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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfabf 5u(öa.

Nr. 10.

Brrantwortiich ür die SchrMleiruna: Dr. Johanne» Kramer. Ameisen: I. P ar,etter, Fulda. Notalionddruck nnd ?erlas der Fvldacr $dirrhr<?cret in Fulda. Fernlvreibrr Nr. 9.

Monailiiber Be>us»vrei»: 1.50 Mk.

Mittwoch, 14. Januar 1925.

Änreiaen-Breiie ÄlemieUe (ttolonei) total u.l: <3Hummel anSwLrt» 0.20 Sold mark: Reklame,eile lokal 0.60. volbmart auSwSrt» OLO Voldmark. ?:

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52. Zatzrg.

Regierungskrise und Reichsversassung.

Vie KabinettsbiRung durch Dr. Luther und die Bemühungen um Sicherung der Verfassung.

Gewisse Bierbankpolitikcr stellen sich vor, die Zentrumsfraktion hätte die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, mit der auf Kasernenhöfen verlangten Subordination jetzt die Errichtung eines Vürgerblock-Kabinetts zu ermöglichen, nachdem Dr. Gustav Stresemann, der frühere Lob- und Preis» länger der Großen Koalition, sich dem neuen Gotte, dem Rechtskabinett, zugewandt hat. So ist es icht. Das Zentrum fragt sich: wie wird es demdeutfchenVolk gehen, wenn eine Rechts- regierung das Ruder ergreift. Deshalb hat sie, als Dr. Luther ihre Mitwirkung erbat (er wollte Dr. Marx zum Innenminister oder zum Iustizminkster machen) .folgende vier Fragen gestellt:

1. cb sein Kabinett die außenpolitische L l n ie der Kabinetts Marx einhalten würde,

2. ob die neue Regierung einschließlich der deutsch­nationalen Mitglieder ein feierliches Bekenntnis »ur Reichsverfassung abgeben wollte.

8. ob die neue Regierung und ihre deutschnationalen Mitglieder die verfassungsmäßigen Farben der Republik respektieren würden,

4. ob di« Deutschnationalen ihr Verhält- n*® 3um Reichspräsidenten korrekt gestalten würden im Gegensatz zu dem Afront, den sie dem Präsi- oenten beim Besuch des Reichstagspräsidiums durch das Fernbleiben des Herrn Graef angetan hatten.

Die Antworten, die Herr Dr. Luther dem Zen­trum geben konnte, haben nicht befriedigt. Man kann das verstehen, wenn man aus derKreuz- tzeitung" erfährt, wie sich dis Deutschnationalen zu den einzelnen Fragen gestellt haben. Es heißt hier:

»Eine Beantwortung der Flaggenfrage bade sich er- ubrtflt, da das Zentrum genau wiße, wie die Deutschnatio­nalen dazu stünden. Was den F a l l Graef betreffe, so habe Herr Graef selbständig gehandelt, sein Verhalten könne aber angesichts verschiedener Vorgänge nur gebil­ligt werden. Was endlich die politische Forderung nach Anerkennung der bisherigen Außenpolitik angehe, so Tonne ihr von den Deutschnationalen nicht zugestimmt werden,namentlich angesichts des Vertragsbruchs des Feindbundes, der es doch notwendig mache, die Politik jttt wenden, w nn man sich auch wohl oder übel auf die

Des nun einmal nicht abzuändernden Dawes- e-'iehes werde stellen muffen.*

Nachdem die Ablehnung des Zentrums Dr. Luther veranlaßt hatte, den Gedanken an ein par­lamentarisches Kabinett aufzugeben, fetzte er den von Marx vergeblich unternommenen Versuch fort, seinerseits ein überparteiliches Kabinett zu bilden. Zu diesem neuen Plan hat das Zentrum neuerdings wieder Stellunq genommen. Die Frak­tion hat sich damit einverstanden erklärt, daß Herr Dr. V r au n s in einem übervarteilichen Kabinett has Reichsarbeitsministerium beibebalte, unter der ^Voraussetzung, daß Dr. G e ß l e r im Reichswehr- Ministerium verbleibe und auch im übrigen die Zu- fammenfetzuna des Kabinetts für sie erträolich fei. Dieser Beschluß gibt Herrn Dr. Luther die Möglich­keit .weiterzukommen.

Im Laufe des Montagabend hatte Dr. Luther noch eine längere Besprechung mit den Vertretern der deutschnationalen Reichstagsfraktion, den Abgg. Schiele. Westarp, Wallraf und Veh- r e n s. Don deutschnationaler Seite wird darüber mitgeteilt, daß die deutschnationalen Vertreter die Vorschläge Dr. Luthers entgegengenommen, aber die endgültige Stellungnahme der Froktionssitzung der Deuttchnationafen Vorbehalten hätten, lieber tue grundfät-liche Frage fei daher noch nichts festgelegt. Die Perfonenfrage fei deshalb noch nicht besprochen worden. Rach der Besprechung mit den Deutfchnationalen unterrichtete Dr. Luther den Zen» trumsabgeordneten Herold über die Lage.

Vergebliche Zersplittenmgsversuche.

Don parlamentarischer Seite schreibt man uns aus Berlin:

In diesen Tagen stand die Zentrumspartei, ins» besondere die Zentrumsfraktion des Reichstages unter einem ganz außer­ordentlichen Druck, der von der Presie der verschiedensten Richtungen auf ihre Entschließungen ausgeübt wunde. Wir sehen dabei einmal ganz

ab von der Ausbeute die. noch ehe irgend» welche Feststellungen gemacht waren, seitens der gesamten deutschnationalliberalen Presie im Fall fle und dann in demM olo ga"-Fall ge­macht wurden. Cs braucht ja garnicht einmal be­sonders verzeichnet zu werden, daß die kategorischen Feststellungen und Berichtigungen, die F e h r e n » bach machte (den die Deutschnationalen kurzer-

Die Reichsfinanzverwaltung.

Die Aufwendungen für Neubauten von Finanzämtern.

Hebet die Ausdehnung der Neichsfinanz» Verwaltung erhält man ein Bild, wenn man den Etat dieser Verwaltung, wie er für das Jahr 1925 nunmehr dem Reichstag vorgelegt worden ist, überblickt. Allein an Neubauten für Finanz, ämter sind etwa 10 Millionen Mark vorgesehen, wobei man freilich beachten muß, daß nur Teil» bdräae gefordert werden. So ein zweiter Teilbetrag von 300000 Mark für das LandeSfinanzamt Bres­lau, ein 2. Teilbetrag von 600000 Mark für das Landesfinanzamt Nürnbera, ein 1. Teilbetrag von 350000 Mark für einen Erweiterungsbau für das Landesfinanzamt Dresden, einen 2. Teilbetrag von 237500 Mark für Ankauf deS Hansahauses in Düsseldorf für das dortige Landesfinanzamt.

An Neubauten sind folgende Finanzämter vor­gesehen: Rathenow. Militich, Namstau» Mainz J, Worms Stadt, Freital, Olbernhau, Mörs, Bingen, Solingen, Sicke, Wolssbüitel, Euskirchen, Sabiau, Ptllkallen, Grimma, Hohenstein, Ernstthal, Sanger»

Hand mit einem anderen Freiburger Rechtsanwalt verwechselt hatten), ja selbst die Erklärungen, die der Reichsaußenminister Stresemann im Auswär­tigen Ausschuß gab, teilweise überhaupt nicht in dieser Presse wiedergegeben, teilweise mit erneu­ten hämischen Glossen versehen wurden.

Worauf man auch diesmal offenbar wieder feine ganz besonderen Erwartungen setzte, das war der Versuch, das Zentrum auseinander- zu manöverieren. Man glaubte, das jetzt auch am besten wieder dadurch machen zu können, daß man Flügel innerhalb der Zentrumsfraktion und der Zentrumspartei konstruierte und daß als Exponenten dieser Flügel auch wieder bestimmte Persönlichkeiten genannt wurden. Hier spielten die Namen Wirth, Stegerwald, Brauns und andere eine besondere Rolle. Die Machen­schaften, die diesmal in dieser Richtung unternom­men wurden, sind aber um deswillen so perfid, weil man dem einen oder dem anderen der genann­ten Persönlichkeiten Interessen und dergleichen unterstellte.

Wir vom Zentrum sollten allerdings wissen, wie wir uns gegenüber derartigen Ünterminie« rungsversuchen zu verhalten haben. Die Sensa­tionspresse freilich lebt von solchen Dingen. Ihre Bemühungen sind aber vergeblich, darum freilich nicht weniger gewissenlos. Es ist geradezu uner­hört, in welcher Weise jetzt der Arbeitsminister Dr. Brauns geradezu als ein Kleber an feinem Amt bezeichnet wird. So will beifpietsroeife das Berliner Tageblatt" wisien, daß Dr. Brauns in der Zentrumsfraktion wenig Neigung gezeigt habe, trotz feiner geschwächten Gesundheit seinen Posten aufzugeben". Die Mehrheit des Zentrumssei anderer Ansicht". Wir können demgegenüber fest- stellen, daß genau das Gegenteil der Fall war und zwar hat Dr. Brauns die absolute Er­klärung abgegeben, daß er lieber heute als morgen das undankbare Amt, das ihm von allen Seiten Angriffe einträgt, loswerde. Dr. Brauns hat nicht im geringsten etwas dazu getan, wie es in anderen Blättern dargestellt wird, daß er als Fachminister in einem Rechtskabinett, an dem das Zentrum nicht beteiligt wäre, vertreten fei.

Auch alle Versuche, Wirth einerseits und Steger» wald andererseits als Vertreter bestimmter Rich­tungen auszuspielen und damit die Einheit der Fraktion gefährdet erscheinen zu lassen, sind abso­lut vergeblich. Bei aller grundsätzlichen Aussprache, die mit dem tiefsten Ernst und mit dem höchsten Verantwortungsgefühl in der Zentrumsfraktion sich in diesen Tagen und Nächten abspielte, ist niemals, nicht in einem einzigen Augenblick, der G e» danke an die Einheit und den Zu­sammenhalt der Fraktion und der Partei außer acht gelassen worden. Diesem hohen Ziele wurde alles andere untergeordnet, und über allem standen stets die Sorge für unser Volk und Vaterland.

Das Kabinett Dr. Luther.

Ein Reichskabinett Luther würde, den letzten Berliner Informationen zufolge, folgende Vertrau­ensleute der in Frage kommenden Fraktionen ver­einigen: für die Deutschnationalen Wallraf als Innenminister, für die Bayerische Volkspartei Dr. Emminger als Iustizminister, für das Zentrum !?eichsarbeitsminister Dr. Brauns und für die Deutsche Volkspartei Reichsaußenminister Dr. stresemann. Die übrigen Ministerien mür­ben durch Fachmänner besetzt werden und zwar würden von den bisherigen Ministern im Amte »er» Reiben Dr. Geßler als Reichswehrminister und Graf K a n i tz als Ernährungsminister. Die Frage, ob das Kabinett Luther zustande kommen wird, hängt, wie die Blätter betonen, einmal von der Haltung der deutschnationalen Fraktion und ande­rerseits von dem Verbleiben Dr. Geßlers, der übri­gens der Demokratischen Fraktion nicht mehr angehört, in seinem Amte ab, da, wie gemeldet, hiervon das Zentrum seine Stellung­nahme zu dem Kabinett Luther abhängig machen wird. WieTageblatt",Dossische Zeitung" und Vorwärts" hervorheben, würde ein Kabinett Luther auf die Opposition der Sozial­demokraten und der Demokratischen Partei stoßen.

namwi!inwiniiwnium u häufen, Worbis, Eutin, Hagen, Herforth, Herne, Cham, Hersbruck, Delmenhorst, Eckernförde, Greifen­hagen, Stralsund, Schmölln, Sonneberg, Weimar. Freienwalde, Oels, Dillenburg, Gemünd, Ardorf, Werdau, Calpe, Rosenberg, Itzehoe. Außerdem sind für die Erwerbung von Bemtzungsbauteu für die Finanzämter in Aachen 176 400 Mk., für den An­kauf eines Gebäudes für das Finanzamt Lörrach 180 000 Mk. und für Grundwerb für daS Finanz­amt Eßlingen 28320 Mk. vorgesehen.

* Dr. Eckener in London. Dem ,Star' zufolge wird Dr. Eckener, der das Luftschiff Z. R. 3 nach Amerika geführt bat, im Mäiz auf Emlaounr der KöniglichAeronautischen Gei eil schäft in London einen Vortrag über moderne Zeppelin- lufischiffe halten.

* Bier Levon durch Starkstrom vernichtet. In dem Kraft- und Eisenwerk des Neckarkanals in Edingen kamen vier Arbeiter mit der Stark- ftlomlertung in Berührung und wurden sofort getö tet.

Schweres UenbahnunM im Ruhrgebiet.

lieber 20 Tote und über 30 verletzte. D-Zug auf Personenzug

wtb Herne, 12. 3an. (Tel.) henke morgen 7 Uhr 25 Ulin, ist der D - Zug Nr. 10 DerNn - Köln auf dem hiesigen Bahnhof auf einen Per­sonenzug ausgefahren. Die letzten drei Da­gen des Personenzuges wurden vollständig zer­trümmert. Bis jetzt sind 30 biß 35 Tote geborgen worden. Nähere Einzelheiten waren noch nicht zu ermitteln.

Infolge des Nebels.

wtb Essen, 12. 3an. (Tel.) Die Reichsbahn­direktion Essen teilt folgendes mit: heute morgen 7 Uhr 20 Ulin, fuhr der D-Zug Rr. 10 auf den im Bahnhof Herne stehenden vollbesetzten

Personenzug Ur. 230 aus. Er herrschte dichter Rebel und Dunkelheit. Bisher wurden 21 Tote und 30 bis 36 Leicht- und Schwer­verletzte sestgestelit. Die Rettungsarbeiten ha­ben sofort begonnen. Der Unfall ist, soweit bis zur Stunde ermittelt werden konnte vermutlich da­durch entstanden, daß der D-Zug Rr. 10 das auf halt stehende Einfahrtssignal infolge des dichten Rebels überfahren hat. Der Präsident, der Amtsvorsiand und alle für den Betrieb verant­wortlichen Dezernenten der Reichsbahndirektion Essen sind nach Ort und Stelle abgefahren.

Weitere Meldungen siehe unterDas Neueste".

Deutschland in Handel und Verkehr.

Unsere handelspolitische Lage.

Mit dem 10. Januar hat Deutschland wieder seine handelspolitische Freil)eit erlangt. In diesen Tagen ist die Frist abgelaufen, innerhalb deren die Alliierten von Deutschland die Meistbegünsti­gung fordern konnten. Jetzt fallen drei bedeut­same Artikel des Versailler Friedensvertrages fort, die folgenden Wortlaut haben:

Artikel 264.

Deutschland verpflichtet sich, die Waren-, Natur- oder Gewerbserzeugnisse irgend eines der alliierten oder asso­ziierten Staaten bei der Einfuhr in das deutsche Gebiet ohne Rücksicht auf den Abgangsort keinen anderen oder höheren Gebühren oder Abgaben einschließlich der inne­ren Steuern zu unterwerfen als denen, welchen die glei­chen Waren-, Natur- und Gewerbserzeugnisse irgend eines anderen der genannten Staaten oder irgend eines anderen fremden Landes unterworfen sind.

' Deutschland darf gegen die Einfuhr von Waren-, Na­tur- oder Gewerbserzeugnissen der Gebiete irgend eines der alliierten ober assoziierten Staaten bei der Einfuhr in das deutsche Gebiet, ohne Rücksicht auf den Abgangs­ort, keinerlei Verbote oder Beschränkungen beibehalten oder erlassen, die sich nicht in gleicher Weise auf die Ein­fuhr der gleichen Waren-, Natur- oder Gewerbserzeug» nisse irgend eines anderen der genannten Staaten ober irgend eines anderen fremden Landes erstrecken.

Arsikel 265.

Deutschland verpflichtet sich ferner, in feinen Grund­sätzen für die Regelung der Einfuhr keine unter­schiedliche Behandlung zum Nachteil des Han- dels irgend eines der alliierten ober assoziierten Staaten gegenüber irgenb einem anberen der genannten Staa­ten ober irgenb einem anderen fremden Lande eintreten zu lassen, auch nicht mittelbar etwa durch feine Zollver­waltung?- ober Zollabfertigungsvorschriften, seine Unter» suchungs- ober Analysiermethoden, seine Zahlungsoor» schriften für die Gebühren, feine Tarifierungs- oder Ta­rifauslegungsgrundsätze oder durch Monopole.

Artikel 280.

Die Deutschland vorstehend durch Kapitel 1 und durch die Artikel 271 und 272 des Kapitels 2 auferlegten Verpflichtungen erlöschen fünf Jahre nach In­krafttreten des gegenwärtigen Vertra­ges, sofern sich nicht aus dem Wortlaut das Gegenteil ergibt ober sofern nicht der Rat des Völkerbundes fvä- testens 12 Monate vor Ablauf dieser Frist entscheidet, das; die Verpflichtungen mit ober ohne Abänderung für einen weiteren Zeitraum aufrecht erhalten bleiben.

Das Sy st em der Meistbegünstigung beruht darauf, daß ein Staat, mit dem diese Klau­sel vereinbart ist, jede Zollermäßigung verlangen kann, die bis zum Abschluß des betr. Handelsver­trages und auch in, nach diesem Zeitpunkt mit an­deren Staaten zu schließeirden Verträgen, ausbe­dungen werden. Gerade dieser Umstand, der für die Abmachungen, die Deutschland unter den wirt­schaftspolitischen Fesseln des Versailler Vertrages mit den Entente- und anderen Staten traf, außer- ordentlich schwer ins Gewicht fiel, hat es verhin­dert, daß wir unsere Handelsbeziehungen rascher und breiter ausdehnten, als es für die deutsche wirtschaftliche Entwicklung und für den Absatz sei­ner Produktion notwendig gewesen wäre. Daß wir nun wieder das Recht zur Gewährung der Meist­begünstigung haben, stellt einen starken Anreiz für alle Länder dar, nun auch mit Deutschland ihrer­seits wieder in offizielle Handelsvertrags- Verbindungen zu treten. So bedeutet das Fallen der oben erwähnten Fesseln des Versailler Vertra­ges für Deutschland eine neue Epoche in seinen volks- und weltwirtschaftlichen Beziehungen. Deutschlands Wirtschaft kann nunmehr wieder sich systematisch und organisch in das Gefüge des gro­ßen Weltwirtfchaftsfystems einglledern. Seiner Wirtschaft und ihrer Initiative und Tatkraft sind jetzt keine Hemmungen mehr im Wege. Daß eine solche Lage auch innen- und außenpolitisch nicht ohne entscheidende Rückwirkungen sein kann, liegt auf der Hand. Wir werden gerade in der nächsten Zeit innenpolitisch vollständig unter dem Zeichen dieser neuen Sage stehen.

Deutschland im Luftverkehr.

Don einer hervorragenden militärischen Seite wird uns geschrieben:

lieber die große Begeisterung, welche der Ozeanflug des L. Z. 126 in der ganzen Welt her­vorgerufen hat, ist ein für Deutschland und feine Stellung im internationalen Luftverkehr bedeut­samer Zeitpunkt des Londoner Ultimatums in her Oeffentlichkeit unbeachtet geblieben. Es war dies der 31. Dezember 19 2 4. Nach dem Lon­doner Ultimatum dürfen von diesem Zeitpunkt ab, im Gegenfeltigkeitsverhältnis nur solche Flugzeuge

Deutschland überfliegen mit derselben Motorenein­schränkung, wie sie Deutschland auferlegt ist. Dieser Punkt ist von so wesentlicher Bedeutung, daß zu seiner Begründung ausgeholt werden darf.

Mit aller Klarheit und Deutlichkeit muß ausge­sprochen werden: Dem Luftschiff bleibt im Luft­verkehr lediglich der Dauerflug über den weiten Ozean Vorbehalten, über Meere auf solchen großen Strecken, für die das Flugzeug noch nicht geeignet ist. Heliumgas verleiht dem Luftschiff eine unbe­dingte Sicherheit infolge seiner Unoerbrennbarkeit. Sein Auftrieb wird aber im Verhältnis zu dem" leicht explosiblen Wasserstoff stark vermindert. Schon hierdurch allein wird also ein neues Ozean- Z-Luftschiff an Größe verdoppelt werden muffen.' Der Abbruch der Friedrichshafner großen Luft­schiffhalle ist insofern nicht von der Bedeutung, well für neue trans-ozeanische Z-Luftschiffe diese Halle nicht ausreichen würde. __

Viel wichtiger aber ist für Deutschland der be­reits oben angedeutete Termin, der 31. Dezember 1924.

Der Versailler Friedensoertrag verbietet Deutsch­land den Bau von Luftschiffen überhaupt, das Londoner Ultimatum zwingt uns zu Beschränkun­gen im Bau von Flugzeugen und im Luftver­kehr, um zu verhindern, daß Deutschland Kriegs- flugzeuge bauen kann, ohne dabei zu bedenken, daß gerade durch den Kriegsflugzeugbau die Wirt­schaftlichkeit des Verkehrs-Flugzeuges auf Abwege gelangt ist. Als eine Folge hat sich bereits die Auswanderung der deutschen Flugzeug-Industrie ins Ausland ergeben, anstatt uns Gelegenheit zu bieten, durch die Fabrikation und Ausfuhr von Flugzeugen die ungeheuerlichen Verpflichtungen aus dem Dawes-Gutachten heraus zu erfüllen. Diese einschränkenden Bestimmungen des Londoner Ultimatums haben aber eine weitere zweite Auswirkung gezeitigt, gany anders aller- dings, wie ursprünglich beabsichtigt. Die Londo­ner Bestimmungen gelten auch für solche nicht- deutschen Flugzeuge, die Deutschland überflie­gen Tatsache ist, daß Frankreich sich an an diese Ab­machung absolut nicht kehrt. Wohl hätte Deutsch­land formell das Recht, diese Flugzeuge abzu- schießen, praktisch indessen ist es fruchtlos, weil Deutschland sich keine Lustabwehrgeschühe halten dars. Lediglich konnten bei Notlandungen derartige französische Flugzeuge beschlagnahmt werden.

Auf dem Wege nach Indien kann England Deutschland nicht umgehen, vielmehr nicht umflie­gen. Es empfindet nun diese Einschränkung mehr wie lästig am eigenen Leibe und arbeitet aus rei­nem Egoismus an der Beseitigung diese- Einschrän­kungen am ureigenen Interesse. Also nicht der. Versailler Friedensvertrag ist die Hauptsache, weit mehr das Londoner Ultimatum! Es besteht sogar eine große Gefahr für Deutschland. Frankreich gibt nach in der Frage des Abbruchs der Friedrichs- Hafner Halle, um dann umso schärfer auf den Be­stimmungen des Londoner Ultimatums zu behar­ren. Die Friedrichshafner große Halle ist für den Bau neuer großer Ozean-Z.-Luftfchiffe unbrauch­bar, weil zu klein, sowohl was Länge, Breite, wie auch Höhe anbelangt. Sie ist also kurz gesagt wertlos und kann Frankreich nach außen hin gegebenenfalls die Geste des Großmutes verleihen.

Es besteht noch eine weitere große Bedrohung, daß England In richtiger Erkenntnis der Sage und Bestimmungen gerade in Frankreich in dem Sinne arbeitet: Als Gegenleistung für das Anerkenntnis erpreßt, Deutschland mit stärkeren Flugzeugen über­fliegen zu dürfen, die es selber bauen darf.

Der Chef des englischen Zivil-Flugwesens Broker war vor kurzem sowohl in Paris wie in Berlin auf feinem Flug nach Indien. Wirtschaftlich wie politisch ist diese Flugverbindung für England von einer Bedeutung, die sich klarer nicht geben läßt wie durch folgenden Vergleich: Die schnellste Dampfersinie England-Indien benötigt 34 Tage, ein Groß-Flugzeug braucht 30 Tage also einen Mo­nat weniger demnach 4 läge, und das sagt genug!

Die bisherigen Verhandlungen über die Folgen des Sonboner Ultimatums und seines für Deutschland und die deutsche Luftfahrt so wichtigen Termins am Jahresschlüsse 1924 mit Frankreich find ergebnislos verlaufen, obwohl auch der fran­zösische Staatssekretär für Lustwefen erklärt hat, daß Zivil-Verkehrsflugzeuge im Zukunftskrieg un­verwendbar feien. Also scheint auch hier in der Luft wie am Rhein eineVerewigung" Frankreich am sichersten »u scheinen.