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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Samstag, 3L Januar 1925,

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wehr,. Chnstlan; mich drucken ernste? schwere Ocbmitep."

. -D' fuhr dieser jetzt leidenschaftlich fcrt,wie reich, !®'e, ""Eudlcch reich wir waren, al? wir noch die Mutter hatten. Wir wußten es nur nicht, wir waren gebauten- k Kinder. Aber ich bin jetzt kein Kind

ich dir nicht gesagt; denke ich doch selber erst seit kurzem, daß etwas Besonderes dabei war. Wenn du, wenn ihr anderen von euren Elter» sprecht, ist alles. so anders, wie es bei uns war. Sie sind stets in derselben Woh­nung, gehen miteinander aus, machen sogar Reisen zu­sammen, kurz, ihr trennt nie eines vorn anderen. War­um war meine Mutter immer allein? Warum ging der Dater nie mit uns aus, wenn er kam? Warum trug er seine Uniform nicht, da er doch, wie ich erst neulich aus einer Aeußerung der Tante Perpetua heraushörte, Offizier war? Warum sprach hier niemand je von ihm, warum erzählte selbst meine Mutter uns nie die näheren Umstände feines Todes, warum zeigte sie uns nie {ein Grab? Und warum . . . Christian,'" Paul schmiegte sich dichter an den Freund und preßte heftig seine Hand warum dürfen wir den Romen unseres Vaters nicht tragen? Warum keime ich ihn nicht einmal? War es das vielleicht, was meine Mutter mir sagen wollte, als ie mich vor dem Sterben noch einmal zu sich heran­winkte? Ach. sie konnte nicht mehr reden, ich glaube kaum, daß sii noch benten konnte; sie war zu schwach. Aber sie hielt meine unb Dorchens Hand fest in der ihren, öte wir erkalten fühlten. Mtt Gewalt mutzten die an­deren uns später von ihr trennen. Uns war es, so lange unsere Hände in der ihren ruhten, als hätten wir unsere Mutter noch, als könnten wir sie noch hier auf Erden zurückhalten durch unsere Siebe*

$aul schwieg, große Tränen rollten über seine Wan­gen meder. Christian ehrte stumm den Schmerz des tjreunbes. ,

Kannst du dich Venn nicht besinnen, wie dein Later und deine Mutter von der Dienerschaft ober von Frem­de» anggrebet wurden?" fragte Christian nach einer Pause. .

Wir Kinder sahen nie Fremde, als draußen aus de» Spazierwegen. Die Mägde nannten den Vater immer dengnädigen Herrn" unb redeten die Muttergnädige Frau" an. Wenn aber sonst des Vater Erwähnung ge­schah, so hieß es nurEr* oderIhm", und bann blickte man bedeutsam auf uns unb sprach in Rätseln. Ich merkte aber doch stets, daß mein Vater gemeint mar. Nie aber, so sehr ich mich besinne, wurde je von seinem Tod ober etwas darauf Bezüglichem gesprochen. Dar­über habe ich erst recht nachgedacht, seit ich sah, wieviel Umstände und Förmlichkeiten es mit sich brachte, wie meine Mutter gestorben war. Unb, ich weiß nicht, wie es kommt, aber seit ich sie sterben sah, seit ich hier bin, kommt mir oft der Gedanke, als sei mein Vater damals nicht gestorben, wie wir Kinder es glaubten. Ich kann mich auch nicht erinnern, daß meine Mutter ober sonst jemand es uns in bestimmten Worten gesagt hätte.*

Einige Augenblicke schaute Paul naftfinnenb z« Bo­den; bann blickte er seinen Freund ernst an und fuhr mit sichtsicher Selbstüberwinbung fort:Als ich hierher- gebracht würbe,, war ich noch ht völliger Unwissenheit über bte meisten Lebensverhältnifle. Jetzt weiß ich auch, datz es freilich Umstände,, traurige, beklagenswerte Um­stände gibt, unter denen, es den Kindern verwehrt ist, den Namen ihres Vaters zu tragen. Kannst du dir den­ken, wie mir zumute wird, wenn mir der Gedanke kommt, diese Umstände könnten auf uns passen . . . wie ich gleich darauf diesen Gedanken als eine Entweihung des Andenkens der besten, gütigsten, liebevollsten ... ja, ich darf auch sagen, der .edelsten Mutter von mir schleu­dere. um*, fügte er nach einer augenblicklichen Baut*,

Kronbergs AnstaL wurde derweilen ein anderes Gespräch geführt. .Warn, hast du dein Schwesterchen plletzt gesehen?* fragte Christian feinen Freund

Die beiden Knaben saßen miteinander in einer Ecke des großen Schlafsaales.Daß du mich auch ht diesem Augenblicke daran erinnerst!* rief Paul so laut, daß sein Kamerad ihm die Hand auf den Mund legte, um ihn zur Vorsicht zu mahnen, ,3a, wenn ich an Dorchen denke, zerfließen alle meine Pläne wie Nebelbilder vor der Helle des Tages. Unb wenn ich mir bann wieder vor- stelle, daß ich ihr hier doch nichts nütze bin, daß sie vielleicht noch mehr geplagt wird, weil man mit mir nicht zufrieden ist, dann wächst mir der Mut, alles durchzu- jsetzen, um uns beiden Zu helfen."

Paul seufzte tief auf. Christian aber erwiderte: Weißt du, weshalb ich mir über den Aufsatz zur Oster- prüfung das Motto gewählt habe:Nur Beharren führt Mm Ziele"? ,. Denke bu das auch, Paul, und halte ans.*

Ein hakberflicktes Schluchzen antwortete ihm, und er- sthrocken fuhr Lhristan auf.

Paul, Paul, was ist dir?*

J)öre,* begann dieser,du sollst alles wissen. Ich habe dir erzählt, daß mir bis zum Tode meines Vaters in Heidelberg wohnten unb wie glücklich mir Kinder dort waren, wie schwer wir uns nach dem freien, heiteren Geben, besten wir uns bis dahin erfreuen durften, in das stille, düstere Hauswesen hineingewöhnen konnten, das Nachdem unjerc Heimat wurde Näheres darüber habe

Der endgültige Bericht.

Die Mlitürkonkrollkommiskion will sich beeilen.

wtb Paris, 30. Ian. (Tel.) DerPellt Pa- tifien glaubt zu wissen, datz der endgültige Be­rt ch k der Mililörkontrollkommission über die Generalinspektion in Deutschland früher als angenommen fertig gestellt sein wird. Alan hofft, daß er dem Interalliierten Tftilitärausschutz in Versailles schon Mitte kommender Woch< übergeben werden könne.

Berentaortlto iitr die Echrittlettnns- Dr. 3nbaxnei gramer. Anreisen: J. iS arretier, Fulda. RetotionLSruck und Verla» der Fulda« »ditrlrederei in Pulba. Fernltre»« Rr. 9.

Monatlicher venmsvrelS: 1.50 Mk.

Die bestohlene Nepko.

Der Reparakionskommission fehlen vertrauliche Dokumente.

rrtd Paris 30. Jan. (lei.) Die Marge» blätter melden, datz der Generalsekretär der Rt paralisnskommisfion im Dezember letzten Iahrer. durch einen anonymen Brief daran in Ksnnkni- sesehk wurde, datz gewisse vertrauliche Do­kumente regelmäßig aus den Akten der Repa- mtionskommisflon verschwinden. Eine Haus­suchung bei einem Angestellten führte zur Beschlag­nahme einer Reihe von Dokumenten und mii Schreibmaschine geschriebener Briese besonderer Protokolle über interalliierte Besprechungen. Der Ängeschuldigte gab zu, im August 1924 mii einem Amerikaner Dyers in Verbindung ge­standen zu haben, der ihm aus Mitteilungen von Dokumenten, die die interalliierten Besprechungen betrafen, gebeten habe und der die Schriftstücke mit 6 bis 600 Dollar bezahlte. Ls handelt sich um eigentliche Geheimdokumente, aber sie waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt, sondern allein die alliierten Regierungen hatten das Recht sie sich durch ihre Delegierten übermilkeln zu lassen

kaum hörbar hinzu,bann an meinem Baier irre zu wer ben. O, Christian, bie Eltern habe ich verloren; soll mii nun auch ihr Andenken getrübt werben durch solche Zwei­fel? Soll ihr Bild, bas rein und heilig in meinem Her­zen lebte, entstellt werden durch die Furcht, sie könnten in ben Augen anderer dieser höchsten Berehrung nicht wert sein?"

Nein ', entgegnete Christian, als Paul jetzt erschöpft lnnehieli,trübe dir nicht selber ihr Bild, laß solche Ge­danken dich nicht ansechten. Grüble nicht vor bet Zeit Geheimnisten nach, die dir später sicher nicht vorenthalten werden. Gewiß waren deine Eltern edel unb gut; woher schriebe sich sonst dein eigene« Gefühl für bas Rechte unb Gute, woher dein hoher Sinn, der nach großen, schönen Taten verlangt. Aber denke vorerst an das nächste, und das ist, dich hier tüchtig heranzubilden, damit bu früh auf eigenen Füßen stehen kannst. Da- durch hilfst bu dir selber unb auch deinem Schwester­chen am ersten. Unb nun komm, Paul, mir wollen uns schlafen legen; bu zitierst ja vor Kälte und Aufregung."

Den ruhigen, bestimmten Worten, der sanften Ueber. rebung des älteren Freunds vermochte der Knabe nichts entgegenzusetzen, so gern er noch weiter gesprochen hätte. Aber Ruhe fand er nicht, wie sehr er auch die Genossen beneidete, die längst in tiefem Schlummer lagen. Leb­hafter als je trat die Vergangenheit mit ihren Rätseln ihm entgegen, und vergebens versuchte er, dem Rate des Freundes zu folgen. Endlich überwältigte der ermüdete Körper den Geist, aber aus den traumhaft sich verwir­renden Gedanken -tauchte der eine noch klar unb schmei­chelnd hervor:Dein eigenes Gefühl für das Rechte, dein hoher Sinn, bet nach großen, schönen Taten ringt*

Borljetzuns folgte

Amerika und China.

Amerikanische Truppen marschbereit zum Schutz« der Amerikaner in China.

wtb Paris, 30. Ian. (Id.) DerPetit Pä­rchen" meldet aus Rewyork, datz die Regierung verfügt habe, datz die auf den Philippinen stationierten amerikanischen Truppen sich bereit halten, direkt nach China abzurücken, um, wenn es nötig fein werde, amerikanisches Leben und Eigentum zu schützen.

Die Sieger in Schanghai.

wtb Paris, 30. Jan. (Id.) tzavas meldet aus Schanghai: 15 000 Soldaten der siegreichen Armee von Luysiang sind in Schangöai ei n - gezogen und haben die Stadt eingenommen. In Schanghai herrscht Ruhe.

vetchches Reich.

* Die Regie eiingsbildung in Hessen. Die Wahl des hessischen Staatspräsidenten verlies in zwei Wahlgängen erfolglos. Der frühere Staats­präsident Ulrich, der Kandidat der Linken, erhielt 32, Minister des Innern von Brentano (Zir.), der Kandidat der neuen Koalition (bte allerdings noch nicht gebildet ist), erhielt 34 und der Kandibat der Kommunifren Greiner 4 Stimmen. Da absolute Stimmenmehrheit erforderlich ist, ist bte Wahl er­folglos. Die Wahi wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt.

Nr. 25

gmiarch.

* Ein Opfer des Nationalitäten-Kampses. Dr »Bost. Ztg." berichtet aus Belgrad, daß nach Mel düngen aus Neusatz der Zustand des am Sonntac von sübslavifchen Nationalsten Übeifallelien Führern der südslovischen Deutschen Dr. Kraft, sehr ernst sei. Der Verletzte toll bereits im Sterben liegen.

* Las deutsch-polnische Abkommen ist nunmehr auch in Warschau durch den Sejm in zweiter und dritter Lesung ratifiz ert worden.

* Die luxemburgische Kammer, die kürzlich das belgisch-luxemburgische Eisevbaynabkommen verworsen har, ist, w-e Havas aus Luxemburg berichtet wird, auf gelö st worden. Das Datum für die Neuwayle» ist noch nicht festgesetzt worden.

Ein Ende der Wohnungsnot will das Gesundhetts Ministerium in England durch die Massenherstellung vonS t a h l h ä u s e r n* herbeisühren. Seit einiger Zeit werden großzügige Pläne ausgearbeitet. Im Mär? sollen in zunächst 15 Bezirken Englands Probestahlhäufe, errichtet werben.

Als Kandidat des Zentrums für den Posten des preußischen Minifterpräfidenten wird der Landes­hauptmann der Rheinprovinz, Dr. Horton, ge­nannt.

Dr. Horton ist 48 Jahre alt, geborener Rhein­länder, feit langen Jahren in der rheinischen Pro­vinzialselbstverwaltung tätig als Landesrat, später als Stellvertreter des Landeshauptmannes und feit März 1922 als Landeshauptmann. Er ist in der letzten Zeit weiteren Kreisen bekannt geworden durch die geschickte Leitung der Verhandlungen Der deutschen Delegation mit der Rheinlandkommission über die Ausführung des Londoner Abkommens im Rheinlande.

Gewerbliche Räume.

Der Hausbefitz drängt darauf, die W o h n u n gs- zwangswirtschaft, deren Beseitigung im Augenblick noch nicht möglich erscheint, wenigstens soweit zu lockern, daß zunächst die gesetzlichen Be­stimmungen für gewerbliche Räume aufge­hoben werden. Die Anträge des Hausbesitzes stützen sich auf die Tatsache, daß im Gegensatz zu Preußen die Regierungen in Bayern und Württemberg u»b der Senat in Bremen die Zwangswirtschaft für gewerbliche Räume beseitigt und die Mie­ten der freien Vereinbarung zwischen Hauswirt und Mieter überlaffen haben. Der preußische Mini st er für Handel und Gewerbe hat nun an die Industrie- und Handelskammer in Ber­lin ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:

Don interessierter Seite wirb an ben Herrn Minister für Bolkswohtfahrt feit längerer Zeit immer wieder bie Forderung gestellt, bie gewerblichen Räume aus der Wohnungszwangswirtschaft ganz frei zu lasten, zum mindesten aber dem Vorgehen der Landesregierungen von Bayern, Württemberg unb Bremen zu folgen. In den vorstehend genannten Ländern ist für gewerbliche Räume eine höhere gesetzliche Miete als für Wohnräume fest- I gesetzt worden unb zwar in Bayern bei Räumen mit einer Friedensmiete von mehr als 600 Mk. ein Zuschlag von 3 Proz., von mehr als 1800 Mk. ein Zuschlag von 10 Proz in Württemberg unb Bremen schlechthin ein Zuschlag von 30 Proz. Bevor zu der Forderung Stel­lung genommen wird, ersuche ich um baldige Aeußerung, längstens innerhalb sechs Wochen, über die folgende» Fragen: Empfiehlt es sich: bie gewerblichen Räume, so- wett sie nicht mit einer Wohnung verbunden sind, aus der Zwangswirtschaft völlig ober nur aus der Wohnungs­mangel- u. Mieterschutzgefctzgebung herauszunehmen, ober nur die Bestimmungen des Reichsmietengefetzes auf diese Räume nicht mehr in Anwendung zu bringen, ober I bte gewerblichen Räume zwar unter der gesamten I Zwangswirtschaft zu belassen, aber die gesetzliche Miete I für solche Räume entweder gleichmäßig ober abgestuft I nach der Höhe der Friedensmiete höher zu bemessen.*

Sachliche Gründe, die mit dem Allgemein- I wohl irgend etwas zu tun haben, lassen sich für die I Beibehaltung der Zwangswirtschaft für gswerb - I liche Räume wohl kaum noch anführen, im I Gegensatz zu den Wohnräumen, bei denen solche I Gründe wohl in großem Umfang vorhanden sind. I

Der Wunsch der Botschafters der ll. S. ft.

Eine Rede des bisherigen Verkrders der Vereinigten Staaken in Berlin.

Zu Ehren des Botschafters v. Maltzan gab der Berliner American Lucheon Club im Hotel Adlon ein Festessen, an dem von amerikanischer Seite Botschafter Houghton sowie als Vertreter des Generalagenten für Reparationszaksiungen Jo­seph E. Sterrett von der Dawes-Kommission, 150 Mitglieder der amerikanischen Kolonie und von deutscher Seite u. a. der Leiter der amerikanischen Abteilung des Auswärtigen Amts, Vortragender Legationsrat Dr. Haas teilnahmen. Den B e g r ü- | ßungstoast auf den Ehrengast des Abends, den Botschafter Maltzan, brachte der amerikanische Bot­schafter Houghton aus.

Nach einigen einleitenden Worten, in denen er | darauf hinwies, daß dies die erste Gelegenheit sei, | bei welcher er während seiner Amtszeit in Deutsch­land öffentlich das Wort ergriffen habe, führte Houghton u. a. aus:

Auf die schreckliche Notzeit, die in den letzten Jahren in Deutschland geherrscht hat, vor allem das Kinderelend, ist eine Wendung gefolgt. Die Verhältnisse begannen sich zu bessern, als die durch die Daweskom Mission verkörperten Be­mühungen einsetzten, eine wirtschaftliche Lösung der Schwierigkeiten Deutschlands zu finden. Als schließlich dann im vergangenen Sommer der Da- wesplan angenommen wurde, kam das Wunder, bas wir heute sehen, ein im Wesentlichen in voller Arbeit begriffenes Deutschland, ein Deutschland, das seinen Fuß wieder, wie wir glauben, auf einen schwierigen, aber den einzig möglichen Weg zum wirtschaftlichen Wiederaufbau gesetzt hat, den Weg zu jener glücklichen blühenden Zukunft, der es meiner Ueberzeugung nach sicherlich entgegen­geht. Einer Zukunft allerdings, die nicht mit Waf­fengewalt, sondern durch Betätigung all jener glän- zenden unzerstörbaren Eigenschaften des d e u t s ch e n V o l k es erreicht werden wird, die sich nur in einem friedlichen Europa ganz auswirken und ihre vollsten Früchte hervorbringen können . Wenn ich jetzt meine Amtspflichten hier in Deutschland niederlege, so möchte ich bei dieser Gelegenheit dem Wunsche Ausdruck geben, daß der im Sommer einsetzende Stromdesamerika- Nischen Reiseputzlikums sich wieder nach Deutschland ergießen möge, um die alten deutschen Städte zu besuchen, die Naturschönheiten Deutsch­land zu schauen und den Zauber und die Romantik dieses altehrwürdigen historischen Landes zu fühlen. Ja noch mehr, sie sollten hertiberkommen, um aus eigener Erfahrung kennen zu lernen, ein wie h er z- licher und warmer Willkomm ihrer bei dem deutschen Volke wartet. Die persönliche Be­rührung ist bei den Nationen rote bei den Indivi­duen das beste Mittel, um ein gegenseitiges sympa­thisches Berständnis zu schaffen und zu fördern.

Botschafter Malzan, der ein Hoch auf die ameri­kanische Republik ausbrachte, würdigte die Hilfe Amerikas in der schwersten Zeit Deutschlands. Die Namen Hougthon und Hughes, General Dawes und Owen Young werden für immer in das Buch der Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika geschrieben fein.

Die Urise in Preußen.

. Während die Rechtspresse weiter der Meinung st, daß die Wahl des preußischen Minister« präjtbenteti durch den Landtag am Freitag nicht stattfinden werde, sind Germania, Tageblatt und Vorwärts der Ansicht, daß eine Hinausschiebung der Wahl nicht erfolgen werde. Das letztgenannte Blatt behauptet, daß die drei bisherigen Koalitions« Parteien, Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten dahin überetngekommen seien, daß der preußische Ministerpräsident am Freitag gewühlt werden müsse. Tie drei Parteien würden deshalb gegen einen Pertagungsantrag stimmen. Eine Annahme des Bertagungsantrages könne nur erfolgen, wenn außer den Deutschnationalen und der Deutschen Bolkspartei auch die Kommunisten dafür stimmen würden. Hebet ben Verlaus der Fraktionssitzung des preußischen Zentrums am Donnerstag weiß dieGermania" zu berichten, daß die Fraktion zu einer einheitlichen Meinung über die Sage gekommen sei. An dem Standpunkt der Fraktion habe sich nichts geändert. Sie werde sich unter keinen Umständen an einer Rechtsregierung beteiligen ober einem der Reichsregierung ähnlichen Gebilde die Wege ebnen.

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Deutschland und Kanlretch.

Der Augenblick weittragender Entscheidungen über ihre Beziehungen.

Die vielbeachtete Rede Herriots in der Pariser Kammer ist als Oberflächenerscheinung wichtiger diplomatischer Auseinandersetzungen zu verstehen, die zwischen den Kabinetten der Groß­mächte stattfinden. Frankreich ziett auf den großen (Garanttepatt, den es von England und Amerika Vis jetzt nicht erlangen konnte. Um ihn doch zu er­reiche,r, schlägt Herriot aus D e u t s ch l a n d los

Sn Deutschland ist man darüber, als Prügel­knabe benutzt zu werden, ta berechtigter Ent­rüstung. Di« Kammerrede Herriots hat, wie die Blätter betonen, in allen deutschen Kreisen auch eine starke Enttäuschung heroorgerufen. Bei dem Empfang der ausländischen Presse, der auf Frei­tag abend anberaumt istz wird der Reichskanz- jler Dr. Luther die Antwort der deutschen Re- Sierung auf die Rede Herriots geben. Auch in der Kresse kommt die Enttäuschung über die Rede Her- /riots zum Ausdruck. DasVerl. Tagebl.* erklärt: Eigentümlich müsse es berühren, daß Herriot bei der Erörterung der Räumungsfrage sich auf Material stütze, das bis heute der deutschen Regierung vor- enchalten wirb. Freundschaftlich und offen sei das Verfahren von London gewesen, eine Methode, die tat der Rede Herriots lewer vermißt werde.

Das Blatt Dr. Strejemanns, dieZeit*, schreibt unter anderem:

Wie es scheint, hat der französische Minister- prösldent kurz vor seiner Rede Kenntnis von Ma­terial erhallen, das entweder auf Agenten der französischen Regierung oder auf Berichte der Kon­trollkommission zurückgeht. Jedenfalls handell es stch dabei um Unterlagen, die auf deutscher Seite Nickst bekannt sind und deren Wert vollkommen -problematisch tft Trotzdem hält sich Herriot ifür berechtigt, die heftigsten Anklagen gegen die deutsche Regierung zu erheben, ohne für die Rich­tigkeit seiner Behauptungen den Beweis anzutre­ten. Aus dieser Grundlage ist eine fruchtbare Diskussion ganz unmöglich. Das Blatt be­zeichnet schließlich die Polemiken Herriots als einen Rückfall in die Bahn Poincares. Inner- politische Schwierigkeiten und auch vielleicht das persönliche Temperament Herriots mögen für die­sen Rückfall Herriots verantwortlich fein. Sicher fei, daß man auf diese Weise die Räumungs- und die Sicherheitsfrage nie werde lösen können.

herriot und öie Sozialisten.

Ministerpräsident Herriot hatte gewisse Schwierigkeiten mit der sozialifti- schen Kammerfraktion wegen seiner hier schon erwähnten großen Rede. Der Minifterpräsi. dent erschien in der Fraktion und gab folgende Er- klärung ab: Er habe aus außenpolitischen Grün­den seine Rede gehalten. Herriot erklärt weiter, daß er gezwungen gewesen sei, sich zu einem Esten nach dem Elysee zu begeben und daß er deshalb -gewisse entgegenkommende Aeußerungen über d j e d e u t s ch e D e m o k r a t i e, die er hätte ma> chen wollen, hätte unterdrücken müssen. Herriot fordert die Sozialisten auf, mit ihren radikalen und sozialistisch republikanischen Kollegen, den öffent­lichen Anschlag seiner Rede zu beschließen. Nach­dem Herriot sich entfernt hatte, beschloß die Frak- Man mit 50 gegen 15 Stimmen mit den Regie- ^Warteten für den öffentlichen Anschlag zu . An der Kammer selbst ergriff Herriot nochmals

Wort, um öle Mehrheit, die die Regierungs- Politik unterstützt, zu bitten, durch die Kommentare der Gegner nicht den Sinn der Rede, die er gehal­ten habe, entstellen zu lassen. Was er gesagt habe, entsmeche vollkommen der Po litt k der Sicherheit «nd des erlebens, die die Regierung betrieben habe Md die man fortsetzen müsse.

An schlag der Rede wurde mit 542 gegen 32 Stimmen genehmigt. Rur die Kommu­nisten stimmten dagegen.

Zweimal vermählt.

. Roma» »n «rnst Singen.