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Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Lküdk Fulda.

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Nr. 19.

yerantftortud) ür b,e Schriitteitunq: Dr. Jodanner

Anzeigen: I. P ariellet, Fulda. Rotauonrdruck und Verlag der Bulten $ rtiertii tnn iti Bv-ta. FeiuwreLer Nr. L Co'-atlidier ve-«e>?dreiS: 1.50 Mk.

Samstag, 2f. Januar 1925.

Anzeigea-Preii: Sieinsetle (Uoioneu .ota> u.lö «oUmati auitoävU 0.20 Oolbmatt: Reklame,eile lokal 0.60 Soldmark aufwärts 0.80 öolbmatt ::

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52 Zahrg,

Die Abstimmung im Reichstag.

In der zweiten Rednergarnitur, die am Don­nerstag im Reichstag zu Wort kam, hat das Zentrum nicht gesprochen. Was gesagt werden mußte, war gesagt. Die zweitklassigen Redner der linderen Parteien haben auch keine sonderlich neue Weisheit von sich gegeben. Der Sozialdemo­krat Hermann Müller (Franken) setzte sich mit den Barmatvorgängen und den Finanzskan- dalen auseinander und geriet dabei mit den Deutschvölkischen in eine heftige Kontroverse. Zu­jammenfassend erklärte er, nachdem er die ganze Lage beleuchtet hatte, daß seine Partei das Kabinett Lutl)er mit seiner Arbeit nicht erst beginnen lasse, sondern sofort in die schärfste Opposition treten werde. Die Deutschnationalen schickten dann als «weiten Redner den Abgeordneten Lehrend vor, den Führer des evangelischen Flügels der christl. Gewerkschaften. Als dritter Sprecher kam der volks- parteiliche Abgeordnete v. K a r d o r f f an die Reihe. Kardorff, der wirksam spricht, beklagte den Parteihader, suchte aber etwas einseitig die Schuld immer bei den „anderen". Bon den Demokraten sprach Dr. Haas, der sich mit der Rechten hitzig auseinandersetzte.

Es sprachen noch der Kommunist Schollen, der behauptete, alle Parteien seien bemüht, den Darmat-Skandal zu vertuschen, auch die Deutschnationalen mit Rücksicht auf Hugenberg; -ferner der bei der Wirtschaftspartei untergekom­mene Welfe H a m p e, der niedersächsische Agrar­wünsche vortrug, schließlich der völkische Graf R e- L « n t l o w, der Betrachtungen über die Juden- Jrage anstellte.

Rach persönlichen Bemerkungen erfolgte die Ab­stimmung und dann Vertagung auf Freitag; es soll über die Handelsvertragsverhand- k u n g e n beraten werden.

Das Abstimmungsergebnis.

Zur Abstimmung stand der Antrag der Deutsch- nationalen, des Zentrums, der Deutschen Dolks- partei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Bäuerischen Dolkspartei: „Der Reichstag billigt die Erklärung der Reichsregierung." Es wurde na­mentlich abgsltimmt. Die Abstimmung ergibt folgende Ziffern: Im ganzen sind 445 Karten ab­gegeben. Mit Ja stimmen 246, mit Rein 160 und 39 Abgeordnete enthalten sich der Stimme. Für die Billigung haben gestimmt etwa 180 Deutsch, nationale, Deutschs Dolksparteiler und Bayerische Dolksparteiler, etwa 55 vom Zentrum und 11 von der Wirtschaftsvartei. Gegen die Billigung stimmten geschloffen Sozialdemokraten und Kom­munisten. Der Stimme enthielten sich Ra- tionalsozialisten und Demokraten.

Nach authentischen Feststellungen hat die Zen­trumsfraktion wie folgt abgestimmt: Don den 69 Abgeordneten, die die Fraktion zählt, waren sechs abwesend, nämlich die Abgeordneten Lange- Hegermann, Dr. Höfle, Hofmann-Ludwigshafen. Giesberts, Groß und Schlack. Don den übrigen haben mit Nein gestimmt die Abgeordneten Dr. W i r t h und I m b u f ch. Blaue Enthaltunaszettel haben abgegeben die Abgeordneten Adam Roeder, Knoll-Heffen und Koch-Effen. Den Saal verlassen haben die folgenden 8 Abgeordneten Joos, Teusch,

Der Bericht der Kontrollkommission.

wtb £ 0 n b 0 n, 23. Ian. (Tel.) Die „Htorning- Post' erfahrt, der Berichk der Interalliier- ken Militär • Kontrollkommission »erbe in der ersten Februarwoche ver- Sffeatlicht werben. Vie Kommisflon werde keine enbgultige Schlußfolgerung ziehen, sondern sich auf die objektive Darstellung der Tatsachen beschränken.

Der Bericht werde infünfAbschuikke zer­fallen entsprechend den fünf Punkten der Note der Dotschafterkonferenz an Deutschland vom September 1822: 1) Polizei, 2) Kriegsmaterial, 3) Auslieferung von Kriegsmaterial, 4) Dokumente über den Stand dec Abrüstung zur Zeit des Waffenstillstandes und 5) Gesetzgebung über Ein- und Ausfuhr von Kriegs­material.

Nach dem diplomatischen Berichterstatter des »Daily Telegraph" verlautet, daß die Interalliierte Kontrollkommission ihre I n s p e k t i o n bis E n de dieser Monats sorlsehen werde.

• Ein Austritt ans dem Völkerbund. Hava- Meldet aus Geni: Constantia bat feinen Aus­tritt aus dem Völteibund angemeldet, der am 1. Januar 1927 gemäß dem Statut des Völkerbundes wirksam wird._____________

Der Krönungstag des Papstes.

Papst Pius XI. wird den Jahrestag seiner Ärö- nung am 12. Februar diesmal nicht wie bisher in der Sixtinischen Kapelle, sondern durch eine große Feier in der Peterskirche begehen.

Nach einer Meldung aus Amerika werden dort zwei große Pilgerzüge von der Marianiscken Kongregation vorbereitet, die dem Papst 30 000 Dollars für Wiederherstellungsarbeiten an den Va­tikanischen Bauten überreichen wird.

Der italienische M i n i st e r r a t befaßte sich mit der inneren Lage und stellte fest, daß im Lande allgemeine Ruhe herrsche. Er hat bescklos- sen, der Vereinigung der Invaliden einen Bau­grund zu einem Hause in Rom zu schenken.

Beusch, Gerig, Tremmel, Dietz, Schwarz (Frank­furt a. M.) und Sommer, meistens Abgeordnete aus dem besetzten Gebiet. Auch von der demokra­tischen Fraktion verließen die Abgeordneten Dr. Cchücking, Lemmer, Schuldt und Korell vor der Abstimmung den Saal. , .... ,

Aus dem Reichstag schreibt uns über die Ab­stimmung zur Regierungserklärung ein parlamen­tarischer Mitarbeiter:

Nachdem cm zweiten Debattetag noch volle sie­ben Stunden ein Nedekamps geführt wurde, der nicht immer gerade auf der vollen Höhe stand, trat man in die Abstimmung ein, deren Ergebnis nach allem, was schon bei der Bildung der Regierung an Voraussetzungen und Sicherungen ausgestellt war, nicht mehr zweifelhaft sein konnte. Eine Ver­trauens- Kundgebung ist der Rsichsregierung von vornherein vorenthalten worden. Ihre von den Deutschnationalen geforderte Einbringung scheiterte an der Haltung des Zentrums, das darauf verwies, daß in all den Jahren eine positive Vsr- trauensformel kaum je beliebt wurde. Die kühle Reserve, die sich das Zentrum gegenüber dieser Re­gierung vorbehalten hat, fand ihren Niederschlag in der Forderung daß lediglich eine einfache Billigungsformel verabschiedet würde. Diese besagt: Der Reichstag billigt die Erklärung der Regierung. 2He Unterschrift zu diesem Antrag haben gegeben die Deutschnationalen, Deutsche Volkspartei, die Bayerische Dolkspartei und das Zentrum. Es wird sehr scharfe Distanz gehalten zwischen der Regierungals solcher in ihrer personalen Zusammensetzung und den Erklä­rungen, die der Reichskanzler Luther in die­ser Eigenschaft abgegeben hat.

Die äußere Stimmung bei dieser Abstimmung ist in keinen Vergleich zu bringen zu der ungeheuren Spannung, die sich seinerzeit bei der Abstimmung über die Londoner Vereinbarungen zeigte. Dennoch erwartete man das Ergebnis der namentlich oorge- nommenen Stimmabgabe mit größtem Interesse. Die Tribünen waren Kopf an Kopf gefüllt. Auch in. der Divlgmatenloge waren Vertreter einzelner Länder erschienen. Die Verkündigung des Resultats fand die ganze Regierung auf ihrem Platz, um­geben von einem dichten Wall von Räten und Ab­gesandten aus allen Ministerien, der Mitglieder des Re'chsrates, der Vertreter der Länder und bergt

Mit der Annahme der Billigungsformel sind alle übrigen eingebrachten Mißtrauensan- träge erledigt. Nun erst ist die Regie­rung Luther in Kraft getreten.

3m preußischen Landtag war am Donnerstag eine Ruhepause, da nur kleine Vorlagen zur Debatte standen. Die entscheidenden Abstimmungen nehmen am Freitag nachmittag 1 Uhr ib en Anfang. Ter Aeliestenrat des Preüßijchen Landtags beschloss, nach Erlediguna der Abstimmungen die Sihunaen bi» Dienstag den 3. Februar zu ver­tagen. An bic'em Tage soll auf der Tagesordnung sieben: Anfragen über die Grenzen zwilchen Bolen und Ostpreußen, über die Wohnungsnot in Ober« schlesien und über das Saargebiet.

Die Fahrt der „Berlin".

wtb Veracruz, 23. 3an. (Funkspruch de« W.T.D.) Der deutsche Kreuzer .Berlin" hat Vr-arruz verlassen, um nach Havanna zu fahren.

Das Zentrum

in -en Reichstagskommissionen.

I. Ständige Ausschüsse:

1 Für die Wakruni der Rechte der BoltS- dertretung: Herold, von Gueiard;

2. für auswärtige Angelegenheiten: ordent­liche Mitglieder: ftebrendach, Dr. Wirth, Dr. Spahn f9)er!in\®r. Saa8; stellvertretende Mitglieder: Klöckner, Stegertoalb, Becker-Arnsberg, Röder;

3. für die Gesedäftsordnung: Fehrenbach, Dr. Bell. S«bwarz.??r»nkfurt, Steiier.

4. für Petitionen: Beck, Reumann, Rientimp, Wilkens;

8. für den ReichShauShali: Klöckner, Elstun, Schleck, von Guerard;

6. für Steuerfragen: Herold, Dr. Blüning, Dr. ttn Hompel, Dr Beusch;

7. für Rechnungen: Schulz-Zahmen, Dr. Crone- Mungebrock

8. für Volkswirtschaft: Wieder, Blum, Diez, LammerS;

9. für soziale Angelegenheiten: Effer, 7?mit Teusch, Andre, Ke>p;

10. für Bevölkerungspolitik: Jo.Z, FrauR u- haur, Borneield,Ettmann, Unhta;

, 11. für Wohnungswesen. Sinn, 7 c ..ine! 'Ser» hitus, Feilmahr;

12. für BllduneSwesen: Rheinländer, ?r.iu Dransfeld, Dr. Schreibet, Hofmann.Ludwi Stufen;

Rechtspflege: Schulte.Bteclau, Frau

«,Buchholz;

elegenheiten: Allekoite Ltegeiw.ild, <8roh, Koch-Effen.;

1ö. für VerkevrSangele'enhe. !i' AieShertS Pennenmnn, Sieh es, Dr. Dessauer.

II. Sonde,-Ausschuss : .

1. für Aufwertung: Hofmann-Ko ir Steller

Dr. Bockiu:, Ehrharö; '

2. für die Kriegsbeschädigten: Äeria, Knoll, Damm, Sanner;

3. für das besetzte Gebiet: Effer, Hosm-nn. Ludwigshafen, von Guerard

Deutschland und Oesterreich.

Die „Zeit" veröffentlicht eine Unterredung mir dem Führer der österreichischen Eroßdeulschen, dem Präsidenten D i n g h o f e r, der sich gemeinsam mit dem Vizekanzler g. D. Dr. Frank in Berlin aufhält. Dr. Dinghofer erklärte u. a.: Man muß alles daran setzen, um uns als selbständigen Staat zu erhalten und vor allem als deutschen Dolks- stamm in möglichster Unabhängigkeit dem deutschen Volke zu bewahren. Die Heimkehr in das deutsche Vaterhaus ist uns bekanntermaßen durch den Frie- densoertrag und die bestehenden Nachkriegszeitvrr- hältnisse heute noch verwehrt. Trotzdem ist bei uns in Oesterreich die Ueberzeugung nicht gestorben, daß für uns auch einmal der Tag der nationalen Gerechtigkeit kommen wird, an dem auch bei uns das Recht der Selbstbestimmung Tatsache wird. Bis dahin heißt es ausharren und die gegenseitigen Beziehungen zwischen dem deutschen Volke dies­seits und jenseits der Grenzpfähle auf allen Ge­bieten zu vertiefen, soweit dies möglich ist. Es ist daher selbstverständlich, daß wir gern in das Deutsche Reich pilgern, um dort jede Gelegenheit zur Herstellung des gegenseitigen Verständnisses zu ergreifen. Dies war auch der Zweck dieser Reffe und des Vizekanzlers Frank. Mit großer Defrie-

Streik im Ruhrgeb et

Zur Abwehr beschließen die Arbeikgeber bie Aussperrung.

wtb Duisburg, 23. 3an. (Tel.) Die 2R e- kallarbeikerve rbände beschlossen für bas Insiallations- und klempnergewerde in Duisburg, sowie in den benachbarten Städten Düsseldorf, Bochum unb Essen ben Streik. Fol­gende Dorgange lieg:« bem Streikbeschluß zu­grunde:

Die Arbeitnehmer halten am 1. Dezember 1924 ben Lohnkarif, der einen Spitzenlohn von 0,80 M. vorsah, gekündigt. Jn'olge bet schwierigen tage des Gewerbes würbe bei ben Verhandlungen vor bem Schlichtungskommissar nur eine tohnerhöhung von 5 jjfg„ gleich S Prozent, zugesagt. Die Ar- beil^eber nahmen ben Schiedsspruch an, während bie Arbeitnehmer ihn ablehnten. Infolge bei Streikbeschlusses haben bie Arbeitgeber im Installations- unb Klempnergewerbe im rheinllch- westfälischon Indnstricbezirk beschlossen, in ben übrigen Städten des Bezirks bie gesamte Gehil­fenschaft auszus perreu.

Schlagende Wette*1.

7 Tote auf bem Schlachtfest» bet Arbeit.

wtb B o chn m, 23. 3an. (Tel.) Heute vor­mittag 4X Uhr erfolgte aus bisher noch nicht ge­klärter Ursache eine Explosion schlagender Wetter beim Ausbau des Flözes 36 der achten öst­lichen Abteilung auf bet 615 Mekersohle ber Schachtanlage Hannibal 1. Die Explosion hat sich in bet Abteilung Querschlag bis auf eine Entfer­nung von 200 Bieter ausgewirkt. Die Explosions­flamme wurde durch die erste Skaufchranke auf- gehalten. Es verunglückten 7 Arbeiter töd­lich, von den:» zwei geborgen werden konnten. Die Aufrüumungsarbeilen wurden sofort aufge­nommen.

Wahlreform in Japan.

Vor der Einführung des allgemeinen Wahlrechts.

wtb Paris, 23. Ian. (Tel.) Haoas meldet aus Tokio, daß Ministerpräsident Kato vor dem Parlament erklärt habe, die Regierung werde im taufe der gegenwärtigen Session einen Gesetzent­wurf einbringen, der das allgemeine Wahl­recht für die Wahlen zur zweiten Kammer vor- siehl. Man werde eine Untersuchung darüber an- stellen, inwieweit eine Abänderung des Wahlmodus zur ersten Sammer in Erwägung gezogen werden könne. ___

Deutscher Reich.

* Aus dem Fre (trat Sachsen. Die ,Boff. Ztt.' melbet auS Dresden, daß der soffaldemokralNche ächsiiche Innenminister Müller demnächst auS der Regierung ausscheiden und die S ellung des Kieiehoupimanns von C;cmnitz übeinehmen iv rde. Wer Müllers Nachfolger wird, stehe roch nicht feit; zunächst werde Ministeiprasioenl Heio das Jnnenininffterium miiverwa ten.

Bcelchobene Vorstandswahl.

L ut „Lokalanzei'er" ist die für Donnerstag ch.ud voigeiehene Vorüansswahl der deutsch- nnlionalen Reichstagsfraktion veitagt wor- dcn. Vorau si tlich wird sie erst i.ach der pailamen- lau; .,en Pauje erfolgen.

* Die Bauölierc im nördlichen Rußland ver- mcljtcit sich derart, daß sie schon zu einer gefähr­lichen Plate geworden sind. Besonders wird das von Bären und Wölfen berichtet. Sie richten überall grcßcn Schaden an und überfallen sogar Bauernhöfe. Conze Rudel von Wölfen, von Ruß­land kommend, tre,ben sich auch schon in den bal­tischen Provinzen herum. '

digrmg kehren wir in die deutsch-österreichische Her- mot zurück.

Vizekanzler a. D. Dr. Frank erklärte einem: Vertreter der „Germania", daß man in Oesterreich auf die Zusammenarbeit mit Deutsch­land in Verkehrs-, Wirtschafts- und auch Kultur­fragen großen Wert lege. Oesterreichs Lage als M i 111 e r ft a a t zwischen Deutschland und dem Südosten Europas werde durch die Gemeinschaft der nationalen Kultur wesentlich erleichtert. Der Handelsvertrag werde hoffentlich einen guten An­fang bringen. Dr. Frank setzte sich schließlich für, die Wiederherstellung der Freizügigkeit ein, die vor dem Kriege in vollem Maße zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reiche geherrscht habe.

Oesterreich elektrisiert Bahnen.

Eine Anleihe von 100 Millionen Goldkronen.

wtb Wien, 23. 3an. (Tel.) Laut einer Mel­dung ber „Reue Freie Presse" verhandelt bie öster­reichische Regierung mit bem Ausland wegen bet Aufnahme einer Anleihe von 100 Millionen Gold­kronen zur Fortsetzung ber Elekkrisierungs- arbeiten der Bundesbahnen.

, 3nm Sturz Trotzkis.

Die Stellung des Vorsitzenden des revolutio­nären Kriegsrates der russischen Sowjetrepubliken war schon seit langem erschüttert. Nun kommt, wie schon gemeldet, aus Moskau die Mitteilung, daß Trotzki durch Beschluß des Zentralkomitees der Russischen Kommunistischen Partei seines Amtes enthoben worden ist. Ob Trotzki anderweitig im Zentralkomitee noch ein Amt bekleiden wird, steht dahin.

Trotzki hat sich als Führer der revolutionären Sowjetarmee schon wiederholt bei den Sowjetpoli- tifern unbeliebt gemacht. Insbesondere ist es seine öftere und mitunter ganz und gar ungeschminkte Kritik des bolschewistischen Systems und seiner An­wendung in Rußland, die wiederhoü sehr pein­lich empfunden wurde und die letzten Endes auch die Veranlassung dafür war, daß Machenschaften gegen Trotzki persönlich und in seiner amtlichen Stellung ms Werk gesetzt wurden, die nun jetzt zu seinem Sturz geführt haben. Man war in po­litischen bolschewistischen Kreisen oft genug im Zweifel darüber, ob nicht die russische bolschewistische Arme in der Hand eines solchen Mannes eines Tages zu einem gefährlichen Instrument werden würde, deffen Spitze sich letzten Endes gegen das bolschewistische Regierungssystem als solches wen­den müßte.

Es wirft sich nun die wichtige Frge auf, welche Rückwirkung en der Sturz Trotzkis als ober­ster Leiter des russischen Heeres auf die innere Po­litik, ober auch aus die Stellung des Militärs in Rußland haben werde. Um das näher beurteilen zu können, müßte man besser über die wirklichen Vorgänge in Rußland, über den Einfluß der heute dort maßgebenden Persönlichkeiten und über ihre politischen Ziele unterrichtet sein. Eine raffiniert aufgezogene Außenprovaganda läßt in diese Dinge überhaupt keinen E i n b l ick zu. Alle für die Beurteilung der russischen Herrschaft von heute ungünstigen Nachrichten politischer und wirtsckaft- licher Art werden ohne weiteres zurückgehalten, und so ist man vielfach auf private Meldungen an­gewiesen, die auf ihre Objektivität unb absolute Richtigkeit nicht immer nachgeprüft werden kön­nen. Auch in Rußland selber ist bei dem Fehlen einer freien Presse und bei der Uniformierung der vorhandenen Presseorgane, die nut soweit geduldet werden, als sie die Sowjetpolitik durch dick und dünn zu vertreten bereit sind, eine Unterrichtung der Oeffentlichkeit über den wahren Stand der Dinge gar nicht möglich. So kommt es, daß auch die russische Oesfontlichkeit nichts erfährt über bie ' Gewalt- und Terrormaßnahmen, insbesondere über die Eigenmächtigkeiten unb Ungeheuerlichkeiten ber' berüchtigten Tscheka, die letzten Endes den eigent«. lichen politischen Herrscher in Rußland darstellt. J

Und nun fragt es sich, ob Trotzki wirklich der Marin ist, der den Kampf selbst gegen solche über« mächtigen Faktoren aufzunehmen imstande ist, und ob er selbst einer Tscheka und ihrem Inaui- sitions- und Dlutsnstem zu trotzen gewillt und fähig ist. Daß/ man Trotzki fürchtet, ergibt sich schon daraus, daß in offiziellen russischen Meldungen nicht b-e Rede von seiner endgültigen Aus­schaltung ist. sondern daß man sich vorbebäll, ibn gegebenenfalls für einen anderen Posten wieder zu delegieren. Tie Sowjetleute wissen ganz genau, daß ein Kamps, den Trotzki an der Spitze des rus­sischen Heeres, bei dem er sich großer Beliebtheit erfreut, gegen die politischen Macher führen wür­den, für" diese letzteren lebensgefährlich werde» könnte.

• Goldstmd» in Schlesien. Blättermeldungen aus Breslau zufolge find bei Grabungen am Eeiersberg bei Goldberg Goldfunde gemacht wor­den. In je Kilogramm gewaschenem 'Sand wur­den 18 hirsekorngroße Golbkörner gefunden. Die Funds stammen aus einer Tiefe von 24 Meter» Die Schürfung?» werden intensiv fortgesetzt.

* Tie verhän-rnicvolle Sktnctour. Diei Sludenkn ber Unittei filät Padua stürzren bei einer Tour auf den Aetna im Boveral ab. Einer ber Stuömten, bie ange eilt waren, war iofori tot, die beiden anderen wurden schwer verletzt.