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Anzeiger für die Sfaöf und den Kreis Fulda.

tietcntivortud) ,ür ö,e Ectzrirttenuni- Dr. IidanneS Httomei. Anzeigen: I. $ cnelier. Fulda. SatatiOttoOnict und Bering der Fniderr 1 dicrtnrcit» ir > v>do. ?rtrftttd.et Sir. 9.

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Sonntag, 22. Februar 1925.

Amtliches K elsblakk.

an s et ae n • $tenc Stieinteue (ISo.oneO .otai o.l.i (üoiDmati rnslvSrts 0.20 Sp.bmort: Reklame,eile lotal 0.60 Gotdmark au.wärtL 0.80 Goidmarl. .•

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52. Zahrg.

ftimm»

Die Zentrumspartei kann nur dann die TVrei

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- das dann >tigt,

Aus dem Preußischen Landtag wird uns noch geschrieben:

Almes BateelanS!

Dir RechtsopHvfition und Kommunisten stürzen das Kabinett Marx. / Wüste Nadauszenen im Landtag. / Neue Entscheidungen erst am 3. Mürz.

--halten, wenn sie selbst sich

Partei einer selbständigen Mitte mit eigenemVohth xhen Eharaker und Programm. Sie darf sich Nicht selbst zu einer Partei der Rechten oder einer Partei der Linken machen dos letztere würden wir genau ebenso schieden bekämpfen Darum kann der Weg der Eichen Volkspartei, die einfach zur Rechten l^esangen ist und die Mitte verlassen hat, n ich t L.“ Weg des Zentrums sein. Ebensowenig Sru/nn das Zentrum unter dem gegenwärtigen lassen & rÄ fid> in Linke hineindrücken 'M ? lft d'er immer wieder gesagt worden. Wir halten an der Politik der Mitte unter allen Umstanden fest' wer dafür kein Verständnis hat mag andere Wege gehen — dann aber auch die Verantwortung übernehmen und leben, wie weit er ohne das Zsntium kommt.

Lm Landtag ging am Freitag der Abstimmung eme wüste Radauszene voraus, die eine zweistün- vrge Vertagung nötig machte. Das Erscheinen des sozialdemokratischen Abgeordneten fieifmann nm Rednerpult wurde nämlich von den Deutst?> nationalen mit wildem Lärm beantwortet. Sie chrieen sowohl seine Worte, wie auch die des Prä- zdenten nieder, kümmerten sich nicht um das k7'n* u^d hämmerten mit den Fäusten auf d,e Pultdeckel so daß nichts übrig blieb, als eine Unterbrechung -der Verhandlungen Eintreten zu lasten. Hellmann hat dann doch ge- redet und nun seinerseits .enthüllt". Seine persön- ouf Stresemann und andere Mitiker der Rechten werden wohl klar gestellt wer- müssen.

Der Abstimmung ging noch eine endlose Reche j

t e 5" bezeichnet. Man kann es verstehen, daß der­artige Anwürfe gegen einen Mann, der feit Jahr­zehnten nicht nur als führender Politiker, sondern auch als eine auf a l l e n Gebieten weltanschaulicher Betätigung im katholischen Deutschland führende Persönlichkeit bekannt ist, im katholischen Volk die Helle Empörung hervorruft. Wenn Blätter, die mit demokratisch-jüdischer Unterstützung ihr „deutsch- uationales" Dasein fristen, aus ihrer Geistesverfas­sung heraus glauben, Rücksicht auf gewisse Be- z i e h e r, also geschäftliche oder „barmo* tisiente" Rücksichten, würden uns verhindern, dieser im Zentrumslager allgemeinen Empörung auch offen Ausdruck zu geben, so irren sie stark.

Muß man nicht sagen: „Armes Vaterland", wenn die schicksalsschweren Vorgänge im preußi­schen Landtag in diesem und jenem Gehirn als Endergebnis nichts anderes auslösen als eine — Abonnentenwerbung. Armes Vaterland, in dem der Gedanke der Dolkszusammengehörigkeit immer wieder durch fanatischen Parteigeist nieder­gedrückt wird. Einige Gruppen heißen sich na­tional, bilden sich ein, daß sie allein „national" seien, daß die anderen von Vaterland nichts wüß- ren und verständen. In W 0 r t e n sind diese „N a- tionalen" groß. Opfer zu bringen, auf Standesvorurteile zu Gunsten der Gesamtheit verzichten, das wollen sie nicht. Leute, die sich rm Krieg, als schwere Opfer im Namen des Vater- kandes verlangt wurden, in jeder Weise gedrückt haben, die geben sich jetzt „national", schauen mit Verachtung auf die „vaterlandslosen" Gesellen her­ab, die damals als schlichte Feldgraue 1n 9tot und Tod gegangen sind. Wenn die Zentrumspartei in Preußen mit ganzem Einsatz dagegen kämpft, daß der Klassenstaat wieder aufgerichtet wird, so des­halb, weil sie in den schweren Gefahren, die unser s 0 z i a l es Leben leider immer noch bedrohen, als einziges Rettungsmittel echte, wahre Volks- gemein schäft erkannt hat.

Der WegdesZentrums wird folgerichtig fortgesetzt. In der Zentrumspartei ist es gar mcht strittig, daß sie ihre politischen Ziele wie mit oer Linken so unter Umständen auch mit der Rech- j n SU verwirklichen suck)en kann. Aus diesem K ö n- ip e n folgt aber noch lange nicht ein M ü s s e n und fogar nicht einmal ohne weiteres ein D ü r f e n für ®cn "Seinen Fall. Es entbindet die Partei nicht im gegebenen Fall mit aller Gewissen- Hastigkeit zu prüfen, ob sie nach Maßgabe der au- tzen- und mnerpolitischen Lage von den Methoden, Sre sie anwenden kann, so oder so Gebauch zu ma- w?n E De>. Angriffen auf die Ehre der Partei, wie letzt, ist die Frage nach dem Dürfen bestimmt zu verneinen.

Stresemann gegen herlmann.

Reichsaußenminister Stresemann erläßt -folgende Erklärung: Der ? bg. Heilmann hat im preußischen Landtag nach Zeitungsnachrichten gegen mich verschiedene Angriffe gerichtet, denen gegenüber ,ch folgendes erkläre:

Mr ist bei einer Gesellschaftliche anstaltuna

der Piabrrkbesitzer Weber (dar Svrift-

von persönlichen Bemerkungen voraus. ! U. a. erklärte Abg. W u l l e von den Nationalsozia- listen, er sei wegen einer Veinverkürzung seinerzeit nicht kriegsvcrwendnugsfähig gewesen und deshalb zuhause geblieben. Abg. H e i l m a n n (Soz.) er­widert, daß bet Ausbruch des Krieges Wulle, Heil- mann und . incr in Chemnitz gewesen seien. Der Unterschied sei nur der gewesen: Heilmann und Suttner seien freiwillig ins Feld gezogen, und Wulle sei freiwillig zuhause geblieben. (Stür­mische Heiterkeit.)

Bei der Abstimmung im Preußischen Landtag über die Regierungserklärung wurde der Vertrau­ensantrag der Regierungsparteien mit 221 gegen 218 Stimmen abgelehnt.

Ministerpräsident Marx erklärte darauf im Na­men des Gesamtkabinetts die Demission des Ka­binetts.

Die von den Oppositionsparteien in reicher Fülle eingebrachten Mißtrauensanträge brauchten nicht Hur Abstimmung gebracht zu werden.

Das Kbftimmungsergebms.

An der Abstimmung über das Vertrauensvotum der Koalitionsparteien für die Regierung Marx nahmen im Landtag 439 Abgeordnete teil. Für Marx stimmten 218, gegen ihn 221, es fehlten also 11 Abgeordnete; fünf davon entfielen auf die Op­positionsparteien, sechs auf das Zentrum. Die Sozialdemokraten und die Demokraten waren vollzählig zur Stelle. Bei der Opposition fehlten zwei voll'sparteiliche Abgeordnete und vier Kom­munisten, beim Zentrum die Abgg. Krug, Eismann, Röingh, Baumann, v. Papen und Lönartz. Die ersten beiden sind seit längerer Zeit schwer er­krankt, Baumann und Röingh haben sich erst vor kurzem krank gemeldet, wobei zu beachten ist, daß Röingh vor einigen Wochen beim Sturz der Re- aierung Braun bereits der Abstimmung unent­schuldigt ferngeblieben war. Jetzt fehlten unent­schuldigt nur die Abgg. v. Papen und L ö - n a r tz, die ebenfalls beim Sturz Brauns gefehlt hatten. Die Lücken im Zentrum haben zum Sturz der Regierung Marx beigetragen. Die Angelegen­heit hat in der Zentrumsfraktion bereits ein Nach­spiel gehabt, die Fraktion hat in einer Sitzung folgenden Beschluß gefaßt:

„Die Fraktion sicht nach dem heutigen Verhalten der Herren Lönartz und v. Papen, die durch ihr un­zweifelhaft absichtliches Fehlen bei der entscheidenden Abstimmung wesentlich zum Sturz des Kabinetts Marr beigetragen haben, keine Möglichkeit mehr, mit den Ge­nannten in der Fraktion weiterhin zusammenzuarbeiten. Sie beauftragt daher den Vorstand, die beiden Abgc- ordneten unverzüglich zur baldigen Niederleguna ihrer Mandate aufzufordern."

Der Vorstand der Zentrumsfraktion trat noch abends zusammen, um die in dem Fraktions- befchluß verlangte Aufforderung zum Mandatsver­zicht an die Abgg. v. Papen und Lönartz zu for­mulieren.

Der in allen politischen Lagern als ehrlicher Politiker und als vornehmer Mensch geschätzte Füh- srer der deutschen Zentrumspartei Wilhelm Marx Hat den Versuch gemacht, in Preußen eine Re­gierung zu bilden, zu der a l l e Bevölkerungskreise Zutrauen haben konnten. Er hat mit Geduld immer wieder versucht, die auseinanderstrebenden Par­teien für gemeinsame positive Arbeit zu werben. Er Hat die Hand nach rechts und nach links ausgestreckt 'im Zeichen der Versöhnung. Die Sozialdemokra- len haben, wie bekannt ist, unter Zurücksetzung mancher Parteiinteressen die Mitarbeit zugesagt, Die Rechtsparteien, geführt von den Deutschnatio­nalen haben jedes Entgegenkommen zurückge­wiesen. Nicht nur das: die führenden Organe der Deutschnationalen haben Marx in der übelsten Weise beschimpft. Die deutlchnationale „Kreuz­zeitung" hat Herrn Marx als „einzige uner­hörte Provokation des deutschen Vol-

Nun also haben die In der Opposition vereinig­ten Deutschnationalen, Deutsche Volksparteller und Kommunisten das Ziel erreicht: Die Regierung Marx ist gestürzt. Gestürzt, noch ehe sie überhaupt zur Tätigkeit kommen konnte! Die abgrundtiefe parteipolitische Verbohrtheit dieses Vor ' sich „nationale" Parteien leisteten, h' völlig in die Erscheinung, wenn ma- daß die Formel, gegen die diese P . ,........

ten, nichts anderes wollte, als die R e g 1 e r u n g s» r>eit"in ber S$äbT'berl ®re,= I ° rklSrung zu billigen. Und dieser Keqie-

behatten wmck sie I-m? Methoden und Wege rungserklärung ist von den Vertretern auch der vehalten. wenn^sie felbst fjd) treu bleibt als | Rechtsopposition durchaus zugestimmt worden. Nie­mand konnte es überhaupt wagen, auch nur ein Wort der Kritik gegen dieses in Wahrheit natio­nale Programm zu richten. Und dieselben Parteien, die nicht die Macht hatten, die Wahl des Ministerpräsidenten Marx zu verhindern, weil ihnen die kommunistische Assistenz fehlte, haben sich derselben Kommunisten bedient, um den echten Patrioten, den Typus eines pfichtbewußten Deut­schen, um Marx wieder zu stürzen. Sie verbün­deten sich mit P i eck, jenem Anführer der deutschen Michela, die sich, wie sich aus dem Leipziger Pro­zeß ergibt, zur Aufgabe gemacht hat. den deutschen vtaat mit Mord uni) Brand zu versuchten und die gegen das deutsche Volk mit Typhus- und Eyolerabazillen arbeitete!

Morx hat sofort für sich und fein Ministerium ben Rücktritt erklärt. Es ist natürlich ein unhalt­barer und auch unwürdiger Zustand, daß eine Opposition, die zwar in der Laae ist, zu zerstören, aber nicht in der Lage ist, Neues zu schaffen, sich als Herrn der Lage aufspielt. Es bleibt unter diesen Umstanden zu erwäaen, ob Marx nicht er­neut sich zur Wiederwahl stellt und mit demselben pabmett den Landtag zu einer neuen Ent­scheidung zwingt.

I Weber, ein Sprit-Schieber) vorgestellt worden, der den Wunsch aussprach, der Deutschen B 0 l k s p a r t e i beizuireten und Mitglied des Reichsklubs der Deutschen Dolkspartei zu werden. Der genannte Klub, der keine engere Verbindung ist, sondern über 1500 Mitglieder zählt, hat nach seinen Satzungen die Pflicht, jeden als Mitglied auf­zunehmen, von dem bekannt ist, daß er zur Partei gehöre. Nach der Erklärung des Herrn Fabrik­besitzers Weber hatte ich keine Veranlassung, mich irgendwie gegen die Aufnahme zu wenden, zumal er mir von einem Mitalied der vollsparteilichen Reichstagsfraktion vorgestellt wurde. Es ist lelbst- oerständlich unmöglich, jemanden, der sich der Par­te: anschließt, vorher zu fragen, ob er in Zukunft mit den Gesetzen in Konflikt kommen würde. So­bald der Reichsklub erfahren hot, daß gegen Herrn Weber Verdachtsmomente vorliegen, ist er aus den Mitgliedslisten gestrichen worden und davon sofort benachrichtigt worden. Die Beiträge und Stif­tung en, die Herr Weber der Deutschen Volks­partei aemacht bat, haben insgesamt den Betrag von 1000 Goldmark nicht erreicht.

Die Besetzung der Landratspoften.

Im preußischen Staatsrat gab bei der Etatsberatung Staatssekretär Meißner Ver­gleichszahlen der sogenannten Außenseiler aufden Landratsposten1916und An­fang 19 2 5. Während die erstere Kategorie 1916 noch 30 Prozent betrug, waren es Anfang 1925 mir noch 13 Prozent, denen 82 Prozent aus der juristischen Verwaltungslaufbahn mit Assessoren­examen hervorgegangen: Landrüte gegenuberstehen. Die katholischen Landräte betrugen 1904 14 Prozent, während die evangelischen 86 be­trugen. 1916 waren die entsprechenden Zahlen 15 bzw. 85 Proz. Anfangs 1925 28 Proz. bzw. 74 Prz., wozu noch 8 Prozent Konfessionslose kommen. Im übrigen überwiegt jetzt das bürgerliche Element gegenüber dem adeligen.

Zum Haushalt des Ministers für Volks­wohlfahrt teilt der Berichterstatter Dr. Fuchs mit, daß der Etat mangels der erforderlichen Mit­tel wesentlich eingeschränkt worden sei. Das sei im Interesse der Dolksgefundheikspslege außerordentlich bedauerlich. So werde z. D. der K a m p f g e g e n den Alkohol solange nicht wirksam geführt wer­den, solange eine Flasche Mineralwasser teurer sei als ein Glas Bier. Das Ministerium und das ge- ae Kabinett sollten sich beim Reich für die Ge­rung höherer Mittel für die gesamte allgemeine Wohlsahrtspflege einsetzen.

Das Werk Mussolinis.

Die italienische Dahlreform vom König genehmigt.

wtb Rom, 21. Febr. (Tel.) Der König hat die Wahlreform sanktioniert, die demnächst im Amtsblatt veröffentlicht werden soll.

Reue Konferenz?

Deutschland will über den Bericht der General- kommissiou mündlich verhandeln.

wtb paris. 21. Febr. (Tel.) Der Londoner Berichterstatter des „petd parifien“ meldet seinem Blatte, die d e u t s ch e Regierung habe eineu Schrill bei der englischen Regierung unternommen, um mündlich Verhandlungen mit den Alliier­ten über die Aragen zu ermöglichen, die in dem Bericht der Generalkom Mission auf­geworfen worden sind. Die deutsche Regierung führe als Präzedenzfall die Konferenz von London an. die im August skattgefunden habe, um den Da- wesplcm in Kraft zu sehe». Auf deutscher Seite erkläre man, cs sei leicht, zu einer Verständigung mit den Alliierten in fast allen Dunklen zu kom­men. Man habe nur Vorbehalts bezüglich der Unterbringung der Sicherheitspolizei in Ka­sernen gemacht. Der LeriÄkerstatter will erfahre» haben., daß man e n g i i? ch s r s e r ls dem deut­schen Verlangen 'Folge geben wolle.

Die Kleine Entente.

Konferenz in Bukarest über die Donau-Mderallon.

wtb Rom, 21. .^ebr. (Tcl) Rach einer Bel­grader Meldung wird die K 0 n f e r e u z der K f e l- nca Entente rem 15.—20. Mörz in Bukarest siattfiadsa. Lsnesch. der sich direkt ton Genf nach Bukarest begeben will. beabsichtigt, auf der Durch­reise nach Belgrad sich mit dem jugo'lanschcn Außenminister Rilsich zu besprechen. Der ßatpf- gegensiand der Konferenz soll die Stage der Dona »-Föderation fein.

Romrelle des Kardinals von pariu

wtb paris, 21. Fedr. (Tel.) Der ErMcho von pari», Kardinal Dubois. Hst eine Reise nad Rom angctreten.

Der amerikanische Botschafter in Berlin.

wtb Rewy 0 rk, 22. Febr. (Funksprvch). Die „Auozialed preß" meldet aus Washington, daß Präsident Loolidge die Ernennung des Rachsslzers Botschafters in Berlin, H 0 n g t h 0 n, voraussicht­lich bis nach dem 4. Marz aufschieben werde.

* Verlegung eines ReqiernnqssitzeS. Mit der Derleaung des Regi>runzsfitzes von Arnsberg (Westft) in bas Industriegebiet dürfte in Xtihge mit Bestimmtheit zu rechnen sein. Es hat betens rin lebhafter Wettbewerb mehrerer Städte um die Regie»itnt eingesetzt. Aicher Tortmund Haber sich Hagen, Witten und Bochum gemeldet.

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Sie RlAenIWjgulWN oor dm RriWag.

Don unserem parlamentarischen Vertreter:

.Die schon vor ihrer Vorlage an die Oeffentlich- feit außerordentlich heftig besprochene Denkschrift der Reichsregierung über die der Ruhrindustrie aus Anlaß der Besetzung gewahrten Entschädigun­gen bieten nun den Gegenstand einer überaus tem­peramentvoll geführten Aussprache tm Reichstag selbst.

Die Reichsregierung war durch den Reichs­kanzler, den Außenminister Stresemann und den Finanzminister v. S ch l i e b e n vertreten. Letzterer begründete in einer formulierten Erklä­rung die Berechtigung der Indemnitätsforderun- gen, ging aber auf Einzelheiten der Denkschrift nicht ein. Der sozialdemokratische Redner Herz übte eine überaus scharfe Kritik an den Me­thoden der Auszahlung und an den Summen, die den betreffenden Industrien überwiesen worden ind. Er geht mit großer Rücksichtslosigkeit gegen )en alten Minister Stresemann vor wegen eines Briefes an die Industrie, welcher die grünt)- Wiche Zusage zu diesen Entschädigimaen gibt und er geriet dadurch mit Stresemann selber in Kon­flikt, der überaus erregt und nervös auf feinem Platze hin- und herrückte und mit der Faust auf den Tisch schlagend, wiederholt heftige Einwendungen macht. Herz forderte nicht nur A'^lärung über diese Ruhrentschcidigungen, sondern auch über da­rüber hinaus der Ruhrindustrie zugeslossene Gelder und Kredite.

Für die Deutschnationalen, die Dolkspartei, dis Wirtschaftliche Vereinigung und die Bayerische Volkspartei gab der volksparteiliche lllbgeordnete Dr. Cremer eine Erklärung ab, in welcher eben­falls eine Nachprüfung für erforderlich gehalten, aber zum Ausdruck gebracht wird, daß die Maß­nahmen geboten und auf Grund der Zusage der Reichsregierung vollzogen wordcn seien. Die Nachprüfung soll sich aber auch darauf erstrecken, ob die Behauptung riditig ist, daß durch diese Ent­schädigungen die Finanzen des Reiches geschädigt wordcn seien. Die Zentruinsfrak- lion formulierte ihre Stellung dahin, daß der Gimndsatz der Entschädigung als solcher nickt be­stritten werden könnte, und daß es eine gebotene Notwendigkeit war, die schwergeprüfte Bevölke- > rung des Einbruchsgebietes vor Berkümmerung ° und Existenzvernichtung zu bewahren. Aber auch - das Zentrum ist der Slusfasiung, daß eine Nach- j r ü f u n g über die bei der Auszahlung erfolatsn j Methoden erforderlich iL 1

Der Reichskanzler Luther greift felbf. in die Debatte ein. Er wird sehr heftig von den Sozialdemokraten attackiert, sodaß er sein Tempera­ment nicht mehr zu meistern vermag und sich über­aus heftig mit seinen Widersachern auseinander­setzt. Als den springenden Punkt bei seinen Nach­weisungen sieht Luther, der ja diese Dinge von An­fang bis zu Ende mitgemacht hat, daß es galt, die Arbeitslosigkeit im besetzten Gebiet zu lindern. Die Zahlungen sind erfolgt, damit das Wirtschaftsleben im besetzten Gebiet in Gang, und damit der arbei­tenden Bevölkerung Lohn und Brot erhalten bleibe. Mit stärkstem Nachdruck, mit der Faust auf das Rednerpult schlagend, ruft Luther in den Saal, daß die Regierung die Verantwortung gefühlt habe, das deutsche Volk durch die schwierigste Epoche hindurch^ zuführen, und daß damals über Formeln die tatsächliche Hilfe hatte stehen muffen. Diele Dinge werden nun in dem eigens bestellten Unter­suchungsausschuß noch näher zu erörtern fein.

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Der Sitzungsbericht über die Reichstagssitzung vorn Freitag ergibt, daß die in der Regierung ver­tretenen Parteien mit Einschluß der Zentrums­fraktion durch den Abgeordneten der Deutschen Volkspartei Dr. Cremer eine gemeinschaftliche Erklärung haben verlesen lassen, wonach die Behandlung der Angelegenheit in der Hauptsache dem hierfür zuständigen Haushaltsausschuß unt int übrigen einem besonderen Untersuchungsaus schuß überwiesen werden soll. Selbstverständlich darf dabet keine Verzögerung eintreten, sondern es soll mit tunlickster Beschleunigung auf genaue Fest­stellung des Sachverhalts in den beiden Ausschüs­sen hingewirkt wcrdem Mit besonderem Nachdruck sei betont, daß die Zentrumsfraktion schon vorher bei den bezüglichen Beratungen des Haushaltsaus­schusses darauf hingewiesen bat, daß im bedauer­lichen Gegensatz zu der schleunig durchgoführten Entschädigung der Großindustrie die Entschädigun­gen an die mittleren und kleinen Ruhraeschädigten verzögert wordcn feiert. Zugleich wurde von den Vertretern der Zentrumssraktion im Haushalts- ausschuß dringend Abhilfe und unverzüalick» Sckad- Ioshal<ung auch der mittleren und kleinen Existenzen nachdrücklich verlangt. Dieser Stel­lungnahme ihrer Vertreter hat sich auch die Frak­tion ausdrücklich angeschloffen und sie wird alles daran setzen, daß durch die eingesetzten Atrsschüffe unverzüglich den mittleren und kleinen Geschädig­ten ihr Recht zutell wird.