Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Julda.
taut# ornu» ,ür di« EchrWeitmi«: Dr- Johanne» Strom er. Anzeigen: I- V arreller, Fulda. Rotationsdruck und Verlas der Fuldaer Actiend,uckerei in Fulda. Feruivrecher 9?r. 9.
Monatlicher 8eiui»»rei»: 1.50 Mk.
Samstag, 10. Januar 1925.
Anreise»»Drei,c LIeiureile (Go'ouci, istcl ü,!-: Ga.dniarl
auswärts 0,20 Uolbwar?: Reklamereile lokal 0.60. Goldmark auswärts 030 Goldmart. ?:
Sei Wiederhol«»!!»« VoNcheckkonto Frankfurt a. M. 4051,
52. Zahrg.
vr. Luther statt Marx?
lieber die im Augenblick noch ungeklärte Lage kn Berlin liegen heute folgende neueste Informationen vor:
In Ergänzung der Meldung, daß Reichskanzler Marx am Freitag die Verhandlungen zur Bildung des Reichskabinetts fortführen werde, teilen mehrere Blätter mit, daß Marx vor feiner Unterredung mit dem Reichspräsidenten sich noch einmal mit der Zentrumsfraktion des Reichstages ins Benehmen gefetzt hat. Die Fraktion habe die Absicht des Kanzlers gebilligt, feine Verhandlungen zur Regierungs- blldung fortzusetzen. Marx hoffe, die Regierungsfrage durch die Bildung eines Kabinetts zu lösen, das sich parlamentarisch lediglich auf das Zentrum und die Demokraten stützt, nachdem es im Laufe des späten Abends dem Kanzler gelungen fei, die Bedenken zu zerstreuen, die Reichsfinanzminister Dr. Luther und Reichsernährungsminister Graf K a n i tz hinsichtlich ihres weiteren Verbleibens in der Regierung gehegt hatten. Im Gegensatz hierzu steht allerdings eine Version, hie sowohl von der „Voss. Ztg." als auch von der „Zeit" verzeichnet wird. Das letztgenannte Blatt schreibt, man werde wohl damit rechnen können, daß im Laufe des Freitag eine andere Persönlichkeit mit der Neubildung des Reichskabinetts beauftragt werde und man fei wohl berechtigt, in erster Linie an den Finanzminister Dr. Luther zu denken, der eine überparteiliche Regierung zu bilden beabsichtige und zwar im wesentlichen durch Berufung von deutsch-nationalen Persönlichkeiten in das Kabinett.
3m Reichstag
beschäftigte man sich in der Sitzung am Donnerstag vor allem mit Mängeln der Geschäfts- ordnung. Gegen die Vorschläge, die Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung zu verstärken, wandten sich in rüder Weise die K o m m u n i st e n. Der neue Reichstagspräsident Loebe trat ihnen erfolgreich entgegen. Am Freitag soll über die Freilassung der festgesetzten kommunistischen Abgeordneten und über die Amnestiearnräge verhandelt werden.
Die Wahl des Landtagspräsidenten die am Donnerstag vorgenommen wurde, hatte folgendes Ergebnis: Abgegeben wurden 430 Stimmzettel. Die.absolute Mehrheit beträgt also 216. Es haben erhalten: Abg. Bartels (Soz.) 142 Stimmen, Dr. v. Kries (Dnatl.) 118: Dr. Porsch (Ztr.) 74, Held (D. Vpt.) 45, Pieck (Komm.) 34, Ladendorff (Wirtschaftspartei) 16 Stimmen, Rehbein (Komm.) 1 Stimme. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, findet Stichwahl zwischen B a r t e ls (Soz.) und v. Kries (Dnatl.) start.
Bei der Stichwahl wurden 426 Stimmen abgegeben. Davon erhielten: Bartels (Soz.) 201, v. Kries (Dnatl.) 178 Stimmen. Die übrigen Stimmen waren ungültig. Der Abgeordnete Bartels (Soz.) ist somit zum Landiagsprüsidenten g e - wählt und nahm das Amt an.
Zum 1. Vizepräsidenten des Landtags wurde durch Zuruf Abg. Dr. v. Kries (Dnatl.) gewählt. Gegen die Wahl des Abg. Dr. Porsch (Ztr.) zuin 2. Vizepräsidenten durch Zuruf erhebt Abg. Wulle (Notsoz.) Widerspruch. Es muß daher Auszählung erfolgen. Der Zentrumsabg. Dr. Porsch wird mit 321 von 407 abgegebenen Stimmen zum 2. Vizepräsidenten gewählt. Als 3. Vizepräsident wird durch Zuruf der Abg. G a r n i ch (D. Vp.) gewählt.
Bei der Wahr der 8 Beisitzer kommt es zü einem scharfen Zusammen st oß zwischen dem Zentrum und den Kommunisten, in dessen Verlauf die Kommunisten die Zentrumsabgeordneten mit „Saupfasfen!" beschinrpfen.
Präsident Bartels erteilt einige Ordnungsrufe.
Auf der Tagesordnung für Freitag steht die Kundgebung des Landtags gegen die Nichträumung Kölns.
jn,iiiwi.u. iiimi——MM ■»i«,i—
Burg Rofenftein.
Eine schwäbische Geschichte von Fritz Ritzel.
19) ---------
An den Felsen wendete sich der Pfad plötzlich nach inks. Stürmisches Entzücken wallte in dem Flüchtling bei dem Anblick auf, der sich ihm bot, und mit jähem Rucke hielt er fein Roß an. Einer überirdischen Erscheinung gleich hob sich aus dem Dunkel eines breiten Felsentores Walburga von Rosensteins Gestalt neben ihrem milchweißen Zelter ab. In ihrem edelschönen Gesichte prägte sich angstvolle Erwartung, und hastig eilte sie dem jungen Ritter entgegen, der vom Rosse gesprungen war und die ihm entgegengestreckte Rechte der Jungfrau mit heißen Kliffen bedeckte. Aber rasch entzog sie ihm ihre Hand und drängte ihn zu ihrem Rosse mit den in fliegender Hast hervorgestoßenen Worten:
„Flieht, flieht, Herr Ritter, so rasch als Euch meine Stute trägt! Ihr kennt den Weg! Dort wo der Tonn beginnt, senkt sich der Pfad zum Tale!"
„Walburga, holdes Engelsbild, — 2hr schützt den Fremden gegen Eure eigenen Brüder?" stammelte Heinz bebend.
,Jhr sollt der Rachbegierde der Wilden nicht gum Opfer fallen! Drum säumet keinen Augenblick! 2)ie Friedegund versucht es, die Verfolger zurückzuhalten, doch wird es ihr für eine kurze Weile nur gelingen!"
„Ihr sorgt um mich, den fremden Mann?" hob der junge Ritter nochmals an, indem er sich wieder der Hand der Iungstau bemächtigte. „So würde Euch mein Tod zu Herzen gehen?"
„Fragt nicht — seht meine Angst und flieht! Vor Gram und Herzeleid würd' ich verzweifeln, wen" Nis Verhängnis Euch ereilte!"
Die Verhandlungen in pari;.
Jn Erwartung eines vertragslofen Zustandes zwischen Deutschland und Frankreich.
Die Sitzung des Reichskabinetts, in der Staatssekretär Trendelenburg über den Gang der Pariser Handeksoertragsverhandlungen berichtete, dauerte bis nach 1 Uhr nachts. Wie den Blättern zufolge verlautet, reist Trendelenburg am Freitag nach Paris zurück. Wie die „Voss. Ztg." wissen will, soll das Reichskabinett auf Grund des Berichts des Staatssekretärs Trendelenburg zur Ablehnung des von Frankreich vorgeschlagenen p r c - visorischen Handelsoertragsent- w u r f s gekommen fein. Durch diesen Beschluß sei, wie das Blatt bemerkt, die Tatsache gegeben, daß vom 11. Januar ab gegenüber Frankreich in handelspolitischer Beziehung der Vertrags- lose Zu st and eintreten werde und von beiden Seiten der autonome Zolltarif angewandt werde. Die Verhandlungen in Paris nahmen unter Leitung Trendelenburgs auf deutscher Seite ihren Fortgang und zwar sei bereits für Freitag nachmittag eine Vollsitzung der beiden Delegationen angesetzt, m der die beiderseitigen Sachverständigen für Keramik, Hol- Papier und Uhren über das Ergebnis ihres i «origen Meinungsaustausches Bericht erstatten wurden.
Um die Befreiung Kölns.
Eine ans Vertretern der besetzten Gebiete 5e» stehende Abordnung begibt sich nach Berlin, um der Reichsregierung die Auffassung des besetzten Gebiets über die Nichträumung der Nord- zone znm Ausdruck zu bringen.
In Köln fand eine große Kundgebung gegen bi; weitere Besetzung statt.
Deutsche; Reich.
* DaS bayerische Konkordat. Der DerfassnugL- ausschuß des Bayerischen Landtages hat dem Konkordat und den Verträgen mit den evangelischen Landeskirchen mit 16 zu 12 Stimmen bei ccher Stimmenthaltung zngestrmmt.
Ausland.
* Afrika und die „nationale Verteidigung" "tonk- reichs. Marschall Petain, der mit der Mission betraut ist, die Hilfsquellen aller Art des zu Frankreich gehörenden westlichen Teils von Afrika zwecks Nutzbarmachung sirr die nationale Verteidigung zu prüfen, wird sich von Marseille au? am 10. Januar nach Dakar einschiffen. Seine Reise wird etwa zwei Monate dauern.
* Der Zustand der Wrangelflotte. Nach einer Meldung aus Marseille ist bte mit der Unter- suchung der Wrongelflotte betraute Sowjetkommission von Bizerta nach Marseille abgereist. Heber das Ergebnis der Untersuchung liegen keine Nachrichten vor, doch ist nach HavaS anzunehmen, daß die Wrangelflotte absolut außerstande ist, in See zu gehen. Die Schiffe könnten sogar ohne Schlepper nicht in russische Häsen gebracht werden. Es seien also sehr weitgehende Reparaturen notwendig, um die Schiffe seefähig zu machen. Man wiffe noch nicht, ob diese Kosten aufgewandt werden würden, oder ob man es vorziehen werde, die Schiffe an Ort und Stelle zwecks Demolierikug z u verkaufen.____
— Vie deutsche Industrie und do; Ausland. Die Firma Krupp bat sich, wie verlautet, bei der Vergebung von Aufträgen der indischenEisenbahnen eine beträchtliche Anzahl von Verträgen für Achsen und Räder gesichert.
Natholische Welt.
— Korn. Der Papst hat Kardinal Fruhwirth zum Ober-Pönitenziar ernannt. — Monsignore Pacelli ist hier eingetroffen.
Der neue fltifroedung;pl«n.
Dieser Tage sind Mitteilungen bekannt geworden über einen neuen Aufwertungsplan, der im Reichsfinanzministsrium ausgearbeitet worden fei. Es handelt sich um einen neuen Plan um deswillen, weil in der ursprünglichen Erklärung ' des Reichsfinanzministers Dr. Luthe r in, Auswertungsausschuß lediglich die soziale Aufrver- ? hing vorgesehen war. Sie umschloß also nur die i Aufwertung derjenigen Stücke, die sich in den Händen der Bedürftigen, die durch die Geldentwertung ! am meisten in Mitleidenschaft gezogen waren, be- ! finden. Nun sieht der jetzt zur Erörterung stehende | Aufwertungsplan die Aufwertung schlechthin | für alle vor einem bestimmten Termin erworbe- i nen Anleihestücke vor. Als solcher Termin ist der ! 1. Juli 1920 angegeben. Es würden also alle cor I diesem Termin erworbenen Anleihestücke von der Aufwertung begünstigt, alle nach diesem Termin erworbenen Werte ausgeschlossen und würden in ihren Ansprüchen verwiesen auf die Bestimmungen der 3. Steuernotverordnung, wonach eine Aufwertung erst nach Abgeltung sämtlicher Reparationsverpflichtungen vom Reich in die Wege geleitet werden soll. . Außerdem sieht dieser Plan des Reichsfinanzministeriums bereits ein bestimmtes Umtauschverhältnis der alten Stücke zu einer zur Beschaffung der für die Aufwertungsabgeltung notwendigen Beträge zu schaffenden neuen Reichsmarkanleihe in ®oß) vor. Und zwar solle der Umtausch derart vollzogen werden, daß auf 100 alte Reichsmarkanleihe 5 neue Reichsmark kämen.
Dieser Plan ist leider durch eine Indiskretion vorzeittg in die Oeffentlichkeit gekommen, aber die Erwartung, daß nun sofort eine große Hauffe in Renten und Anleihen einsetzen würde, ist doch getäuscht worden. An sich hätte in der Tat von der Veröffentlichung dieses Planes ein sehr starker Auftrieb der Kurse der Reichsanleihen einsetzen müssen, wenn irgendwelcher Grund für die Annahme vorhanden gewesen wäre, daß er auch tatsächlich durch gesetzgeberische Faktoren verwirklicht würde. Denn darüber muß man sich doch vollkommen im Klaren fein, daß der Umstand, daß nur die vor dem 1. Juli 1920 erworbenen Stücke der Reichsanleihe aufgewertet werden sollen, absolut nicht dagegen sprechen würde, daß nun auch die Kriegsanleihe als solche spekulative Kursgewinne erzielte. Denn in Börsen- und Finanzkreisen weiß man nur zu gut, daß gerade die Festsetzung eines derartigen Termins geriffelten Betrügern die schönste Gelegenheit zu Schiebungen geben würde. Die Erfahrungen, die man nach dieser Richtung hin mit den früher einmal abgegebenen schriftlichen Erklärungen von Banken usw. über die Selbstzeichnung von Anleihen zu Steuerzwecken gemacht hat, sind lehrreich genug. Man muß auch weiter sich darüber Rechenschaft geben, daß es, nicht nur weil etwa Bestimmungen des Friedensvertrages Hemmungen schaffen, sondern auch aus anderen Gründen ganz unmöglich wäre, etwa eine Unterscheidung in der Behandlung derjenigen Kriegsanleihestücke vorzunehmen, die im Inland gekauft sind. Und hier sehen wir die allerschlimmste Klippe in den erwähnten Entwürfen. Denn welche Stelle wollte nachprüfen, und welche vermöchte es auch nur, ob die von auswärtigen Banken und anderen Stellen abgegebenen Erklärungen, daß der Anleihebesitz eines auf die Aufwertung Reflektierenden taffächlich vor dem 1. Juli 1920 gekauft ist, richtig find oder nicht.
Es würden also in der Tat noch sehr eingehende Prüfungen notwendig sein einmal, ob auf den gekennzeichneten Grundlagen überhaupt ein solcher Plan aufzubauen ist und zum zweiten, ob die notwendigen Sicherungen gegeben sind, die zweifellos guten Absichten, die dieser Entwurf verfolgt, zu verwirklichen. Aber die Erörterung all dieser Dinge zeigt wieder einmal die ungeheuren Schwierigkeiten auf, die jedem Aufwertungsplan im Wege stehen.
„So bin ich Eurem Herzen teuer. Holde?"
„Habt doch Erbarmen, edler Mann, und flieht! Hört Ihr nicht aus der Ferne das Geheul der Meute? Sie nahen, die Verfolger!"
Von seinen stürmischen Empflndungen übermannt, zog der junge Ritter die Jungfrau an seine Brust und küßte die nicht Widerstrebende auf den Mund. Aber wie entsetzt ließ er sie in dem nächsten Augenblick ans den Armen. ' An dem schneeweißen Halse der Heißgeliebten hatte er ein kleines Muttermal gesehen — das Muttermal, das fein verlorenes Schwesterlein trag, von dem die alte Friedegund gesprochen hatte.
„Ich weiche nicht von hinnen Walburga, bis ich eins weiß!" stieß er keuchend hervor. „Im Kloster unserer lieben Frau in Heubach habt Ihr die erste Kinderzeit verlebt?" — —
„Wie ich Euch schrieb!" erwiderte die Jungfrau mit fliegendem Atem. „Fünf Monde war ich alt, als man d'en frommen Schwestern mich vertraute! Doch fragt nicht länger — auf zu Roß — auf Eurem Braunen leit' ich die Verfolger irre!"
Und behend schwang sie sich auf des Ritters Pferd und trieb dasselbe mit Gertenschlägen zu raschem Laufe au. Fast war sie an dem Saum des nahen Tannenwaldes angelangt, als Heinz den Zelter der Jungfrau bestieg und in rasender Eile nachjagte. In wenigen Augenblicken . war er an der Seite der Reiterin, die mit -der Gerte nach e-nem halblinks durch den Tannenwald abwärts führenden Weg deutete und mit lauter Stimme .rief:
„Dort reitet ihr hinab — lebt wohl, auf Wiedersehen!" i , '
E? »er die höchste Zeit. Das Kläffen der-verfolgenden Hunde klang beängstigend näher und -immer näher; im Verlause von wenigen Minuten mußten sie die Felsengruppe des „finsteren Lochs" erreicht haben.
Die qualvolle Erregung seines Inneren in diesem Augenblick der höchsten Gefahr mit starkem Willen niederzwingend, drängte Heinz von Horn sein Roß dicht an das der Jungfrau und rief ihr mit bebenden Lauten zu: „Leb' wohl du Einzige, auf Wiedersehen! Bei meinem ritterlichen Worte schwör ich dir: In kurzer Frist kehr' ich zu dir zurück und hol dich herab vom Rosenstetn, um in der Mutter Arme dich zu führen!"
Dann lenkte er den Zelter nach links. Mit den Hufen kaum den Boden berührend, flog das edle Tier dahin und verschwand mit seinem Reiter in den nächsten Augenblicken an einet Wendung des Weges, während die Jungfrau auf dem über den Höhenkamm laufenden Pfad weiter jagte.
8. Kapitel.
Die Weihdombüsche, welche in der Tannenschlucht, unweit der Köhlerhütte des alten Mainrod Schlicht, den sprudelnden Waldbach einrahmten, schimmerten in schneeiger Blütenpracht; an dem die steilen Hänge des Engtales bedeckenden, verworrenen Buschwerk zeigte sich neues, zartes Grün, und Schneeglöckchen, Anemonen und Erdbeersterne reckten ihre zarten Köpfchen aus dem feuchten Grunde hervor, neugierig nach dem goldenen Sonnenlicht lugend, das vom wolkenlosen Firmament auf die.sich wieder verjüngende Erde herabstrahlte. Das schmelzende Flöten der Amsel aus dem Waldesgrunde einte sich mit dem schmetternden Schlag der Finken, dem fernen Ruf des Kuckucks und dem jiibilierenöen Tirilieren all der anderen Waldessänger in Busch und Hag zu einem Dankhyinnus an den Lenz, deß linder Odem nach harter > Wintersnot alle schlummernden Triebe zu neuem Leben erweckte, und der hungernden Kreatur aus feinem unerschöpflichen Füllhorn erquickende Gaben spendete.
In voller Pracht wer der Mai in das Land ge- jogen und hätte wie 'eit »rev>'«»n Zeiten Hain und
Der Knanzstandal.
Ohne daß es bisher der breiten Oeffentlichkest möglich gewesen wäre, näheres über die Grundlagen des staatsanwaltfchaftlichen Vorgehens gegen die Berliner Finanzkonzerne zu erfahren, dehnt sich der Skandal immer mehr aus.
Wie der Berliner „Lokalanz." zu melden weiß, soll die mit der Untersuchung in Sachen des 23ar« inat-Konzerns beschäftigte Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auch auf den Reichspostmini- ft e r Dr. Höfle, den Zentrumsabg. Lange- Hegermann, den Ministerialdirektor im preußischen Ministerium des Innern A b e g g, den Polizeipräsidenten von Berlin Richter, dessen Privatsekretär Stöcker sowie auf eine Reihe anderer Persönlichkeiten ausgedehnt haben. Minister Se- vering soll, wie das Blatt weiter meldet, den Berliner Polizeipräsidenten Richter in den nächsten Tagen von seinem Berliner Posten abberufen wollen.
Der Berliner „Lokalanzeiger" ist keine ganz ungetrübte Quelle. Jedenfalls steht fest, daß Dr. Höslc und Lange-Hegermann von dem Vorstand der Zentrumspartei gebeten worden sind, vorläufig ihr Abgeordnetenmandat (Höfle ist bekanntlich im Wahlkreis Thüringen gewählt) nicht auszuüben. Postminister wird er auf keinen Fall wieder werden. Daß die beiden Abgeordneten ihre Mandate bereits endgültig niedergelegt hätten, wie vielfach gemeldet wird, trifft n i ch t zu.
In einer Mitteilung erklärt Reichspostmtmster Dr. H ö f l e, daß der von der Reichspoftverwaltung dem Barmatkonzern zur Verfügung gestellte Kredit von 14,5 Millionen durch ein Effekten- und Wech- seldepot fichergestellt und außerdem bet ’ 17 in- und ausländischen, von Sachverständigen anerkannten Versicherungsgesellschaften voll versichert ist. Entgegen einer Behauptung des „Tag" wird m der Mitteilung festgestellt, daß dieser Betrag auf durchaus ordnungsmäßigem Wege der Deutschen Gtro- Zentrale in Berlin übermittelt worden ist, die ihn als Treuhänderin der Post an den Barmat-Konzern weitergeleitet hat. Nach der Mitteilung ist schlteß- lich die Darstellung über die Tätigkeit des Zentrumsabgeordneten Lange-Hegermann frei er» funden. _____________________
Die Kommunisten in Italien.
Neue Gewalttaten.
Wtb Rom, 8. Jan. (Id.) Wie aus Genua berichtet wird, wurde dort bd Haussuchungen eine vollständige Liste der kommunistischen Partei und eine Reihe wichtiger Dokumente gefunden. Jn Rimini wurde ein Milizsoldat während des Dahuwachtdienstes überfallen und mit seinem eigenen Gewehr niedergeschlagen. Es gelang ihm jedoch, durch dnen Revolverschuß sdnen Gegner niederzuzwingen, einen bekannten kommunistischen Maurergesellen.
Heues aus Albanien.
Ein katholischer Bischof als Außenminister?
Wtb Rom, 9. Jan. (Tel.) Die „Ageuzia di Roma" meldet, daß die neue albanische Regierung das Ministerium des Aeußem dem k a t h o lisch e n B i f ch o f von Ranrina, Lolezzi, angeboten habe, daß es aber zweifelhaft fei, ob die kirchlichen Autoritäten zustimmen würden. Das Heer soll durch eine nationale Miliz ersetzt werden.
Soziales.
- Mn bet wohlfahrtrschult der Stabt K51n b®0tnnt im April d. I. em neuer Lehrgang zur AuS- bildung von staatlich anerkannten Wohl» fahrtSpslegerinnen, und zwar fur die tzaupt- gebiete: Gesundheitsfürsorge, Jugendwohlfahrtzpflege und wirtschaftliche Fürsorge. Nähere Auskünfte durch die Direktorin Dr. Amalie Lauer. Anmeldungenjmb bis zum I. April 1925 an das Sekretariat der Schule, Köln, Rhemaustr. 3, einzusenden.
Flur auf das herrlichste für die Menschenkinder geschmückt, unbekümmert darum, daß diese anstatt sich nnt dankbarem Herzen der Gaben des allgütigen Schöpfers in Frieden zu erfreuen, in blindem Hassen gegeneinander wüteten, und das ihnen verliehene Paradies mit ruchlosen Taten schändeten.
Unerhört waren die Gewalttaten, deren stch in den letzten Monaten die auf ihren festen Schlössern im Aal- buch sitzenden Rttter, besonders die Brüder von Rosenstein, schuldig gemacht hatten. Den von König Rudolf von Habsburg gebotenen Landfrieden offen verhöhnend, plünderten und brandschatzten sie jeden Wanderer, jeben Kaufmannszug, die sich in die Nähe ihrer Burgen wagten, wobei sie weder Habe noch das Leben der Ber- gewaltigten schonten. Ais man aus Furcht ihre Gebiete mied, dehnten sie ihre Raubzüge weit in die umliegenden Lande aus. so daß, wie vor einem Jahrzehnt, tn der kaiserlosen Zeit, in einem großen Teile des schönen Schwabenlandes Angst und Schrecken herrschten, die den friedlichen Bürger und Landmann nicht zu ruhigem Auf. atmen kommen ließen.
Mainrad Schlicht und seine Enkelin empfanden von diesen Schrecken nichts. Ihre Armut und der Umstand, daß ihre Wohnstätte abseits aller Verkehrswege lag, schützte sie vor jeder Vergewaltigung. Die Ritter von Rosenstein kümmerten sich nicht viel um sie. Mciinrad entrichtete pünktlich die ihm auferlegten Gefälle und Zehnten in Gestalt von Kohlen, Pech, Arzneiwurzeln und dergleichen, stand zudem in dem Rufe, daß er mir Waldgeistern, Kobolden und Schrättelein Umgang pflege — da ließ man ihn in Ruhe, wollte man nicht Gefahr laufen, daß er mit Hilfe seiner Unholde irgendeinen bösen Schabernack-gegen die Burg und ihre B-wohner verübte. In stiller Einförmigkeit flössen die Tage des alten Köhlers und des schönen Trudeleins dahin.
/Fortsetzung folgt.)