Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Mittwoch, n. Zebruar 1925.
Nr. 34.
52. Zahrg,
Bera«twortlick> für die Sibrittleitun«: Dr- Jnbannei Sramer. Anreisen: 3. $ atieUer, Fulda. Rotationsdruck und «erlag der Inidarr S'tiieubTtrr'tttt in Nulta. Fernlvrecher Nr- S.
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Vie Riffleute und Frankreich.
wtbParis, 10. Febr. (Tel.) Aus Rabat wird gemeldet, daß man an der nordwestlichen Grenze von Franzöfifch-Maroffo eine gewisse Beunruhigung wegen der Entwicklung der Aktion der Riffleule bei den Sebalas in der spanischen Zone hege. Im Mitkel-Aerga und in Ost-Aerga sollen einige Plünderer auf französische Posten geschossen und versucht haben, die Telephoulinien zu zerstören.
Das englische Hauptquartier.
Wiesbaden statt Köln. , wtb Paris, 10. Febr. (IeL) Nach einer Nachricht des „Echo de Paris" scheint sich das Gerücht zu verdichten, das; die Engländer nach Räumung der Kölner Zone ihr Hauptquartier in Wiesbaden aufzuschlagen gedenken.
Siam und die Deutschnationalen.
(kine lehrreich- Keichrtagsdebatte. — Vie veutschnatianalen müssen sich erst an die Verantwortung gewöhnen. — Das jiasSo der groben wote.
Albanien.
Die neue Reoolutionsregierung im Amt.
.wtb Rom, 10. Febr. (Tel.) Die »Agencia Lte sank" meldet aus Tirana, das vom Prüsidenkm der Republik ernannte neue Ministerium hak in der Nationalversammlung ein einstimmiges Vcrkrqvenssokuw erbosten.
vorahs Europareife.
Der führende Staatsmann Nordamerikas will Europa-Probleme studieren.
^b Paris, 10. Febr. (Tel.) Die ..Chicago Tribüne" berichtet, daft S en a k o r B o r a h die Abficht habe, demnächst und jwar alsbald nach Beendigung des Songreffes eine Reife nach Europa anzutreken. Er beabfichtige, fich in Europa mit den Problemen zu beschäftigen, mit denen er als Vorsitzender des Senatsausfchuffes für auswärtige Angelegenheiten zr, tun habe.
Tariffragen.
=* Die BatifangeffcUfen. Wie der Allgemeine Verband der deutschen Bankangestellten mitteilt, finde» kämmenden Donnerstag im Reichsarbeitsministertuni nesze Tarifverhandlungen für das Lankgewcrbc statt.
Die rMlitar-Aonirolle.
Warum hernok geredet hak. - 6in Blick hinter he Kulissen.
wtb Paris, 10. Febr. (Tel.) Das »Echo de Paris" berichtet über die Arbeiten dec Interalliier- fen Wilitärkonkroll-Kommission. Ende Ianuac habe die deutsche Regierung wieder die volle Souveränität des Reiches am Rhein zurückerobern motten und habe deshalb daran gedacht. Frankreich einen dreiteiligen Slcherheits- pakk anzubieten. Das Kabinett von London, das von dieser Entscheidung in Kenntnis gesetzt worden sei, habe ihn gebilligt. Die Rede des französischen Ministerpräsidenten herriok habe die Geste des Kabinetts Luther aufgehalken. Zu gleicher Zeit hätten die Vertreter Frankreichs in der RMikSrkon- krollkommission in Berlin immer stärkere Forderungen gestellt, deshalb sei der Schlußberichk unterbrochen worden. Wie man jetzt sagen könne, soll ec den Alliierten erst übermittelt werden, wenn die französischen Forderungen hinsichtlich der Sicher- heil erfüllt seien.
Die Souseren z.
vtb London, 10. Febr. (Tel.) Wie andere Blatter, so meldet auch die „Mornlng Post", daß der Bericht der Interalliierten Mlikärlontrollkom- mission in dieser Woche veröffentlicht werden soll. Der 25 werde zunächst von dem I Interalliierten Wilikärkontrollkomitee in Versailles geprüft, doch sei man allgemein der Ansicht, daß eine eingehendere Erörterung wünschenswert sei Es sei wahrscheinlich, daß eine Konferenz jroi- Khen den Vertretern der alliierten Mächte verein- bart werde und daß es zweckmäßig befunden werde, 1 Fragen, wie die der interalliierten Schulden und der französischen Sicherheit auf derselben Konferenz zu behandeln. Als wahrscheinsicher Ort der Zusammenkunü werde London angesehen- <
Bedürfnissen bestimmter Parteilich' tungen zu genügen. Damit schon ist für die Objektivität und für die absolute Unanfechtbarkeit der Ergebnisse derartig geführter Untersuchungsausschüsse das Urteil gesprochen. Man muß sich vor allem aber auch wundern über die Disziplinlosigkeit vieler Mitglieder dieses Ausschusses und man muß schon sagen, daß diese selbst dazu beitragen, daß die Ausschüsse den ihnen gestellten Zweck gar nicht erfüllen können, sondern im höchsten Grade noch schädigend wirken. Kommt noch eine parteipolitische Ausschlachtung solcher Dinge in tendenziöier Form in der Presse dazu, so ist der Schaden viel größer als der Nutzen, den die eine oder andere Aufklärung bringen kann.
In der Reichstagssitzung am Montag teilte Präsident Löbe mit, daß Abg. Dr. Höfle (Zentr.) sein Mandat niedergelegt habe. Als Nachfolger Dr. Höfles tritt Gewerkschaftssekretär Andreas Huke aus Heiligenstadt (Eichsfeld) als Vertreter des Zentrums für den Wahlkreis 12 (Thüringen) in den Reichstag ein.
Das „Berl. Tagebl." weiß noch zu berichten, der Rechtsanwalt Dr. Alsberg habe dem Gcneralftaats- auwalt mitgeleilt, Dr. Höfle bitte darum, ihm Gelegenheit zu einer eingehenden Widerlegung der gegen ihn gerichteten Vorwürfe zu geben. Zugleich habe er die Bitte ausgesprochen, vom Erlaß eines Haftbefehls Ab st and zu nehmen, da Dr. Höfle nicht daran denke, vor dem ihm etwa drohenden Straf, verfahren zu fliehen. Der Klagevorwurf gehe dahin, daß Dr. Höfle sich als Postminister der passiven Bestechung und Amtsuntreue schuldig gemacht habe.
Die Finanz - Skandale.
I Die Gerichte gegen die Untersuchungsausschüsse.
I .In derselben Weise, wie es gegenüber dem i Reichstag geschehen ist, hat nun auch die Staatsanwaltschaft und die Untersuchungsbehörde offi-
I ziell Einspruch gegen die Tätigkeit des I Preußische »Untersuchungsausschuisesin I der Barmat-und Seehandlungs-Affäre er- | hoben. Die untersuchungführenden Richter haben sich I dem Vorsitzenden des Preußischen Untersuch.
ungsauSschusses Dr. Leidig ins Benehmen gesetzt und auf die Bedenken aufmerksam gemacht, die durch dxn Gang der Verhandlungen für die stras- geletzliche Aufklärung, die den Gerichten obliegt, er- foaajft In der Tat muß man als Augen- und 7-chrenzeuge der Verhandlungen de« Preußischen Untersuchungsausschusses — und der Verfasser dieser Zeilen gehört dazu — offen aussprechen, oaß dort
I etne derartige Verhandlungsform geübt wird, die zu "u,,schwersten Einwendungen Veranlassung gibt. Vielfach werden die Verhandlungen, insbesondere' die Befragung der Zeugen nicht unter dem einzig maßgebenden Gesichtswinkel der Aufklärung eines Tat- I -besonder veranlaßt, sondern um <rp.it »torischen
I Aus dem Reichstag wird uns geschrieben: | 5iun haben bereits zum zweiten Mal die I Deutschnationalen in öffentlicher Reichstagssitzung I sich demaskieren müssen. Das eine Mal in der I Aufwertungsfrage, in welcher sie gezwun- I gen waren, gegen den von ihnen vor der Mai- I wähl gestellten Antrag zu stimmen und damit alles I zu widerrufen, was sie in ihrer Walsspropaganda I den Wählern versprochen hotten. Und nun wegen Siam! Schon in der Samstagsitzung der letzten I Woche wurden die Verhandlungen darüber gepflo- I gen. Die Deutschnationalen schickten als ihren Spreäfer den sehr radikal eingestellten Breslauer Professor von Freytag-Loringhoven vor, den sie offenbar nach der Verdrängung des ge- I mäßigten Professor Hoetzsch nunmehr als Redner der deutschnationalen Reichstagsfraktion für Au- I ßenpolitik bestellt haben. Uebrigens auch ein Zeichen für die Radikalisierung des Kurses innerhalb der deutschnationalen Reichstagsfraktion, nachdem Westarp Vorsitzender geworden ist. Loringhooen I erklärte den Vertrag als schädlich für das Ansehen und die Würde des Deutschen Reiches. Trotzdem wolle, offenbar nach dem berühmten Muster vom 29. August, die deutschnationale Reichstagsfraktion zur Hälfte für den Vertrag stimmen, also wieder Halb und Halb. Und auch jetzt wollten die Deutschnationalen für einen Vertrag stimmen, von dem sie n a ch i h r e r e i g e n en Erklärung überzeugt seien, daß er gegen das Ansehen und die Würde des Reiches verstoße! Die Reichsregierung hat sich natürlich zu dem Vertrag ' nur deshalb entschlossen, weil beträchtliche Interessen deutscher Wirtschastskreise in Siam geschützt werden sollen.
Die Demokraten und namentlich die" S o- 3i atb emo traten nahmen die Deutschnatio- nalen beim Wort. Die Sozialdemokraten erklärten, daß sie es ablehnen müßten, für einen Vertrag zu stimmen, den die größte Regierungspartei des Hauses als gegen das Ansehen und die Würde des Hauses verstoßend betrachte. Zuvor mußte der Außenminister Stresemann noch herbeigeholt werden, der den Deutschnationalen und namentlich ihrem Sprecher eine Rüge zuteil werden ließ und sich sehr energisch für das Abkommen ein- setzte. Die Deutschnationalen, die offenbar mit der Samstagstimmung des Hauses gerechnet hatten, wurden nun, nachdem sie sahen, was sie angerichtet hatten, doch bedenklich, und die Folge war, daß sie durch Herausgehen aus dem Saal die Beschlußunfähigkeit herbeiführten, sodaß die Abstimmung nicht vorgenommen werden konnte. In der Montag s s i tz u n g hingegen haben sie soviel Mitglie. der stellen müssen, um den Vertrag durchzubringen. Denn wäre das nicht geschehen, dann wäre für die Regierung eine sehr peinliche Lage geschaffen worden und zwar heroorgerufen durch die größte Regierungspartei selber.
Aus der Montagsdebatte ist noch folgendes hervorzuheben:
Abg. Soch-Wessr (D.l erklärt, es müsse durch namentliche Abstimmung festgestellt werden, ob die Deuischnorlv- nalen die Konsequenz aus ihrer Anschauung über den Vertrag ziehen und dagegen stimmen werden, oder ob wefe Worte, die der Agitation entnommen wurden, nur als billige Scheidemünze angesehen werden könnten. (Lachen recht,.) Nichts schädige das Ansehen des Reichstags mehr als solche Worte. (Zustimmung links, Lachen rechts.)
Abg. Schul,-Bromberg (Sn.) erklärt unter lebhafter Unruhe der Linken, er wolle noch einmal feststellen, daß der Abg. v. Freytag-Loringhoven nicht ge-
Die Deutschnationalen sind wirklich eine merkwürdige Regierungspartei. Die Macht wollen sie unter allen Umständen haben, aber die Verantwortung lehnen sie ab. Wc?.n die Deutschnatio- nalen aber glauben, daß sie lediglich ihre Herrschaft auszuüben brauchen, und daß ihnen.die anderen Parteien auch noch die Steigbügel dafür halten, daß sie regieren können, während die anderen die Bürde der Verantwortlichkeit tragen müssen und dafür obendrein auch noch von der deutschnationalen Presse bekämpft und beschimpft werden, bamt werden sie sich allerdings bitterlich tauschen. Gerade auch das Zentrum hat Veranlassung, diese Taktik der Deutschnationalen, wo immer sie auftritt, in der schärfsten Form zu bekämpfen. Die Deutschnationalen müssen zur Pflicht d er Ber- imtwortung herangeholt werden und wenn sie das nicht wollen oder gar zu hintertreiben suchen, dann müssen wir sie zur Demaskierung zwingen.
sagt habe, der Vertrag verstoße gegen Ehre und Würde des Reichs, sondern er habe nur von einer Schädigung des Ansehens des Reiches gesprochen. Das sei gan, ctwas anderes. (Lautes Gelächter links.)
Abg. Dittnmnn (S.) Die Deutschnationalen wollen Regierungspartei bleiben und die Macht in Händen de- hatten. von uns aber verlangen sie, daß wir ihnen vor den Wählern die1 Verantwortung abnehmen sollen. Den Gefallen werden wir ihnen nicht tun. Wollen Sie Regierungspartei {ein, den Bürgerblock und die Rechtsregierung stützen, so müssen Sie auch für die Vorlagen dieser Regierung eintreten.
Abg. v. Freytag-Loringhoven (Du.) von „Aha"-Rnsen der Linken empfangen: Die Erklärungen der sozialdemokratischen und der demokratischen Partei am letzten Samstag haben uns veranlaßt, unsere Stellungnahme zu dem Vertrag noch einmal zu überprüfen. (Andauernde Heiterkeit und Händeklatschen links.) Ein Teil meiner Freunde stimmt dem Vertrag zu, da er ungeachtet aller schweren Bedenken sich von der Rücklichi aus die jetzt in Siam lebenden und durch Ausweisung bedrohten deutschen Volksgenossen leiten läßt. (Ahar links.) Die Gegner des Vertrags sind in ihrer Ansicht auch durch die Darlegungen des Außenministers nicht wankend geworden. Diese ließen im wesentlichen die oo„ mir vorgebrachten Einwendungen unberührt, und m seinen Schlußworten stimmte der Außenmimster dem von mir gefällten Urteil doch im Ganzen zu. (Erneu- les Gelächter links.) Daß man jetzt aus dieser Windung, wenn Sie wollen aus diesem Dreh, eine Waffe für den parlamentarischen Kampf schmieden will, bedauere ich ganz außerordentlich. (Stürmische Heiterkeit.) Eine Mehrheit für die Vorlage ist unter allen Umständen gesichert. Auf eine Ablehnung des Vertrages haben auch die Gegner des Vertrages nicht, aehoftt. (Minutenlang stürmisches ! Gelächter links und Händeklatschen.) Unser Ziel, dem Auswärtigen Amt dem Ausland gegenüber den Rucken zu stärken, ist durch die Kritik vom Samstag erreicht worden Infolge des Vorgehens der Soziat- bemotraten und Demokraten ist eine andere Aufgabe in den Vordergrund getreten, nämlich die, die außenpolitt- schen Beziehungen nicht zum Spielball parlamentarischer Leidenschaften werden zu kaffen. (Schallende Heiterkeit.) Deshalb haben sich auch die Gegner des Vertrages entschlossen, für den Vertrag zu stimmen. (Schak- lendes Gelächter links und in der Mitte.)
Die Abstimmung über Artikel 1 ergab die Annahme der Vorlage mit 244 gegen 129 Stimmen bet einer Enthaltung. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Nationalsozialisten. Die Vorlage wird darauf in der dritten Lesung und in der Schlußabstimmung angenommen. ebenso die Entschließungen zu Gunsten I der Siam-Deutschen.
Darauf vertagt sich das Haus auf Dienstag: Etat des Reichsarbeitsministeriums.
Krieg muh fein.
I Auffassung eines französischen Schwerindustriellen, Eine ganz eigenartige Auffassung für die Se« I rechtigung und Notwendigkeit eines Krieges be- I kündet in der geistig sehr hochstehenden und auch I innerhalb Frankreichs durchaus angesehenen Pa- riser ^ Zeitschrift „Revue des deux Mondes" der I französische Schwerindustrielle de L a u n a y. Eine I so brutale, einzig auf geschäftliche, auf verdienerische I Interessen abgestellte Begründung für den Krieg ist I in der Publizistik aller Länder wohl noch kaum I dagewesen. Herr de Launay plädiert auf „wei- I tere Ruinen"! Er macht geltend, daß wir unter einer Ueberproduktion leiden, die zu einer Welt- und Wirtschaftskrise geführt habe und daß zur Abhilfe
I dieser Krisis nichts anderes übrig bleibt als ent- I weder friedliche vertragliche Vereinbarungen, durch welche sich die Industriellen aller Länder zu einer
I Einschränkung ihrer Produktion verstehen, oder I aber es müsse ein neuer Krieg neue Länder verwüsten. Diese Auffassung spricht Herr de Launay
I in folgender Form aus:
I . „Welches die Bemühungen unserer Industriellen auch I sein mögen, wir können aus der schon bestehenden I Ueberproduktionskrise, die verhängnisvoll zu werden I droht, nur durch eine allgemeine Beschränkung der Pxo- I duktion herauskommen, geschehe diese nun in friedlicher I Form durch mehr oder weniger weit umfassende Ab- I kommen mit der deutschen Schwerindustrie, oder erfolge I sie in der brutalen Form durch weitere Ruinen."
Diese Auslegung gewinnt, um deswillen eine so große Bedeutung, weil sie in Verbindung steht mit I den gegenwärtigen deutsch-französischen Wirtschafts- Verhandlungen. Man kann damit in dieser Aus- I legung nichts anderes erblicken als eine ungeheuer- I liche Drohung gegenüber Deutschland, entweder sich I dem Wunsche der französischen Großindustrie zu I fügen ober aber sich sein Land in Ruinen legen zu | lassen. Es ist also nach der Auffassung dieses fran- I zösischen Großindustriellen, der ganz gewiß nicht I für sich allein spricht, der sich vielmehr rühmt, einen I großen Kreis von Gesinnungsgenossen im wirt- I schaftlichen und politischen Leben hinter sich zu I haben, Deutschland noch nicht ausgesogen und aus- I gepowert. Deutschland muß sich vielmehr dem I Wunsche dieser Jnteressentengruppe fügen, oder I aber man fügt zur wirtschaftlichen Zerrüttung auch I noch die Vernichtung seines Landes und seiner Pro- I duktionswerkstätten.
| Welche entsetzliche Geistesverwirrung sich in die- I fer Auffassung ausdrückt, wird aber erst durch die I nähere Begründung klar, die de Launay seiner Äuf- I fassung gibt. Er sagt nämlich folgendes:
I „Wenn man es fertig bringen würde, wie viele es I erträumen, den ständigen Zustand eines europäischen I Friedens zu verwirklichen, oder wenn auch nur einige Länder, etwa das unfrige. diese gefährliche Illusion hegen sollten, so würden die Absatzauellen für Stahl und Eisen zu militärischen Zwecken außerordentlich geschmälert werden; das gilt jetzt schon für die Marine."
Damit wird also ausgesprochen, daß Krieg fein muß, well die S ch w e r i n ö u ft ri e sonst kein Absatzgebiet mehr hat, weil sie ihre Produktion in Eisen und Stahl für Kanonen und Bajonette nicht niehr verwenden, also nicht mehr genügend verdienen kann. Die Herbeiführung eines Friedenszustandes bezeichnet dieser französische Großindustrielle als. eine „gefährliche Illusion". Man müßte, wenn diese Auffassung in Frankreich allgemein wäre, allerdings daraus verzichten, sich noch irgendwie um den Ausgleich zu bemühen. Alle bisher geleistete Arbeit würde vergeblich sein und alle neuen auf die Herbeiführung des Friedenszustandes in Europa gerichteten Bestrebungen wären sinnlos, ja ftivol. Erfreulicherweise gibt es aber auch noch andere Kreise als diese französische Schwerindustrie, für die der Krieg eben em Geschäft ist, so groß und so rentabel, wie es der Friede niemals fein kann. Aber es ist gut, daß wir uns diese Auffassung sehr maßgeblicher französischer Kreise einmal vor Augen führen.
Daß übrigens vielen Gegnern des Friedens in ollen Ländern ähnliche profitliche Gedanken vor der Seele schweben wie jenen Franzosen, ist klar Ausgesprochen hat sie in so unverhüllter Form freilich noch selten einer. Die Völker aber, deren beste Söhne auf den Schlachtfeldern, den Stätten des Grauens, als Werbekosten für das „Geschäft" sterben müssen, sollten aufhorchen.
Line preußische Regierung Marx.
Aus dem preußischen Landtag wird uns ge- fchr reden:
Der Entschluß des bisherigen Reichskanzlers Marx, sich als Kandidaten für die Ministerpräsidentenwahl in Preußen zu stellen, ist wieder ein Zeugnis für die aufopfernde und bis zur Selbstverleugnung gehende Pflichttreue dieses Zentrumsparlamentariers.
Wie die Dinge heute stehen, kann man mit einer kommenden Regierung Marx in Preu- Mjen nunmehr rechnen. Marr wird ohne weiteres eine Mehrheit bei der Wahl zum preußischen Ministerpräsidenten erhalten, da die seitherigen Koalitionsparteien auch ohne die Deutsche Valkspartei über vierzig Stimmen mehr verfügen, als die geschloffene volksparteiliche und deutschnationale Fraktion zufammengenommen.
Aber diese Wahl hätte keinen politischen Sinn, wenn nicht zuvor die Voraussetzungen für die Lebensfähigkeit einer preußischen Regierung Marx sichergestellt wäre: und das dürfte nach Lage der Dinge auch der Fall fein. Bei der gesamten politischen Lage werden die Sozialdemokraten sich größte Zurückhaltung auferlegen müssen, zu der sie offenbar auch bereit sind. So dürfte es dahin kommen, daß die eigentliche parlamentarische Basis parteimäßig gesehen, lediglich vom Zentrum und Demokraten gebildet wird. Das wird auch in der Besetzung der Ministerien zum Ausdruck kommen, sodaß also die Sozialdemokraten, vom Par- tsistandpunkt ans gesehen, ganz außerordentlich schwere Opfer werden bringen müssen. Sie sind auch damit einverstanden, um eine einseitige Rechtsentwicklung in Preußen zu verhindern. Sie werden aber Zusicherungen geben, dahingehend, daß sie die Regierung Marx mit ihrer gesamten Frak- rion unterstützen. Dazu kommt, daß die Wir t° schaftspartei sehr stark an der Neubildung des preußischen Kabinetts interessiert wird, sodaß also auch von dieser Seite her zum mindesten eine wohlwollende Neutralität zu erwarten ist. In noch viel höherem Maße gilt das aber auch für die Deutsche Dolkspartei, die als Partei an einer Regierung Marx nicht tellnehmen wollte, und auch dieser Regierung Opposition angekündigt hat. Aber die Führung dieser Regierung durch eine Persönlichkeit wie Marx und die zu erwartende Zufam- mensetzung des neuen Kabinetts dürfte es der Deutschen Volkspartei schwer, ja unmöglich maihen, ge- slissenllich ihren Sturz zu betreiben. Damit dürfte tatsächlich ein parlamentarischer Rückhalt für das Kabinett Marx gegeben sein, der seinen Sturz in Wirklichkeit, rein nach den Machtverhältnissen der Parteien, fast unmöglich machen würde.
Wenn sich, in der preußischen Zentrumsfraktion bei der Suche nach einem preußischen Ministerpräsidenten bei den gegenwärtigen schwierigen Verhältnissen die Blicke auf Marx richteten, so war vor allem auch der Gedanke der inneren Erhaltung und Geschlossenheit der preußischen Zentrumspartei i maßgebend. Marx ist sehr lange Jahre führender Parlamentarier in Preußen gewesen, und in der preußischen Zentrumsfraktion hat man damals fein Scheiden außerordentlich beklagt. Mit einer Regierung Marx in Preußen wird aber auch das tatsächliche Gewicht der Zentrumspartei als Ganzes und namentlich der Zentrumsfraktion des Reichstags gegenüber den politischen Dingen im Reiche außerordentlich gestärkt. •
• * Luther, der am Montag in Köln
eine Rede hielt, begibt sich von dort nach München und weiterhin nach Stuttgart und Karlsruhe. I* diklkicht auch er ft Anfang nach« I
Reichskanzler zu einem Besuch I Nach Königsberg. I