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Einzelnummer 10 M. ftow.wnwe 6 W.)

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

fir. s.

Berantwortijch Ui« bte GSriMeirmm- Dr. Johannes Kramer. Sarcigenr I. V arzeller, Frida. RotalwaSdruck und verlas der u 6, Jvldoer »rttttibrtfdeTti 'N Fulda. Jernlvrechrr Rr. 9.

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Sonntag, N. Januar 1925.

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52. Zahrg.

Neue Kombinationen. &

Dr. Luther will das neue Rechiskabinekl bilden. Dr. Skrefemann ist wieder dabei. Noch eine zweite Möglichkeit? Der Sozialdemokrat Her­mann Müller hofft auf die Weimar« Koalition.

Am Freitag abend um halb 6 Uhr hat Reichs­kanzler Dr. Marx den Auftrag, ein Kabinett zu bilden, als uncrfüCbar dem Reichspräsidenten zu­rückgegeben. Marx hat alles versucht, dem Vater­land den Dienst zu leisten. Die Quertreiber aller Art, angefeuert von den Interessenten hinter den Kulissen, waren st ä r k e r als er.

Reichspräsident Ebert bat am Freitag noch mit andern führenden Politikern Besprechungen gehabt, mit Dr. Strefemann, dem Führer der Deutschnationalen Schiele, dem Sozialdemokra­ten Hermann Müller und dem Reichsfinanz­minister Dr. Luther. Es verlautet, daß aller Voraussicht nach Dr. Luther, derkeinerPartei angehört, jedoch dem rechten Flügel der Deutschen Volkspartei nahesteht, mit der Kabinettsbildung be­auftragt werden dürfte. LautSerf. Lokalanz." dürfte Dr. Luther seine Aufgabe darin erblicken, ein fraktionell nicht gebundenes Ka­binett der bürgerlichen Parteien zu­stande zu bringen. Es sei dem gleichen Blatt zu­folge anzunehmen, daß er drei Persönlichkeiten in das Kabinett aufnehmen werde, die den Deutsch- nationalen nahestehen. Reichs-Außenminister Dr. Strefemann würde einem solchen Kabinett ebenfalls angehören und man rechne damit, daß vom Zentrum mindestens Reichsarbeitsminister Dr. Brauns in der Regierung verbleiben wird. Ob Dr. Luther die Bildung eines derartigen Ka­binetts gelingen werde, kann allerdings noch als zweifelhaft angesehen werden, da die deutschnatio­nale Fraktion des Reichstages fich in einem Be­schluß für die Bildung eines parlamen­tarischen Kabinetts ausgesprochen hat, in welchem sie selbst entsprechend ihrer Parteistärke durch vier Minister vertreten fein will.

Von den Berliner Blättern wird noch eine zweite Möglichkeit der Regierungsbildung im Reiche erwähnt, nämlich die Beauftragung des sozial­demokratischen Führers HcrmaunMüllcr mit der Kabinettsbildung, der bereit fein würde, die Herstellung der Weimarer Koalition (Zentrum, Demokraten, Sozialdemokraten) zu versuchen. Zu einem Kabinett Luther würden, wie das Berl. Tagebl." und derVorwärts" betonen, die Demokraten und Sozialdemokraten in schärfster O p p o s i t i o.n stehen. ,

Reichstag und Varmat-Rffäre.

Ein parkamenkarischer Anlersuchungsausschuß wird eingesetzt. Vertagung bis Mitte nächster Woche.

In der Freitagsitzung des Reichstages waren vor allem die Angelegenheiten ,die mit den Vorgängen bei der Preußischen Seehandlung in Verbindung stehen, Gegenstand der Erörterung. Bor allem wurde vom Reichstcvgspräsidenten fest­gestellt, daß Minister Dr. Höfle sein Amt nje­de r g e l e g t hat, ebenso wie die übrigen Mitglie­der des Kabinetts. Er ist vom Reichspräsidenten mit der Fortführung feines Amtes beauftragt wor­den und führt diesen Auftrag gegenwärtig nicht aus. (Später ist auch die förmliche Amtsnieder­legung erfolgt.)

Auf Vorschlag des Präsidenten L o e b e wird fofart durch e i n st i m m i g e n Beschluß der von de» Deutschnationalen beantragte aus 18 Mitglie- r " bestehende parlamentarische Unter- ch u n g s a u s s ch u ß eingesetzt, der die Ve- «chungen Darmats zu ReichsAcllen prüfen soll. . Dse nächste Sitzung soll spätestens am kommen­den Mittwoch stattfinden. ,..

Zu der Beschuldigung der Rechts- P r e fj e, insbesondere derDeutschen Zeitung" und desTag" gegen füshrende Parla­mentarier der Ze>ntrumspartei, nimmt die ,/Germania" in längeren Ausführungen Wellung. Zu dem Vorstoß desTag" gegen die Deutsch-Russische Holzindustrie A. G. Mologa er­klärt das Zentrumsorgan u. c.;

Dieses Organ wird gestützt und geführt von be­kannten deutschen großindustchiellen Unternehmun- gen wie Deutsch-Luxemburger, Gelsenkirchener A. G., Gebrüder Himmelsbach u. a. Um das Zu­standekommen dieses größten deutschen Unterneh­mens in Rußland waren seinerzeit auf Veran­lassung der beteiligten Industrie und unter Wissen und Unterstützung des Auswärtigen Amts die Her­ren Dr. Wirth und Dr. Ludwig Haas bemüht ge­wesen. Reben den genannten Herren, wobei Herr Fehrenbach überhaupt niemals an dem Unterneh­men beteiligt gewesen ist, sitzrn die prominentesten Vertreter der deutschen Industrie. Wir nennen heute nur den ehemaligen deutschnationalen Abg. Generaldirektor Sögeler, Generaldirektor Fehrmann vom Stinneskonzern u. a. Alle Beziehungen, welche die Mvloga mit dem Osten unterhalten hat, sind nicht nur dem Auswärtigen Amt und Dr. Strefemann begannt, sondern wir er­fahren, daß Dr. Stresemamr Dr. Wirth auf das lebhafteste unterstützte in fernen Bemühungen, diese gegenseitigen wirtschaftlichen, Beziehungen zu för­dern. Auch die übrigen Stellen der Reichsregie­rung haben sich mit dieser Angelegenheit schon längst beschäftigt. Die Mol-oga selbst hat niemals in einem derartigen Kreditverhältnis mit der Reichspost gestanden. Das Blatt betont, daß das Zentrum einmütig der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Prüfung der gegen den Reichspostminister Dr. Höfle und den Zentrumsabgeordneten Lange- Hegermann erhobenen Vorwürfe zugestimmt habe und den größten Wert darauf lege, daß die Ange­legenheit völlig geklönt und Schuld inti> Un­

schuld der Beteiligten ganz einwandfrei festgestellt werde. t, ** * . .y.-ctJ ?.'& . /. j

Es ist ja klar: bei anderen ist Beteiligung an industriellen Unternehmungen Verdienst um die deutsche Wirtschaft, hoher Idealismus ufro., aber wenn ein Zentrumsmann so etwas tut, so ein armer Zentrumsmann, der geborene Prügel­knabe, recht für politischeNotstandsarbeiten", recht für den vorderen Schützengraben, dann hört der Bindfaden auf!

Der letzte Tiefstand.

Die Partei über das Vaterland".

Im preußischen Abgeordnetenhaus hat der par­teipolitische Fanatismus seinen Rekord aufgestellt. Dort sollte am Freitag feierlich gegen die Verweige­rung der Räumung der Kölner Zone protestiert werden. Als nach den Worten des Landtags­präsidenten Bartels, der gegen den Rechtsbruch durch die Entente in feierlicher Weise protestierte, der preußische Ministerpräsident Braun das Wort ergriff, um den deutschen Rechtsstandpunkt im Na­men der preußischen Regierung darzulegen, ver­liehen auf eine Abrede hin die Volksparteiler und die Deutschnationalen den Sitzungssaal. Der Vorgang wirkte um so auffallender, als bei den Volksparteilern zunächst ein Teil dem gegebenen Befehl nicht Folge leisten wollte. Diesen "Partei- protestlern winkten ihre Freunde heftig zu. Den­noch blieben denwnstrativ der bisherige Finanz- minister Dr. o. Richter und die Abgeordneten Meyer (Erfurt), Lange (Oberhausen), Kriege und Dr. Wiemer im Saal. Man schickte von draußen den Abgeordneten Pinkerneil darauf noch einmal in den Saal hinein, um die fünf herauszuholen. Aber sie weigerten sich mannhafi, obgleich Herr von Campe schließlich sogar den Fraktions- diener ins Gefecht sandte.

Die Rede des Ministerpräsidenten Braun wurde dann von dem übrigen Haus: ihrer Bedeutung gemäß mit größter Amwerksamkeit und immer wiederholtem Beifall aufge­nommen. Sie stellte die wirkliche Sachlage in über­zeugender Weise dar, und war ein wirkungsvoller und würdiger Einspruch gegen die schwere Rechts­verletzung, die von den Alliierten angekündigt ist. Am Schluß bezeichnete Braun die Demonstration der Rechtsparteien als betrübend und widerwärtig.

Die Kundgebung endete mit Auseinandersetzun­gen über die Verfassungsmäßigkeit der Regierung Braun. Die Deutsche Volkspartei hat für die nächste Sitzung, die am kommenden Mittwoch statt- finbct, einen Antrag eingebracht, wonach auf Grund der Verfassung die Neuwahl des Minister- Präsidenten erforderlich wird. . '

An dem Höflichkeitsbesuch, den das neuge- wählte Reichstagspräsidium beim Reichspräsidenten abgestattet hat, beteiligte sich der neue Erste Vizepräsident Graes- Thüringen von den Deutschnationalen nicht. .

Die deutsch nationale Reichstagsfraktion hat im Hinblick auf die Kundgebung des Reichskabinetts zugunsten des Reichs­präsidenten anläßlich des Magdeburger Ur­teils eine Interpellation im Reichstag ein­gebracht, in der dieses Vorgehen des Kabinetts als ein Eingriff in ein schwebendes Verfahren bezeich­net wirb, durch den ein Druck auf die Richter der Berufungsinstanz ausgeübt werde.

Die nächste Reichstagsperiode soll offenbar voll­ständig mit parteipolitischen Stänkereien ausgefüllt werden.

Dm Reichstage hat Abg. Schiele (Deutschnatio­nal) einen Gesetzentwurf eingebracht, der Straf­freiheit fordert für alle strafrechtlich Verurteil­ten und Verfolgten, die am Kapp-Putsch und Küstriner Putsch teilgenommen haben, die wegen Zugehörigkeit zur Organifation Consul zur Veranwvrtnng gezogen worden sind und die Versuche zur Befreiungvonverurteil- t e n K a p p u t s ch - Te i l n e h m er n unter­nommen haben. Ein weiterer Antrag Schiele ver­langt, daß durch einen Rechnungshof die Geschäfts­führung der Jndustrieunternehmungen des Reiches, namentlich Kreditgeschäfte, einer Prüfung unter« zogen und der Bericht sofort dem Reichstag vor­gelegt werde._________________

Belgische Rachejustiz.

Todesurteil gegen einen deutschen General.

wtb Paris, 9. 3an. (Tel.) Havas meldet aus Lüttich: Das Kriegsgericht für die Provinzen Lüttich und Luxemburg hat gestern den deutschen General von der Esch in Abwesenheit zum Tod- verurteilt, von der Esch wird be­schuldigt, Häuser in Arlou (Provinz Luxemburg) angezündet zu haben, und auf seinen Befehl feien 64 Gebäude zerstört worden. Er habe zum Nach­teil der Sommunalverwaltung der Stadl Arlon 100 000 Franken erpreßt und einen Offizier mit Namen Lempereur getötet.

Die belgisch- Justiz scheint bemüht zu fein, das französische Vorbild in den Schatten zu stellen. An­gesichts solcherUrteile" muß jede Hoffnung auf eine Versöhnung der europäischen Völker aufge­geben werden.

* Kampf gegen italienische Weinkneipen. Nach dem ,(Sortiere d'Italia' hat der Pläsekr von Mai­land die Schließung von 25 Weinkneipen enge- ordnet, hat 1 00 Per sonen v er haften und bei 300 Hausdurchsuchungen vornehmen lassen. In vielen Restaurants der Betrieb beschränkt. Das- elbe Blatt meldet aus Bologna, daß dort die Haus­durchsuchungen fortoefeLt werden.

Schlechte Aussichten für Auswanderer in Amerika.

Noch immer lassen sich Deutsche durch betrü­gerische Vorstellungen zu unüberlegter Auswan­derung verleiten. Meist kommen diese Leute fern der Heimat sehr schnell in Armut und Elend und bereuen ihren Entschluß. Aber dann ist es zu spät. Es kann daher nicht oft gemtg gewarnt werden vor unüberlegter Auswanderung. Und zwar gilt das besonders auch für Süd- und Nord- Amerika .

In letzter Zeit hat sich der Auswanderungsstrom besonders nach Peru ergossen. Aber gerade hier liegen die Verhältnisse besonders schlimm. Ein deutscher Geistlicher in Lima und Callao berichtet von den traurigen Schicksalen der Auswanderer. Eine Kommission hat, wie er schreibt, das Prob­lem der deutschen Einwanderung erwogen und un­ausführbar gefunden Mehrere Kolonisiereungs- versuche sind wegen des Mangels an Wegen und und Verkehrsmitteln kläglich gescheitert. Die riesenhaften Entfernungen in dem spärlich bevöl­kerten, ausgedehnten Land bringen aufreibende Strapazen und enorme Kosten mit sich. Die Ver­sprechungen der Siedlungsgesellschaften sind ganz wertlos. Wer sich trotz aller Warnungen zur Auswanderung verleiten läßt, hat es s ch w e r z u büßen und wird es bi t t e r b e r e ue n, wenn er bei seiner Ankunft im fremden Lande alleinsteyt, denn die kleinen deutschen Kolonien in Lima und Callao sind nicht in der Soge, wirksam zu helfen.

Andere Auswanderer haben sich in letzter Zeit nach Cuba gewendet, weil man ihnen gesagt hatte, von Cuba aus würden sie leichter nach den Bereinigten Staaten Pässe und Bisa erhalten. 6000 solcher Auswanderer sitzen auf Cuba fest, darunter besonders viel Polen. Auf Cuba selbst können sie keine Arbeit bekommen. Die Insel leidet schon seit Jahren unter Arbeitslosigkeit. Das Schicksal der

Auswanderer wird von Vertretern deutscher Han­delskreise als trostlos geschildert. Ohne menschen­würdige Unterkunfts- und Ernährungsmöglich-! feiten gehen viele Familien allmählich buch» st ü b l i ch zugrunde. Der Verdienst ist mini­mal, die Wohnungsverhältnisse noch trauriger. Viele Personen, Männer sowohl wie Frauen Hausen mit und ohne Betten in einem Zimmer. Dazu kommen die ungünstigen klimatischen und hygienischen Verhältnisse. Tropische Hitze, Fieber und Krankheiten fordern unter diesen Armen immer neue Opfer. Manche hoffen über die mexi­kanische Landesgreze nach den Vereinigten Staaten zu kommen. Aber das Schicksal dieser Leute ist nicht besser als das der anderen. Sie fallen zu­meist bei der Landung ober dem Uebergong nach Mexiko organisierten Räuberbanden in die Hände. Bei der in Mexiko herrschenden Arbeitslosigkeit haben diese Auswanderer selbst dann, wenn es ihnen gelingt, nach Mexiko hereinzukommen, nichts Gutes zu erwarten.

So kann man die Auswanderer nur dringend vor dem Versuch warnen, etwa auf dem Umwege über Cuba ober Mexiko in bie Vereinigten Saaten von Amerika hineinzugelangen, Es verdient auch Erwägung, daß bie Landesgrenze der Vereinigten Staaten streng bewacht wird.

Coolidge und das Wettrüsten.

wtb Wafhington, 10. Ian. (Tel.) Präsident Loolidge ist nach wie vor gegen eine Erhöhung der Reichweite der Geschütze auf den ameri­kanischen Großkampsschisfen. Loolidge ist der An­sicht, daß eine solche Maßregel, wie sie vom Kon­greß vorgeschlagen wurde, ein deutlicher Anschlag aus die Vereinbarungen gegen das Wettrüsten sei, welch letztere Politik von Amerika» auf der Washingtoner Konferenz aufgegeben würde.

Staatsschule?

In diesen Tagen hielt der Preußische Lehrerverein seine Vertreterversammlung in den Mauern Ä aff eis ab. Im Mittelpunkte der Verhandlungen stand das Hauptthema:Die Not­wendigkeit der Staatsschule und die Möglichkeit ihrer Durchsührung." Der Inhalt des Manuskripts der Referent selbst war krankheitshalber verhindert veranlaßt uns, in sachlicher Weise unseren Lesern die katholische Auffassung zu dieser Frage nicht oorzuent- halten.

Auch wir schätzen die innere Einheit der Schule, die Einheitlichkeit der Unterrichtsgrundsätze, des Lehrgutes, die Einheit der Gesinnung zwischen Schüler und Lehrer, zwischen Elternhaus und Schule als die wichtigste Grundlage aller gedeih­lichen Schularbeit. Deswegen unterstützen auch wir die durch Gesetz festgelegte Grundschule. Wir wol­len auch mithelfen, daß alle Schularten fich nach Möglichkeit soweit aneinander anpassen, baß die Uebergänge von bet einen zur anderen erleichtert werden. Wir unterstützen die Forderung, daß allen Kindern des Volkes, die Anlage und Neigung ha­ben, die Möglichkeit geboten wird, höhere Schulen zu besuchen, und daß armen Eltern dieser Kinder Beihilfen gewährt werden. Aber mit aller Ent­schiedenheit lehnen wir die vom P. L. V. geforderte Gemeinschaftsschule ab, welche die Tren­nung nach konfessionellem Gesichtspunkt aufhebt und dadurch die im Interesse der Erziehung und des Unterrichts viel wichtigere innere Einheit gefährdet. Der Erfolg in der Bekenntnisschule wird besser sein, weil zur äußeren die innere Einheitlichkeit hinzu- tritt.

Wir anerkennen auch ein Recht des Staates auf die Schule, aber nach unserer christlichen Staatsauf- fung ist zwar der Staat das machtbeherrschende, äußerlich leitende Organ der Volksgemeinschaft, aber neben ihm stehen gleichberechtigt Familie und Kirche, letztere als die Hüterin der Moral und Reli­gion, daher auch aller ethischen Werte und damit wesentlich unserer christlich-deutschen Kultur. Die Schule ist keine selbständige Lebensform der Natur, sie ist nicht, wenn sie irgendeinen der als Erzie­hungsfaktoren hier in Erscheinung getretenen Le­bensformen der Gesellschaft ausschaltet. Das aber will die weltliche Staatszwangschule, indem sie die Kirche aus der Schule weist. Auch die Gemein­schaftsschule kann diesem Erziehungsfaktor nicht ge­recht werden. Einzig allein ist dies der Bekennt­nisschule möglich. Bei dieser Forderung kann einervölligen Auslieferung der Schule an die Kirche" oder von einerKirchenschule", wie das so schön zum Abschrecken gewisser Kreise geprägte Wort lautet, keine Rede fein. Wir fordern die Bekenntnisschule grundsätzlich und führen für sie religiöse, pädagogische, nationale und auch geschicht­liche Gründe an. Dabei halten wir nur an der katholischen Auffassung von Elternrecht und E l t e r n p f l i ch t fest, und wir weisen mit Ent­schiedenheit jeden Versuch zurück, dieses Recht einzu­schränken ober zu beseitigen, namentlich heute in der Zeit der höchsten Not unseres Volkes und Vater­landes. Darum erkennen wir auch die alleinige Schulhoheit des Staates nicht an." (Münchener Katholikentag).

Friedrich Wilhelm Dörpfeld hat die Unzu­länglichkeit einer reinen Staatsschule auf erzieh­lichem Gebiete einmal mit folgenden Dorten aus- gedrückt:Ein wirkliches Nationalunglück wäre ein reines, von allen Beziehungen zur Kirche los­gerissenes Staatsschulwesen. Will der moderne Staat ohne bie Kirche Schule halten, erziehen, und .den ganzen Menschen erziehen, so traut er sich mehr

zu als er vermag. Der Staat kann der Schule vor treffliche Dienste leisten, aber Vater- und Muttert stelle kann er bei ihr nicht vertreten." So oft wiri) uns von unseren Gegnern oorgeworfen, die Kirche beanspruche die Herrschaft über die Schule, wünsche insgeheim bie Rückkehr der geist­lichen Schulaussicht usw. Wir können wohl offen aussprechen, die kathol. Geistlichkeit fordert ebenso­wenig das Schulaufsichtsrecht zurück als die kathol. Lehrerschaft geneigt wäre, sich wieder unter geist­liche Schulaufsicht zu begeben. Aber wir müssen die Forderung der Kirche als billig anerkennen, wenn sie verlangt, daß der Religionsunter­richt im Auftrage und unter der Leitung und Aufsicht über deren Form eine Einigung mög­lich ist der Kirche erteilt werden muß. Dabei soll sich das Verhältnis der Kirche zur Schule ge­stalten nach den Grundsätzen vertrauensvollen Handinhandarbeitens und freudiger Gemeinschafts­arbeit.

Auf dem Boden der Staatsschule hat die meist links orientierte Lehrerschaft innerhalb des Preuß. L. V. eigentlich immer gestanden. Er kann sich von der Idee nicht frei machen, daß der Staat der alleinige Herr und Gebieter in der Schule sein soll. Daher fein Eintreten für die Gemein­schaftsschule.Ein Volk eine Schule" heißt das so oft gesprochene Schlagwort, bas deshalb nicht stimmt, weil wir als Volk weltan­schaulich keine Einheit bilden, Erziehung aber von bet Weltanschauung nicht getrennt werden kann, auch nicht in der Schule. Alle Drohungen und Lockungen von dieser oder jener Seite hat der christlich-gläubige Volksteil immer nur beantworten können mit dem Worte vom Elternrecht, das leider von der liberalen Lehrerschaft nicht genügend respektiert wird. Wollte man das Elternrecht, das in der $erfaffung zugefichert ist, auf katholische Eltern anwenden, so müßte es lau­ten:Uns find die Kinder von Gott geschenkt, wir sind verantwortlich für ihr zeitliches und ewiges Glück. Da muß uns der Staat das Recht zuge- . stehen, unsere Kinder so zu erziehen, daß wir ein­mal ruhig dem Herrgott selbst Rechenschaft ablegen können. Wenn für unsere Erziehungsarbeit bie Grundsätze des Glaubens und der Kirche maßgebend sind, bann kann und darf der Staat uns nicht zwin- gen, unsere Kinder in eine Schule zu schicken, bie weltanschaulich nicht auf unserem Boden steht und die vielleicht den Glauben, den wir ins Kinderherz pflanzten, wieder aus dem Herzen herausreißt. Wenn der S t a a t uns zwingt, unsere Kinder in eine Schule zu schicken, bann muß diese Schule auch unserer Ueberzengung entsprechen, und unser Ver­trauen besitzen."

Auch auf dem Gebiete der Schule sollte man nicht durch Revolution sondern durch Evolution etwas zu erreichen suchen. Der Reformplan des Deutschen Lehreroereins und seines Führers Tews lassen Verwirklichung ihrer Ab­sichten auf ersterem Wege erkennen. Die von ihnen geforderte Staatsomnipotenz in der Schule erkennt Berechtigung und Wert der außerstaatlichen Erziehungsfaktoren. Und es entspricht nun einmal wirklich nicht der Auffassung vom demokratischen Staat, diese bewußt ausschalten zu wollen. Die Parole soll aber nicht lauten: Der Staat allein ist der Herr der Schule, sondern Jn- tereffierung weitester Eltern- und Volkskreise für die Schul- und Lehrerarbeit, Auswertung der er­ziehlichen und unterrichtlichen Tätigkeit der Schule um freudige Gemeinschaftsarbeit aller Erziehungsfaktoren auch der Kirche zum Äelle der Juaevd. Deutstbland« 2ufun£t (7