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FuldaerZertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Nr. 9.

Verantwortlich !ür bie Schrütleitu««,- Dr. 3»6a««eS Kramer.

Ameisen: I. $ ar,rllrr. 3nlb«. 9tptotie*nru<£ und 8erleg bet

Sulbotr $ die»btvAtei in l'ttlbo. Nernldrecher Nr. S.

IWenotTr&er Seiuntoreit: 1.50 Wf.

Dienstag, 13, Januar 1925.

Anr eigen-Bretlw Klemreile (Colonel» lokal 0.K Sibtttotl auswärts 0.20 Soibmart- Mef Ieme»et(e lokal 0.60, yolbmart auswärts 0.80 Golbrnark, ::

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52 Zahrg.

Zr. Luther sucht öo5 Reichskubiuett zu bilden.

lieber die innere Lage verlautet aus parlamen­tarischen Kreisen:

Die Verhandlungen über die Regierungsfrage wurden den ganzen Sonntag über fort­gesetzt, ohne zu einem Resultat zu führen. Die Zentrumsfraktion des Reichstages, die bis gegen 9 Uhr am Sonntag tagte, faßte schließlich folgenden einstimmigen Beschluß:Die den Vertretern der Zentrumsfraktion am 11. 1. in den Verhandlungen mit Reichsminister Dr. Luther übermittelten Er- tlärungen ermöglichen es der Zentrumsfraktion nicht, sich an dem vorgesehenen Kabinett zu be­teiligen."

Noch bevor das Zentrum diesen ablehnenden Beschluß gefaßt hatte, war der im Reichstag ver­sammelte Vorstand der deutschnationalen Fraktion auseinandergegangen. Auch der im Reichstag anwesende Finanzminister Dr. Luther hatte bereits das Haus verlassen, sodaß mit dem Abschluß der Kabinettsbildung am Sonntag nicht mehr zu rechnen war. Durch den Beschluß des Zentrums ist nun eine neue Situation geschaffen Es muß abgewartet werden, ob Finanzimnister Dr. Luther feine Bemühungen um ein Zustande­kommen des Kabinetts auf anderer Grundlage fort- setzen wird. Reichsminister Dr. Luther wird, wie das W.T.D. hierzu erfährt, auf der Grundlage dieses Defchlusfes, der in später Abendstunde gefaßt wurde, amMontagsrüh seine informatorischen Erörterungen mit dem Zentrum und den übrigen Fraktionen fortfetzen.

Die Stimme vorn Rhein.

Eine bemerkenswerte Aeußerung über die Stellung des Zentrums zur Regierungsbildung.

Das führende Organ der Zentrumspartei am Rhein, dieKölnische Volkszeitung", äußert sich über die Stellung, die das Zentrum zur kommen­den Entwicklung einnehmen soll, in folgender Weise: z

Möge niemand, aus irgendwelchen opportunifti- scheu Erwägungen denken, es sei nichts mehr gegen diese Entwicklung (zu einem Bürgerblock) zu ma* chen, und da fei es doch vielleicht besser, den Rechts­parteien nicht allein das Reichssteuer zu überlassen. Wir bezweifeln, ob diese Parteien es darauf an- kommen lassen werden, für sich eine Minderheits­regierung, die sie als solche bisher stets ablehnten, zu bilden. Manche Leute mögen ja Diktatur- gel ü ft e haben, aber das sind gewiß nicht die Klügeren; diese wissen zu genau, daß man damit wohl einen Stein ins Rollen bringen könnte, daß sie es aber nicht in der Hand haben, wohin er rollt und wen er auf feinem Laufe zerschmettert!

Die Ausschaltung des Zentrums durchdie Nachfahren der alten Natio­nalliberalen und Konservativen wird nur eine Episode fein, roie es feine Ausschal­tung durch den B ü l o w b l o ck war. Und sie wird dem Zentrum nicht gefährlich fein, wenn e s geschlossen auf seiner geraden Linie beharrt! Die Gefahren, die ein Rechts­block für die allgemeine Politik bedeutet, haben wir nicht zu verantworten, wenn wir Gewehr bei Fuß stehen. Uebernehmen wir aber eine Mitver­antwortung wenn auch in der besten Absicht, jene Gefahren zu verringern, so schädigen wir den politischen Kredit, den das Zentrum zum großen Nutzen Deutschlands angesammelt hat, und stellen damit auch den Nutzen in Frage, den mir in Zukunft noch unserem Volke bringen können. Wohl hat das Zentrum noch niemals eine u n - fachliche Oppositions- und Obstruktionspolitik getrieben und wird es auch ferner nicht, aber ab­wartend Gewehr bei Futz zu stehen, bis feine Stunde gekommen, ist Pflicht gegenüber feiner Ueberzeugungstreue und Pflicht gegenüber ver­deutschen Volksgemeinschaft!

An einer anderen Stelle heißt es über die Vor­gänge bei der Regierungskrise: Deutschland ist ein Land der Gegensätze. Politisch und kon­fessionell zerrissen bietet es das Bild einer ßönöfarte, die mit bunten Farben zusam­mengesetzt, ein einheitliches Ganzes nicht werden Tann. Im Augenblick außenpolitischer Röte und drängender innerpolitischer Aufgaben hat man eine .Regierungsbildung verhindert, von ber man sagen jTann, daß sie mit allergrößtem Ernst erstrebt wor- den ist. Wer der Fraktionsgeist war stärker und dje Parteiwünsche waren größer als die Unter­ordnung unter den Willen eines Mannes, der nie anders gehandelt hat als mit dem unentwegten Bestreben, dem Gemeinwohl zu dienen. Man hat den Kanzler Marx nicht gewollt, weil er ein Mann des Zentrums war. Die ernste Stunde, in der wir stehen, gebietet uns, dies offen auszusprechen. Wenn die Kreise, die Marx die Ge­folgschaft versagt haben, einmal dem ö bi e k t i v en Urteil der Geschichte werden standhalten müssen, bann wird man ihnen das Zeugnis aus-

Das angebliche Kriegsmaterial.

Aus Berlin meldet das Wolff.Büro:

Die Durchsuchung der Fabrik im Norden von Berlin, ans. deren Bestände an Kriegsmaterial Ge­neral Rollet am 29. Dezember in bet Kammer an. spielte, ist beendet. Infolge von Denunziationen erstreckte sich die u nangemeldete D urchju ch- ung auf Schuppen , in denen folgendes Material lägette: 126 000 ungebohrte Stahlstäbe, 10 000 fer­tige Pistolenläufe und 5000 fertige Gewehrläust, die aber bereits durch Verkürzung für militärische Zwecke

stellen, daß sie wochenlang das deutsche Volk in Unruhe versetzt haben in einem Augen­blick, wo die Geschlossenheit des deutschen Volkes eine Naturnotwendigkeit war. Wir wollen jetzt nicht mit Kräften abrechnen, die alle Versuche einer Regierungsbildung gehemmt und gehindert haben, aber wir wollen uns das Recht vorbehalten, ihnen zu gegebener Zeit zu sagen, wie gearbeitet worden ist, um dem Willen des deutschen Volkes eine Deu­tung zu geben, bie den Tatsachen nicht standhält. Urteilen wir recht, bann stehen wir am Anfang neuer Bemühungen, ein K a b i n e 11 n a ch a l t e » Methoden zustande zu bringen. Das Zentrum wird warten, was geschieht, und bann fein Votum abgegeben.

Verleumdung im politischen Kempf hat man in Deutschland in der Weise, wie sie heute auftritt, noch nie gekannt. Es ist für den gesunden Sinn geradezu widerlich, von allen den gan­zen und halben Verleumdungen, Verdächtigungen, Anschuldigungen, Kenntnis zu nehmen, die vielfach mit dem ersichtlichen Zweck vorgebracht werden, daßdoch irgend etwas hängen bleiben" wird. Diese Verleumdungskampagne hat planmäßig ein­gesetzt und wird planmäßig fortgeführt. Die Aktion erfolgt in einem Augenblick, wo es gelten sollte, daß einiges deutsches Volk umdenheiligenbe u t- schen Boden des Kölner Gebietes zähe und tapfer kämpfte. Der Gedanke, baß statt dessen gegenseitig Schmutzkübel geleert, daß bie Leiden­schaften in den gegnerischen Lagern ausgeputscht, daß der letzte Rest von Staatsautorität durch bie ganze Aktion dem Volk noch geraubt wird, baß letzten Endes der. B o l s ch e w i s m u s der la­chende Dritte fein wird, dieser Gedanke ist so nieder­schmetternd, daß man nur immer wieder sagen kann: Armes Deutschland!

*

Die Nationalsozialisten haben im Reichstag einen Antrag eingebracht, durch Volks­abstimmung den Reichspräsidenten seines Postens zu entheben, weil er vom Schöffengericht in Mag­deburg des Landesverrats für schuldig erklärt wor­den und feit Jahrenmit item Großschieber Bar­mat eng befreundet" gewesen sei. Letztere Behaup­tung. ist, wie amtlich mitgeteilt wirb, in vollem Um­fange unwahr. Einer der Brüder Barmat wurde im Frühjahr 1919 in seiner Eigenschaft als Mitglied l)olländifcher sozialdemokratischer Organi­sationen, ebenso wie andere Sozialdemokraten aus neutralen Ländern, vom Reichspräsidenten emp­fangen. Seither, also feit dem Frühjahr 1919, sah der Reichspräsident Darmat nicht mehr. Ebenso wenig hat er mit ihm ober einem seiner Brüder ober s onftigen Verwandten irgendeinen Verkehr oder irgendwelche Beziehungen unterhal­ten.

i * -r.;. rv.:'v

Es ist nicht zu verkennen, daß durch den kriti­schen Barmatsall Vorgänge aufgedeckt worden sind, die der Klarstellung bringend bedürfen. Na­türlich eine Klarstellung im ordentlichen Verfahren. Nicht durch Teubenzmeldungen in der Tagespresse der politischen Gegner der De- schulbigren. Daß die Zentrum sparte i, was die aus ihren Reihen beschulbigten Männer, vor allen Dr. chvfle und ßange=5)egermann angeht, keine Vertuschung wünscht, gebt besonders aus Ausführungen derKölnischen Wolkszettung" her­vor, die u. a. schreibt: Man schaffe überall Klarheit und zwar mit jener Rücksichtslos i a- k.e i t und Zähigkeit, die hier angebracht ist. Korruption in politischen Dingen vergiftet das ganze nationale Leben, zerfrißt bas Vertrauen der Allgemeinheit zum Staate und ertötet die Achtung vor der Autorität der regierenden Gewalten. Diese letzteren stehen wegen der unaufhörlichen außen­politischen Bedrängnisse ohnehin immer auf schwa­chen Füßen und würden daher zu vollständigen Schemen heruntersinken, wenn sie auch nur den geringsten Anlaß zum Tadel böten, wie ihn die Vorgänge bei der Seehandlung ausgelöst haben.

Wir unterstreichen bas: gerade im Hinblick auf bie große Vergangenheit der deutschen Zentrums­partei kann es in unseren Reihen nur eine Lösung geben: Rücksichtslosigkeit und Zähig­keit in der Klarstellung der Vorgänge und in der Durchführung der erforderlichen Maßnahmen.

Das verfahren in Lache Barmat.

Noch keine Haup Vernehmung der Se^nlbigten.

Aus Berlin wird gemetett:

Obwohl alle beteiligten Amtspersonen bemüht sind, da? Verfahren gegen die Gebrüder Barmat zu beschleunigen, war e» 6i8i";er wegen der außer­ordentlichen ArbeitSstofse- nicht möglich, in die eigentlichen a up te e rit eb in u « g e n einzutreten. Wie der Montag hort, soll jedoch nunmehr Montag früh die Vernehmung der Iulinr Barmat erfolgen.

unbrauchbar remdbt worden waren. Gewehre und Masch nengewelue befanden sich in den Schuppen nicht, TnS Material stammt aus de r Zeit des Krieges und war |unt lanpißmen Bei brauch für die Produktion der Fsbrtk an Frieden-arlike" bestimmt. Daß Waffen ?üt lriegeniche Zwecke der Fabrik nicht hergestellk wurden, kann schsn t rau? ersehen werden, daß btr Fabrik seit 19.0 159 mal durchsucht worden ist, wobei ausdrück­lich festgestellt wurde, baß jeder Äriegsbetrteb un­möglich sei.. Das Material ruht seit 1918 in dem Schuppen auf dem Fakrikgrundstuck.

Vor großem Streife in England?

Die englischcn Bergleute wollen streiken, weil ihre Lage unerlräglich ist.

wtl- London, 12. Ian. (IcL) DerIttot- ning Post" zufolgl droht ein großer Kohlen- a r b ei k e r st r e i k in England auszuvrechen. da di- Bergarbeiter von Derbyshire das Angebot der Zechenbssihcr abgelehnt haben. Die Zahl der um rnstlclbar be t offenen Arbeiter betrögt 20 000.

Der Sekretär des Dergarbeilervcrbar.des, Look, erklärte in einet Rede, die Bergarbeiter stünden der ernstesten Krise in der Geschichte ihrer Organisation gegenüber. Das Abkommen in der gegenwärtigen Gestalt könne beim jetzigen Steigen der Lebenshaltungskosten nicht weilerbestehen. lieber 100 000 Bergarbeiter feien arbeitslos, eir Schacht nach dem andern schließe sich und täglich werde Hunderten, von Arbeitern gekündigt.

= Wirtschaft und soziale Belastung. In der Unter, suchung über die soziale Belastung der deutschen Wirt» jchaft kommt die in den nächsten Tagen erscheinende Nummer des Reichsarbeitsblattes zu dem Ergebnis, daß die 'llnrang November veröffentlichten Ziffern zu­treffend find und daß in der Zwischenzeit stellenweise sogar ein weiterer Abbau der K rank en las- fenbeiträge stattgefunden hat. Diese Ziffern be- tragen für die Krankenkassenversicherung 350 Mil­lionen, für die Ängestelltenverstcherung 110 Millionen, für die Erwerbsloienversicherung 220 Millionen und für die knappschastliche Pensionsversicherung 100 Millionen Mark. Die gesamte soziale Belastung der Wirtschaft er. gibt eine Höhe von 1610 Millionen Reichsmark jährlich, wovon 8 8 0 Al i l l i o n e n auf die A r b e i t n e h m ex und 730 Millionen auf die Arbeitgeber entfallen.

Hughes' Rücktritt.

Der einflußreiche amerikanische Slaakssekrelür tritt zurück. Der Grund liegt in Meinungsverschieden­heiten über die Anerkennung Sowjet-Rußlands.

Aus Washington wird gemeldet: Staats­sekretär Hughes wird am 4. März zurücktreten. An seine Stelle soll der amerikanische Botschafter in London K e! l o g treten. Hughes drückckte den Wunsch aus, ins Privatleben zurückzukehrsn.

Der Grund des Rücktritts liegt in Gegensätzen zwischen fjugbes und dem Senatspräsidenten B o - r a h. Sie sollen sich in erster Linie auf die Frage der Anerkennung Rußlands beziehen, der Hughes widerstrebte. Eine Reutermeldung aus Washing­ton hebt hervor, daß seit einigen Monaten die Geg­ner der Politik Hughes im Senat für den Staats­sekretär eine Quelle zunehmenden Aergers zu fein schienen und daß er mit Borah in einigen sehr wichtigen Fragen der Außenpolitik nicht übereinstimme.

* Wegen Vrottvuchers verhaftet. Der General­direktor einer dec grössten Brolfobriken Wiens, namens Frier, wurde unter dem Verdacht des Broi- wuchers verhaftet.

* Wieder dicker Nebel in Landon. Die Stadt London wurde erneut von außerordentlich dickem schwarzem Nebel benngesucht, der den gesamten Straßenverkehr zum Stiöftanb brachte. Wie die Blätter melden, war der Nebel in London der dichteste seit vielen Jahren. E» ereigneten sich zahlreiche Straßen Unfälle. Bei dem Zu­sammenstoß von zwei Straßenbahnwagen wurden 9 Personen verletzt.

Wuliud mit IrilsWds WM.

Die Rheinlands und dastraurige Schauspiel der letzten Wochen". Deutliche Worte des Oberbürgermeisters von Köln. Machtvolle Rundgebungen in Höht am Sonntag.

3u machwollen Kundgebungen gestalteten sich die Versammlungen, zu denen die politischen Parteien Kölns ihre Anhänger für Sonn­tag vormittag zum Einspruch gegen die Verlängerung der Besetzung aufgeboten hatten. Die Beteiligung war überall stark. Den Versammlungsleitern war von der Desatzungs- behörde zur Pflicht gemacht worden, dafür zu sor­gen, daß Ruhe und Ordnung nicht gestört würden. Zu Ausschreitungen ist es nicht gekommen.

In der Zentrumsverfammlung im vollbesetzten Reichshallentheater sprach Redakteur Hornbach von der Kölnischen Volkszeitung. Er erklärte, es fei schmerzlich, daß die Jahrhundert­feier der Rheinlande mit einem Protest beginnen müsse. Die Liede zum Rhein gipfele in der For­derung, daß der Rhein Deutschlands Strom bleibt und nicht Deutschlands Grenze wird. In der E n t- schliehung des Zentrums heißt es:

Die Hoffnungen des deutschen Volkes, nach den langen Jahren der Erfüllung schwerster Vertrags- Verpflichtungen endlich einmal die Auswirkung eines der wenigen Rechte zu erleben, die uns aus dem Versailler Vertrag noch geblieben sind, ist am gestrigen Tage bitter enttäuscht worden. Das Ver­halten der Siegerstaaten, das eine Abkehr von der eben angebahnten Verständigungspolitik und einen Rückfall in die alte Methode der Sank- tions- und Diktatpolitik bedeutet, ist ge­eignet, die staatliche Sicherheit, die Freiheit Deutsch­lands, die Befriedung Europas und die Gesundung der Weltwirtschaft aufs schwerste zu gefährden. Die Bewohner des besetzten Gebiets sind weit davon entfernt, sich durch das Verhalten der Gegner zur Unbesonnenheit hinreißen zu lassen. Sie sind b e- reit, im Interesse de» ganzen deutschen Vater­landes die schweren Besatz ungska st en auch weiterhin unverzagt und standhaft zu tragen. Dennoch und gerade deshalb erhebt das deutsche Volk am Rhein am heutigen Tage seine Stimme, um aller Welt gegenüber das Vorgehen der Sieger st aalen als unrecht und als einen Vertragsbruch zu kennzeichnen.

Wetter hielten Versammlungen ab: die Deutsch- nationalen, die Deutsche Dolkspartei, die Demokra­ten und die Sozialdemokraten.

Der Protest gegen die Mchträumung Kölns.

Da in den Parlamenten, infolge des Fanatis­mus gewisier Parteigruppen, ein würdiger Protest gegen die Hinausschiebung der Räumung der Köl­ner Zone nicht möglich war, empfing der Reichs­kanzler Marx am Samstag auf Anregung führen­der politischer und wirtschaftlicher Kreise des besetz­ten Gebietes im Beisein der Mitglieder des Reichskabinetts und des preußischen Staatsministeriums sowie der Vertreter der Länder eine große Anzahl namhafter Per­sönlichkeiten ausdenbesetzte n G e b i e- t e n. Es waren erschienen die Vorstände der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Stadt- und Landkreise, der Presse ufro.: ferner die rheinischen Abgeordneten. Als Wortführer hielt Oberbürger­meister Adenauer (Köln) eine Ansprache, in der er den Protest des Rheinlandes zum Ausdruck brachte. Der Reichskanzler legte den Standpunkt dc deut­schen Regierung dar.

Weiterhin führte der Kölner Oberbürgermeister folgendes aus:

.Wir. erkennen die Lage a«,: in der sich die; Reichs­regierung durch die nichtsubstantiierte Nöte der alliierten

Regierungen befindet. Sie kann auf die darin enthalte­nen Ausstellungen noch nicht eingehen, weil sie nicht naher erläutert sind. Wir müssen «ns heute damit be­gnügen, daß uns von der Reichsregierung erklärt wird, daß "sie alles tun wolle, um im Wege derVerhand- I u n g e n eine Klärung herbeizuführen. Auch uns scheinen Berhandlungen und nicht ein Diktat notwendig, und wir freuen uns, daß die Reichsregierung mit aller Kraft auf den Weg der Verhandlungen gelangen will. 'Aber Herr Reichskanzler, Sie gestatten mir, daß ich namens des besetzten Gebietes einige Ausführungen mache. .

Ich hatte ausgeführt und Sie haben das in Ihrer An­sprache auch erwähnt, daß die Nichträumung der Kölner Zone für das ganze Rheinland eine überaus schwere Be­lastung darstell!. Aber darüber hinaus das möchte ich hier in aller Oeffentlichkeit sagen ist die Nichtraumung der Kölner Zone eineFrage, die für das Schick­sal ganz Deutschlands bestimmend ist. Gestern hat in Köln der Herr Reichsbankpräsident De. Schacht ausgeführt, daß das Herz Deutschlands das Rheinland ist. Das ist der Fall, und deshalb ist alles das, was am Rhein geschieh!, eine Lebensfrage für ganz Deutschland. Ich darf als Rheinländer unter Rheinlän­dern ein offenes Wort sprechen. Wir haben in den ver­gangenen Jahren nicht immer das Gefühl ge - hab t, daß die rheinische Frage auch für das u n- defekte Deutschland die entscheidende Frage darstellt. Wir haben zu wiederholten Malen den Eindruck erhalten, daß im unbesetzten Deutschland die innerp olitifch e n Streitigkeiten in erster Stelle gestanden hätten. Denn das Haus brennt, sucht man zuerst den Brand zu löschen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern des Hau­ses haben Zeit, bis der Brand gelöscht ist. Ich wiederhole und ich weiß mich damit eins mit 99 Prozent aller Bewohner des besetzten Gebiets daß wir leider nicht in allen Fällen in den vergangenen Jahren die Ueberzeugung gewonnen haben, daß die rheinische Frage als die lebenswichtigste Frage Deutsch- lands erkannt wurde. Und so nehmen Sie mir ein wei­teres offenes Dort nicht übel: Ich gehöre gewiß zu einer Partei, aber ich glaube, ich bin nicht ein so ein­gefleischter Parteipolitiker, daß ich alles durch die Partei­brille sehe, und so haben wir im besetzten Gebiet das traurige Schauspiel der letzten Wochen mit dem größten Bedauern und der größ­ten Bekümmernis wahrgenommen, daß es in Deutschland nicht möglich war, in den wich­tigsten Wochen feit dem Zusammenbruch eine verhand- luttgsfähige Regierung zu bilden.

Meine Herren, wir sind der Auffassung, daß der 10. Januar 1925 wichtiger ist als der Tag, an dem das Londoner Abkommen unterzeichne: worden ist, daß der 10. Januar des Jahres 1925 die Probe auf das Exempel bringen müßte, ob auf der Gegenseite nunmehr end­gültig mit dem alten System gebrochen werden sollte ob man wirklich den Weg der Berständigung in fried­licher Zusammenarbeit mit Deutschland einhalten wallte.

Herr Reichskanzler, ich möchte nicht schließen, ohne Ihnen und darin glaube ich mich ebenfalls einig mit dem ganzen besetzten Gebiet den herzlichsten Dank auszusprechen für bas, was Sie in dem letzten Jahre getan haben. Wir sind Ihnen von ganzem Herzen dankbar, daß Sie vom ersten Tage an, wo Sie die poli­tische Führung der Geschäfte innehatten, sich mit ganzer Kraft für das rheinische Geschick eingesetzt haben. Wenn es Ihnen auch nicht vergönnt sein wird, als Krönung dieser Arbeit den Tag der Räumung der Kölner Zone unter ihrer Reichskanzlerschaft zu erleben, so dürfen Sie doch gewiß fein, daß das Rheinland Ihnen von» ganzem Hirzen b a n £ t für das, was Sie in die­sem Jahre si. uns getan haben. Wir wissen nicht, wie bie kommende Reichsregierung zusammengesetzt sein wirb, aber ich f ube der Erwartung unb Ueberzeugung Aus­druck geben zu sollen, daß auch die neue Reichste---rung in außenpolitischer Hinsicht aus bem Weg »eitergebt, ben die Regierung des Reichskanzlers Marr gegangen ist." >

Der Kanzler betpntc zpm Schluß die, unzer» t r,e h n bar e 3 ü f a m r e n g e b ö,ri g t e i t des b e s e tz t e n u n d u n l> c t c n 2>e.u t fdjl anh