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Go««tag, 1. Februar 1925.
MlSaer Zeitung
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Druck der Fuldaer Aetteudruckerei ht Fulda
Neues cus $ranh?urt a. M.
Der Skandal im Frankfurter Wohnungsamt.
Wke mir bereits kurz telegraphisch melden konnten, umrden auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft der Direktor des städtischen Wohnungsamtes, Gresser, der Leiter der Ablösungsstelle des Wohnungsamtes, Köne- mund, der Bankbeamte Hofch, der zugleich Schwiegersohn des Greiser ist, der Architekt Willi Lutz und der Häusermakler Martin Levigard wegen Wohnungsschiebereien, Bestechung, Meineid und Verleitung zum Meineid von der Kriminalpolizei verhaftet. Nur einer der Festgenommenen, der Makler Levigard, wurde wieder entlassen, doch geht die Untersuchung weiter gegen ihn. Daß im Wohnungsamt schon seit Monaten etwas nicht stimmt, war den Eingeweihten klar. Den Stein ins Rollen brachte ein „offener Brief', den der Stadtverordnete Vogler am Dienstag dem Dezernenten des Wohnungsamtes, Stadtrat Zielowski, zustellte und in vielen Exemplaren verbreiten liefe. In dem Briefe werden gegen Direktor Greffer die allerschwersten Anklagen erhoben. Er habe es geduldet, daß sein Schwiegersohn, der Bankbeamte Hosch, gemeinsam mit Lutz ein Woh- nungsvermlttlungsbüro aufgemacht habe und Wohnungen nur gegen Erlangung außerordentlich hoher Gebühren vermittle. Die Li^e der freien Wohnungen wurden dem Büro mit Wissen Gressers von dem Leiter der Ablösungsstelle Konemund zugestellt. Der Handel mit „Schwm^wohnungen" blühte außerordentlich und brachte den Schiebern große Gewinne ein. Durch die Anzeige von Maklern, die auf „ehrliche" Weise Wohnungen vermitteln wollten, durch Lutz und Hosch aber stets in ihrer Tätigkeit beeinträchtigt wurden, wurde dann der Polizei weiteres Material gegen die Beamten des Wohnungsamtes in Fülle zugeführt. Die ganze Erbitterung, die fich in langen Jähren gegen das Wohnungsamt und dessen Verwaltung angehäuft hat, kommt jetzt überall in der Stadt zur Entladung.
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^Frankfurt a. M. 31. 3an. (2eL) 3n Ser Angelegenheit der Verhaftungen des Leiters des hiesigen Wohnungsamts sowie verschiedener enteret in die Angelegenheit verwickelter Versalien wird heute morgen amtlich mitgeteilt, daß heute vormittag auch die Beamten der AblS- songsabteilung Eckesheim, Krebs und Beith wegen Bestechung fest genommen wurden. Auch der Angestellte Ohli ist unter dem Verdacht -er Bestechung festgenommen worden, lleber das Ergebnis ter llntersuchung kann infolge des Umfangs der Angelegenheit noch nichts Endgültiges mitgeteilt werten.
— Das kriminelle Frankfurt. 3m Monat Januar evurden im Polizeibezirk Frankfurt a. M. insgesamt 4946 Anzeigen vorgelsgt Davon entfallen 1729 auf röebertretungen, 810 auf Verbrechen und Vergehen. Vor- fäuflge Festnahmen mußten vorgenommen werden in 1229 und endgültige in 652 Fällen. Fundanzeigen kamen im Derichtsmonat 109 und Anzeigen wegen Leichensachen 29 vor. Wegen vermißter Personen wurden insgesamt 38 Anzeigen gemacht. Brandanzeigen sind 60 und Unfallanzeigen 298 gemacht worden.
— Immer neues Falschgeld. Die Ausgabe von Falschgeld hält unvermindert an. In den letzten Tagen kamen zahllose gefälschte Rentolmarkscheine über eine Mark in den Verkehr. Die Falschscheine tragen die Nr. F. 0 141 377. Cs fehlt ihnen das Wasserzeichen. Ferner kamen falsche Rentenmarkscheine über zehn Mark zur Verausgabung, die die Bezeichnung D 07 307 577 mit auf- gedrucktem Wasserzeichen tragen. Auch gefälschte Rentenscheine über fünfzig Mark wurden dieser Tage sest- flefteffl. Von den MlK«iensch«nen sind wiederum die über zwei Millionen lautenden mit der Nummer O. V. 29 ohne Wasserzeichen und die über zehn Millionen lautenden mit leicht mit Fett aufgedruckten Wasserzeichen und verschiedenen Nummern als Falschscheine festgestellt worden. '
Die Aera der
Von einer besonderen Seite wird uns geschrieben:
Wenn man sich die schier täglich schlagartig be- kanntwerdenden Finanzskandale in ihrem Wesen und in ihrer Wirkung vergegenwärtigt, dann glaubt man sich in die Zeit der siebziger Jahre versetzt. Damals, nach einem gewonnenen Krieg kamen wir in eine Gründerzeit schlimmster Art und vieles von dem, was auch materiell durch den Kriegserfolg für Deutschland und seine Wirtschaft erreicht war, ist durch diese wahnsinnige Gründer- epoche, die sich in nichts von der Epoche der Schieber und Wucherer bei uns unterscheidet, wieder zunichte gemacht worden. Jetzt aber, nach einem verlorenen Krieg, stehen wir mitten drin in einer Aera von Finanzskandalen: Einmal betreffen sie hohe und höchste, seit Jahrzehnten in kaiserlichem Dienste befindliche Beamte und zum zweiten geht der Ursprung der jetzt zutage tretenden Verfehlungen zurück, just auf dieselbe Zeitspanne, welche den Höhepunkt des kriegerischen Ringens, den Höhepunkt der Siegeshoffnrmgen bedeutete.
Hier sind wir am kritischen, am entfchsiden- d e n Punkt. Mehr oder minder sind sämtliche der in den letzten Tagen erneut genannten Persönlichkeiten verknüpft mit irgend einer Mitwirkung bei der Vermittlung der Kriegslieferun- g en. Es erscheint notwendig, daß die jetzt in Aktion befindlichen Untersuchungsausschüsse sich gerade auch auf diese Dinge erstrecken. Man wird dabei zu manchen Aufklärungen kvmmen, die zwar für die Beteiligten wie für die ganze Psychose und die Moral ungemein niederschmetternd sein werden, die aber doch andererseits weitere Aufklärung über Ursprung, Motive und Zusammenhänge geben können.
Der neuerliche Finanzskandal beim Landespfandbriefamt ist um deswillen so ungemein niederdrückend, weil es sich wiederum um ein öffentlich rechtliches Institut handelt, das mündel- sichere Gelder begibt und das auf Grund feiner strengen Satzungsbestimmungen die ihm zufließenden Mittel nicht anders als gegen unbedingte Sicherheiten, vor allem also gegen erstrangige, hypothekarische Garantien aus der Hand geben darf. Es wird nun gegen den plötzlich entlassenen Direktor der Landespfandbrief-Anstalt in Berlin,
tlur dem Nachbargebiet.
— Hofbieber. Am vergangenen Sonntag wurde im Sondergeldfchen Saale die Generalversammlung des Hofbieberer Darlehnskassenvereins abgehalten. Weit über 150 Mitglieder beteiligten sich an der Zusammenkunft und gaben so Zeugnis von dem wieder stärker werdenden Genossenschaftsgefühl. Nach Erledigung der Tagesordnung ^Neuwahl eines Vorstandsmitgliedes, Genehmigung der G.M.-Eröffnungsbilnnz usw. fanden die vorgesehenen Vorträgs statt. Der Unter- oerbandsdirektor, Herr Rechnungsrat Drinnenberg, behandelte klar und ausführlich die vielumstrittene Aufwertungsfrage, wie sie zur Zeit liegt und Herr Direktor Tremmel von der Landwirtschaftlichen Schule Fulda gab nützliche Anregungen für die Diehwirtschast. (Viehzucht, Zuchtwahl, Fütterung, Stallung usw.) Durch Herrn Kornhausoerwalter Schier, Fulda, wurde Aufklärung gegeben über Kredite für Saatgut und Düngemittelbezug, während Herr S t a u b a ch von der Raiffeisenbank Fulda das Hypothekenwesen, Scheckverkehr und
Fmanzskandale.
den Geheimen Regierungsrat Behring, der seit mehr als drei Jahrzehnten preußischer Staatsbeamter ist, der Dorwurf erhoben, daß er entgegen den scharfen eben skizzierten Bestimmungen Gelder an einen Konzern abgegeben habe, dessen Leiter ehemalige hohe Offiziere waren, die sich in Grund- stücksgeschäften betätigten. Dieser Konzern erwarb Grundstücke im Berliner Westen und die zwei leitenden ehemaligen Offiziere Rüdiger v. Etzdorf und v. Zitzewitz hätten den Geheimen Regie- rungsrat Nehrung immer wieder zur Hergabe neuer Gelder gedrängt, für die Gegendeckungen in auch nur annähernd ausreichendem Umfang nicht vorhanden wären.
Dieser Fall gliedert sich eigentsich folgerichtig in den Fall der Preußischen Staatsbank ein, deren Leitern, ebenfalls hohe Staatsbeamte, zum Vorwurf gemacht wird, daß sie in gleicher Weise gegen ungewisse Sicherheiten öffentliche Gelder an Kutis- ker, an Barmat, an Michael usw. gegeben hätte. Heber diese Tatsachen und Zusammenhänge wird man ja erst ein endgültiges Urteil abgeben können, wenn die Arbeit der Untersuchungsausschüsse abgeschlossen ist. Für heute kann man nur in allgemeinen Linien zu diesen Dingen Stellung nehmen und der Schnittvunkt ist gegeben in einer geradezu unbegreiflichen Abschwächung des Verantwortungsgefühls, in einer Verletzung der Unantastbarkeit, der Ehre und Moral selbst in Kreisen, die das höchste Vertrauen der Oeffentlichkeit genießen konnten. Hier sehen wir Ausläufer aus den Kriegswirkun- gcn und vor allem aus einer Zeit, in der, während die besten unseres Volkes vor dem Feinde verbluteten, hinter der Front und in der Heimat Gewächse gedeihen konnten, die die Notlage des Reiches für sich persönlich zu kapitalisieren suchten. Man wollte viel und rasch Geld verdienen, die Spekulationen schlugen fehl, die Inflationszeit gab neue Anregungen, ein Loch wurde zugestopft und 2 andere wurden aufgemacht, das Gift fraß weiter und weiter, bis die endgültige Stabilisierung der Mark zu Verzweiflungsmaßnahmen greifen ließ, die bet manchen glückten, viele andere aber vollends ins Verderben rissen. Das ist der traurige Gang der Dinge, und die moralischen Verwüstungen, die diese Ereignisse hinterlassen, sind durch ein Jahrzehnt Aufbauarbeit nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
Sparmethoden behandelte. 3m weiteren ergriff Herr Ratffeisen-Ders.Jnspektor Kreß aus Fulda das Wort und empfahl die genossenschaftliche Einrichtung der Raiff- eisenversicherungen. Reges Interesse wurde bewiesen durch die zahlreichen Anfragen und Wünsche, die aus der Versammlung laut wurden.' Die fünfstündige Versammlung war eine eindrucksvolle Kundgebung der unverbrüchlichen Treue und Anhänglichkeit an Raiffeisen, die ausklang in einem dreifachen Hoch auf die Genossenschaft.
= Ans dem Vogelsberg. In Wingershausen bei Schotten stürzte sich die 22jährige Tochter des Landwirts Rau von der Höhe der Scheune in die Tenne. Der Vater fand das Mädchen, das aus Liebesgram gehandelt hat, tot in der Tenne liegend.
= Steinau (Krs. Schlüchtern). Auf der Eifen- bahnstrecke Hanau-Bebra sind im vorigen Jahre durch Beraubung von Eisenbahngüterzügen größere Mengen Kleiderstoffe, Schaugläser und Seife abhanden gekommen. Die Eisenbahnräuber
sind nicht ermittelt worden, dagegen hatte die Eisenbahnkriminalpolizei festgestellt, daß einige Einwohner des Städtchens Steinau (Kreis Schlüchtern) sich im Besitze eines Teiles der gestohlenen Waren befanden, die sich nun wegen Hehlerei vor dem Schöffengericht Hanau zu verantworten hatten. Sie gaben an, die Waren von Hn- bekannten angekauft zu haben. Der Steinbruchs- ardeiter Joh. Kaupp erhielt 8 Monate 2 Wochen Gefängnis, feine Ehefrau 50 Mark Geldstrafe. Der Wagner Nikolaus Spielmann 300 Mark Geldstrafe.
----- Hana«. Wie wir büren, hat der Oberpräsident der Provinz Hesien-Nasiou, Dr. Schwan der, das Protektorat über die in der Zeit vom 11. bis 20. Juli 1925 in Hanau stalifinüende große Ausstellung für Handwerk und Gewerbe übernommen.
--- Marborn. Am 6. und 7. Januar hielt hier und in Steinau der Missionsprokurator P. Phil. Sauer O. F. M. einen hochinteressanten Lichtbildervortrog über unsere Franziskanermission in Japan. Redner verstand es, sowohl durch die vorzüglichen Bilder, die zum größten Teil Originalbilder sind, als auch durch feine verständliche Sprache die Zuhörer in diese ganz einzigartige Welt des Ostens einzuführen. Trotz der großen Schwierigkeiten, die gerade die Mission in Japan wie wohl in keinem andern Lande mit sich bringt, sprach doch aus dem Vor- trag des Herrn Pater die frohe Zuversicht, daß auch dieses große und hochentwickelte Volk bald der Segnungen des Christentums teilhaftig werde. Freilich ist es notwendig, daß alle Katholiken mehr noch als bisher durch Gebet und Opfer den Missionen ihre Unterstützung leihen. Herr Pater Philipp aber wird mit solchen Vorträgen es sicherlich Überalk verstehen, das Mifsionsintereste zu wecken und zu fördern. — Am letzten Sonntag konnte die hiesige Ortsgruppe der christlichen Baugewerkschaft ihr 25jähriges Ortsfubüörim re- gehen. In einer festlichen Veranstaltung fanden sich aus diesem Anlaß die Mitglieder mit ihren Familien in her Gastwirtschaft „Zur Kapelle" zusammen, nachdem man des Morgens in feierlichem Dankgottesdienst der verstorbenen Gründer und Mitglieder der hiesigen christlichen Gewerkschaft gedacht h"tte. Der Gesangverein „Einigkeit" eröffnete die Feier. Heinrich Neidhordt sprach einen festlichen Prolog. Der Vorsitzende der Ortsgruppe. Hermann Auth, begrüßte die zahlreich Erschienenen. 3m Mittelpunkt der Feier stand die Festrede des Laugewerkschaftsführers Schleichert-Frankfurt a. M. über die Geschichte und Entwicklung der christlichen Gewerkschaften. Redner dankte vor allem unfern mattem christlichen Arbeitern, die unentwegt auch unter den schwierigsten Verhältnissen ihrer christlichen Gewerkschaft die Treue bewahrt haben. Besonders betonte er die vorbildliche Standhaftigkeit und Bekenntnistreue unserer älteren Ar- beiter und ermunterte die Jugend, dem Beispiel ihrer Väter zu folgen. Namens der katholischen Gemeinde sprach der Ortsgetstliche herzliche Worte des Glückwunsches und der Ermunterung. Das Gründungsmitglied Karl Eder und Münch-Soden brachten mehrere Deklamationen zu Gehör. Der Gesangverein „Einigkeit" unter Lehrer Werners Leitung erhöhte noch die Festesstimmung durch einige exakt gefangene Chore und Lieder. Von den Gründungsmitgliedern leben heute noch Joseph Klug, Gregor Klug, Karl Eder und Joseph Hamischfeger, dil bet der Feier besonders geehrt wurden.
MW WS den HeglRern des SkandkSklNlks Mn
Sterbefäve vom 23. bis 30. Januar 1925.
23. Ehefrau Margareta Loskant, geb. Gehring 49 I. 5 M. 11 T. 24. Kanzleiratswitwe Adelheid Stock, geb. Crede 73 I. 9 TO. 10 T. 23. Rudolf Ludwig Schwab 1 T. 25. Landwirt Joseph Manz. Witwer, aus Dieters- Hausen 41 I. 5 M. 24 T. 26. Rentenempfänger Franz Kaspar Bender 56 3. 5 TO. 25 T. 28. Invalide Friedrich Gutberlet aus Erdmannrod 57 I. 11 M. 5 T. 28. Ehefrau Theresia Möller, geb Atzert aus Rothemann 52 I. 18 T. 29. Situs Herzig 1 I. 3 M. 8 T.
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Die unterzeichneten öffentlichen Sparkassen vergüten mit Wirkung vom 1. Februar ds. Ja. folgende Guthabenzinssätze:
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FULDA, den 30. Januar 1926.
Kreissparkasse Fulda Städtische Sparkasse Fulda Ständisches Leihhaus Fulda.
Trinke Quiefa!
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Mnmetotmgen werden jeden Nachmittag von 2V-—4 Uhr und von 5—6 entgegengenommen. Für das 1. Schuljahr werden die Anmeldungen baldigst erbeten.
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hei H* erschienen:
Denders, „Die Passion Christi und wir Menschen von heute“. Kart 2.60.
v. Tongelen, „Der Heiland am Oelberg und die moderne Welt“. Leinen 3 Mk.
Poulain. „Handbuch der Mystik“. Leinen 8 Mk.
Niederlage der Herdersehen Verlag« (Hainr. Hiebetger) Fiant- fvrt a. M., Kronerinzsnslrasse 21.
Wir find nunmehr unmittelbar irn-er
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