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Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda. Amtliches Arelsblakk.

Itrierte

Nr. 300.

Erscheint sechsmal wöchentlich Wochenbeilage. „3lluftrü.„ Beilage' und „Buchenblätter- Rotationsdruck und Verlag der Rulboet Nctiendruckerei In Fulda Fernsprecher Nr. 9.

Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk

Mittwoch, 29. Dezember 1926.

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Iahrg.SZ.

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Die internationale Rechte.

Der bekannte ftanzösische Pubsizist Baron Ro­bert Fabre-Luce hat sich in der vorigen Woche in den „Münchener Neuesten Nachrichten" näher über seinen Plan der Gründung einer internationalen Partei der neuen Rechte „La Droite Nouvelle" ge­äußert. Schon das erste Dekanntwerden seiner Pläne har in Deutschland ein vielstimmiges Echo geweckt, da Fabre-Luc« bei unS kein Unbekannter mehr ist und durch manchen feinsinnigen Aufsaß der poetischen DerständiqungSarbeit zwischen Deutsch­land und Frankreich gedient hat. Bisher ist in Europa die Idee deS Pazifismus und der über- rationalen politischen Ordnungen immer mehr bei den links gerichteten Parteien zu Hause gewesen, »ernt man von der feudalkatholischen Strömung ab- sehen will, die hinter der Wiener Wochenschrift „Schönere Zukunft" steht, und die die Ideen des nittelalterlischen Heiligen Römischen Reiches Deut­scher Nation für die Gegenwart wieder fruchtbar nachen möchte. Fabre-Luce hat es als einen star- len Mangel empfunden, daß die völkerverbindende Friedensidec in Europa bei den konservativ ge­richteten Kreisen so wenig Eingang gefunden hat, »aß man beispielsweise in Frankreich Klerikalis- nus und Nationalismus fast gleichsetzen kann, und liefern Mangel möchte er abhelsen.

Von den mannigfaltigen Kommentaren der deut- then Presse zu diesen Gedanken einer Internatio­nalen der Rechten muß natürlich die Meinung der deutschen Rechtspresse das lebhafteste Interesse er­wecken, denn sie hat für das Wort „international" in der Politik bisher nicht die geringsten Sympa­thien besessen, und wo sich in den Kreisen, die sie vertrat, Beziehungen und Bindungen internatio­naler Art angebahnt haben, sei es zwischen den Monarchen, sei es in der Industrie ober Landwirtschaft, so ist sie darüber immer mit einem sorgfältigen Schweigen hinweggegangen. Daß starke katholische Kreise monarchistischer Prägung den Weg zu den nationalistischen Parteien in Deutschland gefunden haben, die natürlich den über- nationalen Charakter ihres Katholizismus aus der Politik nicht auSzumerzen vermochten, hat ebenso­wenig diese Presse bisher veranlassen können, einer übernationalen Betrachtungsweise der politischen Dinge größeres Entgegenkommen zu beweisen. Aber Fabre-Luce hat plötzlich Aufmerksamkeit gefunden, wahrscheinlich auch deshalb, weil die Entwicklungen in der Wirtschaft und der Politik mit ihrem Tat­sachenbestand über alle natwnalistische Engherzig­keit bereits energisch hinweggeschritten find.

Wir erwähnen von den Rechtsstimmen einen Ar­tikel aus dem „Gewissen" vom 6. Dezember 1926 „Internationale Politik der Nationalisten" von Werner Best. Dieser Artikel nimmt die Gedanken von Fabre-Luce grundsätzlich sympathisch auf, weil sie angeblich nicht von schwächlichen pazifistischen Grundbestimmungen auSgeyen, sondern von einem starken nationalen Wollen. Die meisten „internatio­nalen" Unternehmungen seien Werkzeuge deS Volks» betrugs und Vermittler fremder Einflüsse auf unser Volk gewesen. Der Pazifismus hätte sich aus hysterischer Feindschaft gegen alles Deutsche zum offenen Landesverrat entwickelt. Auch „Paneurckpa" sei gerichtet, da seine Väter ihre Ewigkeitsschöpfung auf einem politischen Gegenwartsmstand aufbauen wollten, dessen grundsätzliche Aenoerung die Vor­aussetzung für eine Gesundung deS zerrissenen, von unzähMgen Unruheherden bedrohten Erdteils sei. Di« katbolislbe Äbendtandbewemmg, deren Ver­ständnis durch chren konfessionellen Charakter und durch ihre Vvranstellung religiöser uuo tmtureuer Forderungen ohnehin erschwert sei, habe noch nicht mit der wünschenswerten Klarheit zu den politischen Grimdftagen, zu der großen Wunde von Versailles, Stellung genommen. Schließlich erweckten alle Ver­suche wirtschaftlicher internationaler Verbindungen den Verdacht, daß sich alle Völker die schwächer seien, zu wehren hätten. Aber mit Robert Fabre- Luce sei eS anders. Er bekämpfe den Versailler Vertrag und verlange, — gerade damit ermögliche er es den deutschen Nationalisten, seiner Politik praktisch näherzutreten —, daß Deutschland von sei­nen Fesseln befreit und feine Souveränität und Gleichberechtigung anerkannt werde. Er billig« den Zusammenfchmß aller Deutschen Mitteleuropas im Reiche, wenn sie es wollten. Er erftrebe soweit tote möglich eine Interessengemeinschaft der freien europäischen Staaten. Nicht um unseretwillen, auch nicht weil er an die Verwirklichung abstrakter Ideen, wie Verständigung, Paneuwpa, Menschheit glaube, er wisse, daß gerade für Frankreich aus der ver­derblichen Ordnung Europas die schwersten Ge- fahren drohen. Er sei ein Nationalist und stimm« den deutschen Mindestforderungen zu.

Was Werner Best sagt, gibt allerdings die Fabre-Luce'schen Gedankcngänge, röte sie in den „Münchener Neuesten Nachrichten" niedergelegt wor- den sind, nicht ganz wieder. Wenn er sich bei ferner europäischen Parteigründung aus die Rechte stützen will, fo tut er das nicht deshalb, weil er Nationa­list wäre, sondern weil er in ihr di« energischsten Kräfte sieht, um Kriege zu verhüten. Er will den Kampf gegen den Krieg den vermeintlich schwäche­ren Kräften der Sozialdemokratie und Linksdemo, kraten nicht allein überlassen. Und so sagt er denn: Di« „Droite Nouvelle" erscheint zuerst als eine französische Angelegenheit. Ich habe sie aber von Anfang an nur als eine europäisch« Bewegung angelegt, da sie nur als Opposition gegen die alte Pseudo-Rechte in Frankreich aus praktischen Grün­den nicht existieren kann. Die „Drvfte Nouvelle" ist satzungsgemäß eine europäische Partei für die Zusammenarbeit der verjüngten RechtSgruppen. Das bedeutet die Idee deS europäischen Friedens."

In Deutschland sicht daS Erscheinen einer Mo° natsschrüt in deutscher Sprache bevor, die der von ihm in Paris gegründeten Zeitschrift „Vers I' Uni- tä" entsprechen soll. Nun muß man abwarten, ob

Dr. Luther Reichswehrministcr?

genug europäischen Geist diese Bewegung einmün-

Die B. Z. rechnet aß interessanten Vorschlag zur Lösung der RegierungSklift, daß das Reichs­wehrministerium im kommenden Kabinett dem ehemaligen Reichskanzler Dr. Luther angeboten werden soll.

die deutschen RechtSkrelse aufbringen werden, um in

Die Kämpfe in Nicaragua.

„Evening Post" meldet aus Washington, Staats- fetretär Kellogg habe sich über eine P^itik der Nichteinmischung in Nicaragua ausgesprochen, ab­gesehen von den zum Schutze des Lebens und Ei­gentums von Amerikanern notwendigen Maß­nahmen. . -

„Assicictted Preß" berichtet aus Managua, daß die ganze Ostküste Nicaraguas als neutrale Zone erklärt worden sei.

*

Der Pariser Gesandte von Urugu an demen­tiert die von einigen Morgen blättern veröffentlichte Nachricht von angeblichen militärischen Unruhenin Uruguay. ' '

Aus New 7) ort wird gemeldet: Der Dor- sitzende des Marineausichuffes des Repräsentanten. Hauses Butter forderte in einer Rede, daß die Ver­einigten Staaten eine neue Flotte erbat- t e n sollten. Er erklärte, er wolle nachdrücklich auf den Kongreß einzuwirken versuchen, um ihn zur Annahme der von dem Marineausschuß aufgeftetb ten Programmes zu veranlassen. Die Vereinigten Staaten hätten durch den Washingtoner Vertrag die besten Kriegsschiffe, die je gebaut wurden und die einen Wert von 30 Millionen Dollar darstellten, verloren und es würden jetzt 50 neue Kriegsschiffe notwendig fein mit einem Kostenaufwand von über 400 Millionen Dollar, damit Amerika wieder fei­nen früheren Rang einnehme.

* Tod deS belgischen KolonialminifterS. Kolonial- Minister Pecker ist gestorben.

* Der holländische Innenminister in Doorn. Aus Amsterdam wird gemeldet: Minister des Innern Dr. Kon stattete auf HauS Doorn einen Besuch ab, wo er mit dem früheren Kaiser und dessen Ge­mahlin eine Unterredung hatte.

• Zur Kabinettsbildung in China. Wie die Agentur Jndo Pazific au8 Peking meldet, soll in dem neuen Kabinett, daS jetzt gebildet wird, Schi Nun Teng präsidieren, der als Vermittler zwischen den Nord- und Südchinesen gilt. Der Sturz Wup- NM scheint entgüttig zu sein.

* Abg. Garnich f. Im St. vedwigSkronkenhau» in Beilin starb der volkSPartftliche LandtagSabaeord- nete und Vizepräsident deS LanvtaoeS, Gch. Regie» runaSrat Huao Garn ich. Der Verstorbene, der im 52. Lebensjahre stand, litt seit längerer Zeit an einer Blasenei krankung, die schließlich eine Operation notwendig machte. — Mandatsnachwlger deS ver­storbenen Vizepräsidenten deS preußischen Landtags, Garnich, ist nach der Kandidateni,ste der Berliner Justizrat und deutsch-volksparteiliche Vertreter im StaatSrat, HallenSleben.

Die (Entwaffmmgsfragt.

Die kn der französischen Presie verbreitete Rvch- rtcht, General v. Pawels habe einen Brief an den Vorsitzenden des Interalliierten Militärkomitees in Versailles gerichtet, kann als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet werden. Dagegen kann be- richtet werden, daß alle Fragen, die sich auf die Entwaffnung beziehen, und die mit der Botschaf» terkcmferenz zu regeln waren, bis auf die bekann­ten zwei strittigen Punkte, d. h. die O st b e f e st i- gungen und das Kriegsmaterial, beige­legt sind, und daß über diese beiden letzten Punkte ein Notenaustausch erfolgt ist und zum Teil noch durchgeführt wird. General v. Pawels wird in den ersten Januartagen nach Pari» zurückkehren, um die Verhandlungen mit den mllitärifchen Sach, verständigen und den Mitgliedern der Botschafter- konferenz zum Abschluß zu bringen. In französi- scheu beteiligten Kreisen nimmt man an, daß ein« (Einigung über diese beiden Punkte mit der Bot- schafterkonferenz bis zu dem festgesetzten Termin am 31. Januar erfolgen kann, sodaß der Völker- dundsrat jedenfalls keine Veranlassung haben wird, sich hiermit zu beschäftigen.

Unterstützung eines Berufsstandes als solchen, als um die Erhaltung der Ernährungs­basis unseres deutschen Volkes. Die deutsche Landwirtschaft selbst schreite zielbewußt und allen Schicksalsschlägen trotzend zur Durchführung ihrer Aufgaben.

Der Minister ging dann im einzelnen auf die Hilfs- und Förderungsmaßnahmen ein, die auf diesem Gebiet gerade seitens des Reichsernährungs­ministeriums in letzter Zeit getroffen find, und fuhr fort: Wollen wir unsere politisch« und wirtschaft­liche Selbständigkeit wiedergewinnen, so müssen wir in erster Linie besorgt sein, uns auf dem wich­tigen Gebiete der Dolksernährung von der Macht und der Spekulation des Auslandes möglichst unabhängig zu machen. Die Parole: Deutsche kauft deutsche Waren! müssen Sammelruf werden für alle diejenigen, denen das Wohl und die Zu­kunft des deutschen Volkes am Herzen liege. Das Ziel muß dabin gehen, Erzeuger und Verbraucher, Dauer und Arbeiter, Industrie und Handel, kurz alle Schichten unseres Volkes zu einer einzigen gro­ßen, ihrs gemeinsamen Interessen erkennenden Ar­beitsgemeinschaft zusammenzuschließen zum Schutze und zur Förderung der nationalen Produktion, zur Wied'ererstarkung unserer Wirtschaft und unseres Vaterlandes.

Beamtenforberurigen.

Beim Wiederzufammenttitt deS Reichshaushakts- au8i*uffe8 wollen die Beamtenorganisationen, wie aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, da­rauf hinwirken, daß btS zur grundsätzlichen Neu- regelung r>et BesoltwngSordnung die als Weihnacht- beibilfe bewilligte Sonderzulage weitergezahl wird.

Sur Landauer Begnadigung

schreibt die „Deutsche Allgemeine Zeitung":

„Wir haben von diesem Schritt schon gesagt, daß er als A n f a n g einer Umkehr zu werten und als solcher zu begrüßen fei, wenngleich der Freispruch Rouziers selbst noch ungesühnt ist. Ohne die Akten einzufordern oder andere, juristisch viel­leicht vertretbare, aber polftisch unzweckmäßige Derzögerungsmaßnahmen anzuwenden, hat das französische Kabinett unter Eingriff in ein schwe­bendes Verfahren die Begnadigung durchgeführt. Sein Vorgehen kennzeichnet sich dadurch als ein po- Mischer Akt, der sich ohne Zweifel auch gegen den Burschen Rouzier richtet; denn die „Begründung" für besten Freispruch lag doch darin, daß er an­geblich in Notwehr gehandelt habe. Wa, nun Rouzier selbst betrifft, fo würden wir es für zwecklos halten, daß jetzt von deutscher Seite auf Vesten disziplinarische Bestrafung gedrungen würde. Gerade die Erledigung des Falles hinsicht­lich der Deutschen zeigt vielmehr, daß der Kern des Hebels in der Fortführung der Be­satzung siegt. Darum wäre es verfehlt, sich in Einzelforderungen zu zersplittern. Man muß den größten Nachdruck immer wieder auf das klare Verlangen legen: Schluß mit der Se­fa fe u n g I"

Der Arbeitsmarht in Frankreich.

Der französische Arbeitsmarkt legt dem Mini- fterrat eine Statistik über die Arbeitslosigkeit in Frankreich vor. Danach überschreitet die Zahl der Arbeitslosen in Paris nicht 10 000 und die in den Departements nicht 30 000. Der Minister gibt die besonders von dem schlechten Geschäftsgang betrof­fenen Industriezweige an, damit im Rahmen des möglichen diese Arbeitslosen bei öffentlichen Arbei­ten Beschäftigung finden können.

*

Da« französische Innenminlsteickum eeröffent« licht das (Ergebnis der im März dieses Jahres vor­genommenen Volkszählung. Danach beläuft sich die Zahl der zu diesem Zeitpunkt festgest-llten, in Frankreich ansässigen Personen auf 40 743 851, davon sind 2 498 230 Ausländer. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 1921 wurde die Zahl der in Frankreich wohnhaften Personen mit 39 209 660 festgestellt. Bei dem Bevölkeningszuwachs ent­fallen eine halbe Million auf die Franzosen und mehr als eine Million auf die Ausländer. Da» dichtest bevölkerte Departement, das der Seine, wird von 4 628 637 Franzosen und 423 784 Aus- ländern bewohnt.

* Pension für den Pnisch-^ührer. Wie erinner­lich, hatte der milbärndbe Führer des Kapp-Hnter- nehmenS, General v. Lüttwitz, gemeinsam mit dem gleichfalls an diesem Putsch beteiligten ehemaligen übrer der „Eisernen ®iigabe* im Baltikum, Major Bischoff, nach seiner im vorigen Jahre erfolgten Amnestierung da» Reichswehrministerium auf Zahlung und Auswertung ferne» wegen Teil­nahme an dem hochverräterischen Unternehmen ge­sperrten Gehalte« verklagt. B.ide begründeten ihren Anspruch damit, daß durch die Amnestie auch die vermögenSrechtsichen Voraussetzungen für diese Forde­rung gegeben seien, während da» Reichswehrm niste« riunt sich auf den Standpunkt stellte, daß die hoch­verräterische Betätigung der beiden Offiziere sie zu keinerlei Ansprüchen auf Rückzahlung der gech rrten Gehälter berechtige. Der Prozeß, der eine Zwil- kawmer be» Landgerichts I lange Zeit beschäftigte, da Beweise erhoben und Gutachten eingefoibert wurden, ist jetzt gugunften ber fl läget entschieden worden, da da» Gericht sich in der rechtlichen Be­urteilung auf die Seite des Generals v. Lüttwitz und des Major« Bischoff stellte und das Retchs- Wehrministerium zur Zahlung und Auswertung bet Gehälter verurteilte. Das Mintsterium Hai natürlich gegen biese sonderbare Entscheidung Be­rufung beim Kammergericht eingelegt. — Wer daS Staunen bisher noch nicht verlernt hat, wird es doch jetzt bald verlernen?

* Zum lobe des Mikado. Die Leiche des Kai­sers von Japan wurde aus dem Schlöffe Hayama in feierlicher Weife nach dem Palast in Tokio überführt. Eine unübersehbare Menschenmenge erwartete in der Hauptstadt entblößten Hauptes und zum Teil knieend den Trauerzug.

Todesurteile in Kowno.

Das „B. T.“ meldet aus Kowno: Die politische Polizei übergab im Zusammenhang mit den k o m- rnunistischen Verhaftungen der letzten Tage sechs aktive Kommunisten dem Feldgericht und stellte sie unter Anklage der Zugehörigkeit zur Ter­rorgruppe der in Litauen verbotenen Kommunisti­schen Partei. Das Feldgericht oerurteirte vier der Angeklagten zum Tode. Das Urteil wurde sofort vollstreckt. Unter den Erschossenen befindet sich einer namens Griffenberg, der deutscher Ab­stammung ist. Die übrigen beiden Angeklagten wurden zu hohen Zuchthausstrafen, der eine sogar auf Lebenszeit, oerurtei^

Wtd Memel, 28. Dez. (Eltz. Funkm.) Wie aus Kowno gemeldet wird, trifft die Slättermelbung, daß die vier vom Feldgericht zum Tode verurteil­ten Kommunisten bereits erschossen worden sind, nicht zu. Senatsvräsident Smetona bat die Verurteilten auf das Gesuch einer Abordnung hin begnadigt und die Todesurteile aufgehoben.

d«n zu können.

* Neujahr-empsang beim Reichspräsidenten. Am 1. Januar 12 Uhr mittag» findet «in großer Em­pfang beim Reich-Präsidenten für da» grämte d p!o- matifröe Corps statt, ba» bei bieser Gelegenheit seine Neiijahrrwünsche abstattet. Der Doyen be» dip'omalischen Korp», bet Päpstliche Nuntiu» Pacelli, hält in besten Namen eine Ansprache, auf die der Reichspräsident erroibert.

• Fritz Zubeil gestorben. Der soziakdemokra- tisch« ReichStagsabg. Fritz Zubeil ist ben Folgen de» Schlaganfalle», ben er vor mehreren Tagen er­litten hafte, erlegen. Der Verstorben« hätte am 11. Januar nächsten Jahres ba» 79. Lebensjahr ttoUenbet. Er gehörte dem alten Reichstage von 1893 bis zu dessen End« an. 1919 biS 1920 war er Mitglied bet Nationalversammlung. Seit 1920 gehörte er wieder dem Reichstage an. Al» Nach- folger Zubeil» tritt Kurt Heinig m ben Reichstag. — Zubeil, der vorübergehend in Berlin eine kleine Gastwirtschaft behieben hat, war der Typs des sozialdemokratischen Vertreters von 1918: flein- bürgerlich, und auf negative HM eiugeMt.

Aus Berlin wird uns gefchriedeu:

Selbst die Weihnachtsfeiertage blieben nicht verschont von den Debatten über die Gestaltung der künftigen innerpolitifchen Lage. Nun, nach­dem die Festtage vorüber sind, geht das Rätsel­raten in der Presse wieder an. Um es gleich zu sagen; es hat gar keinen vernünftigen Zweck, sich über diese Dinge vor der Wiederaufnahme der offi­ziellen Verhandlungen durch die Parteiführer im Benehmen mit dem Herrn Reichspräsidenten, aus­einanderzusetzen.

Es ist nur natürlich, daß einerseits aus Sen­sationslust, andererseits freilich auch aus politi­schen Sorgen, und zwar gerade von jenen Kräften her, die den Sturz dieser Regierung, ohne zu wissen, was danach folgt, veranlaßt haben, nun­mehr alle möglichen Gerüchte in der Lust her­umschwirren. Rian erörtert die unmöglichsten parteipolitischen Konstellationen, ja man spricht so­gar von Diktaturplänen und dergleichen. Selbst die Auflösung des Reichstages fpiett als Druck-Gespenst eine Rolle.

Demgegenüber muß dringlichst zur Ruhe und Besonnenheit geraten werden. Wie liegen denn die Dinge? Richtig ist, daß der Sturz dieser Regierung die Reihe der Verantwortungslosigkei­ten, die wir bet ähnlichen Vorgängen schmerzlich beobachten mußten, noch verlängert hat. Es ist ein Unsinn im parlamentarischen System, eine Dele­gierung zu stürzen, ohne zuvor zu wissen, was da­nach kommt.

Und der jetzig« Regierungssturz stellt einen politischen Wahnsinn schon um deswillen dar, weil diejenigen, die die Regierung stürzten, also die Deutftfjnationalen, die Sozial­demokraten und die Kommunisten weder in Verbundenheit noch einzeln für sich eine neue Regierung zu bilden vermochten. Der Stern der Regierungsbildung wird, wie immer die Ding« sich gestalten mögen, in der parlamentarischen Mitte liegen. Und alle Erörterungen in der Presse der verschiedensten Parteien haben, wol­lend oder nicht, anerkennen müssen, daß dem so fei. Die Linke wagt es schon gor nicht, auch nur theo­retisch die Möglichkeiten einer Regierung der Linksparteien zu erörtern. Das Thema einer ein­seitigen Orientierung wird in der Hauptsache nur auf der Rechten erörtert Aber diejenigen, die die politischen Kräfte kennen, und vor allen Dingen sich auch Rechenschaft darüber geben, daß zur Er­füllung bestimmter Aufgaben auch eine bestimmte Kräftegruppierung notwendig ist, ver- kennen nicht, daß eine Ausschaltung der Mitte eine politische und parlamentarische Unmöglichkeit ist Irgendwie wird auch auf dieser Seite in Anleh­nung an die Mitte versucht und demgemäß wird auch die Taktik eingerichtet

In der günstigsten Sittiation sind bet den augen­blicklichen verworrenen Verhältniffen tatsächlich die Mittelparteien. Sie können die Dinge abwarten ’-nh nir»5 weitere an sich heranfommen lassen. Die Verpflichtung zur Lösung der Regierungskrise liegt bei den Exponenten rechts und links. Es wird ab­zuwarten fein, ob und wie sie sich dieser Verpflich­tung entledigen können und das weitere wird sich dann für die Entfaltung der Aktivität der Mitte von selbst ergeben.

HasUnde über die Landwirtschaft.

3m Landwirtschaftlichen Rundfunk der Deut­schen Welle sprach Reichsminister Dr. Haslinde über di« Lag« und di« Aufgaben der deutschen Landwirtschaft und den Stand unserer Volksernäh­rung an der Jahreswende. Der Minister wies einleitend darauf hin, daß bte Lage unserer deut­schen Wirtschaft, insonderheit unsere Landwirtschaft, bei Ausgang des Jahres 1926 noch außeror­dentlich ernst und drückend erscheine.

Wenn die Reichs- und Länderreglerungen zur Behebung der ernsten Notlage der Landwirtschaft im Laufe des letzten Jahres tatkräftig eingegriffen haben, fo handle es sich hierbei nicht so sehr um die