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FuldaerZettung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 17.

verantwortlich iür bie SchriMeikun-,: Dr. JnbanneS Kramer. Attreisen: I. P arretier, Fulda. Rotationsdruck und verlas der Fuldaer S dierbirdtrei in Fulda. Fernldrecher Nr. s.

Monatlicher ®e;up$6rei8: 1.50 Mk.

Donnerstag, 22. Januar 1925.

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52 Zahrg.

Die Aussprache im Reichstag und Landtag.

Die Fraktionen nehmen Steilung. - Gin Billigungsantrag und ein MißbiMgungsantrag. - Bedeutsame Er­klärung des Ireichszentmms. -- Scharfe Debatte im preußischen Landtag. - Llm das Schicksal der Negierung Braun.

Die große politische Debatte, die sich im An­schluß an die Erklärungen des Reichskanzlers Luther im Reichstag entspann, trug schon von Anfang an einen außerordentlich stürmischen Cha­rakter. Sie wurde eröffnet von dem Sprecher der stärksten Fraktion, dem Sozialdemokraten Breit- fcheid. Anderthalb Stunden lang, immer wie­der unterbrochen durch Kundgebungen von der Rechten her, die teilweise außerordentlich scharfen Charakter annahmen, wandte sich Breitscheid so­wohl gegen die persönliche Zusammensetzung des Kabinetts, wie auch gegen seine sachliche Einstel­lung, um am Schluß die Opposition der sozialdemokratischen Partei anzukün­digen. Die Sozialdemokratie sieht in dieser neuen Regierung einen Kurswechsel nach der innen- und außenpolitischen Seite, vor alleni aber auch bez. der Sozialpolitik. Zu einem stürmischen Zwischen­fall, der eine Zeitlang sehr bedrohlich aüssah, kam es, als Breitscheid sich insbesondere mit der Person des neuen Wirtschaftsministers Neuhaus be­schäftigte, der bekanntlich seinerzeit den Eid auf die Verfassung verweigerte, ihn jetzt aber vor dem Reichspräsidenten abgelegt hat. Breitscheid bezeich­nete Neuhaus als einen offenen Monarchisten, und als er in diesem Zusammenhang zum Ausdruck brachte, daß er nur in dieses Kabinett hineingegan­gen sei, um die alte Staatsform wiederherzustellen, da nickte Neuhaus lebhaft. Das hatte eine stürmische Erregung bei der gesamten Linken, aber auch in anderen Parteien zur Folge. Und als diese Zu­stimmung des Ministers Neuhaus in vielsältigen Zurufen festgestellt wird, da unterstützen zahlreiche Deutschnationale mit bekräftigenden Aeußerungen diese Haltung des Ministers Neuhaus. Daraufhin nimmt die Erregung geradezu tumultarischen Cha­rakter an, denn nunmehr halten auch dis anderen Parteien nicht mehr mit der Ablehnung einer sol­chen Billigung zurück. Es kam zu heftigen Wort­gefechten zwischen den einzelnen Bänken und selbst der volksparteiliche Abgeordnete Kahl spricht äußerst erregt auf die Deutschnationalen ein. Diese Szenen schaffen eine außerordentlich peinliche Situation, der sich insbesondere der Reichskanzler nicht entziehen kann, der sich fortgesetzt mit Strese- mann und auch mit dem deutschnationalen Innen­minister Schiele in sichtbarer Erregung ausspricht. Neuhaus sitzt unterdessen ruhig auf seinem Platz und lächelt vor sich hin, in seiner Haltung erneut bestärkt durch Zurufe von den deutschnationalen Bänken, insbesondere von dem Grafen W e st a r p.

Als dann der Redner der Deutschnationalen Graf W e st a r p aufgerufen wird, geht wiederum eine starke Unruhe durch die Reihen. Man be­trachtete offenbar die Wahl gerade dieses Abgeord­neten als Fraktionsredner der Deutschnationalen Dolksvartei als einen Sieg der schärferen Richtung innerhalb der Fraktion. Man hatte auf Her g t als Redner gerechnet, nachdem der neue Fraktions­vorsitzende Schiele inzwischen in das Ministerium emgstreten ist.

So blieb es auch nicht aus, daß die Ausführun­gen Westarps eine außerordentlich fchar'e Bekämp­fung gerade von Seiten der Linken erfuhren und daß es zu Auseinandersetzungen zwischen rechts und links kam, die vielfach unter dem Zeichen einer un­geheuren Leidenschaft standen. Das war insbe­sondere der Fall, als Westarp das parlamentarische System für das Vorherrschen des Kapitalismus, für Schiebertum und Korruption verantwortlich machte. D i t t m a n n verwies in einem Zwischen­ruf auf H e l f f e r i ch s Anteil an dem Kapitalis­mus, wogegen Westarp und die Deutschnationalen erregt Einspruch erhoben und H e n n i n g von den Nationalsozialisten ruft: Was schon so ein Landes­verräter sagt! Der Präsident kann nur dadurch wieder einigermaßen die Ruhe herstellen, daß er sämtliche Abgeordnete auf ihre Plätze verweist.

SB e ft a r p erklärt, warum die Deutschnatio­nalen jetzt in die Regierung hineingegangen seien, damit, daß sie den Einfluß der Sozialdemokraten im Reich und in Preußen brechen wollen. fügt aber unter Zurufen von verschiedenen Seiten hinzu, daß nach der Auffassung der Deuts-' natio­nalen in der Regierungserklärung viel mehr Kon­zessionennachlinks gemacht worden wären, die nach Meinung der Deutschnationalen besser unterblieben wären. Die Sozialdemokraten gera­ten in Wallung, als Westarp die Besetzung des Innenministeriums begrüßt mit dem Hinweis darauf, daß nun endlich die vaterländischen Verbände sich freier bewegen können. „Aha", ruft man auf der Linken. Als sich dann Westarp den fachlichen Aufgaben der Wirtschafts- und Steuer­politik zuwendet, erlahmt sehr rasch das Interesse. Die Stellungnahme des Zentrums.

Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichs­tages ließ in der Ansprache über die Erklärung des Kabinetts Luther durch ihren Vorsi<-enden, den Reichskanzler a. D. Fehrenbach, folgende Er­klärung abgeben:

Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichsiaaes hat sich in ihrer Tätigkeit immer von dem Bestreben leiten lassen, alle zu verantwortlicher politischer Auf­bauarbeit auf dem Boden der bestehenden Reichsverlas- tzmg bereiten Kräfte zu praktischem staatspolitischem Zu­

sammenwirken heranzuziehen und so die Grundlage zu schaffen für eine von dem Vertrauen möglichst weiter Nolkrkreise getragenen starken Regierung.

Diesem Ziele diente ihr Eintreten für den Gedanken der Volksgemeinschaft, der trotz aller ihr ent­gegengesetzten politischen und parlamentarischen Wider­stände für ein in beispielloser Bedrängnis um fein na­tionales Dasein ringendes Volk keine Unmöglich­keit hätte sein dürfen.

Der Erreichung desselben Zieles, nämlich der Mit­wirkung breitester Schichten an der Lösung der Staats­aufgaben diente das entschlossene Eintreten der, Zeu- irumspartei für die sog. Große Koalition, die auf Grund der derzeitigen Zusammensetzung des Reichstags als nächstbeste Gelegenheit einer arbeitsfähigen Regie­rung in Frage kam.

Aus Gründen, die nicht w i r zu verantworten haben, sind diese beiden Möglichkeiten einer starken und aus­geglichenen Regierungskoalition zunichte geworden.

Unter diesen Umständen mutzte die Zentrumspartei danach trachten, die von ihr als richtig erkannte Politik auch im Rahmen einer Minderheitsregierung zu verwirklichen. Die nicht bestreitbaren Erfolge, die dieser Politik der Mitte unter der führenden Anteil­nahme des Zentrums und seines hochverdienten Kanz­lers Marx beschieden waren ,die trotz gelegentlicher und schmerzlich empfundener Rückschläge angebahnte Ent­spannung auf außenpolitischem Gebiete, sowie der lang­sam beginnende und bisher ohne besondere Erschütte­rungen sich vollziehende Wiederaufbau im Innern sind Beweise dafür, daß diese opfermutige, dem inneren und äußern Frieden dienende Politik der Mitte die richtige gewesen ist.

Im Zeichen der Fortführung dieser bewährten poli­tischen Linie ist der letzte W a h l k a m p f von feiten der Zentrumspartei geführt worden. Mögen die Zif­fern des Wahlergebnisses von gewisser Seite auch anders gedeutet werden: rein sachlich gewertet, müß­ten sie auch heute noch für eine Politik der Mitte bezw. der Großen Koalition eine tragfähige Mehrheit

Wann wird Köln geräumt?

wbt p a r i s, 21. Jan. (Tel.) Rach der „Chicago Tribüne" soll der Generalagent für die Repara- kionszahlungen, patter Gilbert, in einem gestrigen Expose über den Stand der Ausführung des Dawesplan es erklärk haben. daß Deutschland an die Alliierte« 22 Millio­nen Goldmark in den vier Monaten seit Ott, seit dem Jnkrasttrelen des Dawesplanes, gezahlt habe, parker Gilbert ging nicht aus politische Fra­gen ein, stellte aber fest, daß der neue Reichskanzler bereit sei, den Dawesplan durchzusühren. Er habe auch nicht unterlassen, zu erwähnen, daß die R i chk- räumung der Kölner Zone die Ausfüh­rung des Dawesplanes in Mitleidenschaft zu ziehen drohe, besonders wenn die Alliierten ihre Absichten hinsichtlich des besetzten Gebier nach Eintreffen des Berichts nicht kundgeben. Die deutschen Rationa­listen halten aus der Aufrechterhaltung der Be- sehung des Kölner Brückenkopfes Kapital geschla­gen, aber man glaube, daß eine freundschaftliche Lösung gefunden werde und daß diese Zone gleichzeitig mit der Räumung des Ruhr­gebiets durch die Franzosen und Belgier im April oder Mai geräumt werde.

ergeben, wenn alle diejenigen, die diese Posittk bisher unterstützten, an ihrer Stellungnahme festgehalten hät­ten. Letzteres ist nicht geschehen. Im Gefolge der Aufkündigung der Koalition durch die D e u t s che Volkspartei sind alle Bemühungen des Reichs­kanzlers Marx, eine, die Fortführung der bisherigen Politik sichernde Regierung zu bilden, an Widerständen gescheitert, an denen das Zentrum keinen SInteil hat.

Demnach würde die Zentrumsfraktion berechtigt ge­wesen fein, Gewehr bei Fuß zu stehen, und die Verantwortung für das Zustandekommen einer neuen Regierung denjenigen Kräften zu überlassen, welche die frühere Regierung zum Rücktritt gezwungen und die von dem Reichskanzler Marx unternommenen Lösungs- verfuche abgelehnt haben. Ein reines Kabinett der Rechten, dem das Zentrum mit wachsamer Neutralität ohne jede auch nur personale Verbindung gegenüber­gestanden hätte, würde a n s i ch den durch die Haltmtg der Rechtsparteien bedingten Verantwortlichkeiten allein entsprochen haben.

Angesichts der Gefahren jedoch, die die weitere Hinaus-ögerung der Krisis befürchten lasten mußte, wie auch der Weigerung Dr. Luthers, ohne eine wenigstens begrenzte Mitwirkung von Angehörigen unserer Riiy- tung die Kabinettsbildung zu übernehmen, hat die Zen­trumsfraktion aus staatspalitifchen Erwägungen heraus sich den opferoollen Entschluß abgerungcn, über die ge­kennzeichnete Linie in etwa hinauszugehen und — unter Vorbehalt aufmerksamster Prü­fung der künftigen Politik und unter Ab­lehnung jeder fraktionellen Gebunden­heit — in eine personale und beschränkte Beteiligung in dem neuen Kabinett einzuwilligen.

Die Zentrumsfraktion _ macht keinen Hehl daraus, daß die in dem gegenwärtigen Kabinett verwirklichte Notlösung den grundsätzlichen und tatsächlichen An­forderungen nicht entspricht, die an eine auf Dauer be­rechnete und für die Entwirrung schicksalsschwerer Fra­gen bestimmte Regierung gestellt werden mußten. Je­denfalls tritt sie 'n diese neue Regierungsperiode ein mit ernster Sorge für die weitere (Begattung der Geschicke des deutschen Daterlande». Diese Sorgen werden vermehrt durch die außenpolitische 2 a ge, deren Schwere gekennzeichnet wird durch die 1:0= rüstungsnote der Entente und die das Rechtsgefühl tief verletzende Nichträumung der nördlichen Fünfjahrzone,

durch die Schwierigkeiten der Handelsvertragsverhand­lungen und anderes mehr — eine Lage, der wir nun­mehr mit einer neuen, in ihrer grundsätzlichen Einstel­lung und ihren praktischen Methoden noch nicht er­probten Regierung gegenübertreten müssen.

Die Zentrumssraktion kann sich weiterhin der Tat­sache nicht verschließen, daß der Amtsantritt dieser neuen Regierung in weitesten Kreisen des deutschen Volkes viel­fach mit wachsamer Sorge betrachtet wird. In besonderem Maße herrscht diese Sorge innerhalb der besetzten Gebiete, deren Befürchtung in Erinne­rung an noch nicht vergessene opferschwere Kampfmonate jetzt wieder erneut rege werden. So entschlossen der Wille der leidgeprüften Bevölkerung des Rhemlandes ist, die im deutschen Gesamtintereste unvermeidlichen Opfer auch weiterhin zu tragen, so entschieden erwartet sie aber auch, daß man ihr vermeidbare Kämpfe er­spart und die Stunde ihrer Befreiung durch etne be­sonnene, den deutschen Rechtsstandpunkt wahrende, aber auch den Kräften Deutschlands angepaßte, dem Frie­den und der Verständigung dienende Politik tun­lichst beschleunigt.

Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages will keinen Zweifel darüber lasten, daß sie diese Sorgen und Bedenken des besetzten Gebietes angesichts der Zusam­mensetzung des neuen Kabinetts und wegen der Größe und Schwierigkeit der noch zu lösenden außenpolitischen Aufgaben verständlich findet. Sie wird diese Bedenken auf ihre parlamentarische Stellungnahme zu der neuen Regierung vorerst nicht zurückwir- k e n lasten. Sie glaubt aus den hier gemachten amtlichen Aeußerungen erkennen zu sollen, daß der neue Herr Reichskanzler gewillt ist, die Folgerichtigkeit des außenpolitischen Kurses zu bejahen und einzu-» halten. Wird dieses Ziel mit allem Ernst angestrebt, werden im besonderen die von Deutschland mit gutem Recht erhobenen Forderungen zielbewußt und besonnen geltendgemacht, darf der Herr Reichskanzler auf die ent- schlossen« Förderung feiner außenpolitischen Aufgaben durch die Zentrumspartei rechnen.

In diesem Zusammenhang gibt die Zentrumspartei jedoch der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß bie real politische Einsicht des neuen Herrn Reichskanzlers sich durch keine Kräftegruppe seines Kabinetts nach einer Richtung abdrängen lasten wird, in der wir ihm fachlich nicht zu folgen vermöchten. Dieses gilt nicht nur für die außenpolitische Seite der Regie­rungstätigkeit: es bezieht sich vielmehr mit demselben Nachdruck auf die unsererseits im Verlauf der Vorver­handlungen mit hinreichender Deutlichkeit gellend ge­machten Voraussetzungen verfassungsrechtlich er, wirtschafts- und sozialpolitischer sowie kulturpolitischer Art. In diesem Zusammen­hang ein grundsätzliches Wort:

Der Wiederaufbau deutschen Lebens, die Gesundung unseres Volkes und die Weckung der Kräfte unserer Ju­gend ist im wesentlichen bedingt, daß das E h r i ft e n= tum als überragende Kulturmacht schöpferisch ge­staltet, und daß im besonderen auch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, daß diefürdie Nation un­entbehrlichen Kräfte des Katholizismus zu entsprechender Auswirkung gelangen.

Darum legen wir auf die seit Jahren mit Nachdruck geforderte Verabschiedung des Reichsschulgesetzes einschließlich einer reichsrechtlichen Regelung des Pri­vatschulwesens größten Wert; dabei muß das Lebensrecht und die Wirkungsmöglichkeit der Bekenntnisschule ihrer grundsätzlichen Bedeutung und ihrer geschichtlichen Be- deuteng entsprechend zur vollen Entfaltung gebracht wer­den. Ebenso verlangen wir die tätige Fördenmq der noch ausstehenden Fragen kirchenpolitischer Art.

Von dem Maße der Erfüllung aller dieser Voraus­setzungen und Forderungen wird in Zukunft die parla­mentarische Stellungnahme der Zentriimsfraktion zu der gegenwärtigen Regierung abhängig sein.

Solange demnach die von Herrn Dr. Luther geführte Regierung sachlich diejenige politische Linie wahrt, welche der Zentrumsfraktion als die richtige und zur Zeit einzig mögliche erscheint, wird die unausgeglichene personale Zusammensetzung des Kabinetts als solche für sie keinen Grund barbieten, es zu bekämpfen.

In dem Augenblick jedoch, wo die Regierung ober einzelne Mitglieder derselben aus dem Gebier« der Außenpolitik, der Verfassung, der Wirtschafts-, Sozial- unb Kulturpolitik Wege einfchlagen sollten, von benen bie Zentrumsfraktion nach gewissenhafter Vrüfuug eine Gefährdung der, unter namenlosen Opfern ange­boren Gesundung der politischen Verhältnisse befürch­ten muß, wird die Zentrumsfraktion sich gezwungen sehen, bie pflichtmäßigen Folgerungen zu ziehen.

Die von der Regierung abgegebene Erklärung bietet in ihrem Wortlaut keinen Anlaß zu wesentlicher Sean- standung, wenn sie auch manches unausgesrpochen und unaufgeklärt läßt, was zu einer endgültigen Stellung­nahme zu dem von ihr entwickelten Programm unv zur Abgabe eines positiven Vertrauensvotums noiwenb-g märe. Wir glauben, daß die Regierung auch ihrerseits wünscht, nicht nur nach ihren gestrigen Worten, kmbem auch nach den ihnen folgenden Taten beurteilt zu wer­den.

Die Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstages er­klärt sich dazu bereit. Als Derfastungspartei trägt sie Sorge dafür, daß Staatsnotwenbigkeiten erfüllt w°rben. Trotz schwerer Bedenken ist sie baher gewillt, auf Grund standun-t, wenn sie auch manches unausgesprochen und Kabinett feine Arbeit beginnen zu lassen.

Im Anschluß an Fehrenbach. dessen Erklärung im Hanfe mit großer Spannung anfaenommen wurde, sprach der Vo'k-part iler Dr. Scholz. Er wendet sich gegen da» Wort „Bürgerb'ock". Er kenne nicht Bürger ober Arbeiter, er kenne nur Deutsche. Den Schluß machte Frau (Kolke, die unter dem Namen Ruth Fischer Mannte Kommuri un. Sie bekämpft den Paz fi?m t unb ben 95 fetbunb. Sie erwartet Rettung nur tonn dem Klassenkampf der roten fvront des Pro ’artots. AlS die R'drrrrm Pon der „Zucht augiep.iblil" spricht, wird sie zur Ordnung gerufen.

Präsident Lobe teilt mit, daß von den Deutsch­nationalen, der Deut chen Volkspartei, dem Zentrum, der Bayerischen Volkspartet und der Wirtichafts- partei em Antrag eingeganaen sei: „Der Reichs­tag billigt die Erklärung der Reichs- r egter ung."

Von den Sozialdemokraten unb Kommunisten sind Anträge eingezangen, in denen der Regierung das Mißtrauen des Reichstags ausgesprochen wird.

Am Mittwoch wirb bie Aussprache fortgesetzt.

3m preußischen Landtag erreichten die Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen am Dienstag ihren Höhepunkt

Der Redner der Deutschnationalen, B a e ck e r-Berliu kündigte schärsste Opposition an, falls das Kabinett Brau« nicht verschwinde. 2m Gegensatz zu ihm führte bei demokratische Abgeordnete Schreibe r-Halle aus, jetzt, wo im Reich eine Rechtsregierung bestehe, fei es durch­aus wünschenswert, wenn in Preußen die nationaler Strafte, die links stehen, zur Mitarbeit heraugezvgen feien. Die Derfastungsbestimmungen geben dem Munster Braun recht. In die „Mittagspause" fielen die Reden des Abg. ßabenborf (Wirtschaftspartei und des Kom­munisten Doerr. Für die Völkischen sprach der Abg. Wulle. Wulle begann mit der Erklärung, baß seine Freunbe mit einigen beutschnationalen Abgeordneter einen Antrag eingebracht hätten, ber seinem Inhalt nach ein Dertrouensootum für bas Ministerium Braun bar- stelle, aber als Mißtrauensvotum gebucht set. Die Ausführungen Mulles waren eine witbe antisemitische Hetzrebe. .

Der folgenbc Redner, ber sozialbemokat'scye Abg. Haas, nannte bie Rebe bes Abgeordneten Walls eine Karnevalsrebe. Die Deutschnationalen schickten im Abg Koch-Oeynhausen noch einen zweiten Redner ihrer Partei vor. Er feierte die „vaterländischen Ver­bände", denen Severing das Leben erschwere, während das Reichsbanner überall von ihm llitterstützung erfahre.

Ms letzter Redner sprach der Zentrumsabgeordnetr Dr. Heß,'der seine Rede mit Humor und Ironie wurzic und vom ganzen Hause aufmerksam angehört wurde. Der Redner verteidigt das Verhalten des Miniltervräst- denten Brarin, wo er wegen ber Nichträumung bcrKolner Zone im Lanbtag bas Wort genommen habe. 2n einer so wichtigen Frage habe bie Regierung Überhaupt nicht schweigen können. Er sei gestern im Ministerium des Innern gewesen. Da hingen in einem Saal lammche bisherigen preußischen Minister bes Innern tn ben letzten hundert Jahren — irn ganzen 38 — da­von ganze 3 bürgerliche. Diese lange Re,he der adeligen Minister in P-eußen beweise den.Willen zur M a ch t bei den Deutschnationalen. Die Vtlder- golerie beweise ober auch die Einseitigkeit, mit ber bie rechtsgerichteten Streife ihre Macht stabilisiert hätten. Aus bie Frage ber Großen Koalition einaehenb, verlas er unter großer Heiterkeit bes gesamten Hauses eine ganze Reihe von Reben, in benen ber volksparteiliche Führer Dr v Campe bas Lob ber Bolitik ber Großen Koalition gesungen hat. Als Hauptleitrnotiv für bie Große Koalition habe Herr v. Campe immer die große Rot bes Vaterlandes hingestellt. Sei denn diese Not tn den letzten zehn Wochen wesentlich geringer gewor- den? Die Zentrumspartei stehe noch heute nur dem Boden der Koalitionsvolitik unb bem Verholten ber Deut­schen Volkspartei välliq verstänbnislos gegenüber. S)err o. Campe habe geglaubt, bas Zentrum stutzig zu machen mit ber Frage, wie bas Zentrum leine k ul tu r c ll en Ziele in ber Gemeinschaft mit ber So-rolbewo.rotte burchzusehen glaube. Dos Zentrum wiße, baß lerne An­schauungen von ben sozialbemokratischerr Auffüllungen in kultureller Hinsicht sehr verschieben seien. Aber nicht bloß ber Soziolbemokrotie, sondern and) anberen Parteien gegenüber habe bas Zentrum sür bie Durch­setzung seiner Grunbsätze tämnf en müssen. $Monne biesen Kamps bes Zentrums aus eine ganz kurze r">rtnsi bringen. Noch lanks Hobe bas Zentrum seine Welt­anschauung nerteibigen müssen, noch rechts fein e Konfession. (Große Heiterkeit im ganzen Hause.) Das Zentrum fei grundsätzlich für die große Volksge­meinschaft, auch für Einbeziehung der Deutschnationalen in die Regierung und halte den Burgfrieden, der während des Krieges bestanden habe, für ein gutes Vorbild. Dos Zentrum und die noch rn der Regierung verbliebenen Koalitionspcirteien wissen ge­nau, daß sie nur über 222 und nicht über die zur Mehr­heit gehörenden 226 Sitze verfügen. Die Weimarer Koalition wisse auch, daß chr die Rechtsparteien allerlei Fußangeln stellen und ihr das Leben recht unbequem machen können. Sie halte sich auch nicht krampfhaft am Ruder, nicht krampfhaft und nicht unter ollen klmttänben. Sie bleibe lediglich o»s Vflichtaefühl am Vaterlande, und weil sie hie Idee ber G-oßen Koalition nicht sterben lallen wolle. Diese Idee bürfc ni*t untergeben, weil bie große Koalition bie einzige TOöoti*feit sei. in fßreuSen wie tm Reiche ftohUifierie Derhä'tnille zu e-chatten. Der_Volks- portei rief ber Reimer zu: Tun Sie nun, was Sie für richtta halten!

Die weitere Debatte wurde auf Mittwoch ver­tagt.

Der konfessionelle Friede.

In der Regierungserklärung, die der neue Reichskanzler am Montag verkündigt hat, verspricht die Regierung u. a. auch, sie werde es sich auf das ernsthafteste angelegen sein lassen, den konfes­sionellen Frieden zu hüten. Dieses Versprechen freut uns Katholiken sehr. Sind doch in der letzten Zeit aus den Kreisen, die dem Evangelischen B'md nohestehen, vielfach scharfe Ausfälle auf die Ka­tholiken erfclat, die schwere Störungen des konfessionellen' Friedens im (befolge haben können. Wir haben diese Ausfälle hier nicht verzeichnet, weil uns aus vaterländischen Erwägungen der konfessionelle Friede ach Herzen liegt. Auch von der letzten vielfach besprochenen Afsäre, der Pre­digt, die der ehemalige Berliner Hofprediger. Liz.