Einzelbild herunterladen
 

WMMMISW.tMWTMMpiM,

Anzeiger für die Skadk und den Kreis

ulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 35

Donnerstag, 12. Zebruar 1925

52. Zahrg

Berautwortlilb >ür Die Schrrstlrrtmia: Dr- 3o6anne8 Kramer, anieigeit: 3- «orreller, Fulda. Rviatwnttvrck und verlas der Sulderr «ditnirtrdetei ijt 7 eUe. SenckvrrLer Rr. S.

Monatlicher »Kusltreti: 1.50 ML

®nsetaen«Steife: Kleioseile «Colonel) lokal 0.15 Goldmart anlwr-ts 0,30 Gold mark: Rskiamereile lokal 0,60, Goldmark «lilwSrtS 0,80 Goldmark. rt

Bef DisderLolanaen Rabatt- PolNcbe-Non'o Frankfurt a. M. 4051

Vie Wahl in Preuße», n

Das Abstimmungsergebnis bei der Wahl des preußischen Ministerpräsidenten hat von vornherein feinen Zweifel an der Wahl des bisherigen Reichs­kanzlers Marx gelassen. Zwar brachte der erste Wahlgang Marx nicht die Mehrheit. Bei 443 gül­tigen Stimmen waren 222 für die absolute Mehr­heit notwendig. Marx erhielt jedoch nur 219. Da­gegen zeigte der zweite Wahlgang, in welchem Marx 223 Stimmen erhielt, daß er, wenn die feh­lenden Abgeordneten schon bei der ersten Abstim­mung anwesend gewesen wären, sofort im ersten Wahlgang durchgedrungen wäre.

Die Deutsche Volkspartei und die Deutschnatio- malen haben diesmal als Kandidaten für dos Mi­nisterpräsidium nicht den deutschnattonalen Herrn von Kries aufgestellt, weil mit der Wahl des Mi­nisterpräsidenten ja auch gleichzeitig die endgültige Wahl des in Preußen zunächst nur auf vier Wochen bestellten ersten Landtogspräsidenten verbunden wurde. Als Kandidat der Rechtsparteien fungierte diesmal der Volksparieiler von Richter, der im Kabinett Braun Finanzminister war. Bei der ersten Abstimmung erhielt Richter 153, bei der Mei­ßen Abstimmung 162 Stimmen. Die Wirtschafts- Partei, die mit Lad en darf einen eigenen Kan­didaten aufstellte, vereinigte beim ersten Wahlgang auf ihn 16 Stimmen, gab aber beim zweiten Wahl- Eg unbeschriebene Zettel ab. Die Kommunisten mten im ersten und zweiten Wahlgang für Bieck, die beim zweiten Wahlgang auf ihn ab­gegebenen 42 Stimmen mußten für ungültig er- Mrt worden, weil für die Stichwahl nur diejenigen Zwei Persönlichkeiten in Frage kommen konnten, die die höchste Ziffer erreicht hatten.

Für die Wahl des Landtagspräsidenten nomi­nierten die Rechtsparteien den deutschnationalen Abg. von Kries. Die Sozialdemokraten hielten «n Bartels fest, der dann auch gewählt wurde. Der Zentrumsabgeordnete Porfch bleibt nach rote vor erster Vizepräsident.

Sn der Presse waren verschiedentkich die Mit­tellungen verbreitet, daß als Kandidat für den preußischen Ministerpräsidenten von der preußi- 'schen Zentrumsfraktion u. a. auch der Reichstags- obgeordnete Joos genannt worden fei. Wir möch­ten dazu mitteilen, daß eine derartige Kandidatur niemals in Rede gestanden hat und in der Zen­trumsfraktion auch nicht zur Erörterung stand. Dort ist nach dem Scheitern der Kandidatur Horion ein­zig und allein Reichskanzler Marx genannt wor­den.

Die Bedeutung der Ministerpröfidenten- wahl in Preußen, die zu der Uebertragung dieses Amtes an den bisherigen Reichskanzler Marx rührte, kann nicht leicht überschätzt werden. Die Wirkungen dieser Wahl auf die innerpreußische imd namentlich auf die Reichspolitik sind ohne weiteres zu erkennen.

Die Führung der preußischen Politik unter einem Zentrumsparlamentarier bedeutet eine über­aus starke Bindung für die Rechtsparteien, ins­besondere die Deutschnationalen und zwar nicht nur in Preußen, sondern vor allem im Reich. Der un­geheuerliche Kampf, der in den Versuchen liegt, die von niemandem in Schutz genommenenAsfä- ren* der letzten Zeit der Zentrumsvartet als solcher an die Rockschöße zu hängen, ist gerade non der deutschnationalen Seite mit ganz beton­terer Stoßkraft geführt worden. Das Ziel war mmer, das Zentrum mürbe zu machen, es ausein- anderzutreiben und seins Mitglleder der Wähler- fchast gegenüber zu verdächtigen. Das allein ist ffl auch der Grund, warum die Deutschnationalen k stark auf eine Landtagsauflösung in P r e u ß e n hindrängen. Sn dem Augenblick, in tiem JDl arx als Ministerpräsident in Preußen er- wählt war, brachte « dieDeutsche Tageszeitung" fertig, dem Zentrum mit .Neuwahlen im Zeichen Dormat' zu drohen.

Die Deutschnationalen mögen sich klar darüber fciit, daß das Zentrum ein sehr wachsames Auge darauf haben wird, wie sich ihr Verhalten gegen­über Marx und (eine Politik gestaltet. Gerade das Zentrum im Reiche, das seinen besten Mann für Preußen geopfert bat, well es der Ueberzeugung war, daß nur diese von höchstem nationalen Pflicht- Bewußtsein erfüllte Persönlichkeit noch bas aller- schlimmste in Preußen verhüten kann, wird die Politik und Taktik der Deutschnationalen peinlich verfolgen. Würden die Deuischnationol-n den Der- such machen, die Stellung des Sabinett-s Marx zu erschüttern, ihn gar in derselben gehässigen per­sönlichen Art zu bekämpfen, wie das bisher der Fall war, dann würden die Folgerungen für die Stellung des Zenttums im Reiche ganz von selbst gegeben sein. Das Zentrum tm Reiche würde es dann ablehnen müssen, mit einer Regierung Mammenzuarbetten, in welcher die Vertreter einer solchen Partei säßen.

Das Zenttum, und gerade ein Mann wie Marx wollen sachliche Arbeit im Dienste des gan­zen Vaterlandes leisten. ,r

Das kommende Kabinett.

lieber die Wahl Dr. Marx' zum preussischen Ministerpräsidenten schreibt die .Germania': Marx hat die Wahl noch nicht angenommen. Er w'rd das erst tun, wenn er die Verhandlungen mit b:n Parteien abgeschlossen bat. Alle Mitteilungen über die Namen der zukünftigen Minister und verfrüht. Marx wird erst am Mittwoch die Verhandlungen mit den Parteien aufnehmen. Er wird sich mit Ausnahme der Kommunisten und der Völkischen mit allen Parteien in Verbindung setzen. Von dem Verhalten der Parteien wird eS dann abhängen, wi» Marx sein Ministerium bilden wird. Verbleibt die Deutsche Volkspartei btt ihrem ablehnenden Standpunkt, dann tottb Marx ein Kabinett bilden, das sich parlamentarisch in der Hauptsache auf das Zentrum und die Demokraten stützt.

W Die Skandale

Von preußischer parlamentarischer Seite schreibt man uns:

Aus dem Verfahren B a r m a t - K ii t i s- t er und P r eußifche Seehandlung haben sich allmählich eine ganze Reihe von neuen Verfahren entwickelt, die in einem viel enge­ren Zusammenhang stehen, als es für den ober­flächlich Urteilenden zunächst erscheint. Wir möch­ten das Eine sogleich vorweg nehmen: Alle diese Fragen haben sich dank der Tätigkeit der parlamen­tarischen , Untersuchungsausschüsse allmählich zu hochpolitischen Angelegenheiten entwickelt. Man kann auf diese Tatsache nicht oft genug Hinweisen. Der Leser im Lande hat naturgemäß versucht, alle diese Prozeßberichte etwa im Sinne von Prozessen, wie sie bei Gerichten üblich sind, zu behandeln und zu beurteilen. Dem gegenüber muß mit aller (Ent» schisdenheit darauf hingewiesen werden, daß der politische Charakter aller dieser sogenannten Skan­dale zur größten Vorsicht in der Beurteilung mahnt.

Leider haben die parlamentarischen Unters»- chungsausschüsse nicht dazu beigetragen, diese Prozesse der Atmosphäre des Agitatorischen zu ent­ziehen. Im Gegenteil: Gerade die parlamentari­schen Untersuchungsausschüsse haben es dahin ge* bracht, daß die politische Auswirkung sich immer stärker vor die Sache gestellt hat. Hinzu kommt dann noch die willkürliche Prärie der Untersu­chungsausschüsse, in denen es den Abgeordneten völlig freigestellt ist, jede ihnen gut erscheinende Frage an den Zeugen zu stellen. Man kann nicht gerade sagen, daß das Niveau der Fragen ein be­sonders hohe, ist. Kein Wunder, wenn die Fra- gen im allgemeinen mehr aus agitatorischen als aus Gründen der Sachlichkeit gestellt werden. Man hat die Empfindung, als wenn es den einsichtigen Elementen innerhalb der Parteien allmählich selbst zu bunt wird und sie den Versuch machen, die Sucht nach Agitationsstoff einzuschränken. Aber erst langsam und infolge der sich ergebenden Mißstände fmbet die ruhigere Betrachtungsweise bei den Parteien immer stärkeren Boden. Cs ist zu hoffen, daß, nachdem die Agitationswut und die Sucht der politischen Ausschlachtung sich als ein durchaus zweischneidige« Schwert erweist daß nun muh die sachlichere Behandlung stärkere Beachtung imden wird. Nicht uninteressant ist die Tatsache, daß sowohl die äußerste Rechte wie die äußerste Linke an der rein agitatorischen Zuspitzung der Ausschußvechkmdstmgen den allerstärksten Anteil hat.

Aber man wird abwarten müssen, ob nicht auch den extremen Parteien die Lage allmählich unbe­quem wird, da es naturgemäß ein Leichtes ist, die unsackLiche Betrachtungsweise auch auf sie selber anzuwenden. Man wird interessante Dinge in dem Ausschuß erleben, der zur Prüfung der Verfehlungen der Landespfandbriefonftal- ten in Preußen eingefegt ift. Hier wer­den sich, wenn die Linksparteien dieselbe agitatori­sche Zuspitzung wollen, welche die Rechtsparteien im sogenannten Barmat-Ausschuß beliebten, die Männer des Angriffs gegen Barmat sehr bald in der Defensive befinden, wenn es sich um Herrn Nehring,oon Zitze witz und Konsorten han­deln wird. - .?

(Es ist nötig, daß mau sich weder in Verwirrung stürzen läßt, denn das ist das partei­politische Ziel gewisser Kreise, dir offenbar die Reichspräsidentenwahl vorbereiten wollen, noch daß man sich zu allzu raschen Urteilen hinreißen läßt auf Grund von irgendwelchen Zeugenaussa­gen, die noch der Nachprüfung bedürfen. Die Zen- trumsfratoonen im Reichstag sowohl wie im Preußrschen Landtag bemühen sich auf das lebhaf­teste um eine möglichst sachliche Behandlungs­weise, ausgehend, von dem Gedanken, dßß alle wirklichen Verfehlungen, mögen sie oor- gekommen fein, wo sie wollen, also a u ch i m e i g e- nen Lager, geahndet werden ntiiffen und gmar je schneller, desto besser. Aber wir wehren uns dagegen, daß man in unsachlicher WeiseFeststellungen" macht, die entweder gar keine sind oder die parteipolitische Agitationssucht aufs deutlichste an der Stirne tragen.

Ausschluß Bauers.

Der engere Bezirksvorstand der Berliner Sozial­demokratischen Parteiorganisation hat beschlossen, dem erweiterte» Parteivorstand mitguteilen, daß er die weitere Zugehörigkeit Bauers znr Partei, dessen Verhalten gegenüber der Partei einen schweren Bertrcmensbruch darsrelle, für unmöglich halte.

Dr. hoefle verhaftet.

Auf AnSsageu des IuiruS Barmat hi».

AuS Berlin wird gemeldet, daß der ehemalige Reichspostminister Dr. Hoefle am DienStag im Moa- biter Gerichisgebäude, wohin er zur Vernehmung bestellt worden war, auf Veranlassung des Ober- staatsanwalts Dr. Linde verhaftet worden fei. Kurze Zeit darauf sei gegen ihn der formelle Haft» befehl wegen passiver Bestechung ergangen. Wie die Blätter melden, liegen die Gründe zur Verhaftung Dr. Soefles in den Angaben Suliu S Barmats, der Hoefle schwer belastete. Ferner habe sich herauS- gesteüt, daß in den letzten Tagen in den späten Abendstunden verdächtige Kisten au§ der Villa Dr. Hoefles fortgeschafft worden seien. Die Der« Haftung sei also wegen Verdunkelungsgefahr CqOlqt.

Wie dasB. T." hort, ist der Zentrnmsabge- ordnete Lange-Hegermann vom Borstand der Zentrumsfiaktion des Reichstags aufgeforbert worden, sein Reichstagsmandat niederzu- legen. Lanae-Leaermann ift dieser Aufforderung

and kein Ende.

bisher noch nicht nachgekommeu. DemLokal- Anzeiger" zufolge soll die Staatsanwaltschaft die Zentrumsfraktion darum ersucht haben, Sange- Hegermann zur Niederlegung seines Mandats zu veranlassen. Andernfalls würde die Staatsanwatt- chaft an den Reichstag das Ersuchen um Aufhebung der Immunität stellen, da Lange-Hegermann in Untersuchungshaft genommen werden soll.

Bittere Wahrheit

sagt aus Anlaß der A f f ü r c H o s f l e dasWests. Dolksblati". Seine Ausführungen, die wir im ganzen Umfang unterschreiben, gehen von dem Umstand aus, daß man leider immer noch anueh- men mußte, Dr. Hoefle werde mit Erfolg die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zurückweisen können. Setzt, nachdem er durch die Mandatsnie­derlegung eine solche Möglichkeit selbst als nicht mehr für gegeben erklärt, sagt das führende West­fälische Zentrumsblatt:

Das ist es nicht, worüber alle Zentrumsleuts <3ritnm und Bitterkeit empfinden, daß der oder jener Abgeordnete im Besitze menschlicher Fehler und Schwächen betroffen wurde, denn so­weit nur die allgemein menschliche Seite in Frage kommt, hat für uns alle das Wort zu gelten:Wer frei ist von Schuld und Fehl, der werfe den erften Stein auf sie." Aber mit der menschlichen Seite haben wir es hier nicht zu tun; es handelt sich um die grundsätzlichenAnforderun- g e n, denen Abgeordnete und insbesondere Zen­trumsabgeordnete zu genügen haben, und in dieser Hinsicht sind keine Konzessionen m 8 g - l ich, nicht an den sogenannten Zeitgeist noch an subjektive Eigenschaften oder Auffassungen. Zen­trumsabgeordnete müssen ein erhöhtes Maß von Rein lichtet tsgefühl besitzen und ein geschärftes Unteifcheidungsvermögen für die Be­urteilung ihres Handelns. Wir ertragen keine Zentrumsabgeordneten, die nach außen christ­liche Grundsätze laut betonen und für ihr eigenes Handeln diese Grundsätze nach persön­lichem Gutdünken auslegen; wir ertragen keine Zentrumsabgeordneten, die keine Klarheit be- An» über die»HneniM&n Prinzipien- christlicher Staatspolitik und die in ihrer Einstellung zu den I weltlichen Dingen von den strengen Grundsätzen I der christlichen Sittengesetze abweichen.

Wir wiffen: nicht jeder Zentrumsabgevrdnete | kann ein Gröber sein ober ein Burlage; nicht jeder ist ein Marx ober ein Herolb. Wir wissen, daß nicht jeder imstande ist, es ihnen nachzutun in der unbeugsamen Starrheit und Strenge der Pflicht­erfüllung und Lebensführung. Aber wir wiffen auch, daß es nicht mehr viele Fälle der vorliegenden Art geben darf, ohne daß die Zenttumspartei in die schlimmste Gefahr kommt. Abgeordnete, die sich nicht auf Schritt und Tritt bewußt lind, daß sie nicht nur die Ehre der Partei, sondern auch deren Schicksal in den Händen tragen, können wir im Zentrum nicht gebrauchen, und noch weniger wollen wir Abgeordnete in un­seren Reihen sehen, die der Auffassung sind, als könnte man dieses Amt offen ober insgeheim zur Erlangung persönlicher Vorteile benutzen. Wir kennen viele Zentrumsabgeorbnete, bie eine lau­tere unb strenge Auffassung von ihrem Amte ha­ben imb diese Auffassung durch ihre Lebensfüh­rung beweisen; alle kennen wir sie nicht, aber bie Fraktionsleitung kennt alte unb ist den Wäh­lern wie ber Partei gegenüber strenge verpflichtet, nach bem Rechten zu sehen, wenn nicht ber Bestand der Partei schwersten Schaben leiden soll.

Sst bas eine Sache, die uns nichts angeht und über bie lediglich eine oberste Instanz zu be­finden hat? Wir find nicht dieser Auffassung. Wofür glaubt man, daß sie alle arbeiten, denen der Erfolg bei den Wahlen in erster Linie zu dan­ken ist? Wofür gehen unsere Vertrauens­leute von Haus zu Haus und kaffen sich von allen Wankelmütigen und Verdrossenen schlecht be­handeln? Wofür laufen sie von einer Tür zur j anderen, wenn sie die Beiträge einsammeln und lassen sich wie lästige Bettler abkanzeln? Wofür ratöen sich unsere Parteibeamten mit ihren ärm­lichen Gehältern auf und nehmen zu Wahkzeiten nicht wochen-, sondern monatelang übermenschliche Arbeit auf sich? Wieviel Selbstüberwindung ge­hört dazu, um alle Bitterkeit hinunterzuschlucken, bte mit der freiwilligen Parteiarbeit so gut ver­bunden ist wie mit der amtlichen! Wir tun es alle aus Idealismus, erfüllt vom Glauben an bie 3bee, aus tiefster Ueberzeugung von ber I Notwendigkeit einer starken Partei, die sich für die I Beachtung christlicher Sittengssetze im Staats- und I Dolkerleben einsetzt. Wenn dieser Idealismus unb | das Vertrauen zur Führung nicht einen schweren I Sioß erleiden sollen, dann muß mitUnerbitt - I lichkeit dafür gesorgt werden, daß uns Peinlich- I ketten rote die der letzten Zeiten in Zukunft ein I für allemal erspart bleiben; wie, das ist Sache I der Verantwortlichen. 1

deutsches Reich.

* 3» der Reickstagssitzung am Dienstag mußte sich der bekannte führende Abgeordnete bet Deutschen Bolkspartei und frühere Reichsminister Dr. Becker- Hessen gegen persönliche Presse-Angriffe wegen Kre- diten an die Nntschast zur Zeit der Ruhraktion zur Wehr fegen. Es wurde dann der Haushalt des Reichsarbeitsmtnisteriums weiterberaten. Auch am Mtikwoch steht biejet Punkt noch auf der Tages­ordnung.

Frankreich und Vatikan.

Eine Ansprache Pins XI. Die Handlungsweise Herrioks.

Der Papst hielt am Sonntag gelegentlich einet Verlesung der vorbereitenden Dekrete für die Hei­ligsprechung des seligen Joseph Borat eine An­sprache, in der er sich in scharfen Worten gegen die antikirchliche Politik Herriots wandte. Er erklärte, er könne seinen Kummer und seine Beftognisse nicht verheimlichen. Wir glauben, so führte der Papst aus, sagen zu können, daß wir füglich eine solche Handlungsweise von einem Lande am wenigsten erwarten könnten, das uns so teuer ist unb die Namen der Erstgeborenen in der großen katholischen Familie trägt. Der Papst beteuerte, daß man alles Mögliche tue und sage, um die Beziehungen abzubrechen, die man früher gewollt, deren Einhaltung matt versprochen und die der Heilige Stuhl selbst stets gewissenhaft ein- gehalten habe und seinerseits auch immer einhalten werde. Er rügte, daß man öffentlich ohne weite­res vorschlage, diese Beziehungen in solche von a n- derer Form und Bedeutung umzuwandeln. Ein derartiges Vorgehen sei eine offenbare, allseits be­merkte Beleidigung, nicht seiner Person, die nicht in Betracht kommen dürfe, sondern des H e b ligen Stuhles, auf bem, selbst in der Person eines unwürdigen Stellvertreters, doch immer in göttlicher Majestät Jesus Christus throne. Zudem seien diese Tatsachen von den Staatsmännern in der Oeffentlichkert entstellt worden. Diese ganze Handlungsweise gegenüber jemandem, der keine andere Waffe habe, als seilt gutes Recht auf die Fortdauer der Beziehungen, die man abbrechen wolle, sei nicht gerecht unb nicht ebel- m ü t n g. Eine solche Handlungsweise sei vielmehr, um es mit einem Worte zu sagen, nicht fran­zösisch. Der Papst rotes sodann darauf hin, daß auch aus dem Bösen Gutes entstehe, insofern nämlich, als durch ganz Frankreich ein religiöses Erwachen gehe.

Gerüchte über den Papst.

web London, 11. Febr. (IcL) DerHlor- ningpoff- zufolge verlautet in römisch-katholischen Kreisen Englands, es bestehe eine große Wahrschein­lichkeit, daß zwischen dem Papst und Mussolini in Jacjtm ein Äon torbtrt zusisude kommen würde. 3n diesem Falke beabsichtige der Papst eine Weltreise zu unternehtnen. Dasselbe Blatt meldet aus Rom, daß in dortigen Kreisen die Er­klärung des Papstes über die Haftung des französi- schea Ministerpräsidenten gegenüber dem Vatikan lebhaft erörtert werde. Man sei der Ansicht, daß der Papst bereit sei, zum Vesten der katholischen Kirche in Frankreich jedes Opfer zu bringen, unker der Voraussetzung, daß die R e chl e u nd w ii rde des heiligen Stuhles gewahrt bleibt.

Die eingangs erwähnten Mitteilungen über die Stellung des Vatikans zu Italien fanden ja in den letzten Jahren häufig statt; bislang haben sie sich nie bestätigt. » » w«.

Der deutsch-siamesische Vertrag.

Welche Bedeutung die betufene Vertretung | der deutschen Wirtschaft,. der deutsche Indttstrie> I und Handelstag, dem jetzt im Reichstag rati- I Werten deulsch'siamesisckerHanSelsvertiag beilegt, gehl ] auS einer vor der Ratifizierung an den Auswärtigen I Ausschuß gerichteten Kundgebung hervor. Darin I heißt es:

| Nach öen Bel ichten zahlreicher In du ft r i -> I und Handelskammern macht sich die Tatsache. I daß das am 28. Februar 1924 unterzeichnete deutsch- I siamesische Wirtschaftsabkommen noch immer nicht rati> I stztert ist, überaus hemmend bemerkbar. Unter 1 Ueberroinhung großer Schwierigkeiten ift es seit dem | Herbst vergangenen Lahres gelungen, wieder siamesisch, I Staatsaufträge, an denen Deutschland früher in seh, I beträchtlichem Umfange beteiligt gewesen ift, I her deutschen Industrie zuzusühren. Weitere u m- I fangreiche Aufträge stehen in Aussicht. Dor- I aussetzung für den weiteren Ausbau dieser Verbinüun- I gen, die im Hinblick auf großzügige Reformpläne der sia­mesischen Regierung von Kennern der Landes allgemein für sehr aussichtsreich gehalten werden, ist je­doch die baldige Beendigung des gegenwärtigen Zustandes zwischen Deutschland und Siam, dessen all­gemeine Grundlage noch immer der Versailler Vertrag bildet. Unter großen Schwierigkeiten und Opfern ist es Vertretern deutscher Finnen gelungen, die Einreisegenehmigung zu erreichen und beträchtliche Lager find bereits wieder errichtet worden. Alles dieses droht mit einem Schlage hinfällig zu werden, wenn der vor nunmehr nahezu einem Sabre unterzeichnete Ver­trag nicht binnen kürzester Frist ratifiziert wird, da anderseits nach zuverlässigen Mitteilungen mit der s o- fartigen Ausweisung der wieder zugelassenen Staatsangehörigen gerechnet werden muß. So wün­schenswert es ift, wenigstens einen Teil des Mehrbetra­ges des Liguidationserlöses, der sich nach den letzten Mitteilungen ergeben hat, den Geschädigten wieder zu­zuführen und so nachdrücklich von der Reichsregierung die energische Fortführung dieser Verhandlun­gen gefordert werden muß, erscheint es doch im Hinblick auf die ganze Lage und die allgemeinen Sntercffen un­serer Wirtschaft nicht oertrerbnr, den befriedigenden Ab­schluß dieser Verhandlungen zur Voraussetzung für die Ratifikation des Vertrages zu machen, damit unsere ge­samten Handelsbeziehungen zu Siam, an denen e t n »eit größerer Teil der deutschen Indu- st r i e und des deutschen Handels beteiligt ist, als all- gemeirt angenommen wird, aufs Spiel zu setzen.

Wir tetlen diese Aeußeruna einer lachverständigen Stelle mit, um zu zeigen, daß es ein Leichtes 'ist, Ausführungen von anderer Seite, die die Siam- Frage alsein selbst in einer Negerrepu- blik belangloses Etwas" bezeichnen, zu wiüer- legen. Die Tatsachen sprechen so deutlich, daß jeder weitere Kommentar, um die sachliche Seite ber Angelegenheit zu klären, übecflüssip ist.