FuldaerZertung
Nr. 21.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
verantwortlich ür bie SctiriiUeunn»: Dr- 3n bannet Kramer, «nreigen, I. P otieUet. llulda. Rotationsdruck und Verlag der Luldoer V diirtu dnti m ? nita. llerntereiln Rr- S.
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Dienstag, 27. Januar 1925.
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52. Zahrg.
Um öle Kölner Zone.
Strejemano für eine Kompromißlösung.
Das „Berl. Tageblatt" hatte aus Washington gemeldet, daß der Berliner Vertreter ausländischer Zeitungen, Robert Dell, Mitteilungen über die Vorgeschichte der Räumung derKöl- n e r Z o n e gemacht hat, wonach die englische Re- gic ung die Absicht gehabt habe, Frankreich vorzuschlagen, am 10. Mai gleichzeitig die Kölner Zone und das gesamte Ruhrgebiet zu räumen. Außenminister Dr. Strese- mann habe aber dieses Kompromiß ab gelehnt und überhaupt vor den Wahlen irgendwelche Verhandlungen über gegenseitige Zugeständnisse nicht führen wollen.
Die .Zeit", das Organ Stresemanns, bemerkt dazu: An der Behauptung des Herrn Dell ist tatsächlich nur das e in e ri~,tig, daß eine private Unterhaltung über einen derartigen Kompromiß. Vorschlag stattgefunden hat, nur daß der deutsche Außenminister den Kompromißoorschlag nicht ob- gelehnt, sondern keinen Zweifel darüber gelassen har, daß er seinen Einfluß einsetzen würde, um den Kompromißoorschlag, wenn er offiziell an Deutschland gemacht werde, zur Annahme zu bringen.
Vie neue Note.
wtb London, 26. Ian. (lei.) Der diplomatische Berichterstatter des .Daily Telegraph" schreibt, die neue Interim snole der Alliierten werde heute in Berlin überreicht. Sie enthalte wenig mehr als eine formelle Bestätigung der deutschen Antwort aus die letzte alliierte Rote. Sie betone, wie angenommen werde, von neuem die Tatsache, daß vor (Eingang des endgültigen Berichts der Kontrollkommission feine endgültige Enk- scheidnng getroffen werden könne. Gerüchtweise verlautet, daß die Rote eine Zurückweisung der vor kurzem dargelegten deutschen Argumente enthalte. Tatsächlich scheine die britische Regierung die französische These angenommen zu haben, daß die De s e h n n g der ersten Zone automatisch forkdanern soll, bis Deutschland zeigen könne, daß es feine Lntwaffnungsverpflichknngen erfüllt 6atw, wobei es aber mehr Deutschlands Sache sein soll, den Beweis dafür zu liefern als Sache der Alliierten. Die aufeinanderfolgende Räumung der ersten und zweiten Jone werde mehr zu einem Gnadenakl als zu einer Verpflichtung.
Der Abschluß -es Konfcoröats.
Ei« Telegramm des bayerischen Ministerpräsidenten an den Heiligen Vater.
Aus München wird gemeldet: Aus Anlaß der tn feierlicher Weise erfolgten Ratifikation des Kon- kordais hat Ministerpräsident Held folgendes Telegramm an Papst Pius XI gesandt:
. «®ro- Heiligkeit habe ich die hohe Ehre, allerunter. tSnigst zu melden, daß seine Eminenz Nuntius Pacelli soeben mit mir in Gegenwart sämtlicher LtaatSmrnistcr die Ratifikationrurkunde zum Konkordat ausgewechselt hat. Ew. Heiligkeit bitte ich in diesem historisch bedeu- tungSvollen Augenblick oeS Inkrafttretens des neue« Konkordats, das mit Gottes Hilfe der Kirche und dem
®u baueindem Segen gereichen wird, erneut das Gelübde unwandelbarer Treue und innigster kindlicher Liebr entgegennehmen zu wollen. In allertieffter Ehrfurcht Ministerprästdent Held.
Ein weiteres Telegramm hat Ministerpräsident Held auS Anlaß der Ratifikation an den erkrankten Staatsminister Matt nach Gardone gerichtet, indem -r ihm seinen herzlichen Tank für seine außerordentlichen Verdienste um das Zustandekommen dieses Konkordates zum Ausdruck bringt.
Deutsches Reich.
*,.J"^b°rland.Prozetz in München wurden §m"'che Angeklagte freigesprochen. AuS der Begründung .st heworzuheben. Wirklich nachqewkesen 'st lurdas Gericht, daß .Oberland" und der .Schützen- und Wandrer-Bund" an sich im ganzen gleiche vaterländische Ziele verfolgten, im einzelnen aber wesentlich anderen Zwecken dienten. .Oberlands war eine straffe militärische pgantiohon, der „schützen- und W.inderbuvd" eine sogenannte Dachorganisation, in der einzelne Per- sonen keine Aufnahme finden konnten. An der Organisation des Schützenvundes ist auch in der Zeit des Verbotes von „Oberland" nichts geändert worden. Der Freispruch tft »u verstehen, wenn man erwägt, daß das Verbot .Oberlands" voraussichtlich in &en nädtftfn Tagen schon aufgehoden werden wird. Für den im Ludendorff P.ozeß verurteilten Dr' Weber ist der Freispruch deshalb von besonderer Bedeutung, weil damit daS Hindernis fo.tfälli, ihm die im Urteil des Volksgerichts zugesptochrne Bewährungsfrist noch weiter vorzuenlhallen.
Beamtenfragen.
= 5« der Meldung über die Srhaltszshtena wird amtlich erk ärt: Die in der Presse veroreiiete Nachsicht, daß die Reichsregierung sich zur Wiese rein- fuhrung Ser vierteljährlichen Gehalts- Zahlung entschlossen rabe, > ist unzutreffend, zumindest verfrüht. Den Beamtenipitzenorggnisationen,' die im Reichrfinanzministerium nt dieser An eeejenhert boi stellt i wurden, wuroe lediglich mitietei.t, daß diese .ftrage nach ihrer technischen, wirtschaftlichen, besoldun Und beamtenpotitischen Seite geprüft werde. Die endgültiie Stellan mahme des Reichrfinmzmini teriums liegt noch nicht vor. Das Kabinett hat sich mit dieser Stage überhaupt noch nicht besaßt.
, Die tage in Preußen.
Die Ordnung der durch den Rücktritt der Regierung B r a u n in Preußen geschaffenen Lage bereitet schier noch mehr Schwierigkeiten, als es im Reich der Fall war. Die Ursachen dafür liegen darin begründet, daß im Reich der Kanzler vom Reichspräsidenten bestellt wird, und daß der Kanzler sich seinerseits seine Mitarbeiter auswählt. In Preußen aber wird der Ministerpräsident vom Landtag gewählt, und das setzt voraus, daß sich zuvor eine Parteikonstellation zusammenfindet, die sich auf die Wohl einer bestimmten Persönlichkeit einigt. Im Reiche ist es umgekehrt: dort uuß der Reichskanzler erst nach seiner Bestellung das Kabinett zusammenzubringen suchen.
Diese Sachlage nötigt naturgemäß bie Parteien des Landtages sich über ihre Stellung schon vor der Ernennung des Ministerpräsidenten klar zu werden: die Zusammensetzung des Kabinetts durch diesen Ministerpräsidenten ist dann mehr oder minder nur eine Formsache. Aber gerade weil dem so ist, liegen die Dinge kritisch. Der Rücktritt der Regierung Braun wurde erzwungen durch das Hinzutreten von 45 Kommunisten zu den Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei. Es ist aber ausgeschlossen, daß die Kommunisten nun auch für einen deutschnationalen oder sonstigen Mlnisterpräsidenten stimmen würden. Hier also schon, bei der Neuschaffung dieser Regierung treten dte Schwierigkeiten bezüglich der Herbeiführung einer regierungsfähigen Mehrheit in die Erschei- nung. Die Opposition ohne die Kommunisten hat keine Kraft mehr, und so wird auch in Preußen das Zentrum wieder den Ausschlag geben, das aber in ganz anderer Lage sich befindet, als wie im Reich.
Der Aeltestenausschuß des Preußischen Landtags beschloß, die nächste Plenarsitzung auf den 3 0. Januar nachmittags 2 Uhr einzuberufen. Als einziger Punkt steht auf der Tagesordnung die Wahl des Ministerpräsidenten. Der Geschäftsord- nungsausschuß wurde beauftragt, Zweifel über die Auslegung der Abstimuungsergebnisse nachzu-
Der Vorstand der Zentrumspartei hielt am Freitag im Reichstag eine Tagung ab, in welcher innere Angelegenheiten der Partei ausgiebig zur Erörterung kamen. An diese Besprechungen schloß sich eine Sitzung der Landes - und Provinzialvorsitzenden der Zentrumspartei sowie der Generalsekretäre. Die Verhandlungen, die einen ganzen Tag hindurch dauerten, und außerordentlich gut aus allen Teilen bes Reiches beschickt waren, befaßte sich vorwiegend mit der p o l i t i s ch e n L a g e. Der Fraktions- chef F e h r e n b a ch gab der Versammlung ein eingehendes Referat über die Vorgeschichte zu der heutigen politischen Entwicklung und die Haltung der Zentrumsfraktion. Er konnte unter der Zustimmung der Versammlung feststellen, daß die Frak- "on sich bewußt ist, daß sie in ehrlichem Ringen die Losung der schwierigen Fragen herbeigeführt hat. I
Der bisherige Reichskanzler Marx, der als Parteroorsitzcnder die Besprechungen leitete, gab eine ausführliche Darstellung über seine Demühun- gen zur Herbeiführung einer stabilen Regierung und über ferne Haltung in dieser Krise. Marx stellte unter Zustimmung der Anwesenden fest, daß das Zentrum die staatspolitischen Notwendigkeiten in den Vordergrund gestellt hat und alle Erwägungen, mit denen es parteipolitisch sich zweifellos besser gestanden hätte, zurückgestellt habe. Eine rege Aussprache knüpfte sich an diese Darlegungen an, und die Stimmung im Lande kam dabei in Formen zum Ausdruck, die erkennen lassen, daß die Parteiangehörigen in ihrer Festigkeit und Treue zum Zentrum sich nicht wankend machen lassen.
Sn der Aussprache sind vor allem die V e r t r e - teraus dem Lande zu Worte gekommen, um die Stimmung ihrer Bezirke zu den letzten politischen Vorgängen und zu der Haltung der Fraktion zum Ausdruck zu bringen. Für die Entschließungen der Fraktion zeigte man allenthalben das größte Verständnis, und vor allem fand die durch den Fraktionsvorsitzenden Fehrenbach im Reichstage abgegebene Erklärung einmütige Zustimmung. Auch bei dieser Aussprache ergab sich, daß das Zentrum aus staatspolitischen Erwägungen heraus dieser Regierung Leben und Wirksamkeit ermögllcken will, daß aber in demselben Augenblick, in dem gegen die grundsätzlichen Auffassungen der Zentrumspartei und der Zentrumspolitik, wie sie in der Person und der Tätigkeit des bisherigen Reicks- kanzlers Marx verkörpert waren, durch irgendwelche Maßnahmen der Regierung Lutber "verstoßen werden sollten, die Zentrumsfrakt'on die erforderlichen Folgerungen zieht.
An den Landerchef von Baden, den Prälaten S ch o f e r, der sich einer schweren Operation unter- petzen mußte, aber inzwischen auf dem Wege der Besserung sick wieder befindet, wurde ein herzliches Gluckwunsch-Telegramm abgesandt.
Kurland.
*J’ne Jrung Mqnthes. Aus London wird geme.det. -er ehemm'ge liberale P.,imeimminer ASquith hat die ihm angebotme Würfe ete-eS PeeiS mit dem Titel eines Geoten v,n Or ford an lenommut. Ter Kotig bifli ite die von Ba'dwin vorgeschla ene E Nennung tn Anerkennung
außerordentlich en Verdienst- »on Krquith.
Unruhen in Siidrutzland,
Hungerrevolten.
wtb Paris, 26. Jan. (Tel.) Havas meldet aus Riga: Nachrichten, die hier vorliegen, kündigen an, daß aus Mangel an Rahruvgs- m i k k e l n in der Ukraine und im nördlichen Krim- gebiet Unruhen ausgebrochcn seien. Jm Gebiet von Alexandrowsk fei ein Teil der Kosakea-Saval- lerie zu den Aufständigen übergegangen und operieren jetzt im Gouvernement Jekaterinoslew. 3n die Städte nördlich von Taurinow und in die südlichen Gegenden des Dnjepr seien mit Maschinengewehren bewaffnete Autos abgegan- gen, um dort die Ruhe wiederherzustellen. Jm vo- nezgebiet werden die Eisenbahnen durch die kommunistischen Jugend Organisationen gegen die Erwerbslosen geschützt.
Reichskanzler und presse.
Der neue Leiter der Preffeabteilung hatte die Chefredakteure der Berliner Presse und die Vertreter der auswärtigen deutschen Zeitungen ein» geladen. Mit zahlreichen Ministern und Staats« ! sekretären war zu dem Abend auch der Reichskanzler Dr. L u t h e r erschienen, der sich in einer Ansprache u. a. dahin äußerte:
3n dem großen politischen Körper einer Demokratie bestehe btt Tatsache, daß die Beziehungen des einzelnen zu den großen Dingen des Staats indirekt seien. Wir müßten, um in unseren Verhältnissen zu gesunden, dahin kommen, das Verhältnis des einzelnen zum Staatswesen so direkt zu gestalten wie nur irgend möglich, und diese Aufgabe könne überhaupt nur die Presse lösen. Die Presse sei in der Lage, der großen Masse der Menschen die großen Dinge des öffentlichen Lebens wirklich nahe zu bringen. Deshalb trage die Presse auch die schwere Verantwortung dafür, in welcher Weise diese Nahebringung der Dinge des öffentlichen Lebens erfolgt.
Cr richtete die dringende Litte an die Presse, sich stets gegenwärtig zu halten, daß unser Volk nicht in feindliche Clans zerfalle, sondern ein großer Organismus sei, in dem sich die einzelnen Teile selbstner» standlich gegeneinander bewegen müssen, um ein Gesamtergebnis zu erreichen, aber nicht gegeneinander kämpfen dürfen. Wenn man z. B. von der Wirtschafts, und Sozialpolitik sprechen höre, so scheine es manchmal so, als wäre die Wirtschaft der Standpunkt der Arbeit, geber, und die Sozialpolitik der Arbeitnehmer. Das sei aber ein Unding: Die Wirtschaft sei nicht möglich ohne die lebendigen Kräfte der Arbeiter, die man nicht auspumpen dürfe bis zum letzten, in denen man vielmehr Teile des Volk-ganzen und Volksgenossen sehen muffe, die fürsorglich zu behandeln seien. Sozialpolitik sei nicht möglich, ohne daß die Wirtschaft im ganzen gedeihe und Werte erzeuge, mit deren Hilfe die Sozialpolitik durchgeführt werden könne. Dieses Beispiel zeige, daß wir nur durch Zusammenfassung unserer Kraft e, aber nicht durch Betonung der Gegensätze über die Hindernisse hinwegkommen würden, die uns noch in großer Zahl zur Gesundung entgegenstünden.
Dte Ausführungen des Kanzlers, der ein Hoch auf die Preffe ausbrachte, wurden von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Der bedrohte Herriot.
Mette Forderungen feiner sozialistischen Bundesgenossen.
”«tis, 26. Jan. (Tel.) 3n Marseille hat gestern der Vezirksparkeikag der Soziallsten des Departements Donche-Du-Rohne stakkgesunden, um den Kongreß der Parkei vorzubereikea, der in Grenoble staktfindrn soll. Ls fand eine wichtige Debatte Über d'.e Frage der Fortsetzung der UnterstÜhungspolitik statt und mit 153 geg:n 21 Sfhr.men wurde eine Tagesordnung des ehemaligen Abg. Cifete-ßuenfn angenommen, die folgenden Vorklaut hak: Die Parkei wird die Unter- stützungspolikik gegenüber dem TRinifferhim Herriot nut dann forkf etzen, wenn dieses alle nötigen Vorkehrungen trifft, damit das allgemeine Stimmrecht beobachtet und das von Herriok in feinem Brief an die fozialiffche Partei entwickelte Programm durchgeführt wird.
Deutschland und der Völkerbund.
wtb London, 26. Jan. (Tel.) Sie .2tTor- ning Post" berichtet aus Genf, die Erklärung Sc. Stre'emanns im Reichstag, die deutsche Se- girn-ng erwarte eine Antwort ans die Roke an den Völkerbund vor der Formulierung des Aufnahmeantrags, habe die «Trage aufgeworfen, weiche Schritte fetzt vom Völkerbund unternommen werden sollten. Menn diese .Trage nicht von e’netn Mitglied in der Alärzsitzung des Völ- kerbnnds.ates aufgeworfen werde, fei es wahrscheinlich, taß der Schritt ror der nächsten Versammlung des Völkerbunds erfolge.
* „Sohnv'rhandlnngen" in Lissabon. Nach einer Mel ung aus L ßabon ist durch ein Bomben» attentat da» Rathaus ernstlich beschädigt worden. Man nimmt ai, daß da» Attentat von städtischen Ar bet lern verübt worden ist, die sich an enbücklich we en einer Lohnsraoe mit den Mitgliedern de» Muni; Poteats im Konflikt bc- fiiih n.
* 6iae Jtsel versunken. Nach Telegrammen aus Lissabon ist einer Meldung des „D. Lokalanz." zufolge die an der westafrikan,scheu Küste liegende kleine zu Portugal gehörige Insel PortAlexan- der plötzlich versunken. Die Insel, die etwa 4000 Quadratmeter groß ist, war von Portugiesen bewohnt. Heber das Schicksal der Bewohner ist noch nichts bekannt,
। Völkermord und Rüst ingrksntrolle
Zu der Genfer Tagung der ständigeni Militärkommission am 5. Febr., die u. a. die Frage prüfen soll, wie den Nachfor^ fchu n gs kommissionen des Völkerbund e s die völlig freie Durchführung ihrer Auf-i gaben gesichert werden kann, erfährt man folgende Einzelheiten:
Die Frage war bisher schon im November von der Militärkommission und im Dezember vom 23öl=; bundsrat unter folgenden Gesichtspunkten geprüft! worden: 1) Diplomatische Vorrechte und Immunität für die Mitglieder der Nachsorschungs- koinmissionen. 2) Erleichterungen für die Kommissionen. 3) Praktische Garantien. Zu Zu Punkt 1. steht der Dölkerbundsrat auf dem Standpunkt, daß Artikel 7 des Völkerpunktspaktes, der schon ganz allgemein den Völkerbundsbeamten diplomatische Vorrechte zuerkennt, sich auch auf die Mitglieder der Nachforschungskommissionen beziehe. Dabei wird die These vertreten, daß die Mächte, die die Friedensverträge unterzeichnet haben, damit auch die Verpflichtung zur Innehaltung des betreffenden Artikels des Dölkerbundpaktes übernommen hätten. Punkt 2 soll dadurch geregelt werden, daß die Mitglieder der Nachforschungskommissionen außer dem Diplomatenpaß im Nacken des Völkerbundrates beim Generalsekretär des Völkerbundes eine besondere Ausweiskarte erhalten. Die Hauptsorge verursacht Punkt 3. Hier ist noch keine Lösung gesunden.
Die Arbeiter der ständigen Militärkommission im Februar dürften aus erhebliche Schwierigkeiten stoßen. Die Richtlinien des Völkerbundsrats sind sehr unklar. Deutlich wird aus ihnen nur eine allgemeine Tendenz. Diese Tendenz geht zunächst daraus hinaus, nicht etwa durch gerichtliche Untersuchungen die Hauptgrundlage für die Tätigkeit der Nachforschungskommissionen aufzustellen, sondern technische praktische Mittel und Regeln zur Garantierung der Durchführung ihrer Aufgaben zu finden. Daher wurde entgegen der ursprünglichen Absicht die Untersuchung nicht vorwiegend Juristen, sondern in erster Linie militärischen Fachleuten der ständigen Militärkommission anvertraut, deren Forderungen maßgebend sein sollen. Aufgabe der Juristen soll es dann nur fein, diesen militärischen Forderungen eine juristische Form zu geben und sie mit Artikel 213 des Versailler Vertrages in Einklang zu bringen.
Die Sicherungen für die Durchführung der Nachforschung beziehen sich im wesentlichen auf folgende Frage: Wie ist es zu ermöglichen, daß die Nachforschungskommissionen in allen Fabriken, die z. B. der Herstellung von Kriegsmaterial verdächtigt sind, Eintritt erhalten? Welche Maßnahmen sind zu ergreifen, wenn die Fabrikleitungen den Eintritt verweigern? Hieraus wurde von verschiedenen im1 Rate vertretenen Staaten, so Japan und Englands zuerst die Möglichkeit zur Vermeidung von Schwieriakeiten darin geseben, daß die kontrollier renden Staaten sich vor dem endgültigen Rats-i beschluß über die Nachforschungen mit dem Völker-' bund auseinandersehen könnten. Eine derartige Zu- sammenarbeit wurde aber von den belgischen und französischen Vertretern abgelehnt.
Der Kampf in Südtirol.
Sie italienische Regierung gegen das Teutichtum.
Nu« Innsbruck wted uns gemeldet: Hier erregt k» Auf eben, daß die italienischen Behörden in Auer, einer völlig deutschen Gemeinde in Tüdiüol, emen van deutschen Eitern, deren Kinder die italienische Schule regelmäßig besuchen, ei gerichteten d.un'cher Spachtln« gewaltsam haben schließen lassen. Dieser deut che Sprachkur« war eing richtet Wwden, w-ll die Regierung die deutsche Sprache nicht in den Anbang- stunden lehren ließ, wozu sie auf Grund des Schul- gesetzes ve>pflichtet wäre. Ferner wuide in Gir lan ein deutscher Kinderhort und in In »ich en eine Kinderlpielstube gewaltsam geschloss n, so vie in NalS eine in einem Privathaüs befindliche Spielstub» verboten.
Das pharaograb.
vtb Kairo, 26. Jan. (Tel.) Die gemeldet wird, hat Oberst Lharlen gestern wieder das Grab Tulenchamens übernommen, besten Inhalt mit Ausnahme des königlichen Bahrtuchs, das durch die Witterung vollständig ruiniert wurde, u n v e r- fehrk vorgefunden wurde.
Die Lage in Nordafrika.
wtb Paris, 26. Jan. (Tel.) Havas meldet aus Tanger, General Primo de Rivera erklärte den Delegierten von Tanger, daß keine politischen oder wirkfchaskllchen Gründe vorliegen, den Bau der Eise «bahn Tanger-Fez nicht zu vollenden.
wtb. Paris, 26. Jan. (Tel.) Havas meldet aus wadrid: Sie Kolonnen des General Saro hak Punla-Alarez beseht. Sie Kolonne hak dem Feind Berlusle von etwa 50 Token beigebracht.
* R ne« Straßenbahnunglück in S rlin. Ei« Triebwagen der Berliner elektrischen, Lträßenbahn, der die abschüssige Hauptstraße in Schöneberg her- unterfuhr, stieß mit solcher Wucht auf einen haltenden Slraßenbahnzu, auf, daß 30 Personen, darunter lech? schwer, verletzt wurden. Der Führer des Triebwagens, der nach dem Bericht eines Augenzeugen ku>, vor dem Zmammens oß abgesprungen war, gab an, daß die Bremse veriagt habe.