die Beziehungen zu ihr nur ein Scheingeschäft darstellen.
und Hemmungen bei den Sozialdemokraten sind nicht unüberwindlich. Also liegt es bei den Rechtsparteien, ob der für Land und Volk schädliche und blamable Krisenzustand beendet oder noch weiter in die Länge gezogen werden soll. Auf ein Nachgeben bei der Zentrumsfraktion brauchen sie nicht zu rechnen. Darüber mögen sich die Vorkämpfer des Bürgerblocks doch endlich klar werden.
Es ist auch ein politischer Täufchungsversuch, wenn sich die Wortführer der Rechtsparteien stets auf den Wählerwillen berufen. Wenn der Wählerwillen auf die politische Vernunft und Verantwortung ausschlaggebenden Einfluß hätte, dann hätte die große Koalition in Preußen nicht freventlich zertrümmert werden dürfen, denn sie hatte im neuen Landtag wie im alten eine feste Mehrheit. Aber auch nachdem die Volkspartei den Trümmerhaufen geschaffen, ist der Wählerwillen für die Politik der Mitte immer noch der stärkste. Hier stehen 220 Stimmen gegen 170 der Rechten,
Die Heuernte war 1924 größer als im Durchschnitt der Jahre 1911/13; bei Klee und Luzerne um 18,5 o. H. Die Produktionssteigerung in der Landwirtschaft hat also im Futterbau die | ersten Erfolge gehabt. Schuld daran war unter i anderm die seit 1919 stark geförderte „Grünland- beroegung", die von Bayern ausging und in kurzer Zeit im ganzen Reich lebhaften Anklang fand. Sie will die Mittel intensiver Wirtschaftsweise auf Wiesen und Waiden onwenden, damit diese Futterquelle höchste Roherträge liefert und in vielen Wirtschaften ausreicht. Ferner soll der Feldfutter- und Zwischenfruchtbau besonders gepflegt werden, damit' wir unfern Viehstapel möglichst auf einheimischer Futtergrundlage aufbauen. Gewiß kann man die^ offensichtlichen Erfolge dieser Bestrebungen begrüßen, wenn nicht der Vrotgetreidebau dadurch vernachlässigt wird. Das ist aber zweifelsohne der Fall; denn die Abnahme der Getreideanbaufläche ist zum großen Teil verursacht durch die Ausdehnung der Wiesen, Weiden und des Feldfmterbaues.
Das muß uns zum ernsten Nachdenken anregen. Im Interesse der Volksernührung ist zu wünschen, daß die Grünlandbewegung zwar Anklang findet in der landwirtschaftlichen Bevölkerung, aber nicht einseitig zum Schaden des Ackerbaues, insbesondere des Getreidebaues, gefördert wird. Auch hier gilt es, möglichst bald wenigstens die Friedenserträge zu erreichen. In einer statüichen Anzahl von Betrieben, die tüchtigen und fortschrittlichen Leitern anvertraut sind, ist das auch der Fall; weniger dagegen bei bäuerlichen Klein- und Mittelbetrieben.
Das Ernteergebnis zeigt uns wieder die Schwere der Aufgabe, die unsere Landwirtschaft im Dienste der wirtschaftlichen Wiedergesundung und die Einfuhrbeschränkung, hat. Sie wird um so eher über alle Schwierigkeiten hinauskommen, wenn in verständnisvoller Zusammenarbeit die Industrie ihr billigere Betriebsmittel (Kunstdünger, Maschinen u. o.) liefert •“
Von einem Mitglied der preußischen Landtagsfraktion wird geschrieben:
Bei den Kämpfen um die Regierungsbildung in Preußen ist von der Tribüne des Landtages wie in rechtsstehenden Blättern wiederholt der Vorwurf gegen das Zentrum erhoben worden, es versuche, die Rechtsparteien von der Regierung in Preußen a u s z u s ch a l t e n. Hier wird die Wahrheit gewaltsam ins Gegenteil umgebogen. Das Zentrum im preußischen Landtag erstrebt nicht die „sozialistische Koalition", sondern mit konsequenter Aufrichtigkeit die V o l k s gern e in s ch a f t ober, wenn diese nicht gelingt, zunächst die g r o ß e K o a l i t i o n. Zu diesen beiden Mehrheitsbildungen war und ist die Zentrumsfraktion jederzeit bereit. Der Gegensatz besteht eben darin, daß die beiden Rechtsparteien die Sozialdemokraten aus der preußischen Regierung hinauswerfen wollen, während das Zentrum sie in der Verantwortung f e st h a l t e n will. Die Gründe dafür sind im Landtag wie auch in der Zentrums- prefle so oft und eingehend dargelegt worden, daß hier nur der Kardinalsatz wiederholt zu werden braucht: Die erdrückende Mehrheit der Zentrums- anhünger hält eine Klassenscheidung des Volkes in zwei Teile für ein Verhängnis und lehnt deshalb die Idee des Bürgerblocks ab.
Nachdem nun im Reich — nicht ahne Mitschuld der Sozialdemokraten — eine rechtsgerichtete bürgerliche Regierung ans Ruder gekommen ist, wäre ein Hinauswerfen der Sozialdemokraten in Preußen doppelt bedenklich und könnte zu den schwersten Erschütterungen des politischen und wirtschaftlichen Lebens führen. Die Ucbertragung des Burgerblocks auf Preußen wird daher vom Zentrum abgelehnt; es läßt sich weder von rechts nocy von links den Weg vorschreiben. Getreu seiner Tradition und dem Parteiprogramm hält es fest am Kurs der Mitte, den es aber preisgeben müßte, wenn es auch in Preußen sich durch das kaudinische Joch des Bürgerblocks hindurchzwingen ließe.
Die durch eine herostratische Krisenmacherei von der Deutschen Volksp. heraufbeschworene preuß. Regierungskrise kann schnell und in befriedigender Weise beendet werden, wenn Volksparki und Deutschnationale von der aus Klassenkampf und Kastengeist geborenen Idee des Bürgerblocks ablassen und sich zur Duldung sozialdemokratischer Mitarbeit bereitfinden. Die Volkspartei braucht da ja nicht umzulernen, sondern sich nur auf den vernünftigen Weg ihrer bisherigen Politik in Preußen zurückzufinden. Das Haupthindernis für die Koalition der Volksgemeinschaft liegt heute bei den Deutschnationalen. Die Bedenken
warten, obwohl sie ganz vestimmk weiß, daß die Mittel nicht aufgebracht werden können, und das just in dem Augenblick, indem wir nach außen Verbindlichkeiten zu erfüllen haben, dem Reiche die Mittel fehlen, nun doch Maßnahmen getroffen würden, die die ganze wirtschaftlichen und finanziellen Grundlagen, damit aber auch die Kreditgrundlage, über die wir jetzt nach verfügen, zerstören würden. Diese Einstellung der gegenwärtigen Regierung ist gewiß für viele Kreise außerordentlich schmerz- l i ch, ober man wird mit ihr rechnen müssen.
Barmat und andere.
Wie aus Berlin gemeldet wird, ist der 21jährige Student der Handelshochschule in Wien Isaak B a r m a t auf Beschluß des Kammergerichts aus der Haft entlassen worden. Er hatte, wie sein Verteidiger erklärte, mit den Geschäften seines Bruders nie etwas zu tun gehabt. Er war zur Zeit der Verhaftungen lediglich nach Berlin gekommen, um die Weihnachtsferien im Krcifs seiner Brüder zu verbringen.
* Der schwedische Staatsmann Branting nach längerer Krankheit, die ihn schon zum Ver-
die nur für das Niederreißen im trauten Verein mit den Kommunisten eine Mehrheit von ein paar Stimmen aufbringen kann.
Nun rufen Deutschnationale und Kommunisten nach der Auflösung des Landtags (die Volkspartei hält sich hier mehr zurück). Die preußische Zentrumspartei hätte einen Wahlkampf nicht zu fürchten und braucht ihm nicht auszuweichen. Aber politische Verantwortung und wirtschafttiche Rücksichten haben bei der Entscheidung über solche Fragen ein Wort mitzureden. An den Vorbedingungen der Regierungsbildung wurde auch eine Neuwahl wenig ändern; ober geben sich die Herren Winkler und v. Campe der Illusion hin, sie würden soviel Mandate gewinnen, daß sie mit den Freischärlern Wülle und Ladendorf schon die Mehrheit bekämen? Der AusfallderKreis- rats- und Gemeindewahlen in Thüringen hat gezeigt, daß im großen Ganzen sämtliche Parteien ihren Besitzstand behauptet haben. Eine Neuwahl ist deshalb zwecklos und muß von allen verantwortungsbewußten Politikern adgelehnt werden.
Dahinter steht dann die Drohung der Rechtsparteien mit der S t a a t s k r i s e. Ein neues Schlagwort, das, wenn es einen Sinn haben soll, doch nur eine veredelte Umschreibung für „Revolution" bedeuten kann. Wer würde von einer neuen Revolution ober am meisten Freude haben? Welche Schichten unseres Volkes würden dabei am meisten verlieren oder gewinnen können? Es ist schon verbrecherisch, mit solchen Gedanken zu spielen, wo wir uns als deutsches Volk eben anschicken, den Wiederaufbau erfolgversprechend zu beginnen. Die Zentrumspartei wird alle Kraft auf- und alle Mittel anwenden, um neue Erschütterungen unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens z u v e r h i n d e r n. Das ist auch der tiefere Grund dafür, daß sie die Klassenscheidung ablehnt und den Gedanken der Volksgemeinschaft so lange vertreten und dafür kämpfen wird, bis er greifbare Gestalt annimmt. Und wie bei der großen Koalition, so I wird auch hier Preußen dasjenige deutsche Land fein, wo die Volksgemeinschaftsidee zuerst verwirklicht und erprobt werden muß.
§ur die tage in preuhen
ist eine Auslassung des führenden Organs der Zentrumspartei, der „Germania", von Bedeutung, die im Anschluß an die mitgeteilte Entschließung der Westfälischen Partei in Hamm folgendes schreibt: Die Entschließung dürfte bestätigen, daß der Kampf des Zentrums in Preußen um die I von MarxgebildeteRegierungmit allem I Nachdruck und in größter Geschlossenheit weiter- I geführt werden wird. Das Zentrum wird in seinem Kampf für eine gesunde Politik in Preußen nicht nachlasten, und wird es in Geduld ab- I warten, wie lange es die Deutsche Volks-! Partei noch verantworten will, mit Hilfe der I Kommunisten ein Kabinett arbeits- I unfähig zu machen, das die Gewähr einer ste- I tigen und fruchtbaren Politik vollauf in sich trägt I — ohne daß sie selbst imstande ist, von sich aus I eine neue Regierung zu bilden. Es werden viel- I leicht noch manche Abstimmungen über die Regie- I rungsfrage stattfinden. Ihr Ergebnis kann nach I der parteipolitischen Seite nur das Eine fein, daß I dem preußischen Volke immer deutlicher wird, wer I den preußischen Staat sabotiert. Wir |
zu stützen, um mittels schroffer Steuern eine Stabilisierung herbeizuführen, verfolgt naturgemäß mit denkbar gemischten Gefühlen alles, was in Deutschland in der Frage der Aufwertung vor sich geht. Die französische Regierung denkt garnichk daran, angesichts der Währungszerrüttung im eigenen Lande die Frage der Aufwertung für die französischen Staats- und Privatforderungen überhaupt diskutieren zu lasten. Frankreich hätte ja garnicht die technischen und materiellen Möglichkeiten, um eine solche Aufwertung zu vollziehen. Andererseits bereitet England den Aufwertungsbestre- bungen in Deutschland kaum eine ernstliche Gegenwehr. Der Grund liegt auf der Hand: England würde es sicherlich nicht ungern sehen, wenn Deutschland durch übereilte ober seine finanzielle »raft übersteigende und dann schließlich die finan-
Wirtschaft zerrüttende Maßnahmen seine in i3en Abgrund reißt, sodaß die deut- icpen Waren als Konkurrenten auf dem Weltmarkt immer mehr verschwinden würden.
„oiokfr, d,e Aufwertungsfrage von außen her massen" hn&e ^tische Seite. Wir glauben zu
-Linner., h- gegenwärtige Reichsregierung und tnybeloii ire bte in ihr für die Behandlung der ma69ebenben Ressortminister bto Re'chsfinanz- und Ernäh-
rungsmlmsteriums bet ihrer Stellungnahme zur Aufwertungsfrage sich ganz wesentlich gerade von diesen eben gekennzeichneten Erwägungen bestimmen lassen. Es ist ja auch richtig, daß schon die heutige Reichsreglerung sich verantwortlich fühlen muß für das, was auf Grund ihrer Entschließungen in späterer Zeit geschieht, und man muh' bedenken, daß in etwa drei Jahren wir eine jährliche Reparationszahlung von zweieinhalb Goldmilliarden zu leisten haben. Das können wir aber nur mit gestärkter und nicht mit geschwächte». Wirtschaft und keine Regierung könnt es versnj-
zicht auf feine Aemter gezwungen hatte, 64 Jahre alt, gestorben. Branting war der Gründer der Sozialdemokratischen Partei Schwedens und des Blattes „Socialdemokra- ten". Seine politische Einstellung war ganz nach den Auffassungen der Ententeländer bin gerichtet. Infolgedessen war er während des Krieges ein scharfer Gegner Deutschlands. Später hat er besonders dem Völkerbund seine Arbeit gewidmet, die ihm aber auch Enttäuschungen gebracht hat.
* Rußland und Polen. Der Sowjet-Führer Radek greift in einem Artikel scharf die Außenpolitik Polens an, das versucht habe, mit den Rundstaaten ein Kriegsbündnis gegen Rußland zustande zu bringen, dessen Scheitern Eng- lands Verdienst sei. Jeder Krieg Polens mit Rußland habe die Tendenz eines Krieges gegen Deutschland.
* Ausstand in Kurdistan. Den letzten Berichten zufolge breitet sich der Aufstand in Kurdistan weiter aus. In den östlichen Vilajets wurde der Belage- rungsMstand erklärt.
Unsere Lrnährungsgrundlage.
Die deutsche Landwirtschaft hat die Ausgabe, die Volksernährung möglichst aus heimisck)er Scholle sicherzustellen. Sie ist daher bestrebt, die Roherträge auf der uns nach dem Kriege verbliebenen geringem Nutzfläche unter Anwendung fortschritr- | licher Wirtschaftsweise und betriebstechnischer För- I derungsmaßnahmen trotz unzählicher Hemmnisse zu steigern. Leider ho: sie ihr nächstes Ziel: Im jetzigen durch den. Friedensvertrag verkleinerten Deutschland so viel zu ernten, wie 1913 dort geerntet wurde, noch nicht erreicht.
Das zeigen uns die endgültigen Ernteergebnisse für 1924 (Wirtschaft und Statistik Nr. 1, 1925). Vergleicht man diese mit den Durchschnittsergebnissen der deutschen Ernten in den letzten drei Jahren der Vorkriegszeit auf dem jetzigen Reichsgebiet, so ergibt sich, daß die Erträge an Brotgetreide im Jahre 1924 um rund 55 Millionen Doppelzentner oder 40 v. H. geringer waren als im Durchschnitt der Jahre 1911/13. Dieser bedenkliche Rückstand hat im wesentlichen zwei Ursachen. Erstens waren die Hektarerträge geringer infolge starker Auswinterungen, andauernden schlechten Wetters und mangelnder Düngung. Zweitens waren 1924 1,25 Millionen Hektar weniger mit Vrotge- ' treibe angebaut als im Durchschnitt der drei Vor- kriegsjahre.
Etwas weniger betrug die Minderung gegenüber den Friedenserträgen bei Futtergetreide, nämlich 26 v. H. Der Menge nach reichte die Ernte der Kartoffeln an die der Vorkriegszeit bis auf 4 v. H. heran, wenn auch die Qualität infolge Fäulnis und Krankheiten viel zu wünschen übrig ließ.
Der Anbau von Zuckerrüben scheint sich allmählich zu heben. Es ist wohl anzunehmen, daß unsere Landwirtschaft in ein paar Jahren wieder dieselben Mengen dieser wertvollen Frucht ernten wird wie im Frieden, also den Minderertrag gegenüber der Vorkriegszeit von 27 v. H. zum Verschwinden bringt. Unser Land, das wirtschaftlich nur leben und seine Reparationsverpflichtungen erfüllen kann, wenn es Ausfuhrüberschüsse erzielt, muß jeden passenden Weg begehen, der dahin führt. Die Zuckerrübenausfuhr hatte vor dem Kriege einen Wert von % Milliarde Goldmark.
zweifeln nicht daran, daß es der Deutschen Volfs- I partei bald vor ihrer Frondienstschaft im Dienste j der Deutschnationalen angst und bonge werden wird.